Indiana Tribüne, Volume 28, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1904 — Page 7

Jndkana Trihüne, Z. Oktpbcr

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rcttldwa. Kriminal'Roman. Won Reiuhold Ortmann. (Fortsetzung.) Eine Sekunde lang preßte Editha ihr Taschentuch an die Lippen, dann sagte sie leise: Ich war es dir schuldig, selbst zu kommen! Du durftest es von keinem anderen hören als von mir. Denn du weißt es doch noch nicht, nicht wahr? Du hatz bis zu diesem Augenblick nicht geahnt, daß mein Vater weder an einem Schlagfluß noch an einer anderen Krankheit gestorben ist, sondern daß man ihn ermordet hat?" Barmherziger Gott, Editha schon wieder dies fürchterliche Wort! Was für ein grauenhafter Wahn hält dich befangen!" Es ist kein Wahn, Günter, sondern Wahrheit! Fritz Weickardt und der Sanitätsrath haben es bei einer nochmaligen Untersuchung festgestellt. Und du darfst jetzt nicht an das denken, was ich gestern Morgen sagte. Da dachte ich nicht an einen wirklichen Mord. Und ich ich weiß, daß ich dir unrecht gethan Das Emgeständniß. das ihn unte, anderen Umständen hoch beglückt haben würde, machte in diesem Augenblick kaum noch einen Eindruck auf ihn. Ermordet ?" wiederholte er, in Aussehen und Haltung ein Bild völliger Fa i'sungslostzkeit. Um alles in der Welt, Editha von wem?" Ich weiß es nicht. . Niemand weiß es niemand bis auf einen, der die Beweise besitzen will, wer der Thäter gewesen ist." Aber wenn er die Beweise besitzt, warum nennt er dann nicht seinen Namen? Man muß ihn dazu zwingen, wenn er es verweigert." Er glaubte dir und mir einen Dienst zu erweisen, als er schwieg." Dir und mir? Ja, ist er denn von Sinnen, dieser Mensch? Und hast du ihm nicht gesagt, daß es seine Pflicht sei zu reden?" Ich habe es ihm gesagt, eben jetzt, vor einer halben Stunde. Und weil ich sicher bin, daß er nun reden wird, kam ich hierher, dich vorzubereiten." Mich? Ich verstehe dich nicht, Editha! Worauf sollte ich denn vorbereitet werden?" Darauf, daß man dich beschuldigt, der Mörder meines Vaters zu sein." Günter fuhr sich an die Stirn. Träumte er denn noch immer, obwohl er schon seit Stunden zu wachen dermeinte? War er das Opfer einer gräßlichen Wahnidee oder er dachte es mit herzschneidendem Grauen hatte vielleicht Edithas Verstand unter den Qualen dieser letzten vierundzwanzig Stunden gelitten? Wenn es dies war, durfte er ihr freilich weder übergroßes Erstaunen noch wild auffahrende Entrüstung zeigen. Denn eine Krankheit gleich dieser bedürfte der schonendsten Behandlung. Aber er mußte sich doch auf einen Stuhl niederlassen, denn er fühlte bei aller Energie des Willens, sich zu beherrschen, plötzlich eine seltsame Schwache in den Knien. Mich also beschuldigt man?" wiederholte er mit scheinbarer Ruhe, aber mit einem sonderbar hohlen Stimmenklang, der ihm selbst die Empfindung weckte, als höre er einen Fremden sprcchen. Oder vielmehr: irgend ein eingelner Ankläger beschuldigt mich. Denn du sagtest doch eben, nur einer besäße die Beweise. Kann ich erfahren, wer es ist?" Ja, es ist Paul Francke, meines Vaters Prokurist." Alles, was sie sagte, klang so klar und bestimmt, daß es wahrhaftig schwer war, an eine Geistesverwirrung zu glauben. Beklemmend und athemraubend wie eine langsam an seinem Körper emporsteigende eisige Fluth fühlte er die Angst vor etwas Schrecklichem, von dem er noch keine deutliche Vorstellung hatte, zu seinem Herzen emporkriechen. Und wie kommt dieser HerrFrancke, der mich doch wahrhastig besser kennen sollte, zu seiner wahnwitzigen Vermuihung? Welches sind seme vermeintlichen Beweise?" Er sagt, es sei in der vorletzten Nacht kein männliches Wesen außer dir in unserer Wohnung gewesen, denn alle Schlösser und Thüren waren ja unverschrt. Er behauptet, du selbst hättest ihm von einem nächtlichen Streit mit meinem Vater gesprochen. Und dbtx willst du auch wirklich, daß ich dir alles sage?" Nun war ihm die eisige Fluth bis an die Kehle gestiegen. Er zweifelte nicht mehr, daß Edithas Verstand klar und gesund war wie sein eigener. Und seine erzwungene Gelassenheit hielt nicht Stand vor dem gräßlichen Gedanken, daß man ihn in vollem Ernst für den fluchwürdigsten aller Verbrecher halten konnte. Gewiß sollst du mir alles sagen!" rief er in ausbrechender Erregung fast verlaut. Nichts nichts darfst du mir verschweigen. Es ist ja, um verrückt zu werden. Ich ein Mörder! Der Mörder meines Onkels! Vielleicht weiß dieser Schurke auch schon, wesbalb ich ihn gemordet!" Ja, er glaubt auch das zu wissen. Es sollen aus dem Geldschrank in der letzten Zeit öfter kleinere Summen entwendet worden sein, und" Er hat dir's erzählt, der Elende?

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Und er hat mich als den Dieb verdächtigt?" Editha nickte. Ah, und noch gestern vor der Leche deines Vaters versprach er mir, dir gegenüber für meine Schuldlosigkeit einZutreten." Du magst ihn deshab zur Rede stellen. Günter! Jetzt aber laß mich zu Ende kommen; denn ich darf hier nicht lange bleiben. Es handelt sich ja auch gar nicht um jene kleinen Diebstähle, sondern um den großen, der in der vorletzten Nacht verübt worden ist." Ein Diebstahl? Davon war doch gestern früh mit'keinem Wori die Rede. Man hat ihn also erst später entdeckt?" Sie erzählte ihm in raschen Worten von dem räthselhaften Verschwinden und der späteren Auffindung der Tresorschlüssel sowie von ihrer gestrigen Unterredung mit dem Prokuristen. In ihrem offenkundigen Bestreben., ihm nichts zu verschweigen, gab sie freimüihig zu, daß sie ihn aus Grund der von Francke gegebenen Darstellung wirklich eine Zeitlang für den Dieb der zwanzigtausend Mark gehalten.' Du hast ein .echt, mir deshalb böse zu sein," fügte sie hinzu, aber darauf kommt es setzt nicht an. Und wir wol len die Zeit nicht mit Vorwürfen oder Entschuldigungen verlieren. Genug, das? francke seine Vescbuldiaunaen aegen Dich vor auem auf rne vermenmiaj Thatsache stützt, kein anderer als du könne die Geldschrankschlüssel gestern Vormittag auf den Schreibtisch gelegt haben. Bist du imstande, diese Vehauptung zu widerlegen?" Bei allem, r?as mir heilig ist: ich weiß nichts von diesen Schlüsseln. Ich habe sie weder in den Händen gehabt noch auch nur gesehen. Es ist richtig, daß ich durch des Onkels Arbeitszimmer gegangen bin, um auf dem kürzestcn Wege in das Hauptkontor zu gelangen. Aber ich kann beschwören, daß ich mich nicht eine Sekunde lang darin aufgehalten und daß ich nichts angerührt habe." Du hast auch nicht bemerkt, daß das Schlüsselbund etwa schon auf der Schreibtischplatte lag?" Nein, ich weiß es nicht, denn ich habe gar nicht daran gedacht, mich umzusehen." Aber es ist doch wahr, daß du einen Wortwechsel mit meinem Vater hattcst daß er dir heftige Vorwürfe machte?" Ja. es ist wahr. Editha! Aber es wäre doch Wahnwitz, mich deshalb mein Gott, wie du mich ansiehst! Vielleicht glaubst du selbst, daß ich " Wenn ich es glaubte, wäre ich dann hier? Aber ich sehe, daß du dich fürchtcst. Würde es dir nun doch lieber sein, wenn dieser Francke schwiege? Du hörst, daß er dazu bereit gewesen ist, und ich meine, es würde mich auch noch jetzt nur ein Wort kosten, ihm die Lippcn zu verschließen. Sage mir also, ob du einen Grund hast, es zu wünschen. Aber sprich schnell, denn die Minuten sind kostbar." Wie du mich drängst! Ich habe ja noch kaum Zeit gehabt, all das Ungeheuerliche zu fassen. Ein Mörder ich ! Vielleicht sind in diesem Augenblick die Polizisten schon unterwegs, die mich verhaften sollen. Warum sollte man denn auch damit zögern? Es spricht ja alles gegen mich. Man hat ja schon eine ganze Kette von Beweisen in Bereitschaft, um mich damit zu erwürgen. Und dieser Francke, dem ich nie etwas zuleide gethan der nicht die geringste Ursache hat, mich zu hassen was in aller Welt hat ihn bestimmt, den Spürhund und den Angeber zu machen?" Er war völlig außer sich.. Der Gedanke an die Schmach, die ihn bedrohte, raubte ihm alle Ueberlegung. Editha saß noch immer unbeweglich in ihrem Stuhl. Nur ihre Augen, die groß und starr hinter den Maschen des schwarzen Trauerschleiers glänzten, folgten jeder Bewegung des heftig durch das Zimmer Schreitenden. Ohne ihre Stimme zu erheben, mit einer seltsamen, befremdlichen Ruhe, wiederholte sie: Es wäre dir also lieber, wenn er schwiege?" Sagtest du nicht selbst, er sei der einzige, der mich verdächtigt?" Die Umstände, die dich belasten könnten, sind jedenfalls bis jetzt keinem anderen bekannt als ihm und mir. Noch einmal: willst du, daß er sie niemand offenbart?" Ach, es hilft ja doch zu nichts. Welche Mittel hättest du, ihn dazu zu bestimmen? Wenn die Polizei oder der Untersuchungsrichter ihn befragen, wird er ja doch mit allem herauskommen." Nicht gegen meinen Willen, wie ich vermuthe. Und man wird überhaupt kaum auf den Gedanken verfallen, datz er mehr wissen könnte als sonst jemand. Nur wenn er freiwillig mit seinen Wahrnehmungen hervortritt.wird man davon erfahren." Wirklich nur dann? Aber du selbst. Editha? Und die 20.000 Mark, um die man dich bestohlen?" Meinst du. daß sie eine Bedeutung für mich haben neben dem anderen, was ihr Räuber mir angethan?" Auch das also sollte keiner wissen? Um meinetwillen sollte es verschwiegen bleiben?" Man könnte das eine nicht preisgeben ohne die Gefahr, daß auch alles andere zur Sprache käme." Günter dachte ein paar Sekunden lang nach, soweit die tolle Jagd von Bildern und Vorstellungen, die sein Gehirn durchrasten, ein Nachdenken zu nennen war.

Dann nickte er beistimmend. Es ist wahr. Die Glieder der Kette greifen ja mit einer so fürchterlichen Folgerichtigkeit ineinander. Und man findet den Mörder sicherlich ohnedies: Wenn es dich in der That nicht mehr kostet als ein Wort, Editha, mir die Schmach einer so grauenhaften Verdächtigung zu ersparen" . . . Sie stand auf. Ich will es versuchen", sagte sie, lebe wohl!" Sie wollte gehen, aber er vertrat ihr den Weg. Nein, nicht so, Editha! Wenn du in Wahrheit zu der Einsicht gekommen bist, daß du mir gestern unrecht gethan, können wir jetzt nicht so voneinander gehen. Es muß ganz klar werden zwischen uns. Du mußt meine Vertheidigung hören. Denn ich weiß ja, daß der Schein gegen mich ist. Und gerade weil ich mich nicht von jedemVorWurf freisprechen kann, sollst du alles wissen, um mich dann zu verdammen oder mir zu verzeihen." Sie izatte ihn nicht unterbrochen, und wenn ihm nicht das dichte Gewebe des Schleiers den Anblick ihres Gesichts' fast ganz entzogen hätte, würde er wohl die flüchtige Veränderung wahrgenommen haben, die bei seinen eindrinalick?cn Wi-ten wie ein sckwaches Ausleuchten ver offnumj um ihre Züge ging. So tief sie gekränkt war, sie liebte ihn ja noch immer, und ihre arme, mißhandelte Seele dürstete verschmachtend nach dem Wort, das ihr die Möglichkeit gewährt hätte, ihm zu verzeihen, was er ihr angethan., Sie war entschlossen, ihn zu hören; aber ein unseliger Zufall lenkte ihren Blick in diesem Moment zu dem Tischchen hinüber, auf welchen Nora Martini vorhin ihre langen, schwedischen Handschuhe geworfen. Nun wußte sie, wer der Besuch gewesen war, wegen dessen sie draußen auf dem Gange fünf Minuten lang hatte warten müssen, und es war, als ob in ihrem Innern plötzlich alles zu Eis erstarrt sei, was sich eben mit der Wärme neuer Hoffnung hatte regen wollen. Eine gebieterische Armbewegung hinderte Günter, weiter zu sprechen, und mit schneidender Härte klang es hinter dem schwarzen Schleier hervor: Nichts mehr davon! Das ist abgethan ein für allemal. Und nicht deshalb bin ich gekommen. Ich meine, dein eigenes Zartgefühl hätte dir verbieten sollen, dieser Dinge noch einmal Erwähnung zu thun." Es kam ihr selbst vielleicht gar nicht zum Bewußtsein, daß ihre Augen noch immer starr auf das Tischchen gerichtet waren. Günter aber in seiner Bestürzung über die schroffe Zurückweisung folgte der Richtung ihres Blickes. Und was er sah, erklärte ihm alles. Ein Gluthstrom schoß ihm in die Wangen. Und das Wort, das ihn rechtfertigen, das ihr sein Verhältniß zu Nora Martini erklären sollte, erstarb ihm auf den Lippen. Was konnte er ihr jetzt noch sagen was würde sie ihm jetzt noch glauben, da so greifbare Beweise für seine verrätherische Treulosigkeit zu zeugen schienen! Die Lüge, daß die Handschuhe einer anderen als der Brettlsängerin gehörten, wollte ihm nicht aus der Kehle. Und alles, was er zur Erklärung ihres Hierseins sagen konnte es war nutzlos verschwendeter Athem. Er schlug die Augen nieder und schwieg. Langsam ging Editha an ihm vorüber zur Thür. Ich werde dir innerhalb der nächsien Stunde auf irgend eine Art Nachricht zukommen lassen, ob meine Bemühungen von Erfolg waren", sagte sie. Wenn Francke nicht etwa schon in, der Zwischenzeit seine Aussage gemacht hat. wird er schweig?. Und daß du von mir nichts zu fürchten hast, brauche ich dir nicht erst zu versichern. Aber vielleicht wirst du gut thun, die Stadt oder wenn es sein kann das Land so bald wie möglich zu verlassen. Ehe nicht der Mörder gefunden ist, bist du doch immer in Gefahr. Wenn ich dir irgendwie behilflich sein kann mit einer kleinen Geldsumme Vielleicht" Editha!" schrie er auf, gemartert von der Verachtung, die er aus jedem ihrer Worte herauszuhören meinie. Für einen wie ehrlosen Wicht mußt du mich halten, um mir ein solches Anerbieten zu machen!" Verzeih, ich wollte dich nicht beleidigen", erwiderte sie kühl. Ich wünsche dir alles Gute. Leb wohl!" Und er ließ sie gehen, obwohl ihm in diesem Augenblick zumuthe war, als schwände mit ihr alles Glück und alle Hoffnung, alles Licht und alle Wärme aus seinem Leben. 12. Kapitel. Aber was haben Ihnen denn meine armen Handschuhe gethan, daß Sie so unbarmherzig mit ihnen umgehen?" Als hätte er den heimtückischen Stich einer Natter gefühlt, fuhr Günter nach der Sprechenden hzrum. Nora Martini stand in der offenen Thür des Schlafzimmers und hatte ihm ein paar Sekunden lang zugesehen, wie er in einem wilden Wuthanfall die duftigen Lederhüllen vom Tische ' riß und zu Boden schleuderte, um seinen Fuß darauf zu setzen. Was? Sie sind noch hier?" schrie er sie an. Sie haben die Dreistigkeit gehabt zu horchen?" Da Sie so überflüssig laut sprachen, blieb mir wohl nichts anderes übrig. Aber ich denke, es war zu ihrem Besten, Günter, daß ich diese UnterHaltung belauschte."

Ah, das ist das ist" er suchte

vergebens nach einem vernichtenden Wort für ihre Handlungsweise, die ihm als der Gipfel der Abscheulichkeit erschien. In diesem Augenblick fühlte er gegen keinen Menschen auf der Welt einen so wilden Haß wie gegen das sündhaft verführerische Weib, dessen Liebreiz noch vor wenigen Tagen mächtig genug gewesen war, ihn für einen Moment Pflicht und Ehre vergessen zu lassen. Sie aber gab sich mit vollendetem schauspielerischem Geschick den Anschein, nichts von den Empfindungen zu errathen, die so leserlich auf seinem Gesicht geschrieben standen. Die Schlafzimmerthür sacht hinter sich zuziehend, ging sie bis zu dem offenen Klavier, an das sie mit dem Rücken gelehnt blieb. Ja, zu Ihrem Besten", wiederholte sie. Denn ich werde Ihre Retterin sein." Er lachte laut und schneidend auf. Meine Retterin Sie? Und wovor denn wollen Sie mich retten?" Vor der Folter einer peinlichen Untersuchung und vor der Schmach des Gefängnisses. Lachen Sie nicht, denn es ist mir heiliger Ernst mit dem, was ich sage. Glauben Sie denn wirklich, daß es jener anderen darum zu thun ist, Ihnen diese Qual zu ersparen? Ich kenne sie besser, denn ich habe sie vorgestern als eine Furie von Eifersucht vor mir gesehen. Da war es, wo sie ihr wahres Gesicht zeigte, nicht heute. Ein Weib, das sich in seiner. Hoffnungen betrogen sieht, wird nicht über Nacht aus einer Tigerin zum sanften, opferbereiten Lämmlein." Nichts mehr von der Art! Ich verbiete Ihnen, so von meiner Cousine zu sprechen. Was wissen Sie von der Seele:größe eines Mädchens wie Editha!" Ah. wie höflich Sie sind! Aber ich nehme es Ihnen nicht übel. Sie sind in einer Lage, wo man Nachsicht mit Ihnen haben muß. Es ist nicht angenehm, bei jedem Geräusch erschrecken zu müssen, weil man darin schon den nahenden Schritt der Häscher zu hören meint." Sie sind ein Dämon, Nora! Aber warum martern Sie mich durch Ihr Interesse für meine Person. Ich habe Ihre Theilnahme wahrlich nicht erbeten." Nein. Aber es gefällt mir nun einmal, Ihnen diese Theilnahme zuzuwenden. Und ich rechne auf eine nicht zu ferne Stunde, da Sie mir auf Ihren Knieen dafür danken werden. Denn in meinen Händen, nicht in den Händen der andern liegt Ihr Geschick." Ich bitte. Fräulein Martini, wir sind hier nicht auf dem Thc?atcr. Wte können Sie erwarten, daß ich auch nur für einen Augenblick ernsthaft nehme, was Sie da sagen!" Und doch thäten Sie sehr wohl daran, mein Freund! Denn ich meine es aufrichtig mit Ihnen. Ich bin nicht auf Ihr Verderben bedacht wie Ihre Cousine, die in keiner anderen Absicht hierherkam, als um Sie einzuschüchtern und Sie dann zu einer verhägnißvollen Unklugheit zu verleiten." Wägen Sie Ihre Worte, mein Fräulein! Es dürfte Ihnen schwer fallen, die Verantwortung für solche Reden auf sich zu nehmen." O, ich bin ohne weiteres dazu bereit. Und wenn nicht die Angst Sie begreiflichcrweise um alle Ueberlegung gebracht hätte, würden Sie selbst den Plan des Fräulein Rüthling durchschaut haben. Denn er war nicht einmal allzufein. Sie versetzte Sie in Schrecken, um Ihnen damit eine Bitte um ihr Stillschweigen zu entlocken, die jedem Gerichtshof der Welt für nicht viel weniger als ein Schuldbckenntniß gelten würd?. Und um ihres Erfolges ganz sicher zu sein, bot sie Ihnen schließlich sogar Geld zur Flucht. Verzeih, ich wollte dich nicht beleidigen!" Wie unschuldig das klang! Sie ist eine viel bessere Schauspielerin als ich Ihre taubensanfte Cousine!" Mit welchen Teufeln stehen Sie im Bunde, Nora? Woher haben Sie das diabolische Talent, einen Menschen selbst an dem Reinsten und Heiligsten irre zu machen? Ich beschwöre Sie, sagen Sie nichts mehr. Denn ich bin nachgerade auf dem Punkte, mich selbst Z'j. verlieren." ' Ich schenke Ihnen reinen Wein ein, lieber Freund, nicht damit Sie sich vcrliercn, sondern damit Sie sich endlich wiederfinden sollen. Dies Fräulein Rüthling, das Sie im Verein mit ihrem Vater so lange in unwürdiger Sklaverei gehalten, ist Ihnen der Inbegriff aller Scelengröße, mich aber hätten Sie vor fünf Minuten am liebsten ebenso behandelt wie meine armen Handschuhe. Und doch ist es Ihre Cousine, die Sie mit den abscheulichsten Mitteln verderben will, um für Ihre Auflehnung Rache zu üben, während die Verschmähte, die Verworfene bereit ist, Sie zu retten." So sagen Sie mir denn, wodurch Sie diese vermeintliche Rettung bewirken wollen. Vielleicht besitzen Sie neben der bewunderungswürdigen Gabe, in den Herzen der Menschen zu lesen, auch die Fähigkeit, das Dunkel geheimnißvoller Verbrechen zu erkennen." Sein beißender Sarkasmus brachte sie nicht aus der Fassung. Ja vielleicht besitze ich eine solche Fähigkeit wenigstens in diesem Fall", erwiderte sie so fest und ruhig, daß er sie betroffen ansah. . (Fortsetzung folgt.) Raucht die B0NANZA.

Drei ttebermenschcn

Drei Uebermenschen trafen sich auf der Pferdebahn. . Am Zweiten des Monats. Sie sahen bleich aus und düster sinnig. Ausgezogen waren sie aus ihren Stuben und ohne Obdach. Alle drei wegen des schlechten Gedächtnisses ihrer Wirthinnen. Diese verächtlichen Weiber hatten sich nicht entsinnen können, von ihren Zimmerherren je einen Groschen für Miethe gesehen zu haben. Nun trollten sie dahin. Der erste trug eine Cigarrenschachtel für fünfundzwanziz Stück. Was schleppst Du da?" fragt der zweite im Ton schöner Müdigkeit Mein Gepäck! Toilettenutensilien u. s. w." ..Pah!" sagt der zweite und zog aus der Tasche einen von jenen hohen Stehumlegekragen, die ein Männerantlitz so edel und bedeutend machen. Pah! Ich brauche kein Gepäck, als dieses! Reine Wäsche muß der Mensch haben." Da lächelte der dritte schmerzvollstolz, mit einem Stich in'3 Satanische, lächelte ein Lächeln zwischen Frank Wedekind und Richard Dehmel. Er zog aus der Westentasche ein winziges Stückchen Radirgummi und sprach: Hier mein Gepäck! Für reine Wäsche genügt dies auch!" Bewundernd sahen die beiden Augen auf zu dem Wunschlosen. Er aber senkte den Blick gedankenvoll nieder auf die Spitze seines langen, schmalen Lackschuhes. Aus einem Riß guckte dort die rosige Haut seiner großen Zehe. Und er nahm sich vor, sie dann im Casö mit Tinte schwarz z& machen. m Vio.art's Zauberring. Mozarts Zauberring im MozartMuseum zu Salzburg ist ein goldener Ring, den der siebenjährige Tonkunstler im September 1762 von der Kaiferin Maria Theresia erhielt, als er in Schönbrunn vor ihr gespielt hatte. Der Ring ist mit einem großen Adular (opalisirenden Feldspat) geschmückt, den zwölf kleine Diamanten umgeben. Mozart muß viel Werth auf den Ring gelegt haben; denn kürzlich erst wurde im Besitz des Bezirkshauptmanns v. Brunnfeld (in Salzburg) ein Oelgemälde entdeckt, das Mozart in rothem Rock darstellt (also in der Garderobe der erzbischöflich Bediensteten), die linke Hand zeigt ziemlich auffallend den Ring der Kaiserin. Ebenso trägt Mozart den Ring zur Schau auf dem Bilde, das für einen Verehrer in Verona gemalt wurde. Auch auf seinen Concertreisen trug ihn der junge Mozart mit Vorliebe; als er im Sommer 1770 als Vierzehnjähriger die Italiener durch sein Spiel in Erstaunen versetzte, vermutheten sie in Mozart einen Zauberkünstler, und im Concert desConservatorio AllaPiet" in Neapel bezeichnete man damals den Ring als den Zauberring, der den jungen Künstler zu seinem Spiele befähigte. Mozart wurde das hinterbracht; da zog er . den Ring vom Finger und spielte nun wenn möglich noch besser als zuvor. Jetzt kannte die Verwunderung der Neapolitaner keine Grenzen. So genial Mozart mit den Händen die Klaviatur zu behandeln wuß!e, so unbehülflich war er übrigens sonst damit. Nicht einmal das Fleisch konnte er bei der Mahlzeit selbst schneiden, so daß seine geliebte Constanze ihm wie einem Kinde vorlegen mußte. Das schreibt sie selbst ausdrücklich als Randbemerkung in einem Briefe, der sich ebenfalls im MozartMuseum befindet. Der Ring wurde von Konstanze, die erst 1842 starb, der Gattin Spontinis geschenkt, von dieser erhielt ihn Madame Erard in Paris, und diese stiftete den Zauberring dem Museum. Belohnte Tchlagfertigkeit. Von Herrn Gevaert, dem bekannten Componisten und Leiter des Brüsseler Conservatoriums, wird folgendes erzählt: Als er zum Direktor des Conservatoriums ernannt werden sollte, ließ ihn der damalige belgische Unter richtsminister rufen, um ihn zu fragen, ob er die einflußreiche und sehr ehrenvolle Stelle annehmen würde. Wir würden uns freuen." sagte der Minister. wenn wir eine so schätzbare Kraft im Lande behalten könnten, aber ich ich muß Ihnen gleich jetzt sagen, daß wir Ihnen nicht so viel Gehalt bewilligen können, wie Ihrem Vorgänger." Dann werde ich ablehnen müssen." erwiderte Gevaert, denn es wäre unter meiner Würde, wenn ich mich mit einem geringeren Gehalt abspeisen lassen sollte; es sähe dann ja so aus, als wenn auch meine Kenntnisse und Leistungen geringer bewerthet würden." Das ist es nicht," sagte der Minister beschwichtigend, die Sache liegt vielmehr so, daß Ihr Vorgänger ein Ausnahmegehalt bezog, weil er große Schulden hatte." Ach! wenn es nur das ist!" entgegnete Gevaert. Wenn Sie es gerade wünschen, Herr Minister, mache ich eben auch Scbulden!" Der Minister lächelte, und Gevaert hatte seine Ernennung in der Tallbe. Perspektive. Mama, den Mayer mag ich nicht zum Mann, bei ist ja so dick." Oh. sei ruhig, das verliert sich in der Ehe durch den Aerger!"

Leuer - Signale.

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