Indiana Tribüne, Volume 28, Number 35, Indianapolis, Marion County, 3 October 1904 — Page 6
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Jttdiana Tribüne, 3. Oktober 190'i
...WarUNt Nicht ihr HeiManziehend machen, durch den (3t
brauch eines Garland Ofen... .... und .... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schon heit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar samkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselbe werden uiit Vergnügen gezeigt, in WiLLIG'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. 4 Route ...Excttrsioncn... Sonntag, 9. Oktober. Lawrenceburg, Aurora und Zwischenstationen. 1 oder weniger die Rundfahrt. Spezial Zug fährt von Indianapolis 7.30 Morgens ab und verläßt Aurora zur Rückfahrt um 7 Abends. Terre Haute 91. 00 I NundGrccncastle 75c j fahrt. Spezialzug verlaßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Retourfahrt von Terre Haute 7 Uhr Abends. y Pennsylvania Linien. Letzte Ercursion der Saison. C OK Madison 0j OC 0l Li nnd zurück OllLO Sonntag, 9. Oktober. Abfahrt von Indianapolis um 7 30 Uhr Morgens. Retourfahrt, verläßt Madison um 6 Uhr Abends. 3 Pennsylvania Linien Lehte Excursion der Saison. $1 KR Louisvillc (jJl UU und zurück 1150 Sonntag, 16. Oktober Abfahrt von Indianapolis um 7.15 Uhr Morgens. R'tourfahrt vom Louisviller Mainstr. Bahnhof 7 Uhr Abends. $1.50 Rundfahrt ojoiistjvm, Sonntag, 9. Oktober. $1.25 Hamilton ; $1.00 Nushville und Connersville. Der Spezialzug fährt von Indianapolis Morgens um 7 Uhr ab. Rückfahrt vo,r Eincinnati 6.20 Uhr AbendS. Durchlaufende Züge. t. Louis Die einzige Linie, welche Passagiere und Gepäck in dem AnSstellnngSplatz landet, ehe der Zug in St. Louis einfährt. SIR sin Waggon Exkursion jeden Tag, OUiUU ausgenommen Freitags und Samstags, giltig für 7 Tage. 83. 00 Ikden Tag. iltig für Abfahrt von Indianapolis U. 50 Uhr Bor mittags und 11 10 Uhr Abends. Ankunft auf dem Ausstellungsplatz 7 Uhr Äoends und 7:40 Uhr Morgens. Stadt'Osfice: 8 Nord Jllinoiö Str.
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ßin Hpfer des Aöstntys.
Nach einer afrikanischen Erinnerung von Felix Bau mann. In der Kaserne des in Tiaret garni sonnenden ersten Bataillons des zweiten Fremdenregimentes herrschte reges Leben. Unter den Truppen in AmSefra, dem am Rande der Sahara und am Futze des Atlasgebirgcs gelegenen südlichsten französischen Militärposten war das gefürchtete und verheerende Fieber ausgebrochcn und forderte besonders unter den dort stationirten Fremdenlegion' zahlreiche Opfer. Die erste Kompagnie des Tiaret-Ba-taillons hatte daher Befehl erhalten, sich sofort marschfertig zu machen, und das kranke Bataillon" von Ain-Sefra abzulösen. Die Kompagnie war jetzt beschäftigt, diesem Befehle nachzukom men und sich für den überaus beschwerliehen Marsch nach Ain-Sefra vorzubereiten. Hier wurden Gewehre geputzt, dort die Uniform einer eingehenden Inspektion unterworfen oder das Schuhwerk geprüft. Kurz und gut, die Legionäre suchten dem Befehl im Eilzugstempo nachzukommen, um der Kompagniemutter, dem Adjutanten Fovier. eine besondere Freude zu bereiten. Fovier war einer der beliebtesten Borgesetzten und die Legionäre wußten, daß es ihm zur größten Freude gereichen würde, wenn er die Kompagnie so schnell als möglich marschbereit" melden konnte. Wo nur der Kerl, der Guiguen wieder bleibt ?" unterbrach einer der Legionäre plötzlich das im ersten Zimmer herrschende Schweigen. Gewiß liegt er wieder betrunken in irgend einem Winkel und hat den Befehl total vergessen!" In diesem Augenblick betrat der Adjutant das Zimmer und ließ seine Blicke wie suchend im Zimmer umherschweifen. Wo ist Guiguen V fragte er gleich darauf. Ehe noch Jemand die Frage beantwortet hatte, erschien der Gesuchte in der Thüre und stammelte mit schwerer Zunge: Präsent!" Ja, das sehe ich, daß Sie da sind!" herrschte der Adjutant ihn an. Wissen Sie nicht, daß die Kompagnie den Befehl erhalten hat, sich sofort marschbereit zu halten? Eigentlich sollte ich Sie sofort in die Crapandnie spannen lassen. Anstatt Ihre Lasten in Ordnung zu bringen, pumpen Sie sich den Magen mit Absinth voll! Fahren Sie nur so fort, dann heißt das erste Opfer in Ain-Sefra: Guiguen". Nun aber vorwärts, und wenn Sie mir innerhalb einer halben Stunde nicht fix und fei jjg sind, dann fliegen Sie in's Loch! Uebrigens werde ich dafür Sorge tragen, daß es mit der Herrlichkeit als Bursche beim Sergeant Fizaine ein Ende bat. da Sie die auf diese Weise oeroienien ?ous ooch nur ourco cie Gurgel jagen!" Der Adjutant ersuchte darauf die Stubengenossen des Betrunkenen, diesem bei den Vorbereitungen zu helfen, und nachdem er noch bekannt gegeben, daß um 6 Uhr Appell stattfände, begab er sich in die übrigen Zimmer. Guiguen aber, dem man an seinem gedunsenen und rothen Gesicht den Alkoholsklaven schon von weitem ansah, stolperte nach seinem Bett und ließ sich schwer auf dasselbe niederfallen. Seine Kameraden bekümmerten sich weiter nicht um ihn, sondern ließen ihn seinen Rausch ausschlasen und nahmen seine Sachen vor, um diese noch schleunigst in Ordnung zu bringen. Guiguen galt für das Schmerzenskind der Kompagnie. Er war ein unverbesserlicher Trunkenbold und hatte diesem Laster schon schwere Disziplinarstrafen zu verdanken. Aber alle Bestrafungen waren erfolglos geblieben und selbst ein einjähriger Aufenthalt in der berüchtigten und von allen Legionären so gefürchteten Strafstation Boghar, wohin er wegen , Diebstahls, der gleichfalls auf seine Trunkenheit zurückzuführen war, geschickt wurde, hatte den Bretagner nicht zu bessern vermocht. ' Bei den Kameraden war der Trunkenbold sehr unbeliebt; um so mehr, als er in trunkenem Zustande mit Jedem Händel anfing und zuweilen äußerst brutal und gewaltthätig wurde. Seitdem die Kompagnie durch die grausige Mordthat eines anderen Trunkenboldes, des Legionärs Wardava, der in der Trunkenheit mit dem Korporal Tirrot in Streit gerathen war, diesen in Gegenwart der vor Entsetzen erstarrten Kameraden erschlagen und dann zum Fenster hinausgestürzt hatte, arg in Verruf gerathen war, hatte sich die Erbitterung gegen Guiguen noch bedeutend gesteigert. Man erwartete von ihm einmal eine ähnliche That, eine Befürchtung, welche nur zu bald in Erfüllung gehen sollte. Ueber die Vergangenheit Guiguen's war bekannt, daß der Schnapsteufel ihn dazu getrieben hatte, Weib und Kind in der Bretagne zu verlassen und sich einem wüsten Lebenswandel in die Arme zu werfen. Als Freiwilliger gehörte er zuerst der Manne an, später hatte er ein neues Engagement bei der Marine - Infanterie angenommen und schließlich war er in fct Fremdenlegion gelandet. Unter der lügenhaften Vorgabe, feiner bedürftigen Familie Geld schicken zu wollen, hatte er es verstanden, das Mitleid des Sergeanten Fizaine zu er wecken, so daß dieser ihn als Bursche beschäftigte und ihm an jedem Löhnungstage anstatt der üblichenEntschädigung von zwanzig Sous, sogar den " ro iilstmnun lieb.
Auch heute hatte Guiguen. wieder Geld von dem Sergeanten erhalten, aber nichts Eiligeres zu thun gehabt, als die Löhnung in Absinth anzulegen. Wie die Mehrzahl der Legionäre, trank er das entnervende Gift immer ohne Misckuna mit Wasser, wodurch er nocö schneller betrunken wurde. Da er in folge der knappen Löhnung auch nur den schlechtesten Stoff kaufen konnte, so war es nicht zu verwundern, daß sich bei ihm bereits Spuren zeigten, die aus einen Verlust des physischen und scelischen Gleichgewichts schließen ließen. Um sechs Uhr stand die Kompagnie marschbereit" auf dem Kasernenhofe. Die Inspektion war zur vollen Zufriedenheit des Kompagniechefs ausgefallen. Den im zweiten Gliede stehenden Guiguen hatte der Hauptmann beim Abschreiten der Front einen Augenblick scharf von oben bis unten betrachtet, war dann aber wortlos weitergeschriiten. Da wegen der am Tage herrschenden Hitze ein Theil der Nacht zum Marsch benutzt werden sollte, war der Aufbruch von Tiaret auf 3 Uhr Morgcns festgesetzt worden. Der Hauptmann crmahnte daher die Kompagnie, sich sofort zur Ruhe zu begeben. Nack einem mehrtägigen strapaziösen Märsche durch das Gelbe Meer", wie die Legionäre die unkultivirte Wüstengegcnd wegen des gelben Sandes nennen, war die Kompagnie wieder in eine zivilisirte Gegend gekommen und hatte das inmitten üppiger Weinberge gelegene Städtchen Mascara erreicht, wo eine zweitägige Rast gehalten werden sollte. Der tiefe Flugsand hatte das Vorwärtskommcn unterwegs ungemein erschwert und da die Kompagnie auch kurz vor dem Verlassen der Wüste von einem Sändsturm überrascht wurde, so langten die Krieger in einer ziemlich traurigen Verfassung in dem Städtchen an. Das Wüstenmehl" hatte seine Spurcn überall zurückgelassen. Sand in den Augen, Ohren und Nase, Sand in der Kleidung und in den Waffen, ja sogar im Tornister, so zog die Kompagnie in Mascara ein.' Als daher in einer schattigen Nuß baumallee das Zeltlager aufgeschlagen war, befahl der Adjutant eine allgemeine Reinigung. Sergeant Fizaine hatte den Lcgionär Guiguen beauftragt, seine Sachen gleichfalls von den Spuren des Sandsturms zu befreien und der Trunkenbold kam dem Befehl mit einer verdächtigen Emsigkeit nach; es war LöhnungStag. Da der Einmarsch zu früher Stunde erfolgte .hatten sich die Legionäre bereits bis zum MittagSniahl wieder in Menschen" verwandelt und waren nach demselben zum Thsil in die Stadt iao, gegangen, um oe? einem i2)ia2 Rebensaftes die Stunden der Entbehrungcn und daS tägliche Einerlei zu vergessen. Auch Guiguen hatte das Lager verlassen; vorher war er jedoch mit dem Sergeanten in Streit gerathen, da dieser, einem Wink des Adjutanten zufolge, sich geweigert hatte, den fälligen Burfchenlohn auszuzahlen. Der Trunkenbold war jedoch schließlich so unangenehm geworden, daß der Sergeant nachgegeben und ihm zwanzig Sous 'mit den Worten cingehänund werft sie ins Wachzelt!" befahl er digt hatte: Tiens, va te souler!" Guiguen kam diesen in der Aufregung gesprochenen Worten nur zu gewissenhaft und schnell nach, denn bereits nach einer Stunde erschien er total betrunken im Lager wieder und vollführte in der Nähe des Wachzeltes einen Mordspektakel. Der Adjutant, durch den Lärm aus dem Schlaf gescheucht, eilte herbei und befahl dem Sergeanten, da Guiguen in ganz bedenklicher Weise mit dem Bajonett herumfuchtelte, ihn zu binden und unter ein Zelt zu legen. Der Befehl war nicht leicht auszuführen, da der Betrunkene sich verzweiseit wehrte. Ihr Spitzbuben!" brüllte er. Seht nur, Kameraden, da stehen sie alle miteinand:r! natürlich die sehen wohlgenährt aus! Ja, ja, mon adjutant, Sie sind ein Filou, und Sie, Sergeant, Sie sind nicht viel besser! Und der Capo, na, wie schmecken denn dem unsere Makaroni? He? Uns laßt Ihr Ramdam schlagen, Ihr Spitzbuben, Mörder, feiges Gesindel, 'das Ihr alle seid!" Endlich brachte ihn ein Faustschlag in's Gesicht zu Falle und gleich darauf lag der Betrunkene gefesselt am Boden. Seine Erregtheit kannte jedoch keine Grenzen, und in kreischendem Tone rief er: Das werde ich Euch noch eintränken und reichlich zurückzahlen, zwei müssen heute noch daran glauben. Das ist das erste Mal, daß man mich gebunden hat." Ca se paiera! ?a se paiera!" Als der Trunkenbold in ein Zelt getragen wurde, schrie er noch unaufhörlich: qa se paiera, 5a se paiera! Der Alkohol und die Ausregung verfehlten jedoch ihre Wirkung nicht, und Guiguen verfiel schließlich in einen tiesen Schlaf. Um sechs Uhr wurde die Abendmahl-
zeit eingenommen. . Da Guiguen kurz ' vorher erwacht war, hatte der Sergeant nach dem Versprechen, sich ruhig zu verhalten, ihn von den Fesseln besreit und in sein Zelt geschickt, um die Abendmahlzeit zu verzehren. Plötzlich kehrte der Bretagner jedoch wieder zurück und verlangte seinen Geldbeutel, welchen man ihm vorher
abgenommen hatte. Als er ihn öffnete,
fand er zu seinem Erstaunen nur ein einziges Sou-Stück 'darin. Wüthend schrie er: Aha, Sie haben sich das Geld wieder herausgenommen. Geben Sie mir die zwanzig Sous wieder zurück oder Sie werden es mit Ihrem Blut bezahlen!" Der Tumult hatte natürlich im Lager loieder große Aufregung hervorgerufen, und da der Trunkenbold sich nicht beruhigen wollte, so traf der Sergeant abermals Anstalten, ihn binden zu lassen. Das schien jedoch zu wirken, denn Guiguen stellte plötzlich sein Raifonmren ein. Zweimal lasse ich mich nicht wie ein wildes Thier behandeln," schrie er. Und vor's Kriegsgericht schleppt Ihr mich auch nicht mehr, jetzt ist's Schluß!" Darauf entfernte er sich. Am Horizont hatten sich schon seit einiger Zeit unheilverkündende Wolken bemerkbar gemacht und bald war der ganze Himmel umwölkt. Die nahe Kirchenuhr verkündete soeben die siebente Abendstunde, als ein blendender Blitzstrahl daß Lager, über welches sich bereits die Schatten der Nacht gebreitet hatten, erleuchtete und gleich darauf ein gewaltiger Donnerschlag die Erde in ihren Grundfesten erzittern ließ. Bestürzt eilte Alles aus den Zelten; man zog sich jedoch schleunigst wieder zurück, da in diesem Augenblick der Himmel seine Schleusen öffnete und ein wolkenbruchartiger Regen hernieder prasselte. Auch der Sergeant Fizaine und der Korporal Lacount waren aus dem Wachzelt herausgetreten und hatten bei dem Beginn des Regens unter einem in der Nähe stehenden Nußbaum Zuflucht gesucht. Beide waren soeben im Gespräch begriffen, als plötzlich aus nächster Nähe ein Schuß erkrachte und der Sergeant wie der Korporal mit einem lauten Aufschrei zusammenbrachen. Im Nu wurde es im Lager lebendig. Trotz des strömenden Regens stürzten die Legionäre aus den Zelten, und für einige Augenblicke herrschte eine grenzenlose Verwirrung. Der Posten vom Wachzelt war nach der Stelle geeilt, von der er den Schuß hatte aufblitzen sehen und hatte hier den Legionär Guiguen in liegender Schützenstellung angetroffcn.Die rechte Hand hielt das noch rauchende Gewehr krampfhaft umklammert. Blöde starrte er den Kameraden an und schien sich der Tragweite seiner That absolut nicht bewußt zu sein. Kaum waren die That und der Thäter unter den Legionären bekannt geworden, als diese sich auf den mittlerweile vom Posten emporgerisscnen Guiguen stürzten und ihn unter Verwünscbunacn. SÄmähunaen und Minyanvlungen vor den - Avjuranien schleppten, der soeben für den TransPort der beiden Schwerverwundcten nach dem Hospital Anstalten treffen ließ. Schuft!" brüllte Fovier und versetzte dem feigen Mörder einen so heftigen Faustschlag ins Gcstcht, daß dieser zurücktaumelte. Bindet die Bestie darauf. In wenigen Minuten war der Be-' fehl vollzogen und der ruchlose Geselle so fest gebunden daß er wie cm Klotz auf dem Bodcn lag. Die grausige That verbreitete sich mit Windeseile durch die ganze Stadt. Bon allen Seiten kamen die Bewohner und sich auf Urlaub befindenden Legionäre herbeigestürzt und vermehrten noch die Aufregung, die bereits im Lager herrschte. Auch der Kompagniechcf, sowie der Leutnant waren unterdessen aus der Stadt cingetrosfen und vernahmen mit Entsetzen Guiguen's Frcvelthat. Warum haben Sie geschossen?" fragte der Hauptmann den am Boden Liegenden und versetzte ihm einen Fußtritt. Ich war betrunken und habe geschössen, ohne daß es mein Wille war," lallte dieser schuldbewußt. So nimmt Deinen Lohn, Du Erzhallunke!" schrie der Kompagnicchcf und entriß dem Wachtposten das Gewcbr. Nur durch die Intervention des Leutnants wurde eine zweite Katastrophe verhindert. Die abgeschossene Kugel hatte die beabsichtigte Wirkung vollauf erreicht. Sowohl dem Sergeanten, und, da der Schuß in unmittelbarer Nähe abgegebcn war, auch dem Korporal war sie in die Lunge gedrungen und hatte beide tödtlich getroffen. Der Sergeant verstarb bereits auf dem Wege zum Hospital und Korporal Lacourt hauchte sein junges Leben auZ, ehe die Nacht vorbei war. Die Erbitterung unter den Legionärcn war so groß, daß es der ganzen Ueberredungskunst der Vorgesetzten bedürfte, um ein Lynchgericht zu verhindern, als der Doppelmörder am nächsten Morgen aus dem Lager geschafft wurde, um mit seinen Opfern konfrontirt zu werden. Auch hier hatte er nur dieselbe Entschuldigung: Ich war betrunken und habe geschossen, ohne daß es mein Wille war!" Wie er selbst angab, hatte 'er sich mit einer scharfen Patrone in der Tafche zu der Gewehrpyramide hinter dem Wachzel! geschlichen, und es war ihm gelungen, sich während des heftigen Donnerschlags, der im Lager eine momentane Verwirrung zur Folge hatte, unbemerkt eines der Gewehre anzueignen. , Um den beiden Erschossenen die leta ten Ebren erweisen zu können, verblieö.
die Kompagnie noch' einen Tag länger, wie ursprünglich befohlen, in Mascara und trat dann den Weitermarsch nach
Am-Scsra an. Guiguen aber wurde nach Oran transportirt, um sich vor dem dortigen Kriegsgertcht zu verantworten. Bei der Verhandlung gewährte Guiguen's vom Alkohol verwüstetes Gesicht einen abschreckenden Anblick. Die langwierige Untersuchung hatte die vollständige Zurechnungsfähigkeit des Doppelmörders ergeben, und so war er zum Tode verurtheilt worden. Seine ganze Vertheidigung beruhte auf der Entschuldigung: Ich war betrunken und nicht Herr meines Willens; was weiß ich, warum ich geschossen habe mit Absicht that ich es nicht!" Das Gericht hielt dem Angeklagten jedoch vor, daß er seinen Rausch bereits ausa.eschlafen und außerdem den Sergeanten kurz vor der That mtt v:m Tode bedroht hatte. Die Drohung, die er am Nachmittag des verbängnißvollen Tages ausgestoßen : Zwei müssen heute noch daran glauben!" lasse darauf schließen, daß er es auch auf den Korporal abgesehen und in Anbetracht der nur einen Patrone die Kraft des Lebelgewehrs auf die kurze Entfernung nicht unterschätzt habe. Der Tag der Hinrichtung war gekommen. Die Sühne des schauerlichen Dramas von Mascara soll heute Morgen um sechs Uhr in Oran vollzogen werden, und Guiguen sein Verbrechen an dem Sergeant Fizaine und dem Korporal Lacourt mit dem Tode bezahlen. Die Exekution findet wie gewöhnlich auf dem umfangreichen Platze der Hochebene Petit Sauton" statt. Trotz der frühen Morgenstunde hatte sich schon eine große Menge Neugieriger auf den umliegenden Anhöhen eingefunden und die berittene Gensdarmerie und Tirailleurs hatten vollauf zu thun, um unter den Europäern und Arabern die Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie die Pariser betrachtet auch die Vevölkerrung von Oran eine Hinrichtung als eine Art Freudenfest" und pilgert bereits während der Nacht in dichten Schaaren zum Petit Sauton" hinaus. Dank der strengen militärischen Maßregeln ging alles ohne Störung von statten und die bei früheren Hinrichtungen vorgekommenen Unglücksfälle wie erst kürzlich bei der Exekution des Legionärs Wardava, der, wie schon erwähnt wurde, den Korporal Tissot erschlug, wurden diesmal vermieden. Die Thurmuhren hatten soeben 5 Uhr geschlagen, als auch schon die einzelnen Truppengattungen der Garnison Oran auf der Hochebene, wo sich die verschiedenen Kasernen befinden, anrückten und im Viereck aus den angewiesenen Vl'äken Aufstelluna nahmen Unter den auf dem Fort St. Th6röse garnisonirenden und zur Exekution befohlenen Legionären befand sich auch die Sektion, welche Guiguen von Mascara nach Oran transportirt hatte und seiner ehemaligen Escouadc angehörte. Eine Viertelstunde vor 6 Uhr überschritten der Platzkommandant, Oberstleutnant Quiequendon, in Begleitung des Militärpfarrers Poupart und des Staatsanwaltes des zweiten Kriegsgerichtes. sowie des Oberinspektors des Militärgefängnisses, den Platz und begaben sich in das nahe Gefängniß, um dem Verurtheilten die Nachricht von seiner bevorstehenden Hinrichtung zu überbringen. Als der Oberstleutnant die Zelle des Mörders betrat, schreckte dieser jäh von seinem Lager empor. Der Offizier machte ihm nun Mittheilung, daß fein Gnadengesuch zurückgewiesen sei und er sich zu einem muthigen Tod: vorbereiten solle. Wann?" fragte der Verurtheilte. Sofort!" lautete die Erwiderung., Mir recht," antwortete Guiguen mit unsicherer Stimme. Er suchte sich nun schnell anzukleiden und gab sich durch einige Bemerkungen die größte Mühe, seine Erregung zu verbergen. Aber der Klang seiner Stimme hatte etwas Fremdartiges. Seinem Verlangen nach einer Tasse Kaffee und einem Glase Rum wurde nachgekommen. Bon dieu! Sie brauchen mit dem Rum nicht so zu kargen, schenken Sie ein!" rief er in schreiendem Tone. Als ein Korporal ihm auf seinen Wunsch das Glas noch einmal füllte, gab er feiner Befriedigung durch ein Ah! so ist's recht!" Ausdruck. ! In emem nzigen Zuge leerte er das ziemlich große Glas und bat dann noch, von einigen anderen Gefangenen, wclche sich in Mers-el-Kebir einer Brandstiftung schuldig gemacht hatten und vom Kriegsgericht zu Oran gleichfalls zum Tode verurtheilt waren und gegenwärtig den Ausgang ihres Gnadengesuches erwarteten, Abschied nehmen zu dürfen. Er sprach ihnen Muth zu und ermähnte sie, nicht zu verzweifeln. Darauf lieh er sich eine Cigarre reichen und steckte sie sofort an. Als er dem Geistlichen in die Kapelle folgte, begegnete er einem der Wärter und rief diesem zu: Nun dauert es nicht mehr lange, dann ist wieder einer weniger auf der Welt!" Als der Todeskandidat die Kapelle jedoch wieder verließ, zeugten seine gerötheten Augen von Weinen; die eisige Ruhe schien ihn verlassen zu haben. Trotzdem aber bemühte er sich. Gleichgültigkeit zu heucheln, und er zeigte sich überaus geschwätzig. Ich wußte es doch schon seit gestern, prahlte er. In Wirklichkeit hatte er jeoocb keine wng davon get.ti y - aoi.
Als es 6 Uhr schlug, fuhr ver Ambulanzwagen vor der Anstalt vor. Die Eskorte in Paradeanzug 'nahm neben demselben Aufstellung. Guiguen weigerte sich, den Wagen zu besteigen. Ich ziehe es vor, den Weg zu Fuß zurückzulegen",' wehrte er. Er war jedoch gezwungen, einzusteigen. 'Der Geistliche nimmt neben ihm Platz und spricht ihm Muth und Trost zu. Die Fahrt zum Richtplatz dauert nur wenige Minuten. Auf Befehl des Rcgiments-Kommandcurs Oberst Prier de Lacombe pflanzen die Truppen die Bajonette auf und fassen die Gewehre an" (portez armes!) Während der Verbrecher den Wagen verläßt, spielen die Tambours und Clairons den Generalmarsch. Dicht an der Seite des Geistlichen schreitend machte die kleine untersetzte Gestalt in den Sträflingskleidern einen eigenartigen Eindruck. Bei der Truppe angekommen, marschirt er in festem Schritt und grüßt militärisch. Die Zuschauer entblößen bei seinem Anblick das Haupt und verhalten sich überraschender Weise gänzlich ruhia. Guiguen rauchte immer noch an seiner Cigarre, und die in die Luft geblasenen Rauchringe verloren sich spiralförmig in die Weite. 'An dem vcrhängnißvollen schwarzen Pfosten angekommen, that er noch einen kräftigen Zug und warf dann die Cigarre fort. Der Staatsanwalt verlas darauf mit lauter Stimme den Arröt, daß der Präsident von dem Rechte der Begnadigung keinen Gebrauch gemacht habe. Der Geistliche entfernte sich nun, nachdem er dem Verurtheilten das Kruzifix noch einmal zum Küssen gegeben hatte. Ein Peloton von zwölf Mann, bestehend aus vier Sergeanten, vier Korporalen und den vier ältesten Soldaten des 2. Zuavcn-Regiments, rückt bis bis acht Schritte vor, und ein Zuave nähert sich dem Tode Geweihten mit einer großen Binde in der Hand. Plötzlich erhebt Guiguen die Hände wie zum Schwüre und wehrt ab. Der Zuave verliert den Muth und bleibt wie angewurzelt stehen. Guiguen aber beginnt mit klangloser Stimme : Meine Herren, es war ein übler Weg, den mir das Schicksal vorgeschrieben hat", hier verlor er jedoch den Faden seiner, wie es den Anschein hatte, in einsamer Stunde sorgfältig einstudirten Rede, und er ließ den Kopf nach vorne sinken, als wollte er sich vor den Kugeln der Lebclgewehre vcrstecken. Der Adjutant erlebt den Degen und die Abtheilung legt an. O, zielt nur gut!" ruft Guiguen und beugte seinen Körper ganz nach vorne. Ein weiteres stummes Kommando. und die Salve kracht. , Der Verur theilte stürzt zu Boden, aber er ist nicht todt. Auf einen Wink des Adjutanten eilt ein Sergeant auf den im Todeskrampfe Liegenden zu, um ihm den Gnadenschuß zu geben; aber auch dann noch giebt Guiguen Lebenszcichen von sich. Stabsarzt Cornil stürzt auf den Körper zu, erfaßt die rechte Hand beim Puls und befiehlt darauf dem vor Entsetzen wie erstarrt dastehenden Sergeanten noch einmal zu schieeßn. Mechanisch gehorcht dieser, und jetzt erst konnte der ?od festgestellt werden. Die Truppen defiliren unter klingendcm Spiel nach den lustigen Klängen des Marsches Sambre et Meuse" in geringer Entfernung an dem Lcichnam vorüber. Die traurige Ceremonie ist vorbei und der Gerechtigkeit Genüge gethan. Der Oberst und die Aerzte nähern sich dem Körper, um die Wirkung der Gewehre festzustellen. In der Herzgegend waren drei kleine dreieckige LLeher sichtbar, das Herz selbst war jedoch nicht getroffen. Von zwölf Kugeln hatten also nur drei ihr Ziel erreicht. Die Gnadenschüsse hatten den Kopf an der rechten Schläfe durchbohrt. So endete der traurige Held des Dramas von Mascara. Ei war ein Opfer des Absinths", meinte der Oberstabsarzt zu dem Oberst, als er mit diesem den Platz verließ. Ein E g 0 i st. Sie: Sag' mal, lieber Karl, giebt es denn gar kein Mitte! gegen daZ
lästige Schnarchen beim Schlafen r Er: Aber, Nebe Hulda, es ist mir ja gar nicht lästig!" Launenhaft. Sängerin: Herr Direktor, ich kann heute Abend nicht auftreten." Direktor: Das geht nicht, ich habe Cie ja nicht als Posscnspielerin enga girt, sondern als Sängerin." Auch eine A usr e d e. Herr Nachbar, warum trinken Su denn jetzt auf einmal allabendlich so viel Bier?" Wissen's, der Schneider hat mit bcn Anzug zu weit gemacht und da trink ich ihn halt passend." No. 16. Magenbeschwcrdcn eingestellt in einem Tage und kuriert, um ku riert zu bleiben durch Trale's Palmetto Wine Irgend ein Leser dieser Zeitung erhält eine Vrobeflasche frei, wenn er einen Brief oder eine Postlarte an die Drake Formula Company Chicago, Jll., sendet.
