Indiana Tribüne, Volume 28, Number 6, Indianapolis, Marion County, 30 August 1904 — Page 6
Indiann Tribüite, GO. August 1904.
6
wttm
wli VJMi MMK gEKS?
Nein undZa. Wein, nicht weil t arm und angenebm ist, tft man von Schmerzen der Muskeln, Glieder nv Knochen! dkfrelt. Sie kommen ln Tausenken von Formen. Ader ja, sie können sicher und schnell tu jeder Form 0s heilt werden durch den Gebrauch von Die Nachfrage nach diesem Brod rzächst mit Riesenschritten. Die Leute von Indianapolis sind klug. Sie wissen eine gute Sache zu würdigen wenn Sie solche sehen. ynritan Brod ist das beste Laib Brod das in Jndiana gebacken wird, zu verkaufen in Taggart's Bäckereien und Wllrch Grocers. Fragt darnach. DR. F. M. PRAY, Spezialift. Qugen, Ohren, Nase und Salö 31 Oft Ohio Straße, Indianapolis. Hume Sebäude. Dfllct-Ctunben : 12 Uhr Vorm.; 15 Uhr. Naqm. Sountagz von 2 lii 4 Uhr Nachm. " Dr. J. Ä. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts., Urin. nnlAzctnw Aranktzeiten. OK : 155 Oft Market Str. Tel. 943 ' Ofkee-Staud : 9 61 10 Nbr m. : 2 bi 4vhr. j 1 Theodore F. Smith er, , geschickter und zuverlässiger ...Dachdecker... yech und Kiesdächer. Dacher von Asphalt und Gilsonit. Engros-öändler in allen Arten von Dkchmaterialien. Telephon : Neu 861. 301 West Maryland Str. euwelU. Ecke von Senate Ave. und Maryland Str. w 1 Wie Perfeet as Nange wird zum Kostenpreise verkauft abgeliefert und aufgestellt ohne Unkosten. Der sparsamste Ofen für Kunstgas. Sprechen Sie vor und sehen Sie dieselben im Gebrauch. TI1E IIIDIAIIAP0LIS GAS G0 49 S. Pennsylvania Str. feral fio 301 West Washington Str Verkäufer deö berühmt Quinine :: Whisky . Da? beste Mittel gegen Malaria und Erkältung. Saloon und Restaurant. ?-Neues Telexhon 4013. du Ät u nct.
11 p I' Jakobs 1 I Oel I 5 dem besten Heilmittel. S Preis 25c und 50c.
? TOCÄRTS WM Lj bbead J
Europäische Nachrichten. Provinz Westpreußen. Danz ig. In große Betrübniß ist die Familie des Kaufmanns Hombürg Hierselbst dadurch versetzt worden, daß ihr dreijähriges Söhnchen in eine mit Wasser und Schlamm angefüllte Grube gefallen und ertrunken ist. F l a t 0 w. Der prinzliche Forstfekretär Weber, der langjährige Hegemeister von Augustenheim, trat in den Ruhestand. In Anerkennung seiner 48jährigen Dienste wurde Weber durch den Oberförster Bringmann-Flatow der Kronenorden 4. Klasse überreicht. G r 0 ß - K 0 n a r s ch i n. Bei einem großen Brande wurden hier im ganzen 13 Gebäude, darunter -fünf Wohnhäuser, eingeäschert. Der etwa 80jährige Altsitzer Vinka kam bei dem Versuche, sein Geld zu retten, in den Flammen um. Kulm. In Podwih brannte daö dem Kätner Brauer gehörige WohnHaus mit Scheune und die Wirthschaftögebäude nieder. Brauer erleidet großen Schaden, da er nur mäßig versichert ist. Marienburg. Etwa fünf Maurer überfielen hier in der Birggasse einen Maurer, um ihn dafür, daß er sich den Streikenden nicht angeschlössen, durchzuprügeln. Der des Wegs kommende Zimmerpolier Karl Kruschewski wollte den Angefallenen in Schutz nehmen, wurde jedoch mit dem Messer bedroht. Er griff darauf zu einem Revolver und ' gab einen Schreckschuß. Da die Maurer ihn trotzdem bis in den Garten seiner in der Nähe gelegenen Wohnung verfolgten, feuerte er auf seine Angreifer zwei Schüsse ab, wodurch der Maurer Sprung aus Königsberg i. Pr. an den Beinett verwundet wurde. P e l p l i n. Schadenfeuer entstand in dem benachbarten Dorfe Raikau und es brannten die Besitzungen Lutz und Tammel auf dem Gehöfte des letzteren war das Feuer entstanden nieder; auch das Gebäude der Postagentur ist beschädigt worden. Strasburg. Bei dem Baden an einer verbotenen Stelle in der Drewenz ertrank der Bäckerlehrling Bogacki. Die Leiche wurde bei Schanno gefunden. T h 0 r n. Artillerist Bogt vom 4. Fußartillerie-Regiment aus Magdebürg, der als Bursche des Führers der Bespannungsabtheilung hierher abcommandirt war, ließ sich durch die Hitze verleiten, in der Weichsel ein Bad zu nehmen. Hierbei ertrank er. FrovZnz Fommern. Stettin. Durch einen Sprung vom Straßenbahnwagen fand der in der Gießereistraße wohnende Arbeiter Carl Papendieck, 50 Jahre alt, seinen Tod. Ertrunken ist der sechsjährige Sohn der Wittwe Böcker, Schiffsbaulastadie 5 wohnhaft. Der Knabe war beim Spielen von der Wäschespüle an der Schiffsbaulastadie in die Oder et stürzt. Alt- Velz. Schneiderlehrlmg Neuenfeld wurde von seinem Lehrmeiper zu den Knechten des GemeindeVorstehers Barchmin geschickt, um Kleidungsstücke abzuliefern. Nachdem dies geschehen, unterhielt sich Neuenftld noch mit den Knechten im Pferdestall. Plötzlich schlug eines der Pferde hinten aus und traf Neuenfeld so unglücklich an der Stirn, daß diese zerschmettert und das Gehirn verletzt wurde. B e r g e n (R ü g e n). Der Handlungsgehülfe Gerhard Meenken aus Putbus, der bei dem Kaufmann Christian Malchin in Binz in Stellung war, zog sich durch Scheuern des Stiefels am Fuße eine geringfügige Berletzung zu, die er anfänglich gar nicht beachtete. Bald aber schwoll der Fuß bedenklich an; der hinzugezogene Arzt konstatirte eine schwere Blutvergiftung und ordnete die sofortige Ueberführung in das hiesige Krankenhaus an. Hier ist Meenken gestorben. Groß - Kiesow. Hier explobitte eine Petroleumlampe. Dabei erhielt der Bäckergesell Sagert so schwere Brandwunden am ganzen Körper, daß er nach der hiesigen Klinik überführt werden mußte, wo er verstarb. K 0 l b e r g. In Alt - Quetzin wollte der 70jährige Tischlermeister und Altsitzer Joh. Kumerow eine Wagensahrt zu seinem Schwiegersohn unternehmen; hierbei stürzte er vom Wagensitz so unglücklich herab, daß er tu nen Genickbruch erlitt und sofort verstarb. Pasewalk. Im vollendeten 77. Lebensjahre starb der frühere Geistliche der hiesigen katholischen Gemeinde, Erzpriester c. D. Wilhelm Kratzig. Seit dem Jahre 1860 war derselbe Leiter der Gemeinde, als deren Begründe? er auch zu betrachten ist. S t o l p. Aus Unachtsamkeit lief der 5jährige Sohn des Arbeiters Lietz von hier direkt zwischen die Pferde einer Droschke und wurde überfahren. Die Räder gingen dem Knaben über den Leib und tödteten ihn auf der Stelle. Frovinz Scyreswig-Korstsin. Altona. In den Ruhestand tritt am 1. Oktober der jetzt im 80. Lebensjahre stehende, seit 37 Jahren hier, bezw. in Ottensen in städtischen Diensten stehende Vorsteher der Steuerkasse II, Loop, der auch den Krieg 1845 51 gegen Dänemark aktiv mit-
gemacht hat. Der 6jährige Jonny Meier, wohnhaft Am Born in Ottensen, wurde an der Ecke der Friedensalle und der II. Bornstraße durch einen Brotwagen überfahren und sofort getödtet. Der Knabe war beim Spielen auf dem Fahrdamm unter die Räder des Wagens gelaufen. Ecker nsorde. Der älteste Schaffner der Kiel-Eckernförde-Flens-burger Eisenbahn, Fr. Petersen von hier, ist auf der Station SLrup verunglückt; er ist bei der Einfahrt des Zuges auf völlig unaufgeklärte Weise von der Platform zwischen zwei Wagen auf das Geleise gestürzt und grüßlich verstümmelt worden. Friedrichstadt. Jm Ruttebüller, Kooge bei Hoyer sind, die Gebärde des Hofbesitzers Chr. Petersen total niedergebrannt. G l ü ck st a d t. Obertelegraphenassistent Slüter Hierselbst feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus dieser Veranlassung wurde ihm von der Süberling'schen Kapelle ein Ständchen gebracht. Heide. Im Alter von nahezu 85 Jahren verstarb der Steinhauer Joh. Chr. Schröder, ein alter Kämpfer von 184851. Kiel. Was Seelig als preußischer Abgeordneter in Gemeinschaft mit Geheimrath Hänel für unsere Provinz für die Selbstverwaltung u. s. w. geleistet hat, ist bekannt. Die hiesige Hochschule feierte -das doppelte Jubiläum in gebührender Weise. .Geheimrath Seelig hat sich auch als Obstbaumkundiger (Pomologe) rühmend hervorgethan. L e e z e n. Als der Arzt Dr. Lanske wegen eines vor neun Jahren verübten Sittenverbrechens durch den Gendarm verhaftet werden sollte, zog er sich unter dem Vorwande, die Strafe verbüßt zu haben und den Ausweis hierfür sofort beibringen zu wollen, in ein anderes Zimmer zurück und gab einen Schuß auf sich ab, der sofort den Tod herbeiführte. Oldenburg (Holstein). Letztens ist hier der 27jährige ArbeiterSchwenn aus Granderheide, Kreis Stormarn, beerdigt worden, der bei Klötzin von dem Arbeiter Dargel erstochen wurde. S ch a f st e d t. Eine Schulterquetschung und einen Schädelbruch erlitt der Knecht Oldefest, welcher vom Heuboden herunterstürzte. Frovinz Schkesien. Ares lau. Bauarbeiter Fischer hat durch einen Sturz aus dem Fenfter seiner Zobtenstraße 17 in der 4. Etage gelegenen Wohnung seinem Leben ein Ende gemacht. Er war sofort todt und wurde nach der Anatomie überführt. Nach Aeußerungen, die Fischer vorher zu seinen College gechn haben soll, sind es Zerwürfnisse und Verstimmungen mit seiner Fämilie, anscheinend auch kleine Differenzen mit feiner Ehefrau gewesen, die den erst 26jährigen, kaum seit Iah?esfrist verheiratheten Mann zu dem unseligen, Entschluß veranlaßt haben. B r t e g. In Poppelau brannte der aus Holz erbaute Viehstall des Gutsbesitzers Kokott vollständig nieder. Der gesammte Viehbestand, nämlich 13 Rinder, 4 Schweine mit etwa 40 Ferkeln, kamen in den Flammen um. Charlottenbrunn. Von einem schweren Unglücksfall wurde die Familie des Haus-und Fuhrwerksbesitzers Schubert Hierselbst betroffen. Der circa 9jährige Sohn wollte ein Pferd mit Wasser versorgen, als das sonst gutartige Thier, wohl durch das unvermuthete Nahen des Kindes erschreckt, ausschlug und den Knaben an den Unterleib traf, so daß er verschied. Friedeberg. Erzpriester Neudecker feierte sein 50jähriges Priesterjubiläum. G l a tz. In dem Gehöft des VorWerksbesitzers Herzig auf der Halben Meile brach suer aus und zerstörte Scheune und Nebenstall. Görbersdorf. Die bekannte hiesige Lungenheilstätte feierte ihr 50jähriges Jubiläum. Kosel. Sein 25jähriges Amtsjubiläum beging der Magistratssekretär Standfuß als Beamter unserer Stadtcommune. Mai Wald au. Der zweijährige Sohn des Stellenbesitzers Flade fiel in die Düngergrube und ertrank, ehe Hülfe herbeikam. O t t a g. Ziegeleiarbeiter Lohe machte feinem Leben ein Ende, indem er sich auf dem Bodenraum seiner Wohnung erhängte. Derselbe war schon seit längerer Zeit krank und scheint in einem Anfalle von Schwermuth Hand an sich gelegt zu haben. Frovinz osen. A r g e n a u. In der Ziegelei Rojewo geriethen der Zieglermeister und ein Arbeiter mit dem Ziegelstreicher Mahnke aus Godziemba in Streit, wobei der bejahrte Mahnke heftig gewürgt und schwer mißhandelt wurde. Kurz darauf starb er. Gegen die beiden Angreifer ' ist Anzeige erstattet worden. , K o st n. Die vor kurzer Zeit in der Grantkowski'schen Drogenhandlung stattgefundene Explosion hat ihr Opfer 'gefordert. Letztens wurde die Schwester des Besitzers, die bei der Explosion eine schwere Verletzung am linken 'Arm davongetragen hatte, zu Grabe getragen. Den erlittenen Brandwunden gesellte sich Blutvergiftung hinzu, welche den Tod herbeiführte. Die, übrigen Verletzten sind alle wieder hergestellt.
In der Klemme. Humoreske von Max Hirschfeld. In tiefem Schlummer .versunken saß Assessor Hoburg; jetzt erwachte er plötzlich. Himmel, wo befinde ich mich?" dachte er und streckte die Hände nach allen Seiten aus. Es war stockdunkel. Er stellte fest, daß er sich auf einem Rohrsessel befand, auf welchem er eingeschlafen war. Zur Rechten fühlte er eine Wand, zur Linken einen Schrank. Er holte das Feuerzeug aus der Tasche hervor, und beim Aufleuchten des Streichhölzchens wurde ihm seine Lage sofort klar. Er befand sich noch immer im Hause des Fabrikherrn W., dessen .älteres Töchterchen Natalie er anbetete. Und weshalb war er nicht nach Beendigung des Balles heimgegangen wie die anderen? Weil er ein wenig zu viel Punsch getrunken hatte, der ihn schläfrig machte. Er hatte sich ins Rauchzimmer zurückgezogen, sich in eine dunkle Ecke gesetzt und war eingeschlafen. Da das Haus elektrische Beleuchtung hatte und ein Druck auf einen Knopf genügte, um die Glühlichter des Rauchzimmers auszulöschen, war er auch von der Dienerschaft nicht bemerkt worden. Weshalb hatte er aber soviel Punsch getrunken? Um sich zu betäuben, denn Fräulein Natalie war heute Abend für ihn unnahbar gewesen. Gewiß liebte sie ihn nicht. NachdemHoburg sich in dieser Weise die Situation klar gemacht hatte, fühlte er die Nothwendigkeit, möglichst unbemerkt zu entkommen. Er wollte sich aus seinem Sessel erheben, als er Stimmen vernahm. Schnell sank er zurück. Ein Lichtschein fiel mitten ins Zimmer, und eine ihm bekannte liebliche Stimme sagte: Weißt Du genau, Meta, daß es im Rauchzimmer liegt?" Sofort erinnerte sich Hoburg, daß sich an der seinem Sitze gegenüberliegenden Wand .dichte Portieren befunden hatten. Diese waren jetzt zurückgeschlagen, die dahinter befindliche Thür war geöffnet. Hoburg konnte sich nicht enthalten, den Kopf ein ganz klein wenig vorzustrecken. Er blickte in eine Art Boudoir der beiden Schwestern Natalie und Meta. Hinter diesem Boudoir lag das Schlafzimmer. Die beiden Mädchen befanden sich noch in ihren Ballanzügen, Meta hatte jedoch ihre Haare bereits zur Nachttoilette aufgelöst. Natalie stand im Thürrahmen, ein Licht in der Hand. Mit einem Schrei des Entsetzens fuhr sie plötzlich zurück. Sei nicht kindisch, Tali, was hast Du denn?" Ich habe ich habe,einen Schatten gesehen, der sich hin und zurückbewegte." Das kann schön werden," dachte der Assessor, erhob sich leise vom Sessel und drückte sich in die Ecke. O Himmel!" rief Natalie. Was denn, ist der Schatten noch da?" Nein, aber ich hörte ein Geräusch." Geh doch, man sollte nicht glauben, daß Du die Aeltere bist. Gib das Licht her, ich hole das Journal." Was thue ich jetzt, wenn sie mich entdeckt?" dachte der geängstigte Assessor. Soll ich nach berühmtem Muster fragen: Entschuldigen Sie, gn'ädiges Fräulein, wo komme ich hier ach der Hauptstraße?" oder soll ich auf die Knie stürzen und ausrufen: Ich sei, verzeiht mir die Bitte " Er wurde in seinem Gedankengange durch Meta unterbrochen, welche bereits mitten im Zimmer stand und ausrief: Siehst Du auf demTischchen liegt das Journal. Ich bemerke aber weder einen Schatten, noch höre ich ein Geräusch." Im Grunde ihres Herzens war Meta wohl nicht weniger furchtsam als ihre Schwester, weshalb sie sich begnügte, sehr oberflächlich im Zimmer umherzuleuchten. Dann schritt sie erhobenen Hauptes in das Schlafzimmer. Natalie wollte die Thür hinter ihr schließen, aber Meta sagte: Laß doch offen, oder fürchtest Du Dich noch immer, dummes Ding?" Sie wollte durchaus ihren Muth zeigen. Aber weshalb willst Du offen lassen?" Es kommt doch frische Luft ins Zimmer." Cigarrendampf." Den liebe ich auch." Die Thür blieb also offen. Hoburg konnte keinen Schritt thun, ohne gesehen oder gehört zu werden. Meta beugte sich über das Journal, währe,., Natalie sich auf einen Stuhl lernte u-.) die Thür im Auge behielt. Sieh doch," sagte Meta, hier im Journal ist genau dasselbe Kleid abgebildet, welches Martha Müller heute anhatte." So? Freut mich." Nun, Du wirst doch zugeben, daß es ihr sehr hübsch stand." Gewiß, sie hat ja auch brillante Erfolge erzielt, Erfolge, an die sie kaum gedacht hatte," sagte Natalie nervös. Tali," erwiderte Meta, ihreSchwester umarmend, Du bist böse auf sie, weil Assessor Hoburg einige Male mit ihr getanzt hat." Aber gar nicht!" Er schien mir nachher sehr unglü?lich zu sein, als Du ihn so kühl behandeltest."" Natalie schwieg. '
Nun sage mir aufrichtig, TaU, liebst Du ihn?" Der Assessor wagte in seinem Versteck nicht zu athmen, aufmerksam spitzte er die Ohren. Da kommt jemand," sagte Natalie aufsprinaend. In der That ließen sich Schritte vernehmen, und bald darauf trat der Bruder der beiden Schwestern ein, mit einem Wachszündholz, welches gerade zu Ende gebrannt war, seinen Weg beleuchtend. Der Gang zu seinem Schlafzimmer führte durch dasRauchzimmer. Was, Mädels. Ihr seid noch wach?" Mit Deiner Erlaubniß, ja." Wär' auch Zeit, daß Ihr in die Betten kriecht. Na, wo ist denn der Cigarrentisch?" Er tappte drei Schritte von dem Assessor entfernt herum. Wenn er nun die Cigarren fand und ein Streichholz anzündete, war der Assessor verloren. Jedoch begnügte er sich, eine Cigarre zu nehmen und mit derselben zu verschwinden, ohne Licht zu machen. Du bist mir noch eine Antwort schuldig, Tali?" Nun ja, ich liebte ihn, aber jetzt liebe ich ihn gar nicht mehr. Du kannst mir glauben, Meta, jedes Fünkchen Liebe ist in meinemHerzen ausgelöscht. Er hat sich nur mit Martha Müller beschäftigt, anfangs nur mit ihr getanzt, nachher freilich ... nein, als Nothnagel lasse ich mich nicht gebrauchen." Unter welchen Bedingungen würdest Du ihn denn wieder liebend" Geh, Du bist abscheulich." Wenn er zu Papa ginge und um Dich anhielte?" ' Wenn er das nur thäte." So unerbittlich zürnst Du ihm?" Meta!" Und wenn Papa nun Nein" sagt?" Papa hat mir versprochen, nicht Nein" zu sagen." O, Du Geheimnißkrämerin!" Ich sprach ja. erst heute vor dem Ball mit Papa. "Er meinte, gegen eine Verlobung hätte er nichts einzuwenden, aus der Heirath dürfte aber nicht eher etwas werden, als bis er zum Amtsrichter ernannt sei. Nun wollen wir aber schlafen gehen." Sie begann an ihrem Kleide zu nesteln. Meta schloß langsam die Thür. Der Assessor athmetrauf; leise schlich er hinaus, gelangte ungestört in die Garderobe, wo er sich mit Mantel und Hut bekleidete, öffnete ein Fenster, schwang sich hinaus und befand sich auf der Straße. Er taumelte mehr seiner Wohnung zu als er ging, nicht etwa infolge zu viel genossenen Punsches, sondern betäubt von der Freude, sich geliebt zu wissen, als er schon nahe daran war, zu verzweifeln. Natürlich hielt er am folgendenTage um Natalie an, und sie gewährte ihm den Verlobungskuß, noch bevor er ihr erklärte, daß er mit Martha Müller nur deshalb so viel getanzt habe, weil sie die Tochter seines nächsten Borgesetzten sei.- Wie es aber kam, 7aß der Assessor den Muth fand, nach jenem Ballabend, der sie einander so entfremdet hatte, um sie plötzlich anzuhalten, hat Natalie nie erfahren. Wenn sie ihren Gatten danach fragte, sprach er von wunderbaren Ahnungen, Magnetismus der Liebe und anderen mystischen Dingen. Ctn sonderbares Zusammentreffen zweier Jagdhüter mit Wilderern fand vor kurzem gegen Abend im Walde von Dinsheim bei Lolsheim im Elsaß statt. Die beiden Jagdhüter hörten auf ihrem Rundgang einen Schuß fallen, und nach einer Weile hörte der eine von ihnen, Redelsperger, Axthiebe. Die Sache kam ihm verdächtig vor, und er bemerkte auch zwei Männer mit Rucksäcken. Er suchte nun seinen College auf und legte sich mit diesem auf dem Wege nach Oberhaslach auf die Lauer. Richtig kamen auch die beiden Männer, natürlich Wilddiebe, gegen 11 Uhr ahnungslos des Weges Der eine der beiden Wilderer stürzte bei dem plötzlichen Haltruscn der beiden JagdHüter erschrocken zu Boden, während der andere, der die Flinte schußfertig im Arme trug, schrittweise zurückging. Redelsperger. der sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, von dem Wilderer erschössen zu werden, legte auf ihn an. Als er gerade abdrücken wollte, rief der andere plötzlich: Halt, Bruder! Nicht schießen!" Der Wilderer wäre beinahe von seinem eigenen Bruder erschössen worden. Die Wilderer trugen das Wildpret eines erlegten Hirsckes in ihren Rucksäcken. Redelsperger ließ sich jedoch nicht abhalten, seinen Bruder und dessen Begleiter anzuzeigen. Wie durch einen Schuß eine ganze Familie ermordet wurde, wird aus Italien berichtet: Als in Borgo bei Florenz der Maurer Antonio Corsi mit Frau und Kind Abends sein ärmliches Heim aufsuchte, fiel plötzlich aus dem Hinterhalt ein Flintenschuß, der alle drei schwer verwundet zu Boden streckte. Nach kurzem Todeskampf starben sie unter der Hand des herbeigerufenen Arztes, der nur noch feststellen konnte, daß ihre Wunden von einem Scharfschusse herrührten. Ueber den Mörder, der mit einem Schuß eine ganze Familie umbrachte, ist, nichts bekannt. .Jedenfalls aber handelt' es sich um einen Akt der
Vendetta.
Eine Forderung im Irrenhaus. In einem Pavillon der Irrenanstalt Tworki bei Warschau hat sich zu Beginn dieses Monats ein Vorfall ereignet, der gewiß nicht zu den alltägliehen gehört. In diesem Irrenhause ist seit mehreren Monaten Graf Wladimir Dombski untergebracht, der, wie wir seinerzeit berichteten, von einem Fenster seines Wohnhauses in Warschau ein kontinuierliches Gcwehrfeuer auf die Passanten unterhalten, mehrere Personen getödtet und viele verwundet hat. Graf Dombski konnte erst festgenommen werden, nachdem man ihn auf den Balkon des Hauses gelockt, dort beschossen, verwundet und schließlich mit einem Feuerspritzenstrahle getroffen hatte. Das Gericht verfügte seine Unterbringung in einer Heilanstatt, in der er in der Zahlabtheilung mit einem jungen Livländer Aristokraten zusammentraf, der in Siedlice und in Warschau gleichfalls auf offener Straße verschiedene Personen angeschössen hatte. Es ist dies Friedrich Baron Offenberg aus Riga, der in den zwanziger Jahren stehende Sohn eines Staatsbeamten in Livland. Zwischen Grafen Domski und Baron Offenberg entwickelten sich in der Jrrenanstalt, wo sie ziemliche Freiheit genossen, sehr gute persönliche Beziehunaen, in die erst eine Dame eine Trübung brachte. Es war dies eine junge, elegante und schöne Fremde, die in Warschau wohnt und die Erlaubniß bekam, beide Herren in Tworki zu besuchen. Es scheint, daß sich bei Baron Osfenberg Eifersucht zu regen begann; in seinem Benehmen dem Grasen gegenüber trat eine merkliche Veränderung ein, bis eines Tages zu Beginn des Monats in Gegenwart der zwölf anderen Jnternirten des Pavillons Baron Offenberg auf den Grafen zutrat und ohne weitere Einleitung in feierlichem Tone rief: Ich fordere Sie zum Duell." Graf Domski erwiderte für einen Insassen von Tworki sehr logisch: Das Irrenhaus ist kein Ort zur Erledigung von Ehrenangelegenheiten", und er fügte hinzu: Wollen Sie, daß man uns hier für immer einsperrt? Nach dem Verlassen der Anstalt können wir solche Angelegenheiten erledigen, aber hier nebme ich kein Duell an." Offenberg wendete sich nun an die übrigen Patienten, erklärte, er nehme sie zu Zeugen dieses Vorfalles, durch den der Graf seine Feigheit bewiesen habe. Von diesem Augenblicke an legte Baron Offenberg 'gegen den Grafen Domski ein geradezu feindseliges Benehmen an den Tag, und er wußte auch bald eine Gelegenheit zu finden, die Verwirklichung seiner Nachepläne vorzubereiten. Osfenberg erklarte der Anstaltsdirektion, daß er dringendst seinen Zahnarzt in Warschau besuchen müsse, und er erhielt thatsächllcb die Bewilligung, unter Aufsicht des Anstaltswärters Varanow den Vormittag in Warschau beim Zahnarzt zu verbringen. Der Wärter hatte die Instruktion, den Kranken nicht aus den Augen zu lassen. Am Nachmittag war Offenberg nach Tworki zurückgekehrt. Als gegen Abend Graf Dombski über eine Treppe ging, lauerte ihm an deren Fuße der Baron auf und gab aus nächster Nähe gegen die Brust des Grafen einen Revolverschuß ab. Trotz der kurzen Distanz fehlte er, die Kugel ging zwischen Arm und Brust des Grafen durch und schlug in die Wand. Als der Baron einen zweiten Schuß abgeben wollte, stürzte sich der Graf auf ihn, warf ihn zu Boden und entwaffnete ihn. Die Wärter eilten herbei, und der Schluß der Szene war, daß Baron Offenberg in eine Isolierzelle gebracht wurde, wo er noch in Gewahrsam ist. Außer dem Revolver fand man bei ihm noch fünfzig Patronen. Hc kann nu mitspräkcn." Zu dem jüngst verlobten Burgermeister der Stadt X. kommt ein streitendes Ehepaar behufs Verglich. Nachdem der Bürgermeister ihre Angelegenheit gehört, wäscht er zuerst der Frau den Kopf. Denn er geht bei oll seinen Versöhnungsversuch.'N imcr von dem Grundsatz aus. daß beide streitenden Eheparteien schuld haen und beginnt als Mann von Ze!t bei der Frau. Treulich assistirt ihr, der Gatte und fügt triumphirend hinzu: Jo, jo, ick wußt, dat ick r:cht hew! Sühst Du, dat ick recht hew? Jo, jo. uns Heer Burmesier, dei versteiht't!" Jetzt dreht der Bürgermeister den Spieß um und hält dem Ehemann cine Pauke. Einen Augenblick s.weiat dieser verdutzt, dann erklärt er mit vielasgendem Augenzwinkern: Ach. Heer Burmesier, davon känen Sei uich mitspräken! Sei hebben jo lrst 'ne Brüt!" ! Einige Woche.i nachdem der Bürgermeister geheirathet hatte, hatte sich dasselbe Ehepaar wiederum gezankt. Der Bürgermeister hört von Neuem ihre Sache an dann beginnt er: Nu kann ick mitspräken . . . ." Dr. Freiherr von Mittnacht, der frühere Ministerpräsident, feierte am 4. August in Friedrichshafen die goldene Hochzeit.
Ein Seminar für Haushatungs lehrerinnen wird demnächst in München eröffnet werden. Als erste Frau promovirte an ver Universität Gießen die Russin Kritttschesky aus Odessa; ihr Fach ist Che-mie.
