Indiana Tribüne, Volume 28, Number 3, Indianapolis, Marion County, 26 August 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, 2. August ROo.
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Von Mnm gclikbt Kamsn von Alfred gaffen 040000 X000000 (Fortsetzung.) Ehe sie mit Sem Kleinen abreiste, legte sie einen wundervollen, großen Kranz, den sie aus der nächsten Stadt verschrieben, auf das Grab der armen, verunglückten Polin. Dann brachte sie dem Vater in München fein geliebtes Pflegesöhnchen, und Walter meinte, er sei nun wunschlos glücklich. Charlotte selbst brauchte sich nicht zur Liebe für dc?s hübsche, blonde Kerlchen zu zwingen. Hänschen hatte sie mit feinem weichen, unwiderstehlichen Lächeln schon in den ersten Tagen besiegt. Ihr war oft, als löse sich der dumpfe Druck, der auf ihr lastete, in der Nähe des Kleinen in eine glückliche, schuldlose Unbekümmertheit auf, von der sie sich dann immer, gleichsam mit geschlossenen Augen, ein Weilchen schaukeln und tragen ließ. Aber auch noch aus einem anderen Grunde segnete sie das Dasein des Kleinen. Sie wußte aus ärztlichem Munde, daß sie selbst niemals ein Kind haben würde. Und Walter hätte gewiß mit schmerzlichstem Bedauern das Jauchzen eines feinen Kinderstimmchens in seinen vier Wänden vermißt. Beinah ein Jahr war seit der Ansiedlung in München verflossen, da erinnerte Charlotte den Gatten, der in heißer Kraftfülle an einem neuen Werk arbeitete, das wie eine liebevoll gehegte Pflanze vou Tag zu Tag herrlicher gedich, an das Versprechen eines Besuchs, das sie der beiden einsamen Alten in Heiderbach gegeben. Jawohl antwortete Walter fröhlich, so bald meine Gruppe vollendet ist, reisen wir. Und nicht nur nach Heiderbach nein, wir wollen auch in unserem lieben Neustadt einmal vorsprechen. Ich kann mir denken, daß Dein Vater und Tante Johanne krank sind vor Sehnsucht nach Dir." Charlotte wußte, daß es so war. Aber dennoch bebte sie vor einem Besuch in Neustadt zurück, freilich nicht, ohne sich gleichzeitig innerlich auszuschelten, daß sie sich so von ihren Nerven tyrannisiren ließ. Sie mußte wirklich mit blassen Lippen lächeln, wenn sie sitf fragte, was denn Neustadt Schreckliches für sie habe? Nichts, gar nichts! Man würde sie in der Heimath, im Elternbause ein paar Wochen hätscheln und Pflegen. Ja, gewiß würde man das! Und doch! Sie war in dem Augenblick, als Walter seinen Reiseplan entwickelte. drauf und dran, laut herauszuschreien: Nein, nicht nach Neustadt! Dort droht mir Gefahr! Dort lauert etwas im Dunkeln auf mich! Ich weiß nicht. was es ist aber ich fürchte mich davor!" Wie sie nun aber einmal war, stand jedoch fast nleichzntig der Entschluß in ihr fest, de- eingebildeten Gefahr die Stirn zu bieten. So lächelte sie dem Gatten freundlich zu und nickte: Ja, natürlich, nach Neustadt gehen wir auch! Wieder einmal Heimathluft athmen es soll uns schon gut thun!" In Heiderbach blieb man ungefähr drei Wochen. Der wortkarae Onkel Peters, der sonst nicht mehr sein wollte, als ein einfacher Landmann, verwandelte sich in einen aufmerksamen, altmodischen Kavalier, der zur Ehrung seiner lieben Gäste nicht erfinderisch genug fem konnte. Es entstand zwischen ihm und dem alten Lehrer geradezu ein Wettstreit, dem großen und dem kleinen Liebling den Ausenthalt im Hause möglichst behaglich zu gestalten. Charlotte gegenüber konnten sie Beide einer gewissen Befangenheit nicht Herr werden, aber die junge Frau mit ihrer stets gleichen Freundlichkeit und Zuvorkommenheit schien das gar nicht zu bemerken und wirkte durch ihr kluges Verhalten gewlssermaßen ausgleichend. Als man nach Neustadt aufbrach. mußte man wohl oder übel Walters Vater mitnehmen. Er hatte schon tagelang vorher leise angedeutet, daß er an Heimathsehnsucht leide, und den kleinen Hans ließ er in der letzten Zeit kaum mehr von der Hand, so daß ihm Charlotte den Vorschlag machte, mit nach Neustadt zu kommen, im Stadtgut sei ja Platz genug. Natürlich griff der Alte mit tausend Freuden zu. Es warm stille, milde Frühsommertage, die man in Neustadt verlebte. Im Stadtgut hatte man sich einen festlichen Empfang der lieben Ankömmlinge nicht nehmen lassen, aber zu einem lebhaften geselligen Leben kam es nicht, fast icder der Gaste ging, wie nach still schweigender Vereinbarung, sehr bald seine eigenen Wege. - Wähler und sein Vater hatten die Heimath natürlich nicht ohne große innere Erschütterung wiedergesehen. Was für tiefschmerzliche Erinnerungen stürm- . ten auf sie ein! Allein die todte Mutter kam und lächelte ihnen zu und wehrte ':: allzu großer Wehmuth, die in den Beiden Platz greifen wollt: . . . Das hei: mathliche Grundstück war nicht verkauf worden. Der alte Lehrer hatte sich jeder E..lMischung in der Angelegenher enthalten, aber Walter war es gewesen der sehr lebhaft gegen einen Verkauf gesprochen und angedeutet hatte, daß es vielleicht spater einmal seine Absicht sei aus den Ruinen ein luftiges Sommerhauschen für sich und die Seinen erste-
Yen zu lassen. So hatte man den Gär-
ten inzwischen vom Stadtgut aus ra Ordnung gehalten, während die Brandraine unberührt geblieben war. Und doch Nicht ganz unberührt. Wilder Epheu, der schon ein Freund des alten Hauses vor seiner Zerstörung geWesen war, und den das Feuer wunderbarerweise nicht vollständig zu i-ernick-en vermocht hatte, war aus oen 2rummern emporgewachsen und hatte da und dort um das rauchgeschwärzte Mauerwerk em grünes Netz gewoben. So fehlte dem Ganzen der beklemmende Eindruck, den sonst niedergebrannte, eingestürzte Mauern machen wie ein Schleier friedlicher Wehmuth lag es darüber hingebreitet. Den kleinen Hans an der Hand, schritt de? alte Lehrer Böhme oft hinaus in seinen Garten, sie wanderten zuammen zwischen den Beeten und Blumen einher, umgingen die Ruine, und der alte Mann erzählte dem Kleinen mit zitternder Stimme von einer guten, guten Großmutter, die er nicht gekannt, und die dort m dem zerstörten Haus gewohnt habe. Aufmerksam borte Klem-anscken zu und meinte eines Tages, man müsse einmal hineingehen in das eingefallenc Haus, vielleicht sei die gute Großmutter doch noch darin und habe sich blos versteckt. . Und es war schwer, ihn von seiner ebenso seltsamen als hartnackigen Idee abzubringen. Selbst als ihn der alte Lehrer an das Grab de? Großmutter führte, schüttelte e? noch da Köpfchen und schien übe?zeugt zu sein, sie befinde sich nicht in dem Grabe, sondern in irgend einem Winkel des alten, zusammengestürzten Hauses. Walter Böhme machte taglich in der Umgebung des Heimathstädtchens weite. emsame Spaziergange, wie er das als Knabe und Jüngling, so gern gethan. Wurde es aber Abend, so zog es ihn in die Stadt zurück, und seltsamerweise fand er sich in der Dämmerung nicht selten auf dem alten Marktplatz und mußte nachdenklich zu dem düsteren Kaufmannshaus dort an der Ecke hinüberschauen, in dem einst em großes, schlankes Mädchen gewohnt, die er so oft in seinen Träumen gesehen! Tori Hcnmq! Sie war nicht mehr in der Heimath. Sie war die Frau eines reichen Deutschamerikaners gcworden und lebte in Weimar, wie man sich im Städtchen erzählte. Das war alles, was Walter von ihr wußte. S:e war aus seinem Leben fort, vielleicht für immer. Empfand er Trauer deshalb? Trauer war es wohl eigentlich mcht, aber doch eme seltsame Leere. Und manchmal war es ihm, als könne es gar nicht sein,daß das schöne schlanke Mädchen mit dem sußcn, reinen Kindergesicht seinen Weg nie wieder kreuzen werde. Er ertappte sich darauf, daß er energisch den Kopf schüttelte. ' ' Aber wie und wo sollte er sie sehen? Er konnte doch nicht hingehen und ja, weshalb wollte er sie überhaupt wi:dersehen? Hatte er ihr etwas zu sagen? Etwas von ihr zu erbitten? Nem! Er schalt sich aus, dieser unklaren, schweifenden Empfindung halber. Und doch, als er eines Abends im ungewissen, weichen Sommerdunkel dem Stadtgut zuschritt, stand es bei ihm fest, daß er jener erträumten Statue eines schlanken, schonen Madchens mit weißen Blumen in den Händen bald einmal Gestalt geben werde Konnte es nicht anders geschehen so wollte er sie so wiedersehen, sie, Tori Hennig. deren holde Anmuth er niemals vergessen wurde! Für seine weiten Spaziergänge versuchte er vergebens, die Gesellschaft Charlottens zu erbitten. Sie wich seinen Bitten aus, meinte, es fei gerade jetzt in dem großen Garten hinter dem Stadtgut so wunderschön. In der That irrte sie oft stundenlang in den weitläufigen Gängen des väterlichen Gartens umher, in den kein fremdes Auge sich hineinfinden konnte. Sonst aber verließ sie das Haus far gar nicht. Sie blieb viel auf ihrem Zimmer, da schritt sie unablässig über den dicken Teppich und rieb die Hände gegen einander, die ihr jetzt oft so seit sam kalt waren, wie in den freudlosen Tagen ihrer ersten Ehe. Wie damals lief ihr nicht selten ein Frösteln den Rücken hinab und es war doch Sommer, und die Sonne lachte und die Blumen blühten! 21. Kapitel. in Kind kann der Mittelpunkt eines Hauses sein, alle Hände können sich über sein kleines, ge liebtes Haupt breiten und doch ist es möglich, daß einmal eine Stunde kommt, in der keins der vielen Augen seine unsicheren, trippelnden Schnttchen bewacht. So gelang es dem kleinen Hans, aus dem Haus in den Garten zu entwischen. er bildete sich ein, daß er hier den Leh rer-Großvater finden würde. Es war nicht der Fall. Einsam lag der weite Garten da, nur die Bienen und Käfer summten und die Schmetterlinge gaukelten. Das machte dem kleinen Schelm ein Weilchen Spaß. Dann aber fiel , ihm ein, daß es im Garten eine kleine Pforte gab, durch die er gar oft mit dem Großvater hinaus auf die Landstraße aeichrnten war, dann weiter vorwärts in den Hain, bis sie zu jenem anderen Garten kamen, in dem das arme, todtgebrannte" Haus lag, wie der holde Kindermund es nannte. Hänschen suchte nach der Pforte und fand sie, fand sie noch dazu achtlos offen gelassen. Natürlich ja&te der.Kleire
sofort den Entscklu.Änaus nach jenem
anderen Garten zu pilgern, wo er ganz gewiß den Großvater finden wurde. Hänschen war von Natur muthig und überdies dazu erzogen, zu einem unerschrockenen Jungen yeranzuwacisen. Er machte sich ohne langes eimnen auf den Weg. Niemand war auf der Landstraße, der seine kleine Han ergriffen und ihn wieder heimgeführt hätte. Niemand durchkreuzte den Hain. um erstaunt den kleinen Mann zu fragen, wohin er denn wolle? Tiefe Stille webte unter den Bäumen, nichts war zu hören von dem behütenden Flugelrauschen eines Schutzengels, wie sie d:r Volksmund so gern um ein strauchelndes, venrrtes Kind schweben laßt. Und der Kleine erreichte wirklich ungesehen und unbeachtet den Garten mit dem todtgebrannten" Hause. Da war nun freilich guter Rath theuer. Hier rüttelten die zarten Händchen an einer verschlossenen Pforte. Aber Kinder haben ein so vortreffliches Gedächtniß. Hänschen erinnerte sich, daß der GroßVater bei einem gemeinsamen Nundgang durch den Garten vor enngen Tagen im Zaun eine lose Latte entdeckt hatte, die der Wind hin- und herwarf. Hänschen war damals naturlich gleich auf den Einfall gekommen, sein Puppenfigürchen durch die Oeffnung hindurchzuzwängen, und es war famos gegangen. Hanschen fand schnell die lose Latte und stand ein paar Augenblicke später jenseits der Umzäunung, mitten zwischen den Johannisbeerbüschen, von denen er mit den kleinen Händchen herunterholte, was zu erlangen war. Die leckere Mahlzeit that ihm gut nach dem weiten Marsch und hob seine erschöpften Kräfte wieder. Guten Muths machte er sich auf, den Großvater zu suchen. Er rief nach ihm mit dem dünnen, hellen Stimmchen, spähte nach den wemgen Bänken, auf denen sie sonst zusammen auszuruhen pflegten, aber der Großvater war nicht da. Dem kleinen Schelm wollte das Herz nun doch ein wenig sinken, allein da blitzte ein Gedanke durch sein Köpfchen, der feinen Muth sofort wieder neu belebte. Dort lag ja das todtgebrannte" Haus, in dem die gute Großmutter gelebt hatte, die er nie gekannt, von der er aber in feiner hartnäckigen Kindereinbildung annahm, daß sie sich gewiß noch dort in irgend einem geheimmßvollen Winkel verborgen halte. Der Großvater hatte Hänschen nie erlaubt, in die nächste Nähe der Brandruine zu gehen, weil die Gefahr bestehe, von einem Stein der zerbröckelnden Mauer getroffen zu werden. Allein Hänschen hatte gar keine Angst. Und unerschrocken drang der kleine Kerl ein in das verbotene, geheimnißvolle Reich ... Halt, Hänschen, ehe Du die kleinen Füße weitersetzest, lausche, ob nicht doch das Flügelrauschen des Schutzengels über Deinem blonden Scheitel zu hören ist?! Dann erst gehe weiter! Da droben in den blauen Lüften war wirklich ein Kreisen von Fittichen, aber es waren keine hellen Engelsflügel, die dort leuchteten, dunkle Fittiche drohten, und ein dunkler Vogelkörper gehörte dazu mit grellen, unheimlich blitzenden Augen im Kopf! . . . Wie von einer dämonischen Macht angezogen, drang Hänschen weiter und weiter vor zwischen den rauchgeschwärzten Trümmern Nach der Großmutter suchte und rief er, die er nie gekannt und er fand sie endlich in dem dunklen, dunklen Winkel, in den er sie hineingeträumt sie aber gab den holden Kleinen nicht wieder frei sie hielt ihn fest in dem dunklen, dunklen Winkel Der unerschrockene Hans war eine halbzerfallene Treppe hinaufgeklettert, dort oben war er gestrauchelt im Fallen hatten die kleinen Hände nach ein paar Epheuranken gegriffen, die vor feinem Gesicht genickt die Epheuranken aber hatten in einer gegenüberliegenden Wand gewurzelt, die, von den Frühlingsregengüssen unterwaschen, nur auf einen Anstoß gewartet, um in sich zusammen zu brechen. Va ftei ver zarte önnoerkorper em Zerren und Reißen an den Epheuranken und der obere Theil der Mauer stürzte krachend und polternd in die Tiefe und begrub unter den Trümmern das arme, kleine Hänschen, das nun in dem dunklen, dunklen Winkel war bei der guten Großmutter, die seine Augen nie vorher gesehen ! Am Vormittag' war der unglückliche, kleine Mann entwischt, um seinen abenteuerlichen Gang anzutreten, und erst am Spätnachmittag zog man sein verstümmeltes, armes Kinderkörperchen unter den Trümmern der eingestürzten Mauer hervor . . . Inzwischen waren nicht nur die Bewohner des Stadtgutes, die halbe Stadt war unterwegs aewe sen, um den kleinen Ausreißer aufzuspüren. Niemand hatte ihn gesehen. Es war, als ob er von einer unbearen lichen, geheimnißvollen Macht entführt worden fei fort aus dem hellen, warmen Tag, aus dem Kreise froher Menschen an einen unbekannten, düsteren Ort, wohin kein Menschenauge, kein Menschenlaut reichte! Wie vor einem furchtbaren Räthsel stand die immer . mehr anwachsende Schaar derer, die den kleinen Blond köpf im Sammetkittel suchten, nach ihm riefen, ihn um jeden Preis finden wollten! In Walter schoß plötzlich der Gedanke auf, draußen im elterlichen Garten einmal nach dem verschwundenen Liebling auszuspähen. Wie em Wahn witziger, angetrieben von einer unerklärlichen. ungeheuren Angst, stürzte er
oavon. Aon Weitem schon sah er, daß dort, wo gestern noch ein ragendes Mauersiück die Brandstätte überschaut, die blaue Luft lächelte! Einen wilden Schrei stieß er aus, die Gartenthür riß er aus den Angeln, vorwärts stürzte er über Blumen, Beete, Gräben! Die Augen traten ihm aus den Höhlen dort zwischen zwei großen, verräucherten Steinen was schimmerte dort herpox ? Ein Fetzen lichtbraunen Samanets. i Der ärmste Walter trug das todte.
erschlagene Kind heim. So hatte er das Versprechen gehalten, das er der sterbenden Mutter gegeben! So hatte er den kleinen Hans behütet! Ein schauerliches Röcheln entrang sich in kurzen Zwischenräumen feiner Brust, als ob da drinnen etwas zerrissen fei. Nie würde er sich den Tod dieses Kindes verzeihen können! Nie! Und wie sehr, wie unendlich er e2 geliebt empfand er erst jetzt, da es todt war erschlagen, wie einst die Mutter erschlaa.cn worden! Vorstchtiq. behutsam ging er, Schritt für Schritt, als ob der Liebling auf seinem Arm noch lebe und nur schlummere. Kein Auae ließ er von der Stelle, wo an seiner Brust das Köpfchen des Knaben ruhte und er sah doch nichts von dem Köpfchen er hatte die entstellten, blutrünstigen Zuge barmherzig mit seinem seidenen Tuch zugedeckt aber er ließ doch kein Auge von der Stelle, wo einmal zwei leuch tende, blaue Augen gestrahlt und ein süßer, rother Mund gelächelt! Begleitet von einer scheu und verstört nachdrängenden Menge, kam Walter am Stadtaut an. Sein totenbleiches junges Weib war ein paar Schritte heraus aus die Straße gekommen, ihm entgegen. Walter ging an ihr vorüber, als ob er sie gar nicht sehe. Er sah sie auch mcht. Und Charlotte rief ihn nicht an. Aber Einen von Denen, die hinter dem Unglücklichen hergekommen, packte sie am Arm. Ihre leichenfahlen Lippen stießen die Frage hervor: Wo ist das Unglück geschehen ?" Der arme Kieme ist bis hinaus in den Garten hinterm Hain gelaufen. Da ist er wohl in der Brandruine herumgeklettert und von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden." Der Berichterstatter trat befremdet von der jungen Frau zurück. War das seltsam! Sie gab kein Zeichen des Schmerzes von sich. Sie nickte nur schwer mit dem Kopfe, als habe sie gerade diese und keine andere Antwort erwartet. Starr sahen ihre Augen in die leere Luft. Langsam, mit gesenktem Haupt, schritt sie in das Haus zurück, aus dessen halboffener Thür vielstimmiges Schluchzen herausdrang. Die Thür wurde hinter Charlotte geschlössen. Ferdinand Rebwaldt selber that es, um Unberufenen den Eintritt zu wehren. Der alte Kavalier biß vergebens die Zähne zusammen, um seine männliche Fassung zu bewahren. Unaufhaltsam rannen dicke Thränen über seine Wangen. Charlotte blickte an ihm vorüber, als sie aus trockenem Hals mühsam hervorwürgte: Wo ist Walter hingegangen mit mit " Es schien ihr schwer zu werden, den Namen des kleinen Verunglückten auszusprechen. Er ist mit der kleinen Leiche hinauf in sein Schlafzimmer gegangen," antwortete der Vater. Tante Johanne ist bei ihm. Ich kann den Jammer nicht mit ansehen ich kann es nicht" Bei seinen letzten Worten war Charlotte schon stumm an ihm vorübergeschritten, der Treppe zu. Ziemlich rasch stieg sie die breiten, ausgetretenen Stufen hinan. Oben aber, wo sich rechts und links die geräumigen Gänge mit den verschiedenen Thüren weithin dehnten, war's, als vermöge sich ihre Hand nicht von dem altmodischen, schwerfällig geschnitzten Geländer loszulösen. Das Frösteln, das sie in der letzten Zeit so oft gequält, kam jetzt wie eine jähe Gewalt und traf sie in den Nacken. Sie zitterte und flog am ganzen Körper. Nur mit allem Kraftaujwand war es ihr möglich, sich aufrecht zu erhalten. Ihre Zähne schlugen wie im Fieber gegeneinander. Allein der Anfall ging bald vorüber. Und nun suchten ihre Augen die Thür, hinter der sie den geliebten Gatten mit dem kleinen Todten wußte. Dort bohrten sie sich fest. Doch in diesen wundervollen, seltsamen Augen war ein Leben, das ganz anderes widerspiegelte, als b; Theilnahme an dem großen Üngliiu. Darüber hinaus schienen sie zu sehen in unbekannte Fernen, m denen sich ein unabwendbares Geschick erfüllen mutzte. Durch das Fenster dort am Ende des Ganaes fanden tiefrothe Strahlen der untergehenden Sonne den Weg bis hin zu der grubelnven Frau, mitten hinein in's Antlitz malten sie ihr eine warme Glorie. Charlotte aber wandte wie unwillig ten Kopf beiseite. Was hatte sie noch mit der Sonne zu schaffen! Und hinter der dem Dunkeln zugewandten Stirn verdichteten sich ihre kreisenden Gedanken zu emem Entschluß. Ja, noch in dieser Stunde wollte sie dem Gatten alles sagen. (Fortsetzung folgt.) Soskakt. Förster : Nun, was sagen die Herren zu meinen neuesten agoaoen , n u ä I fVV teuern? 3 u y 0 r e r : jgcrr purster, an Ihnen ist ein Kriegskorrespondent verloren gegangen."
Eine böse Erfahrung! machte dieser Tage in Columbia, S. C., der 11jährige Negcrjunge Jimmy Harrington. Er kletterte in einen mit Wassermelonen beladenen Wagen, um sich an seiner Lieblingsfrucht gütlich zu thun. Unterdessen wurde jedock der Waggon geschlossen und der Junge wurde erst bei der Ankunft des Waggons in Washington befreit, nachdem er drei Tage und Nächte mit den Wasftrmelonen sich selbst überlassen gewe-
sen war. An dem Genutz von ges a l z e n e n Erdnüssen (Peanuts) ist ein 17jähriges Mädchen, Ella Tyndall, von Cherokee, Ja., gestorben Sie hatte eme Leidenschaft, diese Nüsse in Menge zu knuspern"; kürzlich hatte sie aber des guten zu viel gethan, sie wurde todtkrank und litt an Magenschmerzen, die jetzt ihren Tod zur Folge hatten. Die Doktoren sagen, daß die Nüsse schuld waren, aber ein solcher Fall ist ihnen bisher noch nicht vorgekommen. Eintragi-komischerVor-fall wird aus Chippewa Falls, Wis., gemeldet. Athemlos und vor Aufregung an allen Gliedern bebend eute die Tochter von Louis Larson m die Office des Sheriffs und theilte diesem Beamten mit, daß sie die Leiche eines Säuglings an einem Platze 5 Meilen von der Stadt gefunden habe. Richter Coleman berief eine Jury, kaufte einen Sarg und begab sich dann in Begleitung des Mädchens nach der Stelle, wo die Leiche liegen sollte. Als man den Fund besah, entdeckte man, datz das Mädchen den Cadaver einer Eule für eine Kindesleiche angesehen hatte. Ein recht eigenartige! Wettrathen wurde kürzlich von einer New Yorker Firma, die Geflügel-Fut-ter herstellt, inscenirt. 5500 wurden in Preisen für die besten Abschätzungen oder Errathungen der Zahl der Federn einer Henne ausgesetzt. Der erste Preis betrug $100. Tausende von Schätzungen liefen ein, darunter viele amüsante. Eine Person, die äugenfcheinlich an einen Witz oder Reinfall glaubte, schrieb gar keine". Viele Schätzungen gingen in die Hunderttausende, mehrere in die Millionen, und die höchste Ziffer war 600,060,017. Die correkte Zahl stellte sich als 8120 heraus. Die Firma weist mit Stolz darauf hin, daß sie der Geflü-gel-Wissenschaft einen wirklich neuen Beitrag geliefert habe. Der seltene Fall, datz bei Straßenbahn - Unfällen die Fender" sich als unheilverhütend erweisen, wird aus Newark, N. I., berichtet. Der Unfall ereignete sich an Jones Str. etwa an derselben Stelle, an welcher erst vor einigen Wochen eine Frau von einer Car niedergerannt und schwer verletzt worden war. Die 3jährige Roste Schneider spielte mit andern Kindern nahe der elterlichen Wohnung auf der Straße und hatte nicht bemerkt, datz eine Car in südlicher Richtung rasch daher kam. Zum-Entsetzen der zahlreichen Augenzeugen lief die Kleine direkt vor die Car. Doch der Schutzengel des Kindes wachte. Roste wurde vom Fender aufgehoben und blieb starr, vor Schrecken auf demselben sitzen, bis es dem Motormann gelang, die Car zum Halten zu bringen. Die bestürzt herbeigeeilte Mutter ritz das Kind an sich und eilte mit ihrem völlig unversehrt gebliebenen Liebling in's Haus. Beim schönsten SommerWetter beinahe erfroren ist der 13jährige John Lehmann aus Hoboken, der mehrere Stunden lang auf einer Eisbärge eingeschlossen war. Der Junge kam zur Abladungsstelle, wo er gewöhnlich abfallende Eisstückchen aufzusammeln pflegte, fand aber keine und ging, da er Niemanden auf dem Schiffe sah, in den Raum auf dem Oberdeck, wo das Eis lag. Als er fortgehen wollte, sah er einen Mann und aus Furcht, Prügel zu bekommen, versteckte er sich wieder in dem Raume, dessen Thür der Angekommene ahnungslos abschlotz. Da John nun herauswollte, schrie er um Hilfe, aber Niemand war mehr auf dem Boote, bis endlich, nachdem er kaum mehr auf dem Eise mit seinen nackten Fützen stehen konnte,' zufällig der Capitän ihn befreite. Ein herbeigeholter Arzt erklärte, datz die Sache gefährlich geworden wäre, wenn nicht noch zur rechten Zeit Hülfe dagewesen wäre. Nicht wenig überrascht war dieser Tage Ernest Burtt in Hawthorne, N. I., als er den Besuch eines Mannes erhielt, der sich als sein feit 37 Jahren verschollener Bruder Henry W. Burtt zu erkennen gab. Der Letztere hatte seiner Zeit seine damals in England lebenden Angehörigen verlassen, um sein Glück in Australien zu suchen. Das Schiff strandete an der australischen Küste, ehe es feinen Bestimmungshafen erreichte, und Burtt begab sich in das Innere des Continents. Das Glück war seinen Unternehmungen günstig und so wurde er mit der Zeit ein reicher Mann. Seine Angehörigen waren inzwischen nach Amerika gegangen, sodaß seine Briefe als unbestellbar zurückkamen. Deshalb beschloß Burtt schließlich, nach der Heimath zu reisen, um feine Verwandten persönlich aufzusuchen. Hier erfuhr er die Uebersiedelung derselben nach Amerika; er reiste somit hierher und es gelang ihm auch, die Adresse seines ältesten Bruders Ernst ausfindig zu machen.
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1 Pennsylv k:u MarteZ s Anglist's Opan-Haub . ? (Jas. und Nw Fsrk 1 Noble und Michigan I N. Jersey u. Mass Ad Pin und North n Market unk Pine I Vermont nahe Eafl '2 Ny. B Sprihenbau Mafl. Ave nahe ÄctU Z Teztvare und Söalrau 4 N. Jersey u Central A. 6 SSiaty undCcrncllAv n Afh lu d 11. :ict 7 Park Ave und 12 Stt Columbia undHülstd i& Highland Ave u. Pratt tl Illinois und Ct. 3x 3 Pennstzlv. und Pratt ; Meridian und 11. Et? tb No.LCprizenhauSlk. nahe JllinoiS 16 Senate Ave u. S4CIa 7 JllinoiZ und Michigan Defhlvania und 14. :3 Senate Ave. und 13. tt No. 1 Spritzenhaus JnvAvenaheWichiga -2 Meridia unb Walnut 4 California u Lermont zs Blake und New Dort Ind. Av. u. St Cla 47 City Hospital !S Blake und Norty 39 Michigan und LZne i No. 6 Cpritzenbau SaZhington nahe West 3 Ssendorf u Wash. a Missouri n New ForZ S Meridian u Wash 16 Illinois und Ohis .7 Capitol Lv.u Wash 4? mga' Porkhau Straßenbahn Ställ W. Wafhwgton Stt il No. 10 Spritzenhaus JlZinois u WernU ? Illinois u Loutsiana West und South WeftundMcCarth 6 Senat ve. u Henry 97 Meridian und Aay No.4 Spritzenhaus Radiso Av. MorriS itt Madion Av.uDunlop No Haken Leiterhauk Louth nahe Delavari 32 Pm.uMerrlll i8 Deiavare u. MeEartd MVatiutdSteCart 15 New Jersey u. Maria 7 Birg. Av. u radshav East und Prospekt 39 Bicking und High tl N. 11 Spritzenhau Cir Ave.HeHuroa rt Sst und Georgia 7k Ckdar und öln II Davidson u eorgia 75 Snglisy Av. u Pine r 6 Chelöy und Batek "8 9lo. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Ehelby Fletcher Av. u Shelby 31 Market u. New Jersey 32 Delawsre und Waff. 33 Saft u Washington 34 New York .Davids 85 Taubstummen Anstaä 65 er. Staaten Arsenal Z7 Orimal und LZaff. 9 Frauen-Reformat. n No. 13 eprizmhau, Mary land nah Mer. n Meridian u. Heorzik, 3 Meridian und South 3 Pnmsyls u. Loifiana 5 Lirzini Ave u. Llad. 36 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und &hl 43 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 24 Alabama und 16. 25 Central Ave und li. .23 JandeS und 15. '27 Brookstde und Jpit .23 Central Ave und 17. ,23 Delaware und 19. 31 Alabama und 11. 58 Bellefontawe und 55. 34 College Ave und 2S. 35 Delaware und 15. 36 Alabama und North Z7 Newmann und 19. i38 College Ave und 14. 23 Cornell Ave und 13, 41 FcuücS un'o 19. 42 Highland Ave und 10. .43 Tecumseh und 10. 45 New Jersey und 22. 48 AKord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Vilisiie Ave und 26. 46 College Ave und 22. 19 College Ave und 27. 52 Park Ave und 22. 63 LEu. W Bahn u. U. 54 LZamsey Ave und 10. 56 Stoughton u Newmsn 67 AtlaS und Pik 53 Bloyd und Pawpaw. 69 No. 21 Spritzenhaus Srightwood .' Arden und Depot .63 Brigytwood und 26. 64 Rural und Bloyd .65 St. Clair u. Keyston 67 Arsenal Ave unh 23. 68 ellefontaine unt A& 29 Park Cvc 3& 15 111 Capital Cvt und 17. 213 Pennsylv. n. VichiM tt4 JllinorS nd 2V. 215 Senate Ave und 21. 216 PennsvZvania und 2X in Meridian und 16. 418 Cevital Av und 26, 21. Vroadway und 10. iZl JllinoiZ und V::5r 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 80, 55 JllinoiS und 33 236 Annetta und 3s 237 No. 9. Spritzenhaus Ndell und Rao 238 Udel Ladde? Werk? 9 Jsabel und 87. 241 Meridian und 24. 22J2inoiS u St.CIr7 243 Eltridge und 23. . 312 West uud Oalnut 318 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 816 Capital Ave und Tb. 317 Northwestern Ave u23 318 Gent nd 18. 319 Canal und 10. 324 Cerealine WorkS 324 Vermont und Lynn S?ö BlSmccku Erandv.etl 326 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. elmeS, 823 Michigan u. Concor 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und f)l) 415 Capital Ave' Seorgia 416 Migourt u entucky. 417 Senat, Ave u. Wash, 421 P und 2 shrnfeNai 23. Washington. 423 Irren-Hospital, 424 Miley Lveu.JD uS 425 Wash. and Harr 426 No. IS Spritzen W. Washington 427 Oliver und Lirch 28 Oliver ud OSgood 429 Nordhke und Dort ' 481 Hadley Ave u, Morrt 482 River Ave u. 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Plcasan? 715 Prospekt und 7leasanl 726 Orange und Harte? 728 Liberty und Wea 729 NoU und South 31 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington 13 Market und Noble 4 Ohio u, Highland 915 Michigan u. Htghl4 816 Market u Arsenal A 817 Ojt St. Clair und Union Bahn Geleise. fc2i Pan Handle ShopS 25 Lmnnt uns Walcov 824 Wash. und State Atz.. 625 Maddm'SLounge FaS. 826 Zvdtt und Dorsey 827 Wash. und Beville A 829 0.12 Spritzenhaus eville nah Müoig 31 Southeaftcr ecxs Woodside. 832 Walh. nd Dearber? 824 Southeaslern und Arsenal AveS. 15 New Vork xxCb &3$! 912 Illinois und Marhl, 13 JllmoiS und Markt. 14 Penn, und Haft su Delaware d VS Spezial Signale. ersten , Schläge, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schläge, dritter Alarm, Dritten Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerrlS. l Schläge, Wasserdruck ab. l Schläge, 12 Uhr Mittags. Die so bezeichnete Signale werden nur Un T$xcm ächter angegeben da an de betressead Strlche kreuiuns keine Alaruckäste anaebracht fr. Chicago und der große Nordwest, via )) iteau fcsyfr (S MaSka-Hawait-PlziliHPiue Suse!. Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago. Von der Mono 47. Str. Station, Tlzicsgo. sind S nr s Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Viehdösen Frencli Lick Springs, indem Orange Eonnty Hochland. Familien-Hottl anter neuer GescbäftSleitung. Pluto, Proserpwe nd Bowle Quellen. BefteS Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via Sreencaftle. Ticlet-Osficrn : Union Station, NasiachusettS Nvt und U West Washington Straße. R. P. l g e 0, Tiftrikt Äaff. aent, Indianapolis. Jod. . H. M c D e I, . H. N & to 1 1 1, ras. und Gen. Mgr. emevkietttr granr I. eev, 9u.i Agent. Chicago, J2.
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