Indiana Tribüne, Volume 28, Number 35, Indianapolis, Marion County, 3 October 1904 — Page 7
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rcttldwa. Kriminal'Roman. Von Reinhold Ortmanu. (Fortsetzung) Frau Weickardt sagte sich in der, Stille ihres Herzens, daß dies zum mindesten eine sehr sonderbare Art fei, Trost zu spenden. Aber es geschah am Ende. nicht zum ersten Male, daß ihr Sohn sich anders benahm, als die Mehrzahl der Menschen sich in gleichem Falle benommen haben würde, und es war doch immer das Rechte gewesen. Sie kannte seinen Abscheu vor leeren Redensarten, und sie wußte, daß nie ein unüberlegtes oder gar ein verlogcnes Wort über seine Lippen kam. Gewiß hatte er also auch diesmal seinen guten Grund, so und nicht anders zu der gramgebeugten jungen Waise zu sprechen. Ein schwacher Druck der kleinen, kühlen Hand war Edithas einzige Erwiderung gewesen. Um ihre blassen Lippen aber ging ein Zittern, das eher einem bitteren Lächeln als verhaltenem Weinen glich. Daß es noch Schwereres gab als den Tod eines geliebten Mensehen, sie hatte es ja an diesem Nachmittag bereits erfahren. Und sie glaubte sich jetzt so wohlvertraut mit allen Tücken und Grausamkeiten des unbarmherzigen Schicksals, daß wahrlich Niemand mehr zu kommen brauchte, um sie auf neue, furchtbare Ueberraschungen vorzubereiten. Willst du dich nicht setzen, Fritz V sagte die Stadträthin, da von feiten Ed'thas eine solche Einladung nicht erfolgte. Ich hoffe, du leistest uns noch ein wenig Gesellschaft !" Er nahm sich einen Stuhl, aber er wählte seinen Platz in offenbarer Absichtlichkeit so, tob sein Gesicht fast ganz im Schatten blieb. Und nach einigen Sekunden des Schweigens sagte er: Du siehst leidend und erschöpft aus, Editha ! Und wenn es mir auch nicht zukommt, dir ärztliche Rathschläge zu ertheilen, so möchte ich dich doch herzlichst bitten, dich jetzt zur Ruhe zu be geben. Willst du mir erlauben, dir ein ganz unschuldiges Beruhigungsmittel zu verschreiben, dem du wenigstens ein paar Stunden ungestörten "Schlafes verdanken wirst ?" Freundlich ablehnend schüttelte sie den Kopf. Ich glaube nicht, daß es dessen bedarf, Fritz ! Ich bin müde genug. Und für alle Fälle habe ich auch noch einige von den Pulvern, die mir der Sanitätsrath früher einmal verordnet hat." So versprich mir, eines davon zu nehmen. Wenn ich dir sage, daß du mir damit eine große Sorge vom Herzen nimmst, so wirst du mir's nicht verweigern nicht wahr ?" Aber du beunruhigst dich wirklich ohne allen Grund. Ich bin durchaus nicht krank. Und dann hatte ich mir auch vorgenommen, wenigstens einen Theil der Nacht bei meinem armen Vater zu verbrinoen. Es zerreißt mir das Herz, zu denken, daß er da so ganz allein und von aller Welt verlassen liegen soll." Fritz Weickardt bewegte sich unruhig auf seinem Stuhle. Er soll nicht allein bleiben, Editha! Ich habe noch einen nothwendigen Gang zu machen, aber ich werde so schnell als möglich zurückkehren, und ich verspreche dir, daß ich dann bei ihm wachen werde." Du? Nein, das kann ich nicht 3uqe"ben. Deine Mutter hat mir vorhin gesagt, du seiest todtmüde. Und ich will nicht, daß du dich aufreibst. nur um mir eine meiner kindlichen Pflichten abzunehmen. Ich thue es nicht deshalb, Eduya: Und als Arzt bin ich längst daran gewohnt, dem arbeitsreichen Tag eine schlaflose Nacht folgen zu lassen. Als wir uns zum letztenmal sahen, sagtest du. daß du mir gern ?eden Wunsch er füllen würdest bis auf den einen, dessen Erfüllung dir eben unmöglich war. Jetzt sollst du mir beweisen, daß deine rw i I ? 2ii3one yerzilll) gemein: waren, inoem du mlr versprichst, deine Absicht aus zugeben und dich sogleich niederzulegen. Aber sogleich hörst du? Es mag sein, daß du dich nicht eigentlich krank fühlst: aber du würdest es sicherlich morgen sein, wenn du es verschmähtest, meiner Bitte zu willfahren. Editha schwieg eine kleine Weile. Aber der bewegliche Ton seiner Worte mußte doch eine Wirkung auf sie geübt haben, denn endlich sagte sie leise: Ich danke dir für dein Interesse, Fritz. Und du sollst nicht glauben, daß -! r c m tr . r ich aus lgenimn oemen maiy mißachte. Es fällt mir schwer, aber ich werde tbun. was du von mir verlanast." , Als hatte er nur noch auf diese Zusage gewartet, stand er hastig auf. So erlaube mir denn, dir von Herzen eine ruhige Nacht zu wünschen. Du nimmst auch das Schlafmittel, .nicht wahr?" Da du es durchaus willst ja! Ich werde die Tante bitten, es mir nackkier zureckt au machen." Wieder küßte er ihr, wie vorhin, mit einer Ebrerbietuna. die nichts von der Zärtlichkeit eines Verliebten hatte, die Hand. Aber als er sich dann anschickte, das Zimmer zu verlassen, winkte er seiner Mutter mit den Augen, lhm zu Main. Und die Stadträ'thin. die vor Be.ttierd? brannte, einen Aufschluß über ' das seltsame Benehmen ihres Sohnes und über die Ursache seines verstörten
Aussehens zu erhalten, zögerte nicht, der stummen Aufforderung zu gehörchen. 9. Kapitell Am Ende des Korridors, wo er ganz
sicher sein konnte, daß fern Laut von ihrem Gespräch bis an das Ohr Edithas dringen würde, blieb Dr. Weickardt stehen. Und mit einem Druck, der sie schmerzte, erfaßte er die Hand der Stadträthin. Du mußt dafür soraen. Mutter, daß sie schläft. Diese eine Nacht wenigstens foll sie noch Ruhe haben. Die Pulver 'des Sanitätsraths sind ohne allen Zweifel sehr harmlos, und ich bin überzeugt, daß er die Dosis so schwach gewählt hat, wie man es in derartigen Fällen thut. Gib ihr also statt des einen lieber zwei natürlich, ohne daß sie es bemerkt. Sie darf nicht vor morgen früh erwachen, damit sie nicht doch vielleicht auf den unglückseligen Gedanken kommt, ihrem todten Vater während der Nacht einen Besuch abzustatten." Ja. ja, ich will alles thun. Fritz! Aber du bist so merkwürdig aufgeregt. Sage mir doch um des Himmels wilIm" Ich habe dir in diesem Augenblick gar nichts weiter zu sagen, Mutter! In einer halben Stunde werde ich wieder hier sein, und ich erwarte, daß ihr euch inzwischen beide zur Nuhe begeben habt. Es ist genug, wenn das Dienstmädchen aufbleibt, um uns zu öffnen." Uns ?" fragte sie verwundert. Willst du denn noch jemand mitbringen?" Vielleicht! Aber tch bitte dich dringend, mich nichts weiter zu fragen. Nur eines noch: Was weißt du über die Umstände, unter denen Ruthnngs Tod erfolgt ist? Ich hörte nur, man habe ihn heute in der Frühe entseelt in seinem Arbeitszimmer gesunden. Hat man sich denn gar nicht bemüht festzustellen, wie und wann er gestorben ist?" ,, i ? 5 ? jsvl anualsraiy, oer jogiticn gerufen wurde, hat ihn natürlich untersucht und als Todesursache einen Schlagfluß konstatiert. Er sagt, dq er bei Rüthlinas Konstitution längst auf den plötzlichen Eintritt einer solchen Katastrophe gefaßt gewesen sei. Uebrigens hat man ihn nicht in seinem Arbeitszimmer, sondern in dem Verbindungsgang gefunden. Es muß ihn ereilt haben, als er sich aus dem Kontor, wo er Nachts noch gearbeitet hatte, in die Wohnung begeben wollte. Der Sanitätsrath meint, er wäre sofort bewußtlos gewesen und hätte wahrscheinllch gar nicht gelitten. Und bei seiner nächtlichen Arbeit im Kontor war er da ganz allein?" Das ist wohl selbstverständlich. Des Nachts läßt man doch keine Leute kommen. Außerdem war er gestern Abend mit Editha in einem Theater, und sie sind erst nach zehn Uhr heimgekehrt." ' Das ist alles, was du weißt?" Ja. was soll ich denn sonst noch wissen? Und weshalb fragst du so inauisitonsch nach all diesen Dingen? Nachdem der Sanitätsrath alles geordnet hat, brauchen wir uns um die Umstände, unter denen der arme Rüthling gestorben ist, doch nicht weiter zu kümmern." Sie erhielt zu ihrem Bedauern keine Antwort mehr auf diesen Ausdruck bercchtigten Erstaunens, denn Dr. Weickardt hatte seine Hand schon auf der Klinke der Wohnungsthür. Sorge also, daß Editha ihr Versprechen einlöst," sagte er nur noch. Daß du diese Nacht über ihren Schlummer wachst, ist vielleicht die einzige Wohlthat, die du ihr noch erweisen kannst. Morgen wird wahrscheinlich keiner von uns mehr im Stande sein, ihr zu Frieden und Ruhe zu verhelfen." So sage mir doch wenigstens, Fritz" Es war umsonst. Die Thür halte sich bereits hinter ihm geschlossen, und sie hörte nur noch seine rasch verklingenden Schritte auf der Treppe. Der Sanitätsrath Liebenow hatte sich's nach eingenommener Abendmahlzeit in seinem Schreibsessel bequem gemacht, um in aller Gemächlichkeit die Zeitung zu lesen, ehe er sich zur wohlverdienten Ruhe begab. Und es bereitete ihm eine keineswegs freudige Ueberraschung, als das Dienstmädchen mit der Karte eines Besuchers erschien, den zu solcher Stunde wohl nur ein außergewöhnlicher Anlaß, hergeführt haben konnte. Ich bin natürlich nicht mehr zu sprechen," sagte er ärgerlich. Aber dann, nachdem er einen Blick auf den Namen' geroorfen, wurde er doch plötzlich anderen Sinnes und befahl, den Herrn hereinzuführen. Immerhin hatte die Liebenswürdiakeit. mit der er den Eintretenden begrüßte, noch einen eiwas gezwungenen Klang. Servus, lieber Kollege! Hoffentlich ist e5 nichts Unangenehmes, das Sie noch so spät zu mir bringt? Ihre Frau. Mutter und Editha sind doch wohlauf?" Editha ist bis jetzt wenigstens nicht krank," sagte Fritz Weickardt. der allerdings nicht gerade aussah, als ob er zu einem traulichen Plauderstündchen gekommen sei. Wie es morgen um diese Zeit mit ihrer Gesundheit bestellt sein wird, wage ich allerdings nicht zu prophezeien. Denn ich fürchte, ihre Prüfungen werden erst morgen beginnen." Sie erschrecken mich! Was sollte ihr denn jetzt noch bevorstehen? Sie fürchten doch nicht, daß die Vcnnögensverbältnisse ihres Vaters" ..
Ich weiß nichts von seinen Vermöger.sverhältnissen. Aber ich wollte wahrhaftig, es wäre nichts Schlimmeres als das." Dem alten Herrn wurde immer unbehaglicher, zumuthe. Sie sehen ganz verstört aus. lieber junger Freund! Was. um Gottes willen, ist denn geschehen?" Ein Verbrechen, Herr Sanitätsrath! Bernhard Rüthling ist nach meiner Ueberzeugung nicht an einem Gehirnschlage, sondern durch MörderHand gestorben." Liebenow starrte ihn an, als zweifle cr, richtig gehört zu haben. Durch Mörderhand ?" wiederholte er entsetzt. Nein, das meinen Sie doch wohl nicht im Ernst, Kollege! Woraus wollen Sie denn etwas so Fürchterliches schließen?" Aus dem Leichenbefunde. Ich hatte erst heute Abend Gelegenheit, den Todten zu sehen, und da ich verschiedene verdächtige Anzeichen in seinem Aussehen bemerkte, hielt ich es für meine Pflicht, eine eingehende Untersuchung vorzunehmen. Ich bin dabei zu dem Schlüsse gekommen, daß der Unglückliche durch einen wuchtigen Schlag auf den Kopf betäubt und sodann durch gewaltsame Erstickung geiödtet worden ist." Dem Sanitätsrath trat der Schweiß auf die Stirn. Was Sie da sagen, klingt mir wie eine tolle Phantasie. Ich habe die Leiche doch auch mit pflichtgemäßer Sorgfalt besichiigt, und ich habe nichts bemerkt, das der Annahme eines Schlagslusses widersprochen hätte." So ist es eben Ihrer Aufmerksamkeit entgangen, daß der Schädel oberhalb der linken Schläfe in beträchtlicher Ausdehnung zertrümmert ist. Die Verletzung würde ja schon an und für stch hingereichi haben, den Tod herbeizuführen; aber der Mordgeselle war allem Anschein nach seiner Sache noch nicht ganz sicher; denn deutlich wahrnehmbare Fingereindrücke am Halse lassen erkennen, daß er sein Opfer durch Würgen vollends zu tödten versucht hat." Immer wieder fuhr sich der arme alte Sanitätsrath mit dem seidenen Taschentuch über das Gesicht. Gott im Himmel" stöhnte er wenn Sie recht hätten! Aber es ist ja gar nicht möglich. Sie müssen sich getäuscht haben. Die kleine, blutrünstige Beule an der linken Schläfe habe ich natürlich auch gesehen. Und ich habe
sie mir als eme Verletzung gedeutet, die sich der bewußtlos Gewordene im Niederstürzen zugezogen hat. Selbst ein Schädelbruch könnte damit doch hinlänglich erklärt werden. Meinen Sie nicht auch?" Aber der andere schüttelte verneinend den Kopf. . Sowohl die Stelle, an der sich die Verletzung befindet, wie der Verlauf der Bruchränder sprechen entschieden gegen diese Vermuthung. Und die Würgmale am Kehlkopf würden auch dann noch für ein Verbrechen zeugen, wenn man die Schädelverletzung, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, auf einen Fall zurückführen wollte." Was Sie für Würgmale halten, können aber auch die ersten Anzeichen einer sehr frühzeitig beginnenden Verwesung sein." Paul Weickardt zuckte etwas ungeduldig mit den Achseln. Ich glaube nicht. Herr Sanitäts rath, daß ich mich so arg getäuscht habe. Aber ich bin weit entsernt, mich sur unfehlbar zu halten. Mit Sicher heit wird die Todesursache ja nur durch eine Sektion festgestellt werden können. Und es kann sich für uns lediglich darum handeln, diese an zuständiger Stelle zu beantragen." Der alte Herr hatte sich erhoben. Sie wollen bei der Kriminalpolizei Anzeige erstatten? Ich trößte nicht, was hier anders zu thun wäre. Wenn auch nur die entfernte Möglichkeit eines an Bernhard Rüthling begangenen Verbrechens vorliegt, muß die Behörde unverzüglich benachrichtigt werden. Die Einleitung der Untersuchung wäre .ja dann ohnehin schon viel zu lange verzögert worden." Soll das ein Vorwurf für mich fein, Herr Doktor? Es ist Ihnen doch wohl bekannt, daß ich das Ableben Ihres Oheims auf einen Gehirnschlag zurückgeführt und dementsprechend den Todtenschein ausgestellt .habe. Wenn Ihre Vermuthungen zuträfen, hätte ich damit ja allerdings höchst leichtfertig und gewissenlos gehandelt. Vielleicht sind Sie der Meinung, daß ich absichtlich dazu mitgewirkt habe, die Spuren eines Verbrechens zu verwischen." Der gereizte Ton dieser Bemerkungen brachte den jungen Arzt nicht aus seiner Haltung. Auch der tüchtigte und gewissenhafteste Arzt ist dem Irrthum ausgesetzt", erwiderte er ruhig. Und 'ich für meine Person würde niemals Bedenken tragen, solchen Irrthum freimüthig einzugestehen. Daß die Berichtiauna nur durch Sie selbst erfolaen Zann, erschien mt: von ansang an selbstverständlich, und deshalb fuhr ich vom Sterbebause aus nicht zur Polizei, sondern zu Ihnen." Der Sanitätsrath mochte einsehen, daß er sich dem jungen Kollegen gegenüber eine Blöße gegeben hatte. In der That hatte er ja keinen vernünftigen Grund, ihn wegen seines Vorgehens zu tadeln. Und er bemühte sich deshalb, seine Ungeschicklichkeit nach Kräften wieder gutzumachen. Lassen Sie uns also die Leiche noch einmal aemeinsam besichtigen", sagte
er. Alles weitere wird ja dann davon abhängen, ob ich mich von der Richtigkeit Jher Vermuthungen überzeugen kann." Er machte sich rasch zum Ausgehen fertig. Sie bestiegen die Droschke, die Fritz Weickardt unten vor dem Hause hatte warten lassen. Trotz der Zweifel, die er noch vor wenigen Minuten kundgegeben hatte, fchien der Sanitätsrath doch bereits stark mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der junge Chirurg die verdächigen Erscheinungen an demKörper des Todten richtig beurtheilt habe. denn nachdem sie einen Theil der Fahrt in nachdenklichem Schweigen zurückgelegt hatten, sagte er:
Wo es einen Ermordeten giebt. müßte es natürlich auch einen Mörder geben, und ich zerbreche mir vergebens den Kopf, wer eine solche That verübt haben könnte. Ein Dieb oder Einbreeher ist es jedenfalls nicht gewesen, denn fein Eindrinaen würde doch Spuren hinterlassen haben, die man unzweifelhaft sofort entdeckt hätte. Bon Nuthlings Hausgenossen aber" Er unterbrach sich plötzlich, um mit beiden Händen den Arm seines Begleiters zu packen. Herrgott im Himmel, Kollege da fallt mir etwas ein aber es ist unmöglich undenkbar nein, nein, es kann nicht so sein! Und doch und doch! Wie in aller Welt kam Editha dazu, ihn m Geaenwart anderer den Mörder ihres Vaters zu nennen?" Wen? Von wem sprechen Sie, Herr Sanitätsrath?" fragte Fritz , Weickardt erregt. Wen hat sie so genannt?" Ihren Vetter den jungen Wolfradt! Ich hielt sie in jenem Augenblick für nicht ganz zurechnungsfähig, denn sie stand noch unter dem ersten Eindruck der fürchterlichen Ueberraschung. Aber es muß doch irgend etwas vorgefallen sein em Zerwurfmß ein Streit mein Gott, wenn die Sache auf folche Art ihre Aufklarung fände es wäre in seiner ganzen Schreck- - lichkeit ja gar mcht auszudenken! , Ohne erst eme Aufforderung des anderen abzuwarten, erzählte er in breiter Geschwätzigkeit von den Vorgängen zwischen Editha und Günther, deren Zeuge er an diesem Morgen geWesen war. Fritz Weickardt hatte sich so weit in seine Wagenecke zurückgelehnt, daß der Lichtschein der vorüberbuschenden Straßenlaternen sein Geficht nicht erreichen konnte. Und auch als der Sanitätsrath mit seinem Bericht zu Ende war, ließ er noch eine kleine Weile verstreichen, ehe er sagte: Diese Aeußerungen Edithas sind unter den obwaltenden Umständen gewiß sehr sonderbar; aber ich glaube nicht, daß wir daraufhin in Günther Wolfradt den Mörder fuchen dürfen. Denn sie waren jedenfalls in einem anderen Sinne gemeint. Ich kenne Editha ziemlich genau, und ich weiß, daß sie eine sehr zärtliche Tochter war. Hegte sie im Ernst den Verdacht, ihr Vater könnte das Opfer eines Verbrechens geworden fein, fo würde keine Rücksicht der Welt sie davon abhalten, den vermeintlichen Mörder der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern. Ja, das meine ich auch. Und doch und doch! Irgend eine Bedeutung muß ihre Anklage doch gehabt haben. Und da nur ua Hausgenosse der Thäter gewesen sein könnte" Die Droschke hielt, so daß der Sanitätsrath zunächst keine Zeit mehr hatte, weitere Betrachtungen anzustellen. Sie stiegen zu der Rüthlingschen Wohnung empor und begaben sich, nachdem das Dienstmädchen sie eingelassen, unverzüglich in das Schlafzimmer, wo z?i Häupten des mit weißem Linnen überdeckten Lagers zwei fünfarmige silberne Kandelaber ihren röthlichen Kerzenschein über das unheimlich entstellte Antlitz des stillen Schläfers warfen. Fritz Weickardt verschloß hinter sich die Thür, damit sie vor einer unerwünschten Ueberraschung durch seine Mutter oder durch Editha gesichert seien. Dann schob er vorsichtig die graue Haarsträhne an der Schläfe des Todten beiseite, und der Sanitätsrath beugte sich, gespannteste Aufmerksamkeit in den Zügen, über die Leiche herab. 10. Kapitel. Die Angestellten des Rüthlingschen Bankhauses waren gehalten, sich um acht Uhr Morgens einzufinden, 'aUt schon um sieben wurden die Geschäftsräume von dem Kontordiener, der zu dieser Zeit die Schlüssel aus der Privatwohnung des Chess abholte, geöffnet, damit die beiden mit der täglichen Reinigung betrauten Frauen unter seiner Aufsicht ihres Amtes walten konnten. Bernhard Rüthling hatte stetsein besonderes Gewicht auf die Pünktlichkeit seiner Leute gelegt, und er hatte sich in diese? Hinsicht unbedingt auf die von seinem Prokuristen ausgeübte Kontrolle verlassen können. Denn Paul Francke war immer schon eine Viertelstunde vor Beginn der Bureau- ' zeit zur Stelle, und die tadelnden oder sarkastischen Bemerkungen, oie er für jeden zuspät Kommenden hatte, waren in ihrer Schärfe ganz danach angethan, den Saumseligen die Lust an einer Wiederholung derartiger Nachläs siakeiten zu verleiden. Der einzige, der wahrend ver lenitn Wochen immer wieder rückfällig geworden war. war der Buchhalter Georg Heinitz. Und der Kontordiener mochte darum wobl ein wenig erstaunt sein, daß er sich gerade heute, am Tage nach dem ?.ode des Nrinnvals. icvon um
eine halbe Stunde früher einfand, als die Pflicht es ihm geboten hätte. Aber dieser übergroße Eifer erklärte sich für ihn auf eine ganz einleuchtende Weise, als Georg Heinitz. seine Taschenuhr ziehend, mit einem kleinen Auflachen erklärte, er habe sich heute beim Aufstehen wahrhaftig um eine ganze Stunde geirrt und werde sich diefe Versündigung an seiner Bequemlichkeit nun und nimmer verzeihen. In bcr Meinung, mich arg verspätet zu habcn, bin ich sogar ohne Frühstück aus meiner Wohnung fortgclausen' fügte er hinzu. Und Sie können sich ein unschätzbares Verdienst um meinen irdischen Menschen erwerben. Robert, wenn Sie mir drüben aus Der Konditorei wenigstens eine Tasse Kaffee holen wollten. So viel Zeit, auf meine Rechnung einen Kognak zu :rinkcn, können Sie sich dabei schon zönnen." Er reichte ihm eine kleine Silbermünze, und der Kontordiener, den die Aussicht auf einen Kognak zu jedem Dienste willig machte, beeilte sich, seinen Auftrag auszuführen. Da auch die Reinmachfrauen mit ihrer Arbeit fchon fertig waren, sah sich Georg Heinitz vorübergehend allein in dem Kontor. Und es konnte fast den Anschein gcwinnen, als habe cr dieses Alleinsein geWissentlich herbeiführen wollen. Denn statt sich an seinen gewohnten Arbeitsplatz zu begeben, trat er, nachdem cr sich noch einmal vorsichtig umgesehen, in den kleinen, durch hohe Glaswände abgeschlossenen Raum, in welchem sich der
Tresor und der Schreibtisch des Kasslrcrs befanden. (Fortsetzung folgt.) Der Mais. bei CaDern w der Union und di aas lm gewonnenen Nebenprodukte. Die Ver. Staaten sind das größte Maisland der Erde. Von Maine bis zum Puget-Sund und vom Thale des Red River bis zu den Everglades rn Florida wird diese. Körnerfrucht angebaut. Dabei hat der Mais, auch Welschkorn genannt, den Anstoß zur Entstehung von Industriezweigen aegebm, die ihre Existenz dem mannigfachen Gebrauche verdanken, dem der Mais unterzogen werden kann. Schon seit langer Zeit dient er nicht nur ausschließlich als Nahrungsmittel, sondern man fabrizirt schon jetzt gegen 70 Nebenprodukte, deren Grundelement Welschkorn ist; ihre Zahl vermehrt sich dabei mit jedem Jahre. So wichtig ist diese Nebenprodukt-Eewinnung geworden, daß die Sache in mehreren technischen Schulen, fo unter anderen im Technischen Institute des Staates Massachusetts, studirt wird. Das hauptsächlichste Nebenprodukt des Mais' ist Stärke. Der erste, welcher Stärke aus Welschkorn gewann, war der englische Chemiker Kingsford, der in Bergen, N. I., ein Laboratorium besaß. Die ersten Versuche Kingsfords in dieser Richtung datiren schon um 70 Jahre zurück. Ein anderes Nebenprodukt bildet die Glukose, die mit Traubenzucker zusammen aus der Maisstärke gewonnen wird. Sie wird in großen QuantitäGutstehendeS Matsfeld. ten von Zuckerbäckern veiwendet und dient bei der Herstellung von Präserven und Fruchtsirup. Die früher bestandene Annahme, daß der Genuß von Glukose für den Menschen schädlich sei. ist durch chemische Experimente widerlegt worden, welche dargethan haben, daß die Glukose ein gesundes Produkt ist. Aus der Welschkornstärke extraHirt man des Fernerm Dextrin, ein Substitut für Gummi Arabicum, das überall da angewendet wird, wo man einen starken Klebstoff benöthigt.. Eine Kleienart, aus dem Mais gezogen, ist reich an Eiweiß und wird besonders auf Milchfarmen verwendet. Sie wird hier dem gewöhnlichen Viehfutter beigemischt, um die Qualität und Qucmtität der von den Kühen gelieferten Milch zu erhöhen. ' Das aus Mais gewonnene Oel dient oft als Ersatz für Olivenöl, und nicht unerwähnt dürfen zum Schluß die bekannten Maiskolbenpfeifen bleiben, die zu Millionen im Staate Missouri hergestellt werden. Eingeschneit. Durch ein Schneewetter wurde jüngst der Astronom des .Montblanc-Observatoriums, Senouque, von allem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten. Eine Führerkolonne brach von Chamoix im französischen Departement Ober-Sa-voyen auf, um die Verbindung mit dem Eingeschneiten wieder herzustellen.
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WaHwgton Ett il 3k. io Spritzenhaus Illinois uWerriU Illinois n Louisiana Weft und South West und WcTarty 69 Senat ve. Henry n Meridian und Ray No. 4 Cpritzalhauk Radifon Lv. orriS 55 ison Lv.uDunlop U No Haken Leiterhaut South nah Deiav, H Pm.uMerrÄ Delavan u. WcEartt aitundrZcTart, U New Jcrsq u. RerrtZ er Birg. v. n radsha Saft und Prospekt S icking und High n No. 11 Spritzenhaus ikZir Ave. tuth Huroa n Sckft und Georgia 78 Ceda? und Eln 71 Davidson u Georgia n nglish Av.u Pine T6 Shelly und Batek 8 No. 8 Spritzenhaus Prospekt nah.EhelbY 7 Fletcher v. u Shelby Sl Market u. New Jersey 83 Delaware und Wash. 83 Vast u Washington U New Aorku. Davids 86 Taubstummen Anstalt 63 Ber. Staaten Lrsenal 37 Oriental und Was?. 39 Frauen-Neformat. 1 No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Wer. 92 Meridian u. Georgia. 93 Meridian und Couth 94 Pennshls u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Llab. 56 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 38 Capital Ave und Dhl LZ No. IG Spritzenhaus 16. und Ash. c2 Alabama und 16. i25 Central Av und 16. 156 DendeS und 15. 127 Brookside und Jupit 128 Central Av und 17. ?29 Delaivare und 19. i3l Alabama und 11. SS ellesontaw irndW. S4 College Ave und tt. .5 Delaware und 13. 123 Alabama und North 7 Newmann und 19. (.38 College Ave und 14. '.Z Ccrnell Ave und 13. 141 DandeS und 19. uz Highland Ave und 10. i43 Tccumseh und 10. U5 New Jersey und L2. .46 Alvord und 17. .47 No. 2 Spritzenhaus HiUsid Ave und 16. 48 College Ave und 12. ;49 College Ave und 27. i52 Park Ave und 22. i&s Löu. W Bahn. 22. :54 Ramsey Ave und 10. (.56 Stoughton u Newme .57 AtlaS und Pik (53 Blohd und Pawpa. 163 No. 21 SprHenhauS Brtghtwood i2 Arden und Depot 163 Brightwood und 25. t64 Rural und vloyd 165 St. Clair u. Seystone i67 Arsenal Ave und 23. ilS Lellesontain und . 169 Park Av rad lt. SU Capitel S und IT. 213 Pennsvlv. u. Süktipas 214 Jlline nd 29. 215 Senate Ave und 21. 2is Pennsvlvania und 21 17 Meridian nd 16. 213 Cavital Ave und 2 219 Broadway und 10. , 231 Illinois -und Mc?ccu L?4 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und Lv. US JllmoiZ und 33. 36 annetta und 5 37 No. g. Spritzend, zu Udell und Rad 2Z3 Udett Ladder Qor 2S9 Isabel und 27. 241 Skeridian und 24. 242Jl!inoiSu SLCla 243 Eldridge und 23. 313 West uud Wainut 313 West und It. 314 Howard und 16. 815 cttt und Paca 316 Capital Ave und lfe 217 Northwestern Av u 318 Gent und 18. 31 Canal und 10. lü Cerealine Works 324 Vermont und Lynn 825 B;Smaru cZranddielk 32t No. 2 Spritzenhaus Hauzhville. 327 Michigan u. H,imeS, 325 Michigan u. Concor 41 West und McJnry 412 Missouri u. Marvlans 413 Missouri und Ohio 415 Capital AVer. Leorgia 41 Migouriu entuckyL. 417 Senate Av u. Wash. 421 P und E 5a'aiS 23. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 MUey ve U.JD nU 425 Oash. and Harr 42 No. 18 Eptzensmch W. 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Die so bezeichnete Signale werd ne? do rhun Wächter angegeben da an den betreffend Etraheo deuzuns kein Zllarmllüen vrbracht find. Chicago und der große Nordweften ia laka Hawaii Pdittpptne Inseln. Bier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Von der Mono 47. Str. Station, Edkcagv. ftnd nur 5 Minuten mittelst elektrischer ar nach den Union Viehdösen ITrench lilck Spring, tadem Orange Lounty Hochland. ffamilien-Hote unter neuer GeschaftZleitung. Pluto, Proserpine nd Bowle Quellen. Bestes Mineralwasser dei Seit. Zwei Züge täglicb via Sreeacastle. Ticket-Officen : Union Station, Maffachusett v, nd L5 Weft Washington Strak.e. R. P. A 1 g e , Distrikt Lass, gent, Indianapolis, Ind. . H. MeDoel, E.V.Rock eil. Präs. und Gen. Mgr. Betriedileitr, FrankJ.Reed, Gkll.Pz'Z. Agent. Chicago. Jll.
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