Indiana Tribüne, Volume 28, Number 31, Indianapolis, Marion County, 28 September 1904 — Page 6
Jndiana Tribune, 28.
6
.WarUM Utcht ihr HeiManziehend machen, durch den Gebrauch eines
liSÄw feiKBroiii fr? Pfi Jt ! L. .fti2. iWw
Garland Ofen.. und. . Nange... Dieselben übertreffen alle andern in Schonheit. Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Sparsamkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselben wcrdenZ mit Vergnügen gezeigt, in WILLIQ'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. Wie Verfect as Range wird zum Kostenpreise verkauft, abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunstgas. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. T1IE INDIANAPOLIS GAS CO., 49 S. Pennsylvania Str. My little Mary cornes to me And softly climbs on Mother's knee I'll know her wish füll soon ; So irith an artsul little sigh She asks when supper will be nigh, This long, long afternoon.. Don't keep the little ones hungry. Good bread, butter and sugar will shorten and sweeten the longest afternoon. Puritan Bread is sold at the Taggart bakeries and by grocers. Ask for it. I "ffli Bai." GxoMirt 1863, nimmt jederzeit Engage, emüS entgegen. Irgendwelche OrchesterStasi! und irgend eine Anzahl von Musikern Efrb geliefert Neue Ausstattung und neue Uniformen. R. A. Miller, Director. Henry Sprengpfeil, Geschäftsführer, 301 Kmtucky Avenue. Telephon ----- Neu 4598. Ich gebei Gesang-, Piano- . . und .... Orgel-Untcrricht allen Phasen dieser Künste und garantire einen Schülern volle Zufriedenheit. Fidela 5l. efter. The Lester Studio, 0. 7 Oft North Straße. Neue Phont 898. Theodore F. Smith er, geschickter und zuverlässiger .Dachveöer... yech und Kiesdächer, Dächer von Asphalt und Gilsonit. Engros-öändler in allen Arten von zmaterialten. Telephon: Neu 861. 301 West Maryland Str. 6tttBI. 9it von Senate Sve. und Maryland v!r
J2 TAGCARTS mm LJ BREAD -
Europäische Nachrichten.
Sachsen. Dresden. Der Mitinhaber der bekannten Schokoladenfabrik Hartwig u. Vogel, Carl Vogel, stiftete aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubilaums 5000 Mark für die Unterstützungskasse der Beamten und 5000 Mark für diejenige der Arbeiter der Fabrik. B a u tz e n. Der aus Milkel gebürtige Werkmeister Seyfried wurde hier, als er von seiner Braut nach Hause ging,' hinterrücks überfallen und durch Messerstiche in Brust und Leib getödtet. Freiberg. Nach langem schweren Leiden ist der Berginspektor a. D. Generaldirektor Heinrich Vogel im Alter don 64 Jahren verschieden. Gautzsch. Beim Baden in der Pleiße ertranken zwei' Knaben, die 12 und 15 Jahre alten Sohne des Cigarrenhändlers Rudolph Küster. Die Knaben spielten in der Badeanstalt Markkleeberg im Wasser mit einem Ball, geriethen dabei in eine tiefe Stelle und gingen unter. Kallenberg bei Schirgisw a l d e. Hier brannte das Wirthschaftsgebäude und das Wohnhaus des Gutsbesitzers Kulitz vollständig nieder. K ö n i g st e i n. In der Elbe ertrank der dem hiesigen Stadtmusikchor als Mitglied angehörige Musiker Schubert, ein Sohn des Meißner Domkirchners Schubert. Leipzig. Infolge eines Herzschlags verstarb plötzlich Wilhelm Eyle, eines der ersten und ältesten Mitglieder der Leipziger Sängergesellschaften. Eyle gehörte zu den alten Leipziger Coupletsängern, deren nur noch wenige am Leben sind und die sich einen Ruf weit über die Grenzen ihres engeren Vaterlandes hinaus gesichert hatten. Meißen. Beim Baden in der Elbe ertrank der 23 Jahre alte Arbeiter Hauswald. Der Verunglückte war kurz nach dem Mittagessen, also wahrscheinlich mit vollem Magen, in die Elbe gegangen und hatte sich außer halb der durch Stangen bezeichneten Vadgrenzen aufgehalten. O b e r a f f a l t e r. In demWirthschaftsbesitzer Becher gehörigen Anwesen brach Feuer aus, das in kurzer Zeit Wohnhaus und Scheune einäscherte. Kessen-Aarmstadt. Allendorf a. d. Lumda. Hier brannte die Hofraite von W. Reinig, in der sich ein Kolonial- u. Eisenwaarengeschäft befindet, nebst einigenRachbarscheuern bis auf den Grund nieder. Ein Feuerwehrmann erlitt erhebliche Brandwunden, die sein Verbringen in die Gießener Klinik erforderlich machten. Bin gen. Die Eheleute Karl Gründler und Frau, geb. Nägeler, begingen das Fest der silbernen Hochzeit. Vüdenheim. Der auch in weiteren Kreisen bekannte lanjährige Kirchendiener Heinrich Schüler II. ist verschieden. Der Verstobene konnte kürzlich den Gedenktag seines 40jährigen Glöcknerdienstes in der hiesigen Pfarrkirche begehen, den er mit seltener Pflichttreue besorgt hat. Heubach. In der Scheuer des Gastwirths Knöll wurde der Landrvirth Johannes Brücher von hier todt aufgefunden. Die Leiche hatte eine blutige Wunde an der Stirn. Dieselbe ist nach Aussage glaubwürdiger Augenzeugen dadurch entstanden, daß der vorher schwer betrunkene Brücher die hohe Steintreppe des WirthsHauses hinabstürzte. Man brachte den oft betrunkenen Mann in die Scheuer, ohne auf die scheinbar ungefährliche Wunde zu achten. Mainz. Der Verein Concent" unternahm eine Schiffspartie Rheinabwärts, an der auch der Schlossermeister Gg. Wilh. Plattner mit Familie theilnahm. In der Nähe von Vacharach lehnte sich die 14jährige Tochter Plattner's zu weit über das Geländer, erhielt das Uebergewicht und stürzte in den Rhein. Von dem unglücklichen Mädchen wurde nichts mehr, gesehen, es verschwand in den Wellen. Wapern. München. Der sei! nahezu Jahresfrist krank darniederliegende Opernregisseur am Hoftheater. Robert Müller ist gestorben. Der jetzt nach schwerem Leiden Verstorbene hat eine vielseitige Bühnenthätigkeit hinter sich. Der Historiker Prof. Dr. Karl Theodor v. Heigel, Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften, feierte das 25jährige Jubiläum als Professor an der hiesigen Universität. Von einem jähen Tode wurde der Funktionär der Gemeindedirektion der Staatseisenbahnen Sieqmünd Kritscheneder ereilt. Er wurde im Bureau von heftigem Unwohlsein befallen und begab sich auf den Abort, von dem er nicht mehr zurückkevrte. Von einem Schlaganfall betroffen, starb er dort. Augsburg. Der sei! 26 ah ren in Diensien der Maschinenfabrik stehende Werkmeister Jakob Stoll bat fr in einem Anfalle von Melancholie auf dem Boden der Schreinerei erhängt. Berchtesgaden. Die hiesige Feuergeschützenaesellschaft, eine . der
ältesten 'Gesellschaften Bayerns, feierte das 200jährige Jubiläum als Besitzerin ihrer Schießstätte. die 1704 laut Urkunde durch Schenkung des damaligen Propstes Joseph Element an genannte Gesellschaft mit verschiedenen anderen Privilegien überging, durch ein großes Fest und Freiscbießen. Eichholz beiDietmannsr i e d. Das große Oekonomiegebäude des Besitzers Johann Roth brannte nieder. F ü r t h. Der zweijährige Knabe des Oekonomen Weghorn in derWürzburgerstraße wurde von einem Mühlfuhrwerk überfahren und getödtet. K r o n a ch. Die Adam Schmidt'sche Waschmaschinenfabrik in Saalselb ist fast vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt etwa 350,000 Mark. Ueber 100 Arbeiter sind brotlos. Osterhofen bei Königsd o r f. Der Bauer Johann Poschenrieder stürzte, als er die Pferde heimritt, in die etwa einen halben Meter tiefe Rottach und ertrank. Starnberg. Eine junge Dame, welche in einem gemietheten Kahn in den See hinausfuhr und seither verschwunden ist, ist mit der ledigen Buchhalterin Julie Kleiner von Jottweis, B.-A. Griesbach, zuletzt bei der Firma Grünwald in Stellung, identisch. Die Leiche der, wie man jetzt fest annimmt, durch Selbstmord im See Umgekommenen konnte nicht gefunden werden. Waldmünchen. Großfeuer äscherte 23 Scheunen und das BürgerHospital ein; ein Theil der Insassen des Hospitals wurde hinausgetragen, die übrigen befanden sich in der Kirche. Württemberg. Stuttgart. Umgeben von seiner Familie, seinen Geschäftscollegen und Freunden, beging im Blauen Saale von Dinkelacker der 29 Jahre im Neuen Tagblatt thätige Schriftsetzer Friedrich Ultes fein 50jähriges Berufsjubiläum. Im Hasenbergwald erschoß sich der 16 Jahre alte Kaufmannslehrling Karl Schön. B i b e r a ch. Der 18jährige Bauersohn Joh. Schmid von hier stürzte in schlaftrunkenem Zustande von seinem Holzwagen, der ihm über den Unterleib ging, und erlitt tödtliche Verletzungen. Dagersheim. Der in den Vierzigerjahren stehende Bauer Fr. Mornhinweg, der mit Garbenabladen beschäftigt war, stürzte von derScheuer auf die Tenne herab. Den erlittenen schweren Verletzungen ist derselbe erlegen. F e u e ? b a ch. Der 54 Jahre alte, in der Hofacker'schen Ziegelei als Aufscher angestellt gewesene G. Greiner wurde als Leiche aus dem Feuerbach gszogen. Greiner ist zweifellos beim Gießen seines Gartens in den an jener Stelle 112 Meter tiefen Bach gestürzt und ertrunken. Gaisb euren. Das Doppelhaus der Söldner Joseph Thoma und Johannes Muschel brannte bis (ms den Grund nieder. Drei Schweine, der größte Theil der Fährnis und circa 400 Mark Vaargeld sind mitverbrannt. Krailsheim. Einer der angesehensten Bürger, Karl Arnold, Besitzer des Gasthofs zum Lamm, wurde letztens beerdigt; der Verstorbene, der ein Alter von nur 47 Jahren erreichte, betrieb seit 19 Jahren den hiesigen Gasthof zum Lamm und erfreute sich in weiten Kreisen der größten Beliebtheit. Lenzendorf. Während eines heftigen Gewitters schlug der Blitz in den Kirchthurm und beschädigte ihn und das Kirchendach stark. In der Kirche wurden der Hochaltar demolirt und die Fenster zertrümmert. Neufra. In dem Wohn- und Oekonomiehaus des Mundharmonikamachers Robert Winzenried brach Feuer aus, das sich bei der herrschenden Hitze und Trockenheit so rasch ausdehnte, daß an eine Rettung des Gebäudes nicht mehr zu denken war. Der Brand ist durch zündelnde Kinder entstanden. R 0 t t w e i l. Schreiner Stephan Bihler von Göllsdorf wollte, nachdem er auf dem hiesigen Bahnhofe in den unrichtigen Zug eingestiegen war, wieder herausspringen, als sich der ug bereits in Bewegung befand. Der Unvorsichtige wurde vom Zuge erfaßt und getödtet. Tübingen. Den Verbrennungstod erlitt die Ehefrau des Hausmeisters Sieß von der akademischen Verbindung Stuttgardia. Die Frau wollte den Nachmittagskaffee für die Studenten zubereiten und goß in das schlecht brennende Feuer- Spiritus. Die Flammen schlugen empor, und sofort brannte die Frau lichterloh. W e l z h e i m. Im nahen Oberndorf erschoß ein 17jähriger Bursche, der ein Jagdgewehr probirte und mit Patronen lud. in Abwesenheit der Eltern das 7jährige Söhnchen des Jagdpächters Karl Hinderer. Waden. Karlsruhe. Am Albufer, in der Nähe der Militärschwimmschule, wurden die Kleider eines Knaben gefunden. Da man nirgends einen Bcbenotn bemerkte, suchte man die Alb ab. An einer Stelle, wo das Wasser V2 Meter tief ist, wurde ein ertrunkener" Knabe gelandet, welcher in die Leichenhalle nach Mühlburg verbracht wurde. Die Leiche wurde als diejeniae des acht Jahre alten Karl Werstein. Sohn des hiesigen Blechners und
Installateurs Werstein, festgestellt, der vermißt wurde und zweifellos beim Baden an der tiefen Stelle verunglück ist. Bihlingen am Kaiserstuhl. Der Blitz erschlug den 20jährigen Sohn der Wittwer Adler, beim Lamm", wo er unter der Hausthür der elterlichen Wohnung stand. Der Getroffene war sofort todt. D ü r r h e i m. Im Weiher ertranken vier Knaben aus württ. Schwenningen im Alter von 1217 Jahren beim Baden. Sie geriethen auf schlammigen Grund und konnten nicht mehr herauskommen. Die Namen der Ertrunkenen sind: R. Schienker, Flaig, Seibald und Joh. M. Maier. F r e i b u r g. Nach längerem Leiden ist im Alter von 62 Jahren Synesius Koch, Professor am Gymnasium, infolge eines Herzschlages gestorben. Gernsbach. In Loffenau wurde der 20 Jahre alte WMlm Bürkle von dem Taglöhner Ä!augler durch einen Messerstich in den Kopf so schwer verletzt, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Heidelberg. In einer an der Bahnstrecke Heidelberg - Kirchheim gelegenen Kiesgrube, in der die Rohrbacher und Kirchheimer Jugend im Sommer zu baden pflegt, ertranken der 21 Jahre alte Arbeiter Karl Lamade und dessen 19 Jahre alter Freund Josef Frick; beide aus Rohrbach. L a h r. In Heidelberg starb nach einer schweren Darmoperation Kreis schulraths Engler im Alter von 63 Jahren. 11 y2 Jahre hat er die Kreisschulvisitatur für die Amtsbezirke Lahr, Kehl, Ettenheim und Emmendingen geleitet, vorher war er als Professor am Gymnasium Freiöurg thatig. Mannheim. Aus dem Neckar wurde hier die Leiche des Musikers Hermann Heid aus Schwäbisch - Hall gelandet. Heid hat in einem hinterlassenen Notizbuche vermerkt, daß er sich wegen einer unheilbaren Krankeit das Leben nehmen wolle.
Der Dichterlculnant. Eine Militärgeschichte. Leutnant von Berndorf war für einige Kameraden der Stolz, für axdere der Schandfleck des Regiments; er dichtete nämlich. Manche fanden das sehr poetisch, andere aber meinten, Berndorf würde eines Tages mit der Poesie allein nicht zufrieden sein, sondern zur Prosa übergehen, sein Name fing ja auch mit einem verfluchten B an und der Buchstabe spielte in der Militär-Literatur ja keine gute Rolle. Beyerlein, Bilse, Baudissin, in den B's hatte man ein Haar gefunden. Schon im Cadettencorps hatte Berndorf zu dichten angefangen, und kaum war er Leutnant, als er den Plan verwirklichte, den er seit langem in seinem keuschen Busen hegte, er dichtete eine drei Abende füllende Trilogie in 50 Akten Der Untergang der letzten Hohenstaufen". Den bestehenden Bestimmungen gemäß legte er das in 'chlaflosen Nächten vollendete Werk 'einem Commandeur vor und bat, es veröffentlichen zu dürfen. Nach einem halben Jahr hatte der Oberst die ersten zwölf Akte durchgelesen, und da sie zwar von Patriotismus strotzten, aber trotzdem derartig miserabel waren, daß nach der gewissenhaften Ueberzeugung des Commandeurs kein Mensch jemals in die Versuchung kommen würde, sie zu drucken, so hatte er gegen eine Veröffentlichung nichts einzuwenden. Ein Jahr hindurch manderte das Manuscript von einem Verleger zum andern, dann entschloß Berndorf sich endlich, das Werk zuerst auf einer großen Bühne aufführen zu lassen; war der Sensationserfolg, an dem er nicht zweifelte, erst da, dann würden dieselben Verleaer, die ihn jetzt zurückwiesen, sich um ihn reißen. So sandte er dejjn sein Werk, fein säuberlich abgetippelt, in verschiedenen Exemplaren an die verschiedensten Bühnen, und dort schlief es seit Jahren den Schlaf des Gerechten. Zuerst ärgerte er sich,dab er gar keine Antwort erhielt, dann aber fand er das Gute der Sache heraus, denn er konnte mit gutem Gewissen jetzt sagen: Mein Stück liegt bei zwölf großen Bühnen; da ich es nicht zurückerhielt, ist es stillschweigend angenommen und die Aufführung ist nur noch eine Frage der Zeit." Das leuchtete allen ein, und so wuchs sein Ansehen ins ungeheuerliche. Der Weg zu den höchsten Ehrenstellen stand ihm offen, er konnte ein zweiter Major Laufs werden, und er war nur noch der Stolz des Regiments. Er war und blieb der Dichter. Da geschah es, daß der Tag herankam, an dem das neue Casino eingeweiht werden sollte. Große Festlichleiten standen bevor; die alten Herren wurden erwartet und man setzte es als selbstverständlich voraus, daß sie nicht mit leeren Händen kämen, sondern in jeder Hand wenigstens einen silbernen Becher oder Leuchter hielten. Auch die höheren Vorgesetzten hatten sich angemeldet, sogar Seine Excellenz der commandirende General hatte seinErscheinen zugesagt. Natürlich sollte ein großes Festmahl stattfinden, vorher aber die feierliche Uebergabe des Casinos mit dem obligaten Redeakt stattfinden und dieser sollte mit einem Prolog eröffnet werden. Diesen Prolog aber zu dichten war die Sache des Leutnants von Berndorff. ' Acht Tage lang hatte
er noch Zeit, um den Prolog zu verfassen. Wenn ich mich hinsetze und mich von der Muse aus die Stirn küssen lasse, kommt die Begeisterung über mich und in einer Stunde ist der Prolog dann fertig," erzählte er stolz im Casino. Und noch an demselben Abend setzte er sich zu Hause hin und wartete auf die Muse, aber sie kam nicht und küssen that sie erst recht nicht; aber trotzdem fühlte er sich plötzlich geküßt und als er aufsprang, stand seine kleine Freundin Nelly vor ihm, sie war leise in sein Zimmer geschlichen und hielt ihn mit ihren weichen Armen umfchlungen. Und an dem Abend wurde viel geküßt, aber gar nicht gedichtet, er hatte ja noch acht Tage Zeit. Am nächsten Abend fern Nelly wieder, sie hatte es sich schon so lange gewünscht, einen Dichter mal bei der Arbeit zu sehen und auch da wurde aus der Arbeit wieder nichts. Am dritten Abend mußte Nelly zu Hause bleiben, er wollte unbedingt arbeiten, aber als sie nicht kam, fehlte sie ihm, und als er hinschickte, um sie holen zu lassen, war sie ausgegangen. Und anstatt zu dichten, ließ er sich von der Eifersucht quälen. Und näher, näher rückte der Tag heran, alle Vorbereitungen waren fertig, nur der Prolog fehlte noch. Den Dichterleutnant ergriff dieVerzweiflung, wie konnte man aber auch von ihm verlangen, daß er auf Befehl dichten sollte. Er hatte nun aber einmal ja gesagt, ein Zurück gab es nicht mehr. In seiner Noth kam ihm ein rettender Gedanke, mit einem kühnen Griff ergriff er die gesammelten Werke seines Genossen Goethe, thürmte diese um sich herum auf und begann Prologe zu suchen. Vielleicht hatte der sich einmal in einer ähnlichen Situation befunden .und irgend etttas geschrieben, was er selbst, wenn auch etwas verändert, für seine Zwecke verwerthen könnte. Er suchte emsiglich und plötzlich leuchteten seine Augen hell auf, er sprang empor, setzte sich an den Schreibtisch und dichtete noch, als seine Nelly kam. Eine Weile sah sie ihm schweigend zu, dann meinte sie: Was machst du denn da? Du schreibst wohl ein Gedicht ab?" Er wurde etwas verlegen. Doch nicht ganz," meinte er ausweichend, ich lasse mich nur von den Versen des seligen Goethe begeistern, aber Kind, das verstehst du ja doch nicht, steck dir eine Cigarette an. Ich bin gleich fertig." Und er hatte recht, das Dichten ging rasend schnell, in einer halben Stunve war alles erledigt und am nächsten Mittag erzählte er im Castno ganz stolz von dem Dichterkuß, den dieMuse ihm am Abend vorher gegeben habe. Leider aber hatte er eine kleine Bißwunde auf der linken Backe, und so wollte man nicht recht glauben, daß die Muse wirklich eine Muse gewesen sei. Na, die Hauptsache war ja, daß sie geküßt hatte, und daß der Prolog fertig war. Das Fest konnte losgehen. Und zur befohlenen Stunde ging es auch los, mit allen Ceremonien, die bei solcher Gelegenheit üblich sind. Schließlich bestieg Berndorf dieRed-, nertribüne. Der Herr Leutnant wird einen selbstverfaßten Prolog vortragen," flüsterte der Herr Oberst Seiner Excellenz zu. Ach ja, richtig, das ist ja Ihr Dichterleutnant," meinte der hohe Herr, da bin ich aber begierig." Er gab dem Leutnant ein Zeichen anzufangen, und mit schönem Pathos deklamirte dieser: Wenn man aus einem Hause sich entfernt, . In dem man eine lange Zeit gelebt, An das Gefühl, Erinnerung An frohe Tage fest uns bindet. Dann reißt das Herz sich ungern los. Es fließen Die Thränen unaufhaltsam. Doch gedoppelt Ergreift uns dann die Freude, wenn wir je In einem Haus die Heimath wiederfinden." Wirklich sehr hübsch," meinte Excellenz mit lauter Stimme, das hat der Leutnant wirklich sehr gut gemacht." Die Anerkennung färbte die Wangen des jungen Offiziers röther, je weiter er sprach, desto mehr gerieth er in Begeisterung und jubelnder Beifall erscholl, als er endlich endete. Alle waren begeistert, am meisten Excellenz. Er rief den Dichterleutnant zu sich heran, der ihm mit glühenden Wangen gegenübertrat: Sie haben Ihre Sache sehr gut gemacht, junger Freund, sehr gut! In Ihren Versen liegt ein ungewisses Etwas, kurz ich möchte sagen, sie sind so gut, daß sie von einem Goethe sein könnten." 'Fast wäre der Dichterleutnant hintenüber getaumelt. Wußte Excellenz, daß er den Prolog gestohlen und nur ganz wenig geändert hatte? Zweifellos, wie kam er sonst auf die Bemerkung. Er sah sich auf frischer' That ertappt, hatte er aber gesündigt, so wollte er sein Unrecht auch offen eingestehen und so sagte er denn: Excellenz haben ganz recht, die'Aerse sind auch von einem Goethe." Einen Augenblick sah Excellenz den jungen Leutnant sprachlos an, dann klopfte er ihm wohlwollend auf die Schulter: Mein junger Freund, ich kann es Ihnen ja nachfühlen, daß der Beifall und die Anerkennung, die Sie fanden, Sie stolz und glücklich machen, aber trotzdem, einGoethe sind Sie noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, ich danke Ihnen, Herr Leutnant." Der Dichterleutnant schlich beschämt
von dannen, er hatte die Wahrheit gesagt und man hatte ihm nicht geglaubt, so blieb ihm denn nichts anderes übrig, als von den Kameraden die Anerkennung für die Goethe'schen Verse einzustecken. Das that er denn auch. Seine Excellenz aber unterhielt sich mit dem Herrn Oberst: Schade, wirklich sehr schade," meinte der hohe Herr, daß Ihr Leutnant so von sich eingenommen ist, sonst könnte vielleicht noch etwas aus seinem kleinen aber hübschen Talent werden. Aber wenn er heute schon glaubt, ein Goethe zu sein, für was wird er sich dann später halten? Sehr schade um ihn, es ist wirklich sehr schade!"
Bier und Patriotismus. Professor Heinrich Schne?gans hat die Memoiren seines Vaters August Schneegans, 18351898, als Beitrag zur Geschichte des Elsasses in der Uebergangszeit herausgegeben, die unter dem vielen ernsten Erlebten und Geschauten auch manche köstliche Anekdote enthalten. So erzählt Schneegans von dem überspannten Nationalgefühl der Franzosen Folgendes: Nach 1871 wurden die Franzosen tartarischer, als die Russen es jemals zewestn sind, und sie rühmen sich dessen höchst seltsamerweise noch heute. Ich bin Zeuge dieser merkwürdigen tobsüchtigen Anfälle gewesen. Ich dachte, daß der Anfall vorübergehend sein würde. Für mich ist es Gegenstand fortwährender Ueberraschung, daß dieser Anfall dauert und daß er mit der Zeit zu einer wirklichen Monomanie ausgeartet ist, die an berechneter UnHöflichkeit, Unverschämtheit und Grobheit nichts zu wünschen übrig läßt. Dieser Patriotismus denn man nannte dies Patriotismus wurde zu einer bequemen Flagge, unter der man alle möglichen Waaren führte. An einem der ersten Abende, die ich in Lyon verbrachte, ging ich in der Gegend des Perrache - Bahnhofes sp?zieren. Es lag da ein großer, mit Bäumen bepflanzter Platz. Auf der rechten Seite des Bahnhofes erblickte ich einen Biergarten. Oberhalb der Thür las man die Aufschrift: Bierbrauerei Ring. Ich ging hinein. Ich setzte mich an ein Tischchen unter den Bäumen und ließ mir einen Schoppen geben, den ich vorzüglich fand. Es war wirkliches bayerisches Bier, das erste, das ich seit langen Monaten getrunken hatte und das dem schweren Lyoner Bier weit vorzuziehen war, ja, nach meinem Geschmack, auch dem elsässischen Bier des Herrn Hosherr, dessen Bierbrauerei gegenüberlag, auf der anderen Seite des Bahnhofes. Da ich noch Niemanden in Lyon kannte, bekümmerte ich mich nicht um meine Nachbarn; ich constatirte nur, daß der Garten voller Leute war und das Gas über dieser Menge ehrbarer Bürge? ein Licht verbreitete, das mir außerordntlich dunkel zu sein schien. Gewiß hatte der Biergartenbesitzer schon seit langer Zeit die Gläser nicht putzen lassen. Wie groß war aber nicht mein Erstaunen, als mir am Tage darauf mein Mitredakteur, Herr Lacroix, mit etwas geheimnißvoller Miene sagte, man hätte mich am Abend vorher im Biergarten des Preußen" gesehen. Ich erfuhr erst dann, daß Ring ein Deutscher war, und daß dieser Deutsche, der übrigens Bayer war, der Preuße" genannt wurde. Ich antwortete ihm, daß ich jedenfalls wieder zu ihm gehen würde, da das Bier dort ausgezeichnet sei. Gehen Sie nur hin, wenn Sie wollen," antwortete er mir, aber nicht am Tage." Und weshalb nicht am Tage, wenn das Bier gut ist?" Nun, weil es eben der Preuße ist." Ich lachte meinem Unterredner m's Gesicht und versicherte ihm, daß diese Eigenschaft mich durchaus nicht störte, denn was ich in einer Bierbrauerei suchte, das sei nicht der Patriotismus, sondern gutes Bier. Ich kehrte in der That wieder zurück und -entdeckte die Ursache der Dunkelheit des Gases. Alle ie biederen Leute, die ihr Bier unter den preußischen" Lauben schlürften, hatten Angst, gesehen zu werden. Am Tage deklamirten sie gegen den Preußen" und schimpften weidlich auf die Elenden, die ihr Bier dem patriotischen Biere Lyons ode: dem noch patriotischeren Biere des Elsasses vorzogen; Abends aber kamen sie, das Taschentuch vor der Nase haltend, setzten sich in's Halbdunkel und schlürften mit patriotisch - reumüthigem Herzen dieses Verrätherbier. Ich entdeckte unter dieftn dunkelgehaltenen Lauben gar manche Gestalten furchtbarer Deutschenfresser; ich beging die Thorheit, sie zu erkennen und das noch größere Unrecht, es ihnen zu sagen. Wahrscheinlich werden sie mir nie mein freimüthiges Lachen und meine Scherze über die Eigenthümlichseit ihres Patriotismus verziehen haben. Wohlmeinend. Mutter (zum jungen, talentlosen Maler): Weißt Du, Otto, verkaufen thust Du doch kein Bild. . . da solltest Du doch wenigstens aus Sparsamkeit beide Seiten der Leinwand bemalen!"
Boshaft. Mit welchem Rechte nannten Sie diesen Frauenverein eimn Wohlthätigkeitsverein?" Meine, Frau ist Mitglied, und da bin ich an drei Abenden in der Woche: frei!
