Indiana Tribüne, Volume 28, Number 19, Indianapolis, Marion County, 14 September 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Westfaken. Vrambauer. Auf Zeche Mi nister Achenbach" lösten sich während der Schicht plötzlich größere Felsmassen aus dem Hangendem und stürzten an einer Stelle herab, wo geQde eine Anzahl Bergleute beschäftigt waren. Der Bergmann Elias wurde aus der Stelle getödtet, mehrer', andere wurden schwer verletzt. Dortmund. Die 68jähr!ge Frau Kaput hatte sich beim Fertigmachen der Lampe etwas Petroleum aus ihre Kleider verschüttet. Plötzlich stand die Unglückliche in Flammen und erlitt, trotzdem sofort Hülfe herbeieilte, so schwere Brandwunden, daß der Tod binnen kurzem eintrat. G r o n a u. Die Firma M. van Delden & Co. stiftete anläßlich ihres 50jährigen Bestehens 100,000 Mark für eine Wittwen- und Waisenkasse, sowie 20,000 Mark für eine Pensionslasse. I s e r l o h n. Graveur Ludwig Ruschenburg, ein Greis von 65 Iahren, wurde seit kurzem vermißt. Er. ging zur Arbeitsstelle, ist aber nicht heimgekehrt. Da sich bei Ruschenburg in letzter Zeit Spuren von Schwermuth bemerkbar machten, fürchten die Seinigen ein Unglück. L ü g d e. Ein bedauernswerthes Unglück hat sich hier zugetragen. Das Ljährige Töchterchen des Wegewärters August Vogelsang fiel in einen Topf mit kochendem Essen und wurde so verbrüht, daß es starb. Die Familie Vogelsang ist umso mehr zu bedauern, da vor einigen Jahren ein Knabe in der Emmer ertrunken ist. Minden. Sein 25jähriges Jubiläum als erster Beamter der hiesigen Gewerbeinspektion feierte der jetzige Geh. Regierungs und Gewerberath Raether. Von Behörden und Privaten gingen ihm viele Glückwünsche zu. R h e i n e. Der Bauarbeiter Bernh. Prus nahm mit mehreren anderen Arbeitern ein Bad in der Ems. Während des Badens gerieth Prus in einen Strudel und verschwand vor den Augen der Mitbadenden. Soest. Das 3jährige Töchterchen des Gutsbesitzers Adam in HerringserHöfe fiel in einen Eimer .siedenden Wassers. Es erlitt derartige Werletzungen, daß es seinen Leiden erlegen ist. , Il)einprcV?nz. Köln. Zum Nachfolger des Bischofs von Anzer als apostolischer Vikar von Süd - Schantung ist Pater August Henninghaus (geboren im Jahre 1862 in Menden in Westfalen) vom Missionshause in Steyl ernannt worden; er wirkt gegenwärtig als Lehrer am Missionsseminar in Fentschoufu und war lange Zeit die rechte Hand" des Bischofs von Anzer. V a r m e n. Bei der Reinigung eines Jauchekellers, welcher vollständig leer war, ist ein Menschenleben zu Grunde gegangen. Bei dem LandWirth Fritz Fischer auf Eynern sollte ein Jauchekeller gereinigt werden. Zunächst stieg der Sohn Fischers hinein; durch den in dem Gewölbe herrschenden Dunst wurde er betäubt und fiel um. Sein Vater folgte ihm in den Keller und hob ihn heraus, wurde aber ebenfalls betäubt und stürzte zu Boden. Es stiegen nun noch zwei Männer in die Grube, um den Vater Fischer herauszuholen, wobei Stricke anwendet wurden. Die Rettung gelang auch, leider ist aber einer der Retter, der Sohn des Landwirths Winkelmann, infolge der Einathmung giftiger Gase kurz darauf gestorben. Die Anderen haben sich wieder erholt. Neuenhausen (Grevenbroich). Ein 81 Jahre alter Mann von hier, Franz FabriciuS mit Namen, wurde in seiner Wohnung erhängt aufgefunden. Der Lebensmüde hat die That infolge Geistesschwäche ausgeführt. Ruhrort. Amtsgerichtsrath a. D. Carp und Frau schenkten der hiesigen Stadt 10,000 Mark zur Anläge eines Volksbzdes. Solingen. Auf eine 2Sjährige Thätigkeit in der städtischen Verwaltung konnte' Sparkossenrendant Mottel zurückblicken. Trier. Bei dem herrschenden niedrigen Wasserstande wollten die zwei Brüder Classen bei Trittenheim die Mosel durchschreiten. Beide ertranken. Auf dem Bahnhofe in Wittlich wurden dem Rangirer Peter Kaster beide Beine abgefahren. Bald darauf starb er. Provinz Kessenf'Frassclu. Kassel. Amtsgerichtsrath Dr. Schmidt erhielt beim Uebertritt in den Ruhestand den Kronenorden 3. Klasse. Ginnheim. Auf der Eschersheimer Landstraße ereignete sich ein tödtlicher Unfall. Schreinermeister Heinrich Goll von hier wollte auf dem Rade nach Hause fahn. In der Nähe der Hundswiese fuhren zwei Lastwaaen hintereinander und in entgegengefetzter Richtung kam die Eschersheimer Lokalbahn. Goll wollte ausweichen, gerieth aber zwischen den vorderen Magen ein Backsteinfuhrwerk der Firma Heyl in Eschersheim und die Bahn. Er kam zu Fall, schlug auf einen Randstein auf und brach das Schläfenbein. . Der Tod trat sofort ein.

Frankfurt . M. Von einer Aufsehen erregenden Flucht wird" in hiesiger Stadt viel gesprochen. Ein junaer Arzt, Dr. Schulz, der auf der Zeil wohnte und in Sportkreisen viel verkehrte, wird vermißt. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß er bei einer Offenbacher Portefeuille - Firma eine Schuldsumme von angeblich 205.800 Mark contrahirt und damit das Weite gesucht hat. Fulda. Die 13jährige Regina Kircher von Löschenrod wurde in einem Kornacker mit schweren Verletzungen im Gesicht und am Kopfe aufgefunden. Ein Sittlichkeitsverbrechen liegt nicht vor. Das entsetzlich zugerichtete Mädchen erlag bald seinen Verletzungen. Der Verdacht der Thäterfchaft hat sich auf die Stiefmutter gelenkt, eine Polin, die erst vier Wochen mit dem Vater des Kindes verheirathet ist. Mitekdeutsche Staaten. Braunschweig. Der wegen Ermordung der 11jährigen Helene Bevenroth in Hagenhof bei Königslutter zum Tode und zu iy2 Jahren Zuchthaus verurtheilte Kuhknecht WilHelm Duwe hat nunmehr dem Ersten Staatsanwalt gegenüber ein umfassendes Geständniß abgelegt. Darnach hat er den Schäfer Frömling zu Unrecht bezichtigt, sich an dem Kinde vergangen zu haben, vielmehr hat Duwe es selbst feit längerer Zeit mißbraucht. Erst als das Kind sich widersetzt und mit Mittheilung an. seine Mutter gedroht hat, faßte er den Plan, das Kind gefügig zu machen oder $u tödten. Diesen Plan faßte er am 3. Juni. Als ihm das Kind Widerstand leistete, schleppte er es in die dunkle Kammer und ermordete es dort. Dessau. Die' Zeitungsträgerin Friederike Kißling fiel in die Mulde und ertrank. Die Leiche wurde nicht weit von der Wörlitzer Eisenbahnbrücke durch Angler gelandet. Die Frau war eheverlassen. Nahrungssorgen sollen sie in den Tod getrieben haben. G-otha. Der 17 Jahre alte Sohn des Forstmeisters Hofmann putzte ein Gewehr in der Meinung, daß es nicht geladen sei. Plötzlich entlud sich die Waffe und die Kugel drang dem jungen Mann in die Brust, so daß der Tod sofort eintrat. G e r a. Durch eigene Schuld kam der Arbeiter Taubert aus Keimberg beim Abliefern von Waaren in der Fabrik von Scheibner & Nickel dem Fahrstuhl zu nahe und wurde von diefem zerquetscht, daß der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte ist unverheirathet. Grub. Die Glanzrohrfabrik des Commercienraths Holzapfel ist niedergebrannt. Jena. Stadtmusikdirektor Seidel hat nach einer 42jährigen Thätigkeit als Musikdirektor aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. DaVon entfallen allein 32 Jahre auf seine mühevolle hiesige Thätigkeit. Sein Sohn Ernst ist vom Gemeinderath als Nachfolger gewählt worden. Der scheidende Dirigent hat stets sein Besies gethan, um die städtische Kapelle auf ihrer Höhe zu erhalten. Meiningen. Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde vom Kaiser der hiesige Ackerer Merches, der wegen Ermordung ftiner Geliebten zum Tode verurtheilt worden war. W e d d e l. Der 19jährige Dienstknecht Hermann Engel wollte in Begleitung seines Herrn, des Landwirths Meiners, mit den Pferden Futter vom Felde holen. Durch irgend einen Umstand wurden die Pferde scheu, beim Aufhalten derselben gerieth der Knecht darunter und wurde so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit eine Leiche war. W u r z b a ch. Im nahen Grumbach ist der Weiß'sche Gasthof total niedergebrannt. Vom Mobiliar ist fast nichts gerettet worden. Der Schaden ist nur theilweise durch Versicherung gedeckt. Sachsen. Dresden. Auf der Königsbrücker Straße, Ecke Lomsenstraße, fuhr der 15 Jahre alte Mechanikerlehrling Hoppe in eine um die Ecke biegende Droschke. Er stürzte vom Rade und die Räder der Droschke gingen dem jungen Manne über den Leib. Mit schweren inneren Verletzungen wurde er mittels Unfallswagens nach dem Friedrichstädter Krankenhause gebracht. Auf der Leipziger Straße stürzte das dreijahriqe Mädchen Hammer aus dem 3. Stocke in den Hof hinab. Schwer verletzt wurde das Kind nach dem Friedrichstädter-Kran-kenhause gebracht. Dem Gendarm Emil König, hier, war eö kürzlich vergönnt, sein 25jähriges Dienstjubiläum zu feiern. A d o r f i. V. Die hiesige Stadtkirche brannte nieder. Die Kirche ist eine der ältesten im Vogtlande, wurde 1511 erbaut und besaß ein herrliches Geläut. Man vermuthet, daß . das Feuer beim Ausbrennen der DampfHeilung entstanden ist. Bernstadt. Schlossermeister Ernst Thäz feierte sein 50j'ahrigeZ Burgerjubiläum. Der Jubilar wurde seitens deS Stadtrathes und des Stadtverordneten Collegiums beglückwünscht. ' Cranzahl i. Erzgeb. Di weithin bekannte Weisbach'sche Brettmühle brannte völlig ab. Viele Holzvorräthe sind demFeuer zum Opfer ge-fallen.

Hochbahnliebe. Von G. Baronin von Parpert, Berlin, Hallesches Thor!" Wie alles athemlos hineindrängt. Nur noch Stehplätze." Verzweifelt schaut sich ein junges Mädchen vergeblich nach einem kleinen Plätzchen um. Es ist nicht leicht auf der Hochbahn sicher zu stehen, zumal wie hier mit Packeten. Da ein Ruck bei einer Curve! Das junge Mädchen, dessen Hände nicht frei, sucht vergeblich nach einem Halt, sie stürzt dabei auf einen jungen Mann, welcher soeben aufgestanden, um ihr seinen Platz anzubieten. Durch den unwillkürlichen Zusammenprall entlädt sich ein Packet seines Inhaltes. Verschiedene feine Gläser rollen zur Erde einzelne in Scherben und eins derselben, welches sie noch retten wollte, verletzte die Hand der jungen Dame. Sie blutet. Allgemeine Bestürzung, besonders von seiten des jungen Mannes. Erschrocken untersucht er, sich als Mediziner vorstellend, ihre kleine Hand, welche sie, gezwungen lächelnd und etwas widerstrebend, ihm überläßt. Man will mit Rathschlägen. Taschentüchern Hilfe leisten. Ernst wehrt er ab. Splitter sind Gottlob nicht hineingedrungen, aber sie gestatten." Damit zieht er ein Ledertäschchen aus seinem Mantel und entnimmt demselben ein kleines Päckchen feines Leinen. Interessirt schauen die Insassen zu. Die junge Patientin zuckt mitunter leise vor Schmerz zusammen. Regelrecht hat der junge Mediziner den Verband angelegt. Einen warmen Druck hauchen die Lippen der jungen Dame. Nollendorfplatz," ertönt eö jetzt. Wie selbstverständlich hat der junge Mann sich der Packete bemächtigt und leitet das junge Mädchen vorsichtig hinaus. Es ist, als sei ste in einem Bann, sie läßt alles über sich ergehen. Sie treten jetzt in's Freie. Ich bin Ihnen vielen Dank schulbig, Herr Doktor." Mir, durch den Sie eben den Unfall erlitten und leicht einen größeren Schaden hätten nehmen können?, Nimmermehr!" Nicht die Folgen, sondern der Grundzug einer Handlung ist bei mir maßgebend, und dieser spricht hier zu Ihren Gunsten, daher gestatten Sie, daß ich beim Abschied " Beim Abschied, mein gnädiges Fräulein? Sie werden doch nicht so grausam sein und mir verbieten, diese kleinen Packete bis zu Ihrer Wohnung zu tragen und Sie selbst dieser gesund zuzuführen. Wie leicht könnten Sie wieder Schaden nehmen, wenn ich z. B. dies umfangreiche Päckchen Ihrem kranken Händchen überließe." Nun, ich steige ja in keine Hochbahn mehr," ist die lächelnde Antwort, doch wie Sie wollen, Sie scheinen energischen Sinnes, zudem wohnen wir nicht weit, sondern in der Kleist-, Ecke Lutherstraße, da werde ich Ihre Güte nicht allzu lange in Anspruch nehmen und " Der Doktor dachte bei sich, und wenn es an's Ende der Welt ginge, würde es an ihrer Seite ihm nicht zu viel werden, setzte aber nur höflich hinzu: Es würde mir im Gegentheil sehr angenehm sein, die mir freundlichst ertheilte Erlaubniß länger genießen zu dürfen." Erröthend nestelte Asta, so hieß die junge Dame, an ihrem Handschuhknöpf. Ich fahre nicht gern mit der Hochbahn," warf sie dann leichthin ein, abgesehen von dem heutigen kleinen Malheur, ist mir dies Hasten und Treiben zuwider. In dem Einsteigen, in der Fahrgeschwindigkeit, in allem concentrirt sich der heutige, ruhelose Zeitgeist, den ich verabscheue." Der Doktor lächelte. Sie mögen von Ihrem StandPunkt aus als Dame Recht haben, dennoch, was ist das Leben anderes als ein zielbewußtes, leider auch oft zielloses Treiben und Vorwärtsstreben? Es liegt dasselbe doch einmal in der menschlichen Natur begründet. Wir dürfen nicht stille stehen. Sillstand Rückstand und Sie gestatten, wenn wir die so viel angefeindete Frauenbewegung in's Auge fassen, der Sie, gnädiges Fräulein, jedenfalls angehören " Aha, Sie gewahrten Wohl den Titel meines Buches hier, mein werther Herr Doktor, nun denn, so mögen Sie wissen, daß ich aus dem Lette-Verein komme, wo ich die Buchhaltung erlerne. Mein Vater, ein eingefleischter Kaufmann, hat mich dazu bestimmt ich für mein Theil " Verlegen hielt sie inne. Nun, ich bin begierig." Nun ja, ich hätte bei weitem lieber Jura studirt, oder," schloß sie erröthend, Medizin." Sie dürfen es nicht nimmermehr." Hastig hatt- er. die Worte ausgestoßen; es war, als wenn er sie bereute. Sie schaute ihn an, unfähig eine Frage auszusprechen. Ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig doch erlassen Sie mir dieselbe, sie würde zu weit führen. Es hieße an eine alte Wunde meines Lebens rühren, welche noch immer nicht vernarbt ist, doch eines hören Sie ich flehe Sie darum an wenn Ihnen Ihr Glück heilig ist, so verbannen Sie diese Ideen aus Ihrer jungen Seele und doch wir sind am Ziel.

So rücksichtslos wie auch die Hochbahn heute mit Ihnen verfahren, mein gnädiges Fräulein, ich möchte dennoch die Erfindung derselben segnen, wenn ich hoffen dürfte, daß Ihre Wunde nicht mehr schmerzt und baldigst heilen wird." Und ehe Asta es wehren konnte, erfaßte er ihre Hand, dieselbe warm an seine Lippen drückend. Rasch ward sie ihm entzogen. Mein Vater würde sich freuen, Sie als Retter seines Kindes begrüßen zu können," scherzte Asta. Nicht heute, gnädizes Fräulein, doch wenn Sie gestatten, werde ich mir erlauben, dieserage meinen Besuch zu machen, um mich nach Ihrem Ergehen zu erkundigen." Mit einer tiefen Verneigung und den Hut in der Hand, empfahl er sich mit hastigen Schritten dem Nollendorfplatz zueilend. Schon waren mehrere Tage vergangen und der junge Doktor ließ sich nicht sehen. Herr Berger, welcher sein Kind abgöttisch liebte, trotz äußerlicher Härte, neckte sie wegen der kleinen, romantischen Begebenheit. Etwas wie Unruhe befiel das sonst heitere junge Mädchen, wenn die Thürklingel Mittags ertönte. Ihre kleine Wunde war in der Heilung begriffen, beim Anschauen derselben entrang sich ihren Lippen ost ein kleiner Seufzer und leise recitirte sie die kurzen, aber inhaltsschweren Worte: ' Es war ein kurzer Augenblick, Doch er entschied mein Lebensglück." Herr Berger sah sein Töchterchen ost prüfend an. Seitdem er sein geliebtes Weib verloren, nahm er sich in treuer Pflichterfüllung und doppelter Liebe des theuren, etwas eigenartigen Kindes an. Mußt mehr in die gesunde Gottesluft, Mädchen," rief er eines Tages das ewige Stubenhocken ist nichts für die Jugend. Marsch, heut in den Thiergarten, Bücher confiscir' ich damit basta, aber nicht wieder mit der Hochbahn, hm, hm." Lächelnd blickte er in das err'öthende Antlitz seines Goldkindes. Die Untergrundbahn soll übrigens noch schlimmer sein, ja, ja, was die Menschen noch alles erfinden werden. Wer weiß, ob nicht für den Berliner Verkehr noch die Luftschiffe in Gang gebracht werden, auf ein paar elende Menschenleben mehr oder minder kommt es ja nicht an." Väterchen, wenn du anfängst pessimistisch zu werden, dann will ich nur rasch Reißaus nehmen, habe überdies am Potsdamer Platz noch zu thun, da will ich mich rasch fertig machen." Recht so, mein Kind, immer Ordre pariren, aber komm' mir nicht unter die Räder." Im Thiergarten schwirrte es voll Menschen. Asta ging tiefer hinein, endlich fand sie eine etwas einsame Gegend und auch eine Bank. Ermüdet, da sie den Weg gegangen, setzte sie sich nieder. Wie schön, solch Ausruhen in Gottes freierNatur, ein wohliger Zauber umfing sie. Ihre Augen schlössen sich erst dagegen ankämpfend war sie dennoch bald entschlummert. Wie lockende Traumbilder sich da entspannen! Sie sah sich an der Seite eines ernsten jungen Mannes, sich selbst im Hause waltend, doch war es nicht der Vater, der da mit liebender Sorgfalt sie umgab, es war ein anderes, ach so wohlbekanntes Männerantlitz, welches ihr tief in die Augen schaute und dann auf eine leicht gerö thete Stelle ihrer Hand deutete und dieselbe innig küßte. Wie von innerem Weh durchzuckt, fuhr sie empor und rieb sich die Augen, denn war es Wirklichkeit oder träumte sie noch in wachem Zustande? Ihr Buch war vom Schoß geglitten, eine kräftige Männerhand hielt es jetzt empor zwei Augenpaare begegneten sich in wortloser, doch desto verständnißreicherer Sprache. Nachdem die erste Ueberraschung vorüber, war es Asta, welche sich zuerst ermannte und heiteren Tones ausrief: Ah, sieh da, Herr Doktor, heute sind Sie der Retter meines Buches sogar geworden, weilen Sie wirklich noch unter den Lebenden?" Auf Astas Aufforderung hat sich der junge Mann an ihre Seite gesetzt. Ich verdiene Ihren scheinbaren Vorwurf, mein Wort nicht gelöst zu haben. Aber es gibt im Leben oft innere Conflikte, deren man schwer Herr wird." Erstaunt schaut Asta jetzt auf. Die zuckenden Lippen, die finster blickenden Augen befremden sie. Sie werden mich erst verstehen, mein gnädiges Fräulein, wenn ich Ihnen die nähere Erläuterung betreffs der Frauenbewegung, welche ich Ihnen noch von neulich schulde, erst gegeben haben werde." Aha, Sie stehen ausArthur Zapp's Standpunkt Ueber weibliche Kraft". So in's grelle Licht gerückt wird allerdings das Frauenstudium herabgesetzt,' zumal in seiner weiteren Erzählung, wo die jungen Studentinnen alle ib rem selbst erwählten Berufe untreu werden und dem Gott Hymen folgen, selbst die junge Frau, welche so eifrig ihren Standpunkt auch in der Ehe betreffs des Studiums festhielt, wird " Dennoch eines besseren, des Weibes einzig wahrer Pflicht belehrt, das, ? gnädiges Fräulein, wollten Sie Hofentlich doch nur sagen! Wohl hat die

Vtaxux aucy vem roerornycn zsqm höhere Gaben verliehen, aber nicht dazu, um den Mann aus seiner Sphäre zu verdrängen, mit ihm zu rivalisiren, keineswegs, denn es ist gegen die innerste Natur und rächt sich früher oder später." - Ein tiefer Seufzer des jungen Mannes läßt ste erschrocken aufschauen. Das Antlitz ist bleich, die Lippen wie im Schmerz zusammengepreßt. Er bemerkt ihre Verwunderung und richtet sich empor. Ihnen, ja Ihnen gegenüber bin ich eine Erklärung scbuldia über mein seltsames Wesen. ' Lassen Sie mich kurz sein. Ich durfte einst ein Glück mein nennen, welches so hoch, so grenzenlos mir erschien, daß ich nur voll inneren Zagens mich daran freuen dürfte, denn gerade an der schönsten Lose nagt innen oft ein Wurm. So hielt ich das berauschende Glück mit zitternden Händen, denn ich kannte eben den Wurm, welcher den Duft meiner Rose mir rauben wollte. Es war die Hochfluth der alles Gute verschlingenden Frauenbewegung. Wehe den Wesen, welche davon begeistert sich hwreißen ließen. Meine fast wahnsinnige Liebe zu dem Wesen, welches der Inbegriff meines ganzen Daseins, ja mein Kosmus, meine Welt war, ließen mich bisher all' die thörichten Regungen der Frauenbewegung in ihrem jungen Köpfchen bekämpfen, ja ich glaubte damals noch an die allbcherrschende Kraft der Liebe. Thörichtes Menschenkind, das ich war, das ich glaubte ein Weiberherz genugsam zu kennen." ' Unwillkürlich hatte Asta wie beschwichtigend leise ihre Hand auf die seinige gelegt. Wie von einem elektrischen Strom berührt fuhr der junge Mann empor, ein heißer Blick loderte aus seinen brennenden Augen ihr entgegen. Doch nur einen Augenblick. Den Blick wieder verschleiernd, fuhr er wie im Banne fort: Meine so sorgsam bewachte Blume erlag dem Wurme des Zeitgeistes. Die Bewegung der Studentinnen riß sie begeisternd mit fort, nichts galt ihr mehr die tiefe, allgewaltige Liebe desjenigen, dem sie sich mit Herz und Mund heilig angelobt. Ihr Jugendhang nach Freiheit, Frauenfanatismus, höherer Frauenbewegung und wie die leidigen Schlagwörter heutigen Zeitgeistes alle heißen, riß sie unaufhaltsam fort und sage ich es kurz dem Abgrunde zu. Doch vorbei warum in Wunden erbarmungslos wühlen, die ja doch nimmer verbluten, aber deren äußere Vernarbung gehütet werden muß. Was ein Wurm an der Rose zernagt, kann nie mehr zum Leben erwachen." Armer, bedauernswerther, junger Freund. Vergessen Sie, das Leben ist groß und schön." Vergessen? Kennen Sie das Wort: Vergessen sollen thörichter Spruch, Vergessen wollen eitler Versuch, Vergessen müssen hartes Geschick, Vergessen können seltnes Glück." Und dies Glück wird und muß Ihr eigen werden, so Sie mit Willenskraft gegen Ihre Gedanken ankämpfen, und " In ihrer Begeisterung hatte sie nicht das strahlende Aufleuchten in den Augen des Mannes an ihrer Seite bemerkt, der, einem raschen Impulse folgend, ihre Hand ergriffen hatte, aber sofort, nach dem heftigen Erschrecken des jungen Mädchens, wieder fallen ließ, welches stotternd ihren Satz nicht beendet. Nein, nein, mein Kismet ist Entsagen im Leben, wer kann mir bürgen für ein sicheres Glück, wo keine solche Enttäuschung meiner harrt?" Eine unbezwingliche Unruhe ließ Asta jetzt sich erheben. Die Sonne rüstet sich zur Neige, ich glaube, ich " Diese gewisse Ahnung einer einst wiederum herben Enttäuschung sie war es, die meinen Fuß vor Ihrer Schwelle zaudern ließ, so ost ich vor derselben stand. Es durfte nicht sein, lieber in der Abendröthe eines ge schwundenen Glückes langsam dahinsterben, als nach dem neu erwachenden . Morgenroth desselben jäh vom trügeri schen Traum wieder erwachen." Leise, ganz leise hat sich eine Hand auf die seinige gelegt, ein strahlendes Märchenauge sich ihm zugeneigt. Und wenn die Morgenröthe nun das hielte, was der Traum verhießen, wenn " Sie konnte nicht aussprechen, fester, immer fester hat des Mannes kraftvolle Rechte das kleine Händchen um schlössen. Jetzt brennt ein langer, inniger Kuß auf demselben. Dann, o dann müssen alle traurtgen Erfahrungen in's Unendliche dahinrauschen und das Morgenroth der Zukunft möge alsdann meine Seele umfangen " Aber keine Frauenbewegung, nicht wahr?" ruft Asta jetzt schalkhaft lachelnd, auch keine in der Hochbahn, gelt?" y, Nein, nein, ein Zusammenstoß in derselben ist u verhängnißvoll, mein künftiges Weibchen dürfte nur elekirisch" fahren und dennoch habe ich mein neues Glück in der Hochbahn gefunden, gesegnet sei darum die neueste Erfindung der Hoch- und Untergrundbahn." Die jetzt scheidende Sonne beleuchtete ein glückliches, junges Paar.