Indiana Tribüne, Volume 28, Number 26, Indianapolis, Marion County, 22 September 1904 — Page 6
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Nein und In. Rein, nicht meil es warm und angenehm ist, ist man von Schmerzen der Muskeln, Glied er und Kno ch en ! befreit. Sie kommen in Tausenden von Formen. Ader ja, sie können sicher und schnell in jeder Form gekeilt werke?, durch fcen Gebrauch vv " tti Jakob: dem besten Heilmittel. Preis 25c und 50c. MMWMM Warum nicht ihr Heim... anziehend machen, durch den Ge'Krauch eines Garland Ofen... und. Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön ?eit. Dauerhaftigleit, Heizkraft und Spar amkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werden' mit Vergnügen gezeigt, in WILLIG'S ...Möbcl-Handlung... 141 West Washington Straße. "The best is nene too good When it comes to humn food", Is a saying old and true ; So we offer PURITAN, Which of all breads leads the van, And to buy it now is up to YOU ! Joseph Taggart's Puritan is sold at the Taggart Bakeries ' and by Grocers. Ask for it. CiaSlttx 1883, nimm! jederzeit Engage, mentZ entgegen. Irgendwelche Orchester Vusik und irgend eine Anzahl von MusUerr. wird geliefert. Neue Ausstattung und neue Uniformen. R. A. Miller, Director. Henry Sprengpfeil, Geschäftsführer. 301 Sentuck? Avnme. Tetevdon Neu 4528. LAKE ERIE & WESTERN R. R. .. ..Fahrzeit der Züge Abfahrt nkuufl Toledo, kdicaz? und Vichigan 5jcrt...t 7.15 tlO.Si roledo, Tetroit und Edicszolm 12.20 f 3.25 Vlchizau tt). SJtantU uA'afeijetieCLt 7.20 flO.sl töUcd t auSaenonuen SanützgZ.
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Europäische Nachrichten Sachse. Dresden. Auf dem Grundstücke Mohnstraße 35 in Vorstadt Pieschen hat sich ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Veim Abputzen des Neubaues, wozu sogenannte Fenstergerüste verwendet wurden, ist ein solches aus dem zweiten 'Stock zusammengebrochen, sodaß die beiden auf dem Gerüste stehenden Maurer Bergner und Rolle mit in die Tiefe stürzten. Rolle war gleich todt und wurde später einstweilen nach der Friedhofshalle geschafft, während Bergner mit mehreren Verletzungen davonkam, die nicht lebensgefährlich sind. B e r g l a s i. V. Infolge Blut-
Vergiftung durch den Stich einer giftigen Fliege verschied der 29jährige Dienstknecht Dinkel. Der kräftige Mann war auf der Wiese beschäftigt, als ihm das Insekt den Stich in's Genick versetzte. Hals und Kopf schwollen kurz darauf erheblich an, so daß Dinkel erstickte, bevor ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte. Cranzahl. Der im 43. Jahre stehende Bahnwärter O. Grummt stürzte von der 22 Meter hohen Eisenbahnbrücke herab und blieb mit zerschmettertem Kopfe todt liegen. Döbeln. Das goldene Bürgerjubiläum feierte der frühere Weber und jetzige Rentler Jentzsch. Leipzig. Im Johannisthal schoß der DruckereiarbeUer Ferdinand Ackermann, 21 Jahre alt, auf seine Geliebte, die Arbeiterin Hedwig Köhler, ebenfalls 21 Jahre alt, und verletzte das Mädchen durch einen Schuß schwer in der linken Schläfengegend. Ackermann richtete hierauf die Waffe gegen sich selbst und todtete sich aus der Stelle. Der Grund zu dem Mordversuch liegt in verschmähter Liebe. P lauen. Im Stadtkrankenhaus hier wurde dem verunglückten Posthalter und Spediteur Louis Schädlich aus Bad Elster der linke Unterschenkel amputirt. Bald darauf ist Schädlich verstorben. Weber Rostin wurde von einem nach Eger abfahrenden Personenzug überfahren und getödtet. Es wird vermuthet, daß Selbstmord vorliegt. Straßkirchen. Der verheirathete Vierfahrer Weber hatte in der Brauerei beim Kühlschiffe zu thun. Plötzlich brach ein Balken, auf dem das Kühlschiff ruhte, Webe? stürzte in die Tiefe und das siedende Bier ergoß sich auf ihn. Er erlitt so schwere Verbrühungen, daß er verschied. W i l l t h e n. Der 2jährige Sohn des. Maurers Gustav Schöne fiel in den im Hofe des Wirthschaftsbesitzers Dutschmann befindlichen Wasserbehälter und ertrank darin: KessenVanslaöt. Alzey. Der 24jährige Jakob Schweitzer von Framersheim hat seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Die hiesige Soldatenkameradschaft feierte das Fest ihres 25jährigen Bestehens. 40 auswärtige Soldatenvereine aus Rheinhessen und der Pfalz waren hierzu erschienen. Als Festplatz war der große von Lindenbäumen beschattete Obermarkt hergerichtet. Babenhausen. Das Anwesen des etwa 45 Jahre alten unverheiratheten Schuhmachers und Landwirths Franz Ott in der Nachbargemeinde Stockstadt wurde am hellen Tage ein Raub der Flammen. Nach Lage der Umstände erscheint Ott der vorsätzlichen Brandstiftung dringend verdächtia. Büttelhorn. Bahnarbeiter Theodor Kraußen von hier, 1867 zu Mosbach im Kr. Dieburg geborm, kam im Bahnhofe zu Bischofs'heim auf schreckliche Weise zu Tode. Kraußer kam beim Rangiren zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde entsetzlich verstümmelt. Gau - Algesheim. LandWirth Peter Krichten und seine Ehefrau Apollonia, geb. Jmmerschitt, begingen das Fest der goldenen Hochzeit. Gießen. Kaufmann Emil Bendir, Inhaber der Firma Kohlermann Nachfolger, ist wegen Wechselfälschung flüchtig. Man nimmt an, daß er sich das Leben genommen habe. Der Concurs ergab eine erhebliche Ueberschuldung. S ch a r b a ch. Der Brand, welcher kürzlich das Anwesen deö Schmiedes Dörsam in Asche legte, wurde, wie Wachtmeister Dietz aus Wildmichelbach feststellte, von dem 7jährigen Söhnchen deö Dörsam und dem 9jahrigen Gölz absichtlich veranlaßt. Die unvernünftigen Kinder wollten ein Feuer machen. W e i n h e i m bei Alzey. Hier erhängte sich der 78jährige Landwirth Born an drei dünnen Bindfäden, die er vorher zusammengedreht hatte. Das Motiv des Selbstmordes des alten Mannes ist in mißlichen FamilienVerhältnissen zu suchen. Wayern. München. Im Gebirg verunglückte der 37 Jahre alte Schreiner Joseph Klein von hier. Er ist verheirathet, wohnt schon ungefähr 8 Jähre hier und ist etwas nervös veranlagt. Es besteht die Vermuthung, daß er nach Deisenhofen, wohin er mit seiner Frau öfters Ausflüge machte, gegangen ist, um Beeren und Schwammerln zu suchen, daß er dann den Weg verloren hat und planlos weitergelaufen
ist, bis zum Hohenkogel bei Feilnbach, wo er verunglückte. Eine Postkarte von ihm, an seine Frau adresstrt, traf hier ein mit einem Vermerk der Krantenhausverwaltung in Bad Aibling, wonach Klein nicht lebensgefährlich verletzt ist. Vom Großhesseloher Borortzug am Halteplatz Forstenriederstratze sprang ein Mann Namens Albert Wurm, Plinganserstraße wohnend, ab und gerieth unter die Räder des Zuges. Es wurde ihm ein Fuß abgefahren. Nach Anlegung eines Nothverbandes brachte man ihn in die Chirurgische Klinik. Vreitengüßbach. Die Wechselwärtersfrau Hoffmann fiel während eines epileptischen Anfalles über das Kochherdseuer und ist total verbrannt. N ü r n sb e r g. Oberlehrer Georg Ernst feierte in aller Stille das 50jährige Jubiläum seines verdienstvollen Wirkens an der katholischen Volksschule. Neufahrn. In geistiger Störung erschoß sich der Vorstand der hiesigenBahnstation, Oberexpeditor Bolz. Neu bürg. In feiner Wohnung WärterhauZ No. 7 bei Maxweiler wurde der verheirathete Bahnwärter Joh. Nep. Kuhnstetter erhänat aufgefunden. Er hat die That jedenfalls in einem Anfall von Geistesstörung begangen. . P a s s a u. Hilfspostbote Unrecht von Beiderwies ertrank im Jnn. Unrecht benutzte die obere Jnn-Seilfähre zur Uebersahrt und wollte den dem Ueberführer Kurz entfallenen Haken aus dem Wasser herausholen, wobei er von der Schlußkette erfaßt und in die Fluth hinausgeschleudert wurde. Unrecht verschwand sofort in den Wellen, kam aber wieder an die Oberfläche und schrie jämmerlich um Hilfe. Obwohl alsbald ein Rettungskahn , nackfuhr, konnte der mit den Wellen Kämpfende nicht mehr gerettet werden. Die Leiche ist nicht geborgen. Pfaffenhofen a. Jlm. Stationsdiener Baumgärtner stieß bei Begleitung einer Rangirabtheilung, als er sich seitswärts beugte, an einen Signalmast an und stürzte zu Äoden. Von einem nachrcllendenWagen wurde ihm der linke Fuß abgefahren. Württemberg. Stuttgart. Im Schwarzwald - Badeort Liebenzell ist Baurath Theophil Frey, Erbauer zahlreicher Kirchen des Landes, u. a. der hiesigen prächtigen Pauluskirche, im Alter von 59 Jahren gestorben. In FriedrichsHafen feierte der frühere württembergische Ministerpräsident Dr. Frhr. v. Mittnacht das Fest der goldenen Hochzeit und gleichzeitig sein Schwiegersohn, der frühere Commandant von Stuttgart, Generalleutnant z. D. v. Neidhardt, die silberne Hochzeit. Professor Dr. Gustav Sixt, Vorstand der Königs. Münz- und Medaillensammlung und Professor am hiesigen oberen Karlsgymnasium, ist in Freudenstad: gestorben. O h m e n h a u s e n. Bei der Schultheißtnwahl wurde hier Verwaltungsaktuar Klett von Reutlingen gewählt. Oßweil. Die Scheuer des Bauern Domradel ist niedergebrannt. Der Brandstifter, ein Knecht des Besitzers, wurde verhaftet. .R e i ch e n b a ch. Der 29jährige Wilhelm Fischer ertrank beim Baden unterhalb des oberen Fabrikwehrs. Rommelsbach. Der 5jährige Sohn des Küfermeisters Wandel stürzte auf der Heimfahrt von dem beladenen Wagen und starb an den erlittenen Verletzungen. U e b e r k i n g e n. Beim Einsteigen in den fahrenden Zug wurde auf der Station Mühlhausen der hiesige 57 Jahre alte Baumwart Jakob Wegst überfahren und verstarb kurz darauf. , . Vaihingen a. E. In einem letztens aus der Enz gezogenen Leichnam wurde der 54jährige Eisenbahnarbeite? Ackermann aus Jllingen erkannt. Allem Anschein nach liegt ein Unglücksfall vor. W e i g h e i m (Tuttlingen). Der Blitz schlug indas dem Bauern V. Schmidt gehörige Oekonomiegebäude, das vollständig niederbrannte. Das Feuer zerstörte auch noch das angebaute Wohnhaus. Wade. Karlsruhe. Auf eine 25jährige Thätigkeit kann der hiesige evang. Kirchenmusikverein, der s. Zt. von dem verstorbenen Jnstitutsvorsteher Mosetter gegründet und seit 1883 unter der musikalischen Leitung des Stadtorganisten Bräuninger steht, zurückblicken. Auf der Seehalde am Feldsee wurde eine stark verweste, männliche. Leiche gefunden, in welcher der schon seit 2 Jahren vermißte Maler C. H. Hoff von hier recognoszirt wurde. Offenbar ist Hoff an jener sehr steilen Seite des Feldbergs abgestürzt. Hoff hinterläßt eine kranke Frau und minderjährige Kinder. A l t h e i m. Der 14jährige August Schroff fuhr kürzlich mit einem schwer beladenen Fruchtwagen aus dem Felde nach Hause. Die Pserde scheuten, wahrscheinlich in folge der Jnsektenstiche, und gingen d:m Knaben durch; er fiel vom Wagen, kam unter die Räder und war sofort todt. Baden - Baden. General de? Infanterie Richard Freiherr v. Hilgers, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, das er sich als GeneralstabsOffizier der 14. Division erwarb, ist hier gestorben.
Eber bach. Hier schoß sich der verheirathete 47jährige Handelsmann A. Götz, , Vater von 4 Kindern, in seiner Scheune beim Füttern mittelst eines scharf geladenen Revolvers in die Schläfe, so daß der Tod eintrat. Freiburg i. V. Professor Dr. M. Walz feierte hier in aller Stille stin 50jähriges Doktor - Jubiläum. Unter den Gratulanten befand sich auch die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg. Heidelberg. Im Alter von 73 Jahren starb der außerordentliche Professor der Mathematik Eisenlohr. Er war seit 1872 Extraordinarius der hiesigen. Universität und daneben lange Zeit Mitglied des Stadtrathes und Kreisausschusses. I st e i n (Lörrach). Der 50jährige Bahnwärter K. Weber ging nach Schluß seiner Arbeitszeit an den Rhein, um zu baden; er tauchte an einer ziemlich tiefen Stelle unter und ertrank. Liptingen. Bei einem Brande erlitt das izjährige Töchterchen des Landwirths Renner so schwereBrandwunden, daß es starb. Mannheim. Einen grauenvollen Selbstmordversuch unternahm der in der Unterstadt wohnende Schuhmacher Heinrich Königstetter. Mit einer Schusterkneipe schlitzte er sich an drei Stellen den Leib auf, so daß die Eingeweide hervortraten. Alsdann brachte er sich noch eine tiefe Schnittwunde am Hals bei. In hoffnungslosem Zustände wurde der 62 Jabre alte Mann, den ein unheilbares Leiden zu dem Schritt getrieben hatte, dem Allgemeinen Krankenhaus übergeben, wo er starb. O b e r h a u s e n. Der 18 Jahre alte Fabrikarbeiter Franz Maier ertrank beim Baden im Altrhein auf hiesiger Gemarkung. R i ch e n. In dem Wohnhause des Landwirths Wilhelm Muckle brach Feuer aus, welches dieses und die Scheuer des Landwirths Martin Ziegler vernichtete. B i l l i n g e n. Hier erkrankte eine Familie infolge Genusses verdorbener Leberwurst. Das Familienhaupt, der 56jährige Kaufmann K. Neidinger, ist infolge der Wurstvergiftung nach qualvollem Leiden verschieden.
EinFarmerausderNähe von Fort Niley, Kansas, hat dem Kriegsdepartement eine Rechnung von $2.50 für Zeitverlust eingeschickt. Um genaue Angaben ersucht, erklärte er, daß die Soldaten beim Manöver an seinem Felde, wo er gerade Pflügte, vorbeimarschirt seien, worauf er nicht umhin konnte, ihnen nachzulaufen. Dabei habe er für den Betrag seiner Rechnung Zeit eingebüßt. Als Antwort , hat man ihm die Frage gestellt, wer ihm die Zeit vergütet, wenn e? bei einem Circusumzug den Elephanten nachläuft. Ein anderer Farmer verlangt tausend Dollars, weil ein Regiment ein Feld werthvoller Blumen" zertrampelt habe. Es war eine Wiese mit ganz gewöhnlichen Sternblumen. Er könne Bouquets daraus machen, erklärte er, und diese um zehn Cents das Stück verkaufen. Daher der große Verlust. Auch er hat sein Geld noch nicht. Das spanische Nationalschauspiel hat wieder einige Opfer gefordert. Auf der Arena zu Madrid wurde der Banderiquero Perlita vom sechsten Stier aufgespießt und gräßlich zerfleischt. Der 28jährige Stierfechter erlag einige Stunden nach Beend!gung des Schauspiels seinen Wunden. In Alfinden, einer Ortschaft der Provinz Zaragoza, drangen vier Bauernburschen, die etwas uUx den Durst getrunken hattm, in den Hof ein, wo sich vier Kampfstiere befanden, die von dort zur Arena geführt werden sollten. Die Thiere stürzten sich wüthend auf die Waghälse und nahmen sie auf die Hörner. Zweien der Burschen gelang es, über eine Mauer hinweg sich in Sicherheit zu setzen, nachdem sie nicht unbedeutend verletzt worden waren, die zwei übrigen wurden von den Stieren zermalmt und getödtet. Zeitgemäß. Das neue Heilmittel wäre entdeckt!. . . Jetzt muß ich nur noch die Krankheit finden, gegen die's hilft!" Weimar. Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der an der Berkaer Bahn verunglückte Buchhalter Geist von hier. Dem. Vedauernswerthen waren vor seinem qualvollen Tode noch beide Beine abgenommen wordön.
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Der Storni. Novellctte von I. . Rosny. Der Sturm ist die Jugend drr Welt rief Charpe. . . Wenn ich die wilde Luft, die feuchte Elektrizität ein athme, wenn sich die großen Wolken wie riestge Büffelheerden aufeinander stürzen, dann habe ich das Gefühl, es beginne alles auf's neue; neue Kräfte bringen eine zweite Schöpfung zustande. Schon als Kind schrie ich unter Donnergekrach und Regengüssen vor Freude auf. Er blies die Nasenlöcher auf und holte tief Athem. Zwei drohende Wolken stiegen am Abendhimmel aus und verbreiteten tiefe Nacht über der Landschaft. Charpe fuhr fort: Seltsam! Die glücklichen Ereignisse meines Lebens haben im Sturm begonnen, besonders das eine, dem ich mein prachtvolles Schicksal verdanke! O, welch' ein Sturm herrschte an jenem Tage! Nie hatte ein Urwald, nie eine wilde Savanne einen wilderen kennen gelert!. .. Es war am Ufer des L6man Sees, nach einem glühend heißen Morgen. Das Herz von trauriger Zärtlichkeit bewegt, saß ich träumend an meinem Fenster; ich lieble meine Frau, liebte sie hoffnungslos! Vor zwei Jahren hatte ich sie aus den Händen meines sterbenden Onkels Charles erhalten. Nebenbei bemerkt, war dieser Onkel jünger als ich, und meine kleine Tante hatte ihn angebetet. Sie hatte dem Willen des Todten gehorcht, doch nach der Hochzeit bezeugte sie eine solche Verzweiflung, daß ich scheu zurückwich. Seitdem lebte sie frei an meiner Seite, wie ein Kämerad. Ich aber starb vor zärtlichem Verlangen. Sie war ein eigenartiges Geschöpf. Ein kluger Verstand hatte die ursprünglichen Instinkte nicht in ihr zu vernichten vermocht; sie haßte jeden gesellschaftlichen Verkehr, und die Monate, die wir in der Stadt zubrachten, waren ihr eine Qual. Auf dem Lande war sie wie toll nach Pferden, Seen und Bergen. Sie galoppirte ganze Tage, schwamm, kletterte oder verlor sich in einem fernen Segelboot, das sie vollendet zu leiten verstand, auf dem Wasser. Entzückend, wenn sie sich ruhte, wurde Lucienne in der Bewegung wahrhaft senkst; sie schien sich dann zu verzehnfachen, und zehn reizende Vorfahrinnen schienen abwechselnd ihre Augen und ihr Gesicht zu beleben. Ich aber wachte, bekümmert und elend, aus der Ferne über sie; und mir blieb keine Hoffnung, sie würde den Mann je vergessen, den sie vor mir geliebt. Während ich mich diesen Betrachtungen wieder einmal hingab, begann der Himmel wie im Fieber zu glühen. Noch langsame Wolken huschten bin und her; die Luft wurde eigenthümlich durchsichtig. Nie war mir die Landschaft so groß erschienen! Deutlich unterschied ich die Teufelshörner, die Thürme vor Ai, den Großen Muveran, die Dent Favre, die Dcnt de Morele und in Frankreich die Frammont, die Dent d'Oche! Diese ganze, bald schwarze und düstere, bald smaragdfärben oder seiden-grün-silbern schimmernde Steinwelt barg weiche, reizende Nebel oder leuchtende Gletscher, verwandelte sich zu krummen, geheimnißvoll geschlängelten Engpässen oder reckte sich zu Hörnern. Thürmen und Steinmassen von schwindelnder Höhe empor. Der See lebte unter dem leichten Fluge der Wolken sein flüssiges Leben, in dem sich die Lust wie ein wilder Riesengeist widerzuspiegeln scheint. (Bestehen wir denkenden Wesen ncht auch fast vollständig aus Wasser? In der Ferne links, nach dem Bonveret zu, zeigt sich eine blasse, manchmal silbern schimmernde Linie. die Bataillöre", die Stelle, wo die Rhone ihre Wellen mit den zahlreichcren Wellen ihres Sohnes, des L6man. vereinigt. ... Ein außergewöhnlicher Glanz um gab die untergehende Sonne. Er rückte immer näher, von anderen Wol ken begleitet, die sich in stürmischem Durcheinander auf das französische Ufer stürzten. Ein dichter Schatten galoppirte über die Erde und über die Wogen. In wenigen Minuten war die ganze Landschaft von Evian bis nach St. Gingolph mit Dunkelheit überzogen, und der See. dessen Ufer verschwunden waren, erschien breit und weit wie ein Meer. Nichts blieb übrig als ein fabelhafter Fcuerbrand, ein in weißgeglühtem Feuer schimmerndes Land, das der Murevan und die DentS de Morele hier und da zerrissen, eine wunderbare, glühende Lohe, die jetzt ebenfalls von den Wolken überzogen wurde. Nun brach der Regen los, tausend Ströme rasten in einem fürchterlichen Sturm. Gräser und Blätter flogen umher. Zweige wurden von den Bäumen gerissen, Dächer abgedeckt, und das Wasser und die Luft beherrschten die Landschaft wie in den vorsintfluthlichen Zeiten... , Plötzlich überfiel mich eine Ahnung. Lucienne müsse auf dem See sein... Mein Körper bebte wie der Sturm. Jeder andere Gedanke trat zurück; ich mußte zu ihr. Mit wilder Schnellikeit lief jch in den Stall, bestieg ein ungefaneittö Pserv und galoppnte nacy dem See. Ich habe an meinen Ritt an der Küste nicht mehr die geringste Erinnerung. Doch ich brauche nur die Augen zu schließen, um klar und deutlich auf dem Wasser eine kleine Barke wieder
zu sehen, die im taumelnden Wirbel über die Wogen dahinschießt und bei jedem Athemzug des Sturmes zu kentern droht. . . Ich hege nicht den geringsten Zweifel. Ich wußte bestimmt, daS war Luciennes Boot. .. Ueörigens verlor ich kaum zwei Sekunden mit der Betracktuna der Scene. Ein armseliges Boot lag in der Bucht, und so weit ich sehen konnte, kein Mensch, kein anderes RettungZwerkzeug. Ich that das einzige, was ich thun konnte, wenn ich meine Frau nicht untergehen lassen wollte; ich machte den lächerlichen Nachen los und stürzte auf den See hinaus. Ach, diese Fahrt in dem Winde, den Fluthen und dem Donner! Jede meiner Fibern zuckte; ich hatte die Kraft eines Riesen; nie erschienen mir meine Sportruder leichter als diese schwerfälligen und massiven Hölzer. Der Regen und der Schaum schlugen mir in's Gesicht, wilde Wellen traten mir in den Weg. . . Trotzdem kam ich vorwärts und gewann an Terrain in der heftig schaukelnden Barke. Bald unterschied ich eine Frauengestalt. Ich stieß einen fürchterlichen Schrei aus. . . Die entscheidende Minute war gekommen. Der Sturm sammelte brüllend seine Kraft, das Boot erhob sich auf einer gelben Welle, fiel nieder und kippte um. Ich sah, wie Lucienne ihr Mieder abwarf und in's Wasser sprang, in dem sie verschwand. Ich hatte Halt gemacht und betrachtete entsetzt die wüthende Oberfläche des Sees. Doch der Regen blendete mich, und wie sollte ich in diesem wü-' stenTohuwabohu einen zarten, menschlichen Kopf unterscheiden? Vom Taumel ergriffen, riß ich mir die Kleider vom Leibe und stürzte mich ebenfalls in den See, weniger in der Hoffnung, Lucienne zu retten, als mit der Ab sicht, denselben Tod wie sie zu sterben. Wenig Menschen können so schwimmen wie ich. Ich fühlte mich in dem wüthenden Element so behaglich, als hätte ich mich in einem Sumpfe befunden. Ich stieß mich heftig vorwärts, tauchte unter und schrie aus Leibeskräften. Dann packte mich die Verzweilung. die Ueberzeugung. Lucienne wäre untergegangen und ich würde sie nicht mehr lebend wiedersehen, brachte mich dem Wahnsinn nahe. Ich überließ mich dem Schmerz, ein Schluchzen entrang sich meiner Brust, und das kleine Mcnschlein, das ich war, weinte im Sturme. . . Da kam das Wunderbare. Etwas Sanftes und Lebendiges um schlang meine Schulter. . . Ich sah ne ben mir eine flatternde Fülle feuchter Haare, zwei zärtliche Augen, und während ein ungeheurer Blitz den Raum bis zum Großen Muveran zerriß, lernten meine Lippen zum ersten Mal den Liebeskuß Luciennes kennen.
Fragwürdiger 2traßer.beruf. Es hat auch hierzulande schon manchen tüchtigen Vertreter der edlen Mes-ser-und Scheerenschleifer - Zunft gegeben, welcher sein Handwerk auf der Straße betrieb, wenigstens zu Zeiten, oder von Ort zu Ort pilgerte. Die al lermeisten scheinbaren Schleifer aber, welche man heute auf den Straßen unserer Großstädte finden kann, gehören nicht u dieser Klasse, leider nämlich für das Schicksal der Messer usw., die ihnen anvertraut werden. Diese Großstadtstraßen - Schleifer, gewöhnlich Söhne des ApenninenLandes, verstehen meistens von diesem Handwerk nicht mehr, als eine Kuh vom Seiltanzen. Sie benutzen in der Regel Maschinen, welche contraktlich an diese Italiener vermiethet werden, einer der kleineren Auswüchse unseres Maschinen - Zeitalters und e5 ist ihnen, technisch betrachtet, ganz Wurst, ob sie die Schleifmaschine oder die Drehorgel oder sonst etwas malträtiren! Gerade bei einer solchen Verrichtung aber, mag sie auch bloß mechanisch aussehen, ist die Handwerksmäßige Kenntniß oder Unkenntniß unter allen Umständen von Wichtigkeit. Wehe dem w e r t h v o l l e n Messer, das in derartige Hände geräth, es wird in beinahe allen Fällen verdorben! Vielleicht nehmen Manche die Warnungen werkstattbesitzender Messerschmiede vor diesen Colleges" nicht sehr ernst, wegen der Concurrenz. Daß aber diese Warnungen in der That sehr berechtigt sind, davon haben sich nicht Weniae durch gelegentliche unangenehmeErsahrung überzeugen müssen.Nicht einmal billiger arbeiten diese BogusHandwerker. Falschverstanden. Herr (zu seinem nicht mehr ganz jugendlichen Diener, den er bei einer Fahrlässigkeit betroffen hat): Ich glaube, Wilhelm, Du wirst alt." Diener: Ich glaub's auch, Herr Rath, mein Vater ich auch an die Achtzig geworden." Unverschämt. A.: Einen unverschämteren Menschen als den Planer gibt's doch nicht!" B.: So, inwiefern denn?" A.: Na, vorge stern hat er mich, um sein Geschäft vergrößern zu können, um 3000 Mark angepumpt, die ich ihm denn auch gegeben habe; gestern hat er sich mit meinen 300 Mark ein Automobil gekauft und he:tte Morgen hat er mich mit demselben überfahren!" Versäumniß. Student (der nach einer durchschwärmten Nacht erst Nachmittags um fünf Uhr wach wird): Donnerwetter, da habe ich ja heute mein Mittagsschläfchen verschlafen!"
