Indiana Tribüne, Volume 28, Number 11, Indianapolis, Marion County, 5 September 1904 — Page 6

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Europaische Nachrichten. . Frovinz Vrandenburg. Berlin. 2Xr Stadtältcste und Stadtrath a. D. Gerhard Struve ist nach langen Leiden gestorben. Der 25jährige Controlleur Emil Koch aus der Alten Jakobstraße 17, der im Dienst der Elektrischen Gesellschaft am Schiffbauerdamm stand, erschoß auf einem Ausslug zwischen Karolinenhof und Waldidyll seine 18jährige Geliebte Alice Scholz aus der Rosenthalerstraße 37 und richtete dann dieMordwaffe gegen sich selbst. Bei beiden Personen trat alsbald der Tod ein. Die Blutthat geschah im Einverständniß mit dem jungen Mädchen. In der Spritfabrik von R. Eisenmann in der Mühlenstraße brach Großfeuer aus, das in wenigen Augenblicken infolge Ezplosion mehrerer Spritbehälter eine Riesenausdehnung annahm. -Bei einer Explosion wurden fünf Pferde des Vesitzers getödtet, bei einer anderen erlit:en sieben Feuerwehrleute theilweise schwere Verletzungen. Der Verwalter des Französischen Hofes", Friedrichsgracht 61, Heinrich Maaß, der diese Stelle jetzt im 54. Jahre bekleidet. feierte das Fest seiner goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist 78 Jahre alt, während seine Gattin bereits das 87. Lebensjahr erreicht hat. Der Fabrikbesitzer Karl Floh feierte dieser Tage sein 25jähriges Jubiläum als Inhaber der bekannten Maschnenfacxl Er spendete aus diesem Anlaß 50,000 Mark sür einen Pensions- und Unterstützungsfonds feiner Angestelljen. Ein Eifersuchtsdrama hat sich im Hause Philippstraße 15 abgespielt. Dort wurde die 19jährige Büsfetmamfell Lieschen. Hosfmann von ihrem Bräutigam, dem 21jährigen Wemreisenden Eugen Schloß, nach voraufgegangenem Streite durch drei Revolverschüsse verletzt. Schloß hat sich darauf durch Trinken von Sublimat und tu nm Schuß in den Kopf selbst getödtet. Ein großer Fabrikbrand ist auf dem Grundstück Hollmann Straße 32 zum Ausbruch gekommen, das früher der Aktiengesellschaft Ludwig Loewe gehörte und jetzt mit einer großen Anzahl verschiedener Betriebe besetzt ist. Der Brand erstreckte sich auf das erste Quergebäude und den linken Seitenflügel, der nahezu ausgebrannt ist. In Mitleidenschaft gezogen sind besonders mehrere Tischlereien. Potsdam. Stadtältester Robert Krüger ist, 71 Jahre alt, gestorben. Der Magistrat und die Stadtverordnetcn - Versammlung widmeten diefern um das Wohl hiesiger Stadt, verdienten Mann cirren Nachruf. Adlershof. Der allseits bekannte Schornsteinfegermeister Streichau sen. feierte sein 50jähriges Berufsjubiläum. B e r n a u. Ertrunken ist der hie'sige Cigarrenfabrikant WillyBerkowsky. Er war seiner Gewohnheit gemäß auf denLiebnitzsee hinausgefahren, um dort zu angeln. Charlottenburg. Ueberfahren und schwer verletzt wurde vor dem Hause Holtzendorffstraße 13 der neun Jahre alte Sohn Paul des Arbeiters Hermann Kübler. Der Knabe kam so unglücklich unter die Räder des vom Kutscher Stanislaus Kaiser geleiteten, dem Architekten Ursum gehörigen Geschäftswagens, daß er schwere Verletzungen an beiden Händen erlitt. Ebers Walde. Das 50jährige Dienstjubiläum bc3 Gefangenen-Qber-aussehers Ernst Brunn wurde bei voller körperlicher und geistiger Frische des Jubilars im königlichen Amtsgericht in Gegenwart sämmtlicher Beamten festlich begangen. K o t t b u s. Im Fließ bei der Burg Eolonie Spreewalde wurde die unverehelichte Woraschk als Leiche aufgefunden. Da diese mehrere Messerstiche aufweist, liegt jedenfalls Mord vor. Als Thäter kommt der Liebhaber des Mädchens in Betracht, der zur Alimentation des unehelichen Kindes herangezogen wurde. Rixdorf. Eine bekannte Persönlichkeit, der Kirchenältesie und Rentier Johannes Winkelmann, ist, 63 Jahre alt, plötzlich gestorben. Winkelmann war früher Jahrzehnte lang Inhaber des Gasthauses zum golenen Adler" am Richardplatz, in dessen Räumen er Theatervorstellungen und Wanderausstellungen für die Jugend veranstaltete. S p a n d a u. Von Hofhunden zerfleischt wurde der 18jährige Schlosser Albert Krieg. Als er mit seinem Freunde Karl Fischer die Spandauer Chaussee Passirte, kam er auf den Gedanken, die drei großen Hofhunde von dem Fränkischen Kohlenplatze dadurch zu reizen, daß er auf den Zaun stieg und mit seinem Stocke nach den Thieren schlug. Hierbei verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf den Platz hinab, wo ihn die Hunde derartig zurichteten, daß er bald darcuf starb. T e g e l. Zur Feier der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages von Auguft Borsig wurde auf dem Gelände derBorsig'schen Werke ein DenkmalBorsigs in Anwesenheit der Beamtenschaft . und der Veteranen der Firma enthüllt. Zantoch (Landsberg v. W.) Vom Eisenbahnzuge überfahren und getobtet wurde der Ausgedinge? Apitz beim Ueberschreiten eines Privatüberganges. Der etwa 70jährige Mann wurde schrecklich verstümmelt.

Provinz Hstprertgen. Königsberg. Der bei einem Spaziergange auf der Kurischen Rehrung am Hitzschli? gestorbene Bankier Jodert Cohn, Inhaber des BankgeschäfteA von A. Samter hier, war einer der wenigen Jsraeliten, die im Kriege gegen Frankreich zu Reserveoffizieren befördert wurden. Außerdem besaß er das Eiserne Kreuz. Civilingenieur Rudolf Sembritzki, der Vater unseres Stadtrathes, ist im 69. Lebensjahre an Herzschlag verschieden. Sembritzki fungirte oft auch als gerichtlich vereidigter Sachverständiger. Ein betrübender Unglücksfall hat sich an der Hohen Brücke zugetragen. Drei Faktore machten auf dem Pregel eine Spazierfahrt, bei der das Boot umschlug und alle drei ins Wasser stürzten. Auf ihr Hilfegeschrei eilten Schiffer herbei, die zwei der Verunglückten zu retten vermochten, während der dritte, Heinrich Kaufmann, ertrank. Geheimer Regierungsrath Professor Dr. v. Drygalski, der frühere langjährige Direktor des hiesigen Kneiphöfischen Gymnasiums, ist im 75. Lebensjahre geßorben. Bei einer Spazierfahrt auf dem Pregel wurde der Student Egbert Freute! durch das Segel über Bord geworfen und ertrank. Aren stein. Hauptmann a. D. Louis von der Groben, Rechtsritter des Johanniterordens, ist hier nach langem Leiden im 62. Lebensjahre verschieden. Bogatz ewen (Lötzen).' Beim Torfstechen wurde de? 64jährige Instmann Grisch des Gutsbesitzers Strehlow von Krämpfen befallen; er glitt in das Wasser des Torfbruchs und wurde als Leiche aus dem Wasser gezogen. Jnsterburg. Auf dem Spudaris'schen Abbau Amalienhof brach Feuer aus. Es brannten zwei Wirthschaftsgebäude nieder. Mitverbrannt sind 1200 Centner Heu vorjähriger Ernte. Lötzen. Fuhrhalter Karalewski von hier ist beim Pferdeschwemmen jm Löwentinsee ertrunken, wie es heißt, infolge eines Krampfanfalles. Der Verstorbene war 29 Jahre alt. M e m e l. Ein gefährlicher Messerstecher ist der Arbeiter Karl Qginsky. Letztens fand ihn der Fleischergeselle Franz Peiser total betrunken am Steinthor auf der Erde liegen. Als er ihn in menschenfreundlicher Weise aufheben und nach Hause bringen wollte, zog der Kerl aus Dankbarkeit sein Messer und stieß es ihm mit großer Gewalt in den Arm. Peiser mußte sofort zum Arzt geführt werden. Qginsky wurde verhaftet. Pötschlauken bei Linditten. Ertrunken ist in einer am Saume der Großen Plinis" belegenen Torfgrube das im zehnten Lebensjahre stehende. Söhnchen des Jnstmanns Biedert. Tilsit. Drei Matrosen des Dampfers Greift" badeten am rechten Memelufer, gegenüber dem Stintmarkt. Obwohl alle drei schwimmen konnten, gerieth der eine, Plew mit Namen, in den Wellenschlag eines Dampfers, wurde in die Tiefe gezogen und ertrank, ehe seine Kameraden ihm helfen konnten. 'Arcvinz Westpreußen. D a n z i g. Eine verhängnißvolle Messerstecherei ist hier letztens vorgekommen. Der Thäter ist der 44 Jahre' alte Arbeiter Max Zimmermann, der schon zehnmal vorbestraft ist. Er war betrunken und gerieth mit den Arbeitern Paul und Johann Grabowski in deren Wohnung in Streit, ach seiner Behauptung hat Paul Grabowski zuerst das Beil gegen ihn erhoben, dann aber zum Messer gegriffen. Er, Zimmermann, sei seinem Gegner nun aber zuvorgekommen, indem er ihm mit dem Messer einige Stiche in den Leib versetzte. Der Getroffene stürzte sofort ohnmächtig zu Boden und blieb bewußtlos liegen. Der Bauch war ihm . vollständig! aufgeschlitzt, und sämmtliche Eingeweide hingen heraus. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ist er hier bald nach seiner Einlieferung gestorben. Der Obermeister der hiesigen Böttcherinnung, Richard Wittenberg, beging das 50jährige Meisterjubiläum. Briefen. Dem hiesigen Maurer Karl Lewandowski, welcher bei dem Neubau der Dampfmahlmühle in Schönsee mit dem Hinaufreichen von Ziegeln beschäftigt war, fiel aus betrachtlicher Höhe ein Ziegelstein so unglücklich auf den Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach. Er starb an GeHirnerschütterung im hiesigen Johanniter - Krankenhause. D i r s ch a u. Kürzlich badete der 13 Jahre alte Schüler Johann Kromka, Sohn des Siebmachers Joseph Kromka, gegenüber der Gobert'schen Badeanstalt in der Weichsel. Hierbei gerieth der Knabe an eine tiefe Stelle und verschwand in den Fluthen. Ein zweiter kleinerer Knabe, Namens Norgall, schwebte ebenfalls in Gefahr zu ertrinken, konnte aber von Leuten gerettet werden, " E l b i n g. Beim Pferdeschwenimen im Elbingfluß ist der 60jährige Arbeiter Briehn ertrunien. Der Arbeiter Gerlach, fccr bei einemRetwngsversuch in Lebensgefahr gerieth, wurde gerettet. Frankenhagen. Das dreijährige Söhnchen des Briefträgers Nelke wurde von einem schweren Lastwaaen überfahren und tödtlich verletzt.

per Dampfer kommt ! Skizze von Marisqui. Deutsch von Marg. Lepehne. Im Waldesschatten neben der zierlichen, sonnübergossenen Villa, saß eine schlanke Frauengesialt, den Blick auf die leise wogende See gerichtet. Bald würd der Nachmittagsdampfer kommen. Dort hinter jener buschumkränzten Landzunge würde er plötzlich auftauchen, weiß und schimmernd im Sonnenlicht, ganz wie alle andcren Tage. . . Sie hielt den scheinbar inhaltlosen Gedanken fest, um allen anderen zu entgehen, aber sie drängten sich gewaltsam hervor, von allen Seiten, grinsend, raunend: Heute kann ein Brief bekommen!" Ein Brief von ihm, der bisher ihr Gatte gewesen, ein Brief, der ihr viell.icht sagen würde, daß er es nicht mehr war. O Herr des Himmels, es war alles wie ein langer, schrecklicher Traum. Aber sie war leider wach, immer... Tag und Nacht. Wie hatte sie es nur so lange ertragen und sich Zoll für Zoll ihres Glückes beraubt sehen können? Früher, als sie ihm ihre junge lebenswarme Liebe geschenkt, hatte sie oft gebangt, während der langen Wartezeit. Aber sie hatte geduldig geharrt, und obwohl er, als - ihr Nest endlich bereit tand, nicht mehr derselbe zu sein 'chien, hatte sie doch fest auf seine Treue und Ergebenheit, auf ihr Beieinander im gemeinsamen Heim und ihre Kraft gebaut, es licht und -froh zu gestalten. Und als dann die Kleine kam und seine Freude so groß war, da jubelte ihr Herz hoch auf, denn nun glaubte sie ihn für alle Zeit gefesselt. Und nun! Gestern war er abgereist. Sie, die Andere, war auch gereist, so hieß es. Die junge Herrin der Nachbar-Villa mit der schlangenhaft geschmeidigen Gestalt, den schönen leidenschaftlichen Augen und der berückenden Stimme. Wie es gekommen war? Es ist wirklich bedauerlich für Frau T., daß ihr Mann nur seinen Geschäften nachgeht und sie hier draußen so viel allein sein muß. Du könntest sie mitunter zu dir einladen," hatte er gemeint. Das war der Anfang. Dann trafen sie einander täglich und promenirten zusammen, die Drei . . . später nur jene beiden. . . erst wie zufällig, dann immer augenscheinlicher laut Verabredung... täglich... zu allen Zeiten. Anfangs hmte sie einen hoffnungslosen Kampf gekämpft. Sie hatte ihm das Kind gebracht, wenn es am unwiderstehlichsten war. Sie hatte ihr Heim und sich selbst geschmückt, angstvoll bemüht, die verlorene Jugendfrische zurückzurufen. . . Aber ach! Leid und Bangen und die qualvolle Unruhe durchwachter Nächte verfchönen nicht. . . sie fühlte, daß sie nur noch wie ein Schatten ein Schatten des einst Gewesenen neben der Andern erschien, die unter ihrem verbrecherischen Liebesglück immer strahlender erblühte. Und wähnte sie ihn mitunter wenigAenS für Stunden wieder zu haben, dann klangen durch die offenen Balkonthüren die berückenden Lieder der Sirene mit gluthvollem Ausdruck hervor. Wie gestohlen erschienen sie ihr; denn nimmermehr hatte der Dichter sie für solche Lippen, für solche Gedanken und Zwecke geschaffen. . Und er? Obwohl er es zu verbergen suchte, sah sie, wie er lauschte, wie eine kaum zu bemusternde nervöse Unruhe ihn ergriff. Es war, als erfaßten und umstrickten ihn unsichtbare Polypenarme und zogen ihn unwiderstehlich dorthin. . . Und sie war machtlos, sie vermochte ihn nicht zurückzuhalten. . . Einmal war sie aufgesprungen, hatte die Arme um ihn geschlungen und verzweifelt hervorgestoßen: Ich gehe mit Dir!" Doch nie vergaß sie den Blick, der sie Damals getroffen, jenen eiskalten, beinahe haßfunkelnden Blick, als er mit förmlicher Verneigung, als hätte er eine Fremde vor sich, entgegnet hatte: Bitte sehr. Wohin wünschest Du zu gehen?" Da erkannte sie, daß es zu spät war. Da erwachte ihr Stolz, sie zog sich in sich selbst zurück und ließ ihn sich entgleiten... immer mehr und mehr. Und gestern war er gereist in geschäftlichen Angelegenheiten, hieß es. Als er ihr Lebewohl gesagt, hatte er vermieden sie anzusehen. Sie aber sah, wie seine Lippen bebten, als er das Kind umarmt und sein Gesicht sekundenlang an dem lockigen Köpfchen geborgen hatte. Als er den Kopf wieder hob, begegnete er ihrem verzweifelten Blick. Einen Augenblick standen sie so, bleich, wortlos! Keiner hatte den Muth zu reden. Vielleicht hatte er in jener Stunde gewünscht, alles ungeschehen machen zu können, vielleicht wäre er geblieben, oenn die Andere nicht sein Wort gehabt hätte... sein Ehrenwort. Welch' schneidende Ironie! Beim Gedanken daran brach ein bitteres, herzzerreißendes Lachen von den Lippen der verlassenen Frau. Dort schoß soeben der weiße Dampfer hinter der Landzunge hervor, die Pfeife ertönte, dann legte das Boot an der Landungsbrllcke an. - Sie hätte hinabeilen, dem Briefbo-

ten die Hand entgegenstrecken mögen, aber sie konnte jetzt keine Menschen sehen, und was kommen sollte, kam immer noch früh genug. Der Dampfer fuhr weiter, dich am Ufer entlang. Schäumend und tosend brachen dieWogen sich am Strande. um dann in Sckaum jlu zerrinnen, während die seewärts seyenden lautlos in der Tiefe verschwanden, aber man konnte ihre Spur weit, weit verfolgen. War's nicht ebenso mit dem Menschenleid? Bei dem Einen äußerte es sich heftig, leidenschaftlich und doch so bald vorübergehend, während andere ihren Schmerz still in der Tiefe bargen. Da kam der Bote mit einem Brief. Sie hielt ihn in der Hand. Seine Schriftzüge! Wie lieb waren sie ihr von jeher geWesen, wie hatte ihr Herz stets gepocht beim bloßen Anblick ihres Namens auf einem Umschlag! Wie sehnsüchtig hatte sie oft darauf gewartet, welch' banges Angstgefühl sie gequält, wenn sein Schreiben länger ausgeblieben war! Ach, er schrieb vielleicht wie früher, ihre .Befürchtungen waren vielleicht nur Schreckbilder einer überreizten Phantasie. Es war ja nicht möglich, es konnte nicht möglich sein, daß die Liebe des öinen so felsenfest und die des anderen wie Spreu zerstoden, verweht sein sollte! Vielleicht hatte Gott ihr Gebet erhört, vielleicht war ein Wunder geschehen, hatte er in letzter Stunde eingesehen, wer ihn am meisten, am innigsten liebte und kehrte nun zu ihr zurück, bereuend, voll warmer Ergebenheit wie in der ersten Zeit ihrer Liebe. Es war ja nicht anders möglich. Aber es war möglich. Die Liebe hat ihre unabweisbaren Rechte," so stand es da. Unablässig starrten ihre Augenauf die Worte. Und ihre Liebe, hatte die etwa keine Rechte? Die Liebe derjenigen, die ihm ihre Jugend geopfert, ihr ganzes Erdensein auf ihn gebaut hatte? Und er, der verrathene Gatte der anderen, der bei seiner strebsamen Arbeit ergraute, während sie die Früchte derselben genoß hatte seine Liebe keine Rechte? Immer noch sitzt das einsame Weib, den Kopf in die Hände gestützt, und starrt auf's Meer hinaus. Der Dampfer ist verschwunden, doch dort, wo er gefahren, zieht sich ein schimmernder Weg über die Wasserfläche. Ein Weg! Ja, dort hinunter führt der Weg zu Ruhe und Vergessen. Und es bedarf nur weniger Schritte. .. Nun weiß sie, warum sie das Meer stets so geliebt, so gern seinem lockendenWogenschwall gelauscht hat. Horch, wie es singt von Ruhe und Frieden! Ach, schlafen zu dürfen nach alle diesen qualvollen, durchwachten, durchrungenen Nächten, alles vergessen zu können, alles, alles, das geschwundene Glück, das brennende Weh. . Ruhe und Frieden. . . Ruhe und Frieden! Unbewußt wiederholen ihre blassen Lippen die Worte. Sie erhebt sich und geht... mit unwiderstehlicher, magnetischer Gewalt zieht es sie hinab, dem Strande zu... Mama!" Ein paar weiche Arme umschlingen plötzlich ihre Knie, ein blondlockiges Köpfchen schmiegt sich an ihr Gewand, und zwei blaue Augen schauen strahlend zu ihr empor. Mama!" Nur ein einziges kleines Wort, doch voll so schmeichelnder Zärtlichkeit, voll so seligen Jubels, wie ihn nur das Kindcrherz zu beherbergen, die Kinderstimme auszudrücken vermag. Sie steht und schaut mit unnatürlich geweiteten Pupillen auf das kleine Wesen, das sich innig an sie schmiegt. Dann erweichen sich die starren Züge, und zum ersten Mal seit langer Zeit bricht eine lindernde Thränenfluth aus ihren Augen, während sie die Kleine emporhebt und fest an sich drückt. Nein, ich darf nicht sterben. Nun muß ich dir ja beides Vater und Mutter sein." - Verschwägerung. Sind Sie mit der Dame, die Sie eben ansprach, verwandt?" Nein, aber verschwägert." Auf welche Weise?" Sie ist nämlich die Kaffeeschwester von der Frau meines Skatbruders." Vorgethanundnachged a ch t hat manchen in groß Leid gebracht. Die Wahrheit dieses Spruches hat ein junger Mann in Kiel fahren. Nachdem er sich vor mehreren Monaten mit seiner Braut " entzweit hatte, faßte er in der ersten Erregung den raschen Entschluß, bei der Schutztruppe einzutreten, um in den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika all' sein Leid zu vergessen. Was aber nicht kam, war die Einberufung; man schien bei der Niederwerfung der Hereros auf feine Mitwirkung verzichten zu wollen. Glücklicherweise. Denn inzwischen war nicht nur die Aussöhnung des Brautpaares erfolgt, sondern auch die HochzeH bereits auf den 14. August festgesetzt. Nun aber ist aus dem heiteren Himmel, der den Liebenden natürlich besonders voller Geigen hing, plötzlich doch noch der Blitz in Gestalt einer Einberufungsorder zur Schutztruppe für den 10. August herniedergefahren! Man kann sich denken, wie niederschmetternd das Unerwartete auf Frau und Ehemann wirkte.

Lom Auslande.

Ein origineller Diebstahl wurde kürzlich in dem ungarischen Flecken Szekesfehervar begangen. Dort stahl der Insasse Johann Lencses seine 78jährige kranke Schwiegermutter sammt Bett aus ihrer Wohnung. Die Polizei brachte die Gestohlene nach einigen Stunden wieder zustande". Der diebische Schwiegersohn erklärte im Verhör, er habe seineSchwiegermutter defraudirt, weil er's nicht über's Herz bringen konnte, daß sie anderswo, als bei ihm wohne, und er die Sehnsucht nach ihr nicht länger bezwingen konnte. Eine Tochter der Frau erklärte aber, daß in dem Strohsack der Frau ihr erspartes Vermögen von einigen Hundert Kronen eingenäht sei. Um das Geld zu ergattern, muße er die Schwiegermutter mitstehlen. Eine eigenartige T aschenuhr hat ein Schweizer Uhrmacher erfunden. Sie ruft mittels eines winzigen Phonographen die Zeit aus. Eine sehr kleine Hartgummiplatte giebt die Schwingungen der menschlichen Stimme wieder nach den auf der Walze eines Phonographen eingeritzten Zeichen. Sie wird durch ein besonderes Uhrwerk getrieben und zu einer bestimmten Zeit in Thätigkeit gesetzt, so daß sie die gerade fällige Stunde laut verkündet. Die Einrichtung ist kräftig genug, um sich auf 20 Fuß Abstand bemerkbar zu machen. Ueber die Nützlichkeit könnte man vielleicht im Zweifel sein, denn man kann es nicht gerade als wünschenswerth bezeichnen, daß alle Menschen mit solchen Uhren ausgerüstet würden, die, wenn sie richtig gehen, auf einmal alle anfangen, durcheinander zu schreien. Wer für sich allein sitzt, wird dagegen die Stimme seiner Taschenuhr ebenso leicht überhören, wie etwa die Glocke einer nahen Thurmuhr, sobald er sich daran gewöhnt hat.' I n einem der ersten Londoner Hotels, so berichtet man von dort, stieg kürzlich ein Amerikaner mit seiner 18 Jahre alten Tochter ab. Das Töchterlein schien sich eines unbeschränkten Taschengeldes zu erfreuen, denn sie besuchte sämmtliche fashionablen Läden des Westens, kaufte was ihr gefiel, und zahlte, ohne zu handeln, in guter Münze. Als sie eines Tagesvon einem solchen Ausfluge in die Läden der Regentstreet in das Hotel zurückkehrte, fand sie den schnell entschlossenen Vater, der plötzlich London langweilig gefunden hatte, mit Packen beschäftigt, und wenige Stunden darauf hatten die beiden bereits die Reise nach dem Continent angetreten. Man kann sich das Staunen des ZimmerMädchens vorstellen, daß das Wohnzimmer des Amerikaners aufzuräumen hatte, als sie in der säuberlich mit Seidenpapier ausgelegten Feuerstelle dieses -Zimmers fünf Diamantringe, ein Diamant- und Perlenhalsband, einen goldenen Bleistiftbehälter, einen Ring mit Türkisen, eine DiamantTiara, eine mit Diamanten besetzte Uhr und eine Börse fand, die 120 Doll. urd 50 Lstrl. in englischen Banknoten enthielt. Das Töchterlein des Amerikaners hatte offenbar den Kamin. zu ihrem Schmuckkästchen gemacht. Der Werth der gefundenen Sachen betrug mehrere tausend Pfund. Ganz vergeßlich waren die Amerikaner übrigens nicht, denn nach einigen Stunden lief ein Telegramm nächstehenden Inhalts ein: Wir haben in unserem Zimmer etwas vergessen. Es liegt im Kamin. Bitte verwahren, bis zu unserer Rückkehr!" Ein grauenvoller Mord ist bei Köslin begangen worden. In dem in der Nähe ver genannten Stadt gelegenen Abbau Ritzig ist der Hofbesitzer Meske von dem Eigenthümer Berger ermordet worden. Dieser schuldete jenem 300 Mark, und es sollte zu einer Klage kommen. Eines Abends ging Meske von Ritzig nach Reinfeld, um Einkäufe zu machen, und wurde, da er nahe an Berger's Eigenthum vorbei mußte, von letzterem bemerkt. Trotz aller Vorhaltungen und Bitten der Frau ergriff Berger sein Gewehr und erwartete im Tannengehölz die Rückkehr Messe's. Aus nächster Nähe, in etwa sechs Schritt Entfernung, gab er den Todesschuß auf dessen Gesicht ab. Der Getroffene soll noch umHilfe geschrieen haben, dann aber zusammengebrochen sein. Der Mörder hatte ihm mit dem Gewehrkolben noch den Schädel gespalten und den Unterkiefer zersplittert. Berger hatte fein Opfer nur wenige Schritte vom Wege.abgeschleppt, es mit Tannenstrauch zugedeckt, und kam dann zu seiner Frau mit den Worten: Nu is allens betahlt, nu wasch mi de Büchsen." Den weiteren Abend hat er in der Krugwirthschaft zu Kappe verbracht, ist darauf Sonntag früh noch einmal zur Leiche zurückgegangen, hat ihr Stiefel und Strümpfe ausgezogen und ihr eine Wurst und Hammelfleisch abgenommen. Von diesem hat die Frau dem Unhold ein Mittagsmahl zubereiten müssen. Die nächsten Tage ist er 'auf Arbeit gegangen, hat zum Frühstück von der geraubten Wurst gegessen, auch Mitarbeitern davon abgegeben und mit Entrüstung von einem etwaigen Mörder des Meske gesprochen. So verging fast eine Woche, bis die von ihrem Gewissen gequälte Frau bei einer Vernehmung durch denAmtsVorsteher ihren Mann als den Mörder bezeichnete und die vorerwähnten Thatsachen angab.