Indiana Tribüne, Volume 28, Number 38, Indianapolis, Marion County, 6 October 1904 — Page 5
Indkema Tribüne, 6 Oktober WO?L
Beim Mtag-Cragen. Skizze von 2L v. Cevise. Ei ju, ei ju! Nu aber los, nu aber schnell. . . es ist ja schon halb zwölf!" Das junge Mädchen lief eiligst an den Herd. Mit der Gabel Pickte sie in den großen Kartoffeltopf: Ach du Donnerwetter nu sind sie noch nicht car!" Rasch warf sie noch eine Preßkohle auf und stürmte dann in das Zimmer nebenan, um sich zurecht zu machen. Die Mutter tröstete sie: Laß nur, Kind wenn du um dreiviertel hier fortgehst, kommst du noch ganz gut zurecht." Ja. . . aber so im letzten Moment und wenn was passirt auf den Straßen und ich warten muß es ist zu ärgerlich!" Endlich endlich konnte sie gehen. Vorsichtig nahm sie den Henkelkorb, und dann Adje, Mutter. Und ruh' dich ein bischen!" Schon an der ersten Straßenecke traf sie eine Bekannte. Die hatte denselben Weg, und das tröstete sie ordentlich. Dann mußte ja noch Zeit sein. Na, Fräuleinchen bringen Sie Vater'n wieder 's Essen?" klang eö ihr entgegen. Aber natürlich, Frau Schröder. Mutter kann's nicht mehr und unser Wilhelm ist doch nun auch dabei!" Was? Der Wilhelm auch schon?! Das kleine Kerlchen!" Das Mädchen lachte. Aber Frau Schröder, der Junge ist schon sechzehn Jahre! Und schon eingesegnet!" Wie die Zeit vergeht!" Kopfschüttelnd strich sich Frau Schröder die Schürze glatt, dann ging sie ein Weilchen stillschweigend neben dem jungen Mädchen her. ' Ihr Vater ist wenigstens immer vergnügt, wenn Sie kommen. Mein Mann aber ach, du lieber Gott!" Ihr Mann ist kränklich, Frau Schröder. Er kann nicht mehr so recht, wie er gern will, und das, glaube ich. . . das kränkt ihn sehr. Er grämt sich. . Na ja, na ja." Frau Schröder beißt sich auf die Lippen. Früher war es ja auch anders, aber seitdem unser Mariechen todt ist " Sie weiß nichts rechtes darauf zu sagen, nur. als sie plötzlich an eine belebte Straßenecke kommen, da nimmt sie der alten Frau, die mit ihrer Schürze ganz heftig an den trüben Augen wischt, den Korb aus der runzligen Hand und trägt ihn sachte mit dem ihrigen zusammen über den breiten, frischgesprengten Damm. So, nun sein Sie man vergnügt! 'Heut'wird Ihr Mann schon lustig sein. Aus Ihrem Korbe riecht's so fein " Die brummt was von 'n bischen Bohnen mit Speck", aber sie ist schon ruhiger. Mit der leisen Hoffnung auf den nicht ganz so brummigen Mann" trabt sie ruhig ihres Weges dahin. Da von weitem winkt ihnen schon das Ziel. Hell in die Luft hinauf ragt das Gerüst, und hinter ihm da schafft's und arbeitet es, als müßte der Bau in. einem Tag vollendet sein. Unwillkürlich beschleunigen sie ihre Schritte. Und die vielen, die . mit gleicher Last beladen, heraneilen, gönnen sich kaum Zeit zu kurzem Gruß. Auf einmal schlägt es vom Kirchthurm zwölf. . . Mittag! Hastig fliegen Hacke und Kelle beiseite, und ein wenig bedächtig zwar, aber doch immerhin in sichtbarer Eile klettert alles aus schwindelnder Höhe herab. . . Tag, Martha!" Tag, Vaterchen!" Sie faßt ihn derb, trotz Kalk und Steinstaub, um die Schultern und küßt ihn auf den Mund. Na, Vaterchen, wie war's?" Gut, Kindchen, gut." Er streichelt ihr zärtlich die blühenden Wangen, dann klopft er, ordentlich stolz auf ihre schmucke Erscheinung, ihr sorgsam die vielen St'äubchen wieder herunter, die bei der Umarmung auf ihrem Kleid zurückgeblieben. Aber wo ist denn Fritz?" Der wird schon kommen. Da, sieh nur!" Und stolz in seiner neuen Würde, stramm und kräftig, kommt er eben anmarschirt. Ta, Kinder! Na was giebt's zu essen?" Er zieht den Deckel von dem Korb und blinzelt neugieriz hinein. Donnerwetter, Rindfleisch mit Vouillonkartoffeln!Lachend beginnen die drei ihr einfaches Mahl. Nur eins stört sie alle. Eben hat Frau Schröder ihrer Begleiterin noch einen Blick hinübergeworfer.. einen trauriqen. langen Blick, der
da sagt: Mein Mann ist schlimmer noch als sonst! Das junge. Mädchen hat es schnell darin gelesen. Und sie kann sich nicht enthalten, ihren Vater m haatn. Was ist bloß mit dem alten Schröder? Warum ist der stets so krakehle lisch?" Der Vater schüttelte den Kopf. Ja, Kind, :ch weiß nlcht recht. Er ist unzufrieden, weil er mit der Arbeit nicht mehr recht vorwärts kommt, und die in der Commission,
die Hetzen ihn es ist 'ne dumme Sa ! che." Da sieht auch Fritz, der sich bisher nur um den Topf und um das Essen gekümmert hat, von seiner Arbeit" auf. . Ja, drüben, da haben sie's heute auch gesagt! Er dürfte eigentlich doch nicht im Lohn zurückstehen, nun, wo er sich alt und krank gearbeitet. Sie wollten ja mit dem Alten sprechen!" Erschreckt blickt Martha von einem zum andern. Ach sie kennt die Fragen, die da immer gestellt werden; sie kennt die trüben, trauigen Folgen, wenn die Antwort nicht gleich so ausfällt, als sie sich erwünschen und ersehnen. Schon zweimal seit der Krankheit der Mutter hat sie dadurch i r "Y r ..V. 1 1 S tttaTrn
mt o muyiam uno um ,v 'iui Fleiß geleitete Wirthschaft fast zusammenfallen sehen, gelockert an allen nden. Und Zbr araut davor, so sehr, daß sie schon jetzt ihren Vater anflehen und bitten möchte doch der vergeht ne ohnedies. Beruhigend streicht er über lyre raubaearbeiteten Sünde. Es ist ja noch nicht so weit! Du brauchst dich nicht zu fürchten. Und du, Fritz. hör' nicht hm auf das dumme Zeug! Thu' deine .Arbeit und kümmere dich um nichts anderes." Dann sieben sie alle drei wieder auf. Martha packt ihre Sachen zusammen. und Vater und Bruder suchen einen schattigen Platz. Ein letzter Gruß noch, ein kurzes Aus Wiedersehen!", dann geht sie zierlich davon. Draußen trifft sie mit dem jungen Polier zusammen. Na, Fräulein Wiesecke, hat's geschmeckt?" Ach danke, recht gut" Sie lächelt ihm freundlich zu. Er drückt ibr kräftia die Hand und sieht ihr tief in die Augen. Dann scheiden auch sie. Er auckt ibr zwar noch eine Welle nach, sie aber geht mit ziemlich schnellen Schritten davon. Sie möchte gerne Frau Schröder treffen, ihr auf dem gemeinsamen H'.lmweg noch ein paar gute Worte sagen. An der zweiten Ecke hat sie sie eui geholt. Na, Frau Schröder?" Die schüttelt nur stumm den Kopf. Was ihr der Mann heute, in der kurzen Zeit gesagt Sie siebt nur Unfrieden, wieder nur Noth und Sorge im Haus. Und das verlegt ihr die Lust zum Sprechen. . . Drei Wochen später. Wieder geht Martha, mit dem Korb in der Hand, ihrem Vater und ihrem Bruder das Essen bringen, aber, ihr Gesicht xt trub, die Haltung etwas gebeugt. ' . ... j Sie geht auch früher als sonst, denn sie mag Frau Schröder nicht mehr treffen, die ihr an der ganzen Aufregung, an der großen Sorge in den letzten Wochen mit Schuld, mit verantwortlich erscheint. Denn es war so gekommen, wie sie es' gefürchtet. Hingegangen zum Chef, gefordert, nichts erhalten, und die Arbeit stand wieder still. Achtzehn volle Tage! Mißmutbia stand sie nun vor dem Neubau, in dem man feit zwei Tagen wieder arbeitete. Ihr ging es nicht aus den- Kopf, wie groß die Sorgen nun wieder waren, und wie schwer sie das alles wieder einrenken würde. Die Mutter kränker als vorher, die Mittel zu ihrer Pflege geringer. . . und .keine ruhige Stunde mehr, kein fröhliches Aussprechen, kein Lachen und Scherzen. Der Polier kam wieder heran, aber er zog nur kurz die Mütze und sagte: Mahlzeit!" Erstaunt sah sie ihn an. Was hatte denn der?! Er mußte die Frage in ihrem Blick wohl gut verstanden haben, denn plötzlich blieb er trotz seiner anfängliehen Abneigung stehen und sprach sie an. Wollen Sie denn noch mit mir reden. Fräulein?" Aber warum denn nicht?" Na hier, auf dem Bau da thun sie's ja nicht. Da verachten sie mich, weil ich zum Guten geredet habe. Du lieber Gott, das Los des alten Arbeiters. . . es ist ja schwer, aber es läßt sich doch leider nicht ändern! Und daß nun alle deshalb . . . Es wollte mir nicht in den Kopf." Sie nickte fast zustimmend. Wir haben ihn ja auch behalten", fuhe er fort, und wir wollten es ja auch ohnehin, aber weniger natürlich . . . muß er ja verdienen! Es geht doch nun mal nicht anders." Sie hielt ihn fest. Bleiben Sie doch noch. " Er schüttelte den Kopf. Dorr kommt Ihr Vater!" Deshalb?" Ihre Stimme wurde unsicher. Und zu uns nach Hau zu Mutter... wollen Sie auch Nicht mehr. . .? Groß sah er ihr in die Augen. Ich möchte schon, aber " Er zeigte mit .dem Kopf, so über die Schulter hinweg, auf den Vater. - Der hatte es gehört. Na das. . rief er plötzlich, das ist nu Unsinn. Was hat denn das . dann das. . . mit der Politik zu thun, wenn ' wenn.
Er kam nicht zum Ausreden,
denn ganz plötzlich fiel ihm feine Tochter um den Hals. Und der Polier reichte ihm die Hand. Na, Wtesecke, wenn's denn so is, denn denn. . . Und ganz laut setzt er hinzu: Ich komm' ja so gern, so gerne: Ich habe mich bloß nicht getraut!" An's Essen hatten sie über alledem beinahe vergessen. Unbeachtet stand der Korb, bis Wilhelm ihn ungeduldig öffnete. Du, Martha," rief er dabei, für wen ist eigentlich das hier?" Der Korb?" fragte der Poner zurück. Na für mich Gott sei Dank, nicht!" Na schon. Dann laßt euch man nicht stören. Ich fang' unterdeß immer an . . . Und er hieb hinein in den großen Topf, daß sich der Löffel bog. Mddicbe. Humoreske von Paul Bliß. Nervös sah Edmund von Waldenfels auf die Uhr. Noch fünf Minuten, dann war es sechs, und dann mußte die holde kleine Frau erscheinen. Unruhig ging er auf und ab, spähte bald nach rechts, dann wieder nach links, aber alles war umsonst, noch war nichts von der Erwarteten zu sehen. Nun schlug es sechs, und noch im mer war sie nicht da. Empört stand er da und sah sich um. Ihn ließ sie warten! ihn, den LLwen aller Salons! Das war stark, das hatte ihm noch keine Andere zu bieten gewagt. Kaum wurde er seiner Erregung Herr, noch viel weniger vermochte er einen klaren Gedanken zu fassen. Plötzlich sah er auf und erblickte seinen Freund Egon von Mellenthin, der geradenwegs auf den Platz lossteuerte. Edmund fluchte, daß auch der Freund gerade in diesem Augenblick hierher kommen mußte! Trotz alledem aber konnte er seinen Groll nicht auslassen, weil er sofort einsah, daß er hier nur mit Güte et:vas erreichen würde, er ließ Egon also herankommen und begrüßte ihn dann freundfchaftlich. Egon aber, ebenfalls in elegant gewählter Toilette, erwiderte den Gruß ein wenig zerstreut. Wie kommst Du denn hierher. Mensch?" fragte er mit gut gespielter Harmlosigkeit. Und lächelnd entgegnete Edmund: Ja, dieselbe Frage könnte ich auch wohl an Dich richten. Was hast Du um diese Zeit hier zu suchen?" Ach, ich komme hier nur so zufällig vorüber." So, so," sagte Edmund vergnügt, dann werde ich also gewiß kein Opfer von Dir fordern, wenn ich Dich bitte, so bald wie möglich von hier wieder zu verschwinden." ' Nun wurde Egon verlegen und wußte nicht sogleich, was er antworten sollte. Du thust mir nämlich einen großen Gefallen damit, lieber Freund, denn ich, ich. nun kurz heraus: ich erwarte eine Dame hier." Egon lachte. Sehr gut! ich erwarie nämlich auch eine Dame hier. Ja, um sechs Uhr." Donnerwetter! Das ist aber fatal!" Edmund zwirbelte nervös an seinem Schnurrbärt herum. Egon indessen nahm die Sache leichter. Warum fatal? Wir Beide thun uns doch nichts! wir warten einfach hier, und wer zuerst seine Dame sieht, geht ihr entgegen, und läßt den Anderen stehen, als wäre er ein fremder Mann." So warteten sie zusammen Und suchten sich die Zeit zu vertreiben, indem sie sich kleine Skandalgeschichten erzählten. Nach zehn Minuten sagte Edmund: Hör' mal. Kerlchen, Deine Angebetete ist aber schlecht gezogen, um sechs hat sie Dich herbestellt und nun ist es gleich viertel sieben." , Egon zuckte resignirt die Schultern, indem er sagte: Sie ist eine Dame der guten Gesellschaft, vielleicht konnte sie nicht se pünktlich von Hause fortkommen, man muß halt warten. Aber sag' doch, um welche Zeit bist Du denn herbestellt worden?" Jetzt wurde Edmund ein wenig verlegen. So um viertel und halb sieben herum, übrigens erwarte ich auch eine Dame der guten Gesellschaft." Ach, wie interessant!" Nach einem Weilchen sagte Edmund: Du, hör' mal, Egon, es wird ja wohl nicht zu indiskret sein, wenn ich Dich frage, wo Du Deine Holde kennen gelernt hast." Und harmlos heiter antwortete der Andere: Durchaus nicht! ich habe sie vor acht Tagen in einer Musikalienhandlung getroffen, sie forderte ein paar Sachen aus Carmen", und als ich sie sprechen hörte, sah ich sie an, und da war's um mich geschehen, die Gluty ihrer Augen, der prachtvolle tiese Ton ihrer Stimme na, überhaupt die ganze Erscheinung hatte es mir angethan, so daß ich sie nicht wzeder aus den Augen lieh; ich bin ihr also gefolgt, weiß, wo sie wohnt, und seitdem treffe ich sie zeden Tag, Vormittags 11 Uhr. Du weißt, ich bin kein Ritter Toggenburg, und deshalb
sprach ich sie kurz und entschlossen cm. Sie war zwar erstaunt, lächelte aber und wies mich nicht ab. Seitdem sehen wir uns jeden Tag, natürlich rein zufällig. na und gestern hat sie mir gesagt, daß sie heute um sechs hier ein wenig promeniren wolle." Den Namen weißt Du nicht?" Keine Ahnung. Weiß nur, daß sie suö Mexiko ist und erst vor einem Vierteljahr geheirathet hat." Edmund machte plötzlich ein sehr erstauntes Gesicht. Aus Mexiko ist sie?" fragte er lächelnd. Erstaunt darüber, nickte Egon. Ja wohl." Dann wohnt sie auch in der Händelstraße?" Immer erstaunter wurde Egon, als er entgegnete: Gewiß, da wohnt sie! Aber woher weißt Du denn das?" , Jetzt lachte Edmund laut auf. Nun. mein lieber Egon, dann hat ein unglücklicher Zufall uns Beiden wohl dieselbe Dame entgegen geführt, denn laß Dir nur erzählen: auch meine Dame hat Gluthaugen, ist seit einem Vierteljahr verheirathet, ist aus Mexiko und wchnt in der Händelstraße. Und auch Dich hat sie heute hierher bestellt?" Lächelnd nickse Edmund. Ich lernte sie unter ähnlichen Umständen kennen, wie Du mir das eben so anschaulich wie poetisch geschildert hast, und nun hat sie mich heute hierher bestellt. Aber ich glaube, wir thun am klügsten, nur gleich zu gehen, denn natürlich hat sie uns nur zum Besten gehabt, das ist Dir nun doch wohl auch ganz klar, wie?" Egon war noch immer ganz starr von dieser interessanten Mittheilung; Edmund aber nahm ihn beim Arm und zog ihn mit fort. Ja, ja, die Frauen," sagte er mit einem philosophischen Lächeln, man kann hundert Jahre alt werden, und man lernt sie doch niemals ganz kennen!" Na und vor Allem die Verheiratheten!" stimmte nun auch Egon bei, indem sie langsam weiter gingen. Da plötzlich, als sie in einen Seitenpfad einbiegen wollten, trat ihnen ein eleganter Herr entgegen. Oh. Prittwitz. wie kommst Du denn hierher!"? riefen sie ihm heiter erstaunt zu. Der Angekommene war ebenso angenehm überrascht, als er die zwei alten Klubfreunde wieder erkannte, er schüttelte ihnen voll herzlicher Freundschaft die Hände und hieß sie willkommen. .- ' .Aber, Mensch, wie kommst Du denn nur hierher?" rief Edmund, wir glaubten Dich noch da unten in Australien oder sonstwo in der Wildniß!" ' ' Herr von Prittwitz lächelte fein.
Bin ja schon seit zehn Tagen hier, ja wohl! das sollte eben eine Ueberraschung für meine Freunde werken, ich bin nämlich verheirathet." Du bist verheirathet?" Starr sahen sie ihn an. ,' Und der Andere -nickte lächemd: Mein Frauchen ist aus Mexiko, ein wilder kleiner Schalk, und nun wollen wir uns hier erst ein wenig einleben, bevor ich sie in die Gesellschaft einführe; deshalb leben wir vollständig zurLc!?chogen, bis die Saison beginnt." Die beiden Freunde wurden verlegen, nahmen sich aber zusammen, und Egon rief mit großer Heiterkeit: Siehst Du, Neber Freund, das sollte nicht sein, deshalb führte der Zufall Dich uns in die Arme." Prittwitz lachte laut auf. Und was für ein Zufall! Habt Ihr eine Ahnung, weshalb . ich denn überhaupt hier bin?" Gott bewahre!" versicherten die Beiden. Nun, denkt Euch, ich will hier zwei Galane abfassen, die mein eheliches, Gebiet für ihre Wilddieberei erkoren haben. Ist das. nicht kostbar!?" Lachend sah er sie an. Und die Beiden lachten mit: Wirklich kostbar!" - Aber kommt nur mit, Ihr sollt Zeugen sein, wie ich die Kerle abführen werde." Das thut uns außerordentlich leid! Aber wir kommen eben von einem Fünf - Uhr - Thee und werden schon jetzt im Klub erwartet." Wirklich, lieber Prittwitz, wir haben gar keine Zeit mehr. Bedauernd sahen sie ihn an und warteten nur auf den Augenblick, verschwinden zu können. Aber dann macht Ihr uns morgen das Vergnügen, Händelstraße 30 kommt nur zum Frühstück, ich werde Euch schon heute bei meiner Frau anmelden. Auf Wiedersehen!" Natürlich gingen die beiden galanten Wilddiebe am nächsten - Morgen nicht zu dem Frühstück in der Händelstraße, dagegen packten sie schleunigst ihre Koffer, ließen sich bei ihren 39:kannten und Freunden entschuldigen und traten dann eine längere Reise nach dem Süden an. Vorsichtig. Arzt: Guten Morgen, Herr Meier, wie geht's? Herr Doktor, sagen Sie mir erst: kostet das was, wenn ich antwort'?" Das rechte Wort. Sag mal Cousinchen, ist daS wahr, daö der junge Lehmann sich bei Dir auch einen Korb geholt hat?" Ja ich bin die sechste Dame auö unserem Kreis, in die er verliebt war." Entsetzlich! Der Mensch ist ja der reine Rund brenner."
Es Grcnnt!
Behcrzigcnsvcrthc Winke cincS Fachs rnannrs für Fcuersgefahr. Verbrcnnkngen ud Erstickungen durch Leichtsiun oder Uuwissenhelt-tteller, Treppen haus ud Liknmcrbrände Leitern und Sprungtücher Abschlictzungder Luft. Veherzigenswcrthe Winke für Feuersgefahr ertheilt der pensionirte Brandmeister v. Dankclmann im Berliner Tageblatt": Wie viel Unglück, so schreibt er, hat nicht schon das leichtsinnige Umgehen mit Licht angerichtet. Ich erinnere nur an den unausrottbaren Leichtsinn mancher Frauen, Petroleum in den Herd zu gießen. Leuten, die durch eigene Schuld in Flammen gerathen, möchte ich den Rath ertheilen, nicht zu laufen, damit kein Zug erzeugt wird, sondern sich sofort auf die Erde zu werfen und sich zu wälzen. Noch besser ist es natürlich, wenn andere das Feuer mit Betten ersticken. Ein Dienstmädchen hatte in ihrem Schlafzimmer die Petroleumlampe fallen lassen, sein Hemd fing Feuer. Anstatt sich nun in sein Bett zu werfen und das Feuer zu ersticken, lief das Unglücksgeschöpf Hilferufend von der vierten Etage bis auf die Straße. Der Tod erlöste das arme Menschenkind bald von seinen entsetzlichen Qualen. Die meisten Verbrennungen kommen durch eigene Unvorsichtigkeit bei an sich unerheblichen Bränden vor, bei wirklich großen Bränden dagegen sind Erstickungen die Regel. Diese werden meistens durch Unwissenheit herbeigeführt. Der Kellerbrand ist der für die Feuerwehr unangenehmste, für die Bewohner jedoch nicht so gefährliche Brand. Der Rauch geht nach üben, die natürliche Folge eines Kellerbrandes ist daher stets, daß das Treppenhaus verqualmt. Durch den Qualm werden die Bewohner fo eine begreifliche Aufregung Verses, zumal sie nicht wissen können, wo es im Hause brennt. Auch der Neuling von der Feuerwehr täuscht sich hier manchmal und hält die Sache für schlimmer, als sie ist. Bei einer Berqualmung des Treppenhauses müssen alle Etagenbewohner unbedingt in ihren Wohnungen bleiben, die Thür zum Treppenhaus verschließen und die Fenster öffnen. Es besteht für sie absolut keine Gefahr. Die Feuerwehr wird auch stets verhindern, daß irgend Jemand seine Wohnung, verläßt: vor ihrer Ankunft wird aber leider sehr häufig versucht, der vermeintlichen Gefahr durch Entkommen über die Treppe zu entrinnen. Wie viel Menschen bei diesem Bersllch schon erstickt sind, dar-
über können die Annalen sämmtlicher Berufs feuerwehren berichten. Ich selbst habe später bei einem Kellerbrand zwei junge Mädchen auf dem Treppenpodest erstickt gefunden; in den Wohnungen war nicht eine Spur von Qualm. Dieselbe Verhaltungsmaßregel wie für den Kellerbrand gilt in erhöhtem Maßstabe für einen Brand des Treppenhauses. Hier kommt nicht uslx der Rauch, sondern auch die Flamme in Frage. Ehe die Thüren durchbrennen, vergeht auf jeden Fall so viel Zeit, daß die Feuerwehr alle Personen retten und gleichzeitig das Feuer ablöschen kann. Also auch hier heißt es, alle Thüren fest zuhalten, sich an die geöffneten Jenster stellen und abwarten, bis der Helfer kommt. Leider passirt es häufig, daß Menschen aus dem Fenster springen. In diesem Falle fchaffeman schnell an Matratzen, Säcken, Betten herbei, was zur Hand ist, um nach Möglichkeit das Schlimmste zu verhüten. In den meisten Fällen wird es möglich sein, alle Personen zu retten. Frauen und Kinder werken stets zuerst gerettet und angeseilt, deshalb dürfen sie die Leitern erst besteigen, wenn Feuerwehrleute von außen in die Wohnungen eingedrungen sind. Als letztes tritt das Sprungtuch in Aktion. Angenehm ist der Sprung in die Tiefe nicht und auch nicht ungefährlich, sobald man verkehrt springt. Der Sprung in das Sprungtuch hat in der Weise zu erfolgen, daß man im Sprunge die Beine nach vorn wirft, so daß man möglichst mit dem Gesäß oder mit dem Rücken in das Tuch fällt. Springt man nämlich mit den Füßen nach unten, so ist ein Beinbruch wahrscheinlich, außerdem besteht die Gefahr, daß man durch das Tuch durchspringt. Bei einem Zimmerbrand (Gardinen, Möbel oder Fußboden) verlasse man sofort das Zimmer und schließe es. UeberHaupt ist dem Feuer stets nach Möglichkeit die Luft zu entziehen. Dann alarmire man die Feuerwehr. EiSmefsnngen in Sibirien. Anläßlich des Transports von Tropen und Kriegsmaterial durch Sibirien veröffentlicht der russische Meteorologe Woeikow die Ergebnisse von Messungen der winterlichen Eisdicke auf sibirischen Strömen. Es ergab sich, daß auf der Jndigirka die Dicke des Eises bis zu 2.35 Meter (1 Meter gleich 39.37 Zoll) anwächst, auf der Lena bis zu 2.05 bis 2.10 Meter, am obern Amur bis zu 1.8 Meter. , In den kältesten Regionen, wie. an der Kolyma und bei Werchojansk an der Jana, erreicht das Flußeis keineswegs die größte , Mächtigkeit; ebenso zeigen sämmtliche, Beobachtungen, daß bei reichlichem Schnee das' Eis Verhältnißmäßig dünn bleibt, während da, wo wenig Schnee fällt, die Mächtigkeit des Flußeises am bedeutendsten ist. i ' ! ,
Große Krieg s a'u fträge für Rußland und Japan sind deutschen Fabrikanten ertheilt worden. So hat die russische Regierung 100.000 Zelte bei der Firma Strohmeyer & Co. in Konstanz, Baden, bestellt. Die japanische Re'eru'.'.g hat 100.000 Gummikragen bei der Continental CaoutchoucCompany in Hannover in Auftrag gegeben. Von einem Stier get ö d t e t. Der Landwirth Regli aus Andermatt im Schweizer Kanton Uri wollte sich zur Beaufsichtigung seiner Heerde h:n!er den Oberalpsee begeben, wurde aber unterwegs ohne die geringste Anreizung von einem weidenden Stier angegriffen und mit den Hörnern und Vorderfüßen so schrecklich zugerichtet, daß er auf dem Transport nach Andermatt starb. Meuterei auf einem Schiffe. Vor Kurzem drangen acht aus dem Dienst entlassene Matrosen des in Fiume, Ungarn, eingetroffenen englischen Segelschiffes Andromeda" an Bord des Schisfes und insultirten den Stellvertreter des Kapitäns und den Schiffskoch. Letzterer schoß auf die Matrosen, wobei einer getödtet, ein anderer schwer verwundet wurde. Die übrigen Meuterer wurden verhaftet. Gefährliche Tramwayfahrt. In einer Nacht kam es in einem Vororte von Marseille, Frankreich, zwischen zwei Banden von Strolchen, die in einen Trambahnwagen eindringen wollten, zu einem blutigen Handgemenge. Die Strolche feuerten Revolverschüsse gegeneinander ab. Zwei von ihnen wurden getödtet, mehrere verwundet. Ein unbetheiligter Passagier trug schwere Verletzungen davon. Im Wasser erschossen. Bei Neukirchcn, Provinz Sachsen, wurde die Lehrerin Fräulein Kayjatz aus Gelsenkirchen mit einer Schußwunde todt in der Elbe gefunden. Die junge Dame hatte ein Bad genommen, als gerade ein Floß und ein Kahn stromabwärts fuhren. Sie wollte im Wasser nicht gesehen werden und nahm eine liegende Stellung ein, so daß nur der Kopf aus dem Wasser hervorsah. Dieser wurde von einem der Vorüberfahrenden, zumal er von einem Weidenbusch beschattet war, für einen Wasservogel gehalten, auf den der unglückliche Schütze den verhängnisvollen Schuß abfeuerte. Mord auö Rache. Vor Iahresfrist wurde der 47jährige Spinner Derveaux in der Fabrik von Albert Masurel in Roubax im französischen Departement Nord durch einen Unfall bei der Arbeit am Bein verwundet. Er strengte eine Klage gegen die Gesellschaft an, bei der die Arbeiter der Firma versichert waren, erhielt aber vorläufig von dieser eim regelmäßige Unterstützung. Letzthin erschien Derveaux wie gewöhnlich im Bureau des Spinnereidirektors Thomas, um sich fein Geld zu holen, und tödtete ihn durch mehrere Revolverschüsse. Dann schloß sich der Mörder ein und trank eine Flasche Vitriol. Die auf die Schüsse herbeigeeilten Personen konnten von ihm nur noch erfahren, daß er aus Rache gehandelt habe, weil er durch den Direktor vor Gericht verrathen" worden sei. Einige Stunden spätererlag Derveaux der Vergiftung. Seltener Kunstmäcen. Ter dänische Maler' Struckmann hielt sich in der schleswigschen Stadt Sonderburg auf. Als er eines Tages damit beschäftigt war, von dem alten Sonderburger Schlosse eine Skizze anzufertigen, trat ein Herr herzu, betrachtete das Bild, stellte sich als Berliner vor und fragte in demselben Athemzuge nach dem Preise des erst in der Entstehung begriffenen kleinen KunstWerkes. Struckmann forderte nicht gerade sehr bescheiden, da er die Anfrag: wohl für einen Scherz hielt, und war darum sehr verwundert, als er sah, daß der Berliner die verlangte Summe seiner Geldtasche entnahm, um auf der Stelle den Handel abzuschließen. Der Maler sprach nun seinen Wunsch aus, vorerst doch das Bild fertig zu malen und es dann dem Käufer zu übsrsenden. Der Berliner aber erwiderte: Mir gefällt das Bild, wie es ist, meinetwegen sollen Sie nichts weiter daran machen. Kenn mir ist gerade daran gelegen, das Bild so frisch wie möglich zu erhalten." Und ehe der Maler sich's versah, war de? Mäcen mitsammt dem Bilde davon. Durch Feuer zerstört wurde die Sawyer und Austin Säqemühle in Pine Bluff, Ars., die größte im Staate, mitsammt ihren großen Holzvorräthen. Ter Verlust beläuft sich auf $400,000 bis 5600.000. ist aber ganz durch Versicherung gedeckt. Explosion im Xiavora t o r i u m. Im Laboratorium dcö Pyrotechnikers Orsini in Bari. Italien, fand eine furchtbare Pulverexplosion statt. Hierbei wurde das Laboratcrium zerstört. Orsini und zwei seiner Söhne wurden getödtet. die Tochter erlitt, entsetzliche Brandwunden. Liebestragödic. DieWirthschafterin Bertha Stief aus Berlin beging in Magdeburg, Provinz Sachsen, ein Revolverattentat auf einen Magdeburger Kaufmann, weil er ein sech?jähriges Verhältniß, das er mit ihr unterhielt, lösen wollte. Nach dem Attentat schoß sich die Wirtschafterin eine Kugel in den Mund und war sofort todt. Der Kaufmann erlitt nur
j leichtere Verletzungen.
