Indiana Tribüne, Volume 28, Number 12, Indianapolis, Marion County, 6 September 1904 — Page 7
Jndkana Tribüne, 6. &cptcinbtt 1904
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- Uoman von Anton Frcihcrrn v. Pcrfall
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O ch 0 $ H H 0 1 (Fortsetzung.) Mit gewohnter Energie nahm er d Kampf auf, der für ihn der Kampf der Zukunft wer. Kein Platz schien ihm geeigneter, ihn zu führen, als gerade dieses Thal, in dem er sich einmal festgesetzt. Das alte Schloß auf dem Berg mit seinen Zinnen und Thürmen war ihm ein Dorn im Auge, und so war eS ihm eine wahre Lust, es durch einen Neubau seiner Ehrwürdigkeit zu entkleiden. Herr Lüdemann hatte heute sein neues Heim bezogen. Ganz Marbach prangte im Flaggenschmuck. Der Schloßherr verstand es auch wie kein Zweiter, m't dem Volk umzuspringen, das Unrecht seiner Cegner in das grellste Licht zu fetzen. Als er. Vormittags den Gemeinderath feierlich empfing, machte er eine Schenkung von zehntausend Mark zu völlig freier Verfügung, dann folgte ein Freiessen von zweihundert Gedecken für die Honoratioren und Grundbesitzer in dem Hotel, das er im vorigen Jahr gebaut, während in den Gewerkschaften, der Maschinenfabrik, der Brauerei, dem Oekonomiehof sich sörmliche Aollsseste entwickelten. Auf dem Schloß," wie es noch immer hieß, ging es hoch her. Gäste waren von weither gekommen, Gefchäftsfreunde Lüdemanns, Gesinnungsgenossen. Es war eine Fülle von Thalkraft, Intelligenz und Macht, die sich da oben in den neuen Räumen Lüdemanns zusammenfand, währet von allen Seiten, unbehindert des fel -lichen Tags, die Schlote rauchten, die Feuer brannten, die Kohlen rasselten, die Dampfpfeifen quiekten. Lüdemann war alles derartige Gepränge in der Seele zuwider. Eben hatte er sich, ermüdet von all den Redensarten seinen Gästen gegenüber, denen er feinen Besitz gezeigt, in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Es war von größter Einfachheit in schlichtem Eichenholz, nur eine Landkarte unterbrach die Einförmigkeit der schmucklosen weißen Wände. Lüdemann selbst stand in seltsamer zgarmonle mit dem ganzen Aaum. Äas gleichmäßige, kantige Gesicht ohne jeden Bart, der glattgestrichene Scheitel, die peinliche Kleidung in schwarz, die wohlgepflegten, auffallend kräftigen Hände das alles war so nüchtern klar und abgezirZelt wie die Gesimse der Täfelung und der Parkettboden. Er hatte das Kinn tief in den hohen Kragen gebohrt und blickte hinaus auf
die rothen Ziegeldächer des Marktes,
deren Fnste sich gerade m den Fenster
schnitt hoben. Sein Mund zog sich
trotzig herab, feine Stirn war gefurcht. ' Das war der ihm feindliche Geist, der
da aufstieg mit den feinen Rauchwolkcken aus den alten morschen Giebeln. Via, mit denen da unten wnv vatv aufgeräumt sein, eine Arbeitswoge will er über sie herwälzen, die alles erdrückt, was sich dagegen spreizt. O, was hatte er für Pläne! Noch stand der Süden an Arbeitsleistung weit zurück gegen den Norden. Aber warum sollte es denn so bleiben? Die Bedingungen waren ja günstig, nur die rechte Zähigkeit fehlte und noch etwas ja, wenn das nicht wäre: der Athem jeder Industrie, die Kohle! Nur Kohle her! Er wandte sich zu seinem Schreibtisch, griff zu Bleistift und Blatt und notirte den Namen Rohrbach mit einem dicken, schwarzen Strich. In diesem Augenblick öffnete sich leise die Thür, ein Mädchenkopf beugte sich herein, der wie der helle Frühling wirkte in diesem öden Raum. Frei wallendes Blondhaar, zwei Blauaugen, ein zum Lachen geformter Mund und zu allem Ueberfluß noch ein Veilchensträußchen in den etwas zu rothen Kinderhänden. Der Mann im Lehnstuhl sah auf, die starren Züge belebten sich, und ein Lächeln um den scharfgeschnittenen Mund gab dem Antlitz fast etwas Wehmüthiges. Darf ich herein, Papa?" Immer, mein Liebling, Du weißt es ja," lautete die Antwort. Da huschte das Mädchen herein und legte den duftenden Strauß auf den Tisch. Das sind die ersten selbst gepflückt." Lüdemann nahm den Strauß und zog den Duft ein. Macht Dir das keine Freude? Aus dem alten Burggraben auch noch! Da ist's schön wild, wo daö schwarze G:wölbe noch steht. Das bleibt auch stehen, nicht wahr? Mir zuliebe! Da kann man so lustig träumen von alten Zeiten, von Ritter, von Feen" Lüdemann stand plötzlich auf. Das soll man eben nicht, von solchem Unsinn träumen, wenn man, ein vernünftiges Mädchen ist. Ist denn das etwas Schönes, so ein altes Gewölbe? Und zuletzt hat es dazu gedient. Gefangene
auszuhungern. Das bedenkst Du nicht in Deiner thörichten Schwärmerei.
Mußt Ihr denn immer an dem Alten
hängen, und darüber geht' jeder Blick
für die Wirklichkeit verloren."
Aber, Papa, wie kannst Du denn nur alles so ernst nehmen!" meinte das rm v
Acaoazen. Lüdemann machte eine energische Be
wegung. Ich muß es ernst nehmen.
Der Franz denkt gerade so, nur m
einer andern Weise das will immer den Kavalier spielen! Als ob man's
damit so weit gebracht hätte! Thu mir den einzigen Gefallen, Bessy "
Der Huffchlag eines Pferdes ertönt:
vom Hof herauf.
Ludemann trat an das große Bogenfensier, das Ausblick in den alten Schloßhof" bot. Er machte eine ärgerliche Bewegung. Natürlich schon wieder im Sattel, gestiefelt und gespornt, als wenn das Leben eine Schnitzeljagd wäre. Was hat er denn mit dem Bauern?" Bessy sah über feine Schulter hinweg in den Hof. Ein junger Mann in tadellosem Reitkosiüm hielt mit Mühe einen zierlichen Fuchs, der schäumend irr die Stangen biß und nervös hin- und hertrippelte. Ein Bauer im sonntäglichen Gewand, einen kräftigen Stock mit Hirschhorngriff in der Hand, hatte den Reiter sichtlich unlieb aufgehalten. Der junge Mann wies ihn eben mit barscher Bewegung ab, wie es schien, vergeblich. Der Bauer stieß seinen Stock auf das Pflaster, als ob er sich festpflanzen wollte, und entgegnete sichtlich ebenso kurz angebunden. Lüd.mann stieg das Blut in das Gesicht; er wußte nicht, über welchen von Beiden er sich mehr ärgern sollte, über den Reiter, seinen Sohn mit den Junkerallücen, oder über den Bauern mit seinem dreisten Wesen. Hastig nß er das Fenster auf. Was will der Mann, Franz?" rief er hinab. Ah was, ein zudringlicher Mensch! Dich sprechen will er ohne Aufschub! Wird fchon was Wichtiges sein!"
Das weiß ja der junge Herr gar
net. was wichtig ist und was net, meinte der Bauer.
Der Lüdemann freute sich dn Antwort. Woher sind Sie? Was wollen
Sie? rief er hinunter. Vom Rohrbacherthal bin ich." Lüdemann stutzte. Nun und?"
Ja no. das Weitere kann ich Ihnen
Nicht da hinaufschreien.
Grob war der Mensch, aber von Rohrbach. Eben ging ihm der Name
wieder durch den Kopf. Den muß
man doch anhören.
Na, dann kommen Sie herauf," rief er hinunter. Wohin denn, Franz?
Wir haben Gäste im Haus." Nur noch einen kleinen Jnspektions ritt. Papa, vor Tisch."
etht seit zwanzia Iabren auf
ziemt Inspektion, rief Luoemann
urgeruch hinunter und schlug das Jen
ster zu. Weiß Gott, Ihr seid gar keine
Ludemanns, wandte er sich an das Mädchen. Du nicht und der Franz
nicht. Euer Großvater war noch Grobschmied, ja wohl, Bessy, einfacher
Grobschmied."
Ja, warum bist Du das denn nicht
geblieben? Das Ware ia berrlick.
Grobschmieds Tochtertem. Wenig-
stens," Bessy senkte das Köpfchen,
wurden Dich dann die Veilchen mehr
freuen.
Lüdemann sah fein Kind seltsam an.
dann faßte er den Blondkopf, drückte
einen Kuß auf die jugendliche Stirn
und athmete tief auf.
Schwere Schritte tonten draußen
auf dem Gang.
Geh ietzt, Kind, und wenn Du noch
welche findest unter dem alten Gewölbe.
so brinae sie mir, Bessy: sie freuen
Mich wirklich aus Deiner Hand.
Bessy gmg. Es pochte. Herein!" Der Rohr
bacher öffnete schüchtern, kratzte mit den
Fußen und machte einen unbeholfenen
Bückling nach dem andern.
Ich habe den Herrn fchon m der
Stadt g sucht nacher hat es ghei-
ßen "
Was wünschen Sie von mir? Ich
bitte, kurz, meine Zeit ist gemessen.
Na, gar so kurz laßt sich das nicht das ist eine schwere Sach " Der
Rohrbacher kratzte sich hinter dem Ohr. Na, dann möglichst kurz," erwiderte Lüdemann nervös. Haben Sie was
zu verkaufen? Oder wissen Sie et
was. Das läßt sich ja mit wenigen
Worten saaen.
Mit einem Wort, Herr Lüdemann aber grad heraus, ich trau mich
net"
" Aber wie sollen wir denn verhan-
dein, wenn Du kein Vertrauen hast?
Soll ich Dir was versprechen? Zum Beispiel, daß ich keinen Gebrauch von Deiner Mittheilung mache, ohne Vereinbaruna mit Dir! Daß Du immer
noch der Herr des Geheimnisses bleiben
sollst"
Ja, wenn Sie das thäten, Herr
Ludemann
Also, meine Hand darauf! Jetzt
aber heraus!
Lüdemann' sah auf die Uhr. Rasch
das eine Wort. Was weißt Du?" , ..Kohlen. Serr."
Lüdemann gab . 'vergebliche Mühe,
seme Aufreauna zu veroeraen. und der
Rohrbacher war nicht so einfältig, als
er sich m diesem Auaenbnck stellte. n
Also Kohlen weißt Du?" fragte Lüdemann, seine Ungeduld mit Mühe
zuaelnd. Hast Du selbst Versuche ae
macht, auf Deinem eigenen Grund
Kohlen aefunden ?"
Das hab ich. öerr. auf meinem
Grund vr-gestern, wie es -den Rohrbach aufg'rissen hat, die schönsten Koh-
len "
Und Dn glaubst, auf ein Flöz ge-
stoßen zu fern? Aboaufabme Kohle ae
funden zu haben? Und willst mir den
Grund anbieten?"
Das g'rad nicht. Herr," meinte der Rohrbacher demüthig. .Oder ich soll das Schürfrecht er-
werben? Zver Du willst' verkau-
fen?"
Das net das Schurfrecy: hab ich
gestern schon erworben."
Du? Gestern? Um es selbst auözu-
nützen?"
Ja, Herr." , Und was soll ich denn dabei Du
brauchst wohl Geld?"
Das ist's, Herr." Natürlich. Da' aeht man zum
Lüdemann. Ganz einfach. Wie heißen Sie denn eigentlich?"
Rohrbacher! Der Rohrdacherhos
gehört mir."
Nun also, Herr Rohrbacher, ich Im
nicht abgeneigt, Ihnen entgegenzukom
men, aber wie denken Sie sich denn die Sache? Sie scheinen mir ziemlich aufgeklärt in solchen Dingen."
Mein Gott, ich? Woher soll ich's
denn haben! Ich mein halt, in Kompagnieschaft gehen wir halt."
In Kompagmeschaft! Und wie steht
es denn mit dem Geld? Die Sache kostet Geld, viel'Geld! Ich kann doch das Risiko nicht allein tragen. Haben Sie Geld?"
Geld! Einen Hof hab ich. den setz
ich rein und das Schürfrecht hab
ich"
Das Schürfrecht nützt Ihnen
nichts, wenn Sie nicht die Mittel haben. den Betrieb zu eröffnen."
Deswegen komm ich zuerst zu
Ihnen, Herr Lüdemann. Das ist der rechte Mann, hab ich mir denkt, ver-
such's erst mit dem, ehe Du zu emem
andern gehst "
Zu welchem andern? No, da gibt es noch allerhand. Der
Graf drüben in Reinau z. B ,Rohrbacher,' hat er mir vor Jahren einmal
a'saat, .wir müssen z'sammenhalten.
wir Landwirth, wenn Dich einmal was
druckt, nacher kommst zu mir.' Ja,
das hat er g'sagt, der Graf."
Und kann sich selbst mcht helfen, der
Herr Graf. Aber lassen wir den
Mann, w:r brauchen ihn nicht. Ich will mir die Sach: einmal ansehen, gleich morgen, wenn Sie wollen, und
einen Vertrag aufsetzen für alle Fälle.
Sie sind doch frei in Ihren Entschlre-
ßungen? Oder hat noch Jemand me
Hand auf Ihrem Hof?"
Der Rohrbacher druckste verlegen
herum. Der Hof gehört mir allein,
da fehlt sich nichts, aber der Vatn lebt
noch. Er hat sich das Anrecht g wahrt,
für den Fall, daz Kohlen sind auf un
serm Grund. Das ist alles! Mein
Gott, ein Achtziger! Einer von der
ganz alten Sort."
Ein Starrkopf zedenfalls," mentte
Ludemann.
No, er hat halt so seine Anschauun-
gen. LLas Du der Erde auf der einen
Seite nimmst, das mußt Du ihr aui
der andern wiedergeben, sonst spukt's!
Das sind so seme Spruch. Aber mein
Gott, achtzig Jahr!"
Das ist aber em sehr wener
Spruch." erwiderte Liimann ab sich t
lich bedeutend. Den schreibe ich getröst über jedes meiner Werke. Ich stamme auch vom Land, mein Groß-
Vater war noch ein kleiner Häusler im
Frankischen. Weiß Gott, wie lange
meine Vorfahren sich herumgeschundcn
haben mit dem armen Sandboden,
Unterkriegen muß man die Bestie, die-
nen muß sie uns, nicht wir ihr. Rohr-
bacher, Sie gefallen mn! Geben Sie
Mir die Hand, Kollege!" ' Der Rohrbacher sah jetzt mit stum
mer Bewunderung auf den mächtigen
Mann und schlug ein.
Herr Lüdemann, ich mein alleweil.
wir passen zusammen! Wenn Sie mich
e:n biß l mitkommen lassen, gehöre ich
Ihnen."
Daran soll es nicht fehlen, Herr
Rohrbacher. Morgen fahren wir zusammen, und. jetzt bleiben Sie hier und sehen sich einmal in Marbach um."
Ein Diener meldete, daß die Gäste
zum Dmer versammelt waren. Der Rohrbacher wollte gehen. Lüde
mann kam plötzlich ein Gedanke. Halten &t sick für nll ftHllf forptt rU
' 7 ' " U 7 kann Sie vielleicht noch brauchen und
dann bedenken Sie, daß wir gute Freunde werden wollen verstanden?" Der Rohrbacher verstand. Der
Lüdemann wollte sein Freund werden.
Das machte ihn ganz wirbnch! Jetzt
sollen sie was erleben, die guten Rohr
bacher und alle andern. Ganz betäubt
von fernem Gluck verueß er das Zim mer.
Lüdemann wartete noch. Er mußte sich die Augen zuhalten, um sich zu sammeln. Wenn an dem Projekt etwas
war und er hatte Vertrauen dazudann war er der Sieger.
Das Haus voller Gäste, Vertreter
der großen Industrie, hohe Beamte, sogar der Adel der Umgebung fehlte nicht, trotz seiner im Prinzip feindlichen Haltung. Der Bauer kam ihm
gerade gelegen. Mitten hinein will er
ihn setzen wie em Symbol des neuen
Bundes, der sich schließen soll. Die ganze Begegnung mit dem Mann hatte für ihn eine vorbildliche Bedeutung.
Kaum saß der Rohrbacher m der
Braustube, um sich von seiner Auf
regung zu erholen, kam schon ein Vediensteter des Hauses. Herr Lüdemann läßt den Herrn Rohrbacher bitten, hin-
auszukommen: er erwartet ihn..
Lüdemann hatte seine Einladungen für das heutige Fest sorgfältig abgewogen, fast zu sorgfältig, um nicht
durchschaut zu werden. Die feindliche
Partei war stets sichtlich in der Ueber
zahl: benachbarte Gutsbesitzer, Vertre-
terider Regierung; dafür bildeten die
Freunde, hochbedeutsame Namen auf
dem Gebiet der Industrie und des mi
ihr eng verbundenen Kapitals, das
was. Lüdemann das moralische Ueber-
gewicht" nannte, Besitzer von Millio-
nen, Beherrscher eines nach Tausenden
zählenden Arbeiterrnaterials. Es war
em Gluck, daß Bessy. die heute zum
erstenmal die Dame des Hauses machte, gerade in ihrer unbewußten Kindlichkeit eine Brücke zu schlagen wußte zwischen
diesen beiden feindlichen Welten.
AIs Ludemann eintrat, las Bessy
sofort einen neuen Erfolg oder wenigstens eine neue Hoffnung in seinen förmlich von innen erleuchteten Zügen, seinem strahlenden Blick.
Wie kannst Du denn an einem fcl-
chen Tag arbeiten. Papa?" begann sie
vorwurfsvoll. Bist ohnehin so an-gegriffen."
Ich? Ich bin nie angegriffen. Ar-
beit greift überhaupt nicht an. Das leugne ich. Habe ich nicht recht, Herr Graf?" wandte er sich an einen schlan-
ken Herrn mn weißem Knebelbart im
gebräunten Förstergesicht.
Gewiß gewiß mäßm betrieben
gewiß." erwiderte dieser. Aber was
zu viel ist, ist zu viel. Das gnädig Fräulein hat vollkommen rechi. Ich
hielt es nicht aus, Herr Lüdemann, ich nicht."
Mein Gott, man muß rinaen. sich
wehren; leicht wird es uns allen nicht gemacht, nicht wahr, Herr Ministerialrath? Da können Sie auch ein Liedchen singen. Aber sagen Sie mir ein-
mal, was sind denn das für Geschichten
mit. der proieknrten Zweigbahn durch das Rohrbachthal in das Oesterreichi-
sche? Mir ganz unbegreiflich."
Durch das Rohrbachthal?" Der
Ministerialrath machte ein höchst über-
raschtes Gesicht. Projektirte Bahn? Davon weiß ich wirklich nichts, wüßte
auch nicht, wie
Wie sich die realisiren sollte? Hm.
das wissen Sie nicht? Na, dann erlauben Sie, daß ich dieser Tage einmal zu
Ihnen komme und Ihnen das ausem andersetze. Sie wird gebaut, die Bahn, verlassen Sie sich darauf." Lüdemann nahm den Rath bei der Hand und beugte sich dicht gegen sein Ohr. Ma-
chen Sie das Projekt, dann sind S'?
der Mann der Idee. Macht sich immer
gut. Und sie kommt, die Bahn ich sage es Ihnen, der Lüdemann. Ver-
ehrte Frau Rath," wandte er sich ebenso rasch zu der Gattin des Raths, die sich sichtliche Mühe gab, der Unterredung ?n laufchen. Wir konspiriren ein bischen.
Er soll mir nur folgen großer Erfolg garantirt."
Man setzte sich zu Tisch. Lüdemann hielt heute mit nichts zurück, was den Neid erwecken konnte. Er war voll Laune rnft) Geist und zog Freund und Feind in seinen Bann. Sein Sohn Franz saß mben Graf Torkau. Was wollte denn eigentlich der Bauernkerl im Hof von Dir, Papa?" fragte er in einem schnarrenden Ton. Lüdemann war sichtlich unangenehm davon berübrt. Der Vauernkerl ist ein sehr tüchtiger Mann, ein sehr heller Kopf, mein Junge." Ein ibanlt huschte über das Angesicht LUdemanns. das plötzlich wieder seine , gewohnte Strenge zeigte. Ja, meine Herren, dieser Bauernkerl, von dem mein Sohn spricht, ist mir ein neuer Beweis, welche Fülle von ungebrauchter Intelligenz in diesem Stand steckt. O, ich könnte ein Buch darüber schreiben, wie ich mir den Bauern der Zukunft denke, als freien, ebenbürtigen Bürger, als nothwendigen Genossen der Industrie, der in ihr nicht die Feindin, sondern die Freundin sieht, mit der er sich verbinden muß. Was Du der Erde nimmst, das mußt Du ihr fünffach wiedergeben, wenn Du es versäumst, nachher spukt's!" Ganz richtig!" bemerkte der Graf. Und wer gibt es ihr fünffach zurück, der Erde, was ihr der Bauer genommen? Hundertfach, behaupte ich die Industrie! Also! Und welcher Sozialpolitiker, glauben Sie, hat dieses große Gesetz der Erde in so schlichte Worte gekleidet? Der Vater dieses Bauernkerls, der heute bei mir war." Um Ihnen seinen Hof anzubieten?" warf Graf Torkau ein. Ja, das glaube ich, da haben sie immer große Sprüche in der Tasche." Im Gegentheil, Herr Graf, Sie verkennen den Mann. Er will sogar ein Rittergut machen aus feinem Hof, und ich werde ihm dazu behilflich sein. Jawohl, wundern Sie sich nur, ich. der Lüdemann, der Bauernfeind. Aber ein Rittergut, wie ich es mir denke." Und der Bauer? Was leistet dafür der Bauer?" fragte man von verschiedenen Seiten zugleich, sichtlich neugierig. - Der Bauer?" Lüdemann besann sich sichtlich, er schloß wie immer in solchen Fällen die Augen, um sie dann um so intensiver zu öffnen. Der Bauer ja, der Bauer der gibt mir dafür rathen Sie einmal, meine Herren, rathen Sie einmal " Eine schöne Jagd am Ende?" fragte Franz ganz hitzig. Die Jagd im Rohrbachthal daber ist er nämlich. Wirklich, Papa? Das wäre ja herrlich, großartig!" Die helle Leidenschaft blitzte auf in den Augen des jungen Mannes. Doch nicht Rohrbachthal sagen Sie " bemerkte der Ministerialrath ganz erregt. (Forlgung folgt.)
rgloii. Wie hat's Ihnen denn in den Alpen gefallen, Herr Schnock?" Na, wissen Sie, ich bin mer vorgekommen wie e' Börsenpapier: bald steigt mer, bald fällt mer!"
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