Indiana Tribüne, Volume 28, Number 7, Indianapolis, Marion County, 31 August 1904 — Page 5

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Verblaßte Farben. Von Camill tzoffmann. Ich liebe , dcö HerbftcZ leuchtende Stunden; Sie tragen die Farben verblaßter Seiden. In die sich so schön alle Träume kleiden. Eie lächeln und bluten an heimlichen Wunden. Ich liebe den sonnigen Ort am Hügel; Sa hör' ich manchmal das Waldhorn

klingen Und sich zu müdem Fluge schwingen Des Mittags breite schimmernde Flügel. a seh' ich die Ebene rings sich regen Wohl wie ein Garten voll goldener Zweige Von Bienen summt bis zur Tagesneige Und drüben die Stadt, am Fluß gelegen. Wann macht das Leben dort eine Pause! Ich glaube, hmter den ernsten dauern Wohnt nur der Sehnsucht vergebliche e trauern Und ein Geheimniß in jedem Hause. So bringt mir noch in dem kurzen Glücke Gedanken voll Ahnung die sterbende Sonne! Das ist deS Herbstes wehmüthig Wonne? 2a3 sind des Abschieds Äugcnvuclc. Ich liebe den schweren Sinn dieser Tage! Es wiegt sich ein Träumen über den , Lüften In silbernen Tönen, in silbernen Düften . . . Das Leben ist dunkel wie eine Sage. Mehr Leben !" L?umcreske von Robert Lenz. In der Redaktion des Morgenblattes" herrschte heute eine sehr ungemüthliche Stimmung. Der Manager hatte am Vormittage dem Chef-Nedakteur gegenüber die Aeußerung gemacht, daß der lokale Theil des Vlattes in letzter Zeit etwas matt geworden sei, und daß unbedingt etwas mehr Leben" hineingebracht werden müsse. Der Chef hatte nun allerdings mit dem lokalen Theile direkt nichts zu thun, aber, wie der Leutnant sich in seinem ganzen Stolze, in seiner Ehre beleidigt fühlt, wenn der gestrenge Herr Oberst an dem grünsten Rekruten etwas auszusetzen hat, so bäumte sich auch das Ehrgefühl des Herrn Chef-Redakteur, als er hören mußte, daß es einem Departement des Blattes, dem er seine ganze Manneskraft, ja sein Herzblut weihte, an Leben" mangeln sollte. Das mußte gerochen werden! Er konnte kaum die Zeit erwarten, bis der Stab zu löblichem Thun" zusammentrat. Mehr Leben!" brummte er vor sich hin, 'ich will den Herren schon Leben einhauchen, daß es neu erblühen soll!" Er wollte ohne Zweifel die Stelle von dem neuen Leben, das aus den Ruiuen blüht", citiren, aber auf Klassiker war er nun einmal nicht geaicht,'was ihn indessen nicht abhielt, bei jeder passenden und unpassenden Stelle Eiiate zu riskiren. Als der Lokal-Redakteur auf dem Kriegsschauplatze erschien, ließ ihn Herr Latter zu sich bitten. Herr Wollmann," hauchte er den Eintretenden an, Sie wissen, ich om kein Freund von vielen Worten, aber hier hört einfach die Gemüthlichkeit auf. Ihr Lokales ist ja einfach schandbar und riecht zum Himmel; keine Spur von Leben, todt ist es, -mausetodt! Der Manager ist wu thend, und wenn nicht unverzüglich eine Besserung eintritt, dann wird er unter Euch treten und eine Muste rung abhalten, die fürchterlich ist; so kann es einfach nicht weiter gehen, und wenn Sie das nicht einsehen, dann thun Sie mir leid, herzlich leid." Diese Sympathie machte auf Herrn Wollmann wenig Eindruck, und in seinem Innern sagte er sich sogar, daß der Chef sich die e Beileidsbeschlüsse ganz gut hätte sparen können. Laut sagte er: Ich habe das schon langst eingesehenHerrLatter.aber was können Sie erwarten wenn von den tüchtigen, zuverlässigen Leuten einer nach dem anderen fort geht und mir ein sögenannter Ersatz in jungen Männern gegeben wird, die sich in meinem Departement ihre ersten journalistischen Lorbeeren verdienen sollen, Leute, denen es an allen Lokalkenntnissen fehlt. So wurde mi? zum Beispiel der zun ge Keller überwiesen; ein sehr lieber, junger Mann, der aber soviel von Neuigkeiten versteht, wie ein Dromedar von der drahtlosen Telegraphie. Er ist kaum drei Monate im Lande und Sie können nicht erwarten, daß ich mit einer solchen Kraft Leben" in die Zeitung brmgen kann. Herr Latter kratzte sich hinter den Ohren. Mit dem jungen Keller ist das so 'ne Sache," meinte er. Er ist der Sohn eines Jugendfreundes unseres Alten und sein Vater schickte ihn nach Amerika, weil er in eine Liebesaffaire verwickelt war, deren Mit Lö sung er dadurch erhoffte, daß er sein Söhnchen über's große Wasser schickte." Der Lokalredakteur spitzte die Ohren. Er witterte sofort em Item und versuchte nach allen Regeln der Kunst seinen Vorgesetzten auszupumpen. Jedenfalls eine zweideutige Person, jenes Mädchen", meinte er ganz harmlos. Bei sich dachte er: Da beklagt man sich, daß wir keine Neuigleiten bekommen und dabei sind sie selbst mit Sensationen gefüllt. .Im Gegentheil", sagte Herr Lat

ter, das Mädchen iji vte oqier eines sehr reichen und einflußreichen Mannes, eines Fabrikanten uusDresden, der indessen ein gefährlicher Conkurrent des alten Kellers ist und den er deßhalb haßt; wenn Sie aber glauben. daß Sie auch nur noch ein Wort mehr über die Geschichte erfahren, dann sind Sie furchtbar im Irrthum. Um nun wieder auf den jungen Mann zurückzukommen, so verlange ich von Ihnen, daß Sie ihm ganz gehörig den

Hummel reiben. Ich will Leistungen sehen und vor allen Dingen Leben. Wenn auch wie. der Dichter sagt, das Leben nicht das allerhöchste Gut ist ich brauche Leben und verlange es." Herr Wollmann hielt den Zeitpunkt für gekommen, sich in seine eigenen Gemächer zurückzuziehen, wo er dem versammelten Kriegsvolk in .unverblumter Welse die Mittheilung machte, daß es einen ungeheueren Krach geben wurde, wenn nicht unverzüglich eine ganz entschiedene Besserung in den Leistungen eintreten werde. Dann knöpfte er sich den jungen Keller noch einmal allein vor und versuchte ihm, einige Anleitungen zu geben, wie man Neuigkeiten zu suchen und wie man sie auszuarbeiten habe. Phantasie muß man haben", erläuterte er, man muß immer vermuthen und ein guter Berichterstatter ist überhaupt die reine Vermuthung." Diesen Witz hatte er vor vielen Jahren einmal gelesen und er hult ihn n diesem Mo ment für ganz besonders angebracht. Ein guter Berichterstatter macht aus der einfachen Thatsache, daß am Hasen em Damenhut gefunden worden ist , eine Geschichte, die bequem zwei Spalten füllt und In deren Lektüre sich dem Publikum das Haar sträubt; man muß, wenn es nothia ist, auch etwas erfinden können. Sie haben ein weites Feld vor sich: pflügen Sie das Feld und besäen Sie es und dann werden Sie auch ernten; ich rathe Jhnen aber, daß Ihre Ernte etwas plotzlich. kommt.". ; Das waren die Ereignisse, welche die Eingangs erwähnte ungemuthhche Stimmung In der Redaktionsstube Her vorriesen. Keller setzte sich an sein Pult und dachte über das soeben Vernommene nach. Phantasie!" grübelte er, o, Louise, wenn ich dich nur noch einmal hatte sehen können, ehe man mich von dir nß. Hier seufzte er heftiq und aerieth in eine ungemein wehmüthige Stimmung, die umso ernstlicher wurde, als er immer mehr das Bewußtsein gewann.daß ihn seineLiebstebereits langst vergessen habe. Nur sehr langsam fand er sich wieder' m ferne profalsche Umgebung zurück und plötzlich durchzuckte ihn eine Idee: Wie wäre es, dachte er, wenn ich meine eigene traurige Geschichte niederschreiben wurre?' Im nächsten , Augenblick war er schon an der Arbeit. So wahrheitsgetreu, wie nur em Liebender fern Weh und Leid schildern kann, wurde die Geschichte zu Papier gebracht und mehr als einmal drangen ihm vor Rührung die Wehmuth ins Herze und die Thränen in die Augen. Als er dem Lokal-Redakteur seine Arbeit vorlegte, erkannte dieser natürlich sofort die Geschichte wieder, welche ihm der Chef-Nedakteur hatte verheimlichen wollen. Junger Mann", -sagte er, nachdem er die Arbeit durchgelesen hatte, Sie haben Phantasie, aber als, Lokal-Jtem ist die Arbeit 'nicht zu brauchen. Wir müssen noch einige diesoczugliche Aen derungen vornehmen; überlassen Sie das mir und wenn Sie die Geschichte morgen früh in. bet Zeitung lesen, dann werden Sie darauf schwören, daß sie sich wirklich ereignet hat und nicht bloß das Gebilde Ihrer Phan taste ist. 2lußerdem haben Sie dann einen Scoop", der den Neid der anderen Zeitungen erregt und ' Ihnen sicherlich eine Gehaltsaufbesserung em bringen wird." Keller war. schon lange nicht mehr so glücklich wie jetzt; er hatte mit einem Male seinem Berufe ein viel großeres Jnterejjeabgewonnen. . Als er am nächsten Morgen erwachte, holte er sofort das Morgenblatt" und suchte sich seinen Artikel auf. Ein Blick und das Blatt entfiel seinen Händen. Er hatte den Helden der Geschichte Franz Wagner genannt, aber m der Zeitung stand überall sem eigener Name, Franz Kel ler! Am Schlüsse des Artikels aber hieß es: Die junge Dame, die sich nicht dem Machtwort des Vaters ihres Geliebten fügen will, hat erklärt, daß selbst das Weltmeer sie nicht von ihrem Franz trennen solle und sie wird bereits mit dem nächsten Dampfer mer eintreffen. So werden also schließlich doch noch die beiden Liebenden vereint und wir haben es mit einem Roman zu thun, dessen glückliches Ende sich in unserem prosaischen Lande abspielt." Keller seufzte wehmüthig, als er den vielversprechenden Schluß las. Er wußte es besser: Die Geliebte war für ihn verloren. Eigenthümlich kam es ihm allerdings vor, daß sein Name in dem Artikel stand, obgleich er ihn mit größter Vorsicht vermieden hatte. - Er sing an, vor dem Scharfblick eines Lokal - Redakteurs eine heimliche Scheu zu bekommen. Aber was lag schließlich daran! Es'-kannte ihn ja hier Niemand und Louise würde den

Arklkel ja doch niemals zu Gesicht lt

kommen! - Kaum hatte er sich zum Frühstück niedergesetzt, als er die Nachricht erhielt, daß ihn sein Prinzipal sofort zu sprechen wünsche. Schnell stürzte er seine Tasse Kaffee hinunter, ließ das Normal - Frühstück Speck und Bohnen stehen und eilte nach dem Bureau. Er ' hatte sich unterwegs schon einige tiefgefühlte Dankesworie zurecht aeleqt, denn daß er jetzt von seiner Gehaltsaufbesserung Mittheiluna erhalten wurde, das war stcuer. Er setzte sein freundlichstes Gesicht auf, das indessen, als er in Herrn Latters Zimmer trat und die avjolut nicht nach Gehaltsaufbesserung aussehende Miene des Gestrengen sah, um, mindestens drei Schattirungen bläßer würde. Sie haben da etwas Schönes mit Ihrem Artikel angerichtet", sagte Herr Latter mit einer Stimme, als wollte er des Sängers Fluch" deklamiren. Da Keller meinte, etwas thun zu mussen und nicht im Stande war etwas zu sagen, so l ä ch e l i e er, oder machte wenigstens einen schwachen Versuch. Kommen Sie einmal hier herein", nahm der Prinzipal ieder das Wort, sich offenbar an der Verlegenheit des jungen Mannes weidend. Er öffnete die Thüre, welche zu seiner PrivatOffice führte. Keller hatte kaum die Schwelle überschritten, als er einen Ausruf des Schreckens, von sich gab und sich mit beiden Händen am Thürrahmen festhielt. War es Wirklichkeit, oder war es em Blendwerr des Bösen? Vor ihm stand die Mutter seiner geliebten Louise, seine Schwiegermutter in spe! Ehe sich Keller von fernem Schreden erholt hatte, war die würdige Dame' einige schritte näher gekommen und reichte ihm die Hand .zum Gruße. Mechanisch, wie von Geistermacht getrieben, ergriff - Keller die Hand und als er sich, überzeugt hatte. daß dieselbe mcht nur aus Bem, sondern auch aus einer ganz stattlichen Quantität Fleisch bestand, gewann er seine Fassung wieder. f Man nahm Platz und Frau Neuhofer erzählte Keller in kurzen Worten, soweit dies bei einer Dame in solcher Gemüthsstimmung möglich ist. daß Ihre Tochter erklart habe, me und nimmer von ihm lassen zu wollen. oaß das Glück ihres Kindes :hr hochster Wunsch sei und daß sie im Grunde genommen auch gar nichts gegen ihn einzuwenden habe. Ihr Mann, dem das Glück seines Kindes natürlich auch sehr am Herzen liege, sei geschäftlich verhindert, die große Reise zu machen und so babe sie denn mit einer Freundin" die. Reise nach Amerika gemacht, um ihn aufzusuchen, Seine Adresse habe sie verloren und im Adreßbuch habe sie seinen Namen auch nicht finden können. Um sich betreffs des nächsten nach Deutschland avgehenden Dampfers zu informiren, habt sie die Zeltung zur Hand genommen und dabei die Geschichte Franz Kelö ler's Liebesleid" gelesen. Sie habt sich in dem Zeitungs-Bureau nach tv ner Adresse erkundigt und das Weiter wisse er ja. ' 5 Keller wagte noch immer kem Wor zu sagen. Frau Neuhoser fuhr fort: Wem Sie Louise wirklich so lieben,, wie Sr sagen und wie Sie es auch so rührech in der Zeitung geschildert haben -r Frau Neuhoser wischte sich zwei grofr Thränen der Rührung aus den Auge: dann sollen Sie Louise haben Mem Mann wnd Ihnen eme gur Stellung in seinem Geschäfte geber und wenn Sie sich gehörig eingearbeitet haben, will er Ihnen die ganze Fabrik übertragen. Dann wird auch jedenfalls der Zorn Ihres Vatezs schwinden." Jetzt konnte Keller seinen Gefühlen keinen Zwang mehr anlegen. Er fiel der wackeren Frau um den Hals und küßte sie,, bis ihr der Athem ausging und sie ganz dunkelblau im Gesickte wurde. Sie Ungeheuer!" rief Frau Neuhofer, Sie bringen mich ja um; lassen Sie Ihre Zärtlichkeiten lieber einer Anderen zukommen, die dajür mehr Verständniß hat, wie ich alte Frau!" In diesem Augenblick ging die Thüre auf und Louise trat ein und in den Armen lagen 'sich Beide und weinten vor Rührung undFreude. Das Wiederfehen war ein so herzliches, daß sich der Manager nicht erinnerte, jemals' etwas Schöneres und Ergreifenderes gesehen zu haben. Er konnte es nicht verkneifen, ein Citat zur Verherrlichung der rührenden Familien - Scene anzubringen: Und die Treue, sie ist doch absolut kein leerer Wahn", sagte er und gratulirte allen Dreien aufs Herzlichste. Keller und Louise wurden natürlich ein Paar und machten in Begleitung der Schwiegermama ihre Hochzeitsreise nach Deutschland. Der Herr Lokal - Redakteur hatte zwar wieder einen Scoop" für die Zeitung, meinte aber doch ärgerlich' Wenn ich einen Menschen so weit eingebrochen habe daß er etwas leisten tV 7 . ' lumi, will) Zl immer von 0 n-n, s deren weggeschnappt; und da soll man noch mehr Leben" in w quu tu ' lVlUlk nr,i?tt?n"

ei,' Sag' 'mal. Seppl, was xi das. a' Menagttie?" Kn? Bud'n. too V wild'n Tbitt' ihre Menasch' kriea'n.

jjie ärztliche Vertretung.

' Humoreske von Julius Knopf. Edles Nest ist der mildeste Ausdruck. O sancta simplicitas! Ehrhabene Langeweile! Ideales Spießbürgerdasein! Dazu Regenwetter, Pantsch, Nässe, Sturm. Sogenannten besseren Zustand. Menschen giebt's natürlich nicht; nicht einmal Leute. Nur hie und da ein jüngerer oder alterer Erdenbürger, vulgo Spießer, Weiber mit Strickstrumpf, alte Jungfern mit ihren Möpsen und Gören mit Schmutznasen. Ein sittenstrenges, gotiberödetes Bierdorf, welches Zeus im Zorn erstehen ließ, um mich armen 'Sunder 'dorthin zur Erholung und Vertretung" zu verbannen!" itx junge Doktor Helmuth spritzte die Feder aus und athmete erleichtert em', da er in diesem Briefe an seinen Berliner Freund und Collegen Brand all seinen Groll, Ingrimm und Aerger. so seit zwei Wochen in seiner brei ten! Mannesbrust aufgespeichert, von sich gegeben. Der Teufel hatte ihn plazen müssen, auf ein Inserat, welches der einen achtwöchentlichen" Vertreter suchende Arzt dieses Landstadtcher.s aufgegeben, zu beantworten. Es hatten sich noch mehrere Collegen gemeldet, aber er, als Unglückswurm, das er stets gewesen, hatte den Vorzug erhalten. Er hatte sich mit der Absicht um die Vertretung erworben, seine ramponirten Großstadtnerven wieder in Raison zu bringen, aber nach drei'Tagen schon revoltirten sie mehr denn je. Da sagen kluae Männer, Langeweile wäre das beste Medikament für kaput gegangene Nerven 0, diese weisen Schafe, zum Teufel wünschte er sie! Chronisches Amüsement zerrüttet den Menschen, chronische Langeweile tödtet ihn. Zwei Tage später las man in den gelesensten Berliner Zeitungen das folgende Inserat: Arzt zur Bertretung in kleinem, aber angenehmem Landstädtchen für einige Wochen gesucht. Gefällige Adressen unter Medikus" in der , Expedition dieser Zeitung." Die Annonce erwies sich als das sogekannte Ei des Columbus. Sie war von Erfolg gekrönt, schon zwei Tage später hatte die Unterhandlung mit einein Berliner Collegen, dem Doktor Löwe, das Resultat gezeitigt, daß dieser in einer Woche eintreffen wollte, unl die köstliche Praxis zu übernehmen. So hatte der Vertreter einen Vertreter gefunden. Doktor Helmuth athmete erleichtert auf. Nicht nur ein Stein eine ganze Gebirgskette fiel ihm vom Herzen. Vergnügt leistete er sich ?ur Feier des Tages eine Flasche leichten Mosel, in rosigster . Stimmung träumte er von seiner baldigen Heimkchr nach Berlin da . sckellte c.; Aer Doktor traute seinen Ohren nicht. Sollte jetzt, nachdem er den Vertrag mit dem Berliner Collegen "Glossen, wirklich das Unglaubliche eingetreten sein und ihn ein erster, ein veritabler Patient aufsuchen? Gab es in dieser nüchternen, prosaischen, naturwissenschaftlichen Zeit doch noch Wunder? Ein Wonneschauer ergriff ihn, doch er hielt nicht lange vor, denn herein trat der Klempnermeister Herzog, ein Mann von vorzüglichen staatsbürgerlichen Qualitäten, Stadtverordneter, Vorsitzende des 'Kriegervereins, terhaltuna" u. 0. m., aber ein Mann mit einer geradezu riesigen Gesundheit. Ein Blick auf sein rothes, zufrieden lächelndes Gesicht, belehrte den jungen llrzt, daß von einer ärztlichen Consultattern keine Rede fein konnte. Seine Vermuthung trog ihn nicht, denn ohne Umschweife erzählte Herr Herzog gewichtig, daß er in seiner Eigenschaft ils Vorsitzender des Kriegervereins komme und den Herrn Doktor und Reserveleutnant einlüde, an dem morgioen Schützenfest aktiv theilzunehmen. Ein Gewehr würde dem Herrn Doktor geliefert werden. Der Doktor überlegte nicht lange. Es war ein patriotisches Unternehmen, schließlich immerhin eine Abwechslung, wenn auch gerade keine berauschend angenehme, und mit sauersüßem Lächeln sagte er zu. Natürlich war am anderen Morgen Die ganze Stadt in Aufruhr, denn so tin Schützenfest interessirt nicht nur Vit Männerwelt, welche Löcher in die Zuft schießt, und die Kinder, die gas--'end dabei stehen, nein, auch die holde Weiblichkeit, denn nach dem schießen wird getanzt. In früher Morgenstunde, begann 'chon die Festivität. Nach den Klän:en des Pariser Einzugsmarsches, den sie Stadtkapelle mit sehr viel Verve und mit noch mehr falschen Tönen exekutirte, marschirten die Krieger nach dem vor dem Städtchen belegenen Schützenhaus. Auch Doktor Helmuth war unter ihnen. Im Frack und Cylinder, eine Ehrenscharpe über der breiten Mannesbrust, kam er sich unendlich grotesk vor. .Er dankte fernern Schöpfer, daß sich fern Amateurphotoaraph unter der Krugerschaar befand, um eine Gruppenaufnahme zu machen, denn wenn dieses Bild seinen Berliner Freunden zu Gesicht gekommen tote so hatte er auf ein Jahr die Zielscheibe des Spottes abgegeben. Aber dennoch - der junge Arzt batte schließlich ein schauderhaftes Pech: er mrl-SchUdmZg.. D. bedeutete für ihn, daß der Marmnon, d n ihnrdie Vertretung abwarf, an-

nem Mend slothen gwg. Denn es

war vem zeweiligen Schützenkönig Ehrensache, für die aesammte Krieaer aesellschaft die Akuna m svenden. Was Doktor Helmuth blutenden Herzens that. Aber da trat rtwas ein. was all seinen Geldkummer im Nu versckwinden ließ: er eröffnete mit Käthe Hartmann oen Ball. Käthe Hartmann war kein Gewächs, das der dürftigen Damenflora dieses Städtchens entstammte. Eine fesche, flotte Hallenserin, graziös gewachsen, von untadeligen Formen, munter, nett und kapriziös, war sie just am Tage des Schützenfestes um Besuch ihres Oheims, eben des Klempnermeisters Herzog, gekommen. In ihrem weißen, eleganten Seidenkleid angestaunt und angehimmelt von der gesammten männlichen Bevölkerung. Doktor Helmuth schwamm in Seligkcit, denn die hübsche Käthe ließ zu seinen Gunsten alle übrigen Verehrer abfallen. Er fühlte, daß er ihr gefiel. Von dem festlichen Treiben um sich herum angeregt, gab sie sich rückhaltloser, unbefangener, entgegenkommender, als es ihrem Wesen entsprach. Ja, sie strafte nicht einmal die kühne Eindringlichkeit, mit welcher e? ihr feines, weiches Patschhändchen in der Hitze des Tanzes drückte. Dem jungen Doktor dünkte es das herrlichste Fest, das er je mitgemacht. Und da sie während einer langen Tanzpause im Garten pomenirten und Käthe sich in der Unterhaltung als eine kenntnißreiche, gebildete, zunge Dame erwies, die auf der Höhe der Mädchenbildung des zwanzigsten Jahrhunderts stand, und als er sväter vom Herrn Klempnermeister erfuhr, daß sie einer sehr wohlhabenden Familie entstammte, da fühlte der praktische Arzt, Wundarzt u. s. w. Dr. Helmuth, daß sein Leben an einem entscheidenden Wendepunkt stand: Diese oder Keine!! Im Fluge schwanden die folgenden Tage dahin. Er segnete den guten Gesundheitszustand der Bürger, der es ihm ermöglichte, durch keine Patienten behindert, all seine Zeit der rcizenden Käthe zu widmen. Sie promenirten, ruderten,, spielten Tennis und waren natürlich bald im Gerede der lieben Nächsten. Aber die Beiden kümmerten sich nicht darum. Ihnen erschien die Gegenwart so ideal, so süß und berauschend, daß sie darüber die Zukunft vergaßen. Doch an diese wurde Doktor Helmuth eines Nachmittags unsanft erinnert. Während der Sprechstunde, die er aus naheliegenden Gründen in Schweigestunde umgetauft, trat ein Herr ein. Er stellte sich vor: Doktor Löwe aus Berlin." ' Helmuth verbeugte sich. Womit kann ich dienen?" Der Fremde starrte ihn erstaunt an und wiederholte: Doktor Löwe- aus Berlin." Wieder wollte Helmuth die stereotype Frage: Womit kann ich dienen?" an ihn richten, da siel es ihm wie Schuppen von den Augen. Heiliger Aeskulap, das war ja sein Mann. der Vertreter des Vertreters. Natürlich, davon konnte jetzt keine Rede mehr sein. Er, Max Helmuth, blieb hier, und wenn ihn der andere für einen Spitzbuben, Gauner oder Idioten halten sollte. Doktor Löwe hielt ihn für den letzteren; denn Helmuth vergütete ihm Reisegeld und Spesen und bat ihn, confus, überstürzt, mit beweglichen Worten, wieder abzureisen. Was der College aus Berlin auch schleunigst that. Mit einem thränenden und einem lachenden Auge sah Helmuth ihm nach. Das war denn doch ein theurer Scherz geworden. Schützenkönig ... Reis eents chädigung für den Collegen . . . noch einige solcher Vertretungen und er meldete Concurs an. Nachdenklich wandelte er vom Bahnhof, wohin er den Doktor Löwe geleitet- in die Stadt zurück. Plötzlich entriß ihn eine helle Mädchenstimme seinen Betrachtungen. Er sah auf Käthe! So trübselig, Herr Doktor?" fragte sie. Warum, weshalb, wieso?" Da rief er seinem Herzen ein Glückauf! zu und erzählte ihr von seiner Vertretung, dem Stumpfsinn in diesem Nest, seiner Idee, sich selbst wieedr vertreten zu lassen, und der nunmehrigen Rückbeförderung des Collegen. ' - Na, und warum sind Sie geblieben?" forschte sie muthig weiter, ein leichtes Flackern und Zittern in der Stimme. Er blickte sie forschend an, sie schlug die Augen nieder und' wurde roth. Doktor Helmuth war genügend Psychologe, um zu wissen, was die Glocke geschlagen. Ohne ein Wort zu sagen, riß er sie an sich und küßte sie. Als er sie endlich losließ, sah sie sich entsetzt um, das Spektakulum hatte Zuschauer gefunden. Herr Doktor, Sie haben mich compromittirt," wehklagte sie, mit einem spitzbübischen Lächeln. Er verbeugte sich mit komischer Grandezza. Gnädiges Fräulein, das ist ein Vergehen, worauf es nur eine einzige Strafe giebt: lebenslängliche Sklaverei. Süße Käthe, kiillst Du mich zum Sklaven?" Na ob!" Diesmal war sie es, die ihn umarmte und küßte ... So ist eS geschehen, daß Dr. Heluth zwar um sein Geld, aber dafür zu einer Frau kam.

Feuer ' Signale.

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Maryland 413 Missouri und nt)u' 415 Capital Ave Leorg 416 Misjouri u entucky S. 417 Senat, Ave u. Wash. 421 P und E ?luitfl S3. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Tveu.JDuS 425 Wash and Harr 426 No. 18 SpritznHauz W. Washiigtou 427 Ol!ver und Birch 3 Oliver und OSgood m Statt; !e und Dork 431 Hadley Ave u. Morril 432 River Ave u. MorvS 434 River Ave und Ray 435 Hardmg u. Big 4 R ? 43Harding und Dfträ 437 No. 19 SpritzenhqZ MsrriS und crdtna IM o8 des 439 toSy 451 SteiSn und 5X2 452 Howard und c 453 Worri und XOfUi 5 Lamdert und Ctl&mä 457 NordsK Ave n. See um WorU 612 West und Rsy 815 ffcrtüuJs Ave u. SUrrS 614 Meridian und Morr? 615 JlinoiS nd SUntfai 617 MorriZ und ft&tX 618 MorriS und ChurH 519 Capital A. u McCan 621 Meridian und Pak? 623 Pine unk Lord 624 Msdtsor.Aveu LtncsÄ 31. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nabe -Kel lt 5 TttZware und Walnut 4 Jersey u Centra! Ä. 16 Ttofj. und SornelTvt 6 Äsk, m d 11. 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Äv.u Sradsha es Saft und Prosvect SS Bicking und High n to. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huro -71 Ckst und Georgia 75 Ceda? und Gbf 74 Davidson u eZeorgia 7? English Av. u Pine 7 Eheldy und BateS 8 No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Ehelky Fletcher Av. u Chelby 31 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 85 Säst u Washington 34 New York u.Iavidsoe 36 Taubstummen SlnstaA 83. Staaten Arsenal 37 Ortental und Waff. Z Frauen-Resormat. n No. is Lpntzenhaus Marv'and nahe Me?. i Meridian u. Hevraia. Z3 Meridian und South 4 Pennals u. Louisiana 15 Virgin! Äve u. 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