Indiana Tribüne, Volume 28, Number 21, Indianapolis, Marion County, 16 September 1904 — Page 6
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' i Europäische Nachrichten. ßrscrß.Lsthringsn. Straßburg. Der ehemalige Oberleutnant Rüger - Mörchingen ist. begnadigt und in Freiheit gesetzt worden. Rüger hatte, um einen Bruder, den Oberstabsarzt Dr. Nüger, vor einem Duell zu retten, dessen Gegner, den Hauptmann Adams, der den Oberstabsarzt im Officierkasino geohrfeigt hatte, erschossen und war deshalb zu acht Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.
, A l g r r n g e n. Die schwarzen Pocken sind hier in bedrohlicher Weise aufgetreten und haben bereits ein Opfer gefordert. Diedenhofen. Ein tödtlicher Unglücksfall ereignete sich auf der Karlshütte. Der Hüttenarbeiter Spillner kam der elektrischen Stromleitung zu nahe und wurde auf diese Weise getödtet. Lützelburg. In dem benachKarten Heinrichsdorf fand das 14 Monate alte Söhnchen des Ackerers Anton Jsa einen schrecklichen Tod. Zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags mußte das arme Wesen in der nahen, ungefähr 0.80 Meter tiefen und unverdeckten Mistgrube des Tagners Joseph Thomas elendiglich ertrinken. Metz. Man fand die Büglerin Johanna Aenning mit zerschnittenem Halse todt auf. Dieselbe hatte mit ihrem Bräutigam, einem Italiener Chini, einen Spaziergang gemacht, wobei Beide in Streit gerathen sind. Ein zusammengebundenes Pärchen wurde unterhalb der Moreaubrücke aus der Mosel gezogen. Die junge Frau, welche in einer hiesigen Wirthschaft als Kellnerin bedienstet war und von ihrem Manne, einem Eonditor in Forbach, getrennt lebte, heißt Anna Weise. Der Mann soll ein Monteur Namens Grün aus der Gegend von Zürich sein. ' Meckkenburg. Schwerin. Der . 8 9jährige Sohn des Mützenmachers Vaumgart wurde von einem Brauereiwagen überfahren und schwer verletzt. In dem benachbarten Dorfe Plate verstarb der dortige Pastor Kwehn. Er wurde 1843 in Lanken bei Lübz geboren. Eordöhagen. Das Ljährige Kind des Erbpächters Heinrich Lüth fiel in den Dorfbrunnen und ertrank. M a l ch o w. 'Das Fest der goldenen Hochzeit feierten in körperlicher und geistigerRüstigkeit der Fuhrmann Ernst Abshagen und seine Ehefrau. Der Ortsgeistliche hielt im Hause des Jubelpaares eine Hausandacht ab, überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte als Geschenk eine ' Bibel. Die' hiesige Militärmusiker-Vorschule brachte dem Paare ein Ständchen. P a r ch i m. Sein 50jähriaes Verufsjübiläum feierte der Schriftsetzer Christoph Brix von der Raths- und Universltäts ' Buchdruckerei Adlers Erben. Seine Kollegen hatten es sich nicht nehmen lassen, den Tag festlich zu begehen und arrangirten auf Mahn & Ohlerichs Keller eine würdige Feier. Stavenhagen. Der Erbpächter - Altenti-eiler Wilhelm Benduhn, früherer Mühlenpächter in Gielow, feierte seine goldene Hochzeit. Hröen5urg. Bant. Das Fest der goldenen Hochzeit beging Schiffszimmerer T. Wegener nebst Frau (Kettenstraße). Das Jubelpaar erfreut sich einer seltenen Gesundheit und Frische. B a r s f e. l. Der 13jährige Schulknabe Theelken war rechtzeitig aufgestanden, um seine gelegten Fisch- bezw. Aalkörbe und die gestellten Hechtangeln nachzusehen. Er benutzte bei der Arbeit.ein kleines Boot. Beim Aufziehen einer Angel verließ derKnabe dasselbe. Infolge der Strömung trieb das Boot fort,' was der Junge bei seiner Arbeit nicht bemerkte. Um den Umweg über die Brücke nach der anderen Seite des Tiefs, wohin das Boot getrieben war, zu ersparen, warf der Knabe schnell die Oberkleider ab und sprang in'sWasser, um so in das Boot zu kommen. Er versank jedoch sofort in die Tiefe und kam nicht wieder an die Oberfläche. Eutin. Im Wohnhause des Töpfermeisters Staack an der Lübeckerstraße Hierselbst kam Feuer zum Ausbruch. Das Gebäude wurde bis auf die Grundmauern gänzlich zerstört und vom Mobiliar konnte fast nichts gerettet werden. " , Varel. In Rosenberg erschoß sich mittelst Wassers der ProduktenHändler Volkmann. Dem Unglückchen war der Kopf vollständig auseinandergerissen und das Gehirn herausgeflogen. Volkmann soll seit einiger Zeit ein merkwürdiges Benehmen gezeigt haben; es muß angenommen werden, daß er die That im Zustande geistiger Umnachtung ausgeführt hat. Z?reie Stüdte. Hamburg. Ein Unglücksfall mit tödtlichem Ausgang ereignete sich in Schiffbeck. Ein vor , Kurzem dort zugereister österreichischer Arbeiter mit Namen Franz Jirasek erwartete in der Hamburgerstraße den von Hamburg kommenden Packetwagen, um feine Sachen in Empfang zu nehmen. Ehe der Wagen zumStehen gekommen, gerieth der Arbeiter unter die Räder, die ihm' über den Kopf gingen, was seinen sofortigen Tod'zur Folge hatte. Bootsmann Gustav
Gtemke wollte an Bord des im Sandthorhafens liegenden Kahns 182 Wasser schöpfen, verlor hierbei das Gleichgewicht und stürzte in die Elbe. Er konnte trotz sofort angestellter Rettungsversuche nur noch als Leiche geborgen werden. Bremen. Platzarbeiter Carl Heykamp aus der Gutenbergstraße wer ganz allein auf dem Pier des Hanfakais im Holzhafen damit beschäftigt, Persennings zu theeren. Ein in der Nähe arbeitender Zimmergeselle hörte plötzlich einen Fall in's Wasser und sah beim Aufblicken noch, wie der von Heykamp benutzte Theerquast in's Wasser fiel. Heykamp selbst stand nicht mehr oben. Auf dem Wasser sah der Zimmergeselle dann auch den Hut Heykamps schwimmen. Der Zimmergcselle benachrichtigte sofort andere Mitarbeiter, worauf nach dem Verunglückten gesucht wurde. Erst nach einiger Zeit wurde er gefunden. Dem Kapitän des hiesigen Dampfers Ockenfels", Diedrich Hartzog zu Elsfleth, und dem I.Offizier desselben Dampfers, Karl Schmehl von hier, ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. Die Leiche der seit Kurzem vermißten Dienstmagd Sophie Elbracht ist in der kleinen Weser gefunden worden. Ob ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vorliegt, wird durch die eingeleitete Untersuchung wohl aufgeklärt werden. Auf dem Güterbahnhof der Bremisch-Han-nover'schen Kleinbahn ereignete sich beim Rangiren ein schwerer Unfall. Der Schaffner Hilken kam auf dem Geleise zu Fall und gerieth unter die Lokomotive. Ihm wurde ein Bein abgefahren. Schweiz. Bern. Der Kassirer der Kantonalbank, Ellig, hat durch Fälschungen zum Nachtheil derBank 43,000 Francs unterschlagen. Julius SchlaginHausen, ein Thurgauer, unternahm mit einem Kameraden eine führerlose Tour auf das Wetterhorn (Werner Oberland, 3,703 Meter), trotz Abmahnens. Zwei Stunden oberhalb der Glechpeinhütte, am großen Couloir, stürzte Schlaginhausen ab und wur sofort todt. Zwölf Führer brachen zur. Aufsuchung der Leiche auf. Basel. In der Gemarkung Weisweil, bad. Bezirksamt Henzingen, ist der L5ichnam des verunglückten BauMeisters Gröflin gelandet worden. Es ist dies die zweite Leiche von dem Unglück am 12. April bei der hiesigen Wettsteinbrücke. Schwellbrunn. Hier verschied plötzlich an Schlagfluß im Alter von 53 Jahren Alt-Regierungsrath Buchler. Er diente dem Kanton Außerrhoden einige Jahre als Oberrichter und sechs Jahre als Regierungsrath. Er war auch längere Zeit Nationalrath. Sankt - Gallen.. Beim Baden in der Goldach bei Trogau wurde Maurermeister Drexel von einem Krampfe befallen; sein 8jähriges Söhnchen wollte ihn vomErtrinken erretten und wurde mit dem Vater in die Tiefe gezogen. Sodann ertrank ein Maurer Schmid von Rehetobel, ein 20jähriger Bursche. Ferner ist im nahen Degersheim der 19jährige Stickereiangestellte Jeise ertrunken.
Zukunftsmusik. Kadett (dessen Cousine ihn hat abblitzen lassen): Mieze, das sag' ich dir, wenn ich mal einen Militärroman schreibe, kommst du am allerschlechtesten weg!" Ermuthigung. Geschäfts Reisender: Meinen Sie, daß ich Herrn Gröbler meine Aufwartung mache? Kollege: Das können Sie schon riskiren, der.hat Teppiche im Hausflur liegen!' ' Kleine Gefälligkeit. (In der Sommerfrische.) WvW A,VX N VÄW , A.; 5 - Hör'n Se, Fräul'n, ha'n Se mein' jung'n Stier nit geseh'n? Ihren Stier? Ach' Gott! Nein wo ist er denn?" Nu, er is losgebroche'!. . . Wenn Se 'n sollte' seh'n, sin' Se dhch so gut un' laufe Se mit Jhr'm rothe' Paraplui vorne her in mein' Stall!"
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?nierlQ:snrelt. oeran das Mittelalter mit seinem Hexenglauben erinnert,' wird aus Pottsville, Pa., gemeldet. &3eil Frau Mary Leib Besitzerin einer weißen Katze und eines schwarzen Hundes ist, wurde sie von ihrer Nachbarin Frau Cora Hiney beschuldigt, eine Hexe zu sein, die durch den bösen Blick den Tod eines Kindes herbeigeführt habe. Frau Leib klagte auf Schadenersah. Im Proceß kamen haarsträubende Dinge zu Tage. Die Nachbarn bestanden darauf, daß der Kater und Köter verhexte Kinder seien, daß die Thiere um die Mitternachtsstunde mit Menschenstimmen sich unterhielten und daß das Fell dabei mächtig Funken sprübe. DieAusführung des zum Andenken an General Franz Siegel für St. Louis, Mo., geplanten ReiterDenkmals ist dem berühmten Kreuznacher Bildhauer Robert Cauer über-' geben worden, der es bis Frühjahr 1906 fertig zu stellen gedenkt. ' Die Figur wird, über Lebensgröße aus Bronze gegossen und stellt den General dar, wie er in bequemer Stellung auf dem Pferde sitzt und die linke Hand gleichsam als Stütze auf die Mähne seines Thieres legt, während derOberkörper etwas vorgebeugt ist und das Äuge in die Ferne späht. Der recbte Arm ist etwas zurückgehalten, und die Hand hält einen Feldstecher. Mit awei Söhnen im Alter von 14 und 12 Jahren neben ihm lausend, -und einen 10jährigen Jungen auf seinen Schultern tragend, gelangte Albert Cheesman kürzlich in der Centralpolizeistation zu Minneapolis an und bat um Speise und Unterkunft. Er hatte den langen Weg von Kanfas bis dorthin mit seinen Kindern zu Fuß zurückgelegt und fand sich auf der Reise nach Akeley, Mimt., wo er Arbeit zu finden hofft, durch welche er seine Familie ernähren kann. Cheesman verlor vor fünf Jahren seine Frau und hat seit dieser Zeit vergeblich versucht, dem sumpfigen Boden von Kanfas, wo seine Farm gelegen, den Lebensunterhalt für sich und seine Kinder abzuringen. Er beschloß, nach Akeley zu wandern, wo er Bekannte hat, die ihm helfen werden, Arbeit zu bekommen. ' AufdemPierinHoboken, an welchem der Kaiser Wilhelm II anlegte, kam es unlängstv zu einem Kampfe zwischen einem Manne itrt seiner Frau, weil letztere nicht zulassen wollte, daß der Vater sein kleines Tcchterchen küsse. G. A. Lorenz, der vor einigen Wochen die Trennuna von seiner Frau erlangte, war mit seinem Sohne nach Europa gefahren unv kehrte mit dem Kaiser Wilhelm II." zurück. Am Pier erwartete ihn seine Frau mit ihrem Töchterchen, in der Absicht, auch den Sohn in ihre Obhur zu bekommen. Als Lorenz die Landungsbrücke hinunterkam, erblickte er feine Frau und Tochter und eilte auf sie zu, um das kleine Mädchen zu küssen. Die Frau gab ihm aber, ehe er seine Absicht ausführen konnte, einen solchen Stoß, daß er hinfiel. Wieder versuchte er das Kind zu küssen, aber wieder ließ es die Frau nicht zu, und es kam zu einem Kampfe, der nicht eher endete, als bis ein Dockbeamter dazu kam. Die Frau verließ dann den Pier mit ihrem ungeküßte Mädchen und der Vater folgte etwas später mit seinem Sehne. Infolge des Unverstandes einer allerdings hilfsbereiten Menge mußte in Atlantic City einer der bewährtsten und unerschrockensten Lebensretter, der 40 Jahre alte Alfred Davis, sein Leben lassen. Während die See sehr hoch ging, beging der 22 Jahre alte James Rowley die Unvorsichtigkeit, sich beim Schwimmen zu weit hinauszuwagen. Er wurde dabei von einer Strömung erfaßt und seine Hilferufe veranlaßten den Lebensretter Bennett Conotzer, ihm nachzuschwimmen. Als er den Ertrinkenden erreicht hatte, war jedoch die Strömung so stark, daß beide in Gefahr waren, von derselben fortgerissen zu werden. Davis, der vom Ufer aus die Gefahr erkannte, ergriff eine Rettungsleine, band sich dieselbe um die Hüfte und schwamm ' nun selbst des beiden Männern zu Hilfe. Ehe er sie erreichte, hatte ein Rettungsboot die beiden in Gefahr befindlichen Männer aufgefischt und Davis hatte nun selbst einen harten Kampf, um tos Ufer wieder zu erreichen. An dem letzteren hatte sich natürlich eine zahlreiche Menge angesainmelt und einigen der Zuschauer schien es, als ob auch Davis in äußerster Gefahr war. Sie ergriffen nun das am Strande befestigte Ende der umDavis geschlungenen Rettungslcme und begannen an derselben zu ziehen, nicht bemerkend, daß die Leine sich um einen Arm des Davis verwickelt hatte und ihn infolge dessen unter Wasser zog. Die Besatzung des Rettungsbootes erkannte dagegen die Gefahr, in welcher Davis schwebte, und rief den Leuten am Ufer zu, die Leine fallen zu lassen. Dort verstand man den Zuruf aber offenbar falsch und glaubte, daß man sie in dem Rettungsversuche nur antreiben wolle Jnfolge dessen ergriffen auch noch zahlreiche andere. Zuschauer das Seil und zogen den Lebensretter mit solcher Geschwindigkeit nach dem Ufer, daß ihm das Wasser in die Lungen drang und er ertrank.
Der Ztromcr. Erzählung von S. Halm. Um die Mittagsstunde eines schwülen Julitages schlenderte ein junger Mensch müßig durch die städtischen Anlagen. Seine Kleidüng wies Defekte auf, die ihn im Verein mit Staub und , Schmutz auf den ersten Blick als reisenden Handwerksburschen erkennen ließen. In dem sonnenverbrannten Gesicht hätte sein müder, resignirter Zug wohl Mitleid erwecken können, wenn die grausame Linie um den Mund dem Mann nicht etwas Abstoßendes gegeben hätte. Offenbar schien dem Menschen daran zu liegen, den Blicken der Menschen auszuweichen; denn er wählte die abseits führenden Wege und wenn ihm doch hin und wieder ein Spaziergänger begegnete, so musterte Jochen, nennen wir. ihn schlichtweg bei seinem Taufnamen schon von weitem mit scheuen, mißtraurischen Blicken. Mochte eine lange Wanderung nun den Burschen gar so sehr ermüdet Habens kurz, eine am Wege stehende Bank veranlaßte ihn, sich der Länge nach darauf zu werfen, sich den schäbigen Filz unter den Kopf zu legen und die Hände darüber zu verschr'änken. Gleich darauf ruhte Jochen's struppiger Kopf friedlich schlummernd und schnarchend trotz Mittagsgluth und Fliegengesumm unter mitleidig schattenspendendem Sommergrün. Ueber den Weg kam, fein sittsam an der Hand eines fast kokett gekleideten Kinderfräuleins, ein kleines Mädchen getrippelt; rosige Pausbäckchen glühten vor Gesundheit und Hitze; neugierige blaue Kinderaugen forschten in jeden Winkel und so entdeckten sie auch schnell genug den schäbigen Schläfer auf der harten Bank. Sieh doch, Fräulein, was ist das für ein Mann?" Still, Margit, stör' ihn nicht, das ist ein armer müder Mann." Die Kleine zögerte, offenbar neugierig geworden. Aber warum ist der denn müde?" fragte das Plappermäulchen nach Kinderart. z,Jst er krank?" und neu-
gierig entwand sich die Kleine der führenden Hand und schlich zum Schlafer. Margit, komm' Liebling, wir wollen werter gehen. Aber ich möchte hier bleiben." Aber Margit, Du weckst den armen Mann auf und dann wird er sicher bose. Warum?" Weil Du ihn nicht schlafen läßt." Aber man schläft doch nicht im Freien. Hat der böse Mann denn kein Bettchen?" Komm' nur Liebling, der Arme ist eben ein Bettler." Unterdessen hatte der Stimmenklang doch den Schläfer geweckt; halb ärgerlich, halb verschlafen hatte er sich jedoch weiter den Anschein eines Festschlafenden gegeben und so einen Theil des Zwiegesprächs belauscht. Ein harter Zug hatte sich dabei um feinen Mund" gegraben und hätte die Kleine, die sich jetzt näher schlich, den Blick gewahren könnnen, der sich unter den geschlossenen Lidern hervorstahl, sie wäre wohl spornstreichs davongelaufen. So aber hörte klein Margit nicht auf die Bonne und kam näher. Fast forschend, altklug, wie zumeist Kinder, die nur mit Großen verkehren, sind, ruhten die blauen Augen auf dem staubbedeckten Antlitz. Du Mann, steh' doch auf! Du darfst bier nicht schlafen. Geh' doch in's Bett!" klang's befehlerisch und ein zarter Kinderfinger tippte energisch auch . Jochen's Kittel. Da hatte der Strolch mit jähem Griff auch schon der Kleinen Händchen gepackt. Heda, wer bist' denn, kleine naseweise Göhre?" Des Kindes Mäulchen öffnete sich im ' ersten Moment des Erschreckens wie zu einem Angstruf; dann aber begegneten die kleinen blauen Augen furchtlos den feindselig spöttischen des Strolches und mit der hoheitsvollen Miene der künftigen großen Dame sagte Margit in. kindlich unbewußter Grausamkeit: Anständige Leute haben ihr Bett' und waschen sich. Du bist ganz schmutzig, Mann. Geh' nach Haus ich will hier sitzen und Fräulein soll mir Geschichten erzählen." Jochen's Gesicht verzerrte sich fluchtig zur Grimasse; dann fiel sein Blick auf das abseits mit ängstlicher Miene dastehende Fräulein und ein jähes Zucken ging über die vor der Zeit verfallenen Züge. Heda, kennst mich nicht mehr, Marie? Freilich bist eine feine Dame geworden, die dem hochnäsigen Pack seine Göhren großzieht und selbst die feine Dame spielt." Aha!" Der Strolch schlug eine helle Lache an. Also doch? Eim fideles Wiedersehen ha? Schämst Dich wohl wegen der Bekanntschaft vor dem Herrschaftlichen Balg da, was? Wem feins ist's, denn?" ' ; Schweig." Die grauen Mädchenaugen flehten ängstlich. ,.Jch hab' mein gutes Brod und wenn ich Dir helfen kann um unserer Kinderfreundschaft halber. .'." "Ha, ha, ha", höhnisch unterbrach sie Jochen. .Nur darum? Bist Du
eine Stolze! Ha ha, und daß Dich diese Arme gehalten haben und "ich Dich abgeküßt hab' wie 'n echten rech ten Schatz." Schweig' vor dem Kind, ich bitt Dich." " So, so, wegen des hochnäsigen Fratz? Schau einem nicht so frech an. Du Äff'!" fuhr er dc?s Kind an und mit befehlender Gebärde. Da sei;' Dich her, Marie, und hör' zu, was Du aus mir gemacht hast. Du Feine Du! Weißt noch, als wir uns sagten, wir wollten Mann und Frau werden?'E? umspannte mit schmerzendem Druck das Handgelenk der Zitternden. Freilich, damals hatte ich Haus und Hof und Du warst das arme Waisenkind, des Kantors geduldete Nichte; von irgendwo her, nach der keiner fragte, da war ich gut genug. Dann kam das Unglück, der Blitz äscherte mir den Hof ein, tödtete die Mutter; versichert war nichts und ich stand arm da, bettelarm. Mir blieb nichts nur Du und da Johannes!" Und da gingst Du mit dem Herrn chloßverwalter auf und davon. Pfni Deibel!" er spie aus. Mich litt's halt nicht. Die Stichelreden und das Mitleid! Ich ging auch. Glück hatte ich keins. Ich sanZ, ich sank. Mädelns fand ich allenthalden, so hübsch wie Du keine, aber so falsch schon. Arbeiten möcht' ich nicht wozu? für .wen? Ich stahl; ich kam in's Loch. Ha, ha, da war's fein. Man hat's hi.rter den Eisengittern noch besser, als hier draußen unter all den tugendhaften' Menschen!" Er lachte hart gehässig. Jetzt bin ich grad' wieder frei bis sie mich wieder mal erwischen. Wer ist denn die da?" Er wies auf das Kind. Deins wohl nicht, he?" Mißtrauisch sah er Marie an, oder doch? Wär' zu fein, solch Püppchen." Des Herrn Consul Töchterchen ist's." So, so, und ich dachte schon, so ein Schloßverwalterableger." Pfui!" Die Thränen traten dem Mädchen in die Augen. Auf und davon bin ich schon mit ihm. Na ja, 's ward mir zu eng daheim. . ." Du". Margit tippte energisch auf Jochens Arm. Was willst?" knurrte der finster. Bist Du ein böser Mann?" fragte das Kind. Freilich, werd's wohl sein müssen!" brummte er finster, aber es zuctte in dem sisppeligen Gesicht. Man muß aber gut sein", belehrte altklug wichtig klein Margit. So, wer sagt das?" Papa und Mama und Fräulein." S o Fräulein?" Zweifel und Freude lag in den zwei Worten. Ja, Du kannst Dich auch gewiß noch bessern", meinte Margit. Fräulein sagt immer, man muß nur bereuen und dann ist man das nächste Mal auch ganz gewiß artig." So, ganz gewiß?" Unsicher hob sich Jochens Blick zum Antlitz des neben ihm sitzenden Mädchens. Glaubst Du das wirklich auch. Marie daß man noch ein anderer guter Mensch werden kann?" Stumm nickte Marie. Eine Thräne rollte ihr über die Wange. Da erhob sich Jochen hastig. .Ich ich ich will jetzt gehen. Marie, entweder Du siehst mich nie wieder, oder, oder" ein Würgen kam ihm in die Kehle; krampfhaft drückte er Mariechen! Hand. Du verstehst mich schon". Und fort war er. Fröhlich sah ihm klein Margit nach. Du", und sie tippte mit dem Finger gegen Fräuleins gesenkte Wange, Du, will der sich jetzt waschen gehen?" Da zog Marie die Kleine an sich. Ich hoffe es, Herzblatt", und sie fächelte unter Thränen das unschuldige Kind an. Eine mit Blut gegossene Glocke. Als der Glockenthurm von Peking erbaut wurde, so erzählen die Chine sen, befahl der Kaiser Z)ung-lo von der Ming - Dynastie dem großen Mandarinen Kuan-yu, eine Glocke zu gießen, die für ein so edles Gebäude groß genug wäre. Immer wieder versuchten Kuan-yu und die geschicktesten Arbeiter des Landes, eine solche Glocke zu gießen; aber stets mißlang es ihnen. Schließlich wurde der Kaiser ungeduldig und sagte, daß, wenn es wieder mißlingen sollte, Kuan-yu seinen Kopf verwirkt hätte. Nun hatte der Mandarin eine Tochter, ein schönes Mädchen von 16 Jahren, Namens Ko-ai; diese ging zu einem Astrologen, um ihn zu befragen, worin die Ursache des Mißlingens zu suchen wäre. Von dem hörte sie, daß ein Dämon verlangte, in das Metall solle das Blut eines Mädchens gemischt werden; wenn das nicht geschähe, so würde auch der nächste Guß wie die früheren mißlingen. Ko-ai erwirkte sich von ihrem Vater die Erlaubniß, dem, nächsten Guß beizuwohnen. Als aber unter Todtenstille die Zapfen ausgestoßen wurden und die geschmolzene Glockenspeise in dieForm strömte, hörte man plötzlich einen Schrei, und mit dem Rufe: Um meines Vaters willen!" stürzte sich Koai in das siedende Metall. Der Va:er wurde wahnsinnig, aber die Glocke war in Form und Ton vollendet, und noch heute,'so sagen die Chinesen, folgtauf ihr wohltönendes Läuten ein lei ser, wimmernder Ton, wie der Todesschrei eines Weibes ...
