Indiana Tribüne, Volume 28, Number 39, Indianapolis, Marion County, 7 October 1904 — Page 4

Jndtana Tribüne, 7. Oktober IS OH.

Jndiana Tribüne. - Heraus gkAkben von In utenderg ö. Indianapolis, Ind.

Sarry C. Thudium .... Präsident. GeschäftSlocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. Krtc-ed a.i thc Post Office of Indianapolis as second dass matter. Ein politischer Streik. Der Streit als politisches Kampf. Mittel ist vor Kurzem in Italien zum ersten Male in ausgedehntem Maße in Anwendung gekommen. Das Kabel hat darüber nicht berichtet, weil die Regierung den telegraphischen Verkehr, im Jnlande sogar den telephonischen, unterbrochen hatte und über alle Nachrichten strenge Censur ausübte. Jetzt liegen Zeitungsberichte vor und aus denselben ist ersichtlich, daß die organi fitte Arbeiterschaft von der Regierung das Zugeständniß errungen hat, in Ccnflikten zwischen Capital und Arbeit nicht militärisch einschreiten zu wollen, sondern die Aufrechterhaltung der Ordnung der lokalen Polizei zu überlassen. Von dieser Forderung war die Be wegung ausgegangen und zwar aus Turin, dessen Bürgermeister auf Wei sung der sozialistischen Gemeinderäthe ein betreffendes Gesuch an den MinisterPräsidenten Giolitti gerichtet hatte. Die Regierung gab demselben nicht die ge wünschte Folge, worauf von den sozialiflifchen Führern in Mailand ein allgemeiner Streik für das ganze Land angeordnet wurde. Zunächst in Mailand trat derselbe sofort in vollem Umfange ein. Das Volk hatte seinen Willen. ES erfolgte nicht nur die Arbeitseinstellung in allen Fabriken, auch die Straßenbahnen wurden außer Betrieb gesetzt, Zeitun gen durften nicht erscheinen, Läden und Restaurants mußten schließen. Droschken die Fahrten einstellen. Auswärtige Zeitungen wurden nicht zugelassen. Das Beispiel Mailands wirkte ansteckend. Genua, Turin, Venedig, Bologne, Rom, Neapel und zahlreiche kleinere Orte folgten; in allen bedeutenderen Städten des Landes wurde der Generalstreik proklamirt und Folge geleistet. Nur die Eisenbahnangestell ten machten nicht mit. Anderenfalls wäre wirtlich einmal das Wort: alle Räder stehen still", zur Wirklichkeit geworden. Giolitti hatte mit den Turinern zu Paktiren gesucht. In einem Schreiben an dieselben hatte er die militärischen Ausschreitungen, die Forderung veranlaßt hatten, bedauert und strenge Untersuchung versprochen, dann aber be sonders sich auf feine stets arbeite?freundliche Haltung hingewiesen. Er sagte darin unter Anderem: Seit mehr als drei Jahren bin ich als Minister der Opposition für die absolute . Freiheit zum Ausstand und die Pflicht der Regierung, in friedlichen Konflikten zwischen Kapital und Arbeit nicht zu interveniren, stetig eingetreten. Die Befehle, welche ich gegeben habe und geben werde, so lange ich durch das Vertrauen des Königs und deS Parlaments die Pflicht habe, auf diesem Posten zu bleiben, waren und werden immer und ausnahmslos übereinstimmend fein mit den von mir vertretenen Grundsätzen. Die schmerzlichen Vorkommnisse, die wir alle bedauern, sind Unfälle, die mit keiner Aenderung des Regierungsprogramms etwas zu thun haben. Wenn die Gemeinderäthe in deren Namen Sie sprechen, sich die von mir eingeleitete radikale Aenderung der inneren Politik vor Augen halten, die überaus großen Schwierigkeiten, 'die ich zur Verwirklichung derselben zu überwinden hatte. und die Vortheile, die das Proletariat in ganz Italien davon hatte, werden sie begreifen, daß man unmöglich den Verdacht hegen kann, ich wollte durch thörichte Gewalthandlungen ein so glänzendes Ergebniß beeinträchtigen, und sie werden sich, dessen bin ich gewiß, vorder Nothwendigkeit überzeugen, zur Ruhe zu mahnen und bedauerliche Gewaltthätigkeiten hinzuhalten. die die Sache der Freiheit schädigen, die für das Wohlergehen und den materiel len nnd moralischen Fortschritt des Volkes so unentbehrlich ist." Aber diese Erklärung genügte nicht. Erst als Giolitti ein amtliches Rund, schreiben mit dem geforderten Versprechen erließ, wurde der Streik eingestellt. Und er hörte auch was von außerordentlicher Disciplin der Organisation spricht sofort auf. Die Arbeiter

hatten der Regierung nur durch praktischen Beweis zeigen wollen, was sie gegebenen Falles können. Im Jahre 1898", sagte der Volksredner Lazzari in Mailand, waren die Straßen leer, weil die Regierung eS wollte; jetzt sind sie leer, weil wir es wollen." Und", fügte er hinzu, der Wille des Volkes, der gegenwärtig gleich, stark ist, muß stärker werden." Die letztere Bemerkung hat revolutionären Beiklang, der dem Streik eigentlich nicht innewohnte; eS war eben nur eine Protestbewegung mit Erprobung eines drastischen Mittels, dessen AnWendung man wohl noch öfter begegnen wird.

Der Tnberkulose-Congrek. In der gestrigen Sitzung des Tuber-kulose-Congresseö machte Dr. Joaquin L. Jacobson, der Präsident der Tuber-kulosis-Liga von Cuba, geltend, daß in jedem Gemeinwesen zuverlässige Statiftiken über die Zahl der Schwindsüchtigen, die Dauer der Krankheit und die Sterblichkeit unter ihnen geführt wer den sollte. Er befürwortete die Annähme von Gesetzen, durch welche Aerzte gezwungen werden, für solche Statistiken der Behörden zuverlässige Berichte über die von ihnen behandelten Kranken zu liefern. Nur nachdem sich solches statistisches Material in den Händen der Gesundheitsbebörden befinde. werden letztere intelligente Maßregeln gegen die verheerende Krankheit treffen können. Ferner wurde im Laufe der Erörterungen darauf hingewiesen, daß das Publikum gewonnen werden muß, um den Behörden bei der erfolgreichen Durchführung von VorbeugungS-Maß regeln der Schwindsuch! zur Seite zu stehen. Erst wenn das Publikum die Nothwendigkeit solcher Maßregeln einsieht und dieselben allgemein befolgt, kann die Zahl der vielen Todesfälle an der Schwindsucht verringert werden. Dr. F. F. Daniels von Austin, Texa, machte geltend, daß Schwindsucht eine übertragbare Krankheit sei und daß deshalb ebenso strenge Maßregeln zur Verringernng der AnsteckungSgefahr getroffen werden sollten, als in Fällen von DiphtheritiS und Pockenerkrankung. zumal nachgeWiesenermaßen Schwindsucht eine weit gefährlichere und schwere Krankheit sei. Die Zeit des ErörternS ist zu Ende," sagte Herr Daniels. Wir müssen handeln, und energisch handeln, um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Wir haben noch viel über Tuberkulosis zu lernen, aber soviel wissen wir, daß durch geeignete Schritte der Krankheit Einhalt geboten werden kann. Wir sind die geeignete Organisation, um Stimmung für solche Maßregeln zu, machen, um die Bürger aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütteln." Herr Clark Bell, ein Sachverständiger auf dem Gebiete der Schwindsucht, behauptete, daß dem Staate das Recht nicht bestritten werden könne, Maßregeln zu ergreifen, Gesetze anzu nehmen, durch welche das Gemeinwesen gegen die Gefahren der Krankheit geschützt werden könne. Wenn ein Mann oder seine Gattin von den BtoU tern befallen wird und dieS über allen Zweifel festgestellt worden ist, so hat der Staat das Recht, in das Heim einzubringen und, alle persönlichen Recht? ignorirend, den Vater aus dem Kreise der Familie zu reisen. In einem sol chen Falle steht die Wohlfahrt deS PublikumS höher als das Recht deS einzelnen Bürgers." Während der Versammlung wurden mehrere Beschlüsse unterbreitet und dem Comite für Resolutionen überwiesen. Dr. B. Smith, der Superintendent des Irrenhauses in Rockwell, Ont., machte in seinem Vortrag geltend, daß Irrsinnige besonders empfänglich für Schwindsucht seien und daß deshalb die Krankenwärter mit äußerster Vorsicht zu Werke gehen sollten, um ein Verbreiten der Krankheit zu vermeiden. Dr. Barrick reichte eine Resolution ein, durch welche sich alle Delegaten verpflichten, in dem Gemeinwesen, in dem sie wohnen, für die Errichtung von Sanitarien für Schwindsüchtige zu wirken.. S o u t h B e n d, 6. Okt. Daniel Donahugh 9 Jahre alt, sagte gestern seiner Mutter, daß er ein würgendes Gefühl im Halse spüre und kurze Zeit darauf erstickte der Knabe. Vor einer Woche etwa verschluckte der Knabe ein 10 Cent Stück und man nimmt an, daß dieses als Todesursache anzusehen ist. ,'

Empfehlungen des Stadt - Ingenieurs, welche beachtet werden sollten.

Stadt-Jngenieur Jeup übersandte I. T. Saulter, dem Secretär der Kaufleute Vereinigung auf Wunsch einen Bericht, der sich mit dem gegenwärtigen Wasserstande in unserer Stadt, hauptsächlich, soweit der Feuer schütz in Betracht kommt, eingehend be faßt. In Bezug auf die Riverside Pumpstation berichtet er, daß die Dämme reparirt wurden und daß dieselben nach und nach verstärkt werden, um einen besseren Schutz zu liefern. Die Pläne zur Erweiterung der Indiana Ave. Brücke über den Fall Creek sind bereits fertig und Contracte für die Arbeit werden innerhalb der nächsten Wochen vergeben werden. Die Wagerwerkögesellschaft ist mit dem Baue des Aquaducts beschäftigt, derselbe wird genügenden Zufluß ermöglichen. In Bezug auf den Feuerschutz im Stadtcentrum sagt er, daß 20zöllige Leitungsröhren an der Missouri sowie auch an der Ohio Str. gelegt wurden, jedoch wurde die 20-zöllige Leitung direkt von der Riverside Station der Wasserwerke in Jndiana Ave. bis zur Ohio Str. sowie die Leitungen an der Süd Str., deren Bau von der WasserwerkeGefellfchast beabsichtigt wird, soweit noch nicht gelegt, jedoch wurden die Wasserwerke benachrichtigt, diese Leitungen sofort in Angriff zu nehmen. Die Riverside Station der Wasser, werke, sobald die neue Maschine in Be trieb tommt, wird eine Capacität von 62,000.000 Gallonen täglich haben. Die kleine Station hat eine Capacität von nur 20.600 Gallonen per Tag; die Pumpen hier sind keine modernen, auch sind dieselben theilweife außer Ordnung. Deshalb ist eS auch absolut nothwendig, daß die Hochdruckleitungen, hauptsächlich die an der Jndiana Ave., so bald wie möglich gebaut werden, um die Leitungen, welche von der kleinen Station aus gespeist werden, zu verstärken. Die kleine Station wird durch eine 30.zöllige Gefäll-Leitung gespeist. Eine 20-zöllige Leitung wird jetzt bei der Riversidestation gebaut, welche die Leitungen der Filtriranlagen mit der 30-zölligen Leitung der kleinen Station verbündet. Hierdurch wird der Wasserzufluß zur kleinen Station er' heblich vermehrt. In einer Conferenz wurde die Frage des Feuerschutzes in West Indianapolis zur Sprache gebracht und seitdem wurde bereits , eine Hauptleitung an der Morris Straße über den River geleitet. Die Hauptleitung über die West Washington Straße Brücke wurde auch vergrößert, so daß der Feuerschutz in West Indianapoliö verbessert ist. Ingenieur Jeup fordert das Comite auf, ihn in seinem Bemühen, den Bau der 20-zölligen Hochdruckleitung von der Riverside Station, die Jndiana Avenue entlang bis zur Ohio Straße zu beschleunigen, zu unterstützen. Der Bericht, welcher in letzter Sitzung der Vereinigung der Kaufleute entgegen genommen wurde, ist für den von der Vereinigung ernannten Ausschuß bestimmt. Das Comite wird dem Wunsche des Ingenieurs, ihn zu unterstützen, natürlich mit Freuden nachkommen. Grundeigenthums Ueber tragungcn Eliza Taylor an AmoS Shover, ein Theil der Sect. 3, Tshp. 14, Range 2. Perry Tshp. S1200. Daniel D. Pike an Fred. Dickerman, LotS 109 und 110 in ChamberS Subd. zu Jrvington, nördlich von Washington Str. ' 1000. Orville L. Webb an JameS B. Allfree, Theil von 16 LotS in Trotter'S Brookside Park Add., östlich von Olney, südlich von 16. Str. $3000. William G. Duval an Robert M. Churchman, Lot 21, Ridenour's Highland Home Add., südlich von Woodruss Place. $500. Jsaac N. Richie an Second Church of Christ (Scientist) Theil von Lots 11 und 12, Brown & Morrisons Subd., Außenlot 6, südwestliche Ecke von Walnut und Meridian Str. $18,000. Benjamin W. Anderson ü. A. an Jesse Kellum, Lot 5. Sq. 5, Jndiana poliS Car Co.'S Add., südlich der Atlas Werke. $1500. William F. ConeS an Henry A. Harvey, 5 Fuß von Lot 18, WrightS Park Ave. Add., südlich vom Fall Creek und Theil von LotS 13 und 19, $2500. n

Unter Zigeunern. Von einer merkwürdigen Entführung wird aus Schweden berichtet. Der im Konfirmationsalter stehende Sohn eines Bürgers der kleinen Stadt Uddeoalla wurde während eines per Rad vorgenommenen Ausflugs in die Umgebung des Ortes von einer Zigeunerbande überfallen und entführt. Aolle sieben Toge brachte der junge Schwede zwangc'weise m der Gesellschaft der Zigeuner zu. Anfangs band man ihm Hände und Füße und transportirte ihn im Wagen; als man aber erst in mehr unbekannteGegenden kam, ließ man den jungen Mann spazieren und selbst fein Fahrrad ziehen, da die Zigeuner das Nadfahren nicht zu erlernen vermochten und daher für das Instrument keinen Gebrauch hatten. Des Schweden Proteste gegen seine Entführung waren vollkommen wirkungälos, und Fluchtversuche ließen sich der überaus sorgfältigen Bewachung wegen garnicht anstellen. Die Reise ging fast immer durch unbekannte Wälder- und streift nur selten bewohnte Gegenden. Abends pflegte die Bande ein Zelt aufzuschlagen und wies dann dem Entführten seinen Platz in der Mitte des Lagers an. Schließlich schien die Beute den Zigeunern lästig zu werden. Man erklärte sich nämlich bereit, ihn loszulassen gegen ein Lösegeld von nur hundert Kronen, die an einem naher bezeichneten Platze einem Mitgliede der Bande überbracht werden sollten. Für den Fall polizeilicher Verfolgung stellte das Oberhaupt der Bande schreckliche Racheunternebmungen in Aussicht. Unter diesen Bedingungen gewann der junge Schwede am siebenten Tage die Freiheit. Sobald er bewohnte Gegend erreicht hatte, unterrichtete er seine in völliger Unaewißheit über seinen Verbleib gebliebene Familie von seinem merkwürdigen Schicksal und bat den Vater um Uebersendung des Lösegeldes. Dieser aber war vernünftig genug,' auf den Leim nicht einzugehen, da die Ausfolgung der 100 Kronen höchstwahrscheinlich eine Wiederentsührung zur Folge gehabt haben würde. Neue Jncorporatianen.

Peak Oil Gas and Refinning Co., von Brown County. Jncorporatoren sind Bürger von Brown County. Capital $10,000. Direktoren W. M. HendrockS, Alexander Hancher, T. E. Swain, Hancher Campbell und Wm. Allen. South Bend Sand, Gravel and Cement Company; Capital $5,000; Directoren, I. A. Judie. I. B. Varia und D. C. Gibson, alle von South Bend. Arcadia Harneß Company, von Hamilton County; Capital $10,000; Directoren. I. H. Robdins, W. A. Underwood und G. V. Underwood. ' Jackson Township Natural Gas und Oil Company; Capital $4,200; Directoren L. B. Thomas, I. W. Reeves, R. S. M. Oldham, D. H. Bundy und I. W. Wales. . Kurze Depeschen. 6. Oktober. Inland. Chicago. L. E. Goßlein, der städtische Auditor, ist auf Grund von Anklagen des ComptrollerS sufpendirt. O g d e n, Utah. C. W. FairbankS traf Nachmittags aus NevZda ein und sprach Abends in dem . dichtgefüllten Opernhaus. New Bork. A. M. Parker gedenkt morgen nach EsopuS zurückzukehren. Im Hotel Seville erschien während des Tages die größte Zahl Besucher seither. Ausland. V a n c o u v e r, B. C. Dampfer Boscowicz" stieß am Mittwoch während eines schweren Sturmes auf ein Riff an der Harbledown Insel. Vier Passagiere ertanken. Mannschaft und 135 Passagiere gerettet. Etwa 200 indianische Passagiere waren an Bord. Base-Ball. Die gestrigen Spiele resultirten wie folgt: N a t i on a l-L i g a. Philadelphia, 6. Okt. Philadelphia ) Kein Spiel, Boston s Regen. Pittsburg, 6. Okt. Erstes Spiel. Pittsburg.. ..1 1200200 6 St. Louis ....00020100 03 Batterien Phelps und Case; Butler und Tayler. Zweites Spiel. Pittsburg. 351010 10 St. Louis 0 0 000001 1 Batterien Phelps und Flaherty; Butler und McFarland.

Aas ZZed'ürstigkeitsattest. Humoreske von Fritz Lorke. Der Studiosus der Theologie Pumpner befand sich in arger Geldklemme. Er hatte die Miethe zu bezahlen es gab keinen Tag des Iahres, an welchem er nicht Miethe schuldig war, und so machte es ihm diesmal keine großen Sorgen, aber seine Verbindung machte in den nächsten Tagen einen großen Ausflug, und dazu mußte er entschieden Geld haben. Nachdem alle Versuche, feine bereits so oft in Anspruch genommenen Freunde in Kontribution zu setzen, fehlgeschlagen waren, fiel ihm nur noch ein Ausweg ein. Die einzige Aussicht auf Rettung bestand in einem Stipendium, welches der Professor Sanftleben zu veraeben

hatte. Pumpner saß in feinem Stübchen und schrieb das betreffende Gesuch, dessen Schluß so lautete: Meine umfangreichen Studien haben mir so viele Anschaffungen von Büchern nothwendig gemacht, daß ich dabei vergaß, das nothwendige Geld zur Bestreitung meiner leiblichen Bedürfnisse übrig zu behalten. Die Wissenschaft kann uns viel sein, aber nicht alles. Während ich mich von dem lärmenden Treiben meiner Kommilitonen fernhalte, fühle ich meine Lage in der Einsamkeit doppelt elend. In tiefster Noth rufe ich zu Ihnen, Herr Professor (wie es in dem schönen Liede heißt), und baue vertrauensvoll auf Ihre gütige Hilfe. Das Zeugniß meiner Bedürftigkeit schließe ich bei." Nun gehörte aber die Zerstreutheit zu einer der hervorragendsten Eigenschaften des jungen Theologen, und so war es begreiflich, daß er das Bedürftigkeitsattest beizulegen vergaß. Als der Brief vor ihm lag, dachte er darüber nach, wie er das Porto sparen könne. Ihn selbst abgeben dazu befand sich seine Garderobe in einer zu miserablen Verfassung. Er rief also die dienende Fee. welche in Gestalt einer alten Aufwärterin alsbald eintrat. ..Tragen Sie diesen Brief zu Herrn Professor Sanftleben, Universitätsstrafte 60." Die Alte sah ihn befremdet an, dann aber erhellte sich ihr runzliches Antlitz. Aha, auf den Brief giebt es wohl Geld, und wenn ich das bringe, kann ich mir wohl auch d:e paar Äärker abziehen, die ich von Ihnen zu kriegen habe." Na, theilweise haben sie ja recht. Geld soll er ja geben, aber nicht sofort. Sie brauchen also nicht darauf zu warten." Wenn es nur wahr ist." sagte die Alte brummend, nahm den Brief in Empfang und wollte sich zur Thüre wenden. Aber der Student rief sie zurück. Es war ihm nämlick eingefallen, daß er zum Ausflug dem äußeren Menschen ein wenig Glanz geben müsse, und daß sein einziges Paar Stiefel einer Aufbesserung bedeutend bedürftig sei. Halt hier nehmen Sie noch die Stiefel mit besohlen lassen." Diese Worte wurden in einem ungewöhnlich befehlshaberischen Tone herausgestoßen, um der Alten jede weitere Frage abzuschneiden.' Denn die Geldverlegenheiten des Herrn Doktor" waren auch ihr wohlbekannt. Sei es nun. daß sie sich imponiren ließ oder aus einem anderenörunde, genug die Älte ging. Auf der Treppe des genannten Hauses begegnete ihr ein beleibter Herr mit wohlwollender Miene. Wohnt hier der Professor Sanftleben?" fragte sie schüchtern. Der bin ich. Was wollen Sie?" Ich habe hier einen Brief vom Herrn Doktor Pumpner abzugeben." Der Professor betrachtete den Brief, steckte ihn in die Tasche und sagte: Schon gut." Und dann möchten Sie auch noch die Stiefeln hier besohlen lassen." Was? Sind Sie... Das muß ein Irrthum sein, liebe Frau." Nein, der Herr Doktor haben gesagt, Sie sollen die Stiefel besohlen lassen, aber sobald als möglich," beharrte die Alte. Der Professor wußte nicht, ob er lachen oder fcbelten sollte. Ein derartiges Ansinnen seitens eines Stubenten war ihm doch noch nicht vorgckommen. Wie ist denn nur der Herr Pumpner auf diese Idee gekommen, gute Frau?" Er meinte." erwiderte die Alte bedächtig. da ihr einfiel, daß der S!udent von dem Herrn ja Geld erwarte. Sie wären so reich und er ein armer Student." ' Das schien dem Professor einzu leuchten. Er lächelte und sagte: Nun gut. meinSchuhmacher wohnt gegenüber, tragen Sie die Stiefel nur hinüber." Das that sie. und damit glaubte sie ihren Auftrag zur Zufriedenheit erledigt zu haben. Als sie zu Hause anlangte und der Student sie danach fragte, meinte sie, er könne froh sein, einen so guten Herrn getroffen zu haben, ein anderer würde sich auf solche Sachen nicht eingelassen haben. .Wie? Hat er zu 'Ihnen etwas geäußert? Hat er , vielleicht gesagt, daß er das Stipendium bewilligen werde?" Mit solchen Fremdwörtern kenn ich mich nicht aus.. Bei uns sagt man Stiefel und nicht . Stipendien," brummte die Alte.

Was ist mit meinen Stiefeln?" fragte der Student, wird Meister Pechke sie besohlen?" Pechke? Nee, er heißt Müller Weshalb haben Sie sie nicht zu Pechke gebracht? Dem Mann bin ich verpflichtet ich bin ihm schon so viel schuldig." Aber wenn der Professor doch sagt, ich soll sie zu Müller tragen." Was? Der Professor hätte zu Jhnen gesagt " Nun ja, wie ich ihm sagte. Sie hätten gesagt, er solle Ihnen die Stiesei besohlen lassen." Der Student sprang in die Höhe, als wäre er von der Tarantel gestochen. Er wollte sofort zum Professor laufen, aber der Mangel an Stiefeln hinderte ihn daran. So blieb er denn sitzen und malte sich seine Zuiunft in den schwärzesten Farben aus. Aber so schlimm wurde es nicht. Einige Tage später empfing der Studiosus Pumpncr ein Packet, in welchem sein neu besohlten Stiefel lagen, außerdem aber folgendes Begleitschreiben: Mein lieber Herr Pumpner! In Ihrem Stipendien - Gesuche habe ich vergebens nach einem Bedürftigkeitsattest gesucht. Jedenfalls halte ich es aber für ein Zeichen großer Bedürftigkeit, wenn Sie Ihre Stiefel nicht mehr besohlen lassen können und daher mir gestatten, Ihnen diesen Dienst zu erweisen. Damit Sie jedoch künftig nicht mehr in solche Verlegenheit gerathen, habe ich Ihnen das Stipendium während der Dauer Jhres Studiums bewilligt. Besorgen Sie rtirn also Ihre häuslichen Angelegenheiten freundlichst selbst. Ihr Sanftleben, Professor der Theologie. Der Ausflug am folgenden Tage war der fröhlichste, den Pumpner bisher mitgemacht hatte.

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