Indiana Tribüne, Volume 28, Number 42, Indianapolis, Marion County, 11 October 1904 — Page 5
Politische Ankündigungen.
Demokratische Kandidaten. Chas. E. Coz empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Staats-Senator. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. James E. McCullough empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Countn Staatsanwalt. Wahl am Dienstag, den 8. November 1904. Henry C. Coz empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Nichter des Jugend.GeriÄts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Adolph G. Emhardt empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als demokratischer Candidat für Nevräsentant zur Legislatur. Wahl am Dienstag,, den 8. November 190t. James E. Berry (Mitglied deslTclegraphistkn, Verein, Local Vko. 7.) emvsiehlt sich den Stimmgebern von Center Township als demokratischer Candidat für AsZeffor von Center Township. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Grundeigenthums Uebertragungen. David D. Cooper an Anson H. Thompson u. And., Lot 265, Martins New York Add., nahe New York Str., westlich der Blake. $3000. Anson H. Thompson an Lillian an MafterZ, dieselbe. $3000. Charles E. Kregolo an Samuel E. Pertins, Thzil von Lot 7, Sq. 23, New York, westlich von Capital Ave. $2000, Jonathan ftolfc an Margaret Van Bu-kirk, Theil vom nordöstlichen Vier, tel, Sect. 23, Township 15, Range 3, Wahne Townspip. 83000. Boulevard Land Company an Wil liam M. HusbandZ, Lot 103, Boule. vard Park Add., westlich der Central Ave., nördlich der Fall Creek. $600. ' Francis M. Motgomery an Harry Stout u. A., Theil Lots 4, 5 und 6, Square 23, Massachusetts Ave. zwischen Delaware und Alabama Str. $30,000. Joseph H. Shipp an Jacquelin S. Holliday, Lot 6 und Theil 5, Roache'S Add., Delaware und 10. Str. $18, 000. William C. Van ArSdel u. A. an Charles L. Henry, Theil LotS 1 bis 11. Meadland Grandview Add. östlich der Creek nahe 13. Str. S1,666. Cyruö Hoadley an John Berry, Lot 74, linglewoob Add., südlich von Oft Washington Str., westlich von der Gürtelbahn. $2100. Allen W. Conduitt an John W. Cooper, Theil von Lots 912, Adam. son'Z Sub., Theil von Außenlot 4, Ft. Wayne Ave., zwischen Pennsyl. vania und Delaware Str. $4000. David Harris an Martin Carr, Lot 31, Caven's Subdivion, Outlot 150, Virginia Str., westlich von Agnes. $1500. . Monro W. Bailey an Frank M. Holliday u. A., Lot 19, Meyer'S erste Addition, südlich von Prospect Str., östlich von State. $1700. Gustav Kothe an Elizabeth A. Kothe u. A.. LotS 63 und 64 und Thei von 65, Brown u. A. Subd., OutlotS lO? und 103, naheSchmids'S Brauerei. $1 Harry M. Johnson an Ann I. Hough, Theil Lot 89, Bruce'S Add.. nahe Park und Sutherland Avenue, $4,500. WillittS A. Bastian an Caroline Schaud u. A., Lot 12, Square 7. Lincoln Park, Central Ave., nahe 23. Str.. S1.500. Harry A. Metzzer an Albert C. Metzger, 6 LotS in Metzger'S Ost Michigan Straße Add.. östlich von Belt Railroad, $1.00. Neuer Federweißer bei W m. S t o e f f l e r, 202 Nord Noble Str. New Y o r k. H. A. Gouge, als Crnnder eines Heiz - Apparates für BahN'Wagen bekannt, ist gestorben. Er war ein intimer Freund deS Jam. G. Blaine,' den er auf vielen Cam pagne-Touren begleitete.
Republikanische Candidaten.
W. B. West empfiehlt stch den Stimmgebern von Center Township alS republikanischer Candidat für Trustee von Center Township. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Martin M. Hugg empfiehlt fich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für Staats-Senator. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. John McGregor empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für County-Commissär des 2. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Henry W. Klausmann empfiehlt fich den Stimmgebern von Marion Coumy als republikanischer Candidat für County Surveyor. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. M. L. Jesserson empfiehlt fich den Stimmgebern von Center Township als republikanischer Candidat für Assessor Wahl am Dienstag, den 8. November 1901 George W. Stubbs empfiehlt sich den Stimmgebern von Marion County als republikanische? Candidat für Richter des Jugend'Gerichts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Harry D. Tutclvilcr empfiehlt fich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für County Coroncr. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. John E. McGaugheh empfiehlt fich den Stimmgebern von Marion County als republikanischer Candidat für . County Commissär des 1. Distrikts. Wahl am Dienstag, den 8. November 1901. Neue Inkorporationen. Die Underwood Typewriter Co.", New Jersey, Capital $3,500,000. Im Staate Jndiana investirt: $13,437. Die Dcarborn Oll & Gaö Co.", Chicägo; Capital . 59,000 ; H. P. Merriman, Chicago, Präsident. Die South Milford Cemetery Co.", South Milford, Lagrange Co-z Capi tal $1600, TruyeeS, I. B. Newnam. George Gunn, C. A. Blackman. H. M. Newnam, E. F. Seagley, M. 33. Roß und Floren H. Austin. Die Caledoma Mining Co.". New Albany. Capital $25,000; Directo ren: E. I. Hackett, H. G. Roetzel und John Nicholson. Die Croupoline Co.", Goshen; Ca Vital $10.000. Directoren: F. M. Zhreg, O. F. Alderman, T. M. Ober, JameZ Johnfton und Harris Oppenheim. - Die Ben Franklin Oil & Gaö Co.", Franklin; Capital $20,000; Präsident, Samuel Harris; Vice.Präsident, M. I. Vorhis; Secretär, L. E. Slack; Schatzmeister, I. W. RagZ. dale. Bauerlaubnißscheine. C. C. Wynn, Cottage, Arrow Avenue, $700. Martha Thoma, Cottage. Colorade Straße, nahe New Vork, $500. Louise Pauken, Reparaturen, 907 Ost St. Clair Straße, $700. C. und F. Schaub, HolzWohnhauS, 2334 Central Avenue, $2000. C. H. Cook, Cottage, Laura Straße, nahe Washington, $1000. William G. Moore, Cottage, Mable Straße, nahe Calhoun, $600. Indianapolis GaS' Company, Arick'Gebäude, LangSdale Avenue, $30,100. W. Brennrman, Holz.Wohnhaus, Süd Reisner Str., $1500. Einerschwere Gefahr entging die Löwenbändigerin Goulue, welche in der in St. Cloud weilenden Menagerie von einem Löwen angefallen wurde. Die Dompteuse wurde am Kopfe und am Unterleibe von der Bestie verletzt und nur durch das Eingreifen zweier Soldaten, die mit Bajonetten durch das Gitter hindurch auf den Löwen losstachen, sowie durch einen Wärter, der das Thier mit einer langen Eisenzange packte, gerettet.
Arme Seist!
Won Th. Randal. Frau Lola war unwiderstehlich, darüber gab es nur eine Meinung. Klein, zierlich, hell und fein wie eine FeenZönigin aus dem Sagenlande., eroberte sie im Sturm alle Herzen. Wenn sie lachte, so lachte das ganze Sanatorium, und wenn sie betrübt war war Regenwetter auf der gern zen Linie. Wer sie eigentlich war, wußte Niemand. Im Fremdenbuch war sie eingetragen unter dem Namen: Frau Lola Konski, Rußland". Seit drei Sommern kam sie regelmäßig Ende Mai in das Sanatorium auf dem Hochgebirge und reiste Ende August wieder ab. Sie kam stets allein, führte einen einfachen Koffer mit sich und eine große graue dänische Dogge, die ihr wie ein Schatten folgte, wo sie ging und stand. Doch das Geheimnißvolle, das sie umgab, ließ ihre angenehme, kleine Person doppelt., anziehend erscheinen, und Niemand versuchte, aus Neugier sie auszufragen. Gleichsam durch ein schweigendes Uebereinkommen war sie der Schützling Aller, und zum Aus gleich dafür war sie gütig gegen Alle. Während ihres Aufenthaltes im Sanatorium wohnte sie oben unter dem Dache in zwei kleinen hellen Zimmern, die nach Süden lagen. Ich liebe die Sonne so sehr." sagte !ie ein wenig wehmüthig. Wir haben o selten Sonne in Nußland." Sie lachte so frisch wie ein .Kind, hatte die lustigsten Einfälle und sagte die bizarrsten Dinge mit der natürlichsten Miene der Welt. Einmal kaufte sie in der Stadt für zehn Kronen Confekt und ließ die Damen im Sanato rium sich krank daran essen. Sie selbst rührte nicht ein Stück davon an. Als sie erfuhr, welches Unglück ihr freigebiges Geschenk angerichtet hatte, rief sie ganz vergnügt aus: Gott sei Dank, daß eZ noch mehr unvernünftige Menschen gibt ich glaubte immer, nur ich sei dumm und gedankenlos." Ihre größte Freude war es, wenn sie einen von den Pensionären veranlassen konnte, droben im Musiksaal auf dem schönen Flügel etwas vorzuspielen. Sie dankte mit strahlendem Gesicht für jeden heruntergepaukten Walzer und genoß jeden Ton, während sie sich in die Sofaeke kauerte und Demidoffs ihres Hundes Kopf auf ihrem Knie ruhte. Wir glaubten deshalb natürlich Alle, daß sie selbst nicht spielen könnte. Eines Tages waren wir den Bergabhang ein Stück hinabgestiegen, um den Sonnenuntergang besser beobachten zu können. Frau Lola war allein auf der Veranda zurückgeblieben. Wie ' groß war unser Erstaunen, als plötzlich eine Fluth von Tönen zu uns herniederbrauste, so machtvoll und künstlerisch schön gespielt,daß wir einander sprachlos anblickten. Ich schlich mich hinauf und fand richtig unsere kleine Feenkönigin am Flügel, dem sie mit ihren Kinderhänden ganze Kaskaden sprudelnder Töne entlockte. Aber. Frau Lola!" rief ich ganz überwältigt aus. Sie brach hastig mit ein paar schnellen Schlußaccorden ab und wandte sich mir zu. 0 Gott, nun werde ich sicher Niemanden mehr dazu bekommen, mir etwas vorzuspielen." sagte sie traurig; das ist zu schade!" ' Eines Tages verlief sich ein Pferd auf unsere Höhe, das auf einen etliche Meilen entfernt gelegenen Hof gehörte. Keiner von den Pensionären konnte reiten, und keiner hatte Lust, das Pferd den langen Weg hinter sich herzuziehen. Da rief Frau Lola plötzlich: Warten Sie, halten Sie es noch einen Augenblick!" und verschwand im Hause. - Nach zehn Minuten kam sie. zurück, in ein langes, schleppendes Reitkleid aus blauem Tuch gekleidet. Herr TLfting," sagte sie zu mir. bitte, helfen Sie mir doch auf's Pferd hinauf, ich kenne den Weg nach Rygaard ganz gut und möchte nicht haben. daß der Eigenthümer sich erst lange um sein schönes Thier beunruhigt." - Aber, Frau Lola." wandte ich ein. wir haben ja keinen Sattel, und Sie kennen das Pferd gar nicht." 0, das thut nichts, ich reite nicht zum ersten Mal auf ungesatteltem Pferde, und dieses ist ja fromm wie ein Lamm!" Alles Widerreden half nichts. Ich half der federleichten Gestalt auf das Pferd; sie saß oben, als wäre sie auf dem Rücken des Thieres festgewachsen, und ihre zierlichen Hände meisterten die Zügel mit derselben Sicherheit wie die halsbrecherischste Liszt'sche Rhapsodie. Dann drückte sie die Jockeymütze fest über die widerspenstigen Stirnlöckchen. rief uns Allen einen munteren Gruß zu und fetzte hinweg über Stock und Stein Wir gingen während deZ ganzen Vormittags in der größten Unruhe für unseren Schützling umher, und das Mittagbrod schmeckte keinem. Am Nachmittag kam sie endlich in einem holperigen Wagen angefahren, neben i ihr saß ein alter Bauer. Es war herrlich!" rief sie uns schon von unten entgegen. Der Hofbesitzer auf Nygaard war glücklich, als er sein Pferd wieder hatte!"
Ms sie dann auö dem Wagen gesiiegen war und wieder unter uns auf der Terrasse stand, von Allen umringt und bewundert, rief sie lustig aus: Sie haben mir doch nicht etwa den ganzen Pudding aufgegessen? Nur um riees Puddings willen habe ich die Einladung zu Tisch auf Rygaard nicht angenommen." Die Wirthin beruhigte sie mit der Versicherung, daß in der Speisekammer noch mehr Pudding stehe, als sie verzehren könne, und Frau Lola lächelte ihr strahlendstes Kinderlächeln. Ein einziges Mal nur hörte ich sie ernsthaft reden. Sie war krank und konnte nicht den gewohnten Bergspaziergang mit den Anderen machen. Sie hatte mich gebeten, ihr Gesellschaft zu leisten, und wir hatten es uns im Lesezimmer bequem gemacht. . Erst saß sie ganz still und blickte hinaus in die sonnige Landschaft, dann wandte sie sich plötzlich zu mir und fragte: Sind Sie jemals zu etwas wider Ihren Willen gezwungen worden?" Ich schüttelte verneinend den Kopf. Das ist auch entsetzlich," sagte sie mit einem Schauder, man findet keine Ruhe, weder bei Tage noch bei Nacht man ist förmlich wie gejagt " Ich sah sie überrascht an. Sie fing meinen Blick auf und wurde blutroth. Kümmern Sie sich nicht um das, was ich da eben sagte, Herr Candidat, ich bin ja krank, wie Sie sehen, vielleicht kränker, als ich weiß " Ja, sie sah wirklich sehr elend aus, aber mir schien weniger ihr Körper als ihre Seele zu leiden. ' Haben Sie die neuesten Nachrichten aus Rußland gelesen?" fragte sie dann gleichgiltig. Der Zar und der Minister sind wohl noch immer auf, ihrer Reise, nicht wahr?" Nein, ich glaube nicht," erwiderte ich. so viel ich weiß, sind sie anfangs dieser Woche nach St. Petersburg zurückqekommen." Wie?!" Ihre Augen erweiterten sich und wurden unheimlich starr. Ist das wahr?" So viel ich weiß, ja!" So sind meine Ferien auch vorbei.' sagte sie tonlos. Ich bin nämlich Hofdame," fügte sie rasch wie erklärend hinzu. Ich antwortete nicht, nickte nur und machte mir meine eigenen Gedanken. .Gegen . Abend kamen die anderen Pensionäre müde und hungrig von ihrem langen Spaziergang heim. Beim Abendessen überraschte uns Frau Lola mit einem großen Korb Champagner. Meine Ferien sind nun bald zu Ende," sagte sie, ihr gefülltes Glas erhebend, und so will ich all' meinen lieben Freunden hier meinen wärmsten Dank sagen. Vergessen Sie mich' nicht und wenn Sie meiner gedenken, so thun Sie es in Freundlichkeit!" - Außer mir war wohl Niemand in dem ganzen Kreise, der etwas Merkwürdiges in. diesen schlichten Worten gefunden hätte, doch ich las bereits mehr darin, als sie wohl ahnte. "Zwtt Wochen vergingen und Frau Lola war noch immer unter uns. Sie sprach in dieser Zeit seltener mit mir, sie wich mir sogar aus. Doch war sie heiterer und muthwilliger als je. Als wir eines Abends beim Souper saßen, erhielt sie ein Telegramm. Sie nahm es entgegen, ohne mit einer Wimper zu zucken, steckte es in die Tasche und setzte die Mahlzeit fort Ich beobachtete sie während dir gern zeu Zeit scharf, aber nicht eine Muskel rührte sich in dem fchönen Gesicht. Nach dem Abendessen spielte sie uns auf dem Flügel vor. schöner und inniger als je, und erst um Mitternacht trennten wir uns. Gegen drei Uhr Morgens erwachte ich durch das Rollen eines Wagens, und als ich aufstand und in den dämmernden Morgen hinausschaute, entdeckte ich vor der Terrasse einen eleganten Landauer, mit zwei Pferden bespannt. Auf der Treppe stand ein kochgewachsener Mann, dessen Ge sichtszüge ich im Dunkeln nicht unterscheiden konnte. Plötzlich hörte ich im Hause leichte Schritte, und gleich darauf fah ich Frau Lolas kleine leichte Gestalt über die Terrasse huschen und im Wagen verschwinden. Im Vorbeigehen sprach sie zu dem Mann auf der Treppe einige russische Worte. Er gab ebenso leise Antwort, trat zurück in'S Haus, aber nur, um nach wenigen Augenblicken zurückzukommen und zu ihr in den Wagen zu steigen, der sich sofort in Bewegung setzte. Lange noch lauschte ich dem Rasseln de? Räder nach, das allmählich in der 5?erne verhallte. W m Ein Monat war seit Frau Lolas Abreise vergangen. Der Herbst hatte seinen Einzug gehalten, und die Zahl der Sommergäste verminderte sich von Tag zu Tag. Auch ich hatte meinen Koffer gepackt und stand im Begriff. abzureisen, aber das Wetter war so herrlich schön, daß es mich lockte, meine Ferien so lange wie möglich droben in den Bergen auszunützen. Eines Morgens, als ich gerade meinen Frühspaziergang machen wollte, brachte mir der Postbote eine ungewöhnlich große Post.- Ich ging in's Lesezimmer und öffnete zunächst eine der vielen Zeitungen. Das Erste, worauf meine Augen sie- ' (
len, war eine fett gedruckte Notiz an der Spitze der Nummer: Attentat auf den Minister des Innern! Eine junge Frau. Nihilistin. Frau Lola Kowakonski, hat heute einen Mordanschlag auf den Minister v. K. versucht. Die verruchte Thät ist dank Gottes gnadiger Fügung mißglückt. Die Thäterin ist verhaftet." Meine Ahnung! Meine, Ahnung! Mit fiebernden Händen entfaltete ich die übrigen Zeitungen und fand in allen nur den gleichen lakonischen Bericht.... Arme kleine Feenkönigin! Nun würde sie, die Licht und Sonne über Alles liebte, in Sibiriens feuchten Gefängnißlöchern schmachten! Das also war eS, wozu man sie gegen ihren Willen gezwungen hatte! Ich legte die Zeitungen auf den Tisch und ging auf mein Zimmer. Am selben Nachmittag noch reiste ich ab. mt cai Die Hände des Zlikolai Smowitsch.
Elizze von Dr. Max Pollaczek. Rüsjunu!" (Trab.) Kapitän Nikolai Lwowitsch Losjew hat es commandirt, und die Abtheilung setzt sich, so gut sie kann, in Trab. Es geht erbärmlich. Die Kerle schwanken auf dem Pferderücken hin und her, wie die Aehren im Winde, zwei Gaule verfallen in Galopp, und ein Mann räumt sogar den Sattel. Stoi!" (Halt.) Der Kapitän knallt dem Gaul mit der langen Manegepeitsch: eins vor, daß er kerzengerade in die Höhe steigt und dann stehen bleibt. Der Rekrut, der'sich beim Falle arg wehe gethan hat, macht Versuche, sich zu erheben. Neugierig gucken die Dragorer nach dem Kameraden, der jetzt iu strammer Haltung vor dem Eskadronchef steht. Hast Du Dir weh gethan, mein Täubchen?" Der Soldat hat sich an der schweren Schaska (Plempe) gestoßen und zeigt auf die schmerzende Stelle. Ja. hier. Euer Wohlgeboren." In den Augen des Officiers leuchtet es tüöisch auf. Er faßt mit der Linken den Säbel und thut, als wolle er auf die schmerzende Stelle zeigen. Dabei stößt er aber mit der Scheide so heftig dagegen, daß der Soldat zurücktaumelt. Smirno!" (Stillgestanden) brüllt der Officier.' Er sieht, wie .sich das Gesicht des Mißhandelten vor Wuth verzerrt, und wie nur die eiserne Disciplin ihn davon abhält, sich auf den Vorgesetzten zu stürzen. Nikolai Lwowitsch lächelt. Er commandirt zur Abtheilung gewendet Wolno!" (Rührt Euch) und mustert höhnisch den Mann vor ihm von oben bis unten. Ist Dir vielleicht irgend etwas nicht recht," beginnt er dann, hast Du Dich über irgend einen Uebelstand zu beklagen, Lutschesarow? Möchtest wohl lieber wieder in Kiew sein und mit den anderen Lümmeln Unruhen stiften? Das hat aber aufgehört, mein Lieber, hier heißt es den Mund halten und gehorchen. Ein Glück für Dich, daß man Dich hierher geschickt hat. Besser ein ordentlicher Gemeiner, als ein revolutionärer Student. Na, der Schmerz hat wohl unterdeß aufgehört?" Und wieder stößt er den Wehrlosen mit der Säbelscheide. Sadisjaa!" (Aufgesessen.) Der Ritunterricht nimmt seinen Fortgang. Mechanisch folgt der gemaßregelte Student den Commans, aber seine Gedanken weilen ganz wo anders. Er erinnert sich der stürmt schen Scenen vor dem Universitätsgebäude, als die Kosaken mit den Nagaiken auf die versammelten Hörer einschlugen, an die Verhaftungen, als man ihn und viele Andere gebunden in's Gefängniß warf und schließlich als gemeine Soldaten in's Heer einreihte. Er denkt an die Demüthigungen und Qualen, die man ihm bereitet hat. und in seinen Augen glüht ein düsteres Feuer auf. Plötzlich schreckt ihn ein Peitschenknall wie ein Pistolenschuß, und brennend fühlt er den Hieb auf dem Rüden. . Nikolai Lwowitsch lacht über das ganze Gesicht. Wollte der Kukoka eine kleine Hilfe geben, hat Dich wohl ein bischen gestreift? Nitscheweo. ist Dir sogar gefund. Rüsjunu!" Und so geht eö alle Tage. Püffe, Stöße und Hiebe regnen auf den unglücklichen Studenten herab, bis zuletzt sein Hirn nur noch einen Gedanken, sein Herz nur einen Wunsch hegt: Rache um jeden Preis!" Der Krieg gegen die verachteten Makaki (Spitzname der Japaner) hat begonnen. Die Dragoner hatten sich gefreut, daß sie aus der Garnison und aus dem Friedensdienste herauskamen, und die . Officiere besonders waren froh gewesen, daß nun auf Avancement zu hoffen war. Vor Allem waren sie vergnügt gewesen, als der Kasnatschei (Zahlmeister) die Mobilistrungsgelder auszahlte. ES war nicht einer unter ihnen, der sie nicht sehr gut gebrauchen konnte. - Die entsetzlich lange ermüdende Bahnfahrt hatten sie alle gut überstanden. Dann, aber hatten strapaziöse Märsche, in dem unergründlichen Sumpfboden der Mandschurei, . dann
yitten der Hunger und daö Fieber den Enthusiasmus abgekühlt. Schließlich Waren die Schlachten gekommen und jede von ihnen war eine verlustreiche Niederlage. Der Gemeine Lutschesarow steht schon lange nicht mehr in der Front. Es mangelt an Aerzten, und so ist er, da er vor seiner Einstellung die medizinischen Kurse beinahe beendet hatte zur Assistenz beim Regimentsarzt commandirt worden, und es fehlt ihm nicht an Arbeit. Trotzdem nimmt auch jetzt noch der Kapitän jede Gelegenheit wahr, ihn zu kränken. Lutschesarow läßt sich Alles gefallen, was soll er auch machen aber er hofft, daß seine Stunde kommen wird. Tartarisches Blut rollt in seinen Adern, und er weiß, daß er sich rächen wird, wie sich nock Niemand aeräckt bat. Es ist Nacht geworden, das Heer lagert auf einer kahlen Ebene, und stumpfsinnig hocken die Leute um die Wachtfeuer. Man weiß, daß es morgen einen heißen Tag geben, daß Kuropatkin versuchen wird, den eisernen Ring, den Marschall Oyama um ihn zu schmieden im Begriff ist, zu durchbrechen. Auch Lutschesarow kauert in Gedanken versunken vor einem schwelenden Reisigbündel. Da hört er sporenklingende Tritte, der Kapitän macht mit einem Leutnant die Runde. Rasch will er aufspringen, aber, schon trifft ihn ein Stoß mit der Säbelscheide und gleich darauf ein Hieb mit der Reit- ! peitsche. X Kannst Du nicht aus dem Wege gehen. Bolwan?" Klirrend schreitet, Nikolai Lwowitsch weiter und zähneknirschend schaut der Student ihm tiq ; Der Mora'' :ingt die erwartete Schlacht ursir vaio ist aus den Verbandplätzen Alles in eifriger Thätig keit. Lutschesarow hilft den Feldschern die gräulichen, zweirädrigen Karren abladen, die dem Transport der Verwundeten dienen. Vorsicht," sagt einer der Krankenträqer, da ist Kapitän Nikolai Lwowitsch." Sorgfältig hebt man den Bewußtlosen hinunter, ein Granatsplitter hat 4.. ihn an den Armen verwundet und großcn Blutverlust verursacht. Lutschesarow beugt sich über seinen Vorgesetzten und untersucht ihn; die Verletzungen sind unbedeutend. He, was is mit ihm?" rust einer der Aerzte. Ein teuflischer Gedanke durchzuckt den Mediziner. Operation nothwendig. Euer Wohlgeboren!" ruft er zurück. Kannst Du sie allein vornehmen?" Jawohl." Ein Heilgehilfe wird herancitirt, de? unwissende Mensch soll assistiren. , Noch einmal sieht der ehemalige Student seinen Peiniger mit einem Blicke triumphirendcn Hasses an, dann beginnt er sein blutiges Werk. Erst die Hand, die die Peitsche und dann die, die den Säbel geführt hat," murmelt er vor sich hin und leitet die Narkose ein. Wenn der Kapitän aus ihr erwacht, wird er ein armloser, elender Krüppel sein.
Esel und Juden. In der die Jahre 10011479 umfassenden Schweizerchronik des Landamtmanns Aegidius Tschudi wird daS in französischer Sprache abgefaßteVerzeichniß der Zollbeträge mitgetheilt, die nach einem zwischen dem Graferr Konrad von Fryburg und der kleinen Stadt Murten in den Jahren ' 1399 getroffenem Abkommen für die Benukung der über das Flüßchen Thielle (Zil) führenden Brücke zu erheben waren. ES hatten danach alle Personen zu Pferde zwei Denier (ein Pfennig) zu entrichten, wobei Edelleute und Priester ausgenommen waren. Weiter heißt es in der Liste: ES zahlt jeder Fußgänger einen Denier. Jedes Maulthier fünfzehn Denier. Jeder Esel dreißig Denier. Jeder Jude dreißig Denier." Warum man die Juden so hochschätzte", weiß jeder mit dem Leben der Vergangenheit einigermaßen Vertraute, dagegen sind wir nicht im Stande, die Gründe für die Gleichstellung zwischen Esel und Iuden anzugeben. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens auch noch ein anderes hübsches Beispiel für die hohe Einschätzung der Juden angeführt. Zu Anfang des neunzehntenJahrhunderts mußte in Preußen jeder, der sich seine Hausmusik nicht selbst besorgte, sondern dazu Leute benutzte, die die Musik gewerbsmäßig betrieben", also Klavierspieler, Sänger u. s. w., einen Erlaubnißschein, Musikzettel" genannt, lösen. Für diesen wurde eine -Taxe entrichtet, und zwar hatten (pro Tag) zu bezahlen: Generäle, Staatsmini- , ster. Personen von hohem Adel einen Thaler und acht Groschen, Bankiers, Engroshändler, Fabriksunternehmer vier Thaler und Juden fünf Thaler. Sie kennt sich. Du wolltest mir doch einen Ring kaufen, Hans, warum thust du's denn nicht? - Weil ich will, daß du dir ihn selbst aussuchst. Ach nein,' Hans, lieber nicht. Soviel Geld hast -du ja gar nicht. VertauschteBuchstaben. Rosa: Doktor Wacker, der mich behandelt hat, hat endlich um mich angehaltn." Frieda: So? Dann bist Du also aus einer ärztlichen eine zärtliche Behandlung getreten,"
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