Indiana Tribüne, Volume 27, Number 311, Indianapolis, Marion County, 23 August 1904 — Page 5

Jndiana Tribuns, Q3. August 190;

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NeVerlistet.

Humoreske von Marianne Rood. Nein, nein, mein Bester, den Gedanken schlage Dir nur aus dem Kopfe! Als Freund und Zechgenosse bist Du mir zwar lieb und werth, wie kein Zweiter, aber meine Tochter bekommst Du nun und nimmer zur Frau, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich nur zu gut weiß, welch leichtes Tuch Du bist!" Aber, wenn ich ein solches bin " Muß wohl ich, Dein Kumpan, von derselben Sorte sein, meinst Du? Na im Grunde genommen, hast Du ja nicht Unrecht, aber das ändert an der Thatsache, daß meine Tochter nicht für Dich gewachsen ist, gar nichts, und es bleibt dabei: nun und nimmer werdet Ihr ein Paar!" Ich habe aber alle Ursache, zu glauben, daß Anna mir gut ist!" Wäre mir zwar sehr unangenehm, würde jedoch absolut nichts an der Thatsache ändern." Ist dies Dein letztes Wort?!" Ja, lieber Friedrich." Dann hätten wir über diesenPunkt nichts mehr zu reden?" Ich denke: nein." Gut denn adieu, Herr Heindl!" Und gleichzeitig entfernte sich der Sprecher, die Tbür nicht gerade sanft hinter sich schließend. Das vorstehende Zwiegespräch fand an einem heiteren Sommernachmittag zwischen dem Privatier Heindl und dem Knopffabrikanten Pittner statt. Die Freundschaft der beiden bestand nun schon nahezu seit einem Jahre, in dessen Verlauf das edle Paar von Vekannten die Beinamen Kastor undPollux erhalten hatte, so unzertrennlich schien es, und in so ungetrübter Eintracht hatte es bisher gelebt. Wohl war der Altersunterschied zwischen beiden ein ziemlich bedeutender, denn über Heindl's grauem Haupte waren bereits mehr als 55 Jahre vorübergerauscht, während Pittner erst im vierunddreißigsten stand, aber gleiche Gesinnung, gleiche Freude am Leben, und nicht zum geringsten die gleiche Portion liebenswürdigen Leichtsinnes glichen die Differenz vollkommen aus und verhalfen den beiden zu den vorerwähnten Spitznamen. Josef Heindl war Wittwer, lebte von seinen Renten und fühlte sich im Herzen noch immer so jung und frisch, daß er den Annehmlichkeiten, welche ein oder auch mehrere Gläschen Wein und die Liebe bieten, niemals aus dem Wege ging. In auffallendem Gegensatz zu dieser feucht-fröhlichen und minniglichen Lebensanschauung, erzog er jedoch seine Tochter Anna. Das bereits achtzehnjährige bildhübsche Mädchen war fast nach klösterlicher Sitte erzogen worden, und auch jetzt, im heirathsfähigen Alter, waren die ihm von dem gestrengen Herrn Papa gestatteten Freiheiten recht mäßiger Natur. Und dabei liebte es de: letztere, zwischen seinen vier Wänden nur saldunl'?volle Reden zu halten,' die nctoTische Leichtlebigkeit der jetzigen Geneiation in jeder Weise zu verdammen, kurz, sich als den ausgesprochendsten Tugendbold zu geben, so daß sein Töchterlein meinte, einen veritablen Heiligen zum Vater zu haben. Diese Gewohnheit aber war dem guten Manne von der Zeit haften geblieben, da seine Frau noch lebte, 'und ihm mehr als einmal die Gebote der Ehe in nachdrücklichsier Weise zu Gemüthe geführt hatte. Nichtsdestoweniger hatte jedoch trotz der väterlichen Strmge die Liebe in Anna's Herzen ihren Einzug gehalten, und zwar war es Niemand anderes, als Pittner, dem es entgegenschlug. Der junge Fabrikant, der so intim mit ihrem Vater verkehrte und naturgemäß häufig im Hause erschien, hatte es ihr angethan und und dabei ebenfalls Feuer gefangen. Heindl war diefer Doppelumstand infolge feiner buchstäblich zu nehmenden Kurzsichtigkeit vollkommen entgangen; erst die formelle Werbung seines Freundes hatte ihn über die Sache aufgeklärt, und wie er sich zu derselben stellte, haben wir bereits erfahren. Ja, die ziemlich vorgeschrittene Kurzsichtigkeit war das einzige unangenehme Moment im Leben unseres Privatiers. Er hatte bereits die herrorragendsten Augenärzte consultirt und trug vergebens die schärfsten Gläser, dem Uebel. war aber einmal nicht abzuhelfen, und so manche PersonenVerwechslung etc. hatte Heindl bereits wiederholt in die unliebsamsten Situalionen georacyi. Umso empfindlicher traf ihn daher der durch seine Weigerung herbeigeführte Verlust des Freundes, der ihm oe: fernen Promenaden stets ein ge treuer und verläßlicher Lootse war. Aber was ließ sich dagegen thun? sollte er, der altere, nun dem im Zorne Geschiedenen nachlaufen, ihm die Versöhnung anbieten und um welchen Preis? Nein, das konnte, das durfte er nicht, denn daß der letztere auf jeden Fall gefordert werden würde und nur in der Gewährung von Anna's Hand bestünde, darüber gab er sich keinem Zweifel hin. Es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als sein Mißgeschick mit Würde zu ertragen und zu zelgen, daß er, so schwer es ihm auch fiel, auch ohne den Plttner auszu kommen vermochte! Zuvor aber be schloß er, noch seine Tochter gebührer.) .ins Gebet zu nehmen.

Ich hörte eben schöne Dinge von

dir!" begann er, seinem Aerger Luft machend, in grollendem Tone, nachdem er sie zu sich beschieden hatte. Von mir?!" frug die Ahnungslose consternirt. Ja von trir erwiederte er, durch die Geaenfraae noch mehr in den Harnisch gebracht. Von dir, die ich mich bemahe schäme, meine Tochter zu nennen!" Aber um Himmelswillen " Schweig, du Entartete!" unterbrach er sie. Oder willst du es vielleicht leugnen, daß du, die du kaum de? Saugflasche entwachsen bist, hinter meinem Rücken eine nichtswürdige Liebelei mit Pittner dem ich übrigens soeben die Thür gewiesen habe an gezettelt hast?" Papa," rief die Gescholtene entriistet und über und über errö!hend, wir denken an nichts nxmger, als an eine Liebelei! Wir sind uns von ganzem Herzen gut und wollen, je eher, je lieber, gemeinsam vor den Altar treten! Wollt ihr?! So?" rief Heindl immer mehi erbost. Da habt ihr aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn meine Einwilligung erhaltet ihr auf keinen Fall!" Aber warum nicht, Papa?" frug das Mädchen mit thränenerstlckter klimme. Warum nicht?" höhnte der Gefrag te. Weil ich dich keinem Trunkenbold und Mädchenjäger zur Frau gebe so, nun weißt du's!" O, es ist abscheulich von dir, Papa, Friedrich so zu verdächtigen!" schluchzte Anna. Was ich ihn verleumden?!" fuhr Heindl auf. Wie darfst du es wagen, mir derartiges anzusinnen? Mir, der ich den Menschen durch und durch, beinahe wie mich selbst, kenne, und oft genug Gelegenheit hatte sein Treiben zu beobachten und zu sehen, daß er eines anständigen Mädchens vollkommen unwürdig ist." Das kann nicht sein!" stöhnteAnna. Es ist aber so!" schrie Heindl wüthend, und ich verbiete dir hiermit ein- für allemal jeden Verkehr mit diesem Menschen, der für mich überhaupt zu existiren aufgehört hat basta!" Damit warf er die Thür in'sSchloß und ließ das arme Mädchen mit seinem Schmerze allein. Anna war. wie bereits erwähnt, an strenge Zucht und strikten Gehorsam den elterlichen Befehlen gegenüber, gewohnt, in diesem Falle aber, in dem ihr Lebensglück auf dem Spiele stand, brachte sie es doch nicht über sich, dem väterlichen Willen so ohne weiteres zu gehorchen. Ein rosafarbenes Brieflein flatterte alsbald zu dem Manne ihrer Wahl, ihm den eben gehabten Auftritt schildernd, und um eine Zusammenkunft behufs Besprechung weiterer Maßnahmen bittend. Pittner antwortete natürlich umgehendst, und dant dieser Promptheit, traf sich das Pärchen bereits am nächsten Tage an einer abgelegenen Stelle des StadtParkes. Nachdem er einige salzige Thränchen mit anerkennenswerthem Eifer von den rosigen Wangen seiner Braut weggeküßt und genauen Bericht über die Stimmung seines Exfreundes erhalten hatte, beschloß Pittner, Anna in jeder Beziehung reinen Wein einzuschenken und that dies denn auch zur nicht geringen Verwunderung des Mädchens. Dein Vater mag es ja recht gut mit dir meinen," schloß er denVericht, und es ist dies schließlich und endlich ja auch seine Pflicht, aber daß er mich dabei als solches Scheusal in deinen Augen hinstellt, das geht mir denn doch über die Hutschnur, und jetzt bin ich allen Ernstes auf ihn böft, während ich mich gestern ihm gegenüber nur so stellte, da ich imGlauben an meine Unentbehrlichkeit ihn gerade dadurch zum Nachgeben zwingen zu können vermuthete." Lasse es gut sein!" beschwichtigte ihn Anna, welche sich nun bereits über die Kunde von dem wahren Charakter ihres Vaters zu beruhigen begann. Es muß ja noch Alles gut werden!" Davon bin ich ja auch vollkommen überzeugt," meinte Pittner, wenn ich nur aber auch schon das wie" wüßte! Am besten wäre es, ihn halt mit feinen eigenen Waffen zu schlagen halt, ich Hab's!" rief er dann fröhlich, ich Hab's, und mit dem Teufel müßte es zugehen, wenn wir auf diese Art nicht an's Ziel gelangten!" Und nun begann ein eifriges Flü stern zwischen den Beiden, daß Unbetheiligte wohl meinen konnten, dasHeil oder Unheil der gesäumten Welt hinge von dem Ergebnisse desselben ab. Nach einer geraumen Weile erst trennten sich ihre im Eifer dicht ancinandergekommenen hochrothen Köpfe, und nun bat Pittner sein Bräutchen um einen Kuß, sowohl als Bundeszeichen, wie auch nicht minder als h Conto - Zahlung auf den nach glücklichem Gelingen des Planes bevorstehenden süßen Minnelohn. Ganz gegen ihre sonstige Bereitwilligkeit in derlei Angelegenheiten, wich Anna dem den ihren suchenden Munde aus, bog sich weit zurück und sprach dann, Pittner fest ins Auge sehend: Wirst du aber auch bestimmt nie mehr mit Papa kneipen und andere tolle Dinge treiben?!" Wie du vertraust mir nicht?" frug Pittner überrascht. Gewiß, Friedrich," erwiderte Anna, gewiß vertraue ich dir und deiner Liebe, allein einer intensiven Versu-

czung soll, wke ich mir sagen liefe, aucy

der stärkste Mann nicht zu widerstehen vermögen, und ihr scheint der Versuchung nur zu oft auf halbem Wege entgegengekommen zu sein!" Aber. Anna!" rief Pittner in vorwurfsvollem Tone, versichere dich" Pst!" unterbrach ihn das Mädchen, ihm mit der kleinen Hand die Lippen verschließend. Ueber das Gewesene wollen wir den Mantel der christlichen Nächstenliebe breiten, aber bezüglich der Zukunft möchte ich vollkommen sicher gehen! Meinen Gatten" will ich für mich allein haben und in Beruhigung darüber leben können, daß ihn mir weder Bacchus noch Frau Venus jemals abtrünnig zu machen im Stande sind!" Das schwöre ich dir!" rief Pittner. die rechte Hand erhebend. Dies ist mir zu theatralisch!" erwiderteAnna; auch liest man von derartigen Vetheuerungen nur all zu oft in Romanen mir genügt es, wenn du einfach auf Ehrenwort versprichst. mir jeder Zelt ein liebender und treuer Gatte zu sein!" Wie du willst, mein Schatz," erwiderte Pittner, ihr die Rechte reichend. Ich verspreche dir also hiermit feierlichst, in Zukunft jedweder Versuchung aus dem Wege gehen zu wollen, und nur dich, und immer wieder dich allein zu lieben und als meine Gebieterin anerkennen zu wollen bist du nun zufrieden?" Ja, das genügt mir," antwortete Anna lächelnd, und meine Sorge soll es sein, dich nach besten Kräften txi der Erfüllung deines Versprechens zu unterstützen." O weh!" rief Pittner, ein komisches Gesicht ziehend, deine Worte lassen ein schreckliches Zukunftsbild vor meinm Augen erstehen: in strahlendem Glorienscheine sehe ich den Pantoffel winken!" Sei unbesorgt," lächelte Anna, sein Druck soll ein leiser, kaum fühlbarer sein." Also doch!" seufzte Pittner. Ein ganz ganz klein wenig nur!" neckte Anna. Nun, jeder muß das' Loos, das er sich aufbürdet, dann auch geduldig tragen," meinte Pittner, aber wenn ich schon die unangenehmen Dinge im vorhinein zu kosten bekomme, will ich nun auch von den angenehmen profitiren!" Und nachdem er sich vorsichtig vergewissert hatte, daß kein Unberufener in der Nähe lauschte, umfaßte er die schlanke Gestalt des Mädchens und drückte eine stattliche Anzahl Küsse auf die ihm nun gerne preisgegebenen schwellenden Lippen. Genug! Genug!" stammelte Anna nach einer Weile athemlos, den Ungestümen mit beiden Händen zurückdrängend, wenn uns Jemand sähe!" Bekäme er höchstens Appetit, es uns gleichzuthun," lachte der junge Mann, eifrig in seiner angenehmen Beschäftigung fortfahrend. Endlich mußte aber doch geschieden sein, und nach einer kurzen Recapitulation oesSchlachtplanes trennte sich das Pärchen, nicht ohne nochmals den bei-l c.r.;i? r?. . . f i i 1 vergingen Kippen eine ganz oelraaziliche Arbeit zugemuthet zu haben. Acht Tage waren seit jenem, für Heindl so verhängnißvollen Tage verflössen. Seine Laune hatte sich in dieser Zeit nicht nur nicht gebessert, sondein war im Gegentheil eine immer schlechtere geworden. Wohl ging er wie gewöhnlich seiner Beschäftigung nach, das heißt, er verbrachte den Vormittag mit Zeitungslektüre, machte Nachmittags ein Schläfchen, darauf den obligaten Spaziergang, und suchte Abends das Stammlokal auf, allein er that dies alles nur mechanisch, ohne alle Freude, und fand keinerlei Vergnügen daran, denn, so sehr er sich auch gegen die Erkenntniß sträubte, Pittner fehlte ihm, ohne Plttner gab es für kein richtiges Amüsement, und seit er mit ihm nicht mehr zusammengekommen, hatte er sich auch kein einzigesmal mehr wie sonst unterhalten. Der Tag, an welchem der zweite Abschnitt dieser Erzählung beginnt, war ein herrlicher Sonntag. Goldenes Sonnenlicht durchsluthete alle Straßen der Stadt, und auch in Heindl's verdüstertes Gemüth fiel ein schwacher Abglanz davon. ' Heute will ich mich endlich einmal wieder unterhalten!" brummteer vor sich hin, während er, den spiegelnden Cylinder unternehmend nach der Seite ruckend, in etwas gehobener Stimmung als der der letzten Tage, zum Thore hinausschritt. Ja, justament will ich mich amüsiren!" widerholte er sein gewissermaßen sich selbst bereits gegebenes Versprechen. Will doch sehen, ob der Mensch damit meinte er natürlich seinen Exfreund Pittner im Stande ist, mir das ganze Leben zu verbittern verd....! O Pardon!" unterbrach er sein Selbstgespräch, denn er war infolge seiner Kurzsichtigkeit und momentanen Unvorsichtigkeit an einen Mann angerannt, welcher diese scheinbar absichtliche Jgnorirung seines Ichs durch den Ausspruch einiger fürHeindl keineswegs ehrenvoller Prädikate rügen zu müssen glaubte. Und nun war begreiflicherweise auch schon wieder ein guter Theil von Heindls guter Laune verslogen; ängstlich nach allen Seiten ausblickend, um eine zweite Carambolage nach Möglichkeit vermeiden zu können, schritt er dem Stadtgraben zu. unter dessen

schattigen Bäumen es auch heute, wie an allen Sonn- und Feiertagen von Spaziergängern wimmelte. Ja, aller Welt zum Trotze, will ich mich heute amüsiren!" brummte unser Privatier zum dritten Male, während er in Entbehrung des fehlenden stützenden Freundesarmes krampfhaft den Knopf seines Spazierstockes umklammernd, den ziemlich umfangreichen Körper langsam in das Menschengewühle hineinschob. Und siehe da, sein Glücksstern schien wieder im Ausgehen begriffen zu sein, denn einige gelinde Zusammenstöße, die durch ein paar freundliche Worte der Entschuldigung alsbald wieder wettgemacht erschienen, ging voiläufig alles recht gut, ja viel besser noch, als Heindl selbst es erwartet hatte. Dies übte natürlich auch auf seine Stimmung einen heilsamen Einfluß aus, und mit einem verächtlichen Fingerknipsen begleiteten Bah so viel für Pittner!" tauchte er unternehmungslustig noch tiefer in die sonntäglich geputzte Menge, die Damenwelt dabei, so weit es ihm bei seinemAugenübel möglich war, mit vergnügten Blicken musternd. Ein kleines Liebesgeplänkel wäre ihm heute recht erwünscht gewesen, wenn auch gleich nur aus dem Grunde, daß er sich sagen durste, er verstände sich auch ohne seinen bisherigen Adlatus zu amüsiren, und dann war in ihm in den letzten Tagen wiederholt auch derGedanke aufgetaucht, sich wirklich ein zweites Mal zu vermahlen. War er am Ende nicht noch rüstig genug, und hatte er was wohl die Hauptsache war nicht genügend Geld, um sich den Luxus einer wirklich jungen und hübschen Frau estatten zu können? Gewiß, er durfte es, dem Reichen steht ja überhaupt die Welt offen! Und bei diesem herzerhebenden Gedanken blickte er noch einmal so selbstbewußt und siegesgewiß um sich. Da was war das?! Täuschten ihn die schwachen Augen oder war es Wirklichkeit? Vor ihm schritt eine Dame von liebreizender Gestalt. Wiederholt schon waren seine Blicke auf ihr haften geblieben, und nun sie abermals über 'sie hinwegstreiften, wendete sie den leider dichtverschleierten Kopf direkt nach ihm, und unter dem weißen Gewebe hervor, glänzte ein leuchtendes Augenpaar, das ihn in Helles Entzücken versetzte. Durch einen leisen Ruck seines Hauptes lenkte er den Cylinoer noch etwas mehr nach der Seite, strammer richtete er seinen gedrungenen Körper auf, und zierlich, als beabsichtigte er Menuett zu tanzen, bewegte er die kurzen Beinchm. Es schien ja sonUnklar: er hatte Eindruck , gemacht, und mußte nun sein Möglichstes thun, ihn noch weiter zu verbessern und zu heben! ' Ja, diese oder keine sollte seiner Liebe theilhaftig werden, diese oder kein mußte Frau Heindl Nummer zwei werden! Ah, wie man ihn um dieses süße Wesen beneiden wird! Wie man sich ärgern wird, daß er in so vorge.xücktem Alter noch solchen Glückes "theilhaftig wurde! Und wieder flog ein verzehrender Blick nach der Schönen, mit der er' nun fast in gleicheHöhe gekommen war. Aber durfte er seinen Augen trauen? Sie mußte seinen glühenden Blick bemerkt haben und sah dennoch kalt an ihm vorüber? Sollte er sich vorhin überhaupt getäuscht haben? Verwünschte Kurzsichtigkeit! Heindl beschloß, alles auf einen Wurf zu setzen, um Klarheit zu bekommen; er wartete den Moment ab, da der Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wieder nach seiner Seite blickte, und zog dann ehrerbietigst den Hut, aber

vergebens! Das heißt, zum mindesten, ohne die beabsichtigte Wirkung zu erzielen, denn die Dame schien sich des sen nicht im mindesten bewußt zu sein, daß der Gruß ihr gelte, da sie vollkommen an dem kleinen Rentier vorüber, nach der anderen Seite des Weges blickte, wo eine auffallend gekleidete Spaziergänger! ihre ganze Aufmerksamkeit zu fesseln schien. Die unbeabsichtigte Wirkung des Grußes war aber die, daß Heindl's Hut plötzlich auf etwas Hartes stieß, und gleich darauf eine nur zu bekannte Stimme m das Ohr des vollkommen aus der Fassung Gerathenen tönte: Wenn du mir schon deine Tochter durchaus nicht zur Frau geben willst, mußt du mich durchaus nicht auch mit deinem Ungethüm von Cylinder erschlagen!" Pittner du?!" stotterte Heindl consternirt, während er mechanisch die Kopsbedeckung wieder an ihren Ort brachte. 'Ja, ich bin's in höchst- und ureigensier Person!" lachte Pitner, seinen Arm in den des kleinen Mannes schiebend. Lassen Sie mich!" rief dieser, sich entrüstet zu befreien suchend, während er. seine Augen nicht von der nun wieder voranschreitenden Dame ließ.Aber, Heindl alter Freund!" lachte Pittner. Der Teufel ist Ihr alter Freund!" tobte der kleine Mann, sich gewaltsam losreißend, lassen Sie mich, ich, ich bin beschäftigt! Himmel und Hölle!" schrie er dann, Pittner hastig bei Seite stoßend, da die von ihm Verfolgte eben in einen Seitenweg abbog, wenn ich sie verliere "

Halt!" rief Pittner, seinen Arm ergreifend. " Loslassen!" keuchte Heindl, dessen Antlitz plötzlich eine kirschbraune Färbung, das sicherste Zeichen eines bevorstehenden furchtbaren Zornausbruches, annahm. Nein!", entgegnete Pittner mit größter Seelenruhe. Obwohl du mich mehr als schnöde behandelt hast, will ich dich doch vor der heillosen Blamage, in die du eben mit beiden Beinen zu springen beabsichtigtst, behüten." Und Heindls nun doch - verwunderten Blick beantwortend, fuhr er fort: Jawohl, du steyst im Begriffe, dich unsterblich zu blamiren. und zwar vor niemand anderem, als vor deiner Tochter, denn diese ist es, welche du, wie ich deutlich genug merke, soeben verfolgst!" Mein Tochter ?! Unmöglich!" stieß Heindl hervor. Doch, doch!" lachte Pittner, ihn schadenfroh betrachtend. Uebrigens kannst du dich sogleich selbst von der Wahrheit überzeugen, denn eben kehrte sie um und kommt direkt auf uns zu." Und in der That erkannte Heindl in dem bald darauf mit nun emporgeschlagenem Schleier vor ihm siehenden Mädcken seine Tochter, deren ttuü&t Begrüßung er im ersten Augenblick fast nicht zu erwidern vermochte. Vestürzung, Groll und auch wieder Genugthuung über die im 4 letzten Momente noch glücklich verhinderteBlamaae stritten in seinem Herzen noch immer um den Vorrang, als Pittner ihm. heimlich zuflüsterte: Ich werde dich morgen nach Tische besuchen, da ich Wichtiges mit dir zu besprechen habe." Er wußte es ja nur zu gut, was jener mit ihm zu besprechen hatte! War er doch nun in seiner Gewalt, denn wie mochte er vor seiner Tochter bestehen, wenn Pittner dieser seine Absicht verrieth?! Und daß dieser nicht zögern würde, eine Pression auf ihn auszuüben, das war so klar, wie das heutige Sonnenlicht. Es kam genau so, wie er es sichrereits im Voraus ausgemalt hatte, und am selben Tage noch wurde die Verlobung des jungen Paares gefeiert. Als die Braut für einen Augenblick das Zimmer verlassen hatte, - um in der Küche nachzusehen, raunteHeindl seinem Schwiegersohn in spe drohend zu: Daß du mir ja nicht wortbrüchig wirst und Anna etwas verräthst!" Keine Sorge, Schwiegerpapa lachte Pittner, ich bin. verschwiegen, wie das Grab!" Und als ihm wenige Minuten später, die wieder eingetretene Anna in eine Fensternische zog und dort eindringlich zuflüsterte: Friedrich, vergesse nicht auf dein Versprechen: Papa darf niemals erfahren, daß ich mitgeholfen habe, ihn zu düpiren!" erwiderte er, sich vergnügt die Hände reibend, abermals: Keine Sorge, Herzchen, ich bin verschwiegen, wie das Grab!" Es ist unglaublich, welch eine Menge von zärtlichem Unsinn sich solch tolles Volk unaufhörlich insOhr summen kann!" brummte im selben Augenblick Heindl vor sich hin.

Die Ver. Staaten sind in der Fahrrad - Verfertigung ganz fcon Deutschland überflügelt. Während des ersten Aufschwunges der FahrradIndustrie und selbst noch vor einigen Jahren nahmen in sast allen Märkten der Welt amerikanische Vicycles. infolge ihrer anerkannten Vorzüge, den ersten Rang ein. Auch Deutschland wurde mit amerikanischen Bicycles überschwemmt, schließlich jedoch mit so billigem und werthlosem Fabrikat, daß das amerikanische Vicycle seinen guten Ruf in Europa zu verlieren begann. Schritt für Schritt hat seitdem die deutsche Fahrrad - Industrie die amerikanischeWaare aus dem deutschen Markte zu verdrängen gewußt. Bald erschlossen sich den deutschen Vicycles auch fremde Märkte, und inzwischen ist ein so vollständiger Umschwung eingetreten, daß Deutschland im letzten Jahre dem Werthe nach mehr als doppelt so viel Vicycles exportitrt hat als Amerika, wie aus den nachfolgenden Ziffern der Vicycle - Ausfuhr der beiden Länder für die letzten drei Jahre ersichtlich ist: Deutschland 1901 2,927.400, 1902 53.451,000, 1903 54,617,200; Ver. Staaten 1901 52.594,200, 1902 52,570.400, 1903 52,094,400. EinHeldvonWorth, der Ober - Postsekretär Meyer in Görlitz, ist zur großen Armee" abberufen worden. Meyer machte den Feldzug gegen Frankreich als Feldwebel im 5. JägerBataillon mit. Bei Wörth gelang es ihm und seinem Zuge, im Kampfe von Mann gegenMann die erste ftanzösische Kanone zu erobern und dadurch die vielen für Eroberung des ersten feindlichen Geschützes . ausgesetzten Belohnungen zu erringen. Zuletzt lebte er in Görlitz, der alten Garnison seines Bataillons, wo auch das von ihm eroberte Geschütz vor der Hauptwache Aufstellung gefunden hat. Kasernbluthe. Feldwebel (zu einem Rekruten, der mit offenem Munde dasteht): Jessus, der Kerl reißt 's Maul auf, w der selige (So lumbus, als er zum erstenmal New Fsr sah!" Nur militärisch. Ist Ihre Köchin wirklich so ins Militär, vernarrt?" Und ob! Ich sag' Jhnen, wenn die einen Braten in de? Pfanne wendet, fo commandirt sie lcbneidia: linksum!"

Seuer - Signale

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Llab. )t Hauptquartier. 57 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohi 3 No. 16 SpritzenhsuS 16. und Ash. 24 Alabama und 16. Z5 Central Ave und tt. 26 Jnde und 15. .27 Brcokside und Achit 18 Central Ave und 17. 29 Delaware und 19. ZI Alabama und 11. 52 Bellefontaine und:. 34 College Ave und . 35 Delaware und 13. .5 Alabama und North 27 Neömann und 19. 38 College Ade und 14 3 Cornell Ave und IS. ',41 FandeS und 19. 42 Highland Ave und 10. 43 Tecumseh und 10. 45 New Jersey nd 2!. 46 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hilstde Ave und 16. s College Ave und 12. 49 College Ave und 27. 52 Park Ave und 2. 52 LEu. WBahnu.22. 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