Indiana Tribüne, Volume 28, Number 16, Indianapolis, Marion County, 10 September 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 10. September

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Das Gcfch der Erde ! T

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Z!omn von

I Anion Frcihcrrn v. Pcrfall

o --o . . .(Fortsetzung Der Kohlendampf, der dick und schwarz über dem Thal lag, schien all den Bauernstolz in sich ausgesogen zu haben, von dem die Rohrbacher vor einem Jahr noch erfüllt waren. Hatte man schon auf den einfältigen Rath des Wachter die Kohle förmlich weggeschenkt, so wollte man doch nicht auf die Abfälle des Geschäfts verzichten, die der Lüdcmann übrig ließ. Und man stürzte darüber her wie eine hungrige Schaar Wölfe. . Die schöne Villa oben, der fürstliche Aufwand, der dort den Sommer über gemacht wurde, die Pferde, die Wagen, der ganze Glanz des Reichthums reizten nur die groben Instinkte der Rohrbacher und ließen die früheren Verhältnisse noch ärmer erscheinen. Dazu kam der Neid auf denRohrbacher, den Dorfgenossen, dessen Hof jetzt nagelneu aufgeputzt wie ein Herrschaftshaus herunterblitzte. Wenn man ihm auch im Grund alles zu danken hatte, so war er doch ein Rohrbacher wie alle, der verschuldetste sogar wie kam er dazu, auf einmal ein Herr zu werden! Und das war er geworden in der kurzenZeit. Das Bauerngewand hatte er am Eröffnungstag zum letztenmal getragen, von da an ging er städtisch, fuhr mit dem Lüdemann im Wagen und ver-

kehrte mit den großen Herren aus der Stadt, als wenn er sein Lebiag dazu gehört hätte. Sein Sohn Anderl studirte in der Stadt da.?. Vergfach, das Reserl wurde in ein Institut gebracht, in dem nur vornehme Fräulein erzogen wurden. Das war doch auch nicht in der Ordnung. Wie hat er's denn verdient, das Glück? Alte Gerüchte tauchten auf. Der Mord vom alten Wachter kam an die Reihe, dieser dunkle Punkt in der Dorfgeschichte, übe? den man sonst wohlweislich schwieg. Jetzt war es eine alte Geschichte, daß der Rohrbacher di? Hand dabei im Spiel hatte. Der Alban war der klare Beweis. Wie käm der sonst an den Hof! Zu den Barmherzigen habe der Pankratz nie gehört also! Da geschah über Nacht etwas ganz Seltsames. Der Rohrbacher kam eines Tags nach längerer Abwesenheit aus der Stadt zurück am andern Morgen jagte er den Alban kurzweg aus dem Haus. Und wer nahm den Menschen auf? Der Wachter! Natürlich nur, um seinen Todfeind, den Zohrbacher, zu Lrgern, aber doch wenn etwas daran wäre an Dem Gerücht, an dem man sich seit Monaten gelabt? Den Sohn vom Mörder feines Vaters thät er doch nicht aufnehmen. Das war im höchsten Grade verdrießlich. Jetzt konnte man ihm ja nichts mehr anhaben, und das Beste war, sich gut mit ihm zu stellen. Er war die rechte Hand , des Lüdcmann jeder Ankauf ging durch seine Vermittlung. Und alles war verkäuflich. Die Grube fraß förmlich das Holz, und die Preise, die für die minderwerthigste Waare gezahlt wurden, waren gegen früher ungeheure. Den ganzen Winter über wurde geschlagen, überall zeigten sich bedenkliche Lücken auf den Berglehnen. Auf was sollte man denn warten, wenn jetzt vierzigjährige Stämme bezahlt wurden wie früher die ausgewachsenen. Dazu kam das dringende Bedürfniß nach Baugrund für Arbeiterwohnungen, Vergrößerungen der Vorrathshäuser, Anlage von Bureaus und einer neuen MaschinenHalle, und im Frühjahr begann schon der Bahnbau. Also wohin man blickte, Gewinn, Verdienst, wenn man es nur anzupacken wußte. Der karge Boden, mit dem man sich so lange geplagt, über den man so viel gelästert, kam jetzt wieder zu Ehren. Man untersuchte die Grenzungen, stritt sich um jeden Fußbreit und paßte nur auf den zwingenden Augenblick zum Losschlagen. Die bisherige Wirthschaft nahm sich geradezu lächerlich aus im Vergleich zu den jetzt erzielten Preisen. Der'Lüdemann hatte wirklich recht: was nicht zu halten ist, soll man sahren lassen eine Art Verachtung der Vergangenheit machte sich breit mit ihrer unlchnenden Arbeit. Dabei lebte man, als ob es immer so fortgehen müsse, als ob es sich um Renten handelte. Brauchte man doch nicht mehr den nahen Markt aufzusuchen, um sich zu vergnügen, denn in den Grubenschenken, in den zwei neuen Gasthäufern ging es lustig genug her. Da war der Schwarze Diamant" dicht neben dem Werk, der den Hauptanziehungspunkt bildete. Persönliches Eigenthum Lüdemanns und nicht die schlechteste Spekulation trotz d?r billlgen Preise für die Arbeiter, die er selbst festgesetzt. Der halbe Betrag der Löhne floß wieder in seine Tasche zurück, und die Brauerei in Marbach mußte vergrößert werden, um dem Bedarf nachzukommen. Die Gaststube wurde nimmer leer, die oberen und die unterirdischen Gäste begegneten sich hier, während im großen

Saal fast jeden Abend Dinge zu sehen

waren, von denen der Rohrbache? sich

früher nichts träumen ließ: Theater, Singspiel, Zauberkünstler und Vor-

trage aller Art.

Es gehörte für den Freien wirklich, etwas dazu, bei der Arbeit zu bleiben, so groß war die Verführung, ja selbst die Frauen wurden rebellisch und wollten sich mit ihren Spinnstuben nicht mehr begnügen. Aber das war ja nur der Anfang, das gibt sich schon wieder. Einmal muß der Mensch doch auch leben, und das Geld'war nun einmal nicht rar. Jetzt ging es dem Frühjahr zu. War der Winter, der früher, wie man zu sagen pflegte, den Raben und den Füchsen gehörte, voll Leben, so begann jetzt, wo das Frühjahr sich näherte, . geradezu ein tropisches Sich-Regen, Sprossen und Blühen an allen Ecken und Enden, kaum daß die Schneedecke sich rührte. Der Lüdemann kam immer häufiger, und jeder Aufenthalt hinterlich seine Spuren: Gründe wurden angekauft, Neubauten ausgesteckt ein Brauhaus, Arbeiterwohnungen, ein Hotel am See. Ein neuer Goldstrom floß in das Thal. Händler, Unternehmer, Agenten, die ihren Antheil forderten, Gauner, Abenteurer, Gaukler, Spaßmacher aller Art, die von dem Ueöerfluß ihre Steuer nehmen wollten zulekt, damit das Salz nicht fehle, Scharfmacher und -. . Lm w 1 Y1

Weuveroeerer auer mi, oie in noorbach bereits ein neues ergiebiges Feld ihrer Thätigkeit erblickkn. Es war Sonntag nach der Auszahlung der Schicht. Lautes Leben überall. Das Geld saß wieder einmal locker im Beutel. Im Schwarzen Diamanten" war eine Tiroler Sängergesellschaft, dicht nebenan im Glückauf" TanzMusik. Und mitten drinnen lag der Wachterhof. Seine Fenster zitterten unter dem Gelärm.

Der Rohrbacher hatte Man Nicht

geradezu die Thür gewiesen, wie das Gerücht ging, sondern Alban war frei-

w:ma aeaanaen. Es war ihm klar.

daß kein Bleiben mehr war für ihn, da der Großvater, seine einzige Stütze, todt war und noch dazu Reserl aus dem Haus. Der Rohrbacher that zwar so, als wollte er ihn zurückhalten, aber

ernst war es ihm damit nicht. Ter Wachter bot ihm Unterkunft. Afra

steckte dahinter, sein Zweifel. Das rührte ihn in seiner Verlassenheit. Sie

trugen Beide gleiches Leid, hatten einen gemeinsamen Feind das unterdrückte r ? c!.r-3 n .. o

IN imn oie scizeu, wqes haus zu getreten, das in irqendeiner unheilvollen

Verbindung mit ihm stand. Ein Vier-

telzahr war darüber vergangen, und er fühlte sich noch so fremd und bedrückt

darin wie am ersten Tag.

Als der Wachter ihm seine Kammer

anwies, verfehlte er nicht, zu erwähnen:

Da herinnen haben s mem Vater

um'bracht" dabei warf er ihm von

der Seite einen Blick zu, der Alban

durch und durch ging.

Es war ein schmales Gemach, nur

von einem kleinen Fenster erhellt, da-

neben, durch eine Bretterwand getrennt.

lag die Heutenne. Der alte Wachter liebte den würzigen Geruch, der her-

überdrang, so sehr, daß er hier wohnte.

In der Ecke stand eine Truhe, um deren Inhalt das Verbrechen begangen

wurde; die eisernen Bänder waren

noch zerrissen, vor dem Bett, wo das

Opfer gelegen hatte, zeigte der Boden

dunkle Flecke.

Alban beschäftigte sich ganze Nächte mit dem, was hier geschehen war. Er verwuchs förmlich damit, daß er den ganzen Vorgang zu sehen meinte. Er hörte den Mörder heraufschleichen, sah ihn eintreten einen kleinen Mann mit einem stechenden Blick der hielt eine Hacke hinter dem Rücken verborgen, so daß man nur den Stiel sah, und eine zerschlissene Äütze hatte er auf, deren weit vorspringender, mit Pelz besetzter Schirm das ganze Antlitz beschattete. Es war seltsam, daß er ihn immer genau so sah und dabei tauchte eine ferne Erinnerung auf an eine kahle, kalte Stube, in der er am Boden saß und mit einem schwarzen Kaninchen spielte, und immer ging die Thür auf, und derselbe Mann mit der Schirmmütze trat ein, einen gefüllten Sack auf dem Rücken. Das schwarze Kaninchen stand fest, es gehörte zu feinen liebsten Jugenderinnerungen, der Mann aber trat erst, seitdem er in diesem Haus war, so klar aus dem Nebel seiner Vergangenheit, oder war es .das selbstersonnene Mörderbild, das er unwillkürlich in die kahle Stube mit dem Kaninchen versetzte? Albans Kopf war zu ungeschult, um sich darüber Rechenschaft geben zu können. Das kam alles nur von den schlimmen Gerüchten, die über seinen Vater gingen. Sie hatten ihn auch schon vergiftet. Als ob nicht seine Aufnahme in das Wachterhaus der deutlichste Beweis sei, daß nichts daran war. . Ein armer Teufel schon vorbestraft wegen Schmuggel oder Wilderei,' der Gemeinde zur Last, flieht nach der blutigen That im Wachterhaus ganz erklärlich aus Furcht, als Verdächtiger gefaßt zu werden. Natürlich ist eYs! Er wird gefaßt, ein Jahr lang in Untersuchunzshaft behalten, und da ihm nichts r.cchzuweisen, wird er freigelassen. Aber er ist es doch, wer soll es sonst sein? Er verschwindet, läßt ein hilfloses Kind zurück, das der Rohrbacher bei sich aufnimmt, und der ist womöglich fein 'Helfershelfer, wenigftens der Anstifter, der aus Furcht, der Mensch-könnte vielleicht doch schwätzen, seinen Buben in's Haus nimmt. Und der Bub hat von Kind auf so diel darum dulden müssen, so viel Spott und Hohn, daß er zuletzt selbst an all das Böse glaubt. Das ist aber schlecht und feig und wenn der Vater noch lebt, wenn er eines Tages zurückkäm. doch unschuldig, und ihn fragen

thät: Alban, hast Du auch an meine Schuld geglaubt, mein eigenes Kind? Dann müßte er in den Boden sinken vor Scham. Ja, warum hat denn dem Rohrbacher der Verdacht der Theilhaberschaft an dem Mord nicht geschadet? Weil er von der Gemeinde war, weil keiner dem andern getraut, wett's froh waren, daß der Rofnermartl die ganze Schuld in die Welt 'naustragen hat. Und das sieht er alles ruhig mit an. Der Rohrbacher wird ein hochgeehrter Mann während fein Vater, weiß Gott wo, umherstreicht und vielleicht schon irgendwo eingescharrt ist. Wenn ihm die Gedanken kamen, ging ihm die Luft aus im Wachterhaus; er stürmte hinaus in den Wald und dachte grimmige, feindselige Dinge. Auf das verhaßte Werk da unten alle Wasser loslassen, es ersäufen, das ganze Nest an allen vier Ecken anzünden solche Phantasien kamen ihm, bis er schließlich wieder ganz erschöpft in den Hof schlich und aus Afra die Wahrheit herauszubringen suchte. Aber damit hatte er kein Glück, ent-

weder wußte sie selbst nichts, oder sie wollte nicht heraus- damit. Räthsel

über Räthsel! Als ob sie nie miteinander über gewisse Dinge gesprochen, nie

etwas gemem miteinander gehabt hatten. Als ob der Anderl ihre ganze Seele mit fortgenommen, gerade so war sie, ohne Leid, ohne Freud, wie ausgefroren. Und doch war es wieder, als ob ein geheimes Feuer in ihr glühe, das dann und wann hervorleckte und ihn erwärmte. Ein Wort oft nur, ein Blick, ein Händedruck und seltsam, wie ihn gerade das anzog und das Reserl ganz vergessen ließ mit seinem ewigen KiNderlachen. Es war viel, was da vorging im Schweigen des Wachterhaufes. Heute aber war es ganz unerträglich. Am frühen Morgen schon war ein Geometer mit einem Beamten vom Berg.werk gekommen und hatte Vermessungen im Garten hinter dem Haus angestellt. Der Wachter sollte nach dem Verggefetz gezwungen werden, einen kleinen Theil seines Besitzes aus Gründen, die Alban nicht verstehen konnte, an das Bergwerk abzutreten. Dar-

über gerieth er in helle Wuth. Es wäre

zu Thätlichkeiten gekommen, hatte sich Afra nicht in's Mittel gelegt. Der Eeometer zog mit der schlimmen Drohuna. wiederzukommen, ab. Der Wach-

ter wetterte durch das ganze Haus, ließ seinen Zorn an Alban aus und sprach von einem neuen Prozeß. Asra reizte

ihn nur durch eine auffallend versöhn liche Stimmung.

Sie war überhaupt völlig verändert,

ini mtfadfKiiit voll innerer Unruhe,

als ob sie auf irgend etwas wartete. Und Alban kannte den Grund. Der

Lüdemann war mit seiner Familie an

gekommen uno yane oen Anoerl rnnge

bracht. Sie hoffte wieder. Sie er

wartete ihn, hatte ihn vielleicht schon ge-

sprochen.

Der Gedanke empörte ihn. Das war eine Falschheit, ein Verrath an dem geheimen Vertrag, den sie abgeschlossen. Er stellte sie zur Rede, aber da kam er gut an. Ein Blick traf ihn, der ihm seine ganze Lage klar machte. Er war

und blieb der Alban, der Sohn des

Zuchthäuslers, unter welchem Dach

immer er lebte.

Ihn faßte wilde Verzweiflung. Er ging auf seine Kammer, warf sich aus sein Lager und überließ sich wirren Gedanken. Immer wieder kehrten sie

in den Raum zurück, beschworen alle

Bilder: der Mann mit der Schirm

mütze erschien wieder, und der Fleck am Boden fing roth zu leuchten an. Es dunkelte schon, ein wahres Grauen beschlich ihn, während er die Töne der Tanzmusik aus der Kneipe

Gluckauf" vernahm.

Sie lockte förmlich. Narr! Was

sinnirst Du denn immer? Mach es wie

die andern, leb und vergiß Dein Elend Tanz und trink's weg mit den Ka

meraden! Immer verführerischer klang

es herüber. Plötzlich sprang er auf

zog seinen Sonntagsrock an und eilte hinaus. Kein Laut im ganzen Haus alles dunkel nur aus der Kammer

Afras drang ein schmaler Lichtstreif

Sie steht wohl am Fenster und erwartet Anderl. Da hielt er einen Augen-

blick an, es war ihm, als ob er ei Schluchzen heraus hörte. Arme Afra

Er wußte ja selbst, wie das thut, wenn man aufgegeben wird. Wer weiß, wie es wär, wenn er jetzt hineinging zu ihr? Ganz anders vielleicht aber da lockte wieder die Musik, und die plötzliche Sehnsucht nach dem Leben siegte. Er schlich an dem Lichtstrahl vorüber in's

Freie. Das Glückauf" strahlte im Elan

bunter Glühlampen: seine Front aus

Brettern, mit der großen Aufschrift in roth und weiß, war bedeckt mit schreien-

den Anschlagen, schonen Madchen

Gaukeleien. Ein feuerrother Zettel ver-

kündete für den nächsten Sonntag emen

Volksredner m dick gedruckten Lettern

Alban fesselte die dick gedruckte Auf

schrift: Kommt alle, die Ihr müh-

selig und beladen seid! Doktor Augu

Raßmann. Bis jetzt hatte er auf derartige Auf

rufe nicht geachtet. In diesem Augenblick schämte er sich fast dieser Gleich-

giltrgkeit. Aber da stand ja deutlich

das heutige Datum. Die Tone, die aus dem Innern drangen, paßten allerdings

schlecht zu dem Tezt.

Eben traten zwei neue Gaste ein

Alban benutzte den Augenblick, mit hin-

einzuschlupsen. -

Erst mußte sich sein Auge an den dichten Tabaksqualm gewöhnen, durch

den die Gasflammen wie durch Nebel

blickten. Das Lokal war gesteckt voll. Auf dem Podium produzirte sich eine

Sangerm in theatralisch aufgeputzter

Landestracht Mit eme? schneidenden

Stimme. Sie' schien es auf den Neueingetretenen abgesehen zu haben. Sie

warf ihm Kußhände zu und sana ihn

mit aufdringlicher Geberde an: Mein

Schatz is a Verglerbua.

Man lachte und sah auf ihn, bis ihn

die Verlegenheit packte, so wenig war er

an die Öffentlichkeit gewohnt. Zum

Gluck erspähte er den einzig leeren Tisch. Der Ofen stand davor und nahm jede Aussicht auf das Podium.

Alban verzichtete gern darauf. Die ge-

schminkte Perion mit den silbernen

Borten um das Sammtmieder und der

häßliche Gesang waren ihm ohnehin

zuwider. Unwillkürlich mußte er an die Roßalm denken, wenn das Reserl einmal heraufkam und vor der Hütte seine perlklare Stimme erschallen ließ. Er war in der Verbannung oben, und

doch ivar es seine schönste Zeit so arm

war er.

Der Kellner brachte ein Glas Bier

und sah sich den jungen Burschen spöttisch an, der sich hinter dem Ofen ver-

kroch, wenn die fesche Franzl sang.

Alban betrachtete sich zetzt erst die

Leute. Der Arbeiter herrschte vor, aber

auch viel bekannte Gesichter aus dem Dorf sah er, Leute, die früher nie aus

ihren vier Pfählen kamen. Und kreuzfidel ging es zu. Als die fesche Franzl

ihr Lied beendet, wurde ihr von allen

Seiten zugerufen, zuletzt nahm sie an einem Tisch junger Arbeiter Platz und stieß mit ihnen an.

Der Redner war wahrscheinlich aus-

geblieben. Er fragte die Kellnerin danach. Was glaubend denn," erwiderte

sie, memens, wegen dem kriegen toxx

die Stuben voll? . Da muß schon die Franzl a bissel vorarbeiten."

In feinem Unmuth wollte Aloan schon rasch sein Bier austrinken und gehen, als sein Blick auf einen Mann fiel, den er erst in dem Dunkel der Ecke

gegenüber nicht bemerkt. Er saß ganz zusammengekauert, den grauen Kopf

mit spärlichem, wirr wegstehendem Saar fast bis zum Tisch herunterge-

beugt. Ein magerer, tief gefurchter Hals ragte aus der zerrissenen Wolljacke, in die er gekleidet war. Eine

Holzkraxe, für die dürren Schultern

allzuschwer gepackt, stand neben ihm

auf der Bank, vor ihm ein leeres

Schnapsglas. Alban wollte ihn anreden, da er Mit

leid mit dem müden Greis empfand, und hätte ihm gern ein Glas Bier be-

zahlt. Aber in diesem Augenblick griff der Fremde auf die Seite nach seiner Kopfbedeckung und stülpte sie über.

Das war seltsam! Alban stutzte.

Es war eme zerlumpte Schirmmutze, mit Pelz eingefaßt, genau so, wie er sie immer in seiner Phantasie gesehen. Der

Pelz war genau so röthlich, ein Fuchs-

pelz, und ein verblaßter grüner Schirm

lief herum. Der Mensch fühlte wohl seinen star

ren Blick. Er sah plötzlich auf. Es war ein von unzähligen Falten durch-

zogmes, verwettertes Gesicht, scheue

Verschlagenheit sprach daraus, ein ewi-

ges Aufderhutsein. Die Stoppeln eines

grauen Bartes reichten bis zu den bu

schigen Augenbrauen, die den Blick ver-

bargen. Alban konnte sich eines ' aus

steigenden Gedankens nicht wehren

die Schirmmütze war daran schuld.

Der Mann wurde sichtlich unruhig unter seinem Blick und rückte die Mütze tiefer herein. Alban sah absichtlich weg das volle Licht traf ihn. Da beugte sich der Mann vor, stemmte die Faust

auf den Tisch und erhob sich langsam

es war, als wolle er sprechen. Als aber Alban sich zu ihm wandte, kroch er förmlich zurück in seinen Winkel, daß tiefe Schatten ihn deckten. Jetzt wäre

Alban um keinen Preis mehr gegangen. Der Alte soll nicht herauskommen, ohne

ihm Rede zu stehen. Wenigstens vom

Hals wollte er sich den einfältigen Ge danken schaffen.

Die Franzl hatte kaum das Podium

unter Getrampel und Veifallsgebrüll verlassen, als eine allgemeine Bewegung

durch die Versammlung gmg. Ruhe!

Der Doktor! Schämt's Euch!

Doch so rasch war die Stimmung

nicht herzustellen. Man lachte, winkte sich zu, rief herausfordernd nach Franzl.

Auf dem Podmm stand der Doktor

Raßmann und wartete geduldig seine

Zeit ab.

Alban mußte dem Fremden den

Rücken kehren, um den Redner zu sehen. Das war also einer von denen, die den

Mühseligen und Beladenen helfen woll-

ten?

Doktor Raßmann begann. Und mit jedem Satz gerieth Alban mehr in sei-

nen Bann. Auch er sprach von emem Gesetze der Erde, aber das lautete ganz

anders wie jenes, das der alte Rohrbacher und damals bei der Eröffnung der Lüdemann verkündete. Es war ein Schwulst von Gemeinplätzen und

Phrasen.

Er sprach von den Emporkömm-

lingen, die die Schlimmsten seien, von den Ueberläufern in's feindliche Lager,

die die Rücksichtslosesten der Rücksichts-

losen seien, i Es war kem Zweifel, wen

er meinte!

Alban hätte am liebsten laut den

Namen gerufen, so ein Zorn erfaßte

ihn. Es rief aber ein anderer, ein bis

jetzt von niemand beobachteter Herr im

schwarzen Anzug, der in der Ecke stand und eben hervortrat: Im Namen des Gesetzes entziehe ich dem Redner das

Wort."

-Allgemeiner Tumult. Oho! Was will denn der? Hinaus!" Gedränge,

Geiohle. (Fortsetzung folgt.)

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