Indiana Tribüne, Volume 28, Number 42, Indianapolis, Marion County, 11 October 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, 11. Oktober 1904
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Bericht des Gencral-Mditcurs cinc warmc Em-
pschlung für Wicdcr-Einsltyrttng der Cantinc.
Das Bahn - Unglück bei Warrensburg, vernichtet. Von der Campagne. ernannt. Cincinnaticr Sttcik. Die Disziplin in der Armee. Wl a s h i n g t o n, 10. Oct. Der Jahresbericht vom General Auditeur Davis an den KrlegS'Selretär zeigt, daß die Zahl der kriegsgerichtlichen Processe während des Jahres 4,249 betrug, um 1,026 weniger als im verflossenen. Diese bemerkenswerthe Abnahme,sagt der Auditor, ist hoch befriedigend als Beweis dafür, daß die Verhältnisse im Militär-Tienst zur Aufrechthaltung der Disciplin das Mitel der KriegSze. jetzt weniger nothwendig machen. Auch wird bemerkt, daß nur zwei Personen durch eine Militür-Commif-flon procesfirt wurden, 70 weniger als im Vorjahr. Der Auditeur schreibt diese große Abnahme bei Processen durch Militär.Commissionen dem Umstände zu, daß auf den Philippinen das ganze Jahr über Frieden herrschte, ausgenommen in gewissen von den Moro-Stämmen bewohnten Gebieten. Kriegsgerichtlich wurden 30 Ossi' ziere procesfirt, in zwei Fällen wurde das Urtheil umgestoßen und vier Frei sprechungen find zu verzeichnen. Bei 3897 verurthe'.lten Soldaten wurde das Urtheil in 46 Fällen nicht bestätigt; freigesprochen wurden 311. Entlassen wurden durch Urtheile 9 Offiziere; in 4 Fällen erfolgte Umwandlung deS Urtheils in Zurücksetzung beim Avance ment. I Auszüge der Berichte von Audi teuren der Departements find dem obigen Berichte beigegeben. Der Audi teur de Departements von Colorado leitet die Desertionen von dem bösen Einflüsse der Wirthschaften und schlech. ter Häuser her, die in der Nähe der Reservationen gelegen find. DieS sei nur ein weiterer Beweis für die Wiederherstellung der Armee Cantine, welche für Plätze der Erheiterung und deS geselligen Verkehrs sorgte, wo die Leute leichte Erfrischungsgetränke un ter beschränkenden, anständigen und ordentlichen Einflüssen erhalten könn ten. Auch der Auditeur deS Departement von TexaS verlangt Wiederherstellung der Cantine. 27 Menschenleben ver n i ch t e t. KansaSCity, 10. Oct. Die Zahl der Todten beträgt 27, 30 Personen find verletzt, einige lebensgefährlich. Der Passagierzug war der Missouri Pacific No. 30. der gestern Nacht aus Wichita, Kerns., mit AusstellungS-Be. suchern nachSt.LouiS abgegangen war. Der Zusammenstoß erfolgte an einer Curve, unter dem Namen Dead Man's Bend" bekannt. Der Fracht-Zug war ein ExiraZug. Die Mannschaft hatte Befehl, auf einem Seiten-Geleise die Vorüberfahrt des Passagierzugs abzuwarten. Der erste Theil deS letzteren war bereits paffirt, als der Frachtzug auSfuhr, da dessen Führer seiner Aussage nach von einem zweiten Theil deS Passagier-ZugS kein Kenntniß hatte. Ein halb dutzend Personen waren so schwer verletzt, daß fie starben, bevor fie auS den Trüm mern hervorgezogen werden konnten. Warrensbura. Mo.. 10. Oct. Nach den letzten Nachrichten be trägt die Zahl der Umgekommenen 23 und die der Verletzten 60. W ! l s o n 'S Rathschlag. Kn oxv ille, Tenn., 10. Okt. Natlonal Sekretär Wilson von der KohlengräberGewerkfchaft rieth heute in einer Rede zu Jellico zur Einstellung deS Streiks. Wie man vermuthet, wird fich die gemeinsame Conferenz am Freitag auf fiebenprocentige LohnReduction ei nigen. Selbstmord eines Club. Mannes. New York . 10. Okt. Frank de Peyster Hall, ein Mitglied verfchie dener angesehener ClubS, hat fich heute erschossen. Eine VerläumdungS und Schadenersatzklage auf 8100,000, die 2 andere Clubleute gegen ihn ange strengt, sollte heute zur Verhandlung kommen.
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Mo. 28 Menschenleben wurden Wynne zum Gcncral-Postmeister Auffallender Selbstmord. H. G. Daviö eröffnet seine Campagne. Baltimore, Md., 10. Okt. Die Campagne-Tour des demokratischen VicepräfidentschaftS Candidaten H. G. DaviS in Maryland und West Virginia begann heute Abend vor einer riesigen Versammlung in der Lyra Halle; Tausende konnten keinen Eintritt finden und eS herrschte von An fang bis zu Ende großer Enthusiasmus. Außer Senator Davis sprachen Ex Gouverneur W. T. Whyte, D. B. Hlll, die Senatoren Gorman und Da niel. Die Campagne-Tour endet am 18. in Blueflelds, W. Va. Feuer auf dem Ausfiel l u n g s p l a tz e. St. Louiö, 10. Oct. Bei einem Brande, der heute einen Vergnügungsplatz nahe der Ausstellung zerstörte und daS Dach vom Forest Park Hotel ergriff, wurden 350 Hotel-Gäste aus dem Schlaf gerüttelt und aus dem Gebäude getrieben. Auch auf dem Gebäude des Aus-ftellungS-GebäudeS fielen Funken und nur das rasche Eingreifen' kam einem allgemeinen Brande zuvor. Der Scha den ist gering. Nur Einer gerettet. Chicago, 10. Okt. Als einziger Ueberlebender einer Segelpartie von 4 Chicagoern wurde heute H. Gray eine halbe Meile vom Ufer gerettet. Seine Schwester nebst 2 weiblichen Begleiteru ertranken. DerCandidat derVolksPartei. Chicago, 10. Okt. Thomas E. Watfon, Präsidentschaftskandidat der Volkspartei, . sprach heute in dem dicht gefüllten Princeß Rink.' Watfon, des sen Ausführungen Begeisterung erreg ten. griff die Politik der Republikaner und der Demokraten auf's bitterste an. L e x i n g t o n, Nedr., 1 0. Oktober. Senator Fairbanks sprach bier etwa 10 Minuten vor einer zahlreichen Menge; die späteren Aufenthalte wur den in Kearney, Grand Island, Cen tral City ColumbuS und Fremont, alle in NebraSka, gemacht. Central City, Nebr., 10. Okt. Hier besprach der Senator die Wäh rungsfrage und beglückwünschte E. Rosewater von der Omaha Bee zu sei nem energischen Eintreten für ein ge sundeö WährungS-System. Omaha, Nebr., 10. Okt. In einer Rede heute Abend hier sprach Senator Fairbanks über die Trust Frage. MarySville, Mo., 10. Okt. W. I. Bryan sprach 'heute hier zu Gunsten der Erwählung deS demokr. Gouverneurs - Candidaten, Josef W. Folk, ferner erklärte er, den nationalen Candidaten der Partei, Parker, nach besten Kräften unterstützen zu wollen. Er halte den Imperialismus, wie vor 4 Jahren,, so auch heute für die Haupt-Wahl-Frage. Später sprach Bryan in Chillicothe, Mo. NamiafteTodte. L aporte, Ind., 10. Okt. Wm. Fargher, Besitzer der vollständigsten Manx Bibliothek in Amerika und Mitardeiter von Hall Caine bei einigen von Eaine'ö Manx Erzählungen, ist heute 73 Jahre alt an einem Herzleiden gestorben. In den 60er Jahren eröffnete er ein Sommer Etablissement am FichtenSee bei Laporte. Tausende von Leuten aus allen Theilen des Landes haben diesen Platz besucht. Pawtucket, R. I., 10. Okt. Henry B. Mettcalf, Candidat der Prohibltionisten für daS Gouverneursamt von Massachusetts und Vice.Prüfident-schaftS-Candldat der Partei im Jahre 1890, ist todt. Er war 75. ParkerwiederinNew Bork. New I o r k , 10. Okt. Richter Parker kamheute zur fünften Conferenz mit Parteiführern hierher. Er stieg im Hotel Seville ad und gedenkt bis Donnerstag zu bleiben.
Aufregende Scene.
Wahnfinns.AuSbruch eines PassaZz . a. t . v . oi . . cm r . Biers in oer viayt von uariam. Fort Wayne, Ind., 10. Oct. Daniel Tuigg auS Chicago verfiel heute Abend plötzlich auf einem Penna-Zug in der Nähe von Warfaw in Irrsinn, zog einen Revolver und schoß unter die Passagiere. C. Peckham, 15, und S. Sault, 20, find verletzt, der erstere wurde in der Nähe deS Herzens getroffen und ist verloren. Beide stammen aus Monroeville. Der Mahnfinnige wurde überwältigt und in Fort Wayne internirt. Cleveland spricht für P a rk e.r. New York, 10. Okt. Der Vorsitzende Taggart ist benachrichtigt, daß Ex-Prüsident Cleveland hier eine Rede zu Gunsten von Parker und Davis halten wird. Ein Datum ist noch nicht angesetzt. Bryan beginnt seine Jndiana Tour am Mittwoch in Rockville. MitgliederdesOber.BundeSgerichts im Weißen Hause. Washington, 10. Okt. Präfident Roosevelt empfing heute den amtlichen Besuch von Ober - Richter Füller und seiner College anläßlich der Wieder-Eröffnung des Gerichtshof?. Die Mitglieder des Gerichtshofs fuhren vom Gerichtssaal dcS Capitol aus nach dem Weißen Haus. Der Empsan fand im blauen Zimmer statt. Einigung der beiden republ. Faktionen. W i l m i n g t o n. Del.. 10. Okt. Die regulären Republikaner und die Union oder die sog. Addicks-Republika-ner einigten fich heute Abend auf Preston Lee von hier als gemeinsamen Gouverneurs Candidaten anstatt der Männer, welche ihre beiderseitigen Conventionen aufgestellt hatten. Wynne General-Post, meister. Washington, 10. Okt. Präfident Roosevelt kündigte heute die Er. mnnung von Robert I. Wynne, deS stellvertretenden General - Postmeisters, zum General-Postmeifter an. Die Ernennung kommt nicht unerwartet; der Präsident deutete 2 Tage nach Herrn Payne's Tode Freunden gegenüber seine Absicht an, Wynne zum General-Postmeister zu machen, bis der Vorfitzende des republ. National . ComiteS Cortelyou in der Lage sei, jeneS Amt antreten zu können. Heute Nachmittag wurde Herr Wynne in sein Amt eingeführt; den Eid nahm Haupt'Clerk Hawley ab, der jetzt stellvertretender erster HllfS General'Postmeister wird. Tod eines bekannten deutschen Schauspielers. Philadelphia, 10. Oktbr. Oscar Heller, früher weit unter dem Bühnen-Namen Otto Devalle bekannt. ist 62 Jahre alt gestorben. Er stammte aus Sachsen und begann von 1872 an in Amerika eine erfolg reiche Bühnen . Laufbahn, namentlich auch in Shakefpeare'schen Stücken. 1890 bildete er eine Gesellschaft und reiste im Osten. Heller schrieb zahlreiche Dramen für die deutsche Bühne. Auch als Sänger genoß er Ruf. Weinseimer vor dem Richter. New Jork, 10. Oct. Vor Richter Newburger begann heute der Proceß ge gen Philip Weinseimer, den früheren Präsidenten deS BaugewerkfchastS'Ver bandeS wegen Erpressung. Der Ange klagte soll in einem Falle S2700 von G. I. Essig für Aberklärung beim Streik an einemHauSbau, im andern $400 aus dem gleichen Grunde verlangt haben. Gegen die Kohle. Fuhrl e u t e. Cincinnati. 10. Okt. DaS Executiv-Comite vom Verein der Ar beitgeber beschloß heute 'nach längerer Debatte eine Erklärung, wonach der Verband in dem gegenwärtigen Streik die Kohlen-Händler bis zum Aeußerften unterstützen u. nöthigensallö S100,000 zur Brechung des Ausstände aushrin gen will. Falls der amtliche Polizeischutz für die Angestellten der Kohlen-Gesellschaf, ten nicht genügt, sollen Privat-Polizi sten als ConstadlerS verwandt werden. Als Grund dieses Entschlusses wird angegeben, das Bestreben der Union für Herbeiführung einer geschlossenen Werkftätte sei unamerikanisch und den Interessen deS Publikums schädlich.
Mörder seiner Kinder. Kummer über den Tod der Gattin veranlaßt die schreckliche That.
Cleveland, O., 10. Okt. Der Böhme Bohnmil Schnepp, 41, nahm heute seine beiden Kinder, 4 und 3 Jahre alt, in den Keller seines Hauses und tödtete sie durch Schüsse in die Schläfe. Zur Verhinderung von Hilferufen waren die Kinder geknebelt. Nachher ging Schnepp zum Grabe seiner verstorbenen Frau und schoß sich in den Kopf, ist aber nicht tödtlich verletzt. Bevor Schnepp auf seine Kinder schoß, betäubte er fie durch Schläge mit einem Hammer. Schnepp brütete seit Monaten über den Tod seiner Frau. S l o c u m . C o m m i s s i o n im Weißen Hause. Washington, 10. Oct. Die Slocum - Commission, welche jenes schwere Unglück untersucht hatte, überreichte im Weißen Hause dem Präsidenten ihren Bericht. Der Präsident besprach sich etwa 2 Stunden mit den Mitgliedern. Krtmstecher nennt man die von den Offizieren benutzten Ferngläser, weil sie zuerst in großer Zahl im Krimkriege (1853 bis 1856) zur VerWendung gelangten. Ausländer in Japan gab es im Jahre 1894 nur 12,664, dagegen waren um 1900 über 9000 Japaner zu Studienzwecken im Auslande und über 15,000 in Geschäften. . In Waldmünchen, dem Städtchen, in dem erst am 14. Juli 23 Scheunen und andere Gebäude abbrannten, brach neuerdings Großfeuer aus, dem dreißig Hauer m:t Nebengebäuden zum Opfer fielen. Zweifellos uegt Brandstlstung vor. Zwe: der That verdächtige Personen wurden bereits in Haft genommen. Die Beisetzuna des Sultans Murad erfolgte auf das allereinfachlte. Nur Frauen und Ulemas folg ten der Bahre, weder Mltttar noch Beamte gaben das Geleit. Auch die Theilnahme des Publikums an der Bestattung war infolge der umfangreichen Sicherheitsmatzreaeln und des Mangels an Interesse nur gering. Die Konstantinopeler Zeitungen dürr ten mchts erwähnen als den einfachen sechszeiligen offiziellen Bericht über den Tod des Sultans. Im Bericht der eidgenössischen Fabrikinspektoren für die Juhre 1902 und 1903 wird der interessante NachWels geführt, daß von der fortschrel tenden freiwilligen Verkürzung der Arbeitszeit die Frauen am wenigsten profitirt haben. Von den in der Industrie beschäftigten erwachsenen Frauenspersonen haben 65, von den verheiratheten Frauen sogar 71,5 Prozent noch die volle Arbeitszeit von 65 Stunden wöchentlich, wahrend von den erwachsenen Männern nur 38,6 Prozent noch 65 Stunden arbeiten. Die Erklärung besteht darin, daß von allen Frauen mehr als die Hälfte in der lang arbeitenden Textilindustrie beschäftigt find, wahrend andererseits die Metall- und Maschinenindustrie mit ihrer durchschnittlich kürzeren Arbeitszeit sehr wenig weiblicher Pers zonen oeoarr. Die Landes - Versammlung des badiscken ??rauenvereins findet am 4. Oktober in Wolfach statt und wird sich neben den üblichen Berathungsgezenständen bauptsächlich mit der Bekämpfung der Tuberkulose befassen. Die Protektorin des Vereins, die Großherzogin, sowi: die Erbgroßherzogin werden der Versammlung anwohnen. Im letzten Sommer-Semester wa ren an den deutschen Universitäten 1035 Hörerinnen eingeschrieben, darunter 73 rechtmäßig immatriculirt, u. z. 33 in Heidelberg, 30 in Freiburg, in Tübingen und 4 in Würzburg. Die meisten Hörerinnen zählte Berlin mit 369 Frauen; es folgen Freiburg mit 84, Bonn mit 78, Heidelberg mit 69. Vreslau mit 67, Leipzig und Gttingen mit je 64, Köniqsberg mit 54. Straßburg mit 38. Würzburg mit 33. Jena mit 26. Halle mit 25, Tübingen mit 18, Kiel, Marburg und München mit je 12, Gießen mit 9 und Erlangen mit 1 Hörerin. Im vorigen Som-mer-Semester studirten 858 Frauen. Ein prcUtiscizer Arzt. Der Doktor Meier erhält ohne vorausgegangene -Bestellung von einem Cigarrenhause eines Tages einen Posten Cirren laut beigelegter Rechnung zum Gesammtpreise von 15 Mark zuschickt, mit der Bemerkung, daß dieselben ganz vortrefflich seien. Eine Probe bestätigt dies denn auch. Hierauf geht von dem Doktor an die Firma folgendes Schreiben ab: Ich empfing von Ihnen 150 Stück unbestellte Cigarren zum Preise von 15 Mark. Als Gegenleistung übersende ich Ihnen beifolgende 5 Rezepte a 3 Mark gleich 15 Mark. Sie find zwar ebenfalls nicht bestellt, aber auch sehr gut. Hochachtungsvoll Dr. Meier, prakt. Arzt.
Japanische ReligtonSanfchauung.
Vor kurzem äußerte fich ein in Vüizburg Medizin studirender Japaner e. nem deutschen Studiengenossm gegenüber in interessanter Weise über die Stellung des Staates in Japan gegenuber den Religionen. Der mit dem Japaner seit langem befreundete Deutsche wagte eines Tages die von den Japanern stets als unhöflich aufgefaßte Frage, die wir vom Gretchen aus dem Faust kennen: Zu welcher Religion bekennen Sie fich denn eigentlich?" Warum fragen Sie das? war die ausweichende Gegenfrage des Japar.ers. Nun. Sie müssen doch bei Ihrer Jmmairjlulation an der deutfen Universität die Rubrik, die nach Jbrem Religionsbekenntniß fragt, ausgefüllt habl'n! Ja. geht bei Ihnen in Deutschland das dieUniverfitätsbehörde etwas an?'" Dann waren Sie eben doch wohl gezwungen, bei Ihrer Anmeldung bei unseren Polizeibehörden irgend eine Angabe über Ihr Glaubensbekenntniß zu machen." Ich habe keine gemacht, ge denn das in Europa die Polizei etwas an?" Sie müssen aber doch in Japan am Gymnasium oder in der Volksschule irgend einen bestimmten Rett gionsuntcrricht genossen haben." Ja, wird denn in Deutschland die Religion auf der Schule gelehrt?" ' Wie bringt denn sonst der Japaner dem kindlichen Gemüthe bei: Das sollst Du thun, dies darfst du nicht thun, sonst iommst du in die Hölle und beleidigst Gott u. s. w." Mein Lieber, lehrt denn bei Ihnen das ewa die Religion?" Sie verwechsein ja Religion mit Moral und Ethik. Freilich wird bei uns in Japan in der Familie und in der Schule der Begriff gut und böse den Kindern durch ErZiehung und Unterricht beigebracht. Aber diese Begriffe find doch, sollte ich meinen, auf der ganzen Kulturwelt vollständig gleich. Ebensowenig, wie Sie sich ohne weiteres in der Philosophie als Anhänger von Kant oder Schopenhauer odcrNietzsche oder einem anderen Philosophen bezeichnen werden, ebensowenig kann ich Ihnen sagen, was ich für ein Rcligionsbekenntniß habe; ich weiß es einfach nicht. Wenn Sie wollen, bin ich Buddhist, denn meine Mutter war Buddhistin. Wenn Sie wollen, bin ich Schintolst. denn mein Vater ist Schintoist; ich selbst bin aber in Wirklichkeit keines von beiden; mein Vater ließ mir ebcn keinen Religionsunterricht geben, weil die Religion in Japan reine Privatfache der Familie ist. etwa wie Sie in Deutschland den Kindern nach Belieben Klavierunterricht geben lassen. Wenn Sie wollen, können Sie mich auch einen Christen nennen, denn ick nahm als junger Mann eine Zeitlang b"i e'nem protestantischen Pfarrer in Japan Religionsunterricht, weil es mich interessirte. Aber deshalb bin ich doch lein Protestant! Ich kenne natürlich auch die Lehren des Vuddvis mus und Schintoismus. und hrgfam bekenne ich mich zu keiner dec drei genannten Konfessionen." Ter todtgeschwiegene Krieg. Der Gil Blas" macht sich über mehrere seiner Pariser Kollegen lustig, weil sie, aus Sympathie für Rußland die japanischen Siege einfach todtschweigen und die eintreffenden Telegramme fälschen oder nach eigenem Wunsch interpretiren; durch dieses System glauben diese Zimmerstrategen dem ganzen Kriege 'eine andere Wendung geben zu können. Das erinnert", schreibt der Gil Blas", an eine monumentale Szene, die im Jahre 1870 beim Ausbruch des deutsch-fran-zösischen Krieges ein vielgefürchteter Zeitungsmann ausführte. Der Gewaltige ging zum Kriegsminister Leboeuf und sprach also: Sie wissen. Herr Minister, daß meine Zeitung dem Kaiserreiche seit dem Staatsstreich Tag für Tag wichtige Dienste geleistet hat. Excellenz haben nun jetzt Gelegenheit, mir einen kleinen Gegendienst zu erweisen . . ." Das will ich gern thun", antwortete der Minister, sprechen Sie nur!" Nun, Herr Minister, so bitte ich Sie, für mein Blatt den Feldzugsplan zu geben." Leboeuf sah den Svrecher erschrocken an, da er glaubte, daß der Mann verruck.t ' geworden sei. Der Journalist aber erklärte kühl, daß er fich die Sache reislich überlegt habe, und daß er d?n Feldzugsplan unbedingt haben müsse. Nun wurde der Kriegsminister aber ernstlich böseund sprach das aus. waS er bis dahin nur leise gedacht hatte: Sind Sie verrückt, mein Herr!" Ich bin L nicht verrückt", erwiderte der Mann von der Presse tief beleidigt. Ich frage Sie einmal, zweimal, dreimal: Wollen Sie mir den kleinen Gee fallen thun, Nein?... Nein? ... Nein?" Der Minister schüttelte, spöttisch fix chelnd, den Kopf, worauf der Journa. list ihm einen vernichtenden Blick zu warf und die folgenden vernichtenden Worte hervorstieß: Schön, Herr Minister, dann führen Sie Ihren Krieg nur allein . . . mein Blatt- wird davon keine Notiz nehmen!" Sprach's und verließ mit feierlich abgemessenen Schritten, wie der Held einer klassischen Tragödie, den Schauplatz dieser historischen Szene.
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