Indiana Tribüne, Volume 28, Number 33, Indianapolis, Marion County, 30 September 1904 — Page 6

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Spkk-Snveröi EinVild aus Monte Carlo. ' Von W. K.' Saffeini.

Wir trafen uns zufällig auf dem Platze vor dem Kasino in Monte Carlo. Sieh' da, guten Tag, L.! Wie kommen Sie denn hierher? Haben Sie jetzt Urlaub? Uebrigens Sie sehen im Civil noch besser aus als in Uniform!" Ach, lassen Sie Ihre ominöse Bemerkung! Natürlich habe ich Urlaub, sonst wäre ich doch nicht hier! Vier Wockien, das heißt für Italien, aber wir sind zu dreien hierher geflitzt." 2tas begreife ich! Was soll man um diese Jahreszeit in Italien? Hier amüsirt man sich besser!" D nein, verehrter Freund, wir sind nicht zu unserem Vergnügen hierher gekommen." Er machte ein sehr ernsthaftes Gesicht. Wir arbeiten hier!" Pardon, ich verstehe immer a r b e it e n?" fragte ich erstaunt und ungläubig lächelnd. Ganz richtig, und m diesem Falle bedeutet es soviel wie Spielen und Geldverdienen. Wir haben es nöthig: alle drei. Natürlich spielen wir zusammen so eine Art von System. Große Schläge sind allerdings dabei nicht zu machen, aber täglich gewisse Gewinne. Deshalb heißt es eben arbeiten und fleißig sein. Schön ist es ja gerade nicht", fuhr er dann, sich gleichsam entschuldigend fort, und angenehm auch nicht. Wirklich, wenn ich mit Holzhacken nur halb soviel verdienen könnte, wie ich im Spiel gewinnen kann, ich würde lieber Holz hacken, statt zu spielen! Das können Sie mir glauben! Aber unsereinen ist doch jede Möglichkeit, etwas zu verdienen, genommen. Und die Schulden sind leicht gemacht, zumal beim Jeu im kleinen Kreise, wo man ja eigentlich verlieren muß. Das ist hier etwas anderes. Hier kann ich wenigstens gewinnen. Ich darf senken", so viel ich will, ich kann aufhören, wenn es mir paßt; ich habe auf keinen Menschen Rücksicht zu nehmen. Darum kann man mit Vernunft und Ruhe spielen, und dabei gewinnt man." Aber Mensch, glauben Sie denn wirklich, Sie könnten sich hier Geld verdienen?" Allerdings! Wir haben doch ganz schöne Erfolge! Wir drei haben jetzt schon einige Mille gewonnen. Allerdings hatten wir zuerst ziemlich verloren. aber jetzt haben wir es heraus, und die Sache geht gut. Vielleicht gehen Sie mal mit, Sie kennen die beiden anderen auch." Und er war nicht von seiner Idee abzubringen, obgleich er wahrhaftig kein Spieler ist.. Aber er steht keineswegs allein; es gibt so viele hier, die mit ernsten Hoffnungen hierher gekommen, auch sie betrachten Monte Carlo als einen Erwerbsort. Von den bereits derkrachten Existenzen, die den drohenden Konkurs noch durch einen großen Spielgewinn abzuwenden hosfen, von den gewissenlosen Bankiers, von ungetreuen Kassirern und sonstigen Defraudanten, die Fortuna wieder ehrlich ma cben soll, will ich gar nicht sprechen, aber man sieht hier junge Leute, die von einem mühelos gewonnenen Vermögen träumen, ernsthafte Leute, oie firfi alljährlich eine Rente holen wollen, Beamte, die eine größere Gehaltszuläge brauchen. Offiziere, die ihre Schulden mit Monacos Golde bezahlen wollen, Damen, denen ihre Schneide'rrechnungen zu hoch geworden sind. Das ist kein Scherz, denn sie sind von weither gekommen. Diese also quälen sich redlich ab, hinter die räthselhaften Sprünge der kleinen Marmorkugel zu kommen und durch einige glückliche Tage sich zu rehabilitiren, ja sie sitzen wo-chen-und monatelang und verbrauchen langsam ihr Geld und ihre noch werthvolleren Nerven. Und damit ist die Zahl der ernsthaften Spieler, die keineswegs vom Spielteufel besessen zu sein brauchen, noch lange nicht erschöpft. Es gibt noch die kleinen Leute, die ganz von der Bank leben wollen und täglich ihrem Gewerbe im Spiel nachgehen, und sie zählen nach Hunderten. Wenn man die einmal sehen will, so muß man Vormittags zum Kasino gehen, ehe die Spielsäle geöffnet werden. Dann sindet man das Atrium voll von Menschen, die sich vor den Thüren zum Spielsaal drängen wie bei uns die Leute vor dem 'Eingang zum Olymp der großen Theater, und in dem Augenblick, wo die Thüren geöffnet werden, drängt und quetscht sich die Masse hinein und stürzt, einander drängend und stoßend, in toller Hast wie die Wilden durch die Säle an die Spieltische, um einen guten Platz zu bekommen. Wenn man das zum ersten Male sieht, muß man laut lachen. Der Anblick wirkt komisch, denn die Wetiläufer nach dem goldenen Louisd'or sind nicht etwa junge Leute, sondern erWachsens Männer und Frauen, diese oft in der Ueberzahl, und Greise sozar, mit weißem Haar! Und wer sind diese Leute, die sich Die die Verrückten gebärden ?" Ein alter Croupier antwortete mir: Das sind die sogenannten Pensionäre der Bank, Leute, die oft das ganze Jahr Tag aus Tag ein am Spieltisch sitzen, mit kleinem Kapital und großer Willenskrast und so der Bank, oft allerdings erst nach stundenlangem Kampfe, vas tägliche Brot abringen." ' Gibt es denn' Leute, welche wirllich om Spiel leben?" Wie Sie sehen, ja!" antwortete der

greise Priester Forlunas. lzrmge von ihnen kenne ich schon seit Jahren, und je bescheidener sie sind, desto länger halten sie sich. Aber auch für diese kommt einmal der schwarze Tag, an dem sie ihr letztes Stück setzen und dann verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Meistens machen sie wenia Aufhebens davon und nehmen ihr Schicksal hin wie eine verdiente Strafe. Man bemerkt ihr Verschwinden eigentlich nur infolge ihres dauernden Fehlens am gewohnten Platze." Also existirt auch kein System, das zuverlässig wäre?" Wenn es solches gäbe, Herr Doktor, glauben Sie wohl, daß ich Croupier geblieben wäre? Und' an Ersahrung fehlt es mir doch nicht! Oder glauben Sie, daß dann die Bank noch bestände?! Vergeblich haben sich die Mathematiker die Köpfe zerbrochen, und thun es wohl auch noch es gibt iur Glück!" Aber man hört doch öfter von einem Erfolg mit Systemen!" Auch nichts als Glück! Die Unternehmer haben eben Glück mit ihrem System, so lange es dauert, nein, am Ende siegt immer die Bank, denn sie spielen ja nicht gegen andere Menschen mit Nerven und Leidenschaften, sondern gegen eine unverwüstliche Maschine! Rouge perd, noir perd, Blanc" (der Name des Spielpächters) gagne toujours!" sagte man früher, das gilt auch heute noch." Der Mann hat recht! Ja, mehr noch, die Chancen sind auch sonst ungleich vertheilt zu Gunsten der Bank. Kennen Sie die Roulette? Die Grundidee ist die, daß in jedem Spiel alle Nummern gleich besetzt sind, und die Gewinnnummer . alle Einsätze der übrigen bekommt. Welch glänzende Aussicht! Man kann bis zum 33fachen gewinnen. Und doch ist das noch zu wenig: die Roulette hat ja noch die 0, das Zero, also 37 Nummern, welche gleichmäßig besetzt werden; . folglich müßte man das 36fache hinzubekommen; aber eine Einsatzeinheit behält die Bank in jedem Spiele für sich! Dazu kommt die Hälfte aller Einsätze auf den einfachen Chancen, welche die Bank gewinnt, sobald Zero" an der Roulette und Un aprös" im Trente-et-qua-rante herauskommt. So unbedeutend diese Vortheile auf den ersten Blick crscheinen mögen, so bedeuten sie doch einen erheblichen prozentualen Gewinn für die Bank an allem Gelde, was überhaupt auf den Tisch gelegt wird. Theoretisch verliert man daher immer etwas, auch wenn man in Wirklichkeit gewinnt! Die Wirkung offenbart sich bei den Dauerspielern, schließlich werden sie alle zur Strecke gebracht. Und jetzt ist hier Hochsaison! Vesonders in den Abendstunden sind die Säle trotz des neuen großen Anbades so voll, daß viele nicht an die Tische herankommen können, und ununterbrochen strömen die Menschen hinein und hinaus über die große Treppe des Glückstempels. Bei diesem Anblick muß ich immer an eine bekannte Spottkarte denken, die allerdings in Monaco nicht verkauft werden darf. Sie zeigt den Eingang zum Kasino, und statt der Menschen strömt auf der einenSeite eine Herde von Schafen mit dicker Wolle hinein, während sie auf der anderen Seite, glattgeschoren, mit traurig hängenden Köpfen, wieder herauskommen. Trotz des warnenden Beispieles aber wandern die anderen immer wieder hinein, oft sogar dieselben, wenn ihnen die Wolle wieder gewachsen ist. Schafe bleiben eben Schafe, und sie müssen geschoren werden! Das ist nun mal nicht anders und. da die Schafe zu den Geschöpfen gehören, die nicht alle werden, so werden auch die Schafscherer ihr Geschäft nicht einstellen, und Monacos Goldquelle erscheint unversiegbar. . Die 'Jlnlickannte. Von Georges Rodenbach. (f) Dronsart schritt durch den Garten des Palais Luxembourg. Unwillkürlich verlangsamte er seinen Gang, bezaubert durch die Pracht des Herbstes. Uralte Bäume schlössen den Gesichtskreis wie mit rostbraunen Vorhanden ab, und droben am Himmel schoben sich schimmernde Luftschlösser hin, gläferne Treppen, rosige Aschenberge. Der Abend schmückte sich mit Purpur und Grau, den stolzen Farben eines unterachenden Reiches. Die sehnsüchtige Stimmung des herbstlichen Parkes steckte den Spaziergänger an. Er blieb an einem Wasserbecken stehen, dessen Fontäne unaufhörlich stieg und sank, wie ein ungestilltes Verlangen... Sein überreiztes Gehirn knüpfte noch andere Analogien. Das Kupfer des welken Laubes, das unter seinen Schritten raschelte, erinnerte ihr. an die Hörner, die im rothbraunen Walde klangen. Und durch den Kontrast der Farben wurde er plötzlich auf eine schwarz gekleidete Frau aufmerksam ; sie bildete den geraden Gegensatz zu diefern Gold und der Buntscheckigkcit des alten Parks, die in seiner Seele weiter leuchtete. Sie war einfach und dunkel gekleidet wenn auch , nicht gerade in Trauer: Fast schien es, als hätte sie sorgfältig jede helle Farbe vermieden. Sie trug nicht ein freundliches Band, nicht ein Schmuckstück, ja nicht einmal Blumen aus dem Hute. Darin lag Absicht, es war nicht anders möglich: sie wollte, daß ihre Kleidung ihren Gedanken entsprach. Denn sie sah nachdenklich und ileich aus und blickte in die Ferne, nach

den Bäumen, kn den Sonnenuntergang und noch weiter, wer weiß, wohin, über das Leben hinaus ... Er fühlte sich sogleich angezogen und durch ihr müdes Wesen gefesselt. Hatte sie einen wirklichen Kummer, oder war es nur oie Wittwenstimmung der Stunde, die sie so schwermüthig machte? Es gibt leicht gereizte Nerven, gleichsam empfindliche Fäden, auf die sich .alle Thränen der Welt aufreihen ...Er warf der jungen Frau einen kühnen, zärtlichen Blick zu. Sie wandte sich ab. Er ließ sich jedoch nicht abschrecken. Er ging vor der Bank hin und her und setzte sich schließlich neben sie. In der Nähe erschien sie ihm noch rührender. Den Himmel, die flimmernden Wolken, alles fand er in diesen großen Augen wieder. Ihr Mund war fein geschweift und wie aus dem Fleisch einer Frucht geschnitten. Ihr feines Ohr formte sich muschelartig. Ihr brandrothes Haar faßte den Goldglänz des ganzen herbstlichen Gartens zusammen. Auf dcn Wangen trug sie ein paar Sommersprossen die ersten welken, flüchtigen Blätter ... Sie war fehr blaß, die Haut ungemein zart und weiß, als ob Licht von inwendig hervorfchiene, wie ein Nachtlicht aus einer Glasschale . . . Dronsart war tief erregt. Er blickte sie an und betrachtete ihre schmalen Hände mit den Gabelungen der Adern, ihre schlanke Figur mit dem ruhelos auf- und abwogenden Busen, der ganz wie der Wasserstrahl vor ihnen sich hob und senkte. Einen Augenblick begegnete ihr Blick dem seinen. Sie hielt ihn aus und er klammerte sich daran. Die ölugen der Unbekannten willigten ein. Denn die Augen haben ihre Sprache und reden wie die Lippen. Dronsart wußte, daß ihm im voraus verziehen war. Da wagte er, sie anzureden. Em scheuer Versuch, stammelnde, schleppende Worte zögernder Lippen, nachdem die Herzen, die das Schicksal verknüpft, sich schon. gefunden und erkannt haben. Dronsart sprach von dem schönen Abend, ihren großen Augen, und wie die Jugend oft so vereinsamt ist .. . Auch Sie sehen traurig aus," setzte er frägend hinzu. (S u Und wohin gehen Sie heute Abend?" Nirgends hin." Haben Sie keine Liebschaft?" O, reden Sie nicht von Liebe, nur davon nicht! Sprechen Sie dies Wort nicht mehr aus!" bat sie mit verstörter Miene. '..Dann kehren Sie wohl zu Ihren Eltern zurück?" Quälen Sie mich nicht mit Fragen, ich bitte Sie!" flehte sie noch trauriger. Ein Nebel umflorte ihre Augen. Ihr unruhig athmender Busen wogte noch schneller. Dann fuhr sie fort:

"Ich gehe nirgendwo hin. Ich kenne keinen Menschen mehr. Wenn Sie wollen, bleiben wir den Abend zusammen. Aber fragen Sie mich nicht mehr! Sprechen Sie, erzählen Sie Schönes und Trauriges, ganz langsam! Und fragen Sie mich nicht mehr nach mir selbst!" Nur Ihren Namen. Ich muß Sie doch bei Namen nennen. Ja. ich möchte Sie schon Du nennen. Sonderbar! Mir ist, als kennten wir uns schon lange Monate hindurch." Mein Name? Ich habe keinen mehr. Ich möchte einen neuen Namen haben, einen anderen Namen für uns beide und unter uns. Geben Sie mir felbst einen Namen, wie wenn ich geboren würde!" Sie hielt inne. Dann wiederholte sie wehmüthig: Wie wenn ich neu geboren würde." In diesem Augenblick liefen kleine Mädchen vorbei, die auf dem Wege Federball spielen. Die eine rief: Nel, Nel!" Halt, das ist ein hübscher Name!" sagte plötzlich die Unbekannte. Nel, das soll jedenfalls Nclly heißen . . . Vielleicht auch nicht ... Einerlei ... Nennen Sie mich Nel!" Zwei Jahre waren dahingegangen, seit Dronsart die Unbekannte an jenem Abend ohne Widerstreben in seine Wohnung geführt hatte. Sie hatte sich bei ihm gleich wohl gefühlt und ihr Plätzchen gesunden. Die Zeit war schnell verstrichen. Dronsart nannte sie immer noch Nel. Sie gedachten oft miteinander der Dämmerstunde, wo sie sich getroffen, der schönen gelben Bäume, des Wasserstrahles, der sich wie ihr Busen hob und senkte, und des hübschen Namens, den ihnen die Mädchen mit den Racketts zugeworfen hatten wie einen Fcderball Nel hatte ihre traurige Miene abgelegt. Sie lächelte und lachte, freilich stets etwas ernst. Sie schien glücklich. Manchmal fragte er sich, wie wohl dies Abenteuer enden würde, das wie die Laune eines Abends begonnen hatte und schon zum langen Verhältniß geworden war. Einerlei! Er fühlte jetzt nicht die Kraft, dies liebe Band zu zerreißen, noch überhaupt die Kraft, die in's Leben zurückzustoßen, die. sich aus ihm gerettet hatte wie aus dem Meere. Hatte sie wohl Schiffbruch erlitten an jenem ersten Abend im LuxembourgGarten? Aber welcherlei Schiffbruch? Seit den zwei Jahren ihres Zusammenlebens hatte cr nichts erfahrm und errathen. Nel. blieb stets undurchdringlich. Wagte er einmal, sich.nach ihrer Vergangenheit zu erkundigen, so flehte' sie : Nein,- laß!" Und sie wurde ungeduldig, wie wenn Jemand Wunden sehen wollte, an dem sie nicht

mehr litt. Dronsart wußte also nichts von ihr, nicht einmal ihren wahren Namen. Ick bin Deine Nel," sagte sie mit zärtlicher Schalkheit. Ich trage einen. Namen nur für unsere Liebe. Du mußt es zufrieden sein, daß ich für Dich nicht dasselbe bin wie für die Anderen. Uebrigens gibt es nichts als uns. Du bist mir die Welt." Und wenn sie ihn umarmte, schauderte sie zusammen, war zärtlich und leidenschaftlich. So hatte er sie vom ersten Abend an gekannt. Sie wußte, was Liebe ist, aber sie war weder zu erfahren noch zu unverblümt; und leicht schwanden ihr die Sinne in stumcr Verwirrung, die nichts davon verricth, wie sie die Liebe kennen gelernt hatte. Ein jungfräuliches Geheimniß umgab sie. Nie brach sie dieses strikte Schweigen, in dem sie sich selbst vergcssen zu haben schien, auch für Au-. genblicke. Im Gegensatz zu anderen Frauen, die die 'komplizirtesten Geschichten erfinden eine reiche Kindeit, namhafte, aber schlecht gcendeic Aussichten blieb sie verschlossen. ' Dronsart konnte sich nicht einmal auf Anzeichen, kleine Züge, verstreute Einzelheiten stützee, die, zusammengehalten, einen Sinn bekamen und ein Bild gaben. Er bekam nichts heraus, entdeckte keinen Einzelzug. Ein achtloses Wort öffnet bisweilen wie ein Schlüssel die Thüren zu erleuchteten Gängen und zu den großen Sälen der Gewißheit. ... Es gibt Worte, die plötzlich offenbar machen, welche Kindheit man hatte und welche Liebschaften. War sie in Paris aufgewachsen oder auf dem Lande? Wie hatte sie tt fahren, was Liebe ist? Gewiß hatte sie Beziehungen gehabt; aber mit wem? Welches waren die Liebhaber, die man sich hätte vorstellen können? Denn die meisten Männer haben die Ausdrücke und Gewohnheiten ihres Berufes an sich, und die Frauen lernen sie ihnen sofort ab. Nel hingegen zeigte keine Spur von irgend wem und irgend etwas. Ihm war, als käme sie unmittelbar vor ihm. als hätte er sie geschaffen in dem gelben Eden des alten Parkes an jenem Oktobcrtage. Nel! Sie war seine Nel!. ,S'ie hatte den Namen an jenem Abend angcnommen für ihn. Sie war todt für ihren wahren Namen, ihre Vergangenheit und alles andere. Ihr Glück war zu groß. Die zarte, blasse Nel erkrankte an einem Brustleiden, das rasch ernst ward. ' Das Licht hinter ihrer bleichen Haut begann zu erlöschen. Sie war matt und ihre Farbe bleichgrau wie schmelzender Schnee. Nel schwebte in Lebensgefahr. Da gerieth Dronsart in Angst wegen ' des unaufgeklärten Geheimnisses ihrer stets verborgenen Vergangenheit. Sie hatte ohne Zweifel nochEltern oder sonstigeVerwandte, denn sie war jung. Mußten sie nicht benachrichtigt werden? Wer weiß, ob sie in diesen letzten Stunden, wo man die Summe seines Lebens zieht, nicht selbst den Wunsch hegte, sie wiederzusehen? Nur wagte sie es nicht zu sagen und zu bitten. Dronsart entschloß sich, sie zu fragen. Soll Deine Mutter nicht zu Dir kommen und Dich pflegen ? Hast Du Jemanden, den Du sehen möchtest?" Ach, ich soll also sterben!" schrie sie herzzerreißend. Sie drehte sich nach der Wand um, ohne ein Wort zu sagen Dronsart hörte sie lange still unter ihrem Betttuch weinen. Erst am Abend brach sie das Schweigen. . Sag', daß ich wieder gesund werde, daß ich noch leben werde. Wir waren ja so glücklich!" Und vorwurfsvoll setzte sie hinzu : Du hast mich wieder, gefragt!" Nicht doch, Du hast mich mißverstanden!" Was geht's Dich an?" antwortete sie in fast feierlichem Tone. Selbst wenn ich sterbe : ist's nicht besser so? Unsere Liebe war namenlos. Sie hatte keinen Namen als den unseren. Ich war für Dich Nel, das heißt ich selbst. Und so ist's am besten für Dich. Entsinnst Du Dich? In den Museen, wohin Du mich führtest, standen wir oft vor Bildern mit der Aufschrift: Unbekannt." Und wir träumten lange. Meine Liebe wird ebenso sein, und holder, weil sie so ist...." Nel starb. Dronsart war untröstlich. Ohne das Geringste von ihr zu wissen, nicht einmal ihren Civilstand, rief er dem Standesbeamten nur den thränenersticktcn Namen Nel" entgegen. Der Beamte hatte ihn mißvergnügt nach Daten. Alter und Familie gefragt. Dronsart wußte nichts von ihr. Aber im Angedenken an ihre letzten Worte setzte er auf das Kirchhofskreuz die wehmüthige und doch so wabre Inschrift : Unbekannt" als wären die Kirchhöfe auch Museen, die Museen des Todes. O diese Frcmdlvörter! Waren sie auch auf dem Wohl:hätigkeitsball, Frau Protzen?" Ja, mer haben aber nich jctanzt, mer sein nur gegangen zur flösse und haben unsern Nomnlus erlegt!" Druckfehler. Die ganze Gesellschaft begab sich zum Oberförster, um dessen neuesten Jagderlcbnisse zu hören. Da aber der Oberförster krank war, so log" er int Bette..

Gaunerhumor.

7 v vjVs i-V 7 Ä 'T MW. Mäkxt OVi zZm mmmy Schutzmann (zum Einbrecher, der in eine Sparkasse einbricht): Was suchen Sie da?" Einbrecher: Ich habe gestern zehn Mark eingelegt und da ich sie momentan brauche, wollte ich sie holen!" Gemüthlich. Richter (zum Zeugen): Bei Ihnen auf dem Dorf ist wohl alle Sonntag Schlägerei? Zeuge: Das will ich meinen! Kommen Sie doch auch mal a bissel raus, Herr Richter. Eine theure Frau. Was mich meine Frau Geld kostet!" Was Sie nicht sagen?" Ah, die hat mich heut' so geärgert, daß ich wenigstens fünf Maß Bier trinken muß, um mich zu beruhigen!" Gipfel der Natürlichkeit. Da schauen S''den Papagei an, den ich Ihnen im vorigen Jahr zum Ausstopfen gegeben hab', alle Federn verliert er." Was wollen S' denn, liebe Frau, er mausert sich wir stopfen die Vögel so natürlich aus, daß sie sich jedes Frühjahr mausern." Z w e i f e l h a f t e K u n st. Ihr Bild gefällt mir; ich werde es kaufen! Sagen Sie, was stellt es eigentlich vor?" Einen Sonnenaufgang!" ' Gut aber Sie müssen mir Ihr Ehrenwort darauf geben!" Erklärt. Wie kommt es denn, Hanny, daß Deine Schrift auf Deinen Ansichtskarten aus den Alpen so miserabel ist?" Ja weißt Du. ich mußte alle Karten auf dem Rücken meines Führers schreiben, und der Mensch war so entsetzlich kitzlich." Flitterwochenzwist. Junger Ehemann: Du siehst mich nie wieder, das ist mein letztes Wort, und noch eins, brate die Gans recht knusprig!" Ein ander Ding. Fritz: Papa, was bedeutet das Wort resolut"? Vater: Wenn z. B. die Mama mir Vorwürfe macht, dann ist sie resolut. Fritz: Und wenn Du der Mama Vorwürfe machst, dann bist Du resolut, nicht wahr? Vater: Nein, dann bin ich unverschämt. Angebot und Nachfrage. Was kostet dieses Buch? ' Sechs Frank fünfzig. Gestern hat's doch nur zwei Frank gekostet. Ja, gestern hat auch niemand da nach gefragt.

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