Indiana Tribüne, Volume 28, Number 25, Indianapolis, Marion County, 21 September 1904 — Page 6

Judiana Tribüne, 21. September

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.Warum nicht ihr Heim ..

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Dachdecker

Europäische Nachrichten

Frovinz Sachsen. Magdeburg. Der in der WilHelmstraße 2 wohnende Rentner Heinemann nahm sich durch Oeffnen der Gashähne in seiner Wohnung das Leben. Infolge Ansammlung des Gases im Hausflur erfolgte eine Explosion, als die Familie Hinze den Hausflur betrat und Licht machte. Frau Hinze und Schwager wurden schwer verletzt. Im Hause wurden durch die Gewalt derExplosion alle Fensterfcheiben zertrümmert. A s ch e rs l e b e n. Auf der Braunkohlengrube Concordia" in Nachtersiebt gerieth der Förderthurm des Schachtes 6 in Brand. Die gesammte Belegschaft sowie die Ortsspritze und die Spritzen von Gatersleben und Frose griffen das Feuer von allen Seiten an, und den vereinten Bemühungen gelang es, das Uebergreifen des Feuers auf die Grube zu verhindern und die schwer bedrohte, nebenan gelegene Schwelerei zu schützen. Erfurt. Bei dem im venachbarten Windischholzhausen stattgehabten sogenannten Ilurzuge" ereigneten sich mehrere Unfälle. Während beim Freudenschießen dem Mjährigen Landwirth erstenyauer em Theil emer Schrotladung in's Bein drang und nicht unerhebliche Verletzungen verursachte, wurde ein elfjähriger Knabe von einem ausschlagenden Pferde so schwer getroffen, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Der schwerverletzte Knabe wurde in's hiesige katholische KrankenHaus geschafft. G e n t h i n. Der 14jährige Rudolf Ebert fiel beim Kahnfahren mit gleichaltrigen Kameraden in den Plauer Canal und ertrank. Seine Lelche konnte geborgen werden. Halle a. S. In der Papierfabrik Königsmühle" bei Merseburg platzte das Rohr eines Dampfkessels. Der ausströmende Regen traf den mit Aschefortschaffen beschäftigten Arbeiter Schöber und verbrühte ihn am ganzen Körper schwer. Er wurde in's hiesige Krankenhaus überführt. Niederorschel. Die Adam Dirk'schen Eheleute Hierselbst begingen das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Hier ging der Gasthof zum Bären in Flammen auf. Quedlinburg. Von einem 14jährigen Knaben, der beim Schießen mit einem Teschin unvorsichtig zu Werke ging, wurde im benachbarten Orte Westerhausen das einzige Kind des Arbeiters H. Strathausen, ein neunjähriges Mädchen, durch einen Schuß in den Unterleib lebensgefährlich verletzt, so daß es in das hiesige Krankenhaus gebracht werden mußte. Nach entsetzlichen Qualen ist das unglückliche Kind gestorben. W a n z l e b e n. In dem Füllraum der Zuckerfabrik stürzte ein Arbeiter Dallinski, fünf Meter tief mit dem Kopse zwischen Riemenscheibe und die Transmission und verletzte sich sehr schwer. Obgleich er die Besinnung wieder erhielt, ist er doch gestorben. Frovinz Hannover. Hannover. Kürzlich wurde die Feuerwehr nach dem Grundstück Oheftraße 3 gerufen, wo in der Lumpenfabrik von Gebrüder Salomon Großfeuer ausgebrochen war. Die benachbarten Gebäude wurden vom Feuer bedroht. Das gesammte Fabrikgebäude und alle Vorräthe wurden ein Raub der Flammen. Aus dem Fenster der vierten Etage des Hauses Ungerstr. 10 stürzte der vierjährige Sohn des Arbeiters Vendix auf die Straße und war sofort todt. Beim Baden verunglückte der 18jährige Sohn des Arbeiters Helmer,Kniestraße 25 wohnhaft. Derselbe machte mit verschiede nen jungen Leuten eine Wagenfahrt nach Marienwerder. Trotz Warnungen seiner Freunde nahm er erhitzt ein Bad und ertrank, ehe ihm Hufe gebracht werden konnte. An seinem 82. Geburtstag ist Hoftheaterdirekior a. D. Karl Schultes nach längerem Leiden in seiner Wohnung, Sallstraße 16, entschlafen. A u r i ck. Die Ehefrau des Schneidermeisters Wirringa, Mutter von fünf kleinen Kindern, stürzte beim Wasserholen in die gefüllte Regenwassercisterne und ertrank. V a r n t e n. Die bei dem hieügen Hofbesitzer Konrad Dißmer aus Moritzberg bei Hildesheim bedienstete 19jährige Magd Amanda Kribbe suchte den Tod in dem sogenannten Rössinger Bache. Sicherem Vernehmen nach unterhielt die Kribbe ein Liebesverhältniß, das nicht ohne Folgen geblieben sein soll. E i n b e ck. In der mit Heu und Stroh gefüllten Scheune, des Hofbesitzers Engelke in Brunsen brach Feuer aus, das sich auch bald auf das alte Wohnhaus ausdehnte und dieses einäscherte. Lüneburg. Hier feierte Herr Steuerrath Ackermann sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. P e i n e. Der bei dem Landwirth Pape, No. 4 in Gr. - Lafj5rde, beschaftigten 16 Jahre alten Diensimagd Johanna Huß wurde von dem ebenfalls bei Pape beschäftigten polnischen Dienstknecht der Hals durchschnitten. S t a d e. Im Burggraben ' vor der Gasanstalt wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Nach Vorhändenen Papieren ' ist der Todte ein Schneidergeselle aus Böhmen, Franz Civro.

Provinz Westfaken.

Münster. Verliehen ist dem Pfarrer Georg Bcuns zu Schöppingen, Kreis AhauZ, demVikarieverwalter Wilhelm Strotmann zu Münster, und dem Vorsitzenden des Allgemeinen Knappschaftsvereins. Vergratb Ludwig zu Bochum der Rothe Adlerorden 4. Klasse, . dem Rechnungsrevisor a. D. Rechnungsrath Kissing in Hamm, und dem Eisenbahnhauptkassenrendanten a. D.. Rechnungsrath Köhler in Münster i. W. der Kronenorden 3. Klasse, dem Kaplan Stephan Eggering in Rhede, Kr. Borken, die Rettunasmedaille am Bande, dem Postsekretär a. D. Gustav Kersten zu Siegen, und dem gräfl. Korff - Schmising'schen Rentmeister Klemens Heidselb zu Tatenhausen der Kronenorden 4. Klasse. ycinprovinz. Köln. - Die am 23. April bei Wiesdorf im Rheine gelandete unbekannte, männliche Leiche ist als die des Kaufmanns Hermann Kattensiein von hier identificirt worden. Barmen. Von einem Straßenbahnwagen überfahren wurde in der Leckinghauserstraße das vierjährige Töchterchen des Weichenstellers Risse. Dem Kinde wurden beide Beine abgefahren, man brachte es in's KrankenHaus, wo es kurz darauf gestorben ist. B e n r a t h. Redakteur Tanke fuhr mit seinem Motorrad gegen einen mit Pferden bespannten Wagen. Er stürzte und starb infolge eines Schädelbruches sofort. E l b e r f e l d. Einen tragischen Tod fand der Hierselbst wohnende Volksschullehrer Theis, welcher demnächst Hochzeit machen wollte. Theis hatte schon in der Simonstraße eine Wohnung gemietet und bezogen. Letztens bereitete er sich auf dem Gaskocher sein Abendbrot, lieft aber aus Versehen den Gashahn offen und erstickte im Schlaf. München -Gladbach. In der benachbartenOrtschaftWanlo feierte die Wittwe Schotten in voller geistiger und körperlicher Frische ihren hundertsten Geburtstag. Am Vorabend wurde ihr ein Fackelzug gebracht. An dem Festzug, der veranstaltet wurde, nahm die Hundertjährige selbst im offenen Wagen theil, und dem Festbankett, das ihr zuEhren stattfand, wohnte sie sogar in munterster Stimmung bei. Neunkirchen. In Grube Maybach wurde der 22 Jahre alte Lehr-. Hauer Peter Busse von herabfallendem Gestein erschlagen. Busse war der älteste von neun Geschwistern und machte seine erste Schicht als LehrHauer, die ihm so rasch denTod brachte. Solingen. Der hiesige' tscmgerbund erhielt vom Kaiser zum 50jährigen Jubiläum die goldene Me-. daille für Kunst und Wissenschaft. Trier. Dem am 1. August nach 42jähiger Dienstzeit in hiesiger Stadt aus dem Amte scheidenden Oberbürgermnster Geheimen Reg.-Rath de Nys wurde in einer Stadtrathssitzung feierlich der ' Ehrenbürgerbrief überreicht. U e b a ch. In seltener körperlicher und geistiger Frische begingen die Eheleute Jos. Plaum und Johanna Maria, geb. Dreesen, das Fest der diamantenen Hochzeit. Beide Jubilare entstammen dem Jahre 1821. Wesel. Letztens badeten fünf hiesige Herren in der unterhalb der Eisenbahnbrücke gelegenen städtischen Badeanstalt. Der eine derselben, ein Zuschneider Paul Pawelizyk aus Beuthen, ein vorzüglicher Schwimmer, schwamm Über die Absperrungsbalken der Vandeanstalt hinaus in den offenen Rhein und ertrank. Frovinz Kesjen-'FlctssctU. Kassel. Von ihrem Schwager wurde die Ehefrau des Schuhmachermelsterö Bulle im benachbarten Monchehof ermordet und dann aufgehängt, um den Anschein zu erwecken, als liege Selbstmord vor. Vor der Beerdigung wurde das Verbrechen entdeckt und der Thäter verhaftet. E s ch w e g e. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der Straße von Niederhone nach hier. Die bei einem hiesigen Kaufmann in Dienst stehende 21 Jahre alte Elise Wilhelm aus BischHausen stürzte vom Wagen, gerieth im Fallen vor die Räder des Fahrzeuges, wurde überfahren und am Kopf schwer verletzt. Frankfurt. In einer Badean-sialt-am Main erlitt der Feldwebel Chr. Klärle von der Westend - Berufsfeuerwehr einen Schlaganfall und ging unter. Man holte ihn sofort an die Oberfläche, Wiederbelebungsversuche hatten aber keinen Erfolg. Das Dienstmädchen Anna Deuerling aus Theisenort in Bayern, das durch Eingießen von Petroleum ins He.rdfeuer surchtbare, Brandwunden erlitt, ist im Heiliggeistspital seinen Verletzungen erlegen. F u l d a. Erschossen hat sich auf dem neuen Friedhof der 70jährige Steueraufseher a. D. Konrad Höhmann aus Heubach, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Dies ist innerhalb kurzer Zeit der fünfte Selbstmord. H a n a u. Beim Baden ertrank der 13jährige Schulknabe Jakob Henzler in der Kinzig. Er war des Schwimmens unkundig, gerieth in eine Untiefe und ertrank vor den Augen seiner Kameraden, deren Rettungsversuche vergeblich waren.

Die Z-rau Major. öumcreske vou Lüders. Der D.-Zug hatte mich von Berlin in wenig mehr als zwei Stunden nach M. gebracht, wo ich umsteigen mußte, um nach einer weiteren mehrstündigen Fahrt an das Ziel meiner Reise zu gelangen. Ich fand ein leeres Coup6 vor und freute mich schon darauf, meine Lectüre mit mehr Ruhe fortsetzen zu können, als es mir auf der bisherigen Fahrt möglich gewesen war, als kurz vor der Abfahrt des Zuges noch eine Dame ankam, die sich ihre, nicht unerheblichen Gepäckstücke durch einen Packträger in das Coup6 schaffen ließ. Sie hatte nur noch Zeit, den Mann zu" entlohnen, dann hieß eS Abfahren" und der Zug setzte sich in Bewegung. ; Ich hatte meinen Platz an einem Fenster inne, die Dame nahm auf derselben Sitzreihe an dem anderen Feniter Platz; wir fuhren also in gleicher E' ront, sie links, ich rechts, mit dem esicht nach vorn. Nach einer kurzen verstohlenen Musterung gewann ich bald die Ueberzeugung, daß ich eine stattliche Erscheinung von lebhaftem Wesen und Gesichtsausdruck, eine sogenannte forsche Dame", die etwas Funkensprühendes an sich hatte, neben mir, nur durch ein Polster getrennt, als Reisegefährtin bekommen hatte. Da ich in einem RauchcoupS saß und ein starker Raucher bin, so fragte ich höflichst wegen des Rauchens an, worauf die Antwort erfolgte: Bitte, rauchen Sie nur ungeniert, ich fahre immer im Rauch - Coupö; die Nichtraucher - Coupös sind mir zu langweilig." Das war eine Antwort, die ich doch gewiß als Aufforderung zur Einleitung einer Unterhaltung betrachten konnte. Nach kurzem Dank nehme ich aber doch zunächst eine Lectüre vor, da ich bei dem augenscheinlich temperamentvollen We4 der Dame die Empfindung hattet ein Vorangehen meinerseits inBezug auf Unterhaltung würde eine ähnliche Wirkung haben wie das Oeffnen eines Wasserhahnes. Ich erwartete demnach in Bezug auf die Unterhaltung einen Angriff von Seiten der Dame; es war mir ja nicht entgangen, daß sie eine gewisse Unruhe, so etwas Geladenes an sich hatte. Meine Annahme war auch wirklich gerechtfertigt; meine Reisegefährtin begann den Angriff und zwar in geschickter plänkelnder Weise, die mich zwang, meine Lectüre beiseite zu legen, um sie während der ganzen Fahrt nicht wieder anzurühren. Zu meiner Reise war ich plötzlich telegraphisch aufgefordert worden, in einem Momente, wo ich eben an einer Feier theilnehmen sollte, und hatte aus diesem Grunde noch das Eiserne Kreuz in Miniaturform im Knopfloch. Dieses kleine Eiserne Kreuz, welches die Dame bei mir bemerkt haben mußte, bildete gewissermaßen den Laufgraben, durch welchen sie zum Angriff schritt. Die Andeutung: Sie haben ja den Krieg mitgemacht," eröffnete das Gefecht,' dessen Verlauf für mich, während zweier Stunden, zu einer ergötzlichen Unterhaltung gestaltete. Als ich die Frage wegen des Kreuzes entsprechend beantwortet hatte, stellte sich die Fragerin als eine Frau Major vor, deren Mann auch den Krieg mitgemacht und auch das Eiserne Kreuz habe, er sei aber schon lange pensionirt; sie wohnten jetzt in der Provinz, in einem bekannten Pensionopolis". Ihren Namen hatte sie nicht genannt. Alles kam lebhaft, schnell, ja so hastig heraus, daß mich der Wortschwall derhindert hätte, mich vorzustellen, selbst wenn ich es gewvllt hätte. Sie hat ihren Namen auch später nicht genannt, fragte auch nicht nach meinem, und so sind wir uns in dieser Veziehung unbekannt geblieben. Sie war nach ihrer Angabe eine geborene Berlinerin, und, wie alle geborenen Berliner, war sie ganz erfüllt von den Vorzügen ihrer Vaterstadt, die nach ihrer Ansicht durch keinen anderen Ort der Welt und keine anderen VerHältnisse erfetzt werden könnte. Sie aber sei nun gerade dazu verdammt, nicht in Berlin leben zu können, sie habe die schönste Zeit ihres Lebens in erbärmlichen Nestern, die sie der Reihe nach aufzählte, als Frau Leutnant und Frau Hauptmann, im ödesten Kommiß zubringen müssen. Diese Mittheilungen spickte sie mit drolligen Schilderungen des Lebens in den kleinen Garnisonen, von dem Verkehr mit den verheirateten Officiersfrauen, den Honoratiorenfrauen in den Städten u. f. w. Mit gleicher Ungeniertheit und Offenheit schilderte sie ihren Gatten, der mißmuthig, immer mürrisch, verknöchert und pedantisch fei. Ueberhaupt oie pensionirten Officiere, Sie glauben nicht, was bei denen eine Frau auszustehen Hai." Inzwischen vollzog sich im Ccup6 zwischen der Frau Major und mir eine Art Positionswechsel. Durch eine allmähliche Wendung der Bahnlinie war mir nach und nach die liebe Sonne auf den Leib gerückt und beschien mich schließlich so intensiv, daß ich meinen Platz verlassen mußte und den gegenüberliegenden einnahm. Wir saßen uns nun in der Diagonale

'gegenüber; jedes hatte einen festen

Stützpunkt in der Ecke, so daß wir unS ohne Wendungen direkt in das Gesicht sehen konnten. Der Redestrom der Frau Major hatte durch diese Veränderung indeß keine Unterbrechung erlitten. Nachdem sie ihren Mann abgethan, nahm sie ihre Kinder vor und war dabei, von

lhrem Sohne, dem Leutnant, zu sprechen, als die liebe Sonne, d an diesem Tage ganz besonders auf mich erpicht schien, mir nun auch auf meinen neuen Platz nachfolgte. Ich saß bereits wie in einem Backofen und fühlte mich äußerst unbehaglich. Zog ich die Vorhänge zu, so war zwar dem Zutritt der Sonnenstrahlen gewehrt, doch war die dadurch herbeigeführte drückende Schwüle eben auch keine Annehmlichkeit. In Gedanken mit dieser doppelten Misere beschäftigt, hatte ich meine Aufmerksamkeit momentan von der Frau Major abgewendet, und als ich im Begriff war, diesen Verstoß wieder gut zu machen, sah, ich wie meine Reisegefährtin mit einem Ausdruck der Erregung ihren Kopf soeben aus dem geöffneten Fenster zurückzog. Gleichzeitig faßte sie mich am Arme und sagte: Sie lassen sich ja förmlich rösten in dieser Gluth, mein lieber Herr! Nehmen Sie doch mir gegenüber Platz, da kann Ihnen die Sonne , nicht lästig werden. Oder fürchten Sie sich, mir so nahe zu sein?" Sie sagte es in einem so schelmischen Tone und richtete dabei ein wahres Kunstfeuerwerk zärtlicher Blicke auf mich, so daß ich es, momentan frappirt, geschehen ließ, daß sie mich mit ihren weichen Händen sanft, aber nachdrücklich in die gegenüberliegende Ecke drückte. Im selben Augenblicke zeigte sich an der Fensteröffnung das Gesicht eines höheren Bahnbeamten, aus dessen verlegcnem Ausdruck ich entnehmen konnte, daß er Zeuge dieses kleinen Inte?mezzos gewesen sei? müsse. Verzeihen Si meine Herrschaften," sagte der Beamte, ich suche eine alleinreisende Dame, die ich bestimmt in diesem Coup6 vermuthete, aber Es ist keine solche Dame hier weder ein- noch ausgestiegen," warf die Frau Major ein. Mit höflichem Gruße entfernte sich der Beamte. Hatte er uns wohl gar für Hochzeitsreisende angesehen? Nun, die Frau Major konnte wohl noch als eine stattliche Dame von, wenn auch reifer, Schönheit gelten und mich überkamen plötzlich ganz seltsame Empfindüngen, mich, dessen Lebensjahre einen natürlichen Schutz bildeten gegen etwa 'herantretende Versuchungen; hier rückte aber die Versuchung doch so bedenklich nahe heran, daß die Jahre fast ihren Dienst versagten und ich einige Mühe hatte, die Würde des Alters aufrecht zu erhalten. Als ich zuerst meinen Platz gewechseit hatte, war der Strom der UnterHaltung von Seiten der Frau Major nicht unterbrochen worden; diesmal war er aber in's Stocken gerathen. Erst nach einer kleinen Pause nahm sie ihn wieder auf und fetzte die Schilderungen ihres Sohnes fort; er sei Leutnant, aber ein Windbeutel durch und durch, sein Schuldenmachen hätte ihnen schon schwere Sorgen gemacht, er sei deshalb auch schon von der Garde zur Linie versetzt, demnächst würde er wohl feinen Abschied nehmen müssen und was dann geschähe, möchten die Götter wissen. Bei der Schilderung -ihrer beiden Töchter entwickelte sie noch größeren Eifer und verweilte länger dabei. Sie seien neunzehn und zwanzig Jahre alt und sehr hübsche Mädchen, sie betonte das mit ' einer gewissen mütterlichen Eitelkeit, die eine Ähnlichkeit zwischen der Mutter und den Töchtern andeuten sollte, aber und nun erzählte sie Einzelheiten aus dem Verhalten der jungen Damen, von ihrem Verkehr mit Herren, von spät abendlichen Spaziergängen, nächtlichem Nachhausekommen, kurz von allerlei Dingen und Vorgängen, die ein grelles Licht auf bedenkliche Charaktereigenschaften ihrer Kinder warfen. An dramatischen Familienscenen mußte es im Hause des Majors schon früher nicht gemangelt haben; sie hielt wenigstens nicht mit der Mittheilung hinter dem Berge, daß sie schon einmal auf und davon gegangen sei, um einen alten Freund in Hamburg oder Bremen aufzusuchen, ihr Gatte hätte sie aber wieder zurückgeholt. Denken Sie sich, obgleich ich dem Portier des Hotels auf das Bestimmteste gesagt hatte, er solle unter dem Vorwande, daß ich verreist fei, Niemand zu mir lassen, stand doch mit einem Male in voller Uniform mein Mann vor mir." Wir näherten uns schon dem thürmereichen H., dem Punkte, wo sich unsere Wege trennten; die Frau Major konnte mir nur noch versichern, daß sie demnächst wieder durchgehen würde, sie hielte das Leben so nicht mehr aus, dann empfahlen wir uns. Ich war noch keinen halben Tag bei meiner Schwester, bei der ich zu Besuch weilte, als mir Ahnungslosen plötzlich ein Major X. aus M. gemeldet wurde. Ich war starr! Das konnte ja niemand anders sein als der Satte meine? Reisebekanntschaft. . Meine Schwester, der ich das kleine Abenteuer mit seinen Nebenumständen erzählt hatte, fing an, hellauf zu lachen. Durchschaust Du denn die Komödie nicht?" rief sie belustigt aus.

Was soll ich durchschauen und waS ist eine Komödie?" gab ich verlegen zur Antwort. Die Frau Major, mit der Du gereist bist, ist ihrem Manne eben zum zweiten Male durchgegangen. Der

beleidigte Gatte hat sofort den Draht hinter ihr spielen, der recherchirende Beamte aber durch den geschickt inscenirten Auftritt sich irreleiten lassen und Dich für den Gemahl der Dame, wenn nicht gar, mit Hinblick auf Dein Eisernes Kreuz, für den Major selber gehalten, der seiner Herznsdame bereits auf die Spur gekommen ist. Der Major aber, der seiner Gattin nachgereist ist, hat dann mehr als leicht festgestellt, daß der Beamte düpirt worden ist, und es kann ihm nicht schwer geworden sein, die Spur des PseudoGemahls zu ermitteln, da mich hier jedes Kind kennt." Mir fiel es plötzlich wie Schuppen von den Augen und mit Aerger und Verwirrung beeilte ich mich, den bereits recht ungeduldig gewordenen Major zu empfangen. Mein Herr," schnaubte er mich an, Sie sind mit einer einer Frauensperson von M. nach H. gefahren?" Ob ich das bin oder nicht, ist wohl lediglich eine Privatsache, über die ich" Sie haben sich für den Gemahl dieser ausgegeben." Ich war nahe daran, den Unhöflichen gebührendermaßen abzufertigen; doch hielt ich es mit Rücksicht auf seine begreifliche Aufregung für besser, die Angelegenheit durch einen wahrheitsgetreuen Bericht so rasch als möglich aufzuklären. Hätte ich natürlich ahnen können, daß die Frau Major " schloß ich. Was Teufel. Frau Major!" unterbrach mich wüthend der gereizte Mann, meine Frau ist seit zehn Jahren todt und diese abgefeimte Person war meine Haushälterin, die mir mit sechstausend Mark durch die Lappen gegangen ist. Jetzt suche sie der Henker!" Ohne einen Gruß stapfte der Maior davon; ich aber habe schleunigst die Frau Major aus der Liste meiner Bekannten gestrichen. Das Haarfeil von Jkegami. Ueber eine eigenthümliche Sitte, die von den Japanerinnen in Kriegszeiten gepflegt wird, berichtet man: In den Tempeln kann man jeden Tag Frauen sehen, die sich vor den Götterstatuen niederwerfen und mit singender Stimme einige Gebete sprechen. Darauf schneiden sie sich ihr Haar ab, wodurch sie zu erkennen geben, daß sie Wittwen sind, und zwar Wittwen, die das Gelübde ablegen, nicht wieder zu heirathen. Die abgeschnittenen Haare werden mit einem breiten Bande aus weißem Papier umschlungen und am Eingange zur inneren Kapelle des Tempels aufgehängt. Dort, bleiben sie so lange hängen, bis so viele Haaropfer gebracht worden sind, daß sich daraus ein Haarseil machen läßt. Ein solches Seil aus Menschenhaar soll ganz überraschend stark sein. Vor dem nicht weit von Tokio liegenden berühmten Tempel Jkegami hängt ein solches mehrere Zoll im Umfang messendes Seil. Die Haare, aus denen dieses Seil gedreht ist, sind alle von Witwen der im chinesisch-japanischen Kriege gefallenen' Japaner geopfert worden. Höchst sonderbar! , ' Ein hoher Herr besichtigte in eine: deutschen Garnisonstadt das Turnen der Rekruten. Unter den Leuten war eisser, dessen Turnen vielleicht dem Fürsten imponirt hätte, während die Leistungen der übrigen noch recht mangelhaft waren. Um nun gm ab zuschneiden", beschloß der H.:upt mann, diesen einen Mann immer wieder vorturnen zu lassen. Wie gedacht, so gethan. Alles ginz gut. Hoheit verabschiedete sich, befriedigt vor; den guten Leistungen der Lerte. vom Hauptmann und schloß mit den Worten: Nur eines, Herr Hauptmann, ist mir aufgefallen: daß die Hosen Ihrer Rekruten alle an derselben Stelle geflickt sind." Durchschaut. Mann: Vor einigen Tagen las ich einen Artikel über den hohen Nährwerth und die Bekömmlichkeit des Hammelfleisches." Frau: Ach, hast du gestern wieder ein Schaf geschossen, als du auf der Jagd warst?" , Riesenbauten wird demnächst Wittenberge an der Elbe erhalien und dieser sonst wenig genannten Stadt neues Leben und viel Geld zuführen. Die Nähmaschinen - Gesellschaft Sinaer & Co. baut sich dort nämlich einen Betrieb; die Fabrik wird zu den größten in Deutschland geh'oren. Für die Ausführung sind sieben Millionen Mark bestimmt. Es handelt sich allerdings nicht nur um dle Errichtung der Fabrik, sondern es müssen auch Kai-Mauern usw. aufgeführt werden. Jedenfalls wird hier ein selten umfangreiches Unternehmen erstehen. Uebrigens heißt es. daß noch eine amerikanische Gesellschaft mit der Absicht umgeht, in Mittenberge eine große Fabrik zu erbauen.