Indiana Tribüne, Volume 28, Number 40, Indianapolis, Marion County, 8 October 1904 — Page 7

Jndtana Tribüne, 8. Oktober 1904

rcttldwa. Kriminal'Roman. Son ReZnhold Ortmaun (Fortsetzung.) )cx Beamte sal) vctrosscn von lym auf Editha. Er erwartete wohl einen Ausbruch flammender Entrüstung, und es mußte ihn in hohem Grade befremden, daß sie mit heftig athmender Brust dastand, daß statt des zornigen Protestes nur ein paar unartikulirte Laute wie von mühsam niedcrgehaltcncm Schluchzen über ihre Lippen kamen. Was berechtigt Sie zu dieser Vermuthung?" Der Inhalt des Gesprächs, das ich über denselben Gegenstand erst an diesem Morgen mit dem Fräulein hatte. Ich fühle mich berechtigt zu erklären, daß Fräulein Rüthling mir eine so wichtige Wahrnehmung, wenn ste sie wirklich gemacht hätte, gewiß nicht verschwiegen haben würde Möchten Sie nicht die Güte haben, sich darüber zu äußern, mein Fräulein? Ich brauche Sie doch wohl nicht erst darauf hinzuweisen, daß jeder Versuch einer Begünstigung, und entspränge er auch den edelsten Bewcggründen, Sie selbst mit dem Strafgesetz in Konflikt bringen würde." Editha wollte sprechen, aber sie war nicht mehr dazu im Stande. Ein schmerzliches Stöhnen nur entrang sich ihrem Munde, und im nächsten Augenblick brach sie mit einem kleinen Aufschrei zusammen. Sowohl Paul Francke wie der Kommissar sprangen zu ihrem - Beistände herbei. Sie hoben die Ohnmächtige auf und legten sie auf das Sofa. Vielleicht ist der Gcrichtsphysikus noch da", sagte der erschrockene Bcamte. Haben Sie doch die Freundlichkeit. sich nach ihm umzusehen." Im Begriff, die Thür zu öffnen, wäre der Kafsirer um ein Haar mit Günter Wolfradt zusammengeprallt, der eben feine Hand zu dem Drücker erhob. Die beiden Männer sahen sich für einen Moment in die Augen, beide im vollen Bewußtsein der zwischen ihnen entbrannten tödtlichen Fehde. Dann wurde Günter der auf das Sofa hingestreckten Gestalt feiner Cousine ansichtig, und dieser Anblick ließ ihn alles andere vergessen. Er trat in das Zimmer und wandte sich erregt an den Fremden, dessen amtlichen Charakter er leicht genug errieth. Was bedeutet das? Um Gottes willen, meine Cousine ist doch nicht" Beruhigen Sie sich! Fräulein Rüthling hatte einen Ohnmachtsanfall, während ich sie vernahm, und sie wird sich jedenfalls bald erholen. Ich bin der Kriminalkommissär von Sydow und hier in amtlicher Eigenschaft. Darf ich fragen, wen ich vor mir habe?" Ich heiße Günter Wolfradt. Der Bankier Rüthling war mein Oheim." Wenn der Kriminalist sich den muthmaßlichcn Mörder etwas anders vorgestellt hatte, so gab er seine Ueberraschung doch nicht zu erkennen. Es ist mir lieb, daß Sie gekommen sind," sagte er sehr gemessen. Denn ich wollte Sie eben durch einen Beamten zur Vernehmung laden lassen." Ich bin zu Ihrer Verfügung doch nicht früher, als bis ich über das Befinden meiner Cousine beruhigt bin. Man muß sofort einen Arzt herbeischaffen." Der Arzt ist schon da," klang es hinter ihm. und da er sich umwandte, sah er Dr. Fritz Weickardt, dem sich auch die besorgt dreinblickende Stadträthin angeschlossen hatte, während das magere Gesicht des Prokuristen weiter zurück im Halbdunkel des Ganges auftauchte. Ich darf wohl bitten, meine Mutter und mich .mit der Dame allein zu lassen." sagte der junge Arzt in seiner ruhigen, bestimmten Weise, die stets von vornherein jeden Widerspruch auszuschließen schien. Und ein wie heißes Verlangen Günter auch fühlen mochte, einen verzeihenden Blick Edithas zu erHaschen, ein einziaes freundliches Wort aus ihrem Munde zu vernehmen daß er sich dieser Aufforderung nicht widersetzen dürfe, sah er doch ein. In dem Moment, da sich die Thür des Wohnzimmers hinter ihnen schloß, sagte der Kriminalkommissar noch um eine Schattirung ernster und amtlicher als vorhin: Eine Vernehmung an Ort und Stelle dürfte unter den obwaltenden Umständen kaum noch möglich sein. Und da ich überdies nach dem PolizeiPräsidium muß. darf ich Sie wohl ersuchen. Herr Wolfradt, mich dahin zu begleiten." Wie soll ich das verstehen? Als eine Verhaftung?" Nein, es ist vorläufig nur eine Sistirung." lautete die kühle Entgegnung. Wir werden eine Droschke nehmen, so daß die Sache gar nichts Auffälliges hat. Uebrigens hatten Sie denn erwartet, verhaftet zu werden?" Ich war darauf gefaßt warum sollte ich es verheimlichen? Gerade weil ich weiß, daß man einen unsinnigen Verdacht gegen mich hegt, kam ich hierher." Sie thaten daran jedenfalls sehr vernünftig. Lassen Sie uns also gehen!" ,Editha war nicht mehr, wie er es gewünscht und gehofft hatte, die Zeugin

seiner entschlossenen That gewesen; aber er zweifelte nicht, daß sie es erfahren würde. Und so düster auch immer die ungewisse Zukunft sein mochte, der er entgegenging, die stolze, befreiende Empfindung, mit der sein Entschluß ihn erfüllt hatte, ließ ihn erhobenen Hauptes seinen schweren Weg antreten. 14. Kapitel. Im Kontor des Bankhauses nahm auch an diesem Tage Alles den gewöhnten gleichmäßigen Gang. Die laufenden Geschäfte wurden glatt und geräuschlos abgewickelt wie immer. Und wenn die Gesichter an den hohen

Schreibpulten gespannter und ernster waren als sonst, wenn hier und da eine geflüsterte Bemerkung ausgetauscht wurde, die sich wohl auf etwas anderes als auf geschäftliche Angelegenheiten bezog, so hätte doch nur ein Eingeweihter errathen können, daß die Schatten eines düsteren, geheimnißvollen Verbrechens über dem scheinbar so ruhigen Getriebe lagen. Das Beispiel des Kassirers Francke war es, das alle neugierigen Erörterungen. alle vorwitzigen Fragen niederhielt. Wenn er, als der Vertreter des Chefs, schon zu Bernhard Rüthlings Lebzeiten ein besonderes Ansehen genossen hatte und von den seiner Aufsicht unterstellten, jungen Leuten mehr gefürchtet il geliebt worden war, so hatte sein Auftreten während der beiden letzten Tage den Respekt, den man ihm zollte, noch um ein Beträchkliches erhöht. Jeder sah in ihm den Nachfolger des verstorbenen Chefs, der wenigstens vorläufig für Vt verwaiste Erbin das Bankhaus weiterführen würde, und keiner hätte es darum gewagt, die Gunst des mächtigen Mannes zu verscherzen. Paul Francke aber wünschte offenbar nicht, daß von dem Todesfall drüben in der Privatwohnung gesprochen würde. Er selbst hatte ihn in seinen kurzen, geschäftsmäßigen Unterhaltungen mit den Buchhaltern und Korrespondenten noch mit keiner Silbe erwähnt. Und als er im Vorbeigehen eine darauf bezügliche Aeußerung auffing, hatte er dem Sprecher einen so strengen, unzweideutig mikbilligenden Blick zugeworfen, daß man seitdem über seine Ansicht von der Unzulässigkeit solcher Gespräche nicht wohl im Zweifel sein konnte. Mit dem Buchhalter Heinitz hatte er seit ihrer kurzen Unterhaltung am Morgen kein Wort mehr gewechselt. Es konnte beinahe den Anschein gewinnen. als ob er einer Berührung mit ihm geflissentlich auswiche; denn wiederholt ließ er ihm Aufträge oder Weisungen durch einen der anderen Angestellten zukommen, obwohl er sie ihm sehr wohl hätte von seinem Platz aus ertheilen können, ohne auch nur die Stimme zu erheben. Was übrigens der junge Buchhalter am Morgen über sein Befinden gesagt hatte, war schwerlich bloßer Vorwand für die Erlangung eines Urlaubs geWesen. Sein ohnehin blasses Gesicht zeigte heute eine beängstigend krankhafte, fahle Färbung; die bläulichen Ringe unter seinen Augen waren viel breiter und tiefer als sonst, und von Zeit zu Zeit schüttelte es seinen mehr zierlichen als kräftigen Körper wie Fieberschauer. " Ein besonders gewissenhafter und zuverlässiger Arbeiter war er ja auch schon früher nicht gewesen, heute aber vergingen oft Zeiträume von fünf und zehn Minuten, während deren er, den Kopf in die Hand gestützt und die Feder auf dem Papier, keine Zahl und keinen Buchstaben schrieb. Und es ereignete sich wiederholt, daß dieser oder jener Kollege mit einem durch seine Hände gegangenen Schriftstück zu ihm trat, um ihn leise auf ein begangenes Versehen aufmerksam zu ' machen. Dann sah er wohl sehr bestürzt aus, entschuldigte sich mit unerträglichen Kopfschmerzen, die seine Gedanken verwirrten und versuchte eine Weile, angespannt zu arbeiten. Aber' der Eifer und die Fähigkeit dazu waren immer sehr bald wieder verflogen, und er bot schon nach kurzer Zeit aufs Neue das Bild eines schwerlerdenden, fast gebrochenen Menschen. Noch selten hatten sich im Verlauf eines Tages so viele Blicke auf die über dem Kassenschalter angebrachte Uhr, gerichtet wie heute. Es war ein Sonnabend, an welchem das Kontor schon zwei Stunden früher als an den anderen Wochentagen geschlossen wurde. aber trotzdem schien den Angestellten des Bankhauses kaum je ein Tag so langsam hingegangen zu sein wie dieser. . endlich war man nur noch um eine halbe Stunde von dem ersehnten Augenblick getrennt, da man sein Pult verschließen und das elektrisch Licht über seinem Arbeitsplatz ausdrehen durfte. Paul Francke stand in emsiger Arbeit über sein großes Kassenbuch gebeugt, um den Wochenabschluß fertigzustellen, und blickte nur flüchtig auf. als er noch zwei Herren, die er für späte Geschäftskunden hielt, an das Fenster des Kassenschalters treten sah. Aber er verließ sofort seinen Platz, als einer von ihnen sagte: Kriminal-Kommissar von Sydow! Ich möchte noch einige Fragen an Sie richten, Herr Francke!" Ganz zu Ihren Diensten! Kann es gleich hier geschehen?" Jawohl! Wir dürfen wohl in Ihren Verschlag da eintreten?" Der Prokurist selbst öffnete ihnen dienstbeflissen die Glasthür, und der Kommissar trat neben ihn an den Schreibtisch.während sein Begleiter,

der 'das Aussehen eines Unterbeamten hatte, sich bescheiden mehr im Hintergründe hielt. Bei einer Haussuchung, die wir heute Nachmittag in der Wohnung des Günter Wolfradt vorgenommen haben, sind zehn Tausendmarkscheine zutage gefördert worden. Sie waren ziemlich oberflächlich im Innern des Klaviers versteckt, und s unterliegt trotz seines beharrlichen Leugnens kaum einem Zweifel, daß Wolfradt sie dort verborgen hat Das von ihm bewohnte Zimmer ist vor seinem Einzug überhaupt noch nicht vermuthet gewesen und seine Wirthin, eine achtbare, völlig unbescholtene Frau, die nach ihrer Erklärung nie eine so große Summe beieinander gesehen hat, versichert glaubhaft, nichts von der Herkunft und der Existenz des Geldes zu wissen. Wolfradt selbst aber bestreitet, wie gesagt, einstweilen ebenfalls, die zehntausend Mark besessen und in dem Instrument verborgen zu haben. Und es wäre deshalb für seine Uebersührung von großem Werthe, wenn sich ermitteln ließe, ob die Banknoten aus Ihrem Tresor stammen. Ich habe sie mitgebracht. Sie sind, wie Sie sehen, ganz neu und augenscheinlich noch gar nicht im Umlauf gewesen. Können Sie sich erinnern. ob die fehlende Summe aus solchen neuen Kassenscheinen bestand?" Paul Francke war sicherlich ein Mann, der sich zu beherrschen verstand und der seine Gesichtsmuskeln gut in der Gewalt hatte. Die Ueberraschung, die ihm die Worte des Kriminal-Kom-missars bereitet hatte, mußte darum wohl eine ganz gewaltige gewesen sein, : daß er darüber für einen Moment so augenfällig aus der Fassung kommen konnte. Er räusperte sich wiederholt wie Jemand, 'der nicht weiß, was er sagen soll, er fuhr sich mit dem Taschentuch mehr als einmal über die plötzlich feucht gewordene Stirn? und er starrte jetzt auf das kleine BanknotenPäckchen mit so verblüffter Miene, als sähe er eine Vision. Sie Sie haben das Geld bei ihm gefunden ?" war das erste, was er endlich herausbrachte. In seiner Wohnung ?" Allerdings ! Als Neuling im Verbrechen it er beim Verstecken seiner Beute eben recht unvorsichtig zu Werke gegangen." Aber eine solche Ungeschicklichkeit ist doch kaum denkbar. Er müßte ja halb von Sinnen gewesen sein, um ein so unzureichendes Versteck zu wählen." Zufallsmörder sind nach ihrerThat selten, bei ganz klarem Verstände. Aber das alles steht ja augenblicklich nicht in Rede. Darf ich Sie um eine Antwort auf meine Frage bitten ?" Gewiß ! Gewiß ! .Sie wünschten zu erfahren, ob ich am Abend vor der That solche neuen Scheine in meinem Geldschrank hatte ?" Ja. das möchte ich wissen. Als dem Kafsirer sollte es Ihnen doch eigentlich bekannt sein." Noch einmal rieb sich Paul Francke die schweißbedeckte Stirn. . In den Adern, die wie bläuliche Stränge unter der Haut seiner Schläfen lagen, pulsirte sichtbar das Blut. Es war äugenscheinlich eine sehr angestrengte Gedankenarbeit. die er verrichten mußte, um sich über seine Antwort schlüssig zu

werden. Als sie nun aber erfolgte, klang sie ebenso fest und bestimmt wie seine Aussagen am Vormittag. Natürlich ist es mir bekannt. Da uns gestern größere Zahlungen bevorstanden, hatte ich 36.000 Mark von der Reichsbankfiliale holen lassen. Und ste wurden unserem Kassenboten in neu gedruckten Banknoten ausgehändigt." Nun, 'da hätten wir ja, was wir brauchen. Oder waren es nicht diese neuen Scheine, 'die Sie gestern beim Oeffnen des Tresors vermißten ?" Der Kafsirer nickte. Alle Verwir rung und Unentschlossenst war aus seinem Wesen verschwunden. Ich kann Ihnen nicht nur bestätigen, daß die entwendeten zwanzigTausendmarkscheine von dem Päckchen der neuen Banknoten fehlten, sondern ich kann vielleicht noch mehr thun, um die Identität dieser Papiere da mit den gestohlenen nachzuweisen. Von meiner Thätigkeit in einem kleineren Hause her. habe ich die vielfach als zwecklose Zeitvergeudung belächelte Gewohnheit beibehalten, mir des Abends bei Feststellung des Kassenbestandes die Nummern wenigstens der Tausendmarkscheine in einem besonderen Buche zu notieren. Wir werden also eine etwaige Uebereinstimmung leicht konstatieren könmn." Er öffnete sein Pult und brachte ein schmales, schwarz gebundenes Büchlein zum Vorschein. Die einzelnen Seiten desselben waren von oben bis unten mit langen Ziffernreihen bedeckt. Eines der letzten Blätter trug das Datum des vorgestrigen Tages, und Paul Francke fuhr mit seinem knotigen Zeigefinger an den Zahleükolumnen herab. Hier das müssen die neuen Kassenscheine gewesen sein. Sie gehörten sämmtlich derselben Serie an. Wollen Sie die Freundlichkeit haben, die Nummern mit denen der in Ihren Händen befindlichenBanknoten zu vergleichen ?" Ihre Unterhaltung war von Anfang an so leise geführt worden, daß kein Laut davon durch die Glaswände des Verschlages auch nur bis an das Pult des zunächst sitzendenBuchhalters dringen konnte. Es machte denn auch sei ner den nutzlosen Versuch, etwas zu erlauschen, obwohl die Erscheinung der beiden - trotz ihrer bürgerlichen Kleidung sehr imposant und martialisch aussehenden Herren allgemeine Auf-.

merksamkeit erregt hatte, und obwohl

von Pult zu Pult ein Flüstern gegangen war : Die sind sicherlich von der Kriminalpolizei." Auch an das Ohr des Buchhalters Heinitz war dies Geflüster gedrungen. Und von dem Augenblick an hatte er seine ruckweise und mühselige Arbeit ganz eingestellt' Den schmerzenden Kopf in beide Hände gestützt, stierte vz unverwandt in das vor ihm liegende Kontobuch, und seine Wangenmuskeln waren in einer beständigen, zuckenden Bewegung. Als einem der hinter ihm Arbeitenden das metallene Lineal entglitt und mit schwachem Klirren zu Boden fiel, schrak er zusammen, wie Menschen mit gesunden Nerven wohl bei einem in ihrer unmittelbaren Nähe abgefeuerten Kanonenschuß erschrecken mögen, und sein aschfarbenes Gesicht verzog sich wie zum Weinen. Der Buchhalter ihm gegenüber, der ihn schon seit einer kleinen Weile beobachtet hatte, sagte mitleidig : Sie sind wirklich krank, Heinitz, und Sie sollten lieber nach Hause gehen. Was Sie jetzt noch machen, ist jedoch nicht der Rede werth, und wenn Herr Francke nach Ihnen fragt, werde ich Sie schon entschuldigen." Mit einem leeren und doch unsäglich traurigen Blick sah der Angeredete zu ihm auf. Statt aller Antwort aber schüttelte er den Kopf und stierte tonn wieder ebenso stumpf und geistesabwesend vor sich hin wie vorher. j Eine Viertelstunde verrann, und die jungen Leute ringsumher begannen schon ihre kleinen Vorbereitungen für den sehnlich herbeigewünschten Aufbruch zu treffen. Da klang die Glasthür des Kassenschlages, und die beiden Fremden traten daraus hervor, um mit kurzem Gruß das Kontor zu verlassen. Eine Minute später wure Paul Franckes hagere Figur in der Oeffnung sichtbar. ! Herr Heinitz darf ich bitten V Scharf und befehlend tönte seine helle Stimme durch das Kontor. Der Gerufene war aufgefahren, und ein schwaches, undeutliches Gemurmel..das nicht einmal sein Nachbar verstehe konnte, hatte wohl seine Antwort sein sollen. Mit einem scheuen, angstvollen Blick, als wolle er seine Umgebung um Hilfe anrufen gegen einen fürchterlichen Feind, ließ er seine Augen umherirren ; dann aber raffte er stch mit sichtlicher Willensanstrengung auf und schritt unsicheren, wankenden Ganges dem Kassenraume zu. Man hörte nicht, was Paul Francke ihm da drinnen sagte, aber nach einer kleinen Weile erklang wieder die scharfe Stimme des Prokuristen : Ich bitte, Feierabend zu machen, meine Herren ! Es ist nicht nöthig, daß Sie auf mein Fortgehen warten ; denn ich werde noch eine halbe Stunde mit Herrn Heinitz arbeiten." Das ist geradezu eine Grausamkeit gegen den armen Menschen," meinte der Buchhalter, der Heinitz vorhin den Rath gegeben hatte, nach Hause zu gehen, zu einem Kollegen. Er konnte sich ja kaum noch auf den Füßen erhalten." Ach was," lautete die ziemlich gefühllose Antwort. Der Leichtfuß hat gewiß wieder die Nacht durchgeschwärmt, und ich wette, baß Francke ihm nur eine Lektion ertheilen will, indem er ihn. noch über die Kontorzeit zurückhält. Verdient hat er sie schon; denn wenn er so weitermacht, steuert er unfehlbar einem schlechten Ende zu." Es gab ein kurzes Geklapper von Pultdeckeln, ein Knirschen von Schlüsseln und ein Gescharr zahlreicher Füße. Dann erlosch eine der elektrischen Arbeitslampen nach der anderen, und eine matte Dämmerung breitete sich über den leeren Raum. Paul Francke trat noch einmal in die offene Thür des Kassenverschlages, um auch den mit verdrießlicher Miene herumlungernden Bureaudiener fortzuschicken, da er selbst das Berschließen der - Thüren und die Ablieferung der Schlüssel bewirken wolle. Und als auch der schleppende Schritt dieses letzten verhallt war, hatten der Prokurist und der Buchhalter keinen Lauscher mehr zu fürchten. 15. Kapitel. So, Herr Heinitz nun lassen Sie uns einmal ohne Umschweife miteinander regen ! Weshalb ich Ihnen heute Vormittag verbot, um einen Ur laub einzukommen Sie haben es verstanden nicht wahr ?" Das verstörte Gesicht des Buchhalters hatte einen eigenthümlichen trotztgen und verbissenen Ausdruck angenommen. Er sah aus wie Jemand, der entschlossen ist, sich gegen einen erwarteten Angrisf bis ans 3 Aeußerste zu vertheidigen. Nein, ich weiß es nicht," stieß er mit heiser und rauh klingender Stimme hervor. Ich glaubte eben, daß Sie mich im Augenblick für unentbehrlich hielten." Ah, welche Naivität ! Einen Menschen von Ihren Leistungen ? Nein, mein Lieber, Ihre Arbeitskraft ist hier vollkommen entbehrlich. Und wenn ich Ihnen trotzdem die ersehnte Freiheit nicht geben wollte, mußte ich wohl andere Ursachen dafür haben. Es läge nur in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie sich ein wenig Mühe geben wollten, sie zu errathen." Ich habe kein Talent, Räthsel zu lösen, Herr Francke ! Sagen Sie mir doch lieber gerade heraus, was Sie von.mir wollen." (Fortsetzung folgt.)

Unsichere Zcugcnaussagcn.

Die Uhrkettenberloque deS Lehrers und daS erzene Uelehrtcnbuch." In der Deutschen Rundschau" theilt Dr. Mohr einige charakteristische Beispiele über die Unsicherheit von Zeugenaussagen mit. Ein Lehrer vermißtk eine Berloque von seiner Uhrkette. Eir Schüler meldete sich und erklärte, bei Lehrer habe das Medaillon vorhin neck gehabt, als er nach der Pause den Ueber, zieher abgelegt habe. Von 35 Schülerr der einen Klasse gaben fünf auf das bestimmteste an, das Anhängsel an den fraglichen Vormittage gesehen zu haben. In anderen Klassen, in denen der Leh. rer am gleichen Vormittag unterrichtet fragte er auch nach, und da ergab sich, daß von 343 Schülern 88 bestimmt di Berloque ges ehen haben wollten. Schließlich fand man den vermißten Gegenstand in einem Gasihauszimmer, bas der Lehrer am Tage vorher besucht hatte In einer größeren Stadt befindet sick das Denkmal eines Gelehrten, der sitzenr den rechten Arm auf den Oberschenke! stützt und in der Hand einen Griffe! hält, so daß man glaubt, er wolle 31 schreiben beginnen. Da kommt nur. eines Tags ein Stadtvater ganz aufgeregt in die Magisiratssitzung und meldet, daß frevlerische Hände" das erzen, Buch, in das der Gelehrte geschrieber und das aus dem Knie der Statue gelegen, fortgenommen hätten. Einer, bei täglich an dem Denkmal vorbeiging, er. klärte, das bronzene Buch sei auf de? Knien befestigt gewesen und es könnt nur mit Anwendung von beträchtliche: Gewalt losgeschlagen worden sein. Eir anderer erinerte sich, daß das Buch eir besonderes Gußstück darstellte und mi drei Schrauben am Beine der Figm befestigt gewesen sei. Doch eine genau, Untersuchung ergab, daß auf dem Knu der Figur überhaupt nie ein solches Buch sich befunden hatte. JamagataS Photokarte. Der Adjunkt der Aussig-Teplitze: Eisenbahn, Böhmen, Adolf Scholz richtete an dieAdressedesOberbefehlshaberi der japanischen Armee Marquis Aamagata in Tokio, eventuell schon in Po Arthur," eine Weltpostvereins-Rückani. wortkarte, worin er seinen Sympathier für die japanische Armee Ausdruck gak und zugleich die Bitte stellte, der General möge auf die angebogene Antwortkarte seine Unterschrift fetzen. That, sächlich er hielt Scholz die Antwortkarti mit nachstehender, in deutscher Sprach abgefaßten Antwort: Geehrter Herr Adjunkt! Ich erlaube mir, Ihnen mitzutheilen, daß Excellenz FeldmarschaL Famagata Ihr gütiges Schreiben erhalten haben und darüber Freude haben, daßSie so großen Antheil an der Erfolgen unserer Armee haben. Sc lassen mich seine Excellenz Ihnen seim eigene Photokarte zum Andenken senden. Mit bestem Gruße, Horiuchi. Adjutant des großen Generalstabes Gleichzeitig langte an Herrn Scholz ein, zweite Postkarte ein, auf welcher sich di, Photographie Famagatas und die Unterschrift Horiuchi, Adjutant des großen Generalstabes" befindet. Die vor Herrn Scholz am 9. Juni aufgegeben, Antwortkarte traf laut Poststempel an 29. Juli in Tokio ein, die Antwortkarten wurden daselbst am 1. August aufgegeben und gelangten am 2. September nach Tevlitz. Kaiserliche Stilblüthe. Nicht geringe Heiterkeit hat eine Stilblüthe hervorgerufen, die dem Zarer, Nikolaus bei der Annahme des Anerbietens mehrerer sibirischer Milizkompagnien zum freiwilligen Dienst an dei Front passirte. Das Gesuch hatte fol. genden Wortlaut: Unterthänigst leger wir zu Ew. Majestät Füßen der Wunsch, daß uns gestattet werde, sin das Vaterland zu kämpfen und zu sterben." Indem er dieses Anerbieten annahm, schrieb der Zar mit eigener Hant auf den Rand des Gesuchs: Ich dank. Euch aufrn.?tig und hofft, daß Eurk Wünsche in vollem .Umfange in Erfüllung gehen mögen." Panik im Manöverlager. In einer Nacht brach im Manöverlag von Essex, England, eine Panik untci den Pferden aus, als eines der Pferdl erschösse wurde. Etwa 700 Pferdl stürmten durch das Zeltlager der schla senden Soldaten, von denen viele verletzt wurden. Der größte Theil der Thiere raste durch die Stadt; vielk rannten gegen Stacheldraht, wodurch sie sich schwer verletzten; andere liefen ir die See. Die Zahl der getödteten und verletzten Thiere betrug circa 100. Wiens ältester Student. In Wien wurde letzthin der Bergdirektor i. R., Josef Swoboda zu Grabe getragen. Dr Partezettel nannte ihn Stud. phil. Josef Swoboda, Bergdirekto? i. R." Der 64jährige Mann war der älteste Hörer der Wiener Universität. Direktor Swoboda benütztk die Jahre nach seiner Pensionirung i philosophischen Studien und ließ siui sn der Universität als ordentlicher Hötcr inskribiren. Er widmete sich rnii großem Eifer botanischen Studien. Brennend'' Eisenbahn, brücke. Drei B der Burlington Eisenbahnbrücke Irand Island. Neb., brannten in, . eines Feuers ab. das anscheinend durch Funken aus eine: Lokomotive entzündet war. Die Brückt ist beinahe eine Meile lang und über spannt den Nlatte-Fluß. Ein zur Zeii fälliger Pasiagierzug wurde noch recht zeitig zum Stehen gebracht.-

Feuer - Signale.

i Pennst? lv und State i English'SOvern-HauS s Sast und 92n 2 or! 7 Noble und riichigan ? N. Jersey u. 23afi 3ü 9 Pine und North Market und Pine 1 Vermont nahe Last l 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe 2töl sS Dttawareund Walnut 4 SZ. Jersey u Central A. L Masi. und SornellAv c sh Ud 11. trct 7 Park Ave und 12 Stt Columbia undHsid ; Highland Ave u. PrsU tt JllinoiS und Et. Joe 4$ Pennivlv. und Pratt H Meridian und 11. Et? is Z!s. 6 Spritzenhaus 15. nahe Jllmctf 6 Senate Ave u. SeClair Illinois und Mchigan Pesylvania und lt. :9 Senate Ave. und 13. U No. 1 CpritzsnhauA JnoSvenaheWichiga 2 Meridian und Walnut 4 Salifornia u Vermont SS Slake und 5!e göre Z Ind. Lv. u. Et, Clai? Z7 City Hospital 58 Blakt und Norty 39 Michigan und Lgnes u No. 6 Spritzenhaus Washington nah Weft it Ssendorf u Wash. Z Missouri u New AorZ 45 Meridian u Wash 18 JllinoiZ und Chi9 i7 Capitol Xv. u Wash i Kmgan'i PorkhauZ Straßenbahn Etäll W. Wafhwgton Ctt tt No. io Spritzenhau! 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(24 Alabama und 16. 125 Eentral Ave und 15. 126 2)nd(4 und 15. 127 Brookside und Juptta 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 'Li Alabama und 11. ni Bellefontaine und V. iU College Ave und M. 115 Delaware und 13. 136 Alabama und Nsrth 137 Newmann und 19. 138 College Ave und lt. is Cornell Ave und 13 141 DandeS und 19. ,42 Highland Ave und ia. v43 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 82. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiUside Ave und 16. (43 College Ave und l. i49 College Ave und 7. 152 Park Ave und 22. ibi S . 23 Sahn u. 22. !54 Ramsey Are und 10. 156 Etoughton U Newma (57 AtlaS und Piks. 153 Bloyd und Pawpstv. 159 No. 21 Spritzenhaus Lrizhtwood 6ö Arden und Depot 163 Brigytwood und 25. .64 Rural und Llohd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave unk 23. 168 ellefontain und 8. 168 Part de d 1. 212 Capital Ave und 17, 213 Pennsylv. u. 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Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 12 Uhr Mittags. Die so bezeichnete Signale werd nur do rhur KÄchter angegeben da an de betrefsende Streß, keuzungeU keine Alarmköstm mgebrcht ftid OKiOSM und der große Nordwest, via laLka-vatt VbiliHPtne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. 2" Von der Mono 47. Etr. Station, Chlcag. sind nur 5 Minuten mittelst elektrischer Kar nach den Union Liehdöfen French Lick. Spring, indem Orange County Hochland. Familien-Ht unter neuer escbäftelettung. Pluto,. Pro serxk-e ,nd BowleS Quellen. Bestes Wtneralwaffer der Selt. wei Lüge täglich via Sreracastle. Ticket-Osftcen : Union Station, MaffachusettS Av ad 2 West Washington Straße. .P.Alge, TIftttkt Pass. Agent, JvdianapeliS, Ind. .H.McDoel, .H.Rockwell. Präs. und Gen. Mgr. Betricdileittr Frank I.Reed, Sen.P,ss. Aaent. bicaao. 3?L