Indiana Tribüne, Volume 27, Number 311, Indianapolis, Marion County, 23 August 1904 — Page 6

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Jndiana Tribüne , 2. August 1903;

n i i f i i i --M-- - i - i , I Sm Sommer.

ommer. Wir nehmen uns im Sommer nicht genug in acht, wir essen gewöhnlich zu schnell und u ,iel: Unser Magen kommt daher leicht außer Ordnung. Kopfschnzerzcn und Leberleiden stellen sich ein. SRan nehme in solche Fälle sofort Dr. Augsst König's 4?rif liryrt i taimwUUlUCl Cropfen um das Blut ,u reinige und in kurzer Zeit werden all Ikrankheitlerscheinungen ver schwinden. Warum nicht Q Q Q Q (2 Q P izp P P eF V sparen beim Einkaufe ihrer Möbel UNV eppichk sowie. . . . und bei WILLIG'S 141 West Washington Str. 142 Nord Pennsylvania Strafe Hauptquartier für S-riUen d Operngläser tAno frjC0S siPf Brillen werden ach den besten Methoden dn lugen angepaßt. Lünstliche Augen erden schmerzlos eingesetzt. Dr. Carl Q.Winter Deutscher Arzt. Behandelt alle akute und chronische Krank' heiten. Geburtshülfe Spezialität. Office: 14 West Ohio Str. OfficeStuuden : 1011 Borm. 5-4 Nachm. atigl : .80-10.80 Bm. Äepdlm, Neu 45. Wohnung: 1250 Vadifon Vve Eprecdftunden : 7 S bendk Sonntag? : 5 ?!achm. Wodnung Telephone : Ult. 2026 ; Neu. 928i Dr, I. Ä. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin- mwÄecturc Krankheiten. OfUcc : 155 Oft Market Str. ü. 94 lfice-Studen : bt 10 Ubr m. : 2 bl 4vd, IM ERiE & VESTERII R. R. .. ..Fahrzeit der Züge.. . Abfahrt Ankunft Loltdo. Ehicago und klichigau Sxrreß.f 7.15 ti0.il koledo. Detroit und Chicago Lim 12.20 f 3.28 Vichigan itn, Muncie u.LafayetttEpl7 7.20 fia. t glich t aulgenommeu onnagl.

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Europäische Nachrichten.

Frovirz srnndenburg. Berlin.' Die Wittwe WilbelMine Ullrich fiel am Bahnhof Alexander - Platz in -der. Trunkenheit vor einem Omnibus hin, dessen Räder über sie hinweggingen. Sie erlitt so scbwere Verletzungen, daß sie bereits auf dem wstQt ncOf oern Krankenhause starb. raugott vtotyoart begmg sein 25jä kiges Amtsiubiläum als Kanzleibeamter beim Kaiserlichen Patentamt. irtoigoan )t der bekannte Trompeter, der am 16. August 1870 in der be rühmten Attacke der 2. Garde - Dragoner bei Vionville nach Verlust der seinigen auf einer von ihm eroberten französischen Trompete das Signal Zum Sammeln" blies. Bei einer Messerstecherei lebensgefährlich verletzt wurde der 23!äbriae Maleraebilfe Ernst Sturmann aus der Großen ranlsurterstraße. Im Rixdorfer Stichkanal ertränkt bat sich der 54 Jahre alte Hospitalit Georg Förster. on einem allen erschlagen wurde oer 44 Jahre alte Arbeiter Karl Scküler aus der Wienerstrake 57. Scküler half auf einem Holzplatze in der Briherstraße 20 beim Aufstellen eines 1 Meter hohen Bockes zum Aufstaveln von Brettern. Der Bock kippte um uno em ö Meter langer Balken traf Schüler so unglücklich am Unterleib. daß er sich eine Darmzerreißung zuzog uno lm Krankenhaus am Urban, wohin man ihn schleunigst brachte, verstarb. Vergiftet und erschossen hat Ncy ver 26 Jahre alte Kaufmann WilHelm Emmerich aus der Gerichtstrake 53. Der junge Mann wurde, wie er seinerWirthin und seinen Angehörigen oster klagte, um Geld betrogen und nahm sich den Verlust so au Ker ze.', daß er nicht länger leben wollte. - er 34 Jahre alte Arbeiter ftrin Eblina aus der Rostockerstrake 37. der seiner Frau beim Wäschenähen half, trank oft, mißhandelte seme Frau und veoroyte t mit dem Messer und Erwürgen. Das veranlaßte die Frau endlich, von ihm wegzuueben. Da er jetzt allein dastand und auf seine eigene arbeit angewiesen war. so wollte er nicht mehr leben und erhängte sich mit emer Äuckerschnur am Bettpsosten. Ein Bekannter, der ihn besuchen wollte, fand seine Leiche. Eharlottenbura. Ein Ovfcr seines Berufs wurde der früber in städtischen Diensten stehende ParkarI rrv r t . w ueuer jjoin. erzelve war oamll veschäftigt, die Rasenstreifen der Berlinerstraße unweit der 5?lora m be sprengen. Auf der feuchten Bordschwelle glitt nun Horn in demselben Augenblick aus. als ein Äua der Cbarlottenburger Straßenbahn einherkam. moü) ehe das Fahrzeug abgebremst werden konnte, gerieth Horn unter die Räder des Anhängewagens und wurde von dtejen buchstäblich zermalmt. 5?riedrichsbera. Durch Ueberfahren gctödtet wurde der 16 Jahre alte Arbeitsbursche Karl Kühlmann aus ver Nummelsburgerstraße No. 12 bier. der bei dem Eisbändler Blume in Rummelsburg beschäftigt war. Landsbera a. W. Miklicke Vermögensverhältnisse haben den hiesigen Bäckermeister Karl Lube rn den Tod getrieben. Er bai sich in der Backstube mit einem Revolver erschossen. Sem Grundstuck sollte Zwangsweife verkauft werden. P a n k o w.' Durch einen Sturz vom Wagen tödtlich verunglückt ist der 51 Jahre alte hiesige Arbeiter Max Tietzsch aus der Wollankstraße 23. Rathenow. Der Erste Bürgermeister Lange feierte sein 25jähriges Amtsjubiläum als Bürgermeister hiesiger Stadt. 1879 wurde Lange zum ersten Male zum Bürgermeister gewählt, die zweite Wiederwahl erfolgte auf Lebenszeit. . Rhinow (O st b a v e l l a n d. Der 25iäbriae Schnitter Baumaart. der auf einer Wiese des benachbarten Gutes Schonholz beschäftigt war. wurde im Streit erschossen. Er war mit einem Schnitter der angrenzenden Gemarkung Stölln in Streit gerathen und erhielt von seinem Gegner emen ??austschlag in's Gesicht. Bevor der Angegriffene sich noch zu vertheidigen V I C l tfV Ort vermocyie, orang oer siouner orschnitte? auf ibn ein. zog einen Revolver hervor und feuerte aus unmittelbarer Nahe emen Schuß ab. Die Kugel drang dem unglücklichen jungen Mann in die Stirn und führte seinen augenblicklichen Tod herbei. Der Thäter wurde verhaftet. T e g e l. Im Tegeler See ertrunken ist der 19jährige Georg Metsching, der in einem Ruderboot ein Segeltuch aufgespannt hatte und bei dem heftigen Winde mit dem Boote kenterte. Provinz Ostpreußen. Königsberg. Maler Otto Erich Eichler, ein vielversprechender junger Künstler, der gerade in den letzten Jahren bemerkenswerthe Fortschritte gemacht hatte, ist einem schweren, tückischen Leiden erlegen. Fabrikbesitzer Dr. Paul Mamlock von hier, der sich wegen fahrlässigerBrandstiftunF vor dem Strafrichter verantWorten sollte, hat im Untersuchungsgefängniß, wo er wegen Betrug und Urkundenfälschung internirt war, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. In der Uniongießerei wurde der Schlosser Guske bei der Arbeit vom Hitzschlag betroffen. Er !vurde nach der Klinik aebracht. ver-

starb aber bald darauf. Gusre :n . lf I L 5 l fK

oeryeiraiyel uno qai aminc. Gaudischkehmen. Hier fand eine Sckläaerei zwischen mehreren Knechten statt, wobei der Knecht Kuster den Knecht Kuschnat Mlt emem Knüttel über den Kopf schlug. . Dem Berlekten wurde der Scbädel buckstäblich zertrümmert, so daß er nach kurzer Zeit femen Geist ausgab. Küster wie die anderen Raufbolde wurden durch den Gendarm festgenommen. K u k o w e n. Besitzer Ofschany erschoß seine jugendliche Ehefrau, mit der er erst seit kurzem verheirathet war, durch vier Schüsse, VermögensStreitigkeiten haben den Ofschany, der sein Geid auf das Grundstück feiner Frau gegeben hatte,' zu der That bewogen. M e m e l. Conditoraemlfe Cannon, geb. am 10. September 1873 zu Dt. Eylau, hat sich auf einem Klosett des hiesigen Bahnhofes erschossen. Aus den hinterlassenen Schriftstücken ist ersichtlich, daß er lediglich zu dem Zweck nach hier gekommen ist, um sich zu erschießen. Seine Verwandten wohnen ,n Dt. Eylau. Schertlnaswalde. In dem Hause des Eigenthümers Hermann Kollest brach Feuer aus. dieses verbreitete sich schnell, zum theil durch 5?luafeuer. auf die Nachbargrundstücke der Eigenthümer Wilhelm Licht, Gottfried Richter und Karl icht. nutzer den Wohngebäuden, Scheunen, Ställen und dem Mobiliar, verbrannten mehrere Schweine und Hühner. Wartenburg. Kurzlich ertrank das 3iährige Töchterchen des Chausseearbeiters Koslowski von hier. Das Kmd war mit semer em Jahr älteren Schwester auf die Wiese geganaen. um Blumen zu pslucken, und , i dabei in den Pissafluß gefallen. Frevinz Westpreußen. D a n z i g. Der kürzlich verstorbene Admiralitätsrath a. D. Rotter, der früher hier als Marine - Maschinenbauingenieur auf der kaiserlichen Werft beschäftigt war, hat den Arbeitern des Maschinenbauressorts der hiesigen kaiserlichen Werft letztwillig ein Kapital von 25.000 Mark gestiftet. Sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feierte der Werftschiffsführer und Baggermeifter der Kaiserlichcn Werft, Albert Schubert. B r u ß. Als muthmaßlicher Thäter des Mordanschlages gegen die Försterfamilie Schauer in Spirwia ist der Besttzerssohn Pestka 'aus Mentschikal verhaftet worden. Auf die Familie, welche eine Festlichkeit im Haufe beging, wurde kürzlich durch das Fenster ein Schuß abgegeben. Freystadt. Zur Feier des 25jährigen Stiftungsfestes und der Fahnenweihe des hiesigen Kriegervereins hat der Kaiser dem Verein ein werthvolles Fahnenband verliehen. M a r i e n b u r g. Die 6jährige Tochter des Arbeiters Kirsch in Vogelsang, die mit mehreren anderen Kindern am Nogatufer Nachmittags spielte, watete in der Nogat, die jetzt an den meisten Stellen sehr flach ist, umher. Die kleine Kirsch gerieth dabei in eine tiefere Stelle und ertrank. N e u t e i ch. Beim Spielen auf einer der in der Schwenke liegenden Holztraften stürzte der 8jährige Knabe Hermann Steinfeld in's Wasser, gerieth unter das Holz und ertrank. Thiergart. Einen qualvollen Tod fand das 5jähriFe Töchterchen des Heizers Orlowski. Während der Abwesenheit der Eltern war es dem Herd zu nahe gekommen, und seine Kleider wurden von den Flammen erfaßt. Die Brandwunden waren so schwer, daß das Kind starb. T h o x n. Bei einem Schießen verunglückten hier dreiKugelsucher aus Rudak. Sie waren im Besitz von Erlaubnißkarten, hatten sich aber den Bestimmungen zuwider schon vor Beginn des Schießens vor das Ziel begeben und sich dort niedergelegt in dem Glauben, daß die Geschosse über sie hinweggehen würden. Sie wurden aber von einer Granate getroffen, wobei der Arbeiter Buller getödtet und ein Mann und eine Frau verletzt wurden. E t w a 3 0 0 M e n s ch e n, die sich kürzlich an der Grand Str. und Comunipaw Ave., Jersey City, ansammelten, war ein Schauspiel geboten, wie man es im Leben nur selten zu e obachten Gelegenheit hat. Ein Spatz, der offenbar im Begriffe stand, sein Nest zu bauen, hatte ein Stück Bindfaden an das Karnics eines der Eckhäuser geschleppt. Der Faden blieb aber an irgend einer Stelle hängen "und wickelte sich dabei um den Hals des Vogels, der gleich darauf gewaltig zu zwitschern und mit den Flügeln zu schlagen begann; man sah das arme Thierchen an dem Faden hängen und sah, wie es sich vergebens abmühte, seinen Kopf aus der verbängnißvollen Schlinge zu ziehen. Andere Spatzen, durch das Geräusch alarmirt, flogen in Schaaren herbei, um ihm zu helfen, doch offenbar wußten sie nicht, wie es anzustellen, worauf sie zwitschernd den hängenden Spatzen umflatterten. Der Todeskampf des Vogels hatte inzwischen sein Ende erreicht. Sein Gezwitscher wurde immer kleinlauter und sein Flügelschlag immer langsamer, bis er schließlich ganz aufhörte und er hängend seine kleine Seele aushauchte. Vielen Frauen, die den Todeskampf des Vogels mit ansahen, waren die Thränen in die Augen gekommen. )

Sergeant Bethje. Militarhumoreske. Wer kannte ihn nicht in unserer Garnison, den stolzen Sergeanten Bethje? Wenn er, die hohe militärische Gestalt, in tadelloser Kleidung durch die Straßen der Stadt schritt, den starken Schnurrbart kokett in die Höhe gedreht, die Hände stets in tadellosen weißen Handschuhen, stieß manche Schöne heimlich die andere an und flüsterte ihr zu: Sieh nur, welch' ein stattlicher Mann ist er doch." Aber er wußte es selbst auch ganz genau, daß sein Aeußeres Eindruck machte auf die leicht empfänglichen Herzen der Mädchen, hatte er es doch schon oft erfahren, sagten seine Kämeraden es ihm doch fast täglich, um ihn in seinem Selbstbewußtsein zubestärken. Aber noch etwas Anderes trug zu seinen Erfolgen bei, machte ihn gefürchtet bei Jung end Alt, bei seinen Freunden und Bekannten, bei seinen Vorgesetzten und Untergebenen, das war seine nie versagende Redekunst. Er hatte eine nicht gewöhnliche Schulbildung genossen, überragte an Können und Befähigung die meisten seiner Kameraden und fühlte sich daher verpflichtet, von seinem überflüssigen Wissen an die minder Begabten abzugeben. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend war seine Stimme zu hören, überall, beim Dienst und belkameradschaftlichenVereinigungen führte er das große Wort. Er war sich seiner Würde wohl bewußt, nächst Moltke gab es auf der ganzen Welt seiner Meinung nach keinen tüchtigeren Soldaten als ihn. Noch ist mir eine Scene in Erinnerung. Wir waren im Manöver in einer kleinen Stadt einquartiert, wo Abends großes Gartenconcert und Tanz stattfinden sollte. Alles stürmte hin, die Bürger überboten sich in Liebenswürdigkeiten, die jungen Mädchen in ihren frisch gewaschenen Kleidern sahen die schmucken Krieger Glück verheißend an, wie hätte Äethje es über sein Herz bringen sollen, dem Vergnügen fern zu bleiben? In nie geahnter Schönheit näherte er sich der Kasse. . Bitte, fünfzig Pfennige Eintrittsgeld, mein Herr," bat der Kassirer. Mitleidig lächelnd sah Bethje den Mahner an. Mein Lieber, ich bezahle nie Entree. Wissen Sie denn nicht, wer ich bin? Ich bin der große Bethje"." Sprach's und ging stolz erhobenen

Hauptes an dem ihm verblüfft nachschauenden Kassirer vorüber. Leider theilten seine Vorgesetzten nicht die Ansicht über seine Größe. Nur, wie gesagt, im Reden war er groß. Ich hatte das Vergnügen, als Einjähriger von ihm ausgebildet zu werden. Die geringste Kleinigkeit ver' setzte ihn in die größte Wuth. Dann faltete er seine Hände, stellte sich ganz dicht vor den Unglücklichen hin, der seine Wuth erregt hatte, und überfluthete den Armen mit einem solchen Wortschwall, voll der unglaublichsten Vergleiche, daß sich uns manchmal die Haare sträubten. Wir ließen uns ruhig die Grobheiten gefallen, wußten wir doch, daß er imGrunde seines Herzens ein gutmüthiger Mensch war. Als er uns aber eines Morgens mit der größten Beredtsamkeit auseinandergesetzt hatte, daß selbst die klügsten Menschen, nicht einmal er, nicht im Stande wären, einen Unterschied zwischen uns und einer Ochsenheerde zu finden, wurde die Sache zur Sprache gebracht. Von dem Augenblick an wurde Bethje bummelig und fing das Trinken an. Wenn man nicht einmal mehr offen und ehrlich seine Meinung sagen darf, ist das traurig; ein trauriges Zeichen dafür, daß es mit der Disciplin in der Armee schnell zu Ende gehen wird," hatte er an dem betreffendenTage beim Mittagessen geäußert. Dann hatte er versucht, die Bitterkeiten dieses Lebens mit einem Bittern herunterzuspülen, similia similibus, meinte er als 'gebildeter Mensch. Aber dieser Versuch muß wohl bei dem ersten Mal nicht geglückt sein, beständig war er fortan in der Wirthschaft zu finden, er wurde unordentlich in und außer Dienst, gab nichts mehr auf sein Aeußeres und vernachlässigte sich mehr und mehr. Alle Strafen waren vergebens, er war ein Trinker geworden, dem keiner , mehr helfen konnte, fo wurde er denn verbraucht, wie er war. Eines Tages exercirte Bethje seine Abtheilung, als unglücklicherweise der Oberst stch dem Exercirplatze näherte. Exerciren Sie mir die Abtheilung vor," befahl der Commandeur, und zu aller Zufriedenheit wurde der Befehl ausgeführt. Nun, Bethje, führen Sie mir die Leute auch noch im Schützengefecht vor und bezeichnen Sie immer recht genau den Marschrichtungspunkt." ' Die Uebung begann, die Schützenlinie entwickelte sich und ging vor. Sergeant Bethje, Sie haben vergessen, den Marschrichtungspunkt anzugeben. Passen Sie gefälligst auf." Vergebens ließ Bethje seine Blicke dem Gelände umherschweifen, wie hieß doch die Straßenecke, wie wurde der freie Platz dort drüben nur noch genannt? Ihm fielen die Namen nimmer ein, der Alkohol hatte sein Gedächtniß schon geschwächt, Nun, Sergeant Bethje, wird eS bald?" Marschrichtungspunkt meint Stammkneipe."

Die kannte Jeder, mit einer genialen Schwenkung flog die Schützenlinie herum und ging auf den bezeichneten Ort zu. Aber der Herr Oberst, empört Über die Hineinziehung privater Angelegenheiten in den königlichen Dienst, hielt dem armen Sergeanten eine onnernde Rede und das Ende vom Liede war, daß Bethje nur noch hinter der Front beschäftigt wurde. Aber auch so fand er eines Tages Gelegenheit zu einer großen That. Die Regimentsvorstellung stand vor der Thür. Auf besonderen Wunsch des besichtigenden Generals sollte das ganze Gefecht sich vollständig kriegsmäßig abspielen. Unter Anderem sollte auch bei dem jedesmaligen Vorgehen der Schützen ein Theil der Leute liegen bleiben, um die Todten und Verwundeten zu markiren und so zu zeigen, wie im Ernstfall die Reihcn gelichtet würden. Die Vorstellung wurde ganz genau eingeübt, die Leute, die liegen bleiben sollten, wurden bestimmt und instruirt. .Die Proben verliefen glänzend; mochte der General nur kommen, Bethje als Commandeur der Todten und Verwundeten wollte seine Sache schon gut machen. Die Vorführung des Regiments klappte, wie der tennirni technicu lautet, ausgezeichnet. Schon näherte sich die Uebung ihrem Ende, verschiedentlich hatte der General, zu den Offreieren seiner Begleitung gewandt, seine vollste Zufriedenheit geäußert, da rückten die Truppen zum letzten Anlauf vor.- Aber der Uebermacht weichend, zogen sie sich auf Befehl wieder zurück. Das empörte Bethje's Herz. Heimlich hatte er dem Bittern zugesprochen, rascher floß das Blut durch seine Adern; er sah die Seinen weichen und faßte einen heldenmüthigen Entschluß. Die Todten und Verwundeten zu zwei Gliedern der Größe nach antreten marsch marsch," ertönte sein Commando über den weiten Platz. Von allen Seiten eilten die Leute herbei und sammelten sich um ihren Führer, der mit den Gefallenen dem Regiment zu Hilfe eilte. Das war sein letztes Auftreten beim Militär. Die Kritik, die diese kriegsgemäße Leistung fand, nöthigte ihn, früher als es wohl ursprünglich seine Absicht war, sich in das Privatleben zurückzuziehen.

Zu den bekannte st en russischen Schriftstellerinnen moderner Richtung gehört Frau Luchmanow, eine Moskauerin, deren Novellen zum Theil auch in deutscher Uebersetzung erschienen sind. Nun hat sich diese in der Zeichnung realistischer Situationen an ihre französischen Vorbilder erinnerndeDame als barmherzige Schwester" auf den Kriegsschauplatz begeben, wo sie sich aber besser amüsirt, Wunden bluten zu sehen, als solche zu verbinden. Ihre Berichte schwelgen in der Schilderung grauenvollster Scenen, die sie mit peinlicher Genauigkeit beschreibt. So hält sie sich in ihrem letzten Brief mit der liebevollen Darstellung einer Tschungusen - Hinrichtung auf. Sie erzählt, wie die Köpfe der Verurtheilten gleich Kohlköpfen" in den Sand rollen, in welchen fast komischen Posen" die enthaupteten Leiber sich winden, wie die Zuschauer, zu denen sie gehört, mit dem Stiefelabsatz" die abgesäbelten Köpfe bearbeiten u. s. w. Wer hier an das Sprichwort denkt: Grattez le Russe et vous trouvez le Barbare", wird von Frau Luchmanow durch den Schluß ihres Briefes überrascht, wo ihr schönes Gemüth voll durchbricht. Sie vernimmt nämlich in der Stille einer trostlosen Regennacht das Winseln eines Hundes, der aus irgend einer Ursache mit seinem Schicksal unzufrieden ist. Und was thut die zartbesaitete Künstlerin? Sie erzählt es in ein paar schlichten Worten: Mich dauerte das hilflose Thierchen so sehr, daß ich mich vom Lager erhob, in das Leutezimmer ging, den diensthabenden Sanitär aus dem Schlafe weckte und ihn veranlaßte, mit mir auf die Suche nach dem Hunde zu gehen." Gcnz ohne Wohlwollen steht also Frau Luchmanow der Schövtuna nickt aeaenüber. Die Getränke, die an dem Büfett, in einem der Wandelgänge des Palais Bourbon, den französchen Abgeordneten dargereicht werden, gehören durchaus nicht zu den nichtigen und unbedeutenden Kleinigkeiten. Sie werden angeschafft von den fünf Franken, die allmonatlich jedem der. 581 Abgeordneten von seinem Gehalte abgezogen werden. Das macht im Jahre 34,860 Francs. Eine große Summe, aber nach Ansicht vieler würde sie nicht reichen, wenn nicht dieFerien eineangenehmeUnterbrechung herbeiführten. Für den Dienst derjenigen, die von der Tribüne sprechen, ist ein besonderer Angestellter, der den Spitznamen Glas Wasser" führt, da. und der jedem sein Liebingsgetränk hinstellen muß. Seinem Gedächtniß wird durch ein großes Plakat nachgeholfen, das neben seinem Spitze angebracht ist, und auf dem sich, alphabetisch geordnet, die Namen mit dem entsprechenden Getränk dahinter befinden. Man behauptet, daß das vor dem Redner stehende Glas stets Zuckerwasser, mit Orangen parfümirt, enthalte; dies steht aber selten oder nie dort. So trinkt z. B. Herr. Pelletan, der Marineminister, ein Glas SelterWasser mit Marsala, Herr Ribot trinkt schwarzen, gezuckerten Kaffee und Herr Aynard schwarzen 'Kaffee ohne Zucker.

Grlungcnc firirgslist. Der Rechtsanwalt Schlauberger führte das Leben eies tadellosen FamilienvaterZ und Ea:!en. d?r, inäU sondere dein WirihhauZleöen abhold, die Abende regelmäßig in seinem g:müthlichen Heim zuzubrir.zm pflegte. Nur der Samstag machte yierron eint Ausnahme. Dieser gehörte der Gesellschaft Concordia," oder besser gesagt, dem Tarock. und jeder Versuch der Gattin, das gute Männchen," das sich sonst nicht zu mucksen traute, von der liebgewordenen Gewohnheit abzubringen, scheiterte. Ihr waren diese Spielabende, die sich in der R?g?l bis lange nach Mitternacht ausdehnten, ein Dorn im Auge. Am Sonntag in der Früh," jammerte sie, kann man natürlich nicht aufstehen, die Kathi kommt nicht zeitig zum Zimmeraufräumen, und am Nachmittag, dem einzigen, den Du Deiner Frau widmen kannst, bist Du müde, weil Du cht gehörig ausgeschlafen hast!" Solche und ähnliche Klagen bekam der Doktor beider Rech.e allwöchentlich zu hören; aber, wie gesagt, in dieser Beziehung blieb er gegen alle Vcrstellungen taub. Seinen Concordiaabend ließ er sich nicht nehmen, und den heutigen schon gar nicht; denn dem Tarock ging die große Generalversammlung mit außerordentlich interessanter Tagesordnung voraus, und da durfte ein leidenschaftlicher Debatter, welcher der Vorstandschaft fortgesetzt Opposition machte, unter keinen Umständen fehlen. Aber, o weh, es war kurz vor drei Uhr, als der Herr Doktor die, heute wieder einmal ganz besonders stark knarrende Schlafzimmerthüre öffnete und hierdurch die Gestrenge aus dem Schlum-r riß. Grüß' Dich Gott. Schatz! Hab' ich Dich aufgeweckt? Ach, wie mir das leid thut! Da ist aber nur wieder die dumme Thüre daran schuld! Bist Du schon lange zu Bett?" Seit elf Uhr, und ich hatte jetzt gerade so gut geschlasen! Wie viel Uhr ist es denn?" Ja ja, der erste Schlaf ist stets der beste! Ein Uhr hat's soeben geschlagen!" Gott sei Dank," denkt der Heuchler, sie glaubt's." und beginnt sich, ohne Gewissensbisse über die unverschämt: Lüge, zu entkleiden, als ein zufällig auf seine Taschenuhr geworfener Blick ihm zeigt, daß es knapp auf drei Üb'geht. Himmel, Lügen haben kurze Beine! Frau Rosa wacht, im nächsten Augenblick muß die nahe Thurmuhr schlagen, werden die andern ehernen Zungen der Stadt laut wider ihn zeugen, und im Nebenzimmer die große Wanduhr läßt sich sicher auch nicht lumpen. Was thun? Ein findiger Anwalt und Kriminalist, momentan selbst Schwerverbrecher, war der Doktor um einen Ausweg nicht verlegen, und gerade zur rechten Zeit kam ihm noch der rettende Gedanke. Schatz." fängt er sofort leohaft an, denk Dir, heu.e sind wir nicht einmal mehr zum Tarock gekommen, so lange haben sich die Debatten hinausgezogen, und eine Aufregung harschte, als hinge das Wohl und Wehe des Vaterlands von dem Resultat der Abstimmungen ab. Am ärgsten trieb's der Stadtrath Müller. .Meine Herrn!' schrie er." (Und nun, während- gleichzeitig die Uhren der schlafenden Stadt die dritte Stund? verkündeten, fing der schlaue Pantoffelheld zu brüllen an.) ,Meine Herrn, das ist ein Skandal! Was sän dieser Vorstandschaft eigentlich ein? Wir haben das Recht und die Pflicht, zu verlangen, über derartige Dinge zuvor gehört zu werden. Wir sind Manner und kein Kaffeeklatsch! Wir lassen uns nichts vormachen jawohl, wir wissen, wie viel es geschlagen hat!' .Zur Sache!' fchrieen nun ei?.ige andere. .Unerhört!' .Skandal!' .Schluß!' .Ich lasse mir den Mund nicht verbieten. Recht muß Recht bleiben. Das ist ein unerhörter Mißbrauch der Gewalt!' Ruhe!' Glocke des Vorsitzenden. .Wort entziehen!' .Hinaus!' .Unverschämt!' Kurz, Schatz, es ging zu, wie im Parlament! Aber jetzt" es hatte ausgeschlagen laß uns schlafen!" Sprach's, dreht' sich um und schlief mit. einem Seufzer der Erleichterung ein. Und er schli"f sogar, wie einer, der das beste Gewissen fti

NttckstchtsVoU. AI - v V',arvi fr'tf; 7Vv i Mer, Herr Professor, warum schleichen Sie denn immer so leise an uns vorübe:?" Ach. ich weiß aus Erfahrung, mein Lieber, wie unangenehm es ist, wenn man in seiner Arbeit gestört wird!" Die Zeitungen im Reiche enthalten viele und ausführlicheBerichte über Hitze. Dürre und Waldbrände. Leider starben auch viele Menschen an Hitzschl'gen.

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