Indiana Tribüne, Volume 28, Number 37, Indianapolis, Marion County, 5 October 1904 — Page 6
V Jndiana Tribüne, S. Oktober 1902. X 6
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Europäische Nachrichten. Provinz Kofsen'assau. Kassel. Das Allgem. Ehrenzeichen ist dem pensionirten Schuldiener August Patzschke verliehen worden. Der Fahrbursch August Sinnram von der Holzfirma H. & K. verunglückte in der abschüssigen Dialonissenstraße. Die beiden Pferde des Wagens gingen in Folge Scheuwerdens durch. Sinnram wurde unter den Wagen geschleudert und überfahren. Er erlitt einen Schädel- und einen doppelten Nippenbruch. Der Bedauernswerthe, welcher wohl kaum mit dem Leben davonkommen wird, wurde in die Heilanstalt des Hessischen Diakonissenhauses getragen. Das Gespann, welches einen Baum und einen eisernen Laternenpfahl umriß, wurde sehr beschädigt. E s ch w e g e. Ein Bad - in der Werra beim Hirtenrasen wollte der Handwerksbursche Felix Gründer aus Zierschen bei Pirna a. d. E. nehmen, er hatte aber beim Hinabspringen m's Wasser das Mißgeschick, mit dem Unterleib gerade auf einen im Flußbett liegenden großen Stein zu prallen. Der Mann zog sich auf diese Weise schwere innere Verletzungen zu und ward in das Krankenhaus transportirt. Frankfurt. M. Zu einer schweren Messerstecherei kam es in einem Logirhause der Altstadt. Zwei Hausburschen Namens Anton Pappenberger aus Ochsenfurt und Alois Bartosch aus Lochawa i. B. wurden
von zwer Auslandern, die sich in dem Gafthause einlogirt hatten, durch Messerstiche schwer verletzt. Die Mrletzungen des ersteren sind lebensgefährlich. Kronberg i. T. Auf demWege von Oberhochstadt nach hier wurde die Ehefrau Anna Burian von ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann, dem Schneider Burian, überfallen und durch einen Stich in den Rücken lebensgefährlich verletzt. Der Thäter ist verhaftet. L L h b a ch. Der Sohn des JagdPächters erschoß den 6jährigen Knaben des Landwirthes Möller unweit der elterlichen Wohnung, da er die hier spielenden Kinder in der Abenddämmerung für Rehe hielt. Schmalkalden. Eine Gedachtnißtafel für den Komponisten Karl Wilhelm wurde am Geburtshause, Auergasse 1, feierlich enthüllt. Mttekdeutsche Staaten. A p o l d a. Der bei einer hiesigen Wollwaarenfirma angestellte Kaufmann Otto Schmidt hat sich gemein sam mit einem jungen Mädchen, das er während der Krankheit seiner Frau als Stütze angenommen, mittels Eyankali vergiftet. Die Frau befand sich, als- das Paar seinem Leben ein Ende machte, bei ihren Eltern in Wickerstedt. Das junge Mädchen hieß Jda Weiß und stammte aus Sömmerda. Bernsdorf bei Lucka. Domänenrath Brückmann feierte sein 50jähriges JubiläH.r als Vorsitzender des hiesigen Landwirtschaftlichen Vereins. Der Jubilar hat 50 Jahre die Domäne Vreitenhain bewirthschaftet und lebt feit vorigem Jahre in Altenbürg. Braunschweig. Die achtjährige Tochter des Steinsetzers Kunstmann, die sich beim Spiel an einem brennenden Papierhausen schwere Brandwunden zugezogen hatte, ist ihren Verletzungen im Krankenhause vom Rothen Kreuz erlegen. Haustenbeck. Der Schmiedemeister Fillis aus Haustenbeck verunglückte beim unbefugten Entladen eines sogenannten Blindgängers; es wurde ihm der rechte Arm und die linke Hand abgerissen, außerdem wurde ihm der Unterkiefer vollständig zerschmettert. Er starb bald nachher und hinterläßt seine Frau mit vier Kindern. Helmstedt. Auf einer Bank am Promenadenwege, gegenüber dem Felsenkeller, wurde der Busfetier Namens Bock vom Brunnen als Leiche aufgefunden. Der junge Mann hatte durch Selbstmord geendet, denn der Revolver lag neben ihm. Beweggründe zu der That werden in Kassendifferenzen vermuthet. Holzminden. Auf dem hiesigen Güterbahnhof wurde der dienstthuende Stationsassistent Anton Daub von einer Rangirmaschine überfahren. Dem schwer Verletzten mußte sofori vas Bein abgenommen werden. An seinem Aufkommen wird gezweiseit. Jena. Die optische Werkstätte von Karl Zeiß vollendete das zehntausendste Mikroskopobjektiv homogener Immersion und ließ 'es Geheimrath Robert Koch, der mit diesem Objektivsystem seine bahnbrechenden Untersuchungen anstellte, als Andenken überreichen. Weimar. Die hier verstorbenen Schwestern des früheren weltbekannten Bibliothekars der weimarischen Staatsbibliothek, Reinhold Köhler, der am 15. August 1892 gestorben ist, haben ein Kapital von 19,500 Mark gestiftet, das unter dem Namen Reinhold Köhler - Stiftung verwaltet und dessen Zinsenertrag insbesondere zur Gewähruna von Stipendien an junge strebsame Gelehrte dienen soll. Sachsen. Dresden. Auf einen Mord deuein Leichenfund hin, der in der
Dresdener Heide gemacht worden ist.' Es wurde die verkohlte Leiche einer Frau gefunden; ringsum war der Wald mit Petroleum in Brand gesteckt worden. Genauere Nachforschungen haben dann aber ergeben, daß ein Selbstmord vorlag. Ein Angestellter der sächsischen Staatsbahnen erkannte in der Todten seine Schwägerin, die Z2jährige ledige Fabrikarbeiterin Schmidt. Das Mädchen hatte sich schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken getragen und auch zu den Angehörigen geäußert, daß es keine Lust mehr am Leben finde. Es hat sich aus seiner Wohnung entfernt, ist dem Walde zugegangen und hat dort vermuthlich seine Kleidung mit Petroleum begossen, um dann in den Flammen den ersehnten Tod zu sinden. Durch das Feuer ist eine 1200 Quadratmeter große Heidefläche und eine Anzahl alter Bäume abgebrannt. Schlosser Kölscher verunglückte beim Abladen eines etwa 20 Centner schweren eisernen Dachbinders tödtlich. Sein 30jähriges Dienstjubiläum feierte der erste Prokurist der chemischen Fabrik elfenberg, A.-G. Clemens Büttner. Der Tag gestaltete sich zu einem wahren und rechten Ehrentage für den um das Gedciben des ganzen Unternehmens hochverdienten Beamten. Die hier wohnhaften Schuhmacher - Jnnungsmeiste? Gottfried August Julius Berger und Karl Wilhelm Roßberg begingen die Feier des 50jährigen BürgerjubiläumZ. B ü h l a u. An einem Kirschbaum erhängt wurde die Gartenarbeiterin Emilie Wilhelmine Blankenstein aufgefunden. Als Beweggrund wird unheilbare Krankheit angenommen.
Leipzig. In seiner Wohnung in dem Brühl 15 stürzte sich der nervenkranke Hausmann Haubold aus dem zweiten Stockwerk in den Hof herab. Nach dem Krankenhaus gebracht, verstarb der alte Mann alsbald an den Folgen der Verletzung. Auf einem Neubau in der Knautkleeberger Straße zu Kleinzschocher verunglückte der 19 Jahre alte Arbeiter Jablonski aus Mügeln bei Oschatz dadurch, daß ein eiserner Träger auf ihn fiel. Nach dem Krankenhaus gebracht, erlag er bald den erlittenen schweren inneren Verletzungen. Neustädtel. Beim Baden in dem in der Nähe gelegenen Filzteiche ertrank der 16 Jahre alteSteinbruchbesitze? Hans Wagner von Albernau. Bahnhoftswirth Rudolf und dessen Frau erlitten infolge Explosion einer Petroleumlampe schwere Brandwunden. Pirna. Das goldene Bürgerjubiläum feierte Privatus Robert Tögel, aus welchem Anlaß ihm einGlückwunschschreiben des Stadtrathes zugestellt wurde. Sachsendorf bei Würzen. Unter mannigfachen Ehrungen - feierte Kantor A. Harrich hier sein 25jähriges Orts- und Amtsjubiläum. T r e e b s e n. Beim Badcn ertrank in der Mulde der achtjährige Sohn des Stadtverordneten und Tischlermeisters Ed. Wolf. Weigsdorf - Köblitz. Beim Baden ertrunken ist im herrschaftlichen Dorfteiche der sechsjährige Knabe Alwin Hempel. Die menschenfreundliche Handlung eines englischen Handelskapitäns, der deutsche Seeleute aus schwerer Gefahr rettete, wurde, von Kaiser Wilhelm belohnt. Wie man aus London meldet, überreichte der Bürgermeister von Plymouth in einer Satzung des dortigen Marineamtes dem Kapitän Pearce von dem Londoner Dampfer Changchow" eine goldene Uhr als Geschenk Kaiser Wilelms in Anerkennung der Rettung der Ueberlebenden von der Mannschaft des deutschen Petroleumdampfers Arnold Luyken" aus Hamburg. Kapitän Pearce fand das Schiff im vorigen November beim Eingang zum Formo-sa-Kanal inFlammen, näherte sich ihm und fand einen Theil der Mannschaft auf drei Flößen schwimmend und andere in einem mit Wasser gefüllten Boot. Er nahm alle an Bord und setzte sie bei Anwy an's Land; ein Theil derMannschaft, einschließlich des Kapitäns, war umgekommen, andere waren schwer verletzt. JnGenuahatteder Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmannes Marchese ein Verhältniß mit dem Mädchen Rosetta Lucespina, das ihm lästig fiel, als es ihm eines Tages ein Kind schenkte. Er verluß Rosetta und feierte nach einiger Zeit seine Hochzeit mit einer anderen. Dabei ging es sehr lustig zu; als aber nach dem Hochzeitsmahle die Neuvermählten nach dem Bahnhofe gingen, um ihre Reise anzutreten, ertönten plötzlich . aus einem Fenster nacheinander sechs Revolverschüsse, die unter den Hochzeitsgästen eine arge Panik hervorriefen, da der Bruder der jungen Frau und eine zufällig des Weges gehende Arbeiterin durchGeschosse verletzt waren, während die Neuvermählte vor Schreck ohnmächtig wurde.. Sofort stürzten sich Polizisten in das Haus, aus dem die Schüsse fielen, und fanden die verlassene Geliebte des Marchese mit der noch rauchenden Waffe, in der Hand. Sie ließ sich ohne Widerstand verhaften und sagte nur, es thäte ihr leid, das Ziel verfehlt zu haben, aber es werde, sich ihr schon eine , andere Gelegenheit bieten, ihre Rache auszuführen.
Tentstylano, der Dreibund und Ättfiland. Von manchen Seiten ist dem deutschen Kaiser ein Aorwurs daraus gemacht worden, daß er trotz der ansänglichen starken Avneigung des jetzigen Zaren gegen gute Beziehungen zu Deutschland eine Annäherung an Rßland suchte. -Besonders laut wurden die Tadler, als Wilhelm der Zweite nach Ausbruch des ostasiatischen Krieges keinen Zweifc darüber aufkommen ließ, daß er irgend welcher Beunruhigung seines östlichen Nachöaren von europäischer Seite entschieden unfreundlich begegnen würde. Und doch ist unserer Ansicht nach die Politik des deutschen Kaisers die von seinem Standpunkte aus allein riehst; ge. Er kann nicht sozusagen politisch von der Hand in den Mund Wirthschasten. Er muß allerdings die Gegenwart in Betracht ziehen: aber er darf auch die Zukunft nicht außer Erwägung lassen. Verglichen mit Rußland spielt Japan in der deutschen Politik nur eine sehr untergeordnete Rolle und unter den europäischen Festlandgroßmächten kann eigentlich nur das Zarenreich für eine weitsichtige Politik in Betracht kommen. In Frankreich, das überhaupt keine freundschaftlichen - Beziehungen zum deutschen Reiche unterhalten will, wird die Volksvertretung immer rother. Ebenso in Italien, wo der jüngste große Streik den Beweis von der Stärke der revolutionären Volkstheile gab. In diesen beiden romanischen Ländern kann sehr wohl in nächster Zeit ein energischer Versuch stattfinden, durch eine gewaltsame Umwälzung die Gütergemeinschaft, oder doch einen Ableger der Pariser Kommune einzuführen. Die österreichische GesammtMonarchie wird nur durch die Person des von seinen Völkern geachteten Monarchen nothdürftig zusammen gehalten und nach dem Tode des letzteren mag es leicht zu einer Auflösung des Kaiserstaates kommen. Ungarn, Polen, Tschechen und Deutsche sind der Gemeinschaft müde; von den kleineren Völkerkrümeln der Monarchie gar nicht zu reden. Selbst in Deutschland wird die organisirte Unzufriedenheit immer stärker. Im letzten Jahre haben bei den Reichstagswahlen die Sozialdemokraten fast ein Drittel der Stimmen erhalten, und wenn auch Viele für den Sozialismus ihr Votum abgaben, welche nur enschiedene Volksmänner" wählen, nicht aber als Vorkämpfer des Umsturzes gölten wollten, so ist das Anwachsen der Sozialdemokratie immerhin ein Zeichen, welches die konservativen Volkstheile und besonders der Kaiser beachten müssen. Der Dreibund wurde von Vismarck in's Leben gerufen, als Frankreich und Rußland eine Verständigung erziel! hatten, welche Deutschland bedrohte. Die Haltung Wilhelm's des Zweiten feit dem AusbruH des ostasiatischen Krieges kann nicht verfehlen, auf einen so sensitiven und ritterlichen Charakter wie Nicolaus den Zweiten Eindruck zu machen. Der deutsche Kaiser hat sich ihm als ein Freund in der Noth" erwiesen, und das wird nich vergessen werden. Von Seiten Rußlands dürfte dem Reiche künftighin in absehbarer Zeit keine Gefahr droHeu; Frankreich allein ist zu scbwach für einen Angriff auf Deutschland und für letzteres hat mithin der Dreibund jetzt' eigentlich keinen Werth mehr. Diese Bündnisse haben ihren Zweck erfüllt und bei der inneren Verfassung Oesterreichs sowohl wie Italiens muß vom Standpunkte der ver-. bündeten deutschen Regierungen er.! ein enaerer Anschluß an Rußland als vortheilhafter erscheinen. Auch' im Zarenreiche wird ja von Umstürzlern beständig gewühlt, wi? gelegentliche Meuchelmorde beweisen; aber die Kenner russischer Zustände stimmen in der Ansicht überein, daß die Masse des Volkes dem Zaren ergeben ist. der ja auch mit Recht als ein wohlwollender Fürst aelten darf. Mehrere Maßregeln Nicolaus des Zweiten berechtigen zu der Annahme, daß er bestehende Uebelsiände beseitigen und seinem Volke solche Reformen gewähren will, welche dem Kulturstande der Russen angemessen sind. Daß ein deutscher Kaiser und die mit ihm verbündeten Fürsien in die Zukunft blicken und bei der Auswahl der möglichen Verbindungen mit anderen Staaten lieber mit Rußland rechnen, als mit den andern europäischen Festlandsgroßstaaten, liegt auf der Hand. Sie wünschen die Erhaltung und Entwickelung des Bestehenden. Sie bekämpfen die Umsturz-Ae-strcbungen. Darin glauben sie in -Rußland einen stärkeren Rückhalt zu finden, als an Oesterreich, Italien und an Frankreich, welch letzteres ohnehin für einen engeren Anschluß anDeutzch land nicht zu haben ist. Unter den obwaltenden Umständen hat sich daher der Kaiser Wilhelm al? ein weitsichtiger Herrscher erwiesen; indem er die schwierige Aufgabe, pic Beziehungen zu Rußland herzustellen, in Angriff nahm und, tbeilweise mit Beihülfe seine-Z ausaezeichnete Reichskanzlers, des Grafen von Bülow, fr glänzend durchführte. Wilhelm der Zweite, ist unstreitig der bedeutendste preußische König seit Friedrich dcm Großen und der Geist des letzteren scheint in dem dritten deut-, schen Kaiser seine Auferstehung zu feiern.
l?in Vorgänger dcö klnqen HauS. Breslau hat schon seit 50 Jahren :inen klugen Hans" gehabt er hieß allerdings nicht Hans, sondern :llU, und war kein Pferd, - sondern ein Hund. Ein Leser der Schlesischen Zeitung" schreibt darüber: Seit da-s Wunderpferd Hans" dii Oeffentlichkeit beschäftigt, erwartete ich immer, es würde irgend ein alter Breslauer sich dadurch veranlaßt schen, auch die Erinnerung an einen im Iahre 1856 oder 1857 aufgetretenen Vorgänger des klugen Hans" wachzurusen; da sich aber bis jetzt Niemand dazu gefunden hat, so möchte ich doch das Andenken des Wunderhundes Lellie" der unverdienten Vergessenheit entreißen. Es war ein hübscher, kastanienbrauner, zutraulicher, kluger Wachtelhund, der auf einer Tournee durch viele große Städte von seinem Herrn auch in Vreslau einige Zeit in dem damaligen Wintergarten" ausgestellt wurde und täglich mehrmals dem Publikum seine Kunst zeigte. Lellie konnte gleich dem klugen Hans Zahlen lesen" und angeben, auch innerhalb des Zahlenraumes von 110 rechnen", konnte sogar Domino und Karten spielen" und auch die Uhr angeben, wenn auch nicht so komplizirte Fragen, wie sein Kollege Hans, über die Stellung der Uhrzeiger beantworten. Ebenso wenig konnte er Namen mit orthographischen Besonderheiten richtig buchsiabiren; mit Buchstaben 'gab er sich überhaupt nicht ab, sondern begnügte sich mit den oben genannten Leistungen. Die Vorstellungen vollzogen sich sehr einfach und ohne komplizirte Veranstaltungen. Lellie wurde auf einen großen Tisch gesetzt, vor ihm wurden die Zahlen von 1 bis 9 und zuletzt 0 auf Holz- und Papptäfelchen in einer Reihe aufgelegt; ihm gegenüber stand sein Herr oder Dresseur, den Lellie immer sehr aufmerksam ansah, der aber die völlig leeren Hände stets auf dem Rücken verschränkt hielt, ohne eine Bewegung oder ein Zeichen damit zu machen. Die Rechenkünste bestanden zunächst im Angeben von Zahlen, wobei Lellie die verlangteZahl mit seinem Pfötchen aus der vor ihm 'liegenden Reihe herausschob; danach wurde addirt, indem zwei Zahlen von 1 bis 9 untereinander auf eine Schiefertafel geschrieben und dem Hunde vorgezeigt wurden, der dann stets unfehlbar das Täfelchen mit der Zahl herausschob, die das Resultat richtig angab. Der Haupteffekt beim Rechnen" war dann eine Aufgabe, welche das Resultat 10 eraab; dann bildete Lellie die 10, indem er erst die 1 und dann die 0 herausschob. Zuletzt wurden sowohl von seinem Herrn, als auch aus dem Zufchauerkreise, Zahlen bis zu vier Stellen auf die Schiefertafel geschrieben und Lellie zum Ansehen vorgehalten, worauf er jedesmal die Zahl richtig aus den ihm vorliegenden Täfelchen zusammensetzte. Nach den Rechenkün' sten wurde ihm dann eine Taschenuhr vorgezeigt, worauf er die Zahl der Stunde und der Minute stets richtig angab, z. B. 4 Uhr 20 Minuten zuerst die 4. dann 2 und dann 0 richtig hervorholte. Sehr ergötzlich wirkte dann das Dominospiel, aus dem sich Herren aus dem Zuschauerkreise betheiligten. Die Steine wurden vertheilt und Lellies Steine offen vor ihn hingelgt; nachdem sein Partner begonnen hatte, schob der Hund stets den richtigen Stein zum Ansetzen heraus uno zeigte sich auch als kluger Spieler, indem er von den passenden Steinen immer den für ihn vortheilhaftesien wählte. Ebenso wurde das Kartenspiel betrieben, indem Lellies Karten vor ihn hingelegt wurden, von denen er dann die richtigen zum Ausspielen oder Zugeben auswählte. Auch .hierbei erregte es große Heiterkeit bei den Mitspielern aus dem Zuschauerkreise, wenn Lellie (oder sein Herr!) sich auf die Feinheiten des Spieles gut verstand. Mit dem Kartenspiel endete dann die Vorstellung und Lellie spazierte harmlos auf dem von den Zuschauern umstandenen Tische umher und ließ sich von ihnen liebkosen, wobei auch manches mitgebrachte Zuckerstückchen dankbar angenommen wurde. Bclohnungen von. seinem Herrn für richtig gelöste Aufgaben, wie der kluge Hans stets bekommen soll, bekam er nie. Natürlich machten die Kunststücke des Hundes einen wunderbaren Eindruck, wenn auch damals Niemand auf die Idee kam, ein psychologisches Wunder darin zu erblicken, wie dies jetzt beim klugen Hans geschieht, oder Lellie seiner rechnerischen Leistungen wegen auf das geistige Niveau" eines Schulkindes (wenn auch nur der untersten Klasse!) zu stellen. Aber wohl Icdem erschien dieses Resultat der Dressur so verblüffend räthselhaft, wie etwa ein geschickt ausgeführtes Taschenspielerkunststllck, das wie Zauberei aussieht, obgleich man weiß, daß es mit rechten Dingen zugehen muß. So mancher der Zuschauer hat wohl mit noch mehr Aufmerksamkeit den Herrn des Hundes, als den Hund selbst beobachtet, um hinter das Geheimniß dieser wunderbaren Dressur zu kommen. Auch ich habe den Mann auf's Schärfste beobachtet und kcnnte von meinem Platze ihm gegenüber jede seiner Vewegungen verfolgen. Aber er stand nur ernst, ruhig und unbeweglich dem Hunde gegenüber, kein Laut, kein Zeichen war zu bemerken, nur sein Blick ruhte fest auf dem Hunde oder auf den Zahlen. Steinen oder Karten, die der
Hund gerade herausfinden sollte, und ebenso folgten die Aucen des Hundes den Blicken seines Herrn. Ich gewann damals schon die Ueberzeugung, daß das (Äeheimniß dieser Dressur und der Kunststücke Lellies nur in dem festen Blicke seines Herrn und in der bcsonreren Fähigkeit des Hundes, diesem B!icke zu folgen, beruhen konnte. Jetzt würde ich es kurz in ein Wort zusammcnfassen, das damals noch nicht erfunden war: Suggestion!
In der g. tc i aiuu Zeit. Angesichts der furchtbaren Wirkung der heutigen unterseeischen Sprengmitiel, die in wenigen Minuten die größten Panzerkolosse beseitigen, berührt die Schilderung der Wirkungen der vor 50 Jahrenwährend des Krimkrieges das ganze europäische Publikum in Athem haltenden Jakobischen Seeminen gane eigenartiq. Noch lange nach Beginn des Krieges war man im Zweifel, ob besonders vor Kronstadt, das von der vereinigten französisch-engli-schen Flotte belagert wurde, unterseeische Minen versenkt seien. Aber die Gerüchte über die Legung von Unterseeminen verdichteten sich immer inclir, und am 26. Juni beschloß das Kommando der englisch-franzöfischenFlotte, den Gerüchten auf den Grund zu gehen. Es setzte sich zu diesem Zweck eine stattliche Flotte von 31 Schufen in Bewegung. um von Seskar nach Kronstadt hinaufzufahren. Das Ergebniß der ganzen großartigen Aktion war, daß man zwei Stangen fand, die aber nichts Verdächtiges zeigien. Erst im folgenden Jahre wurde die Existenz von Unterseeminen am 9. Juli zweifellos festgestellt. Bei einer Rekognoszirung. die der französische Admiral Penaud auf dem englischen Dampfer Merlin" vornahm, explodirte eine Mine. Ein zeitgenössischer Berichte?statte? schreibt über den Vorgang unter Anderem: Das Schiff erhielt eine Erschlltteruna von der Spitze bis zum Hinterende. Die Maschine ward sofort stillgestellt; aber gleich darauf folgte ein zweiter, zehnfach stärkerer Schlaa. und die Masten beugten sich und schwankten, als ob sie niederstürzen wollten. Auch unter der ganz nahe 'vor dem Merlin" voraussegelnden Firefly" brach eine furchtbare Erplosion aus, welche sie ins Schaukeln brachte und. den klaren Beweis lieferte, daß die Schiffe über einem Neste von Höllenmaschinen von der Erfindung des Prof. Jakobi dahinfuhren. . . . Die Schiffe segelten darauf vorsichtig weiter, bis sie in tiefes Fahrwasser kamen, ohne auf irgend ein Hinderniß zu stoßen, und rekognoszirten die Südfeite, wo sie dem Ufer fo nahe kamen, daß sie eine Art Parade der russischen reitenden Artillerie mit ansehen konnten, worauf sie zur Flotte zuruckkehrten. Ein Taucher wurde sofort ins Wasser hinabgelassen, um die Firefly" zu untersuchen; er vermochte aber nicht die geringste Beschädigung zu entdecken. Jm Innern des Schiffes war aber sämmtliches irdenes Geschirr zerbrochen. Bei Untersuchung des Merlin" zeigte sich, daß ihm acht Kupferplatten abgerissen waren, und eine mit einem Riegel an die Schiffswand befestigte Kiste, welche 13 Zentner Talg enthielt, war 4 Fuß weit fortgeschleudert worden. Fast alle beweglichen Gegenstände auf dem Schisse hatten ihre Stellung verändert. Vergleicht man diese Art der Kriegführung, wo man sich bei einer Explosion beschwerte, und wo die Besatzung der englischen und französischen Kriegsschiffe ganz gemüthlich eine Parade der russischen Artillerie mitansah, mit den Vorgängen bei Port Arthur- und dem Untergang des Admirals Makarow, so wird man unwillkürlich ausrufen: Ja, die gute alte Zeit! t Wisdcr ein herzkranker Südweft Afrikaner. Eine unwillkommene Nachricht kommt aus Deutsch - Südwestafrika: Der Generalstabschef des Generals v. Trotha, Oberstleunant Charles de Beaulicu, kehrt in die Heimath zurück. Als Grund seines Ausscheidens aus dem südafrikanischen Feldzuge wird, ein Herzleiden angegeben, von dem de? bisher kerngesunde Offizier bei seine? Ausreise in die Kolonie nicht die geringsten Spuren zeigte. Sollte dieses Herzleiden etwa ähnlicher Natur sein wie seinerzeit das des Obersten Dürr, der Knall und Fall dem Expeditionskorps Valet sagte? Sollte es zwischen Trotha und seinem GeneralZabschef zu ähnlichen Reibungen gekommen sein wie seinerzeit zwischen Leutwein und Dürr? Merkwürdig ist es immerhin, daß tropendienstfähige kerngesunde Offiziere in der Kolonie plötzlich herzkrank werden. Wie dem auch sein mag, das Ausscheiden des Oberstleutnants Charl-s de Veaulieu aus den kolonialen Operationen wird in jedem Fall? außerordentlich bedauert werden müssen. .?rr de Bea.llieu. der vor seiner Einreihung in das Expeditionskorps Chef der Centralabtheilung des Großen Generalstabes war, gilt als ein außerordentlich befäbigter Generalstablerx den man 'in Südafrika sehr vermissen wird. An Stelle des Oberstleutnants hat Major Quade die Geschüft? des Stabschefs Trothas übernommen. " Der erste international? Kongreß für Wohnnngsbnaiene wird auf Betreiben der Französischen Ge. sellschaft für Gesundkeitsvflege m den Tagen vom 15. bis 20. Oktober dieses Jahres in Paris abgehalten werden.
