Indiana Tribüne, Volume 28, Number 19, Indianapolis, Marion County, 14 September 1904 — Page 7
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Das Gcjch dcr Erde
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Tioman van Anton Frcihkrrn v. Perfall
ortsedung
ftibf Jahre, gnädiges Fräulein"
half Ander! darauf, dem die Verwnrurig Vessys allen Muth zurückgegeben. Wirklich nicht länger? Und Sie sind jetzt wieder hier iei Ihrem Vater " DaZ weniger," erklärte Lüdemann, bei mir ist er," im Werk, nachdem er ein ausgezeichnetes Steigerexamen gemacht. Ja, ja, sieh ihn Dir nur an, es steckt was in ihm, braucht nur geweckt zu. werden. Aber nun eine Bitte, Bessy." Anderl machie Miene, sich zurückzuziehen, Lüdemann hielt ihn zurück. (Sie können jetzt aehen,Andreas,und die Sache auf der Weißalm gutmachen -es soll das Probestück sein." Befsy stutzte. Auf der Weitzalm?" Lüvemann war sichtlich ärgerlich, Die Aufmerksamkeit Bessys erregt zu haben. Ach ja, eine dumme Geschichte! Schlichten soll er schlichten " Das ist doch die Alm, in die wir bei dem Gewitter flohen." wandte sich Bessy zu Anderl. Da war ja doch die As?a Sennerin, ein ganz braves Mädchen." Natürlich, alle Sennerinnen sind ja brar und edel. Aber herunter müssen sie, so viel weiß ich. Jetzt geh, Andreas, laß Dich nicht aufhalten!" Vielleicht, wenn ich mitginge!" sagte Bcssy rasch. Wir waren uns einmal recht gut, diese Afra und ich. Oder könnte ich Dir das verderben?" wandte sie sich gegn Anderl, dem das Blut in's Gesicht stieg bei diesem Vorschlag Bessys. Wenn Du willst was sollst Du verderben! Also nimm meine Tochter mit," befahl er Anderl. Jetzt ist es ein Uhr, anderthalb Stunden hinauf könnt Ihr ois sechs Uhr wieder da sein. Aber ja nicht länger ausbleiben! Andreas kann Dir beim Hinaufweg alles erzählen. In einer halben Stunde ist meine Tochter bereit und erwartet Dich im Garten." Er machte das gewohnte Zeichen der Entlassung, indem er ganz freundschaftlich mit der Hand winkte. Eine Gluthhitze brannte über --en Wiesen, als Bessy und Anderl der H'öhe zuschritten. Solange der Weg durch das Dorf führte und überall ihnen Neu gierige nachblickten, schwiegen sie. Jetzt müssen Sie mir die Geschichte von der Weißalm erzählen, damit ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe," begann Vessy, als der Wald sie aufnahm. Wie kamen die Leute auf die Weißalm?" Der Wachterhof wurde dem Werk einverleibt " Aber der Mann hing doch mit Leib und Seele an seinem Besitz." Eben darum hat man ihm den Hof mit Gewalt genommen." Aber das kann man doch nicht." Das kann man nach dem Verggesetz." Aber das ist ja abscheulich, empörend! Das hat mein Vater geduldet?" Ihr Vater hat es angeordnet, dann haben sie sich auf der Weißalm festgefetzt, die noch ihr Eigenthum ist." Und jetzt sieht der Papa sein Unrecht ein, und wir sollen sie zurückholen?" Ja, in den alten Thurm, der für die
Leute zurecht geflickt werden soll und wenn sie nicht wollen, dann wird ihnen
die Weißalm auch genommen. Herr
Lüdemann behauptet es, und am Ende ist ja was dran es hat sich was wie
eine Verschworung da oben herausge-
wachsen gegen das Bergwerk. Alle Unzufriedenen sollen sich da oben sammeln. Mein Gott, der Alte ist ja alle Tage zum Sterben aber die Afra halt
und der Alban "
Allerdings die Afra" Bessy bückie sich, um eine Blume zu pflücken. Die
Afra war einmal JhreJugendfreundin, nicht wahr? Sie war einmal eifersüchtig auf mich dann versöhnten wir uns wieder das war auf der Weißalm
als Sie mich heruntertrugen bei dem furchtbaren Wetter. Das mußt auch weh thun, so einen Freund sich ganz
entwachsen zu sehen, in eine ganz an
dere Welt hinein, wie Sie zum Beispiel
ein wahres Gluck, daß es bei einem solchen Mädchen doch nicht so tief geht." Glauben Sie das, Fräulein Bessy?"
Bessy blieb stehen. Sie nicht? Ah!"
Dürft ich's ja von mir selber nicht
glauben bin ja auch ein Vauern-
kind "
Haben Sie es denn schon ersah-
ren?" Die Früge klang hochmüthig
und spöttisch zugleich.
Da thät ich mir leid, oft, nur zu
oft" Ei. dann hätten Sie auch alles ein
setzen sollen für Ihre Afra und nimmer
dulden, daß sie so viel leiden muß
Es sprach eine unverkennbare Gereizt-
Keit aus den Worten.
Ich spreche jetzt nicht von Afra
überhaupt "
Aber ich spreche davon, und ich will
sie jetzt in meinen Schutz nehmen soich allein."
Sie schritt rascher vorwärts. Sie
können schon umkehren ich .oerde es bei Papa schon vertreten. Aus dem
Abzug von der Alm wird nichts. Csc bersSie sich keine Mühe."
Anderl hielt wirklich an. Ganz heiß stieg es ihm auf von Verehrung, Bewunderur.z, und sie mußte ihn für einen Feigling halten. Der Gedanke
war nicht zu ertragen! Er war im Nu an ihrer Seite und griff, ohne daß sie es verhindern konnte, nach, ihrer Hand und küßte sie verheißungsvoll. j . Bessy wurde feuerroth. Wo haben Sie denn das gelernt?" fragte sie, sich
mit einem metallisch klingenden Lachen über die Situation hinweghelfend.
Hier im Wald, unter Ihren neben
Augen, die einen Wilden zum Nitter machen."
Zum Ritter? Ja, Anderl, zum
Ritter alles Guten!"
Jawohl, itfid zum Feind alles
Schlechten, wie es im Märchen heißt!"
Jetzt drängte Bessy. die jedes weiere Wort fühlte. Wir vergessen noch
über dem Märchen die Wirklichkeit. Kommen Sie, kommen Sie!"
Schweigend schritten sie durch den
Sommer.wald. Schon trat die viaue Masse des Hochvogls durch eine Lücke
bervor. nur ein Hohlweg war noch zu
durchschreiten, dann kam man auf die
Almlichte da blieb Anderl plötzlich
stehen und horchte. I5m sremvarllger Ton drana in den Wald, ganz ferne
Stimmen in strengem Rhythmus.
Was ist das?" fragte Bessy. Deutlich vernahm man jetzt das Gearükt seift Du, Maria." Es war
eine tiefe Männerstimme. Sie klang unendlich traurig durch den lichtdurchflutheten Wald.
Jetzt zweifelte Anderl nicht mehr.
-Ein Unalück ist geschehen. Fräulein
Bessy. Sie bringen einen Verunglück-
ten werden sehen dabei betet man.
Einen Holzknecht viellttcht oder erg-steiger-" . ; .
Der Kops emes Pserves er crnen
vorn auf dem Weg, Männer mit entblößtem Haupt Herr, gib ihm
die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Amen!"
Anderl entdeckte gerade noch zur rech-
ten Zeit' eine Stelle, die wenigstens das Ausweichen ermöglichte.
Es war ein. kleiner Leiterwagen, von
einem dickbäuchigen Braunen gezogen,
der in der Höhlung einhersuhr. Seine
Last, über deren Art tan Zweifel sein
konnte, war in eine graue Pferdedecke
gebreitet. Es war eine Leiche, die darunter lag. Die Form des Kopfes hob
sich deutlich ab, der rechte Arm ragte steif über den Wagen hinaus.
Bessy ergriff, von emem Schauer ge-
packt, die Hand Anderls und preßte sie fest. ' .
Anderl wußte, wen sie brachten. Sein
Blick blieb über dem Wagen an einem
blassen Gesicht haften, das immer wie-
der dicht über dem Todten austauchte
-Afra! Daneben ein junger Mann,
finster, verbissen, seine Lippen beweg-
ten sich nicht im Gebet Alban!
Um Gottes willen, wen bringen
sie?" flüsterte Bessy zitternd. Jetzt war
es doa) die Ludemannstochter, die zu
ihm sprach.
Einen Vertriebenen," sagte er herb. Den alten Wachter! Er hat den alten
Thurm sich erspart
Mein Gott! Mein Gott!" flüsterte
Bessy, von Entsetzen und Mitleid er griffen.
Jetzt kam der Wagen. Die beiden
Manner zur Seite achteten, m ihr Ge bet vertieft, nicht auf die Beiden.
Afra sah auf und erkannte Anderl;
sie blieb stehen, wie in den Boden gewurzelt, und die Nöthe des Unwillens färbte ihre Wangen. Das Fräulein
Lüdemann," sagte sie dann, Bessy er-
kennend, in bitterem Hohn. Schad, daß Ihnen ein anderer zuvorgekommen is, a Barmherzigerer, als Ihr
seid."
Der Zug stockte plötzlich, indem die
Leute in ihrer Neugierde stille hielten. ' Vertretet ihm wenigstens jetzt nim
mer den Weg," rief da Afra, gegen die Beiden vorgehend. Weiter bis an das Grab geht doch net die Hetz. Sagen Sie das Ihrem Vater. Er soll sich hüten. Dort steht die Afra!" Sie erhob drohend die Hand gegen Bessy.
Ein haßerfüllter Ausdruck entstellte das
Gesicht.
Bessy wagte nicht, sie anzusehen, ganz zerknirscht kniete sie am Boden.
Anderl machte einen schwachen Versuch,
sich zu vertheidigen. Es ist a ganz
anders, wir sind gekommen, um Eua zu holen."
Zu holen? Wohin denn?" Afra lachte schmerzlich auf, dann straffte sich
plötzlich ihre Gestalt. Daß Du es
wagst!" Sie wies auf die Leiche auf dem Wagen. Das is der Zweit, den
ein Rohrbacher auf dem G'wissen hat jetzt langt es! Weiter, Leut, vor
wärts!"
Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung, böse Blicke trafen die Beiden. Der Zug verschwand, das Murmeln
verlor sich langsam, nach abwärts, im Wald. Anderl wcte ihm folgen, Bessy hielt ihn zurück. Sie zitterte vor Erregung. Ich bitte Sie, warten wir. Ick) fürchte mich vor diesem Mädchen. Anderl fand keine Rechtfertigung. Erst als der letzte Ton der Betenden verhallt, traten sie den Heimweg an. Bessy lief fast den Berg hinab, eine unbezähmbare Unruhe hatte sie befallen. Der Vater mußte sofort Nachricht erhalten von dem traurigen Fall, mit feurigen Zungen wollte sie mit ihm sprechen. Das muß alles anders werden um jeden Preis! Und Sie müssen mir helfen Sie können nicht ruhig zusehen bis noch mehr mein Gott, Sie sind ja selbst wie kann man denn nur der gute Vater so gut und doch!" Anderl folgte ihr zerknirscht, von Selbstvorwürsen gepeinigt. Sie hatte ganz recht: warum war er denn nicht für den Wachter eingetreten, mit allen Mitteln, auf iede Gefabr!
' Ich ' helfe 'Ihnen' Fräulein Bessy,
und wenn es mein Leben gelten soll.
Verlangen Sie, was Sie wollen! Was
Sie wollen! Ich nehme Sie beim Wort!
Hören Sie!"
Sie reichten sich :m fluchtigen Schritt
die Hände. Das Dorf lag nun dicht vor ihnen. Von dem Kirchthurm her
ertönte die Todtenglocke. Der Wachter zog ein in Rohrbach.
Im Nu hatte sich die Kunde von
kem Tod des Alten auf der Weißalm verbreitet, ebenso rasch wurde für die gehörige Ausschmückung gesorgt. Er war verhungert, ohne ärztliche Hilfe ge-
storben der Gram um den verlorenen
Hof hatte ihn in das Grab gebracht C . - . I I V' ? X
rurz, oer uoemann yane iyn geueyen.
Laute Schimpfworte, Drohungen sielen die bleiche Afra, die Tochter, mjt dem Gram, dem drohenden Groll im
Antlitz, der Alban daneben, von dem
die abenteuerlichsten Gerüchte gingen:
das war ein Anblick, der die drohende
-Stimmung noch erhöhte.
Und als NUN noch dazu gerade vom
Werk herab die Schichtglocke ertönte.
eme Schaar rumger Arbeiter mit den
Grubenlampen zu der Menge stieß, da
war der Auflauf fertig! Des Alban rauhhaariger Hut mit der flotten Spielhahnfeder war bald da, bald dort sichtbar und inmitten des Gedränges sah man eine vornehme Dame an der Seite eines jungen Herrn, des Rohrbacher Anderl! Jeder kannte ihn, und zu jeder andern Stunde hätte sein Erscheinen genügt, alle Gemüther zu beruhigen augenblicklich aber war der Name Rohrbacher verhängnißvoll, noch verh'ängnißvoller die vornehme Dame an seiner Seite. Man lachte und schimpfte, machte halb Scherz, halb Ernst daraus. Als aber Anderl, der die bebende Bessy fest am Arm hielt, empört über die Roheit, seine befehlende Stimme hören ließ: Zurück! Schämt Euch! Seid Ihr noch ehrliche Arbeiter? Eine Dame belästigen!" da entlud sich der allgemeine Unwille auf ihn, kaum daß er vorwärts kam. Natürlich der Herr Bräutigam! Lüdemann und Rohrbacher! Eine sau-
bere Kompagnie! Das kann gut werden! Eine Dame! Der Anderl mit
einer Dame! Wir brauchen keine Da men! 'Naus! 'Naus damit!"
Jetzt hatte Anderl den Rohrbachho
erreicht, umdrangt von der Menge. Unter der Thür erschien der Rohr-
dacher. Das war ein Unglück. Er
hatte ein Weinglas in der Hand, das Hütl mit dem Gemsbart schief auf dem Kopf, und strich sich herausfordernd
den Schnurrbart. Oho, was ist denn da los?"
Allgemeines Gejohle erhob sich. Was will denn der Faulenzer? Werft ihm die Fenster ein! Hinaus mit dem
Herrn Obermgermeister!"
Der Rohrbacher befand sich in bester
Laune, da einige Herren aus der Stadt zur Jagd da waren, und nun wurde er
beim Essen gestört.
Seid Ihr verruckt worden oder
was? He, heraus da! Meine Buchs!
Da stürmte schon Anderl an ihm vorbei mit Bessy, riß ihn zurück und
warf die Thür in's Schloß. Steim polterten dagegen, von allen Seiten umschwärmte man das Haus, Fenster
wurden eingeworfen. Vom Bergwerk,
vom Dorf sammelten sich neue Massen,
vom Lärm angelockt. Die Gendarmerie
war völlig rathlos der Menge gegen über. Die Sache wurde bedenklich. Da er
schien Lüdemann selbst auf dem Platz. Der unerwartete Anblick, der kühne Muth des Mannes, der in diesem Au-
genblick ganz allein zu erscheinen wagte,
lahmte die ganze Bewegung. Ruhe!
Zurück!" rief er mit herrschgewohnter Stimme, die so tief und voll tönte wie immer. Seid Ihr ungezogene Kinder
oder Männer?"
Der wüste Lärm ging in ein dumpfes Murmeln über. Männer seid Ihr, die ihre Beschwerden auf eine vernünftige Weise vorbringen können! Habe ich Euch jemals damit abgewiesen?
Also! Was wollt Ihr von dem Mann in dem Haus da? Was hat er mit Euch
Arbeitern zu thun? Nichts, gar nichts! Was hat der Todte da, unten in der Kapelle mit Euch zu thun? Wieder
nichts, im Gegentheil, er war Euer Feind, so lange er lebte. Wäre es nach ihm gegangen, kein Mann hätte hier
fern Brot gesunden. Was hat dieser
Alban mit Euch zu thun, der dort steht
und mich mit semen Blicken todten
möchte? Ein Wilddieb mit ehrlichen
Arbeitern? Nichts! Gar nichts! Schämen sollt Ihr Euch. Aber wi? haben miteinander was zu thun, wir sind Arbeitsgenossen, Bürger einer neuen
Zeit, die zusammenstehen sollen. Laß
den Todten ruhen, hier sind mehr todt
als einer! Den Lebenskräftigen
Euch gehört die Welt!"
Völlige Stille war eingetreten. Lüdemann beherrschte sie wieder alle.
Einzelne Gegenrufe wurden noch laut verhallten aber wirkungslos.
Die Menge war bereits bedeutend
dünner geworden. Die Letzten, die wie
von ihm gebannt standen, stammelten
noch Entschuldigungen, die sie mi
schwerfälligen Armbewegungen hervor-
brachten. Sie wußten's selber nel wie'Z so kommen fei und den Rohrbacher könnten's halt net leid'n." ..üdemann strafte sie .mit ewem ae
ringschätzigen Blick und betrat das Haus. Auf dem nichts weniger als
bäuerlich gebecuen Tisch stand noch da
angebrochene Mahl, Sektflaschen in den
Kübeln, Cigarrendampf füllte den
Raum. Die Bedrücktheit der Gesell schaft paßte schlecht dazu. Der Ein
fritt' Lübemanns machte' die Situation
noch peinlicher.
Sem Blick verrieth nichts Gutes. Er
blieb auf dem Rohrbache? haften, der
sich den Schweiß von der Stirn
wischte.'
Jetzt wissen Sie wenigstens gegen
wen und gegen was sich der allgemeine Unwille richtet."
Da müßte ich aber doch bitten"
ermannte sich der Rohrbach??. Habe ich den Wachter vertrieben ?
Es handelt sich nicht um den Wach-
ter, das ist ';r albernes Gerede um Sie handelt es sich um Dich" er wandte sich an seinen Sohn, um dieses ganze Wesen hier, das die Leute
anekelt an dieses Drohnennest inmit-
ten einer Welt der Arbeit! Entschuldigen Sie, meine Herren," wandte er sich an die beiden Gäste. Ich spreche na-
turlich nicht von Ihnen aber es ist
kein Augenblick für Redensarten. Ich
will das Werk nicht durch so lugnensches Gebaren schädigen lassen die Jagd wird aufgegeben. Der Rohrbacherhof ist wieder ein Hof und kein
Jagdhaus. Mit Dir rede ich noch wei-
ter. Franz. Keine Widerrede! Wo ist
meine Tochter?"
Oben," erklärte der Rohrbacher
hastig. Uebrigens wüßte ich nicht, was Sie mir in meinen vier Wänden
zu befehlen hätten, Herr Lüdemann?
Das überlegens Ihnen noch."
Ludemann lächelte boshaft. Das überlege ich mir noch, ganz richtig."
Damit verließ er das Zimmer.
Oben lag Bessy in du Pflege Resls.
Die Todesfurcht, die sie erlitten, hatte
ihre Nerven völlig abgespannt. Erst
überkam sie eine völlige Apathie, in der sie regungslos, ohne die geringste Theil-
nähme, den tosenden Larm der Menge
über sich ergehen ließ dann erfaßte sie
em Wemkrampf, in dem sie, zede Rucksicht vergessend, sich in die Arme Anderls, ihres Retters, warf. Der furchtbare Gang in seinen Armen, inmitten des erregten Volkshaufens, feine sichtliche Vereitschaft, fein Leben für sie zu opfern, hatten die letzten Schranken zu Boden gerissen, die sich noch zwischen ihr und ihm erhoben, die Wahrheit drängte sich unerbittlich auf: sie liebten
,sich.
Bessy empfing Ludemann mit einem lauten Freudenschrei. Alles, was sie heute schon über den Vater gehört, über ihn gedacht, war vergessen, jetzt war er der Retter. Und auch er war tief bewegt und umschloß sie mit einem innigen Gefühl. Das schwärmerische Lob, das nun Bessy über Anderl ergoß, nöthigte ihm ein Lächeln ab. Ich weiß alle's, Kinder! Du hast Dich wacker gehalten, Anderl! Kennt Ihr Euch jetzt aus, wie sie es meinen mit mir? Habt Ihr
Eurem guten Volk nun . einmal bis in das .Herz gesehen? Na, dann preise ich den Tag, dann habe ich zwei Mitarbei-
ter an Euch gewonnen.
Die hast Du auch gewonnen," ent-
gegnete Bessy, nur " Nur " nahm ihr Lüdemann das
Wort aus dem Mund, muß manches
anders werden, vieles sogar. Ich habe
eben den Anfang gemacht, da, mit dem
Vater Anderls. Hören Sie es nur mit an, Jungfrau Resl," wandte er sich an das Mädchen, für die der Lüdemann immer etwas Unnahbares hatte, der
Rohrbacherhof muß wieder her, gearbei-
tet muß wieder werden! Die Hunde hinaus, Vieh herein die Felder in Ordnung eine Musterwirthschaft muß
da herein.
Ja, aber das wäre ja meine Seligkeit. Die Hand thät ich Ihnen küssen darum," meinte Resl, den gefürchteten
Mann anstarrend, da sie kaum glauben konnte, was er ihr sagte. Nur eine Bitte hätte ich, Herr Lüdemann," fügte
sie schüchtern hinzu.
Heraus damit! Ich bin gerade in
Geberlaune.
Net wahr der Alban Sie wissen schon er ist nur verbittert, net schlecht wenn ich gerade ein gutes Wort für
ihn einlegen durft."
Du meinst wohl, ich zeige ihn als
Aufwiegler an? Ich fürchte ihn?
Lüdemann lachte. Der Alban und die Afra können jederzeit in den Thurm einziehen, den ich für den Vater bereit stellen ließ und wenn sie arbeiten wollen, werde ich für Arbeit sor-
gen. Noch etwas auf dem Herzen
Jungfrau Resl? Ich rechne auf Sie als Bäuerin vom Rohrbacherhof ein
Bauer wird sich noch dazu finden! Jetzt
kommt, Kinder, und erzahlt mir Eure
Abenteuer. Ich habe Hunger."
Resl sah ihm in starrer Bewunde-
rung nach. Das war kein gewöhn
licher Mensch das war ein Zauberer, der die Menschen verhext und mit ihnen
macht, was er will. (Fortsetzung folgt.) djtvev gekränkt
in. '.
Warum hat denn der Steinhof
bauer gestern sein Weib so durchgeprügelt?" Aus Eifersucht!" So! Ja. was hat's denn da gegeben?" Na, gestern, wie er mit sein' Preisochsen von der Ausstellung hoamkemma is, hat sei Alte z'erscht 'm Ochsen a Bussel 'geben und net eahm!"
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