Indiana Tribüne, Volume 28, Number 19, Indianapolis, Marion County, 14 September 1904 — Page 4
Judiana Tribüne, 14. September 1904.
Indiana Tribüne. HerauIgeAeb von der utenderg Indianapolis, Ind. .
Harry O. Thudinm Präsident. Geschaftölocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. Tte ei at the Post Office of Indianapoli a tecond dass matter. Die Heeresvermelzrung in , Deutschland und die xaxi zöstsche Armee. Unser Berliner Correspondent schreibt: ES steht fest, daß dem Deutschen Reichstage bald nach seinem Wiederzusammentritte im Spätherbst eine Vorläge unterbreitet werden wird, die eine Vermehrung der deutschen Truppen fordert. Man kann ziemlich gewiß sein, daß diese Forderung durch den Reichstag genehmigt wrrden wird. AI lerdings haben die Sozialdemokraten, die jeder Heeresforderung grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, eine grö ßere Zahl von Reichstagssttzen inne, als in einem der früheren Reichstage, aber dafür ist im letzten Jahrzehnt der Widerstand gegen Forderungen für das Heer oder für die Marine bei den übrigen Parteien geringer geworden. Es wird kaum wieder vorkommen, daß das katholische Zentrum, die stärkste Partei des Reichstages, einstimmig ge gen eine HeereZforderung stimmen wird, wie ste eS in den Jahren 1837 und 1893 that, und daß sie dadurch eine Auflösung deS Reichstages nothwendig machen wird. Auch bei der liberalen Opposition ist die Abneigung gegen Heeresvermehrungen nicht mehr r. . n..k.f'ji.!i . ? r-jic . i 10 grunoagucy, lvie IN sruyeren Jenen. ES wäre aber verfehlt, wenn man auS der Forderung einer Heeresverstärkung und auS ihrer Bewilligung durch den Reichstag schließen 'wollte, daß die deutsche Regierung und das deutsche Parlament den Frieden als besonders bedroht ansehen. Vielmehr entspricht die gegenwärtige Heeresmehrung ledig lich der Gewohnheit periodischer Heeres Verstärkung, ja, eS ist sogar diesmal seit der vorigen Heeresforderung ein längerer Zeitraum verstrichen, als irgend wann in den letzten beiden Jahrzehnten. Die deutsche Armee wurde vergrößert in den Jahren 1887, 1890, 1893 und 1893. Während sich also der Zwischenraum zwischen der gegenwältigen und der vorigen HeereSverstärkung auf 6 Jahre beläuft, betrug tr JVntftrnnT ttitr 5! rtfir nnh rn V JJIVVIMIWt I JV VT JHtli MIIV vttl " mal 5 Jahre. Die periodische Verstärkung der deutschen Armee steht in engem Zusammenhange mit dem in Deutschland .geltenden Grundsatze der allgemeinen Wehrpflicht. Soll dieser Grundsatz zur Durchführung gelangen, so muß natürlich die Friedensstärke des Heeres in Uebereinstimmung gebracht werden mit'dem Wachsthum der Bevölkerung. Nach der Begründung des Deutschen Reiches wurde die Friedensstärke der Armee ohne Ossiziere auf 1 Procent der Bevölkerung angenommen. DamalS aber betrug die Bevölkerung des Deutschen Reiches 40 Millionen, wäh. rend sie sich am 1. April 1905, an welchem Tage da neue Heeresgesetz in Kraft treten würde, auf etwa 60z Millionen belaufen wird. Wenn also damals die HeereSstärke auf etwa 400,000 Mann bemessen wurde und wenn sie nach der neuen HeereS Forderung ungefähr 605,000 Mann betragen wird, so bedeutet dieS zwar eine absolute Vermehrung deS deutschen Heeres, nicht aber eine rela tive, da das Verhältniß der FriedensPräsenzstärke zurBevölkerungsziffer dasselbe geblieben ist, wie vor einem Men' schenalter. Unvergleichlich größere Anstrengungen hat Frankreich gemacht, auf dessen Heeres Verhältnisse Deutschland so lange besondere Aufmerksamkeit wird verwenden müssen, wie ein großer Theil deS französischen Volkes an dem Wunsche festhält, Rache für die Niederlage von 187071 zu nehmen. Die Stärke deS französtfchen Heeres also belief sich im letzten Etatsjahre einschließlich ,von 24,354 Ofsizieren 606,000 Mann, so daß Deutschland nur einen Vorsprung von 8000 Bewaffneten des Landheeres hatte. Dieses Plus würde sich in ein Minus verwandeln, wenn man die Bewaffneten der Marine hinzuzählte, da Frankreich dem Deutschen Reiche an Kriegsschiffen und demgemäß auch an Bemannung derselben überlegen ist. Ist daS französische Heer absolut ge nommen dem deutschen an Kopfzahl
gleich, . so ist die französische Kriegsan-
stcengung relativ eine viel größere als die die deutsche. Die Bevölkerung Frankreichs stand nach dem deutschfranzösischen Kriege nur um 4 Millionen hinter derjenigen Deutschlands zurück. Sie ist aber vom Jahre 1872 bis zum Jahre 1903 um kaum 3 Millionen gestiegen, nämlich von 36,100, 000 bis auf etwa 39,100.000. In derselben Zeit ist Deutschlands Bevölkerung um etwa 20 Millionen gestiegen. Deutschland wird im Jahre 1905 um mindestens 22 Millionen mehr Einwohner hkben, als sein westliche Nachbarland. Wenn deshalb selbst nach der neuen Heeresverwaltung die Friedensstärke der deutschen Armee etwas größer sein wird, als diejenige der französischen, so wird dieser Unterschied doch nur ver schwindend sein im Verhältnisse zu dem gewaltigen Unterschiede der Bevölkerungsziffer beider Länder. Schon darauS geht hervor, daß Deutschland den Franzosen gegenber nur eine defensive Tendenz verfolgt, denn wenn es aggressive Pläne hätte, könnte es seine Friedensarmee um 200,000 Mann stärker machen, als die französische ist. Faseleien und kein Ende verübt wieder die angebliche Wohlthäterin der Menschheit, die News". Sie freut sich, daß eine Ordinanz eingereicht wurde, die den Preis von Heizgas auf 50 Cents feststellt. Der Preis wäre wohl-jedem Bürger angenehmer, uns in erster Linie. Aber wo ist das GaS ? Die GaS Co. fabrizirt nur Leuchtgas. Hat überdies gar nicht das Recht, HeizgaS herzustellen. Der gegenwärtige Preis des Leuchtgases ist 90 Cents. Wer eS zu Heizzwecken gebrauchen will, muß eben den Preis zahlen. Die Pflicht der Stadt es einfach darauf zu achten, daß die 18 Kerzen Leuchtkraft von der Gasgefellschaft geliefert wird,wenn die Bürger sich aber billigeren Gases für Heizzwecke erfreuen sollen, so muß erst die Gerechtsame verliehen werden, solches zu fabriziren. Vielleicht dürfte sich die News" bewegen lassen. da sie doch so sicher ist, daß mit 50 Cents ein großer Prosit in Brenngas ist, einen Freibrief zu erlangen. Venedigs Stadtverw a l t u n g hat mehrere mit elektrischer Betriebskraft ausgestattete Gondeln angekauft. .Grand Army"-Mitglie-d e r gibt es zur Zeit noch 240,261; 14 Jahre zuvor hat ihre Zahl noch 409,484 betragen. Uedermoderne Frauenberufe in England wird berichtet: Die Telephonistinnen haben sich unlängst zu einer Trades Union zusammengeschlossen; diese Thatsache zeigt deutlich. welcheVedeutung die Frau im erwerbsmaßigen Leben spielt. Nach der letzten Volkszählung giebt es in England und Wales 4.171.751 Frauen über 10 Jahren, also fast ein Viertel der gesummten weiblichen Bevölkerung von 16.779.230 Köpfen .die in verschiedenen Berufen thätig sind. Davon sind 3.254.242 oder über 78 Prozent unverheirathet und 917.509 verheirathet oder verwltwet. Besonders zu bemerken aber ist der Umstand, daß ein großer Theil dieser Frauen in Gebiete eingedrungen ist. die den Männern bisher ausschließlich vorbehalten zu sein schienen. Es giebt nämlich nach der Volkszählung 86 Auktionatorinnen, 6 Architektinnen. 39 Gerichtsdienerinnen. 316 weibliche Schmiede. 3071 Ziegelstecherinnen. 3850 Schlächterinnen. 54 Schornsteinfegerinnen. IDeckarbeiterin, 5170 weibliche Goldschmiede, 9693 Druckerinrien. 745 Gepäckträgerinnen und 3 Thierärztinnen. Da ist heute kaum noch ein Industriezweig, ein Be ruf oder ein Gewerbe, in dem nicht Frauen in einer oder der anderen Form beschäftigt wären. Die Zahl der in den Bureaus der Londoner City beschäftigten Damen ist, der offiziellen Statistik zufolge, von 1891 bis 1901 von 17,859 auf 55,784 gestiegen. Während die Zahl der männlichen Kontorisien in diesen 10 Jahren um 34.2 pro Hundert zunahm, vermehrte sich die Zahl ihrer weiblichen Kollegen um 300 Prozent. Die Jahresproduktion der Ver. Staaten in Eisenerzen im Jahre 1903 übertrifft mit 35,019.308 Tonnen, einem Rückgang von 539,827 Tonnen im Vergleich mit 1902, die Deutschlands, Luxemburgs und Großbritanniens zusammengenommen. Es wurden trotzdem noch 98,440 Tonnen im Werthe von $2,261,008 im Jahre 1903 importirt. Ein Flacon orientalisches Rosenöl, das nur wenige Tropfen enthält, reicht für Jahre aus, um den Kleidern und der Wäsche den vornehmen Duft der Rose zu verleihen. Das Parfüm der echten Essenz ist so stark, daß man ein Fläschchen geschlossen in den Wäsche- oder Kleiderschrank legen muß, da es, wenn geöffnet, einen . zu starken Geruch ausströmen würde.
Die Jnternatiouale Convention der Brauerei-Arbeiter.
Die dritte Tages-Sitzung wurde gestern Vormittag vom Vorsitzenden deS vorhergehenden Tages, Cd. Breitenbach, zu? Ordnung gerufen. Für den gestrigen Tag wurden W. H. Graden zum Vorsitzer und W. L. Steub zum ViceVorsitzer erwählt. Das Protokoll von den MontagsSitzungen wurde wie verlesen angenommen. Genosse E. W. Garrifon, ein Vertreter der Western Föderation of MinerS erhielt das Privilegium, eine Ansprache an die Convention zu halten. Er dankte dem Internationalen Verband der Vereinigten Brauerei - Arbeiter im Namen der Federation of MinerS für die großartige moralische und finanzielle Unterstützung. welche derselbe durch die Mitgliedschaft deS Verbandes den kämpfenden Genossen erwiesen. Er versicherte dieDelegaten, daß elleS Geld, welches zur Uterstützng beigesteuert wurde, ausschließlich zur Linde rung der Noth der streikenden Grubenarbeiter verwendet werben würde und und für keinen andern Zweck. Zu Mitgliedern deS BeamtenBerichte Comites wnrden erwählt: Kolb, Niklaus, Pommer, Vogel, Eggemann, Dempfey und Zusi. Die verschiedenen am Montag erwählten resp, ernannten Comites berichteten, daß sie sich durch Erwählung der Beamten organisirt hätten. Nachdem der Vorfitzende noch alle Delegaten instruirt hatte, am Donnerstag Nachmittag onwcsend zu sein, um ihre Eisenbahnfahrkarten in Ordnung zu bringen, fand Vertagung bis heute Vormittag 9 Uhr statt. Am Nachmittag ließen sich die Delegaten, welche sich auf den Stufen deS Krieger - Denkmals gruppirt hatten, Photographiren. Hierauf wurde eine Trolleyfahrt durch die Stadt unternommen. Ein vergnügter Abend. Am Abend waren die Delegaten die Gäste der Indianapolis VrewinA Co.", welche dieselben zu einem Banquet im Germania Pari eingeladen hatte. ' Bei ihrer Ankunft im Park wurden die Herren von Vertretern der Brauerei empfangen. ?' ' Nachdem das in jeder Beziehung hochfeine Banquet abfolvirt worden war, bielt National-Secretär Zorn eine treffliche Ansprache un? zum Schlüsse derselben machte er den Vorschlag einen Commers zu arrangiren. Derselbe fand allgemeine Zustimmung. . Zum Commersmeister wurde einstimmig Herr Otto Gaerstel erwählt. Derselbe entledigte sich seines Ehrenamtes in schneidiger Weife und mit vielem Humor. Er ertheilte zunächst Herrn Iris Francke das Wort, welcher sodann im Namen des zur Zeit von der Stadt abwesenden Präsidenten der gastgebenden Brauerei - Gesellschaft, Herrn Albert Lieber, die Delegaten mit einer herz lichen Ansprache willkommen hieß. Die National Sekretäre Proebstle und Kemper und noch viele Andere hielten mit Beifall aufgenommene Reden. Daß der Commers, an welchem sich fast ausschließlich getreue und loyale Unterthanen des alten wackeren Gambrinus betheiligten, einen feucht-fröh-lichen und ursidelen Verlauf nahm, braucht wohl kaum noch erwähnt zu werden. Eine Reise in's Land widerWillen. Und eS begab sich dieser Tage, daß zwei Delegaten aus dem sonnigen Süden, Edler und Willie von New Orleans, eine electrische.Car bestiegen,, um eine Rundfahrt durch die Stadt zu unternehmen. Nachdem sie es sich gemüthlich gemacht hatten, kamen sie in's Plaudern über ihre Erlebnisse auf der Reise und die Zeit verging ihnen wie im Fluge. Hin und wieder wunderten sie sich zwar über den gewaltigen Umfang, welchen die Stadt hatte und daß der Conducteur sich noch immer nicht sehen ließ, um daS Fahrgeld t zu collectiren. Sie waren der Ansicht, daß man für 10 Cents in Indianapolis doch sehr weit fahren könne. Endlich erschien der Conducteur und Willie überreichte ihm 10 Cents, indem er großmüthig für Beide bezahlen wollte. Zu ihrem Erstaunen aber erfuhren die Südländer, daß sie sich auf der Fahrt nach. Logansport , befanden, indem sie eine Jnterurbancar bestiegen
hatten und zu ihrem Schrecken verlangte der Conducteur von ihnen für ihre Reise, welche sie widerWillen in'S Land unternommen hatten, $2.65 als den Preis der Rundfahrt. Sie gelobten sich aber gegenseitig hoch und theuer, nichts über diesen Schwabenstreich zu verrathen. Dieses Gelöbniß haben ste, wie ersichtlich, auch wacker gehalten!
Die Eroberung Sibiriens. Wie sich die Nuffcn in dcn Besitz des reichen Landes festen. In Nowo Tscherkask, dem Hauptort und der einzigen Stadt im Lande der dänischen Kojalen, ist deren ehemaligem Führer crmak, dem die Nussen Sibirien verdanken, ein Denkmal gesetzt worden. Unter der Regierung Iwans des Schrecklichen, eines der letzten Ruriks, war dem Kaufmann Grigory Stroganow, einem Sohne des Ahnherrn der jetzt gräflichen russischen Familie gleichen Namens, ein unbewohntes Gebiet von etwa 70 Quadratmeilen zwischen der Kama und nördlichen Dwina als Lehen überlassen worden. Grigory Stroganow unternahm mit seinen Söhnen und feinem jüngern Bruder alsbald die Besiedlung und Ausbeutung des an Bodenschätzen sehr reichen Landstrichs. Als aber die Kolonisten nach Osten vordrangen, bereiteten ihnen die Tataren des Chans Kutschum, der seinen Herrschersitz in Ssibir, am rechten Ufer des Jrtisch, hatte, große Schwierigkeit ten. Um diesen ein Ende zu machen und seinen Besitz zu schützen, beschloß Stroganow den Angriff gegen das sibirische Chanat, wozu der Zar feine Einwilligung gab. Stroganow rechnete dabei auf die guten Freunde vom Don," die Nomaden, die zu Lande und zu Wasser, besonders auf der Wolga, Beute machten und sich den russischen Gerichten zu entziehen wußten. Hetman dieser Leute war Jermak. Er wurde für seine frühern Gewaltthaten vom Zaren begnadigt, stellte sich Stroganow zur Verfügung, bildete eine 850 ! Mann starke Kosakentruppe, die durchweg aus russischen, tatarischen, deutschen und polnischen Landstreichern und frühern Gefangenen bestanden haben soll, und brach in das sibirische Chanat ein. Kutfchums Leute kannten noch keine FeuerWaffen, und so gelang es dem verwegenen Jermak, siegreich vorzurücken, sich des Hauptortes des Chanats zu bemächtigen und in zwei Jahren den ganzen Landstrich vom Ural bis zum Jrtisch zu unterwerfen. Jermak fand den Tod, als er, um einer Verfolgung durch die Eingeborenen zu entgehen, 1584 den Jrtisch zu durchschwimmen suchte. Eine schwere Rüstung, die der Zar ihm als Lohn für seine Dienste gesandt hatte, zog ihn in die Tiefe. Viele russische Dichter haben den Kosakenführer Jermak in Liedern gefeiert, und in Tobolsk wurde ihm schon vor Jahren ein Denkmal errichtet. Von den gewaltigen Folgen seiner Unternehmungen wird er indeß wohl schwerlich geträumt haben. Bei der 1622 vorgenommenen Zählung waren in Sibirien kaum 7000 Russen ansässig, heute ist diese Zahl auf 7,000,000 gestiegen. Denkwürdige SchissSkatastrophc. Dänische Taucher fanden kürzlich bei Thorsminde an der Westküste Jütlands die Wracks der im Jahre 1811 daselbst gestrandeten englischen Kriegsschiffe St. George" und Defence." Die Leute machten sich alsbald daran, etwa noch' werthhabendes Wrackgut zu bergen und brachten vor Allem eine Reihe alter Schiffskanonen an die Oberfläche, die jede ein Gewicht von 10,000 Pfund repräsentiren. Die beiden untergegangenen Schiffe hatten zusammen 192 Kanonen und etwa 1400 Mann Besatzung an Bord. Die Zahl der Geretteten war so gering, daß man die Zahl der Umgekommenen auf rund 1400 angeben kann. Ueberhaupt siellen diese englischen Strandungen in der Weihnachtsnacht des Jahres 1811 das größte Seeunglück der letzten 100 Jahre dar; gleichzeitige Strandungen von Schiffen derselben Flotte an der holländischen Küste miteingerechnet, kamen in dieser Nacht etwa 3000 Menschen um. Eine Reichstagsuhr. Eine Nürnberger Chronik erzählt, daß im Jahre 1487 Kaiser Friedrich III. zum Reichstag nach Nürnberg kam und auf dem hohen runden Thurm der Beste, genannt Luginsland, ein großes, zinnernes Horn setzen ließ, das mit einem großen Blasbalg getreten wurde, so daß es sehr laut über die Stadt hinbrummte. Mit diesem- Horn mußten die Wächter bei Tag und Nacht, so lange der Reichstag währte, die Stunden anblasen, auf daß die Herren erinnert wurden, sich in ihren Reden kurz zu fassen. Druckfehler. Edwin umschlang seine Braut und flüsterte ganz glücklich: ..O. Du Hummel meines Lebens!" Auch ein Künstler. Tante (zu Besuch): ..So, so, Musik treibt Ihr auch schon, das ist recht, was kaw'st Du denn. Paul?" Paul: Ich spiele Klavier und die Bertha Zither." Tante: Und was kann denn der Hans?" Paul: Der kann's net hören!" ...
H0KHK-V- vH3 0 . o 0s Ä l 1 1 e f. .i.
o 'J 9 -T - HCHCK0HHDHHCWa ' Die deutsche Kaiserin hat derFrau Oberstabsarzt Dr. Tiburtius zu Rt dorf und der Frau Johanna Brünner geborenen Lederer zu Magdeburg das silberne Frauenverdienstkreuz am weißen Bande verliehen. fc Der Stadt Elbing ist wieder ein recht stattliches Vermächtniß zugefallen. Das am 20. Juli in Blankenbürg am Harz verstorbene Fräulein Marie Neumann ist die Erblasserin. Sie hat nach der Elb. Ztg." den großten Theil ihres Vermögens der Stadt Elbing zur Errichtung einer Stiftung Frauenhilfe" übereignet. Die Höhe des Stiftungskapital-s steht noch nicht fest, da Fräulein Ncumann verschiedenen näheren Bekannten Zuwendungen gemacht hat. Es wird jedoch angenommen, daß nach Bezahlung dieser kleineren Vermächtnisse für die FrauenHilfe" ein Kapital von mindestens 150,000 Mark übriq bleibt. Ein waghalsiges Unternehmen will Frl. Cora Beckwith aus South Vend ausführen. Cora ist eine kühne Schwimmerin und hat es sich in den Kopf gesetzt, daß sie die Stromschnellen (Rapids") des Niagara überschwimmen will. Sie weiß, daß Capt. Webb, der bis jetzt als der tollkühnste Schwimmer angesehen wurde, dabei sein Leben einbüßte; aber das troubelt" Cora nicht. Sie meint, der Captain hätte nur das Unglück gehabt, auf einen Felsen zu stoßen, was sie zu vermeiden hofft. Und einmal kann man nur sterben, so sagt sie. Am 25. September soll das Schauspiel vor sich gehen und bezieb! sich das Fräulein schon jetzt an Ort und Stelle, um sich für ihr Unternehmen vorzubereiten. Dazu gehört ja auch ein recht starker Billetverkauf. Leute, deren Nerven, nicht eisenfest sind, sollten für das Schauspie! danken und Leute mit gefunden fünf Sinnen auch, denn es giebt andere Heldenthaten, für die ein Weib sein Leben opfern kann, wenn sie dessen überdrüssig ist. Vei den jüngsten Wahlen in der australischen Republik wurden auch zwei Damen als Kandidaten aufgestellt und eine derselben war eine Miß Vida Goldstein, die sich als demokratische Refoxmerin einen Namen gemacht hat. Sie war zur Erzielung einer wirksamen Propraganda gezwungen, viele Städte zu bereisen und da sie mittellos ist, mußte sie sich dazu verstehen, ein Eintrittsgeld für die von ihr abgehaltenen Versammlungen zu erheben. Miß Goldstein ist jung und hübsch, sie spricht fließend und interessant und strich dabei überall, wo sie sprach, einen ansehnlichen Gewinn ein. Nichtsdestoweniger wurden nur 30,000 Stimmen für sie abgegeben gegen 80,000 für den schlecht, testen männlichen Kandidaten. In Neusüdwales versuchten drei andere Damen ihr Glück, fielen jedoch gleich beim Beginn durch, so daß sie sich nicht einmal die Mühe nahmen, sich alsKandidaten ausstellen zu lassen. Es ist sehr zweifelhaft, daß auf absehbare Zeit hinaus das weibliche Geschlecht in Australien jemals wieder dcn Versuch unternehmen wird, in's Parlament zu gelangen. Ansteckend wie die Masern ist eine Art der Verrücktheit, die sich gewisser junger Mädchen zu bemächtigen scheint, nachdem die Krankheit erst einmal ausgebrochen war. Denn schon wieder hat eine junge Frau nach nur zehntägiger Ehe ihren Mann verlassen, weil er ,.511 gut" war, (too nice"). Frau E. I. Henrion in Chicago ist dermaßen cnttäuscht worden vom Ehelcben, das ihr nur Ruhe, Glück, Behaglichkett und Liebe ihres Gatten einbrachte, daß sie die ganze Geschichte langweilig fand. In dem Sinn schrieb sie an ihren Mann, während er in seiner Office war, (er ist Buchhalter). Sie will nun lieber wieder für sich selber sorgen und arbeiten, denn sie findet, daß ihr die damit verbundenen Aufregungen inter essanter sind, als da-s monotone Eheieben. Man denkt bei diesen überspannten Dämchen unwillkürlich an die bäuerliche Ansicht früherer Zeiten, nach der kein Vergnügen vollständig ist. wenn nicht geraaft" ward; es soll vorgekommen sein, daß eine Bauernfrau weinend ihrer Mutter um den Hals fiel und die verlorene Liebe ihres Mannes beweinte, mit der Begründung, er hätte sie seit acht Tagen schon nicht mehr geprügelt, somit hätte er sie nicht mehr gern." Die Einnahmen Bayerns für das nächste Finanzjahr werden auf 44125,326 Mark geschätzt. Von den jungen Leuten, die in diesem Jahre die Universitäten Fale, Harvard, Princeton und Columbia verließen, widmeten sich 314 d:m kaufmännischen Beruf, 109 dem Lehramt, 28 der Geistlichkeit, 14 dem Journalismus, 1 der Politik, 255 der Jurisprudenz, 46 der Medizin, 32 dem Bankwesen, 106 wurden Ingenieure, 24 Architekten, 1 Künstler, 1 Komponist, 2 Landwirthe, 1 Naturforscher, 1 Gärtner, 24 wendeten sich Wissenschaftlichen Studien zu.
et 8OTZ31 mm., No. 1 W. Washington Str (Merchants National Bank.)
Ein europäisches Departnient. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen aus alle Städte Eurcra! Schiffsscheine naS und vo Eurova. An- und Verlauf ausländischen Geldes. wäre bedeutend leichter wenn der Vortheil mehr allgemem erkannt würde der sich ergibt durch Deponirung der Ersparnisse zu einem pav Conto wo eine mäßige Zinsrate erzielt werden kann und man im Nothfall das Geld erhaltenkann. osserirt jeden Vortheil für Ticjeniaen, welche ein Spar Conto, anzufangen wünschen. Kapital s t $1,000,000.00 225,000.00 Ucberfchnh - Osficen im Compagnie Gebäude, Ecke Washington Str. und Virginia Ave. SBTTX Ueber ein Massen-DZ ner wird aus Paris gemeldet: Herr Maurice de Montebello, der Generalrath für Montendre, berechnet hat, was er that, bevor er handelte und eine Einladung zum Diner an alle Wähler des Kantons erließ,' das weiß ich nicht. Jedenfalls ist die formelle Einladung an alle ergangen.und alle haben versprochen, ihr Folge zu geben. Herr de Montebello wird aber, wenn er erfährt, wie groß ihre Zahl ist, etwas Reue über sein voreiliges Einladen empfinden. Die Zahl der Wähler im Kanton Montendre beläuft sich auf 2543. Diese 2543 Leute werden unwiderruflich am Sonntag, d. M. in La Vruhere erscheinen, um das versprochene Diner zu erhalten. Immerhin eine ganz achtbare Leistung für den Gastgeber. Nicht jeder ist so glückl i ch wie der australische Ansiedler der, wie aus Sydney gemeldet wird, ein Schiff gefunden hat. Die Dumfriesshire" war auf der Reise nach Neu-Caledonien auf ein Korallenriff aufgelaufen und wurde als verloren betrachtet. Die Mannschaft verließ das Schiff, ohne dessen Segel einzuziehen, und man glaubte allgemein, dast das Schiff, von dem am anderen Morgen nichts mehr zu sehen war, gesunken sei. Statt dessen hatte sich das Schiff bei der Fluth von der Klippe ,losgemacht, war 30 Meilen an der Küste entlang gesegelt und trieb in eine Bai, an deren Ufer sich ein Farmer angesiedelt hat. Dieser verankerte das Schiff und machte von seinem Funde Meldung. Das Schiff ist 1500 Tonnen groß und hat einen Werth von mehr als 20,000 Pfund Sterling. In Schiffahrtskreisen ist man der Ansicht, daß der Farmer für Rettung des Schiffes eine bedeutende Summe verlangen kann. Auch der Mont - Blanc soll jetzt seine Bahn erhalten. Ein im Journal Officiell" in Paris ver'öffentlichtes Dekret erklärt die Anlage einer. Trambahnlinie mit Zahnrad und mechanischem Betriebe im Departement Haute-Savoie zwischen dem Bahnhofe von Fayet-Saink-Ger-vais und dem Gipfel der Aiguill'-du-Gouter als gemeinnützig. Die Bahnanläge soll im Laufe des Jahres im Plane festgestellt und im Laufe von sechs Jahren vollendet werden. Zahl und Lage der Bahnhöfe sollen erst nach Fertigstellung des Entwürfe' fixirt werden. Nach jeder Richtung sollen vom 15. Juni bis 15. September mindestens zwei Fahrten :iich stattfinden. Jeder Zug wird au5 höchstens zwei Wagen von nicht mehr als je 20 Meter Länge und die Schnelligkeit acht Kilometer in der Stunde betragen. Die Beförderungspreise werden ür eine Hochalpenbahn äußerst billig sein, nämlich 1 Franc 50 Centimes per Passagier und 10 Kilo Freigepäck und 3 Franc per Kilometertonne für Waaren.
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