Indiana Tribüne, Volume 28, Number 15, Indianapolis, Marion County, 9 September 1904 — Page 4
Judkana Tribune, 9. September isou.
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Zndiana Tribüne. HerauZzkAkben von der Sutenderg Es. Indianapolis, Ind. Harry O. Thudium t . t Präsident. GeschäftSlocal: 5!o. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 29. ntcre t at the Post Office of Indianapeli at iccond dass matter. Das Land der Frauen. Was Neu.Seeland und einige australische Staaten in der neuen Welt, das ist Norwegen in der alten: es ist das Land, in dem die Frauen größere Rechte und eine bevorzugtere Stellung genießen, als irgendwo sonst in Eu ropa. Das politische Stimmrecht lefitzen die Frauen in Norwegen aller dingS nicht; auch ist es nicht wahrscheinlich, daß sie eS in der nächsten Zeit er halten. Dagegen find sie schon seit einigen Jahren im Besitze deS lommu nalen Wahlrechtes und nehmen an den Abstimmungen der Gemeinden über die Zulüsfigkeit deS öffeutlichen Betriebes alkoholischer Getränke mit ganz densel den Rechten, wie die Männer, theil. Der- Zugang zur Universität wurde ihnen bereits im Jahre 1882 sröffnet und 1884 erhielten fie Zutritt zu allen Prüfungen und akademischen Gradeu der Universität Christian!. Seit diesem Zeitpunkt ist die öffentliche Mei nung in Norwegen der Ansicht, daß dem Staate die Pflicht obliege, den Frauen auch die öffentlichen Aemter zugänglich zu machen, zu denen die Erlangung der akademischen Grade der Männer berechtigt. Im Jahre 1901 löste die Regierung diese Verpflichtung insofern ein, als sie dem VerfaffungSgefetze eine Bestimmung einfügte, daß Frauen prinzipiell Zugang zu öffentlichen Aemtern haben sollen; die praktische Ausführung die; ser Bestimmung leitet, der Gefetzvor schlag in die Wege, den die Regierung soeben der norwegischen VolkSvertre tung (Stortbing) vorgelegt hat. Nach diesem Vorschlage sollen alle öffent lichen Aemter den durch ihre Auöbil dung dazu berechtigten Frauen fortab zugänglich fein, mit AuStmljme einzelner Kategorien' Die Frauen sollen nämlich keine geistlichen Aemter in der StaatSkirche, keine Polizeiämter, Kon sulate, keine militärischen Posten, keine Aemter im Berg, sowie keine Chefstel len im Wege-, Kanal-, Hasen- und Feuerwesen erlangen können, auch als Direktoren von Krankenhäusern oder Irrenhäusern sür Männer sind sie nicht anzustellen. Dazu treten noch einige wenige andere Beamtenkategorien. Mi nister können sie nach dem Staats grundgesetze nicht werden. Alle übrigen Aemter find ihnen nach dem Gesetze fortab zugänglich: besonders können dann Frauen in Zukunft Richter werden, zumal sie schon seit längerer Zeit als Beisitzer zu Gerichten wählbar waren. Zu bemerken ist, daß einer der Miniper, StaatSrath Schöning, ausdrücklich in mehreren Punkten über den Vorschlag seiner Kollegen noch hinausgeht und insbesondere den Frauen anch zu den geistlichen Aemtern Zugang eröffnen will. Entscheidend war indeß das Gutachten der theologischen Fakultät Christian! und der Bischöfe des LardeS, die übereinstimmend erklärten, daß die Anstellung von Frauen in den geistlichen Aemtern dem Worte Gottes, der Augsburgischen Consession und der kirchlichen Tradition widersprechen würde. Ob Frauen verheirthet oder unverheirathet sind, soll sür ihre Anfiellung keinen Unterschied machen, indem vorausgesetzk wird, daß sie ihre Pflichten als Gattinnen und Mütter selbst am besten zu beurtheilen wissen werden. Kein anderer europäischer Staat ist auch nur annähernd so weit in der Be rechtigung der Frauen gegangen. Die BasiS, auf der fich die politische Macht der Frau in Norwegen erhebt, ist ihre gesellschaftliche Stellung. Die Frau ist in Norwegen gesellschaftlich so mäch tig, daß man das Land mit Fug als das Land der Frauen bezeichnen kann. Wenn die Dichtung der Spiegel des Lebens ist, so verdient eS Beachtung, daß die Dramen deS größten norwegischen Dichters, Henrik Ibsen, fich durch weg in erster Linie mit der Frau be fassen, daß in ihnen die Frau kühner, origineller, freier, großartiger erscheint, als der Mann; die Frauen find die wahren Stütz'en der Gesellschaft," heißt e5 in einem diese? Stücke. In Wahrheit ist hier der norwegische Dichter nur der getreue Interpret deS
norwegischen Lebens. Seit zwei Jahr-
zehnten und länger gibt eS keine politische, sittliche, soziale Bewegung in Norwegen, hinter der nicht die Frauen als die mächtigste Triebkraft ständen. Im politischen Leben spielen fie schon längst mit oder ohne Wahlrecht, eine höchst bedeutende Rolle. Mehr als ein norwegifcher Staatsmann hat seine Weisheit und seine leitenden Gedanken von einer Egeria empfangen, die freilich hinter den Kulissen bleibt. Frauen fitzen in den WahlkomiteS der Parteien und nehmen an der Agitation regen Antheil. Die langjährige Macht der radikalen Partei in Norwegen beruhte nicht zum geringsten Theile darauf, daß die Frauen mit Begeisterung für die nationalen und liberalen Ideen eintraten, als deren Tröger fie.diefe Partei ansahen; und wenn bei den jüngsten Wahlen diese. Partei die Mehrheit und die Regierung verloren hat, so lag diese Ursache zum guten Theile darin, daß die Frauen den Glauben an .fie und ihre Leistungsfähigkeit eiugebüßt haben. Gerade diese Machtstellung der Frau macht eS sicher, daß der Vorschlag der Regierung angenommen werden wird; denn keine der beiden rivalifirenden Parteien ln Norwegen kann und darf eS wagen, sich die Gunst der Frauen zu verscherzen, da sie damit vabanque um ihre Existenz spielen würde. Talundbergs Perio, eine neue Weltsprache. Schon wieder eine Weltspräche?" wird mancher halb entrüstet fragen, wo Volapük und Esperanto, von den vielen weniger bekannten ganz zu schweigen, keine merkliche Verbreitung erlangen konnten und neues auf diesem Gebiete also recht überflüssig erscheint?" Wenn aber das ineue nicht nur wirklich neu sondern auch praktisch und brauchbar ist, so wird eS sich dem alten gegenüber schon behaupten und so den Nachweis für seine Existenzberech tigüng führen. Jedenfalls ist Talundberg der Meinung, praktisches und brauchbares zu bringen, und zwar außer genügender Einfachheit der Grammatik ganz besonders auch eine solche deS Wortschatzes in der Richtung, daß die Kenntniß eines Wortstammes die möglichst vieler andrer mitverbürgt. Die andern Weltsprachen haben in dieser Beziehung gewissermaßen nur Vorläufer auszuweisen, indem sie dem betreffenden Grundworte schwerfälliger weise eine Vorsilbe zusetzen (z. B. granda groß, rnalgranda klein) und auch diese nur ganz vereinzelt anwendenkönnen. Dagegen ist im Perio der ganze Wortschatz (mit Ausnahme natürlich der Eigennamen aller Art) in verschiedenen Systemen untergebracht, deren umfassendstes auf dem Ablaut" , beruht; so heißt nama groß, nima klein (s. Minimum); bana gut (franz. bon), buna mittelmäßig, biua schlecht; bala schön (fraz. bei), bula anmuthig, bila häßlich; 6ala süß (itsll. dolce), dola fade, dula sauer, dela herbe, dila bitter; chano (ch sprich tfch) Kette (franz. chaine), chono Draht, chuno Seil, cheno Schnur, chino Faden, U. s. w. Auf weiteren Prinzipien deS Perio beruht eS, daß alle Stämme (selbstverständlich die meisten Eigennamen wieder ausgenommen) einsilbig sind und möglichst wenig Consonanten enthalten, und ferner, soweit angängig, aus den in den Cultursprachen verbreitetsten Wörtern gewählt" oder gebildet worden find (f. auch obige Beispiele). Ueberhaupt baut fich daS Perio auf Grundsätzen auf, die fich in anderen Weltsprachen, in der Gedächtnißkunst, der Stenographie :c. bereits bewährt haben, und ihm dürfte daher vergönnt fein, was den anderen Systemen versagt blieb: die Weltfprachenfrage zum Austrag zu bringen. Eine natürlich noch in den Anfängen begriffeue Organisation für das Perio hat für das deutsche Sprachgebiet 'ihre Centralftelle in Elberfeld, Louisenstraße 130. Grundeigeuthums Uebertragungen. . Georg: E. Bremer .'an Augustus A St. Clair, Theil der südöstlichen Vier-tel-Section 11, Township 16, Range 3, Washington Township. $9300. George L. Maas an -Albert E. Metzger, Lot 1, Miller'S Sub., von Theil von Johnsons Erben Add., nahe Cornell Ave. und 22. Straße, $1,450. Martin Theis an Anton Schmidt, Lot 39, Square 23, Beaty's Add., weglich von Shelby Str., nahe Belt Railroad, S950. ' John W. Hanna an Joseph Miller, Lot 21, Kenwood Park, östlich von Crown Hill, zwischen 3, und 34. Str. $2000.
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Ter Metallreichthum Perus und seine ungenügende Ausbeutung. Seltene Schätze Vingeborene alS Mlnenar beiter Moderne Sklaverei Ter TchnapS alS Tröster Ungenügende Verarbeitung der Erze. Die Reichthümer der Kordillere von Peru find von altersher berühmt. Goldene und silberne Gefäße und Schmuckstücke waren zur Jnkazeit allgemein im Gebrauch. Noch jetzt findet man in alten Kreolenfamilien silberne Geräthsckaften aller Art. Peru besitzt Hauptsächlich Gold-, Silber-, Kupfer- und Bleierze. Auch Eisenerze find in reichem Maße vorhanden, fie find aber nicht abbauwürdig, weil großer Mangel an Brennmaterial herrscht. Holz ist nämlich nördlich von Valparaiso bis zur Nordgrenze von Peru in der Küstenkordillere überhaupt nicht vorHanden, und Kohle nur in geringen Mengen. Der Mangel an Brennmaterial und an Transportwagen hat bisher eine vernunftgemäße Ausbeutung und Verarbeitung der Erze nicht aufkommen lassen, und bei der Unsicherheit, die im Staatswesen herrscht, ist für die nächste Zeit nicht an Abhilfe zu denken. Das Klima mit seinen jähen Temperaturfchwankungen und die dünne Luft der Berge sind dem Europäer wenig zuträglich. Daher ist man gezwungen, die Eingeborenen, eine Cholos genannte Mischrasse, zur Minenarbeit zu verwenden. Diese arbeiten jedoch blos, wenn fie der Hunger treibt, aber auch dann nur, wenn sie Vorschuß bekommen, und es macht ihnen das größte Vergnügen, mit diesem Vorschuß durchzubrennen. Da nun diese Unzuverlässigkeit den Minenbesitzern großen Schaden thut, so hat sich die Einrichtung der Engauchadores, einer besonderen Art von Stellenvermittlern herausgebildet. Der Enganchador bekommt von dem Minenbesitzer Geld, gibt dem Indianer- den gewünschten Vorschuß und belegt dafür dessen Grundstück mit Beschlag. Dann schickt er ihn in die Mine, wo der Vorschuß abgearbeitet werden soll. Dort wird dem Manne ein kleines, fensterloses Loch angewiesen, und von nun an ist er der Sklave der Mine. Der Tagelohn beträgt 60 Centavos (ctwa 30 Cents) und alle Lebensmittel muß er in dem zur Mine gehörigen Kramladen kaufen. Die Leute essen meistens gerösteten Mais. Ein besonderer Leckerbissen ist für sie Lamafleisch, das aber nur von gefallenen Thieren genommen wird, weil es z.u kostspielig ist, gesunde zu schlachten. Das Hauptgenußmittel sind Kokablätter. Das in ihnen enthaltene Kokain macht die Magennerven unempfindlich und dämpft so das Hungergefühl. Die meisten Arbeiter theilen' ihre Wohnung mit ihrer zahlreichen Familie, einigen Hühnern, zwei'Schweinen und mehreren Hunden. Letztere haben sie zum Schutze gegen die Bergfüchse nöthig, die die schlimmsten Hühnerdiebe sind. In den Wohnräumen herrscht ein unbeschreiblicher Schmutz und es wimmelt von Läusen. An dem jeden zweiten Sonntag stattfindenden Zahltage wandern alle Arbeiter in's Dorf, wo sie sich dermaßen an Schnaps betrinken, daß sie erst wieder am Montagabend nüchtern werden und am Dienstag wieder ihre Arbeit aufnehmen. Die Minenbesitzer können diesen blauen Montag nicht abschaffen und fügen sich ins Unvermeidliche. Auch bei ihnen ist sträfliche Betrunkenheit nicht selten. Der Bergbau selbst' steckt in Peru noch in den Kinderschuhen. Bis vor Kurzem war es Raubbau im wahren Sinne des Worts. Man kletterte an den Bergen umher und suchte nach Erzadern. Dann bohrte man dort die Berge an und folgte der Erzader kreuz und quer. Gerade Gänge hatte man auch gar nicht nöthig, weil das Erz in Säcken aus der Grube herausgeschleppt wurde. In jüngster Zeit ist man aber zu einem Einsehen gelangt und beginnt mit dem alten System zu brechen. Man fängt an, Grubenbahnen anzulegen und ihnen die Höhe und das Gesälle des Stollens anzupassen. Nirgendwo wird heute in Peru das Erz verhüttet. An die Bearbeitung in Kuppelöfen ist wegen des Mangels an Brennmaterial nicht zu denken, . selbst Amalgamationswerke . haben aus diesem Grunde fallirt. Die einzige erfolgversprechende Art der .Konzentration ist die Erzwascherei, wenn sie sorgfältig von einer europäischen oder nordamerikanischen Fabrik eingerichtete Maschinen besitzt. Negersklaven inGeorg i a. Staatssenator Fcye von Egypt, Wa., ist von den Vundesbehörden verhaftet worden, weil er eine Anzahl Neger gezwungen hatte, ihm auf seinen ausgedehnten Terpentin-Farmen in der Nähe von Egypt als Sklaven zu dienen. Während der Nacht wurden die Neger in einer Stockade gefangen gehalten, und bei Tage mußten sie, mit schweren Ketten aneinander gefesselt, Sklavenarbeit verrichten. ' , X Einträglicher Rattenfang. Die französische Stadt Nouen ist zur Zeit von unzähligen Ratten überfluthet, die in Docks, Lagerräumen, Geschäften und Privathäusern großen Schaden anrichten. Die Stadtverwalt'.:ng erließ einen Aufruf an die Einwohner zur Vertilgung der Thiere und setzte auf jede gefangene Ratte zehn Centimes (zwei Cents) Belohnung.
ckrau Ägnes. Skizze von Georg zlZssePalm. Als Mädchen war sie sehr groß, sehr
schlank und sehr blaß gewesen. In der kurzen Zeit ihrer Ehe hatte sie einige Lust, gezeigt, voller zu werden. Als dann aber ihr Gatte und ihr einziges Kind kurz hintereinander gestorben waren, magerte sie wieder ab. Wenn ihre Augen nicht so trostlos traurig geWesen waren, hatte, man sie auch dann noch für ein Mädchen ansehen können. Sie war ja auch noch so jung, kaum dreiundzwanzig. Jahre alt! . Der junge Gutsherr, der sie. die Lehrerswaise, aus Armuth und Verlassenheit zu sich genommen hatte, war eines Morgens mit mehreren Freunden fröhIlch auf die Jagd gegangen, den wattirten Schnürrock an und die FuchsPelzmütze auf dem blonden Schöpf. Erst hatte er sich die Feldflasche von ihr füllen lassen und dann hatte er ihr zwei Küsse gegeben zum Abschied, mit der ruhigen, behäbigen Liebe emes zufriedenen Gatten. Und wenige Stunden darauf wurde er in das Haus gebracht; Rehposten im Schädel und die Blässe des Todes über der braunen Haut. Frau Agnes war keine starke Natur. Vielleicht hätte sie monatelang . in dumpfem Schmerz vor sich hin gebrütet, wenn ihr Kind nicht gewesen wäre. Aber am andern Tage, als sie mit brennenden Augen und fast sinnlos auf der Chaiselongue lag, hatte die Bonne das kleine Mädchen zu ihr hereingelassen. Es war wenig mehr als ein Jahr alt und noch nicht ganz sicher auf den fetten Beinchen. Wie es die Mutter sah, hatte es erst laut aufgejauchzt, dann war es ganz leise und heimlich zu ihr herangetrippelt und hatte, das rechte Zeigefingerchen in ihren weißen Hals bohrend, immer titzi, titzi" gesagt, bis ihm das selbst, so komisch vorkam, daß es lachen mußte. Aber die Mutter hatte sich nicht gerührt, und vor ihrem starren Blick erschrak die Kleine. Sie fing an zu weinen, so bitterlich und so verzweifelt, daß Frau Agnes aufstehen, lachen und im Tanz--schritt mit ihr durch das Zimmer gehen mußte, um das kleine Herz wieder zu beruhigen. Sie hatte dabei auch die schweren Vorhänge von dem Fenster zurückgezogen, um ihrer Kathi den großen Hahn mit den grünen Schwanzfedern auf dem Hühnerhofe zu zeigen, und in ihrem Wittwenzimmer hatte alles ein ganz anderes Gesicht bekommen, als der klare Tag wieder hineinkonnte. Dann aber starb auch die Kleine. So schnell wie ihr Gatte.' Die Diphtheritis war im Dorf. Zwei Stunden dauerte der Kampf. Nicht länger. , Sie hatte keinen mehr, der sie trösien konnte. Sie schrie nicht und weinte nicht.' Aber im Frühling war das Kind begraben worden und als es von Neuem Frühling werden wollte, war noch kein Lächeln seitdem über ihr starres Gesicht geglitten. In einer Ecke ihres Schlafzimmers stand ein Betpult mit einem elfenbeinernen Christusbild. Stundenlang kniete sie davor. Die schmale Gestalt ganz in Schwarz, die großen, weißen Hände inbrünstig gefaltet, in den brennenden Augen den ungestillten Durst nach Thränen. Sie achtete auf Niemanden und sah Niemanden. Das Dorf lag tief in der Einsamkeit und die alten Freunde scheuten ihren Schmerz. Nur der alte Arzt aus der Nachbargemeinde sprach öfter vor und immer bedenklicher schüttelte er seinen grauen Kopf. Er sah, wie Frau Agnes sich mehr und mehr dem Leben entfremdete und eines Tages ließ er einspannen und machte allen Besitzern der Umgebung seine Visite. Bald darauf zeigte sich im- ganzen Kreis ein ledhaftes Interesse für das Jagdrevier, das zu dem Gute der Frau Agnes gehörte. Und die Herren kamen, die Büchsen umgehängt und rauhe, frische Winterluft in den Kleidern, die sich in den Stuben verbreitete und kühl und klar auch um Sie Mädchenstirne der Hausherrin .strich. Frau Agnes war auf dem Lande geboren und erzogen worden. Darum hatte sie eine hohe Meinung von den Pflichten der Gastfreundschaft. Die Jäger frühstückten bei ihr. Sie mußte sie begrüßen und für vieles Sorge tragen. Oft trat es wie ein Zucken des Zornes in ihre Augen, wenn sie sie kommen sah, denn die herbe Lebenslust, die aus jeder Pore ihrer frostgerötheten Gesichter hervorbrach, schien ihr wie eine EntHeiligung ihrer Trauer. Aber es waren ihre Gäste, und sie ging ihnen bis zur Thür entgegen. Unter ihnen war auch ein kleinerer Grundherr, Heinrich Heeren, der während ihrer Mädchenzeit zu ihren eifrigsten Verehrern gezählt hatte, ohne daß s jedoch je zu einer ernsthaften AnNäherung gekommen wäre. Der hatte beinahe ebenso große Augen als sie. Einmal, da sie ihm eb?n einen Kognak gereicht hatte, hob er das Glas und sah ihr so fest in die Augen, daß sie die ihren niederschlagen, mußte. Darauf, daß di: Todten ihr Glück und ihren Frieden haben und die Lebendigen ebenso!" sagte er ernst. Frau Agnes erwiderte nichts. Ein trauriges Lächeln legte sich - um ihre Lippen. Als yr dann jedoch leiser, so daß es die andern nicht zu hören vermochten, fortfuhr: Sie sehen beinahe noch so aus wie in Ihrer Mädchenzeit. Nur noch schöner!" da flog eine tiefe Rothe über ihr elfenbeinblasses Gesicht, und es war ihr seitdem, als ob
lern graßes, ernstes Auge ihr Überall hin folgte. Am nächsten Tage saß sie an dem Fenster ihres Schlafzimmers und sah in den öden, verwilderten Garten hinaus. Ein Südwind war über da Dorf gekommen, der warm und feuchj über den Februarschnee hin fortstrich. Auch die Sonne sah mitunter, wenn auch immer noch müde und angegriffen, durch die farblosen Wolken. Sie unt die Regenschauer, die von Zeit zu Zeii kurz und heftig herniederbrachen, brachten die weiße Decke zum Schmelzen und spülten sie immer weiter von dem schwartn, morastigen, fruchtbare? Erdreich. , Schön sah der dünn bewachsene Garten nicht aus. Der Boden war uneben, und. überall hatten sich Wasserrwncn gebildet, die von den kleinen Anhöhen träge und schmutzig Hinabflossen. Eine schneeige Kuppel war noch unberührt. Frau Agnes ließ ihre Augen rein mechanisch darauf ruhen. ' Aber bald kam auch die in's Fließen. Und wie sich der Schnee mehr und mehr loslöste, sah Frau Agnes plötzlich einen kleinen, eigenthümlich geformten Gegenstand, der sich in der Farbe wenig von der Erde unterschied, darunter auftauchen. Es war ein Kinderschuh, der, von dem Wasser erfaßt, einige Male hin und her tanzte und dann träge in den tieferen Graben hinabschwamm. Frau Agnes drückte die Hände aus das Herz. Aber seltsam! Statt des bitteren Wehs überkam sie mit einem Male ein ganz anderes Gefühl. Eine Erinnerung tauchte in ihr auf. Wie hatte Heinrich Heeren gesagt? Daß die Todten ihr Glück und ihren Frieden haben und die Lebenden ebenso?"' Ja. so war es gewesen. Das rothblonde Haar, das ihr frei über die Schultern fiel, ließ sie wie prüfend durch die Finger gleiten. Dann stand sie auf - und trat nach kurzem Zögern an den Spiegel. Sie sehen beinah noch so aus, wie in Ihrer Mädchenzeit. Nur noch schöntxl" wiederholte sie leise. Forschend betrachtete sie sich. Sie öffnete den Mund ein wenig. Die prächtig weißen Zähne kamen zum Vorschein., Mit dem kleinen Finger bog sie die Unterlippe zurück. Sie war frisch und blutroth. Eine Minute blieb sie so stehen. Dann ergoß sich die dunkle Scham über ihre Stirn, und als ob sie sich auf einer Sünde ertappt hätte, schlich sie wieder ihrem Fensterplatz zu. Die langen gelben Haare der Trauerweide davor flogen im Winde hin und her. Es war ein Südwind, ein warmer, feuchter Frühlingswind. Frau Agnes sah ihm lange zu, wie er mit den . jungen, biegsamen Gerten spielte. Ein Seufzer rang sich aus ihrer Brust. Dann öffnete sie das Fenster und, sich weit hinauslehnend, schlürfte sie die Luft in durstigen tiefen Zügen' . Sie war ja noch so jung. Kaum dreiundzwanzig Jahre. Und Winter war es lange genug gewesen! Kleine Ursachen.
Der verstorbene Werner v. Siemens, welcher in unserem naturwissenschaft lichen Zeitalter durch wichtige Entdeckungen auf technischem Gebiete so viel leistete, hat in seinen Lebenserinnerungen Züge, aus seiner Jugend erzählt, die nicht ohne Einfluß auf die EntWicklung seines Charakters waren und die ihn in feinem späteren Leben anspornten, muthig, unverdrossen und beharrlich alle Schwierigkeiten zu überwinden, welche sich ihm entgegenstellten. ' Seine drei Jahre ältere . Schwester, welche zur Frau Pfarrer in Lenthe bei Hannover in die Strickschule ging, kam eines Tages von diesem Wege laut weinend in die elterliche Wohnung zurück und klagte, daß des Pfarrers Gänserich sie wieder angefallen habe, und sie weigerte sich trotz alles Zuredens ganz entschieden, den Weg dorthin wieder anzutreten. Da reichte der Vater dem fünfjährigen Werner einen Stock und sagte: Dann soll Dich Dein Bruder hinbringen, der hoffentlich mehr Kourage hat als Du." Dieser.Ritterdienst mochte dem Kleinen doch bedenklich erscheinen, denn der Vater belebte seinen Muth mit den Worten: Wenn der Ganser kommt, so gehe nur forsch auf ihn los und haue mit dem Stocke tüchtig auf ihn, dann wird er schon fortlaufen." Also ,zog der Fünfjährige, das Schwesterchen an der Seite, mit des Vaters Stock zum Kampfe gegen des Pfarrers Gänserich aus. Wie er das Hofthor öffnet, kommt ricktig der bösartige Ganser mit hochaufgerichtetem Halse und einem schrecklichen Gezische auf das Kinderpärchen angestürmt. . Die Schwester reißt sofort laut schreiend aus, und' ihr Beschützn zeigte nicht üble Lust, ihrem Beispiele zu folgen. Doch des Vaters Rath bannte ihn an die Stelle, er hob den Stock und rückte dem Ungeheuer herzhaft zu Leibe, und nachdem er ihm ein paar fühlbare Denkzettel aufgenöthigt, floh der streitlustige Ganser mit der ganzen Gänsefamilie laut schreiend in den hintersten Winkel deS Pfarrhofes. Werner v. Siemens sagt selbst, daß dieser Vorgang einen dauernden Eindruck auf sein Gemüth gemacht, und daßihn unzählige Male in späteren schwierigen Lagen der Sieg über den Gänserich unbewußt dazi arespornt habe, drohenden Gefahren nicht auszuweichen, fondern sie durch . muthigeS Entgegentreten zu bekämpfen.
5) i-ranzo u $lo. 1 W. Washington Str (Merchants National Bank.) Ein europäisches Depattmem. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen aus alle Städte Europa. Schisssscheine naq und voEurova. An und verkauf ausländischen Geldes. Nm gerecht zu sein sowohl sich selbst sowie Ihrer milie gegenüber, geben Sie mcht jeden Dollar aus den Sie ver dienen oder der in Ihren, Besitz kömmt. Ein kleiner Ueberschusi, durch systematisches Sparen erlangt, indem Sie einen Theil Ihn? Ein kommenö bei Seite legen, wird Sie vor manches Kopfzerbrechen im Falle von Krankheit oder Noth bewahren. hhe . Inii tat Co. osserirt die größten Facilitäten Ten jenigen, welche ein Spar-Conto an sangen wollen. Tret Prozent In teressen werden bezahlt an Depo siten, halbjährlich verrechnet. Kapital -U' ' $1,000,000.00 Ucberschuh - 225,000.00 Officen im Compagnie Gebäude, Ecke Washington Str. und Virginia Ave. THE VICTOR Ecke Noble und St. Clair Ttr. ySiSi-UJ"""' l-'T"l'',',v''7mt "m,l7-,-üVv., VIIJÄa Ich erlaube mir meinen Freunden und Bekanntkn anzuzeigen, daß ich unter dem Namen "The Victor", an odengenanntem Platze eine knZ jeder Hinsicht erste Klasse Wirthschaft, eröffnet habe. Es wird mein Bestreben sein, ein ln jeder Beziehung respektables HauS zu führen und an meine Geschäft. Freunde, bei coulanter Bedienung, die besten Quali täten an imponitten und einheimischen Weroea, Liquören, Cigarren, Bier, etc., zu verabreichen. EI wird mir zur Ehre gereichen, Sie in meinem jetzigen Lokale begrüßen zu können. Achtungsvoll llourzf Victor. F o r t W o Y n e, 9. Sept. 2Qfti rend Frau Amelie Blumbach, 75, noch einen letzten Blick auf ihre im Sarge liegende verstorbene Tochter, Frau G. Heine warf, siel sie plötzlich über den Sarg und verschied gleich darauf. Die Leiche der alten Mutter wurde im Ne benzimmer aufgebahrt, während das Leichenbegüngniß der Tochter abgehalten wurde. Newcastle, 9. Sept. Noch eine Anklage w?gen Diebstahls wurde gegen Haley Gipe erhoben und zwar wird er beschuldigt, den Rock deS Supt. Linton vom Bahnhofe entwen det zu haben. DieZ sind jetzt zwei wegen DiedstahlS erhobene Anklagen und dieselben werden eZ möglich machen, ihn im Gefängnisse festzuhalten, bis die Großgeschworenen die Untersuchung des Starbuck Falles einleiten. Shelbyville, 8. Sept. Gestern sind hier die Stallungen von I. B. McDanielZ durch Feuer zerstört wor den und in den Flammen kamen 25 Vollblutpferde um. Viele davon stamm ten von dem Hengst Axtel ab, der seinerzeit für 8150,000 verkauft wurde. Schaden mehr als H25.000. Terre H a ute, 8. Sept. Zu der neuen Brauerei'Gesellschaft. .Peopls Brewing Co." gehören zur Zeit schon 191 Wirthschast-.Bksitzer als Actien. Inhaber, während ebensoviel? PrivatPersonen Actien in derselben . genommen haben. -
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