Indiana Tribüne, Volume 28, Number 29, Indianapolis, Marion County, 26 September 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 2. September 100'i

rcttldwa. Kriminal'Roman. Von Neinhold Ortmann. lForlsetzung.) Sle hätte laut aufschreien mögen in ihrer übergroßen Pein, als Nora Martmis yelle, ruhige Stimme an ihr Ohr schlug Bitte, mein Fräulein, der Griff ist auf dcr anderen Seite. Und seien Sie ja vorsichtig die Treppe ijt sey! steil!" Sie wußte kaum, wie sie den Rück' weg über den schmalen Gang neben den Kulissen und draußen über den Korri dor bis zu dem Vorsaal gefunden, in dem Bernhard Rüthling voll großer Unruhe ihrer harrte. Um des Himmels willen, Editha. wo bleibst du denn?" rief er ihr ent gegen. Ueberall habe ich nach dir gefragt, und nirgend hatte man dich ge sehen. War dir etwas zugestoßen? Fühlst du dich nicht wohl?" Sie hatte auf alle seine Fragen nur ein Kopfschütteln und ein leises, dringendes: Wir müssen fort von hier. Komm, laß uns gehen!" Als sie einige Mnuten später in der Droschke saßen, versuchte er abermals eine Aufklärung über ihr sonderbares Verschwinden zu erhalten, denn er mochte wohl etwas von der Wahrheit argwöhnen. Aber es war ein verge,, liches Bemühen. Nachdem sie e. Weile ganz stumm geblieben war, bat sie ihn in einem so verzweifelten Tone, sie nicht zu quälen, daß er in seiner Beftürzung wirklich nicht mehr den Muth fand, noch eine weitere Frage an sie zu richten. - Aber der Zorn gegen den Erbärmlichen, der seinem armen Kinde das angethan, wuchs riesengroß in seinem Herzen. Wahrhaftig, es sollte eine Abrechnung werden, deren der gewissenlose Bursche noch in der letzten Stunde seines Lebens mit Schrecken gedachte! Editha wollte ihm gleich nach, der Heimkehr mit einem leisen Gutenacht-' grüß entschlüpfen. Aber er ergriff in einer Aufwallung von Zärtlichkeit, wie sie in dem Verkehr zwischen Vater und Tochter nicht allzu häufig war, ihre beiden Hände, um sie noch zu halten. Editha, mein Kind so laß mich doch wenigstens dein Gesicht sehen und sage mir, daß du nicht krank bist! Ich mache mir deinetwegen ja so große Sorge." Sie schob, nachdem er ihre Hand freigegeben, den Schleier empor und versuchte zu lächeln. Aber dies verzerrte Lächeln auf dem todtenblassen Gesicht schnitt ihm in die Seele. Nimm ein Schlafpulver, Editha," bat er. Du brauchst jetzt vor allem Ruhe, um über die Enttäuschung hinwegzukommen. Der Schuft ist ja nicht werth, daß du dir seinetwegen Herzweh machst. Aber ich weiß wohl, daß so ein empfindliches, junges Geschöpf Zeit braucht, bis es einsehen gelernt hat, wie wenig es verloren." Du kannst ganz ruhig sein, Vater," :rwiderte sie. Es ist nur noch der Ekel vor all der Erbärmlichkeit, der mich peinigt." Sie küßte ihn hastig auf die Stirn und eilte hinaus. Diesmal hielt Bernhard Rüthling sie nicht mehr, aber sobald er vernahm, daß die Thür ihres Schlafzimmers sich hinter ihr geschlossen hatte, klingelte er nach dem Mädchen. Legen Sie die Sicherheitskette vor die Korridorthür, Meta" befahl er. Und dann gehen Sie zu Bett. Wenn mein Neffe nach Haus kommt, mag' er klingeln. Ich habe noch ein paar Stunden zu arbeiten und werde ihm schon offnen." 4. Kapitel. Auf demselben schmalen Gange neben den Kulissen, über den eine Stunde zuvor Editha Rüthling mit verzweifelndem Herzen geschritten war, stand gegen Ende der Vorstellung Günter Wolfradt im Gespräch mit dem schön frisierten Herrn, der in der That kein anderer war als der Direktor des Kabaretts. Wenn die geschmeidigste LiebensWürdigkeit ohnedies einen Grundzug im Wesen dieses Herrn auszumachen schien, so war er Günter Wolfradt gegenüber vollends von jener fast unterwürfigen Artigkeit, wie sie gesch'aftskundige Bühnenleiter für einen erfolgreichen Autor zu haben pflegen. Fräulein Martini hat. mir von eincm entzückenden Liede erzählt, das Sie ihr gewidmet haben," sagte er, und ich bin überzeugt, daß Sie damit einen neuen glänzenden Erfolg erringen werden. Aber wäre es nun nicht endlich an der Zeit, verehrter Freund, aus dem Dunkel der Anonymität herauszutreten und dem Publikum Ihren Namen zu offenbaren? Lockt es Sie denn gar nicht, so gleichsam über Nacht zum berühmten Manne zu werden?" Mit allen Anzeichen einer unruhigen Zerstreutheit hatte Günter den Redeström des liebenswürdigen Herrn über sich ergehen lassen. Der beglückte und freudige Ausdruck, den sein Gesicht während Nora Martinis Vortrug gezeigt, war längst wieder aus seinen Zugen verschwunden, und eine cigenthümlich schmerzliche Spannung war an feine Stelle getreten. Fast unmnihig schüttelte er auf die letzte Frage des Direktors den Kopf. Berühmt? Durch diese armseligen kleinen Lieder, die mir höchstens zu

einer Eintrags-Popularität verhelfen könnten? Nein, wahrhaftig, so niedrig habe ich mir die Ziele meines Ehrgcizes doch nicht gesteckt. Wenn ich eines Tages mit einer Oper oder einer Sinfonie vor das Publikum treten könnte, würde ich mich vielleicht entschließen, meinen Namen preiszugeben. Vorläufig aber ziehe ich es vor, in meiner Dunkelheit zu bleiben." Nun, wie Sie wollen, lieber Freund! Gegen solche Gründe läßt sich ja am Ende nicht viel einwenden. Aber Sie solltön die Welt dann wenigstens nicht lange mehr auf das große Werk warten lassen, das Ihnen den gebührenden Platz neben unseren ersten Tondichtern verschafft." . Ein Rauschen von Frauengewändcrn hinter ihnen veranlaßte Günter, den Kopf zu wenden, und als er in' der Näherkommenden die gefeierte Diva des Kabaretts erkannte, ließ er den liebcnswürdigen Direktor ziemlich unhöflich stehen. Nora Martini, die in ihrer eleganten Straßentoilette mit dem kecken, breitrandigen Hute und der über ihre Schultern fast bis zur Erde herabfallenden Boa aus Straußfedern wirklich reizend aussah, streckte dem jungen Komponisten lächelnd die fein beHandschuhte Rechte entgegen. ' Wie lieb von Ihnen, Herr Wolfradt, daß Sie auf mich gewartet haben! Ich hatte trotz meines Briefes kaum gewagt, mir Hoffnung darauf zu machen. Was müssen Sie übrigens von mir 'gedacht haben, daß ich so an Sie geschrieben?" Günter hatte sich herabgeneigt, um ihre Hand zu küssen. Nun aber blickte er mit unverstellter Verwunderung auf. Sie haben mir geschrieben?" fragte er. Davon weiß ich nichts. Ich habe jedenfalls keinen Brief erhalten." Wie? Herr Heinitz hätte Ihnen mein Billctt nicht übergeben? Ah, das ist eine Vergeßlichkeit, die ich ihm sehr übel nehme." v Auch ich bin überrascht. Er hätte jedenfalls während des Tages Gelegenheit genug gehabt, seinen Auftrag auszuführen. Aber wollen Sie mir nicht sagen, Fräulein Nora, was in dem Brief stand?" Auf eine drollige, halb schüchterne und halb schalkhafte Art sah sie ihn von unten herauf an. Das ist nicht so ganz leicht, mein Herr denn man pflegt mit der Feder muthiger zu -sein als mit dem Munde. Auch weiß ich wirklich Zaum noch, was alles ich Ihnen da in meinem ersten Entzücken über Ihre schöne Komposition geschrieben. Ich werde mir indessen Mühe geben, in meinem Gedächtniß danach zu suchen, wenn Sie mir etwas Zeit lassen wollen. Werden wir zusammen speisen? An der Künstlertafel in Dimianis Weinstube natürlich. Ihr Freund Heinitz hat auch versprochen zu kommen." Sie sollten ihn nicht meinen Freund nennen; so vertraut sind unsere BeZiehungen doch nicht. Und Sie verzeihen mir, Fräulein Nora, wenn ich mich heute Abend ausschließe nicht wahr? Ich bin in einer Stimmung, die mich zu einem herzlich schlechten Gesellschafter an Ihrem lustigen Künstlertisch machen würde!" Die Sängerin setzte eine allerliebste Schmollmiene auf. Nein, das verzeihe ich Ihnen gar nicht. Denn ich hatte mich wirklich darauf gefreut, mit Ihnen zu plaudern. Haben Sie nur darum auf mich gewartet, um mir diese Absage persönlich zu überbririgen?" Nein, ncch aus einem anderen Grunde," sagte er gepreßt. Aber ich sürchte, Sie vollends zu erzürnen, wenn ich ihn nenne." Nora Martini hatte länast bemerkt, daß von verschiedenen Seiten her neugierige Blicke auf sie gerichtet waren. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung war der Gang neben den Kulissen jedenfalls nicht der rechte Ort, und mit der Schnelligkeit des Entschlusses, der ihrem lebhaften Wesen eigenthümlich war, machte die Sängerin eine Bewegung nach dem Hintergründe des Bllhnenraumes zu. Lassen Sie uns für einen Augenblick in das Probenzimmer eintreten, Herr Wolfradt! Natürlich muß ich erfahren, was Sie mir mitzutheilen wünschten. Aber man kann hier ja kein Wort sprechen, ohne daß sich so und so viele neugierige Ohren spitzen." Er folgte ihr bereitwillig und drücktc, als sie eingetreten waren, die Thür des kleinen, nur mit einem Klavier, einem Tisch und einigen Stühlen ausgestatteten Zimmers vorsichtig hinter sich ins Schloß. Nora ließ sich auf den Klaviersessel nieder, den Oberkörper in verführerisch unmuthiger Beugung gegen das Instrument gelehnt, und sah mit einem eigenthümlichen Glitzern in den schönen Augen zu ihm auf. Nun. Herr Wvlfradt, was ist es. womit Sie mich zu erzürnen fürchten?" Eine Bitte, die Ihnen nothwendig befremdlich und thöricht erscheinen muß. Ich möchte Sie nämlich recht herzlich ersuchen, das Lied, das ich Jhnen gestern übergab, nicht öffentlich zu singen." . O, das ist allerdings eine sehr scmerzlicbe Enttäuschung. Und warüm sind Sie über Nacht anderen' Sinnes geworden? Womit habe ich mir Ihre Unmade zugezogen?" .Sie wissen wohl, daß es nicht so gemeint ist, Fräulein Nora! Aber dieser unwürdige Zustand der Heimlichkcit und der Lüge wird mir immer unerträglicher. Es ist doch im Grunde

erne seyr nagnaze Noue, rne lcy va spiele;, denn ich bezahle den kurzen Freudenrausch des Erfolges mit täglich erneuter Qual. Da es mir nun einmal versagt bleibt, die Laufbahn des schaffenden Künstlers einzuschlagen, ist es für meine Herzensruhe doch wohl besser, auch mit diesen zwecklosen, heimlichen Versuchen ein Ende zu machen." Und warum muß diese Lausbahn Ihnen versagt bleiben, Herr Wolfradt? Fürchten Sie sich so sehr vor dem Kampf mit Ihrer Familie?" Jchjfühle mich jedenfalls nicht stark genug, vurcy eigene Kraft jene höchsten Ziele zu erreichen, die allein des Kampfes werth sind. Nur ein Genie mag vielleicht das Recht haben, alle Rücksichten der Pietät mit Füßen zu treten, alle Bande des Blutes und der Dankbarkeit zu zerreißen. Ein solches Genie aber bin ich sicherlich nicht." Wer gibt Ihnen die Gewißheit, daß Sie es nicht sind? Der Druck der VerHältnisse, unter denen Sie leben, hat Ibre Kraft gelähmt und Ihnen den Glauben' an sich selbst genommen. Machen Sie sich frei, und Sie werden beides bald genug zurückgewinnen. Erst der Erfolg läßt dem Genius die Schwingen wachsen, mit denen er zur Sonne emporfliegt." Wie eine süße Musik mußten dem jungen Komponisten ihre Worte ins Ohr klingen. Aber der Zweifel in seinem Herzen war doch stärker als die Hoffnung, die jene lockende Verheißung wachrufen wollte. Schwermüthig schüttelte er denKopf. Es mag sein, daß es mir nur an dem nöthigen Selbstvertrauen mangelt. Aber ich sehe kein Mittel, es zu gewinnen." Weil Sie sich freiwillig Fesseln angelegt haben, die Ihnen jede Bewegung unmöglich machen. Soll ich Ihnen sagen," was Ihnen fehlt?" Und da er sie erwartungsvoll ansah, fuhr sie mit gedämpfter Stimme und mit halbgeschlossenen Augen, unter deren gesenkten Lidern er doch ein seltsames Leuchten wahrzunehmen glaubte, fort: , Ihnen fehlt ein menschliches Wesen, das Ihnen hilft, Ihre Ketten zu brechen, und das Sie anfeuert, das Höchste zu wagen, ein Wesen, das sich Ihnen mit ganzer Seele zu eigen gibt, das nur durch Sie und nur in Ihnen lebt. Sie sind nicht der Mann, der durch eines jener in den herkömmlichen Anschauungen erzogenen, nüchlernen und zimperlichen Durchschnittsgeschöpfe beglückt werden könnte. Lodernde Gluthen müssen es sein, an denen Ihr Genius sich entflammt die Gluthen einer großen, schrankenlosen Leidenschaft, die nichts mehr von kleinlichen, irdischen Alltagssorgen und Alltagsrücksichten weiß." Günter Wolfradts Athem ging schneller. Er trat auf die Sängerin zu, und indem er seinen rechten Arm auf das Klavier stützte, neigte er sich über sie herab. Und dies Wesen, das sich mir ganz zu eigen gäbe das selbstlos genug wäre, nur für mich und meine Kunst zu leben, wo sollte ich es finden?" Jetzt hatten Noras Augen sich völlig geschlossen, aber ein berückendes, verheißungsvolles Lächeln umspielte ihre Lippen. Geben Sie sich doch ein wenig Mühe, es zu suchen! Vieleicht ist es nicht einmal allzuweit." In diesem Moment erschien sie ihm von berauschender Schönheit. Der schmeichelnde Klang ihrer hellen, werchen Stimme, das brennende Roth ihres leicht geöffneten Mundes, der süße Duft, der ihrem schimmernden

.Haar entströmte,' beraubte ihn. aller Herrschaft über sich selbst. Nora!" rief er. Sie Sie selbst wollten meine Muse, meine Gefährtin sein?" Da erhob sie die Arme und zog. ihre Hände in seinem Nacken zusammenschließend, seinen Kopf vollends zu sich herab. Er wußte nicht, ob sie es geWesen war, die ihn zuerst geküßt hatt:; aber die Sinne wollten ihm schier v:rgehen in der Gluth des heißen, verzehrenden Kusses, zu dem ihre Lippen sich auseinander gepreßt hatten. Minuten vergingen, ohne daß eines von ihnen sich geregt hätte, da legte jemand von draußen seine Hand auf die Thürklinke, und in demselben Moment hörte Günter die gezierte Stimme des Direktors: Nicht da hinein, lieber Kapellmeister, Sie könnten möglicherweise sehr ungelegen kommen." Als hätte man ihm hinterrücks einen Stich versetzt, fuhr der jungeKaufmann empor. Und dem wilden Rausch folgte so jäh die Ernüchterung, daß es ibn fast wie Entsetzen überkam beim Anblick des verführerischen Weibes. das er noch soeben in seinen Armen g:halten. Verzeihen Sie mir", stammelte er. Ich ich wußte nicht, was ich that." Nora schlug die Augen auf und lächelte ihm zu. t Was soll ich Ihnen verzeihen. Sie thörichter Mann? Bin ich denn nicht ebenso schuldig wie Sie?" Nein, nein", wehrte er ab. An mir war es, mich zu beherrschen. Ich hätte mich'nimmermehr so ,weit vergessen dürfen. Und . Sie haben ein Recht, mir zu zürnen." Da richtete sie sich empor, und ihr Gesicht nahm Plötzlich einen ganz v:ränderten, fast drohenden Ausdruck an. Zürnen durfte ich Ihnen nur dann, wenn Sie es etwa nicht ernsthaft meinten wenn Sie nur ein frivoles Spiel

mit mir getrieben. Aber das das ist doch unmöglich!" Er war bis in die Mitte des Zimmers zurückgetreten und legte für einen Moment die Hand über die Augen. Ich sage Ihnen ja, daß ich nicht wußte, was ich that. Ich habe Ihren Zorn und Ihre Verachtung verdient, denn ich beging eine Schlechtigkeit und nicht blos gegen Sie" ' Ah, Sie bereuen es also? Sie wünschen. daß ich es als ungeschehen ansehe?" Ich bitte Sie darum von ganzem herzen, Nora!" Weil Sie sich an eine andere gebunden haben und weil Sie zu feige sind, diese Bande zu zerreißen nicht wahr?" Nennen Sie es meinetwegen Feigheit aber ich darf und ich kann das Vertrauen eines Mädchens nicht tauscben, das auch Sie bewundern und lieben würden, wenn Sie Gelegenheit gehabt hätten, es kennen zu lernen." Da lachte die Brettldiva laut auf mit einem schrillen, häßlichen Lachen, das ihn erschreckte. Ich habe das Vergnügen bereits gehabt, Herr Wolfradt, aber ich muß gestehen, daß mir das unbedeutende, bescyränkte Geschöpf höchstens ein gewisses Mitleid abzugewinnen vermocht hat. Mit einer solchen Lebensgefährtin wären Sie allerdings ein rettungslos verlorener Mann." Er hörte kaum auf den Hohn in ihren Worten, so groß war seine Bestürzung über die Mittheilung, die sie enthielten. Sie haben Editha kennen gelernt! Wo, um des Himmels willen, und wann ist das geschehen?" Ihr Herr Oheim und sein gleichgesinntes Töchterchen spioniren Ihnen nach. Hatten Sie denn davon keine Ahnung? Sie waren heute Abend hier im Theater, und Fräulein Editha überwand ihren Abscheu gegen die Sündenwelt der Bretter sogar so weit, mich in meiner Garderobe aufzusuchen und mir wegen meiner freundschaftlichen Beziehungen zu ihnen die heftigsten Verwürfe zu machen. Sie werden mir's danach wohl glauben, daß ich die junge Dame bereits recht gründlich kennen gelernt habe." ' Günter bemühte sich nicht, die niederschmetternde Wirkung zu verberaen, die. ihre Erzählung auf ihn hervorgebracht hatte. Das ist das Schlimmste, was sich hätte ereignen' können", sagte er leise. Und was haben Sie meiner meiner Cousine gesagt?" Ich erinnere mich nicht mehr genau. Aber vielleicht hat Fräulein Editha ein besseres Gedächtniß, und ich empfehle Ihnen, sie danach zu fragen." Wenn ich nur begriffe, wie das geschehen konnte! Irgend jemand muß doch den Verräther gemacht haben." 'Zittern Sie so sehr vor dem Strafgericht, das daheim Ihrer wartet?" spottete sie. Leicht wird man es Ihnen ja allerdings nicht machen, Verzeihung zu erlangen. Aber wenn Sie kniefällig darum bitten und einen seierlichen Eid leisten, künftig weder eine Note mehr zu schreiben noch einen Blick auf eine Dame vom Theater zu werfen, nimmt man Sie doch vielleicht in Gnaden wieder auf." Sie hatte den Zorn gegen seine Verwandten in ihm aufstacheln wollen, aber sie hatte ein schlechtes Mittel gewählt, denn ihr giftiger Hohn steigerte nur den Unwillen, den er über seine eigene Handlungsweise empfand. Erlassen Sie es mir, Ihnen auf diese Spöttereien zu antworten, Fraulein Martini! Wir können damit nichts mehr bessern an dem, was einmal geschehen ist. Alles, was. ich thun kann, ist, Sie noch einmal um Vergebung zu bitten und Ihnen Lebewohl zu sagen. Es wird Ihnen, wie ich hoffe. . nicht schwer fallen, meinenNämen und meine Persönlichkeit aus ihrem Gedächtniß zu tilgen." . Er nahm seinen Hut und ging zur Thür. Die Sängerin aber sprang empor und stellte sich ihm inden Weg. Wollen Sie wirklich so von mir gehen?" rief sie in Plötzlich wieder verändertem, leidenschaftlichem Tone. Wollen Sie diesen Menschen, die nicht das geringste Verständniß für Sie und für Ihr Talent haben, den Triumph gönnen, Sie als demüthigen, gefügigen Sklaven zu ihren Füßen zu sehen?" Ich thue, was ich muß. Fräulein Martini! Wäre mein Talent noch so gewaltig, es entbindet mich doch nicht von der Verpflichtung, als ein Mann von Ehre zu handeln und einem gegedenen Versprechen treu zu bleiben." Ist das Ihr letztes Wort? Haben Sie mir in Wahrheit sonst nichts mehr zu sagen?" Nichts, das die Sachlage ändern könnte", erwiderte er gepreßt. Da kehrte sie ihm mit einer Geberde der Verachtung den Rücken. Das ist eine Erbärmlichkeit", warf sie ihm über die Schulter hinweg zu. Und ich hielt Sie für einen Mann! Gehen Sie also zu Ihrer Herzensdame, um ihr beim Strümpfestricken Gesellschaft zu leisten. Jetzt gönne ich Sie ihr ohne Neid." Sie hatte wohl trotz alledem erwartet, daß er bleiben, daß er einen weiteren Versuch machen würde, sie zu versöhnen. Denn als er sich nun schweigend entfernte, als sie vernahm, wie die Thür hinter ihm ins Schloß fiel, warf sie sich mit einem halberstickten Aufschrei in einen Stuhl und preßte minutenlang das Gesicht in die Häude. Als sie sich endlich wieder aufrichtete,

hatten ihre Züge einen starren, sinzteren Ausdruck angenommen, und niemand, der sie in diesem Augenblick ansah, würde begriffen haben, daß sie so vielen für eine Schönheit gelten konnte. Vor dem kleinen Wandspiegel ordnete sie ihre etwas zerzausten Stirnlöckchen und verließ dann raschen Schrittes das Zimmer und das Theater. Dem Kutscher der ersten Droschke, die ihr in den Weg kam, ertheilte sie den Auftrag, sie zu der im Mittelpunkt der Stadt gelegenen Dimianischen Weinstube, einem beliebten Versammlungsort der Artistenwelt, zu fahren. Aber als sie sich zehn Minuten spater am Ziele ihres Weges anschickte, däs Gefährt zu verlassen, trat aus der Nische der Eingangsthür, wo er seit mehr denn einer halben Stunde gestanden, ein schlank gewachsener, junge? Mann auf die Droschke zu, um sie mit höflichem Lüsten seines Hutes zu begrüßen. Sie sind es, Heinitz?" fragte die Sängerin. Haoen Sie etwa hier draußen auf mich gewartet?" Ja. Und Sie dürfen mir darum nicht böse sein. Ich kam aus einem besonderen Grunde heute nicht dort hinein, sowenig als ich in die Gefilde der Seligen" kommen durfte. Aber es litt mich nicht in der Einsamkeit meiner Wohnung. Ich hätte keine Ruhe gefunden, wenn es mir nicht vergönnt gewesen wäre, Sie wenigstens auf einen Augenblick zu sehen." Der Ton seiner Worte verrieth, daß es mehr als eine bloße Artigkeit war, was er ihr da sagte. Aber sie klangen zugleich so zaghaft, als fürchte er, eine unfreundliche Zurechtweisung zu ersahren. Doch die Antwort der Sängerin fiel anders aus, als er es erwartet haben mochte. Steigen Sie zu mir in den Wagen", sagte sie, und lassen Sie uns auf irgend einem Umwege nach Hause fahren. Auch ich bin heute nicht aufgelegt für das fade Geschwätz da drinnen. Und ich möchte mit Ihnen reden." Der Buchhalter zögerte keinen Augenblick, ihrer Aufforderung Folge zu leisten. Sobald er dem Kutscher die erforderliche Anweisung gegeben und an ihrer Seite Platz genommen hatte, wandte sich die Sängerin gegen ihn mit der hastigen und in sehr energischem Tone vorgebrachten Frage: Weshalb haben Sie mich veranlaßt, an Günter Wolfradt zu schreiben, wenn es doch Ihre Absicht war, meinen Brief zu unterschlagen?" Verzeihen Sie.mir!" bat er betrofsen. Sie haben das Schicksal dieses unglückseligen Briefes also bereits erfahren?" Ah, es steckt also noch etwas andercs dahinter als eine einfache Vergcßlichkcit oder eine thörichte Eifersucht:lei? Sagen Sie mir, was mit dem Briefe geschehen ist. Und belügen Sie mich nicht, wenn Ihnen an einem Fortbestand unserer Freundschaft gelegen ist." Heinitz zögerte, aber es war, als ob der durchdringende Blick der Sängerin ihn zwinge, die Wahrheit zu bekennen. Er ist durch einen abscheulichen Zufall in die Hände des Herrn Rüthling gerathen." Nora Martini lachte kurz auf. Nun erklärt sich mir freilich alles. Wissen Sie auch, lieber Freund, daß es eine Nichtswürdigkeit war, die Sie damit begingen?" Heinitz senkte den Kopf und schwieg. Sie haben nicht einmal eine Entschuldig'mg in Bereitschaft? Das ist ungeschickt. Sie mußten doch darauf gefaßt sein, daß ich es erfahren würde." Ich konnte nicht anders," sagte er kleinlaut. Glauben Sie mir's auf mein Ehrenwort, Nora, daß ich nicht anders konnte. Ich stand unter einem Zwange, gegen den kein Widerstreben möglich war." Sie hofften, Günter durch Ihren Verrath ein für allemal von mir zu entfernen nicht wahr?" Nehmen Sie an, daß dies mein Bewcggrund gewesen wäre. Es war noch etwas anderes dabei im Spiel. Aber darüber darf ich nicht sprechen." (Fortsetzung folgt.)

Vorsciilng x Güte. Fremder: Ich wollte mir einen Zahn ziehen lassen!" D o r f b a r -b i e r (verlegen): Jo, dat könnt' ick sch?n machen, aber wollen Se sich nicht lieber die Haare schneiden lassen?" Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".

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