Indiana Tribüne, Volume 28, Number 24, Indianapolis, Marion County, 20 September 1904 — Page 6
6 Jndiana Tribvne, 20. September 1904
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Europaische Nachrichten.
Frovinz Sommern. Stettin. Drei Mitglieder der hiesigen Klempnerinnung, Obermeister (5. Niedermeyer, Felix Müller und Julius Vettac, feierten lhr fahriges Meisterjubiläum. Eine Abordnung der Innung beglückwünschte die Jubilare und überrchte ihnen die tur ue ausgefertigten Ehrendiplome. Bergen (Stirnen). Im benacdbarten Neclade brack Feuer aus, das eine große Ausdehnung annahm; von dem ganzen Häusercomplex des Gutes ist nur das Herrenhaus, das Leutehaus und das Milchhaus stehen geoUeden. alle übrigen Gebäude. 7 an ver Zahl, sämmtlich mit Stroh gedeckt. tx 1 C s. i......O:i ;. vYTinIUllüCll UlilCUJUlU UUdClCll lu UlUiU' men und smd Niedergebrannt. Deev. Die m un crem $J n eevaoe zur Kur weilende Rentnersfrau HarNlsch aus Berlin wurde am strande von einem Insekt in den Fuß gestochen. Schon nach kurzer Am schwoll der Fuß an und der hinzugezogene Arzt stellte Blutvergiftung fest. Die Frau wurde nach dem Krankenhaus geschafft, doch hatte eine daselbst vorgenommene Operation nicht den erhoffien Erfolg. Frau Harnisch verstarb. Grerfenhagen. Aus der Weg lik aezoaen wurden hier die Leichen des 20iänriqen Musikers und des 19jährigen Dienstmädchens Auguste Labbow von hier, welche an den uz men zusammengebunden waren. Die jungen Leute, welche ein Liebesverhältniß unterhalten haben, waren verschwunden. K a l b e r g. Bei Degow ist auf der Penske das Maschinenhaus und ein Theil des Holzlagers der Gebr. Hausmann ausgebrannt. Leider sind auch die Maschinen vernichtet. Laben (Neuftettin). Die Waldmanische Windmühle brannte nieder. Durch den Sturm wurden Funken aus den von der Mühle ziemlich entfernt stehenden Stall des Besitzers Redmer geschleudert und auch dieses Gebäude :n Asche gelegt. V v r t fe. Die hiesige Schneiderinnuna feierte ihr 300iähriaes Bestehen. An der Feier betheiligten sich sieben Innungen. S ck m o l s l n. Die aeisteskranke Frau des Eigenthümers Kar! Hawer in Karlsbof erschlug ihr iungstes Kind, einen Knaben von Jahren, Mit dem Beile. U ch t e n h a g e n (Stargard). Beim Svielen seinen Tod gefunden hat der 4 Jahre alte Sohn des Arbeiters Kampke dadurch, daß er seinen Kopf in eine an einem Stall angebrachte Schnur steckte und erstickte. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Arovinz Schrcsn?Zg'Lborstein. Schleswig. Nachdem er mit seiner Familie das Abendessen eingenommen hatte, begab sich der Arbeiter Christian Petersen nach einer in der Nähe der Husumer Chaussee gelegenen Mergelgrube, um ein Bad zu nehmen. Er ist nicht zurückgekehrt. Wie man annimmt, ist er von einem Schlaganfall getroffen worden und dann in die Tiefe gesunken. Die Leiche des Verunglückten, der eine Frau und drei Kinder hinterläßt, hat nicht geborgen werden können. Altona. In dem Neubau des Bäckermeisters Duggen in der Holstenstraße stürzte der verheirathete Maurer Jürgens m der Höhe des vierten Stocks vom Gerüst in die Tiefe und trug so schwere Verletzungen davon, daß er auf dem Wege" nach dem Krankenhause starb. Der Verein deutscher Krieger von 18701871 feierte sein 25jähriges Jubiläum in großartiger Weise. Unter Vorantritt des Musikcorps der im Vorort Bahrenfeld garnisonirenden Artillerie bewegte sich einFestzug zum Kaiser Wilhelm-Denk-mal am Kaiserplatz. A p e n r a d e. Als Hofbesitzer Fulsig's Knecht in Terp beim Gramm die Pferde von dem Felde-nach Hause brachte, nahm er den 9jährigen Sohn des Besitzers mit, den er auf das eine Pferd setzte. Der Knabe fiel ab und verwickelte sich dabei im Geschirr, so daß das Pferd scheute und dabei den Knaben mitschleifte. Der Kleine, wurde bewußtlos in's Haus getragen und es wurde sofort nach ärztlicher Hilfe geschickt, die aber ohne Erfolg blieb. B o r s f l e t h. Erhängt fand man an einem Einfriedigungspfahl auf einer Weide des Hofbesitzers Johannes Bornyoldt zu Borssleiher Büttel einen reichlich 60 Jahre alten Wanderer, den Barbier Wilhelm Friedrich Ludwig Morge aus Posen. Nahrungssorpen scheinen die Ursache zu dieser unseligen That gewesen z sein. Eckernförde. Beim Baden ertrunken ist der einzige Sohn des Landmannes H. Hansen in Esdorf bei Rendsburg. In einer Jauchegrube ist der vierjährige Sohn des Kaufmanns Johannsen im benachbarten Orte Gettorf ertrunken. G l ü ck st a d t. Eine wackere Lebenönttung vollführte Frau Dr. Tornow Hierselbst. Beim Bad:n war ein Madchen xn die Gefahr des Ertrinkens gerathen. Frau Dr. Tornow schwamm ihm nach, zog das bereits bewußtlose Kind heraus und brachte es in's Leben zurück. Kiel. Der Tod hält in den Reihen der hiesigen Kampfgenossen von 184851 in diesem Jahre reiche Ernte. Es verschied plötzlich der langjäh-
rige Fahnenträger' des Vereins, der Maurer Martin Ehrich, in seinem fast vollendeten 73. Lebensjahre. Der Verstorbene diente bei dem 3. Jägercorps. Selbstmord durch Sturz aus dem Fenster verübte der in der Schaumburgerstraße wohnende Marinebauführer Lange bierselbst. Wegen eines Zusammenstoßes mit einem Vorgesetzten war Lange bereits in großer nervöser Aufregung und als seineWirthin fortgegangen war, um einen Arzt zu holen, vollführte er Selbstmord und war auf der Stelle todt. N o r t o r f. Trotz wiederholter Warnungen war der 12jährige Pflegesöhn der Wittwe Schlüter in Langwedel zum Baden nach dem Brahmsee gegangen, gerieth nicht weit vom Ufer in eine Tiefe und ertrank. Segeberg. Ein Unglücksfall mit tödtlichem Ausgang ereignete sich in Neversdorf. Der 17jährige Sohn des Chausseewärters Hildebrandt fiel in einer Höhe von drei Metern von einem Kirschbaum und stürzte so unglücklich, daß er bald darauf starb. Wandsbeck. Vor dem Sandwall ertrank der hiesige Schiffer Christian Haack. Derselbe war Matrose auf der dem Baron v. Biela Hierselbst gehörenden Lustjacht Helgoland" und ist jedenfalls infolge eines Fehltrittes über Bord gefallen. Provinz Schkesien. B r e s l a u. Ein Schulknabe warf aus einem Fenster des 3. Stockes Marienstraße 5 einen etwa 15 Pfund schweren Holzklotz in den Hofräum, wo er das 6 Jahre alte Madchen Elfriede Renzikowski zu Boden schlug. Infolge eines doppelten Schädelbruchs ist das Kind Verstorben. In einem Entseelten, der bei der Sandschleuse aus der Oder gezogen worden ist, ist der vermißte 26 Jahre alte Postillon Paul Ludwig von der Gabitzstraße 42 erkannt worden. In einer Tasche wurde ein Zettel gefunden, auf welchem der Lebensmüde mit Bleistift Namen und Wohnung notirt hatte. Ein 18 Jahre alter Arbeiter Max Herrmann von der Oderstraße 10 ist beim Baden in der alten Oder ertrunken. B u n z l a u. Beim Baden im Bober ertrank infolge eines Krampfanfalles der Arbeiter Gotthardt. In Aschitzau ertrank beim Baden im
Queis das siebenjährige Sohnchen des Maurers Freche. Fried eberg am Queis. In Giehren brannte das dem Gärtner Wagner gehörige Haus bis auf die Umfassungsmauern nieder. Das benachbarte Haus des Gutsbesitzers Gnerich wurde gleichfalls ein Raub der Flammen. G l a tz. Schuhmachermeister Gilger von hier feierte sein 50jähriges Bürgerjubiläum. Dem Jubilar war es bereits am 17. April vergönnt, auf eine 50jährige Wirksamkeit als HandWerksmeister zurückzublicken. H i r s ch b e r g. Die goldene Hochzeit feierte der frühere Gemeindevorsicher von Dreschburg, Karl Schneider. mit seiner öbefrau. Der 5ubelbrautigam zat, , die Jubelbraut 73 Jahre. Jngramsdorf. Ein entsetzlicher Unglllcksfall ereignete sich im Gehöft der Wilde'schen Niederlage hierselbst. Ein Verwalter beabsichtigte Ratten zu schießen, die sich im Schwarzviehstalle aufhielten. Der zuweilen im selben Gehöft beschäftigte pensionirte Dominialschaffer Wilhelm Engel suchte die Ratten aufzuscheuchen. Plötzlich krachte ein Schuß und Engel sank, von der ganzen Schrotladung des Gewehres aus unmittelbarer Nähe getroffen, zusammen. Er war alsbald eine Leiche. M a k o s ch a u bei Zaborze. Ertrunken beim Baden in der Klodnitz ist der 18jährige Arbeiter Galenzok aus Dorotheendorf-Zabrze. O h l a u. Rentenempfänger Fuchs in Würben verunglückte dadurch, daß er beim Getreideeinfahren auf den dortigen Feldern mit dem leeren Leiterwagen überfahren wurde, so daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Frovinz T'oscn. Posen. Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich auf der Eisenbahnbrücke, die über die jetzt trocken liegende Cybina führt. Ein Besitzer aus Glowno ging in Gemeinschaft mit dem Schrankenwärter die Schienen entlang. Plötzlich gab eine von den neben den Schienen gelegten Schwellen nach, und mit lautem Aufschrei stürzte der Be sitzer mitsammt der Schwelle. aus einer Höhe von 810 Meter in das mit großen Feldsteinen an dieser Stelle ausgelegte Flußbett, wo er blutuberströmt und bewußtlos liegen blieb. Bromberg. Dem Saitler Kühlmann ist aus Anlaß der Goldenen Hochzeit die Ehejubiläumsmedaille verlieben worden. Breno. Das 6jährige Söhnchen des Wirthes Koscielny hatte sich eine Schachtel Streichholzer zu verschaffen gewußt und spielte damit vor dem Stallgebäude des Vaters. Plötzlich fing das verstreut umherliegendeStroh Feuer, und in kurzer Zelt stand das Mtt stroy gedeckte, stallgevaude in hellen Flammen. Eine Kuh und eine Färse kamen m den Flammen um. , G r o ß - I e z i o r y. Bei einem Brande, durch den die Wirthschaftsae bäude des Wirthes Nowek eingeäschert wurden, kam auch der 7jährige Sohn des Stellmachers Jaworski, der sich 1 C. c ri.r" c ist einem oer orennenocn )eoauoe ve fand, um's Leben.
Das Kind.
Von A. Noris. Friede, willst du Friede fühlen. Nimm ein Kindlein auf den Schooß, Ealte ihm die kleinen Hände, orche auf sein Lallen blog. Freude, wiM du Freud' empfinden, . Nimm ein Kind an deine Brust. Schau ihm tief in's lichte 'luge, Ceh' es, lächeln voller Lust. Liebe, willst du Liebe haben. Nimm ein Kindlcin an dein Herz, ' Und du wirst in WnVbc fiifiTVm Wahrer Liebe Lust und Schmerz. Friede, Freude Liebe liegen Wie ein Quell so silberklar In dem reinen Kinderherzcn Mach' es dir nur offenbar. m mt m. Das Gespenst der Krinoline. Eine Gegnerin des Reifrocks. wele befürchtet, daß uns diese häßliche Ausgeburt der Mode noch einmal wieder bescheert werden wird, jammert über diese unerquickliche Aussicht: Seit vier Jahren taucht wieder das Gespenst der Krinoline auf! Zuerst lachte man darüber. Man? sagte: wir haben Rokoko (Mode der Wespentaillen und Ueberwürfe) gehabt, haben Empire (Mode des Reformkleides) gehabt, wir sind beim Reifrock angelangt. Die Rundreife, die Frau Mode zu machen gewohnt ist, ist beendet. Wir haben zwar die Krinoline zu erwarten, aber wir wollen sie nicht. Und das Gespenst verschwand wieder. Alljährlich aber finden wir Spuren davon, immer stärker werdende auf den Reifrock hinausweisende Veränderungen der schönen jetzigen schlichten Mode. Die immer glockenförmigen, nach unten weit fallenden Röcke sind die untrüglichsten Anzeichen, daß wir der Thatsache gegenüberstehen und uns wohl oder übel mit. dem Gedanken beschäftigen müssen: Für oder gegen den Reifrock! Ehe es zu spät ist! Ehe die Modejournale überfluthet sind von der veränderten Rockform, ehe wir die aufgebauschte Tournure ernst zu nehmen haben, wollen wir Damen uns gegen die unnatürliche Tracht wappnen. Kann man denn nicht von Herzen froh sein, daß wir endlich eine vequeme Tracht haben wie heute? Wie natürlich fallen die losen, luftigen, leichten Röcke an den Hüften herab, wie lassen die Blusen Armen und Oberkörper freie Bewegung! Die kurzen Röcke auf der Straße wirbeln keinen Staub mehr auf wie die Schleppen früher, die schmalen Gürtel in der Taille geben dem Körper Halt anstatt des einengenden Corsetts, das wohl getragen wird, aber nur lose den Oberkörper umschließt, kurz, unsere heutige Mode läßt den Frauenkörper zur Geltung kommen, läßt den G'.iedern freie Bewegung und ist so mannigfaltig, daß eine Dame, ob klein oder groß, stark oder schlank, sich so geschmackvoll und gesund anziehen kann wie vielleicht niemals zuvor und wenn wir nicht vorzeitig eingreisen und den Reifrock aufkommen lassen nie wieder! Wenn wir heute ein Porträt aus der Rokokozeit betrachten, wenn wir die flämischen Edelfrauen, die sparnschen, die altdeutschen Frauen in ihrer einengenden Tracht beschauen, ergreift uns ein Schauder. Gott sei Dank! Die Zeiten sind vorbei! Wir brauchen uns nicht einzupanzern und unserem Oberkörper solche Gewalt anzuthun, in unseren heutigen Corsetten können wir .frei athmen. -Daher ist der Kampf gegen das Corsett auch zwecklos. Wir sind von Jugend auf gewöhnt, einen Halt für unseren Oberkörper zu haben, und seit es in Paris modern geworden ist, nur noch die Hüftm und den Magen einzuschnüren, was den Meisten gesundheitlich viel zu schädlich und lästig ist, sind unsere Corsette bequem geworden. Die Wespentaille ist verschwunden, eine moderne Dame schnürt sich nicht mehr, sie trägt höchstens den Taillengürtel fester als sonst. Die freie, künstlerisch vollendete Empiretracht konnte nickt lange bestehen, denn sie verlangte einen tadellosen Wuchs und war zu einfach. Die kleinen, starkgebauten Damen kamen schlecht dabe' weg, ebenso die mageren großen, so bikeb Empire nur für die wenig Auserlesenen, die sich schönen Wuchses erfreuten, und die Ueberzahl der Andern griff zum Reifrock. Als in unserem Jahrhundert Frau Mode auf dem Punkt angelangt war, wo die Devise lautete: Einfachheit, Natürlichkeit, Gesundheit!" und sie sich danach zu richten hatte, erfand sie den Ersatz für .das schwierige Empirekleid" und schuf die Reformtracht. Frau Mode wollte diesmal ganz besonders .liebenswürdig sein und machte ihre Verbeugung nach zwei Seiten! Sie that ihre Pflicht, indem sie den begierig nach neuen Formen verlangenden Mondainen- eine Abwechslung schuf, gleichzeitig aber stillte sie den lang ersehnten Wunsch der Herren der Schöpfung und überreichte ihnen das korsettlose Gewand. Wer zweien Herren dienen will, schadet sich selber. Das ist eine alte Geschichte. So ging es auch hier. Zuerst wurde das lose fallende Gewand von aller Welt begeistert begrüßt. In allen Blättern erschienen photographische Reformtoiletten, es gab Reform - Ausstellungen, ReformVereine, und einen Winter lang war 8. B. die Künstlerstadt München -
formirf Alle Damen erschienen aus Gesellschaften und auf der Straße in Reformtracht. Eine Wintersaison! Nicht länger! In Paris hatte man längst eingesehen, daß diese neue Mode ihren Haken hatte, und zwar einen schweren. Die Damen, denen die Dessous" die Hauptsache bei der Toilette sind, die ein Vermögen für hübsche Jupons, für Gürtel und Corsetts usw. auszugeben gewohnt sind, kamen bei der schlichten neuen Tracht nicht auf ihre Rechnung. Ein Kleid, welches in der Taille keinen Halt hat, hebt sich schlecht auf; wer eine zierliche Taille hat, kann sie in Reformtracht nicht zeigen; wer stark ist, den macht die Sackform plump; wer eine Schleppe trug, empfand deren Schwere doppelt, da die Schultern nun die ganze Last des Kleides zu tragen hatten, und als fußfreies Kleid war die Sackform den Pariserinnen zu häßlich. Kurz, das Resormkleid verschwand, und in Paris, Berlin und allen größeren Städten ging man zur heutigen Mode über: zum Gürtelkleid, zum fußfreien Blusenrock, zum englischen Tmlo-madG und dem weich und anschmiegend fallenden Schleppkleid. Das schönste aber war, daß das korfettlose Gewand", das Reformkleid. von drei Vierteln der Damen mit Corsett getragen wurde: es hätte also gesundheitlich nichts genutzt, wenn es aufgekommen wäre. Es behauptet noch als Hauskleid seinen Platz, und da ist es reizend. Wer aber in solchem Reformkleid im Hause arbeiten will, den halten Tischkanten, Thürklinken und Stuhllehnen von dem löblichen Vorhaben ab: man bleibt überall hängen. Wir sind also bei dem ewigen Modekreislauf dort angelangt, wo wir noch heute stehen. Unsere Mode ist gesund, ist kleidsam und praktisch. Lange aber hält diese schlichte Mode nicht mehr! Auf dem Programm der Mode folgt' nach Einfachheit Unnatur! Nach Empire die Krinoline! Schon haben wir den einfachen Kleiderrock nicht mehr, man überlädt ihn mit Garnituren, man schweift ihn
glockenförmig am Saume aus, man kraust ihn schon an den Husten ein, um ihm eine größere Rundung zu verschaffen, man steift den Saum bereits mit Gazestreifen, ja fchon mit Stahlreifen. Das ist der Uebergang zum Reifrock, der Anfang der Krinoline! Langsam, fast unmerklich, aber mit zäher Ausdauer wird die Mode ihren Willen durchsetzen. Wenn erst die Modejournale die Rockformen nach der Krinoline rich ten, wenn das erste Reisrockkleid in ei nem tonangebenden Atelier ausgestellt ist. dann ist es zu spat! Dann wehren wir uns nicht mehr dagegen; wenn alle mitmachen, kann sich ein Einzelner nicht gut ausschließen; wir werden uns dann mit Gebäuden von Stets gaze und Stahl umgürten müssen, ob wir wollen oder nicht. Ich wende mich daher heute an unsere Damen: Wir wollen rechtzeitig gegen die Krinoline eintreten! Wollen fest bleiben gegen Pariser Launen, gegen Modeiournale, gegen alle Versicherungen unserer Schneiderinnen. Wir wollen die Schlichtheit der Form beibehalten! Wir wollen bei der Einfachheit beharren, wir wollen unserem Körper freie Bewegung lassen. Die Krinoline ist unnatürlich, häßlich und ungesund! Wir wollen keine Knnolme! Den Neuchateler See durchschwömmen hat eine junge 16jäh rige Engländerin Namens Mary Roberts. Die Entfernung von einem Ufer zum anderen beträgt 5 Meilen. Die Distanz wurde, obwohl der See sehr stürmisch war, in 3 Stunden 50 Minuten zurückgelegt. Das ist jedenfalls eine respektable Leistung.' JmFloydRiver, S Meilen oberhalb von Sioux City, Ja., wurde eine Schildkröte im Gewicht von über 40 Pfd. gefangen, in deren Rucken die Jahreszahl 1857 deutlich eingeschnitten war. Man versah die seltene Schildkröte mit der Jahreszahl 1904 und uberueß sie wieder ihrem nassen Elemente. Bei einem Baseballspiel in Limestone bei Port Clinton, O.. flog ein Ball,' den der Pitcher" des Elliston Teams geschleudert hatte, mit solcher Wucht hinter das Ohr von Peter Larkins von Rocky Ridge, Ottowa County, daß der unglückliche junge Mann, der den Bat" hatte, todt niedersank. . . . . Die Luftschiffer, welche dieser Tage in Paris mit dem lenkbaren Luftschiff Lebaud II" in die Hohe stiegen, machten hoch oben in den Lüften eine merkwürdige Entdeckung. Sie bemerkten auf dem Tauwerk des Ballons eine große Ratte, die sich ruhig dem eigenartigen Vergnügen dieser Luftfahrt hingab. Sie war wahrscheinlich während der Nacht dort hinaufgeklettert. Den Lustschiffern machte die Anwesenheit des NagerS durchaus keinen Spaß. Sie fürchteten, daß das Thier den Versuch machen könnte, die Ballonhülle zu zernagen, um in das Innere einzudringen. Glücklicherweise war das nicht der Fall; die Ratte benahm sich sehr vernünftig und konnte, als der Ballon unten anlangte, gefangen und getödtet "werden.
Wofür matt Medaillen bekomme
!Uf. Eine eigenartige Liste von Medaillen. die auf merkwürdige Weise erworben wurden, stellt eine englische Zeitschrift auf: Die städtischen Behörden von Paris verleihen iedes Iah? eine sehr hübsche bronzene Medaille dem Straßenfeger, der am wirksamsten seine Pflicht erfüllt. Im vorigen Jahre erhielt Louis Levine die Medaille, da er sich durch seine geschickte Arbeit als der tüchtigste aller Pariser Straßenkehrer erwiesen hatte, ur eine außergewöhnliche Leistung im Essen erwarb sich der bei Straßbura wohmnde Max Heufler ein Ehrenzeichen Als er vor ewiger Zelt in noch nicht zwei Stunden 10 Meter Straßburger Wurst und 10 Pfund Gemüse dazu verzehrte, wurde ihm für diese an's Wunderbare grenzende Leistung eine schöne silberne Medaille verliehen. Für seine getreuen, freilich etwas grausigen Dienste, erhielt der oberste Scharfrichter von Paris, M. Deibler, von der Regierung eine prächtige goldene Medaille, die ein wahres Kunstwerk ist. Sie wiegt gegen acht Unzen und hat einen Werth von etwa 5300. Sogar für cine That, die eigentlich ein Mord war, hat ein italienischer Militärpolizist Namens Guerinna in Neapel eine Medaille verdient; er war allein in die Berge gegangen und bAiz einen berüchtigten Banditen, der jahrelang die Bauern brandschatzte, erschössen. Eine höchst sonderbar: Auszeichnung ist eine Schlangenhaut-?!e-daille, die tin indischer Fakir in Madras trägt. Zwanzigmal ertrug er die Bisse giftiger Schlangen, ohne Schaden zu nehmen. Vor etwa 100 Iahren lebte in Persien ein englischer Kaufmann Namens Adams, der einige Jahre als Bezirksrichter thätig war in einer Gegend, die damals berllchtigt war wegen der herrschenden Bestechlichkeit und Corruption. Für seine unerschütterliche Redlichkeit und Wahrhaftigkeit" verlieh ihm der öamalige Schah eine prächtige gcldene Medaille, die in der Familie als kostbares Erbstück aufbewahrt und geschätzt wird. Ein ältere athletischer Kohlenträger, Eric Jardsley, zeichnete sich vor Kurzem dadurch aus, daß er einen Schubkarren tausend englische Meilen von der Kohlengegend durch Nord - England und wieder zurück schob; dafür wurde ihm eine silberne Medaille zuerkannt, die er mit begreiflichem Stolze trägt. An ein erStraßenecke in Louisville bot sich kürzlich zahlreichen Menschen, die sich dort befanden, ein sonderbarer Anblick. Sie sahen nämlich eine ältliche Frau einem jungen, etwa achtzehn Jahre alten Mädchen eine ganz gehörige Tracht Prügel verabfolgen. Wie die Frau später den Neugierigen, die sich um sie geschaart hatten, erzählte, hatte ihre Tochter ihr ihr Portemonnaie sammt Inhalt weggenommen und die Absicht gehabt, durchzubrennen. Sie sei ihrer Tochter gefolgt. Die Mutter holte ihre Tochter ein, gerade als dieselbe eine Straßenbahn-Car besteigen wollte. Die Durchbrennerin am Kleide fassend, riß die Frau dieselbe von der Car und legte sie dann, ohne große Umstände zu machen, über's Knie. Die Gegenwart von nahezu 100 Menschen schien die entrüstete Frau nicht im Geringsten zu geniren und sie schlug ihre Tochter, bis sie glaubte, daß sie genug habe. In weniger als einer Minute war die beschämte Tochter den Blickender Zuschauer entschwunden, während die Mutter ruhig nach ihrer Wohnung zurückging. V'?fdem kürzlich in New angekommenenDampfer Kroonland" herrschte während der Ueberfahrt tiefe Mißstimmung unter vornehmen amerikanischen Frauen. Eine Vorschrift der Dampfergesellschaft bestimmt, daß Hunde der Passagiere in einem besonderen Raum des Dampfers untergebracht werden müssen, fco sie vom Schiffsfleischer gefüttert fcei den. An Bord des Kroonland" werden diese Hunde in einen Raum gebracht, welcher sich dicht neben dem elektrischen Steuerapparat befindet, und die Temperatur dort ist ziemlich heiß. Nun wäre trotzdem Alles friedlich verlaufen, wenn nicht Frau Potter Palmer aus Chicago, welche sich an Bord befand, Erlaubniß erhalten hätte, ihr ganz kleines Schooßhündchen Too Too" in ihrer Kajüte zu behalten, unter der Bedingung, daß er in der Badewanne untergebracht und niemals auf Deck' gebracht werde. Die übrigen Gesellschaftdamen mit feinen Hunden erfuhren, daß Frau Potter Palmer ein außerordentliches Privileg genieße und verlangten nun von den Offizieren dasselbe Recht, indem, was dem Einen Recht sei, dem Anderen billig sein müsse. Aber es half nichts. Frau Algernon Boyesen und deren Gatte, ein Schriftsteller, wollten sich das nicht gefallen lassen, auch Frau Coburn nicht, die einen reizenden fran.zösischen Pudel an Bord hatte, der, wie die Dame mit Entsetzen erklärte, om Schiffsfleischer Käse statt Fleisch zum Fressen erhielt. Der Groll der Damen richtete sich gegen sämmtliche Schiffs-Offiziere und vornehmlich gegen Frau Potter Palmer, und man trutzte sich während der Reise vollständig, während den übrigey Passagieren die Hundegeschichte ein willkommener Gesprächsstoff war.
