Indiana Tribüne, Volume 28, Number 18, Indianapolis, Marion County, 13 September 1904 — Page 6
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Sm & ommer. Wir ehmen uns im Tommer icht genug in acht, wir essen gewöhnlich U schnell und zu viel: Unser Magen kommt daher leicht außer Ordnung. Kopfschlncrzcn und Leberlcidcn stillen flch ein. E?rn nehme in solchen Fällen sofort s Dr. Avgufl König's amöurger Tropfen um daß Blut zu reinigen und in kurzer Zeit werden alle Krankheitßerschelnunge ver schwinden. ...Warum nicht ihr Heim... anziehend machen, durch den Ge brauch eines . . . Garland Ofen... .... und .... Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schön beit. . Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Spar samkeit im Kohlen Verbrauche. Dieselben werdenZ mit Vergnügen gezeigt, in WHXlä'S ...Möbel-Handlung... 141 West W shington Straße I asked a rnaid of laaghing eye . And cheek as ruddy as the rose Where I such joyous health rnight buyI victini of dyspepsia's woes. "Tis in the bread, rny mother says,' And father says, the dear old man, Boy honest bread, it always pays'And so we buy the PUMTAN Joseph Taggar t's Puritan, sold by the Taggart Bakeries and by grocers. Ask for it. ..Echte.. Msbmß Lump RoHlen ...$4,00 per Tonne... 25c Rabatt pro Tonne, bei Bestellungen von sechs Tonnen oder darüber. Home Fuel Co. (Ineoryorirt.) euer Phone 9291. AlteSPHone, Main 1150
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Europäische Nachrichten.
FrsVinz ScH5esn?ig.Korflein. Schleswig. Eine mutbiae That vollbrachte der 13iäbriae Carl Langner, Sohn des Pferdebahnkutzcyers langner hier. Der Sohn des Schlachters 5?riedrichsen. welcher zum Baden nach der Militärbadeanstalt gegangen, Ipranz vom Sprungbrett in die Schiet, ohne wieder zum Vorlckem zu kommen. Der vom Ufer aus zuschauende Langner sprana unter arökter Lebensgefahr dem Ertrinkenden muthlg nach und zog den schon Bewußtlosen an's Ufer, wo er bald wieder zu sich kam. Altona. Gebeimer ?iuMzratb Heinrich Christian Vähr, Amtsgenchtsrath a. 3)., früher beim Jtzehoe? Kreisgericht und darauf eine lange Reihe von Jahren bis zu semer vor einigen Jahren erfolgten Pensionirung Aussichtsrichter beim hiesigen Amtsgericht, ist im 88. Lebensjahre in Neinbek sanft entschlafen. Jmknesiqen Hafen gerieth der am Kuhberg'in Hamburg . l cm " r v . rrr y , , r lvoynenoe ascyer uoumeri mil ieinem Boot vor den Bua des mit zwei Kähnen im Tau 'seewärts fahrenden Schleppdampfers Vulcan", und wollte, um der Gefahr, uoersegelt zu werden, zu entgehen, auf den Dampfer springen, sprang aber fehl und ertrank. Apenrode. Ein von der Kleinbahn bei Sonderburg Getödieter ist der Käthner Hans Kock aus Nottmarkbolz auf Alsen. Der Verunalückte war 32 Jahre alt und unverheirathet. Der Kops war gespalten und beide Beme e l. "w 1 e , zermalmt, o oay oer äoo jOfon eingetreten ist. Braderuv. Der umfanareiche Besitz des Landmanne? Detlef t rr t.. r c rt c zellessen wuroe ois aus me tsrunomauer total einaeaschert. fau alles Inventar' sowie ca. 100 Fuder Heu fielen den Flammen zum ijptx. E l m s h o r n. Ein bedauerlicher UnalückZfall ereignete sich auf der Bahnstrecke zwischen Priesdorf und Vinnebergerdorf. Dem unverbeiraklzelen Ttrecrenardeiter Kohn fiel eine große Last auf daS Bein, wodurch dieses gequetscht wurde. Der Bedauernswerthe fand m dem Kreiskrankenhause in Pinneberg Aufnahme. FrledrtchSort. Capitanleut4ninl s??fni ßssnnn Vr nrV h V v rv -- " pedo Werkstatt, beging Selbstmord. Hadersleben. Auf Gronnebekfeld wurde der Hos des PferdeHändlers Jep Nielsen in Stenderup ein Raub der Flammen. Das feuer ist wahrscheinlich durch Selbstenkzünoung des Heues entstanden. Kiel. Ein schwerer Unqlücksfall ereignete sich auf dem Schulschiff (btosch. Bet Uebungen tn der Takeläge stürzte der Schiffsjunge Dietrichkeit auf das Deck herab, wobei er einen Genickbruch erlitt. Der Tod trat infolgedessen sogleich ein. Einen Selbstmordversuch unternahm der in die hiesige Arrestanstalt eingelieferte Matrose Hoffmeister, der eine vierwöchige strenge Arreststrafe verbüßen sollte. Er zertrümmerte kurz nach seiner Einlieferung den Wasserkrug in der Zelle und schnitt sich damit die Pulsader' durch. In schwerverletztem Zustande würd' er nach dem Lazareth befördert. NLdemiS. Lehrer emer. D. Cordts und Frau feierten daö Fest der goldenen Hochzeit. Cordts ist 34 und seine Frau 72 Jahre alt. Beide sind noch in seltenem Maße geistig frisch und körperlich rüstig. Segeberg. Beim Baden in der Trave ertrank der 12jahrige Knabe Willy Riechen auö Kiel. Derselbe befand sich auf Ferien bei Verwandten w Lühlen und wollte nach dem Abendessen baden, dabei traf ihn ein Herzschlag, sodaß die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg waren und der sofort herbeigerufene Arzt nur den Tod feststellen konnte. W a n d s b e k. Seinen Verletzungen erlegen ist Rechtsanwalt Thomsen von hier, der bei einer Radtour verun glückte und mit gebrochenem Bein auf der Landstraße aufgefunden wurde. Der Verunglückte fand Aufnahme im Eppendorfer Krankenhause, wo er ge storben ist; er war früher. Bürgermei ster in Elmshorn. Provinz Schresien. . Breslau. Der Commercienrath Schlesinger Hierselbst feierte mit seiner Gattin, geb. Bielschowsky, das Fest der goldenen Hochzeit. Ein Opfer seines Berufes ist der erst 25jährigeAssistenzarzt an der chirurgischen Abtheilung deö Allerheiligen - Hospitals, Dr. Richard Weiß, geworden. Derselbe zog sich bei einer Operation eine schwere Blutvergiftung zu, an der er gestorben ist. Der 29 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Dusche ritt ein Pferd zur Schwemme in die alte Oder. Hier gerieth er in eine tiefe Stelle und ertrank. Der 12 Jahre alte Knabe Paul Rupprecht ertrank beim Baden in der Oder unterhalb der Oderthor - Eisen bahnbrücke. Alt-Warthau. Beim Pflücken von Lindenblüthen ist der Steinmetz Probst vom Baume gestürzt und hat dabei so schwere innere Verletzun gen erlitten, daß er gestorben ist. Biskupitz. Ertrunken ist auf der zur Hedwlgwunsch - Grube gehört gen Wasserstation der Kesselschmied Nidballa. Er hinterläßt eine Frau mit zehn Kindern. , Faulbrück. Zwei 6jährige Kin der richteten durchspielen mitStreich-
hölzern im nahen 'Nieder - Gräditz . rrs c v:. m..rjt.
großes un9i an. uiu uic urjau wurde die ganze Besitzung, bestehend aus Wohnhaus, Stallung undScheune des Stellners Kothe eingeäschert. G latz. Das Fest der goldenen Hochzeit beging in Wallisfurth das Schuhmachermeister Karl Fischer'sche Ebepaar. K o s e l. Beim Baden in der Lassak'schen Badeanstalt ist der in der hiesigen Zellulose - Fabrik Feldmühle" in Stellung stehende Buchhalter Paul Härtel ertrunken. Neurode. In Colome Teuber brannten infolge Blitzschlages die Gebäude des Stellenbesitzers Böhm vollkommen nieder. Peil au. Im 70. Lebensjahre verschied in Peilau, Schlüssel, der Rittergutbesitzer Eugen Rupprecht, sich durch segensreiche Arbeit in seiner Gemeinde großer Beliebtheit erfreute. Setfershau. Betm Holzfällen wurde der Stellenbesitzer Hofrichter im Hartenberger Forst erschlagen. Dem Bedauernswerthen wurde der Schädel zertrümmert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Frovinz osen. Posen. Auf dem hiesigen Centralbahnhof wurde der etwa 50jährige pensionirte Bahnwärter Karl Klem, Margarethenstraße 2, überfahren und sofort getödtet. Klem war beim Postamt III auf dem Bahnhof als Hilfsarbeite? beschäftigt. Pensionirter Oberbriefträger Drauschke erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen. Vromberg. Im Dachraum des dem Bäckermeister Zander aehörigen Hauses, Rinkauer- und Blumenstraße Ecke, entstand Feuer, durch welches der ganze Dachstuhl in Asche gelegt wurde. Das Feun ist durch Theer, der auf dem Pappdach gekocht wurde und überlief, entstanden. Gogolin. Hier ertrank beim Baden der 13jährige Schulknabe Johann Jgnatowski im See. Jnowrazlaw. Hier erschoß sich miUels eines Armeerevolvers der Vicewachtmeister Merke von der 2. Batterie der 1. Abtheilung des FeldartillerieregimentS No. 83. Der Grund der That ist nicht bekannt. Merke diente bereits 11 Jahre. Kosten. Dominialarbeiter Weigt in Katschkau war mit dem Aufstellen eines Noggenschobers beschäftigt; dabei rutschte er aus bedeutender Höhe herab, schlug auf die Räder emeS Wagenö und erlitt so schwere Verletzungen, daß er starb. Pila. Vor kurzem entfernte sich die 3jährige Tochter des WirthS Zurek vom Elternhause, um Blumen zu suchen, und war seitdem verschwunden. Später wurde das Kind beim Mähen in einem großen Roggenfeld todt aufgefunden. Der Tod ist durch Verhungern erfolgt. Schönlanke. Ein Blitz schlug in das Haus 'des Eigentümers August Oelke und traf den Besitzer und sein 10 Jahre altes Kind. Oelke hat bedenkliche Brandwunden erlitten, das Kind hat vov Schreck die Sprache verloren. W o l l st e i n. Beim Einfahren der Ernte fiel der Gemeindevorsteher Fechner in Groß-Grätzig so Unglücklich von einem mit Roggen hoch beladenen Wagen, daß er schwere innere Verletzungen erlitt und an den Folgen starb. Frovinz Sachse. Magdeburg. Bei einem Radrennen auf der Braunschweiger Radrennbahn stürzte der Rennfahrer Lutyer von mer uno wuroe von oem nachfolgenden Motorschrittmacher so unglücklich überfahren, daß ihm der Brustkorb eingedrückt wurde und er auf derStelle verstarb. In der Maschinenfabrik und Eisengießerei von Langensiepen in Buaau entstand Großfeucr. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Fabrik fast vollständig in Flammen. Das große neue Montagegebäude brannte vollständig nieder. Ascher sieben. Durch niedergehende Salzmassen wurde auf dem hiesigen Kaliwerke der Arbeiter Degenhardt getroffen. Er erlitt schwere Verletzungen am Rückgrat und am linken Fuß,, so daß er in daö Krankenhaus Bergmannstrost- in Halle übergeführt werden mußte. D e l i tz s ch. Der in Werben beim Gutsbesitzer Leutemann in Dienst stehende Knecht Alfred Scholz aus Bit terfeld wurde im Pferdestalle mit eingef chlagener Hirnschale aufgefunden. Ein Hufschlag eines Pferdes hatte den Bedauernswerthen niedergestreckt. Obgleich man ihn sofort in die chirurgische Klinik nach Halle brachte, war der Bedauernswerthe doch nicht mehr zu retten. Kaja. Die zehnjährige Tochter des Vahnarbeiters Weißmann wollte das Feuer im Ösen dadurch besser zum Brennen bringen, daß sie Petroleum hineingoß. Dabei explodirte das Oel und schlug brennend zur Kanne heraus. In der Angst rief das brennende Kind die Mutter und lief schreiend auf dieStraße, woselbst gerade beschäftigte Steinsetzer das Feuer dämpften. Doch ist das blühendeKind seinen qualvollen Schmerzen erlegen. Nordhausen. Zwischen Walkenried und Neuhof überfiel ein HandWerksbursche seinen schlafenden Kämeraden und schlitzte ihm mit einem Messer den Leib auf. Er handelt sich anscheinend um einen planmäßig verübten Mord. Der Verletzte ist bald
nach seiner Einlieferung in das Kran-. w r i c .
lenyaus geuoroen; er - yeiizl A.iwin Acker, ist Schneider und war zuletzt in Naumburg a. d. S. in Stellung. Provinz Hannover. Hannover. Generalmajor Bernhard Freiherr von und zu Egloffstein ist hierfelbst an den Folgen der Influenza gestorben. Sein 60jä'hriges Dienstjubiläum feierte Rechtsanwalt und Notar Julius Grote 1 hier. Dem Jubilar wurde aus Anlaß dieser Feier der Charakter als Justizrath verliehen. Bei einer Schlägerei in der Ballhoffstraße erlitt der Arbeiter Hans Böhneke, Neuestraße 23, den Verlust des einen Auges, das ihm ausgestochen wurde, sowie schwere Stichwunden am Arm und an der Brust. Böhneke, der sich von dem Thatort noch in seine Wohnung zu schleppen vermochte, wurde in's Krankenhaus geschafft. Ein Feuer entstand in dem Wohnhause der Wittwe Benecke im benachbarten Drestedt und äscherte das Haus gänzlich ein. A u r i ch. Sanitätsrath Dr. Vrüning beging sein 60jähriges Doktorjubiläum. Der 87 Jahre alte Jubilar erfreut sich einer seltenen körperlichen und aeistiaen irische. C e l l e. Infolge einer akuten Ge-Hirn-und Rückenhautentzündung (Genickstarre), die als Folge einer Influenza sich einstellte, verstarb der langjährige Vertreter des LandtagsWahlkreises Celle, der Abgeordnete Rittergutsbesitzer Thies. Bei der Wahl Thies' fand der bekannte Vorgang statt, der später die Amtsentsetzung dreier Vorsteher nach sich zog, weil sie welfisch abgestimmt hatten. E i n b e ck. Hier starb der seither!ge Commandant Sr. M. Schifs Hadicht" Kapitänleutnant Gudewill. Zu Beginn des Kampfes gegen die Hereros ging er mit dem Kanonenboot Habicht" nach Deutsch - Südafrika, übernahm das Commando über einen Theil der Marine - Infanterie und nahm als Führer ruhmreichen Antheil an den ersten Kämpfen. Schwererkrankt wurde er aber dann in die Heimath beurlaubt, wo er am 2. April mit der Luise Woermann" in Hamburg eintraf. G r o n a u. An Stelle des zum Senator gewählten Bürgervorstehers Jaster wurde der Malermeister Oskar Klingeberg zum Bürgervorsteher gewählt. MaccaronimitTomatenbrei. Die zerbrochenen, in Salz wasser gar gekochten Maccaroni läßt man abtropfen und schwenkt sie über dem Feuer mit vier bis fünf Löffeln Tomatenbrei, einem Löffel Portwein oder Sherry und einer Unze zerlassener Butter. Das Gemüse muß gut h'iß werden und recht heiß servirt werden. FünfKinder, 33Großkinder, 18 Urgroßkinder und ein Ururgroßkind feierten kürzlich den 90. Geburtstag der Frau Mary Johnson in Newark, N. I., der zu Ehren im Hause ihrer Enkelin, der Frau Frederick L. Hoagland, eineFamilienreunion abgehalten wurde. Frau Johnson ist gesund, besitzt vielen Humor und ein Gedächtniß, das sich auf ihre früheste Jugend erstreckt. Sie wurde als älteste Tochter von Stephen Wood in Staten Island gebon. Zwei ihrer Geschwister sind im Alter von 84, resp. 82 Jahren noch am Leben. Von ihren 8 Kindern leben noch 5, die alle in Newark ansässia stnd. (5tngewachsene Nägel behandelt man folgendermaßen: Das Erste ist, den Nagel so zu schneiden, daß der vordere Rand an der Seite des Leidens vorspringt und von dort nach der gesunden Seite möglichst zurückweicht. Nun wird untee die vorspringende Nagelspitze ein kleinesWattebäuschchen nach hinten geschoben, darauf der schmerzhafte Nagelfalz dadurch nach unten qedrllckt, daß man ein wurstförmiges Wattebäuschchen , von der Höhe des Nagels langsam gegen den Nagelfalz herabdrückt. Die beiden Wattebäuschchen werden schließlich in ihrer Lage durch einen rund um den Nagel herumgelegten Heftpflasterstreifen befestigt. Je nach 8 bis 14 Tagen wird der Verband erneuert. Eine internationale Bande von Taschendieben arbeitet seit einiger Zeit in Kopenhagen mit unglaublicher Frechheit. Kürzlich gelang es ihr, einem Kassenboten, der in einer Bank 6000 Kronen erhoben hatte, diese Summe zu entwenden; alle Anstrengungen, die Gauner zu entdecken, blieben bisher erfolglos. Jüngst hat ein Mitglied der Bande einen neuen Streich ausgeführt, der in Dreistigkeit alles übertrifft. Als ein junger Mann die Privatbank mit 500 Kronen verließ, wurde er von einem Herren angeredet, der sich als Detektive ausgab und ihm befahl, mit ihm in einer Droschke nach der Polizeiwache zu fahren. Während der Fahrt nahm der Herr das Geld und die übrigen Werthsachen des jungen Mannes und beschuldigte ihn, ein Taschendieb zu sein, den man lange gesucht habe. Alle Proteste und Versicherungen des Festgenommenen wurden mit einem Lächeln beantwortet. ' Vor der Wache angekommen, stieg der Detektive" aus, befahl dem Kutscher, zu warten und auf' den Verbrecher gut aufzupassen, und verschwand mit der Beute. Als ein wirklicher Polizeibeamter die Sache aufgeklärt hatte, war der falsche Deteltive schon über alle Berge.
Sie und er. Humoreske von W. TU LucaS. Zu vieren in einer Postkutsche zu reisen, ist an und für sich nichts Schlimmes, und doch war es für die Reisenden in dieser Postkutsche die denkbar unangenehmste Sache der Welt, d. h. wohlgemerkt nur für drei von ihnen. Wer schon einmal in seinem Leben erfahren hat, wie viel Aerger. Verdrießlichkeit und Ungemüthlichkeit eine einzige Person um sich her verbreiten .kann, der wird Versiändniß für die Situation haben. Denn s i e war die Person dazu. Man brauchte s i e nur anzusehen, mit ihrer ganzen breiten, selbstbewußten Persönlichkeit, den rücksichtslosen Vewegungen und den impertinenten Zügen, und man fühlte auch nicht den leisesten Anflug von Neid gegen die übrigen Insassen des Wagens, denen das zweifelhafte Glück einer gemeinsamen Reise mit i h r bescheert war. Diese übrigen Insassen des Wagens waren ein älterer Herr mit ehrwürdigem weißen Barte, eine leidend aussehende verschleierte Dame und endlich ein junger Mann von etwa achtundzwanzig Iahren. Die vier Passagiere waren sämmtlich bis zum Beginne der Reise einander fremd gewesen. Um so auffallender war es, daß der junge Mann sich bei der ersten schicklichen Gelegenheit gerade mit ihr" bekannt machte und sich gewissermaßen zu ihrem Kavalier aufwarf, während doch jeder Andere der Ansicht gewesen wäre, es sei schon mehr als genügend, ihr Gegenüber zu sein. Indessen man mußte dem Assessor Hahnefeld als solcher hatte er sich ihr" vorgestellt das Recht lassen, seinen eigenen Geschmack zu haben, wäre dieser -auch noch so merkwürdig. Sie" nahm seine Aufmerksamkeiten gnädig hin und ergriff ihrerseits Stellung. Personen wie sie" müssen immer ein armes Opfer haben; daß es 'sich ihr" in diesem Falle so willig selbst darbot, konnte sie sich wohl gefallen lassen. Nicht daß sie ihn geradezu schlecht behandelt hätte bewahre! Sie verwendete sogar eine gewisse Art von Liebenswürdigkeit ihm gegenüber, welche geschickt mit einer guten Dosis Impertinenz gepaart war. Der Kober und die Hutschachtel wackeln fortwährend," sagte ihre unangenehme Stimme. Es macht mich ganz nervös. Gewiß wäre es für Sie, Herr Assessor, nicht zu beschwerlich, die Sachen an sich zu nehmen." Mit dem größten Vergnügen!" versicherte der junge Mann verbindlich und ergriff die bezeichneten Gegenstände. Vergeblich sah er sich jedoch nach einem Plätzchen neben sich dafür um, aus welcher Verlegenheit ihn der etwas ärgerliche Zuruf ihrerseits befreite: Wie kann man so unpraktisch sein! Behalten Sie die Sachen doch einfach auf dem Schooße! Aber ich muß sehr bitten, die Schachtel recht vorsichtig xu halten, daß ja nichts darin durcheinander kommt!" Demuthsvoll und ohne weitere Bemerkungen befolgte der Assessor die Vorschrift. Der alte Herr mit seinen lustigen Augen sah ihn an und schien innerlich über ihn zu lachen, und die zweite Reisegefährtin richtete einen halb spöttischen, halb interessirtenBlick auf ihn. Seine hübschen, - jugendlich frischen Züge entbehrten keineswegs der Energie und ließen sein sklavenmäßiges Benehmen ihr" gegenüber um so unverständlicher erscheinen. Der Assessor sah diese Blicke und wurde roth. Leise tastete seine Hand nach der Brusttasche. Dort hatte er ein duftcndes, mit Gertrud unterzeichnetes Briefchen. Besagte Gertrud theilte ihm darin mit, daß es bei den Eigenheiten der Tante entschieden besser wäre, wenn er sie schon vor der feierlichen Beichte günstig für sich einnehmen könne. Das würde ganz leicht sein, wenn er sich so einrichten könne, mit ihr denselben Postwagen von H. aus zu benutzen. Er' werde eine Annäherung vielleicht etwas schwierig finden, denn die Tante habe ihre Eigenthümlichkeiten. Das konnte der Assessor bereits eidlich bestätigen, aber etwas zweifelhafter schien ihm die Wahrheit des Nachsatzes, daß sie nämlich bei alledem das beste Herz der Welt habe und er viel Genuß von ihrer Bekanntschaft haben würde. Im Gegentheil kam er sich nach dieser kurzen Zeit bereits wie etwa eine lebendig zubereitete Kannibalenmahlzeit vor. Es kam eine Strecke Weges, wo das Räderrollen so stark wurde, daß es jede weitere Unterhaltung' unmöglich machte, wenigstens nach der Ansicht gewöhnlicher Sterblichen und auch der des erleichtert aufathmenden Assessors Hahnefeld. ' Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Sie" war entschieden anderer Meinung, denn sie rief mit schriller, den Lärm übertönender Stimme: Bei dem Gerassel können wir Damen ja doch nichts sprechen. Unterhalten Sie uns doch und erzählen Sie uns von Ihrem letzten Manöver. Ich höre so gern von Manövern!" Die Art, in,der diese Aufforderung ertheilt wurde, war zu diktatorisch, als daß der Assessor Einwendungen gewagt hätte. O Gertrud, Gertrud!" .stöhnte er bei sich selbst, dann begann er mit dem Muthe der Verzweiflung möglichst laut: Eine sehr hübsche Manövererinne-
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rung habe ich auö der Lausitz mitgebracht. Wir waren in der Nähe von " . Wie? Lauter, ich bitte!" schrie sie". In der Spree?" In der Nähe von Guben!" schrie er. Ach so!" Unser Hauptmann Wie? Lauter, bitte!" Unser Hauptmann war ein paar Schritte " Ein paar was?" Ihre Stimme drang viel mehr durch das Gerassel als die seine. Aber jetzt gab der Assessor es auf, denn schon war er ganz heiser geworden. Er markirte einen heftigen Hustenanfall, deutete dann auf seinen Hals, zuckte bedauernd die Achseln und schwieg. Sie sind erkältet!" sagte sie. Das Räderrollen ließ eben nach, so daß es ihm möglich wurde, zu versichern, es wäre nichts von Bedeutung. Sein Gegenüber richtete sich straff empor und sprach mit würdevoller Schärfe: Was für, Sie, mein Herr, nicht von Bedeutung ist, das kann durch Ansteckung und ein solcher Katarrh ist sehr ansteckend eine sehr schwere Bedeutung für Diejenigen erhalten, welche genöthigt sind, in Ihrer Nähe auszuhalten. Die Jugend ist heutzutage freilich nicht gewöhnt, an Andere zu denken." Er senkte den Kopf und versprach, künftig vorsichtiger zu sein. Ach was, künftig! Jetzt ist der richtige Moment! Zum Glück habe ich hier bitte, reichen Sie mir den Karton herüber! einen schönen, warmen Shawl, den will ich Ihnen borgen." Armer Assessor! Hier hilft dir kein Drehen und Wenden. Du, der du stet's so viel auf deine elegante Erscheinung hältst, du mußt dich in diesen abscheulichen blaulila Riesenshawl dreifach einwickeln lassen, und ncch dazu, ohne den Husten zu haben! Du mußt es, wenn du deine Gertrud nicht endgültig verlieren willst, denn den ersten Beweis von Wohlwollen und mütterlicherFürsorge zurückzuweisen, hieße Alles verderben. Nach einer Viertelstunde war der Assessor roth wie ein Krebs, denn es war kein kühler Tag, und sie" hätte das Oeffnen eines . Wagenfenstcrs nicht erlaubt. Aber nun war auch die Fahrt zu Ende. Noch immer hatte sie" ihn nicht eingeladen, die Bekanntschaft fortzusetzen. Hier war der lila Shawl ein erwünschter Anknüpfungspunkt. Er bat um die Erlaubniß, ihn vorläufig umbehalten zu dürfen und ihn ihr dann morgen selbst in die Wohnung bringen zu dürfen wenn sie ihm gütigst ihre Adresse nennen wolle. Sie sah ihn einen Augenblick mißtrauisch an, ob er wohl mit dem Prachtstück durchzubrennen beabsichtigte. Dann sagte sie: Na ja! Also: Frau Rentier Schmoll, Entengasse 3." Wie?" Er stand wie vom Blitz getroffen. So habe ich," stammelte er, nicht die Ehre, Frau Räthin Ohnesorge vor mir zu sehen?" Na, sagen Sie mal, Herr Assessor, spreche ich nicht deutlich? Rentiere Schmoll, Entengasse 3." Sie ist't nicht! Ich Esel!" rief der Assessor zu sich selbst, indem er sich vor die Stirn schlug und fast buchstäblich mit offenem Munde dastand. , Da fühlte er sich leicht berührt, und' sich umwendend, sah er in das feine Gesicht seiner zweiten, von ihm bisher kaum beachteten Reisegefährtin. Diese sagte lächelnd: .Erlauben Sie, Herr Assessor Hahnefeld, daß ich mich Ihnen als Räthin Ohnesorgt vorstelle. Wir haben wohl Beide schon von einander gehört!" Die Rentiere Schmoll war nicht wenig verblüfft, als sie sich mit blitzartiger Geschwindigkeit plötzlich wieder in den Besitz sämmtlicher dem Assessor anvertrauten Gepäckstücke, auch deö ominösen Shawls, gesetzt sah. Es war seit Antritt der Reise das Erste, was sie außer Fassung brachte, und das Betrübendste war, daß sie Niemanden zur Hand hatte, . dem gegenüber sie ihrer Entrüstung Ausdruck geben konnte. Denn der Schuldige ging längst an der Seite der Räthin deren' Wohnung zu. Was n?üssen Sie nur von mir gedacht haben!" sagte er, und in welchem Lichte muß ia) Ihnen noch erscheinen! Konnte ich mich unvortheilhafter bei Ihnen einführen, als in einer so lächerlichen Rolle? Aber ich glaubte so bestimmt, die fürchterliche Dame vor dem Einsteigen Frau Räthin nennen zu hören." Ein kleiner Irrthum, der darin seine Erklärung findet, daß unsere Reisegefährtin auch auf daö zu antWorten beliebt, was sie nichts angeht. Und nun nehmen auch Sie eö nicht für ungut, daß ich Ähre Illusionen nicht früher zerstört habe. Im letzten Moment noch hatte Gertrud mir gebeichtet, und ich errieth bald den Zusammenhang." O, mit welch' grausamem Vergnügen müssen Ste mich dann beobachtet haben." Um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß Sie zwar ein ausgemachter Heuchler sind, daß Sie jedoch für unsere Gertrud selbst die schwerste Aufgäbe zu vollbringen imstande sind. Sie haken den Drachen nicht bekämpft, sondern, was mehr ist, kares firt
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