Indiana Tribüne, Volume 28, Number 35, Indianapolis, Marion County, 3 October 1904 — Page 3

Jndlans Tribüne,

3. Oktober 1904. 3

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öcillssn.

itchcock's Bewahrung.

Sekretär des Innern weist Vorwürfe wegen flauer Untersuchung zurück. Parker heute abermals nach New York. Vom Krankenlager des GcneralpostMeisters. Vier Kohlcngräber ertrunken. WeltansstellungsBesuch.Die Hochfluth im Westen. Verheerender Brand.

D i e Land Betrügereien. Washington. 2. Okt. Se kretär des Innern Hitchcock erließ heute eine Erklärung in Antwort auf Beschul, digungen über die UntersuchungS'Füh rung bei den Landbetrügereien an der Pacisic-Küste. Die Erklärung besagt, die Vorwürfe, daß die Regierung die Untersuchung nicht ernsthaft und gewissenhaft führe und daß sich da? Departement über den jetzigen Stand der Untersuchung in Geheimniß hülle, seien völlig aus der Luft gegriffen. Die Untersuchung liege von Anbeginn an in den Händen kompetenter Beamter und werde unter Leitung des Sekretärs des Innern mit soviel Schnelligkeit, als sich mit Gründlichkeit vereinigen läßt, gesührt. Anklagen auf Grund der Untersuchung seien erhoben worden und ein Versuch, dem Publi kum volle Kenntniß des Standes der Strasverfolgung vorzuenthalten, habe uiemals stattgefunden. Die leitenden Persönlichkeiten bei den betrügerischen Transaktionen sind meist einflußreiche Männer, viele dar unter sehr reich. Diese Leute werfen zahlreiche Hindernisse in den Weg, welche die Leiter der Untersuchung mit Geduld und Muth zu beseitigen hatten. Alle diese Schwierigkeiten sind aber jetzt gehoben. Die Betrügereien kamen namentlich in Ealifornien und Oregon vor, ohne aber auf diese Staaten beschränkt zu sein. In vielen Fällen griffen die Verschwörer auf andere Staaten über; die Enthüllung ihrer breit und tief angelegten Pläne war ein schwieriges Werk. ' Der Sekretär weist sodann darauf hin, daß seit Beginn der Untersuchung erst 13 Monate verflossen sind und er klärt die Resultate, die er im Einzelnen anführt, als befriedigend und ermu thigend zugleich. Der Bericht des Sekretärs führt be. sonders zur Begründung des Gesagten die Zerstörung der gigantischen HydeBenson Verschwörung an, welche die Regierung um eine große Anzahl öffentlicher Ländereien in Arizona zu betrügen suchte, sowie daß überhaupt den betrügerischen Manipulationen auch in andern Landestheilen ein Ende be reitet worden sei. Wieder nach New Jork. E s o p u S, N. Y., 2. Okt. Herr Parker reist morgen zum viertenmal nach New Jork, um mit demokratischen Campagne-Leitern zu conseriren. Er kehrt vermuthlich erst am Donnerstag nach Rosemont zurück; ''am Mittwoch findet ihm zu Ehren ein Empfang im Manhattan Club statt. Payne'S SchmerzenSl a g e r. Washington, 2. Okt. Heute Abend 6 Uhr war der Zustand deS GeneralpostmeiflerS Payne ausnehmend gefährlich. Die Familie und ein Geistlicher wa ren bereits an'S Krankenlager berufen, aber der Patient erholte sich unter star ken BelebungSmltteln. Ein Bulletin kurz vor 7 Uhr kün digte Besserung an sowie besonders er stärkte Herzthätigkeit. Die Nacht auf Sonntag war sehr schwer, gegen Morgen erfolgten 2 An fälle, die das Ende befürchten ließen, aber schließlich kam die Herzthätigkeit wieder in Gang. Im Lause des Vormittags kam Dr. Osler .aus Baltimore zur Berathung mit den behandelnden Aerzten Ma gruder und Grayson. Präsident Roofevelt fand sich Nach, mittags ein und hatte eine Besprechung mit den Aerzten. Zur Hebung der Herzthätigkeit mußten die Hilfsmittel in größeren Dosen angewendet werden als bisher; auch stellte sich im Anfang deS Tages quälende Athemnoth ein. Todin derTirse. Monongahela, Pa., 2. Okt. Vier Grubenarbeiter, welche über den Monongahela Fluß in einem Boote fuhren, ertranken heute in Folge eines Zusammenstoßes m!t dem Dampfer Bertha.

Bahnunfall. Lima, O., 2. Okt. Bei der Entgleisung eines Lake Erie & Western Frachtzuges kam heute ein Heizer um's Leben; der Lokomotivführer wurde tödtlich verletzt. Das Unglück soll von zu rascher Fahrgeschwindigkeit her rühren. Gefährlicher Brand. P e o r i a. Jll., 2. Oct. Die Stadt Chillicothe ist in Flammen und bittet um Hilfe der hiesigen Feuerwehr. Ein starker Wind weht und das Feuer soll nicht zu bewältigen sein. Ein Sonderzug mit Feuerspritzen und Leuten ging nach der bedrohten Ortschast. - Entlassungen bei der Pennsylvania Bahn. W e l l s v i l l e , O., 2. Oktober. Eine scharfe und weitreichende Verfügung betreffs Entlassung solcher Arbeiter, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, erließ um Mitternacht die Penn sylvaniaBahn. Demnach werden alle Leute aus dem Dienste der Gesellschaft entlassen, die bei ihrer Anstellung be reitS über 35 Jahre alt waren, und selbstverständlich soll Niemand neu an gestellt werden, der das erwähnte Alter erreicht hat. Diese Bestimmung, der zufolge etwa 1000 Angestellte ihre Plätze verlieren, ist, wie man sieht, be deutend strenger als die vor einiger Zeit von der Carnegie Steel Company erlassene, wonach keine Leute über 35 Jahre neu angestellt werden dürfen. Die von dieser Verfügung Betroffenen find der Ansicht, daß zwischen den großen Corporationen ein Uebereinkom men zur Vernichtung der Gewerkschaf ten getroffen wurde und der Erlaß der Pennsylvania Bahn nur der erste Schritt ist, der für die anderen Corpo rationen das Signal zum gleichen Vor gehen bildet. Arbeiterführer machen geltend, daß die Mehrzahl der Unions Mitglieder das mittlere Lebensalter er reichten, daß sie den Kern der Gewerk schaften bilden und daß auS diesem Grunde der Angriff der Corporationen geaen sie gerichtet ist. Die Verfügung war für die Arbeiter eine vollständige Ueberraschung. Die Sympathie des Publikums ist auf Sei ten der Entlassenen. Die Letzteren wollen nach Chicago und anderen west liehen Städten gehen, in der Hoffnung, dort Arbeit zu bekommen. Neue Kriegsschiffe. Washington, 2. Okt. Im Laufe dieses Monats werden verschie dene Kriegsschiffe getauft, darunter Schlachtschiff Georgia" in den Bath (Me.) Eisenwerken am 11.; Schlachtschiff NebraZka" in Seattle etwa am 10.; Schulschiff Boxer" in Ports mouth, N. H., am 7.; Kanonenboot .Päducah" in Morris HeightS, N. Y.. am 11. und das Schulschiff Jntrepid" im Mare Island Schiffsbauhof gegen Ende dieses Monats. Schachspiel vermittelst Funke nT e l e g r a p h i e. San Francisco, 2. Okt. Während einer Kreuzfahrt der i Küste bis zur Magdalenen.Bucht entlang, spielten Admiral Goodrich und die Of siziere deS Kreuzers New York" der. mittelst drahtloser Telegraph mit Capt. Hubbard und den Ossizieren vom Kreuzer Boston" Schach. Die Schiffe waren verschiedene Meilen ent fernt, die Mittheilungen gingen jedoch ohne Schwierigkeiten und die Spieler machten ihre Züge fast so genau, als wenn sie zusammen gewesen wären. Unfall bei einerKirchen Feier. Adams, Miss., 2. Okt. Als heute Nachmittag der römisch-katholische Bi schof von Springsield, Th. D. Beaven, den Grundstein einer polnischen Kirche hier legte, stürzte ein Fußboden ein, wodurch 150 Personen in's Erdgeschoß stürzten. Ein Dutzend find schwer ver letzt. Der Feier wohnten etwa 7000 Leute an. 200 saßen oder standen in dem Stockwerk über dem neu errichtetenErd geschoffe. - Der Einsturz erfolgte in dem Augen blicke, als der Bischof den Grundstein legen wollte. i '

Armselige Komödie.

Strenge Durchsührung des Sonn tags'Gesetzes in ) exington. L e x i n g t o n, Ky., 2. Okt. Lexington hatte heute seinen ersten Sonntag unter der Herrschast der blauen Gesetze". Die Beschränkungen waren größer, als sie künftig sein werden. Abends fand der Stadtanwalt, Milch und Eiswägen feien eine Nothwendigkeit" und dem Gesetze nicht unterworfen. Nur einige Milchwügen wagten zu sah reu und dieKutscher wurden sofort ver hastet. Der größte Theil der Bevölke rung trank Kaffee ohne Milch. Familien mit kleinen Kindern, die keine Milch bekamen, klagen bitter. Eiswagen fuhren nicht, jedoch ent schied der Stadtanwalt, daß sie wie die Milchwagen fahren dürfen und die verhafteten Besitzer kamen frei. Wegen Verletzung deS Sonntags gesetzeö wurden nur etwa 30 Leute ver haftet, obwohl ungefähr 200 ihre Ab ficht angekündigt hatten, am Sonntag ihre Geschäfte fortzuführen. Alle Apo thecken waren geschlossen; offen nur Hotels, Leihställe und Jeitungs.BU' ruS; die letzteren beiden Institute hat ten Einhaltsbefehle erwirkt. Den Familien war keine Zeit gege ben, fich auf die strenge Durchführung der SonntagS'Gesetze vorzubereiten und viele hatten keine Vorräthe eingelegt. Keine Wirthschaften waren offen und kein Betrunkener wurde verhaftet. Ein früherer Stadtrath, der sechs kleine Kinder hat, wird wegen Nicht Ablieferung von Milch gegen die ver antwortlichen Personen eine Schaden Ersatzklage von' 810,000 anstrengen und fordert die Familien mit kranken Kindern auf, fich seiner Klage anzu schließen. Lyttchmord befürchtet. Farbiger Mörder von zahlreichen Freunden des Erschossenen bedroht. W h e e l i n g, W.Va., 2. Okt. Carl Genchel, ein junger Weißer, wurde heute in dem gegenüberliegenden Belle vue, W.Va., von dem Neger Terry erschossen. Sofort machte sich eine zahlreiche Menge zurVerfolgung auf u. nach der Gefangennahme des Farbigen erscholl auS Hunderten von Kehlen der Ruf, ihn umzubringen. ES gelang indessen den Beamten, den Mörder un ter den Drohungen der Menge im städ tischen Gefängniß einzusperren. Die Aufregung ist allgemein und die Freunde Genchel's fordern zur Rache auf; ein .Lynchmord wird befürchtet. Der Anlaß zu dem Streite, welche zur Ermordung Genchel's führte, war unbedeutend. AuSftellungsbesuch. S t. L o u i s, Mo., 2. Oct. In den 134 Tagen seit Eröffnung der Welt.Ausstellung bis gestern Abend be trug der Besuch 12.515.511. Mit Eintritt deS Herbst.WetterS er warten die Beamten für die beiden Schlußmonate erhöhten Besuch. Letzte Woche stellte sich auf 722,565. Das Hochwasser. Las VegS, N. M., 2. Okt. Die Hälfte deS Städtchens Watrouö ist von der Hochfluth zerstört; mindestens zwölf Personen sind ertrunken. Viele Leute wurden von Bäumen und Dä chern gerettet. Der Schaden für den Ort übersteigt 8100,000; auch der Ver lust für die Bahnen ist schwer. Kurze Depeschen. Ausland. Kopenhagen. Die Kaiserin Wittwe von Rußland, Maria Feodo rowna, traf Nachmittags hier ein, von der königlichen Familie abgeholt. Southampton. Der nach New Zlork gehende Dampfer Germa nie" von der White Star Linie wurde Reparaturen halder 36 Stunden bei der Abfahrt aufgehalten. Rom... Im Namen eines Comites von Albanesen überreichte General Ric ciotti Garibaldi dem Minister deS Aeu ßern, sowie dem britischen und franzö sischen Botschafter, einen Protest gegen eine internationale Verwaltung MacedonienS. Inland. NebraSka City, Nebr. Jane Morton, eine Nichte des KriegSsekre tärs, wurde mit Joseph Cudahy, einem Sohne deS GroßschlüchterS, vermählt. Der Sekretär wohnte der Feier bei.

Die Nnche. (Eint russische Soldatkngkschichtr, von öoseph Stuhln. Der Feldwebel war ein litauischer Bauer, ein großer, starker Mann mit einem blonden Flaumbärtchen, einem brettharten gelben Gesicht und zwei kleinen klugen Augen. Seine Schultern gingen wie zwei Waffertragen von der Wirbelsäule ab und schienen an den Enden die Uniform zu durchbohren. An seinem linken Ohr hing ein Ringelchen, das dieser breiten, knochigen Gestalt etwas Mystisches und Antikes verlieh, etwas vom gewaltthätigen Märchenricsen. Aber ich habe noch bis jetzt kein besseres Herz gefunden als das seine. Des Nachts, wenn der Dunst von zweihundert abgehetzten Menschenleibern wie eine greifbare ekle Masse auf uns lastete, und ich, krank an Leib und Seele mich schlaflos auf dem Strohkissen hin- und herwälzte und wie er dann leise heranschlich und mit gesundem einfachen Wort meinen krankhaft erregten Geist besänftigte nie vergesse ich es Dir, mein Freund! In einer solchen Nacht erzählte er mir das Folgende: Ja ja ja. Freund. Du kannst schon sicherlich nicht klagen, daß es Dir schlecht geht. Hätt'st kommen sollen, als ich in's Heer kam, vor fünfzehn Jahren, als die schwarzen Teufel, das Tscherkessengesindel, sich roch regte. dann hättest Du ein anderes Liedchen gesungen! Das war auch einmal an ein?m Sommertag. Heiß war's, sag' ich Dir! Ein Streichholz hätt' sich an der Luft entzündet. Wir lagen nach der Vormittagsübung in den Zelten und konnten kein Glied rühren. Das Hemd klebte einem am Leibe wie eine Briefmarke, sag' ich Dir . . . Da hörten wir plötzlich Schüsse, und im Nu waren die Tscherkessen in unserem Lager. Wie Affen tummelten sie sich auf ihren Pferden und feuerten und stachen ... Ich war anfangs wie betäubt, dann wurde ich plötzlich wie rasend ... Es war mir, als ob mir heißer Schwefel durch die Adern flösse. Es kitzelte mich durch alle Glieder ... Wie soll ich's Dir sagen? So wohl und frei war es mir noch nie zu Muthe gewesen. Ich raste wie ein junges Füllen, das man zum ersten Mal auf die Wiese hinausgelassen hat, ich fühlte, wie mir die Freude das Blut erregte.' Und während ich so wie wahnsinnig um mich hieb und stach, hatte ich nur eine Angst: die Sache könnte bald aus sein. So wie wenn Du von etwas Schönem träumst und Du mitten drin Angst hast, daß es nur ein Traum sei. . . . Und auf einmal war's auch aus. Sie warfen die Pferde herum und verschwanden sie haben gesehen, daß uns eine Sowie Kosaken zu Hilfe kam . . . Jetzt erwachte ich und fing an. mich im Lager umzusehen. Von unseren neunzig Mann lagen siebzig abgeschlachtet, einige waren fast zerstückelt . . . Das war ein Aechzen und Stöhnen, daß das Herz sich Dir zusammenkrampfte . . . Und in einem Winkel sah ich meinen leiblichen Bruder liegen, den Jusop ein prächtiger Bursche war er gewesen, sag' ich Dir und der Dolch stak ihm zwischen den Rippen, bis zum Griff ... Da überkam mich eine derartige Wuth, daß ich fast wahnsinnig wurde. Ich schwor mir zu, nicht eher zu ruhen, als bis ich einem Tscherkessen das Gleiche gethan hätte. Ich zog den Dolch heraus, wusch ihn sorgfältig ab und steckte ihn mir in den Gürtel . . . Ueberall streiften unsere Patrouillen nach den bärtigen Teufeln herum, aber wir konnten sie nicht finden. Sie waren wie weggeblasen. Da verrieth uns am selben Tage ein entlaufener Tscherkesse für ganze fünf Rubel den AufentHaltsort seiner Brüder. Es war eine halbe Meile von unserem Lager, wo sie sich aufhielten. Es war eine Art Kessel, und ein Felsabhang lag so darüber, daß wir es unser Lebtag nicht gefunden hätten. Du stehst mit der Nase davor und siehst es nicht. Wir umstellten alle Zugänge in der Runde, und etwa fünfzig Mann schlichen sich bis an den Kessel heran. Ich saß auf meinem Gaul und wartete. Eine Minute, zwei, drei, vier fünf Minuten, nichts zu hören, kein Laut. Ich glaubte, ein Schmied sitzt mir im Brustkasten drin und schlägt mir mit dem Hammer gegen die Rippen.- So verrückt war mein Herz ... Auf einmal ein furchtbares Geheul, wie wenn tausend Schweine plötzlich losschreien würden . . . Dann dumpfe Schläge der Gewehrkolben, sie hagelten nur so tritsch, tratsch, immer hintereinander, dazwischen vereinzelte Schüsse. Dann sehe ich einige Tscherkessen zu Pferde gerade auf unsere Linien losrennen ... Sie werden von den anderen gehörig empfangen, ich aber feuere nicht. Ich bin auf einmal ganz ruhig, meme Faust umklammert den Dolch, und vor meinen Augen lieg! Juseps blutige Leiche ... Da springt so ein Tscherkeß vor mir vorbei. Ich feuere auf das Thier, es bricht zusammen, und der Mann selbst stürzt. Im selben Augenblicke springe ich vom Pferdc und bohre dem Tscherkessen den Dolck zwischen die Rippen, bis an den Griff. Aber soll ich es Dir nur sagen? Wie der Kerl sich da zu winden anfing und zu röcheln, und wie er mich mii seinen glasgroßen Augen anglotzte, das Weiße ganz nach oben gekehrt wurde es mir unbehaglich. Es that mir leid.'' daß ich es gethan hatte . . . Aber so ist derKriea!"

Der Ausgleich. Der Randhattinger Jgnaz und der Hölzlbauer waren wegen eines zwischen ihren Grundstücken auf steiler BergHalde hinlaufenden ganz schmalen Erdstreifens in Meinungsverschiedenheiten gerathen. Eben weil das Stücklein Land, das auf glatte? Felsplatte aufsaß, nur so ganz gering und kaum der Mühe des AbheuenH werth war, entbrannte ihr Streit doppelt und dreifach bitter und es kam alsbald zum Prozeß und dabei zur Augenscheinstagfahrt. Diese sollte heute stattfinden. Der Richter, ein aus kluger Lebenserfahrung sehr auf den gütlichen AuZgleich erpichter Herr, und sein Aktuar, ein behäbiger, dem Trunk nicht abholder Mann, kamen in zweistündiger Wagentour hergefahren und klommen dann in der glühenden Sonnenhitze steil bergauf den schmalen steinigen Fußpfad. He, Fischer." keuchte der H?rr Rath, mühsam vorausstapfend, ob wir's wohl vergleichen?" Weiß nit," brummte der Protokollführer gottergeben, weiß nit sind Dickschädel das wird keiner nachstehen wollen!" Wär' nit übel!" polterte der Bezirksrichter hitzig. Ist noch immer gegangen! Um so einen Plunder keine zehn Gulden werth jedenfalls bin schon mit anderen Streithanseln fertig geworden müßt' rein mit dem Henker zugehen da!" Und weiter ging's immer schroffer bergan. , Es war wirklich ein jämmerliches Streiflein spärlich mit Gras bewachsen mühsam hingeklebt an einem kurzen, steilen, brüchigen Hang. Die Parteien standen schon oben auf dem strittigen Theil, dabei Vettern, Gesippe und Basen als Eideshelfer und natürlich die zwei Advokaten auch. So stapften sie auf dem kläglichen Strich umeinander, die Stecken mit den Eisenspitzen einhackend und gewaltig aufeinander schimpfend. Man hörte die Männer- und nicht zum Mindesten die Weiberstimmen schon fernhc? und das Echo gegenüber an Wald und Wand. Als der Lezirksrichter kam und auögleichen wollte, ward's nur ärger stc!t besser. Die beiden Bauern schrieen sich heiser, sprangen der Randhartinger ein schwerer Koloß, der Hölzlbauer ein hager' beweglich' Männlein wie wüthend hin und her; die Gesippen schürten, die Beistände warfen Rechtsgründe d'rein und die Weiber schrieen besonders die Randhartigerin und die Hölzlbäuerin Pfiffen vor Gift wie Klarinett und Oboe im 'Kirchweihkonzert. Saperlot," polterte der Herr Rath pflaumenblau, saperlot, Ihr Zornnickel! Seid nit gescheit um so einen Schmarrn, um so einen Krempl! Keiner kann's brauchen! Gönnt's lieber einer dem andern! Oder geb' einer ein paar Gulden hin dafür! Aber doch nit streiten! Doch nit Hunderte von Gulden und Jahre voll Unfried opfern' wegen dem Nichts! Und Ihr, Weiber, hetzt und belfert nit, sondern haltet die Schnäbel!" Aber damit kam er schlecht an bei den Bäuerinnen und Basen und Muhmen. Was?" geiferten sie.' Wir hetzen? Wir belfern? Wo keine ein Sterbenswörtl red't! Wär' schon gut, wenn man sich nicht mehr wehren dürft' um fein Recht!" Und jede blies auf ihrer Partei den Bauern an wie ein Blasbalg das Herdfeuer und die zwei Gegner flackerten lichterloh auf, brüllten, sprangen, scharrten mit den Absätzen und die Gesippen machten alles mit und die Rechtsfreunde, die da als des Friedens Feinde sich zeigten, gaben ihren Senf d'rein. Der Beztrksrichter schwitzte, glühte und kollerte immer mehr. Er probirte alle seine bewährten Vergleichstraktätlein; aber wie der Aktuar grinsend konstatirte keines half. Als der Herr Rath dies boshafte Grinsen sah, kam er zuletzt aus Rand und Band: Höllsaxen!" schrie er und fuchtelte mit dem Sonnendach in der Luft. Wann denn bei Euch Heiden gar kein christlich' Sprüchlein anschlägt, dann soll Euch doch gleich der Leibhaftige holen sammt dem Erdhaufen da!" Kaum gesprochen, kam der schmale, der Felsplatt' angeklebte Landstreifen von all' dem Stampfen, Gewicht und Treten in's Gleiten und sauste mit allem, was d'rauf stand und stritt, den steilen Abhang hinunter, daß sie wie die Kegel durcheinander purzelten. Dann fuhr der Bezirksrichter und sein Aktuar, die sich nach seitwärts ein wenig gehalten hatten, sanftiglich nach. Ein paar Minuten war stilles verdlüfftes Schweigen. D'rauf klaubten die Bauern mit ihren Parteien langsam die geprellten Glieder aus dem Erdreich, thaten die Hüteln runter und hauten den Herrn Rath an mit ehrürchtigem Grausen und der Randharinger stotterte: Halt gern thät' ich mich ausgleichen" und gleich d'rauf der Hölzlbauer kleinlaut: Ja ausgleichen war' schon's Gescheitest'!" Gelt." sagt der Vezirksrichter grimmig aber mit dem Aktuar ein Lachen schwer verbeißend so weit muß's kommen, bis Jhr's einseht!" Dann gingen sie in's Wirthshaus denn oben blieb keiner mehr und die Weiber liefen, sich bekreuzend, voraus. Den Advokaten half kein Widerreden. Jetzt nxir'S schnell verglichen. Kein'L wollt' mehr den Streifen.