Indiana Tribüne, Volume 28, Number 13, Indianapolis, Marion County, 7 September 1904 — Page 4

Indiana Tribüne. HerauZgekeden von der utedrg Es. Indianapolis, Ind.

Harry O. Thndium t Präsident. GeschaftSlocal! No, 31 Süd Delaware Straße. Telephone 29. r nre.1 at the Post Office of Indianapolis as second dass matter. .j Zum Slmstcrdamer Sozia-listen-CongreK. Die Sozialdemokraten preisen selbst Verständlich den Verlauf des Internationalen CongresseZ zu Amsterdam als einen großen Erfolg des Soziali-muS. Dieser Behauptung widerspricht die Thatsache, daß der gegenseitige Haß, die beiden hervorragendsten der auf dem Congrege anwesendenFührer, den fron Zösischen Sozialdemokrateu JaureS und deutschen Sozialdemokraten Bebel, dazu verführt hat, vor aller Welt der deutschen bezw. der französischen Sozialde mokratie Ohnmacht und Unfähigkeit zu attestiren. JaureS wirft den deutschen Sozialde mokraten vor, daß sie in derVergangen heit nichts Hervorragendes geleistet hütten und daß sie auch in der Gegenwart trotz der 3 Millionen bei den vorjähri' gen Neich-tagswahlen .erlangten Stimmen weder etwas leisteten, noch etwas erreichten. Er erinnerte daran, daß das allgemeine Stimmrecht, welches den vorjährigen Erfolg der Sozialdemokra tie ermöglichte, nicht den politischen Machthabern vom Proletariat abgetrot worden ist, sondern daß es seiner Zeit von der Regierung freiwillig eingeführt worden ist. Er erinnerte ferner daran, daß nach dem Siege im vorigen Jahre die deutschen Sozialdemokraten nichts besseres zu thun wußten, als sich undden gesummten SozialiZmuS durch das toi derwärtige Gezänk auf dem Dresdener Parteitage zu blamiren. In der darauffolgenden parlamentarischen Ses fion haben die Sozialdemokraten, trotz dem sie mit ihren 80 Mandaten die zweitstärkste Partei waren, ebenfalls nichts 'geleistet. Diese scharfe Kritik gab dem deutschen Führer Bebel die Veranlassung zu einer ebenso scharfen und zutreffenden Gegenkritik. Er er innerte daran, daß auch die Franzofen ihr Wahlrecht nicht der Macht der So. cialdemokratie, sondern dem Manne des Staatsstreiches zu verdanken haben, und daß ferner die gegenwärtige republikanische StaatZform nicht durch eine Revolution des Proletariats her beigeführt worden ist, sondern durch den Sieg der deutschen Heere. Diese Behauptung BebelS ist zweifellos richtig, denn als am 4. September 1870 in Frankreich die Republik erklärt wurde, befand sich der französisch: Kaiser auf dem Wege in die KriegSgefan genschast, die eine Hälfte deS kaiserlichen HeereS war bei Sedan und in den vorangegangenen Schlachten theils gefangen genommen worden, theils gefallen, die andere Hälfte des Heeres aber war in Metz eingeschlossen. So .war' die Proklamirung der dritten französischen Republik in keiner Weife eine Leistung des französischen Proletariats. Noch boshafter wurde Bebel, als er auf die Thaten der gegenwärtigen französischen R:gierung hinwies. Für diese Thaten ist die französische Sozialdemo. kratie mit verantwortlich, denn erstens hat lange Zeit hindurch ein Mitglied der Sozialdemokratie, Millerand, im Ministerium gesessen, und zweitens sind die sozialistischen Deputirten die wichtigste Stütze der gegenwärtigen Regierung; ohne diese Stütze würde das ge genwärtige Regime nicht vier Wochen bestehen können. Was also hat diese von den Sozialdemokraten abhängige Regierung gethan ? Sie hat Streiks in viel härterer Weise unterdrückt, als die mit der Sozialdemokratie in offener Feindschaft lebende deutsche Regierung. Sie hat gegen sozialistische Kundgebungen Kavallerie anrücken lassen und endlich hat vor zwei Jahren der sozialdemokratische Minister Millerand den russischen Kaiser, den einzigen "absoluten Herrscher in Europa, mit empfan aen und sich vor ihm ebenso tief verbeügt, wie seine nichtsozialdemokrati' schen Kollegen. Diese gegenseitige Bewerthung der sozialdemokratischen Leistungen in Deutschland und in Frankreich ist nicht nur deshalb von besonderem Interesse, weil Jaures und Bebel besonder? sä. hige Köpfe sind, sondern weil Frankreich das Ursprungsland des SocialiSmuS ist (Saint Simon, Fourier. Proudhon u. f. w.), Deutschland aber

das Land, wo di? Sozialdemokratie am besten organistrt ist und bei politischen Wahlen die größten Erfolge erzZelt hat. Wenn nun die Führer in diesen beiden hauptlündern der Sozialdemokratie gegenseitig Zeugniß von der Unfähigleit ihrer Parteien ablegen, so kann man wohl daraus Schlüge ziehen, wie es in anderen Ländern um die social!stischen Leistungen bestellt sein muß.

Wahrend hier und in anderen Städten im Lande der Arbeiter-Tag in imposanter Weise gefeiert wurde, litten in verschiedenen Theilen des Landes die Familien ausständiger Arbeiter die bitterste Noth und sind große ArbeiterVereinigungen gezwungen, ihre Ohnmacht in einem Streite mit mächtigen Corporationen einzugestehen.' Wohl kein Umstand ist mehr dazu angethan, der denkenden Arbeiterschaft klar zu machen, daß ihre Führung unfähig ist, sie ihren erstredten Zielen sicher entgegenzuführen. Daß diese Leute nur ihren eigenen Vortheil suchen und nachdem sie den Gewerk schaften das Mark aus den Knochen ge saugt haben, für politische Dienste von der gerade herrschenden Partei ein fettes Jöbchen erhalten, braucht" nicht bezweifelt zu werden. In jedem Kampfe, den die Gewerkschaften kürzlich gegen kapitalkräftige Corporationen führten, blieben die Letzteren siegreich . Tausende von anständigen Arbeiterfamilien müssen durch bittere Entbehrungen für die frevelhasten Unbesonnenheiten der sogenannten Führer büßen, während diese prassen. Der Fleischerausstand geht einem für die Gewerkschaft unrühmlichen Schlüsse entgegen, während fern vom Schauplatze durch festliche Umzüge mit theueren Musikkapellen, Carnevalsfreuden u. f. w. das Arbeiterelement von der Erkenntniß der traurigen Situation der um Besserung ihrer Lage kämpfenden Brüder abgelenkt wird. So eine Wahl - Campagne ist doch gerade zu ein herrlich Ding. Hat der Amerikaner so wie so schon eine souveräne Verachtung vorden bestehenden Gesetzen, zu Wahlzeiten thut er erst recht, was er Lust hat. Diese Uebelstände machen sich namentlich in den größeren Städten bemerkbar und die jeweiligen Munizipal - Behörden wissen auch recht gut, daß sie in der Durchführung der Ordinanzen möglichst coulant sein und in fcrn meisten Fällen nicht nur ein, sondern beide Augen zudrücken müssen, wenn sie die geringste Aussicht haben wollen, ihre Partei am Ruder zu erhalten. Die Wirthe werden zu Wahlzeiten von- der Polizei nicht drangsalirt, wenn ' sie ihre ' Lokale über die gesetzliche Stunde offen halten, und der souveräne Bürger darf um diese Zeit un gestraft auf den Seitenweg oder, . so ihm das beliebt, auf den Stiefel des Polizisten spucken, und kein Geschäftsmann braucht zu befürchten, daß er Unannehmlichkeiten haben wird, wenn er da? Trottoir mit seinen Waaren versperrt. . . Aber auch die psissigen Farmer machen sich die für sie gün stigen Umstände zu Nutzen. So hat eine Anzahl fortschrittlicher Farmer in Cook County an Mayor Harrison von Chicago dreist und gotteSfürchtig das höfliche aber bestimmte Ersuchen ge stellt, seine Milch-Jnspektoren abzuschaffen, da die Farmer im ganzen County höchst ausgebracht über diese unbequeme Institution seien und die demokratische Partei dadurch bei der Wahl sehr stark geschädigt würde. Und der Mayor? Nun, der sah die Logik des Arguments sehr wohl ein und berief seine Milchinspektoren sofort zurück; die Farmer aber können jetzt vorläusig in aller GemüthZruhe weiterpantschen. (Miss. Bl.) Grundeigeuthums Uebertragungen. Mary K. Eastman an William Coal man, Lot 30 in Danforth & Knox's Subd. von Outlot 172, nahe Fort Wayne Avenue und Alabama Str. 86,000. William Coalman an Mary K. Eastmvn, Theil von Lot 3. in Vajen'S Sub. an Washington Str. östlich von PogueZ Run. $15,000. Oran P. Cornell an Newell D. Gru'e, Lot 20 in Milligan'S Brook Park , Add., nahe. SpadeS Park. 82,000. Socialer Turnverein. Der Sociale Turnverein hält heute Abend im Deutschen Hause seine reget müßige monatliche Versamlung ab.

Judiana Tribüne,

Aus Stadt- und Counth-Ver-valtnug. Das Budget des County 'S fürnächsteSJahr. Das County.Council trat gestern zu seiner regulären Jahres-Sitzung zusammen. um dasBudget für das nächste Fiscaljahr 1. Jan. 1905 bis 31. Dec. 1905 festzusetzen. Dem Council wurde von denCountyCommissären folgende Voranschläge-rni-terbreitet, welche gestern durchgenommen und jedenfalls in der heutigen Schlußsitzung des Council zur Annähme gelangen werden. Brücken S173,000-(hiervon entfallen auf Brücke über White River bei Broad Ripple 815,000; über Eagle Creek in Wayne Tp. $18,000, über Buck Creek in Franklin Tp. $10,000). Courthaus l 816,995; Gefängniß, einschließlich 820,000 für Beköstigung von Gefangenen, $23,135; Arbeits Haus, 822,285; Armenanstalt, 824,. 030; BetriebS-Station, 823,100; Kinderhüteranstalt, 812,330; Irrenanstalt in Zulietta, $28,057.50; Commissäre, 811.050; GefundheitSbehörde, 82100; Urtheile u.Gerichtskosten81000; Staats-Wohlthätigkeits-und Strafanstalten, 816,000; Druckfachen und Anzeigen, 83000; County Schreiner . Arbeiten 81200- Revisions Behörde 81280; Ausgaben für 'Arme (9 TownshipS),' 814,200; ärztliche Behandlung für dieselben, 85500; Unterstützung der Waisen, 822,000; Donationen für WohlthätigSanstalten, 84800; Verschiedenes, 849,530; Unterhaltung des freien Landstraßen-SystemS, 863,000; Zin; fen für Bonds, 886,000. Für die verschiedenen County-Aem ter und Gerichte wurden ausgesetzt: Coroner, 83,136; Sheriff, 819,350; Clerk, 822,500; Auditor, 820,000; Schatzmeister, 813,900; Recorder, 816,750; Surveyor, 87,050; Superintendent derCountySchulen, 81,952 County - Assessor, 83,300; Criminal. Gericht, 816,900; Superior - Gericht, Zimmer 1, 87,810; Zimmer 2, 83,46y: Zimmer 3, 87,816; Kreisgericht einschließlich - Probat'Departement, 814.010; Jugend-Gericht, 83.162. Für Untersuchungen in Irrsinns Fällen, 812,400; für Ueberweisungen von GerichtZfällen an Gerichte anderer CountieS, 84000. Für Ausarbeitung der AsseßmentsListen:' .j . Center Township, 834,430; Franklin, 8422; Perry 8562.50; Pike, 8337.50; Washington, 8553.50; Wayne, 81,575; Lawrence, 8427.50; Decatur, 8437.50; Warren, 8542. 75 Wirthschafts. Licen.'' sen bewilligt. Die County.Commissäre unterzeichneten gestern 75 Gesuche um Wirth-schastS-Lizensen. Drei Applikanten waren jedoch gestern nicht so glücklich, ihre Lizensen ausgestellt zu erhalten, nämlich: Chas. C. Rouser, W. Wabash Str. (English Hotel Bar), Angela Rosasco, 1846 Ogden Str., und Wm. Miller, 37 Ost Court Str. Gegen Bewilligung derselben hatte Eli Ritter im Namen der Anti Saloon Liga" Remonstranzm eingereicht, weil die Wirtschaften der genannten Herrn sich an Alleys und nicht an Straßen befinden. In den nächsten Tagen werden diese Fälle vor den Commissären zur Ver Handlung gelangen. 1 Auf 83 C e n t S wird sich wahrscheinlich die stüd tische Steuer.Umlage belaufen. Die Kosten der Stadtverwaltung für das Fiscal - Jahr .1905. sind auf 81.790.079.79 abgeschätzt worden, je doch wird diese Summe nach Erklärun gen deS Stadtcontrolleurs Dunn noch gehörig beschnitten werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird jedoch die Steuerumlage, welche in die sem Jahre 82 Cents für $100 beträgt 83 Cents sür das nächste Jahr be tragen. . Der Mayor und seine Getreuen ha ben eingesehen, daß, daZ gewisse Ver willigungen dem Budget des nächsten Jahreö zugefügt werden müssen, wie 825,000 für Polizei-Zwecke, 85000 für Feuer.Hydranten, 825,000 für Ankauf des Staats-Areals an. der Ost Wash ington Str. und 825,000 für die Höherlegung der Geleise an der 10 Str. und Massachusetts Ave., es nicht

möglich ist, mit der alten Steuerum läge von 82 Cents durchzukommen.

7. September 1904,

Die einzelnen Departements haben u. A. verlangt : Finanzen, $216,147.50; öffentliche Werke. 8701,700; öffentliche Parks. 8231,385; Sicherheits-Behörde, 8541,476.34 und Rechts . Departement 87700. Für Verschiedenes ist ferner 8123,. 000 ausgesetzt worden. DieBrightwood Wasser " werke betreffend. Dr. B. A. Brown. der Sekretär des Brightwood Commercial-Club, hat ein umfangreiches Schreiben an die Behörve für öffentliche Werke gerichtet, in welcher er energisch dagegen protestirt. daß die Brightwood Wasserwerke geschlössen werden. Dieselben sind bekanntlich ein SchmerzenSkind, der Stadt und die Behörde hat ' beschlossen, wegen Mangels an Fonds, da die Werke sich nicht bezahlen, dieselben am 10. September zu schließen, falls der Stadtrath nicht eine genügende Summe verwilligt, um die Anlage, noch bis Ende deS JahreS fortzuführen. Das Schicksal der Wasserwerke wird sich wahrscheinlich schon in der nächsten Extra . Sitzung des Stadtraths entscheiden. Dieselbe wird am Montag, den 18. September stattfinden. I n s p e c t i o n d er Eisenbahnkreuzüngen. Mayor Holtzman, Stadt-Jngenieur Jeup, mehrere Mitglieder deS Stadtraths, sowie Vertreter der Lake Erie & W.,. Big Four- und PennsylvaniaBahn . Gesellschaften nahmen gestern Nachmittag eine Jnspection der als gefährlich bezeichneten , innerhalb der Stadtgrenzen befindlichen Eisenbahnkreuzungen vor. . ES wird erwartet, daß diese Jnspection zu Wege 'bringt, daß das Stadtraths . Comite und die Vertreter der Bahn.Gesellschast fich auf einen Plan einigen, welche Sicherheitsvorkehrungen an diesen gefährlichen StraßenbahnÜbergängen anzubringen find. Bürgschaftspapier verschwunden. Seih Jolly, der unter der Anklage der Unterschlagung hier vor einiger Zeit verschwunden war, wurde später unter 81000 Bürgschaft wieder in Freiheit gefetzt. Jolly wurde auf Anklage der Puck Publishing Co. hin verhaftet und Sam Ward,- ein professioneller Bürge, stellte seiner Zeit die Bürgschaft. Nun ergiebt es sich, .daß das Papier nirgends aufzufinden ist, falls fich dasselbe aber dennoch später finden sollte, wird es sür verfallen erklärt .werden, da Jolly inzwischen die Stadt verlassen haben soll. Jolly unterschlug zur Zeit eine größere" der Firma gehörende Summe und nachdem er gegen Bürgschaft freigelassen wurde, zahlte er einen Theil der Summe in Raten wieder ab. Der Fall wurde von Zeit zu Zeit verschoben, in der Hoffnung, daß er zuletzt die Summe abgetragen haben würde und er blieb auch im Dienste der Compagnie. Jetzt, so wird wenigstens behauptet, soll er noch eine größere Summe unterschlagen haben und seitdem wurde er nicht mehr gesehen. Er soll fich augenblicklich in New Jork aushalten. Ein Wunder. Die Rolle des Liebhabers der Köchin oder' des Küchenpersonals überhaupt nimmt in England der Polizist ein. Vob," wie sein Spitzname in London lautet, ist der Schatz der Köchin und findet sich Abends häufig in der warmen Küche. In der Villa eines reichen englischen Bankiers wurde eines Abends vom Kammerdiener des Hausherrn ein Einbrecher abgefangen, der durch eines der offenstehenden Gartenfenster in's Haus eingedrungen war. Der Diener, .ein hünenhaft gebauter Mensch, packte den Verbrecher und schleppte ihn mit Hilfe des herbeigeeilten Kellerburschen in das Arbeitszimmer des Herrn. Soll ich einen Polizisten holen?" fragte .der Kellerbursche. Natürlich," antwortete der HausHerr, oder vielmehr lassen Sie nur, ich werde einem klingeln." Er drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel und sagte dem erscheinenden Diener: Gehen Sie in die Küche hinunter und bringen Sie mir einen oder zwei Polizisien herauf.". Der Diener, ohne über den sonderbaren Befehl des Herrn, aus der Küche einen Polizisten zu holen, erstaunt zu erscheinen, verschwand, kam aber nach wenigen Augenblicken wieder mit der Meldung, es seien keine Volizisten im Hause anwesend. Was," rief der Bankier zweifelnd, es befände sich in meiner KLche, wo eine Köchin, zwei Küchenmädchen, eine Aufw'ascherin rnd zwei oder drei Hausmädchen sind, kein Polizist! Dies ist ein offenbares Wunder, und unserem Einbrecher soll es zu gute kommen. Wilson, lassen Sie den Burschen lau-fmr

Merkwürdige Wundbehandlung, j

Einer der hervorragendsten Aerzte seiner Zeit war der 1590 in Paris verstorbene Hofwundarzt Ambroise Pare, der als ein Reformator der gesummten Chirurgie betrachtet werden kann. Er führte zuerst anstatt der blutstillenden Arzneimittel und ' des Glüheisens bei Amputationen die Unterbindung der blutenden Gefäße ein; noch größere Verdienste erwarb er sich durch seine Umgestaltung der Lehre von den Schußwunden, die er als Kontusionswunden auffaßte und demgemäß behandelte, während man sie vordem als vergiftete Wunden mit heißem Oel geätzt hatte. Pare war auch ein weithin gesuchter Praktiker, und so behandelte er auch mehrere Monate den Herzog Karl Philipp von Croy, der durch einen Schuß aus einer Arkebuse (Hakenbüchse) schwer am Bein verwundet worden war und bereits über ein halbes Jahr aus feinem Schloß Havre bei Mons daniederlag. Der Sekretär der Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft des Hennegaues, Emil Hublard, hat Über diese Behandlung Einzelheiten gesammellt, die beweisen, daß sie bei Weitem nicht so einfach war, als man nach den sonstigen Fortschritten Pares glauben sollte, und daß ihr noch ein weitgehender Glaube an die Wunderwirkung althergebrachter Arzneiformen anhaftete. Sofort nach seiner Ankunft im Schlosse, so heißt es in den Aufzeichnungen, begibt sich Pare zu dem Kranken und untersucht seine Wunde. Der Knochen des Oberschenkels ist zerschmettert, die Weichtheile geschwollen und geschwürig. Ter Kranke kann vor den unerträglichen 'Schmerzen keine Ruhe finden und ist von brennendem Durst geplagt. Seine Zunge ist trocken, seine Sprache leise, wie die eines Menschen, der dem Tode sehr nahe ist." Der Arzt spricht, wie sich's gebührt," dem Patienten Muth zu und ergeht sich darauf im Schloßgarten, bis ihn ein Diener zum Mittagessen ruft. Beim . Eintritt in das Schloß sieht Pare, wie man aus einem Kochtopf ein halbes Schaf, ein Kalbsviertel, drei große Stücke Ochsenfleisch, zwei Hühner und ein mächtiges Stück Speck nebst vielen guten Küchenkräutern" herausnimmt. Der Arzt erklärt diese Kraftbrühe für seinen Patienten zuträglich. Dann schreibt er dessen BeHandlung vor. Zur Beschwichtigung der Schmerzen sollen Einschnitte in den Schenkel gemacht, zur Bekämpfung des Brandes'soll die Wunde mit Wein und etwas Branntwein, dem Aegyptiac" zuzusetzen ist, bespült und bespritzt werden. Des Weitetnist.. eine Abkochung von Salbei,' Thymian, Rosmarin, Lavendel, Kzmillenblumen, Bisamklee und rothen Rosen mit Wein, Eichenholzlauge und .einer Handvoll Salz zu verwenden, um den! kalten und schleimigen Humor zu verdünnen, zu verfeinern, zu zertheilen, zu lösen und zu trocknen sowie die verwundeten Theile zu stärken." . Als Nahrung sind zu verabreichen weiche Eier, in Wein und Zucker eingemachte Damaszenertrauben, Brotsuppe mit Brühe aus dem großen Kochtopf," das Weiße von Kapaunen und ganz fein gehackte Reb-huhnflügel.-Dazu sind Tunken aus Orangen, Sauerampfer und herben Granatäpfeln zu geben. Das Brot muß aus Mengkorn gemacht werden und darf weder zu altbacken noch zu weich sein. Nachts hat der Kranke ein Getränk - aus geschälter Gerste und Wasserlilien mit Zusatz von je einer halben Unze der vier kalten SamenKürbis, Gurke, Kleinkürbis und Melone zu nehmen, das nährt, arzneilich wirkt und Schlaf bringt." Der Kranke unterwarf sich den Vorschriften, und mit Erfolg. Die Schmerzen ließen nach, Ruhe und Schlsf kehrten zurück und der Patient fühlte sich bei oder trotz Wein, Fleisch und Bier bald wohl. Die ganze Umgebung eilte herbei, um den Geretteten zu beglückwünschen. Man s-2ng, tanzte, jubelte und fechte, und auch Ambroise Pare scheint dabei nicht zu kurz gekommen zu sein, denn, außer der klingenden Belohnung, trug er hr. der Rückkehr nach Paris einen schweren Katzenjammer heim. Vlitzlaunen. In Carlisle, Minn., fuhr ein Blitzstrahl durch den Schornstein eines Hauses und hierauf einem Draht an der Ofenröhre der Wand entlang. Er traf die Hausfrau, welcher die Haare versengt, der Kamm und die Nadeln vom Kopf gerissen, die Stahlspangen des Korsetts geschmolzen und ein Schuh vom Fuße gerissen wurde. Die Frau war nur eine Zeitlang betäubt, hatte aber sonst keinen Schaden erlitten. Wolfsplage. In der bergigen Gegend nordöstlich von Rochester, Minn., werden die Wölfe immer zahlreicher und frecher; sie dehnen ihre Raubzüge auf die Farmen der Umgebung aus; ih Opfer sind Schweine, Schafe und Geflügel; selbst am hellen Tage hat man die Bestien auf Raub ausgehen sehen. Es werden jetzt noch $5 zu der Staats-Prämie offerirt für jeden todten Wolf. Mißglückte Loopfahrt. Bei dem Versuch des Radfahrers Deryder in Salt Lake City, Utah, in einem Vergnügungslokal die Fahrt auf einer sogenannten Loop mit seinem Rade zu machen, verließ sein Rad die Bahn, und der Unglückliche stürzte zu Boden und brach das Genick. . '

Fronzel-Bro

9 No. 1 W. Washington Ztx (Merchants National Bank.) Ein' europäisches Department. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen aus alle Städte Eurcpc!. Schtsssscheine nach un) vo Eures 2. An- und verkauf ausländischen Geldes. Um gerecht zu sein sowohl sich selbst sowie Ihrer Fa. milie gegenüber, geben Eie nicht jeden Dollar auö den Sie verdienen oder der in Ihren Besitz kommt. Ein kleiner Ueberfchusi, durch systematischesSparen erlangt, indem Sie einen Theil Ihres Ein kommenS bei Seite legen, wird Sie vor manches Kopfzerbrechen im Falle von Krankheit oder Noth bewahren. , THE offerirt die größten FacilitLten Der. jenigen, welche ein SparConto an sangen wollen. Drei Prozent Interessen werden bezahlt an Depo siten, halbjährlich verrechnet. Kapital -ZI- - $1,000,000.00 Ueberschuß 225,000.00 Office im Compagnie Gebäude, Ecke Washington Str. und Virginia Ave.' Mi.m jmm mm , , m Verbrecherischer Schwindel. Einem krassen Fall von Verficherungsschwindel ist man auf hoher See an Bord des DampferZ Gotbland der Hamburg'-Amerika-Lini? auf die Spur gekommen. Als der- Dampfer am 21. Juli am Staden in Liverpool Fracht fürHamburg übernahm, wurde u. a. eine T. B." gezeichnete Kiste an Bord gebracht, um deren sorgfältige Lagerung sich der. Ablieftrer Lußerordentlich besorgt zeigte.- Dm Steuermann erklärte er, dah sich in der Kiste ein für die Hamburg-Ameri ka-Linie bestimmtes, sehr werthvolles Patent befände. Als der Dampfer auf hoher See war, bemerkte man plötzlich einen immer stärkeren Brandgeruch. Als man den Schiffsraum öffnete, schlug dicker Qualm darans hervor. Man setzte sofort die Schiffspumpen in Thätigkeit und nab daö Nothsignal. Der gerade vorüberkommende Dampfer Rheinland eilte zur Hülfe herbei. Nachdem es nach angestrengterBemühung gelungen war, dcS Feuers Herr zu werden, untersuchte man die durch Wasser stark beschädigte Ladung und fand, dah das Feuer durch jene 2. B." gezeichnete Ktsie hervorgerufen worden sein mufe'e. Die Kiste enthielt einen zerrissenen alten Anzug und eine Anzahl Zeitungen. Alles war mit ätherischen Essenzen getränkt; zwischen den Zeitungen lagen Reste von Chemikalien, die sich aus der Reise entzündet hatten. Der Aösender, ein gewisser Bancroft in LioerPool, wurde auf telegraphische Benachrichtigung verhaftet. Er hatte die Kiste mit 10,000 M. versichert. An die Hamburg-Amerika-Linie hatte der Schwindler einen Brief geschrieben, worin er sein Patent ankündigte. Historische Grabstätte. Bei Ausgrabungen für eine neue Kirche in Portage, Wis., stießen die Arbeiter auf einen metallenen Sarg, der die Gebeine des berühmten Forschers Pierre Pauquette enthielt. Geschichtsforscher hatten seit Jahren vergeblich nach der Aegräbnißstätte gesucht. Pauaiiette wurde im Jahre 1796 in Missouri geboren und machte ausgedehnte Forschungsreisen durch den Nordwesten. Als er mit den WinnebagoJndianern über die Abtretung ihrer Ländereien an die Bundesregierung unterhandelte, kam es zu einem Streite, in dem er von einem Indianer erschlagen wurde. Muthige Jägerin. Frl. Niedringhaus von St. Louis, Mo., stieß auf der Bcrenjagd in Colorado, wohin ste sich mit ihrem Verlobten und mehreren Freundinnen und Cowboys, auf Vronchos reitend, begeben hatte, in der Wildniß auf einen großen Bären und schwebte, da sie zur Zeit ohne Begleitung war, in großer Gefahr, von der Bestie getödtet zu werden. Sie verlor aber die Geistesgegenwart nicht, legte ihre gute Jagdflinte auf den Varen an und brachte diesen durch zwei wohlgezielte Schüsse zur Strecke.

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