Indiana Tribüne, Volume 27, Number 307, Indianapolis, Marion County, 18 August 1904 — Page 5
Jndiana Tribüne, 18. August
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Tie nttZdcrne Fran.
Humoreske von Otto Vehrend. Ter.Privaldozcnt der Geschickte an der Universität Greifswald. Dr. Albrecht Morin, lebte durchaus glücklich und zufrieden in seiner Ehe. Er hatte um die junge, zierliche Maximiliane Halland, die Tochter eines Rittergutsdesitzers in der Nähe von Greifswald, nur aus Liebe Zen?orben, und aus Liebe war- ihm uch die kaum Neunzehnjährige zum Altare gefolgt. Und Beide tauchten ihre, Wahl nicht zu bereuen. Er war ein Charakter, ein stattlicher, interessanter Mann mit flottem, dunkelblondem Schnurrbart, dazu Reserveoffizier bei den schwarzen Husaren, und so ernst er es auch mit seiner Wissenschaft nahm, er blieb stets weit davon entfernt, sein junges Weib deswegen auch nur im Geringsten zurückzusetzen; für sie hatte er immer Zeit. Und die' reizende kleine Frau Maxi mit dem kastanienbraunen Lockenhaar, unter dem die großen blauen Augen so feelenvoll und klug in die Welt blickten, schaltete und waltete in ihren vier Pfählen als echtes Hausznütterchen, mit rührender Liebe hing sie an ihrem Gatten, ja sie vergötterte ihn sogar ein wenig. Zwei Jahre vergingen so, da erhielt Dr. Morin einen Ruf als äußererdentlicher Professor nach München und kurz vor Beginn des neuen Semesters wurde die Übersiedelung vollzogen. Während sich in Greifswald ihr Leben in engem Kreise abgespielt hatte, traien sie in München in die große Welt ein, und jung und lebensfrisch, wre Beide waren, benutzten sie gern vie Gelegenheit, sich in den geselligen Strudel der Großstadt zu stürzen. Es war ihnen so Vieles neu und interessank, sie genossen und erfreuten sich miteinander, das schöne junge Paar fiel auf, wohin es kam. Dr. Morin bemerkte aber bald, daß eine Veränderung mit seiner Frau vorging. Sie hatte intime Freundschaft mit einigen, etwas älteren Frauen geschlossen, die Einfluß auf sie gewannen. .Obwohl nun dem Professor der freie Ton und das leichte Leben der südlichen Großstadt nicht verborgen blieben und er den neuen Freundinnen seiner Frau, von denen er selbst, ohne sein Zuthun, mehrfach ziemlich weitgehende Avancen erhalten hatte, keineswegs recht traute, wollte er doch nicht eingreifen. Er vertraute feiner Maxi rückhaltlos und war davon überzeugt, daß auch ein solcher Einfluß ihr nie schadlich werden könne. Er sah,daß sie von der Fäulniß, die: rings um sie fraß, unberührt blieb, nach Art eines Kindes, das wohl schaut, aber nicht versteht, über Alles hinwegging. Und gerade deshalb suchte er .nichts in ihrem' Umgang zu ändern, er benutzte im Gegentheil die sich dieser Art b'ietende Gelegenheit, ihr die Augen zu öffnen, soweit es für ihre reine Seele verständlich, gut und nützlich war. Sie konnte, da sie einmal in der großen Welt leben sollte, daraus nur Vortheil ziehen. Er freute sich, wie sie allmählich den Hauch der Kleinstadt, der über ihr lag und hier erst zum Vorschein kam, ab. streifte. Auch ihr eigenes, Auge schärfte sich dafür, und wenn sie in ihrer Toilette etwas änderte, in der Tracht ihrer Haare, in ihrer Art sich zu bewegen und zu benehmen, oder hier und da in der häuslichen Einrichjung etwas umgestaltete, war es ihm stets eine Freude. Er küßte sie herzlich, wenn sie mit ihm davon sprechend ganz eifrig äußerte: Du bist doch nicht böse, Albrecht? Sieh, ich muß doch eine moderne Frau sein." Was verstand das kleine Ding da von einer modernen" Frau, die sie so gerne sein wollte. '?la. sei eine moderne ftrau. Mari." s sprach er dann immer und lächelte ihr freundlich zu. Allmählich aber kamen doch Fälle vor. in denen er ihr nicht zustimmen konnte. So wollte es ihm gar nicht gefallen, daß sie eines Tages ein Schönheitspflästerchen auf der Oberlippe trug. Meinst du, daß es deinem Gesichtchen zum Vortheil gereicht, Maxi?" fragte er, reiß doch das alte Ding wieder ab." .Da schmollte sie aber so allerliebst gerade mir der fchwarzgetupften Oberlippe, daß er nachgab und sie gewähren ließ. Auf ähnliche Weise errang sie sich auch das Pudern zur Hebung des Teints, ja selbst den diskreten Ge brauch von Schminke, um nach durchtanzten Nächten den Wangen ein wenig Noth zu verleihen, die Anwendüng eines schwarzen Stiftes, um den Glanz der Augen durch einen Strich am Rande des unteren Lides zu erhöhen, und manch' Anderes. Albrecht mußte immer nachgeben, die kleine Frau eignete sich eine Art an, die, aus Liebkosen, Schmollen und Hartnäckigkeit zusammengesetzt, stets siegreich blieb. Ernstere Zusammenstöße aber hatten die Ehegatten, als Frau Maxi sich in einer Weise umschwärmen ließ, die der Professor nicht gutheißen konnte. Du denkst dir gewiß nichts Böses dabei, mein Kind," sprach er, aber dein guter Ruf muß mit der Zeit darunter leiden." Mein Gott. Albrecht," entgegnete sie, wie kannst du nur so reden? Das Flirten ist doch einmal Mode, und wenn ich nicht mitmache, so werde ich hinter dem Rücken nur ausgelacht, und ich muß doch "
Eine moderne" Frau sein, richt
wahr?" fiel er ihr in's Wort. Ja natürlich du verstehst das eben nicht und ich lasse mir ein solch' unschuldiges Vergnügen nicht verderden. Du betreibst dieses Vergnügen aU lersvings ganz unschuldig, ob aber auch die Lassen, die dich umflirten, möchte ich nicht so sicher behaupten." Albrecht, du aebrauchst Ausdrucke" und nun folgte eine Scene, bei der der Professor wieder den Kurzeren zog. Er liebte den Frieden im eigenen Hause, er konnte sein Herzensweibchen mcht trotzen und schmollen sehen und er vertraute ihr ja auch vollkommen kurzum das Ende war, Frau Maxi durfte weiterflirten. So fetzte sie für sich auch den nachmittägigen Besuch von Caf6s, natürlich in Tamengesellschaft, wo sich aber auch Herren einfanden, durch, sie bim te sich von einem jüngeren Künstler malen lauen, in dessen Atelier sie nur in Begleitung einer Freundin ging, sie begab sich allein zum Schlittschuhlaufen, wenn ihr Mann keine freie Zeit hatte und strebte überhaupt dahm, möglichst oft ohne ihn auszugehen. Es ist ja gar nicht modern, wenn Ehegatten immer wie die Ketten an einander hängen, wir machen uns ja nur lächerlich damit." In großärtiger Haltung schritt sie im Zimmer auf und ab, während sie dies sagte. Da lassen wir uns am Ende auch noch scheiden, nur weil es vielleicht unmodern sein könnte, wenn Ehegatten den fünfjährigen Hochzeitstag miteinander feiern," warf er spöttisch hin. Lieber Himmel, Albrecht, meinst du, mich durch solche Redensarten wieder in die altvaterische Kleinstädterin verwandeln zu können? Ich weiß recht gut, was ich thue, und wenn du nicht genug Einsicht hast, so laß es meine Sorge, sein, uns die richtige Stellung vor der Welt zu geben." Der Streit spitzte sich ziemlich heftig zu und Frau Maxi schmückte sich schließlich doch wieder mit der Palme des Sieges. Sie hatte zu Allem gelernt, einen prächtigen Trotzkopf aufzusetzen, und der Professor sah zu spät ein, daß er ihr zu lange den Willen gelassen, diesen Trotzkopf selbst großgezogen habe. Ihn zu brechen, war kaum noch möglich, höchstens durch die unerquicklichen, langdauernden Kämpfe. Und die haßte er. So entschloß er sich, sie einstweilen ruhig auf dem von ihr eingeschlagenen Wege weiterwandern zu lassen. Sie mußte endlich, und er hoffte, sehr bald, an Punkte kommen, wo sie durch eigene Vernunft zum ernstlichen Nachdenken und zur Umkehr veranlaßt werden würde. Und dann war seine Zeit da, sie sanft, ohne Streit, in die richtige Bahn zu lenken. Er kannte Maxi's Charakter zu gut, um nicht zu wissen, ihr Trotzkopf sei auch nur etwas Angelerntes, das aus ihrer im Grund: fügsamen und liebevollen Natur nicht seinen Urfprung genommen habe. Eines Tages war es nun, gegen Ende Oktober, als Maxi nach Tisch ihre moderne, sehr selbstbewußte Miene aussetzte. Sie blies dazu den Dampf einer stark parfümirten Cigarette selbstverständlich rauchte sie nach den Mahlzeiten immer eine Papyros legere in die Luft, den Kopf kraftvoll hintenübergelegt, ein Bein kokett übtt's andere geschlagen. Lieber Albrecht," begann sie, den Ellbogen auf den Tisch stützend, ich habe ein kleines Ehangement in unserer Wohnung vor." So. Wieder etwas Modernes?" Mein Gott." sagte sie und schnickte leichthin mit der Zunge, du willst mich reizen. Aber es wird dir Nicht gelingen, mich aus meiner Rube zu bringen moderne" Ruhe willst du vielleicht auch sagen " Ich denke gar nicht daran." Desto besser aber ich nehme dir doch lieber gleich das Wort vorweg" sie machte eine Pause. Ja, was willst du denn verändern? Du weißt, ich stimme dir gern zu, wenn es nur irgend möglich ist." Weißt du, Albrecht," fuhr sie nun ein wenig gedehnt und zögernd fort, während sie auf ihre Cigarette blickte, die sie. anscheinend sehr nonchalant, an der Aschenschale hin- und herbewegte, es ist gar nicht mehr zeitgemäß." sie wollte das ominöse Wort modern" doch vermeiden daß wir aemeinsames Schlafzimmer haben getrennte Schlafzimmer gehören sich das ist modern " Da war das Wort doch wieder. Sie brach ab. Sie sah noch immer auf den Cigarettenrest in ihrer Hand, die sie jetzt ruhig hielt eine leichte Röthe stieg über der zierlichen Halskrause auf. Wie?" sprach der Gatte, doch übernascht, was soll denn das heißen?" Einen Augenblick schwieg sie, dann sah sie auf. Albrecht, weißt du es ist nicht modern mehr," begann sie dann, etwas stotternd, doch bald aing es glatter, daß man sich mit den Räumlichkeiten behilft, wie arme oder wenig bemittelte Leute. Wir haben doch Platz genug in unserer Wohnung und wir sind auch viel unabhängiger von einander, z. B. wenn du lange arbeitest, brauchst du dann nicht zu fürchten, daß du mich im Schlafe störst. Das mußt du doch verstehen" Ja, ja, das verstehe ich," spracy der Professor, und nach einer Weile' des NacswnenS fugte er hiniu. und
lch bin aanz deiner Mnuna.. Mir ist
es auch qanz recht. Ich hätte gerade jetzt bisweilen gern Abends sehr lange gearbeitet oder wäre Morgens früher aufgestanden im Augenblicke häu fen sich meine Arbeiten ganz besonders aber ich habe mir aus Rücksicht für dich sehr oft Schranken auserlegt, um dich nicht zu stören. Also abgemacht, wir trennen die Schlafzimmer. Laß dir den Schreiner kommen, der kann die Möbel umsetzen." Frau Man sah den Gatten nun ihrerseits etwas überrascht an. So leicht hatte sie sich den Erfolg nicht gedacht und mit semer ganz ungezwunaenen Ruhe und Gelassenheit wußte sie vollends nichts anzufangen. Hoffte er vielleicht, sie würde dieser Aenderung bald überdrüssig werden? Sie war mit diesem Gedanken auf einer ganz richtigen Fährte. 5)err Albrecht dachte wirklich, daß die Ausführung dieser Ungeheuerlichkeit, wie er es im Stillen bei sich nannte, sie von selbst in nicht zu langer Zeit zur Umkehr bewegen würde. Und. weil er dies dachte und erwartete, durfte er ihr auch nicht mit einem Worte widersprechen, mutzte er ihr völlige Freiheit lassen, um ihr nicht den so leicht geweckten Trotz als stärkenden Bundesgenossen zuzugesellen. Und er sah auch weiter in die Zukunft. Wenn seine Frau erst ein einziges Mal ganz aus sich selbst heraus von etwas Modernem" 'umgekehrt sein würde, war der erste Schritt zur Besserung gethan, dem sicherlich bald andere nachfolgen würden. Dafür wollte er dann schon sorgen. Und außerdem konnte er die ihm so gänzlich unbeschränkt gegebenen Abende wirklich zum fleißigsten Arbeiten benutzen und hatte nachher desto mehr Zeit für die herzige kleine Convertitin. Und sie war wirklich so herzig und allerliebst gerade in ihren gewaltigen modernen Allüren, wenn sie auch für ihr eigentlich noch immer recht kindliches Wesen garnicht passen wollten. Er erhob sich schnell. Laß also alles besorgen, Maximiliane, wie es dir am geeignetsten scheint; ich werde jetzt mein Nachmittagsschläfchen halten." Als er folgenden Tages im Dunkelwerden aus der Universität heimkehrte, sah er die Umwälzung vollzogen. In der Villa in Schwabing, deren Parterre und ersten Stock sie bewohnten, war ihm das gemeinsame Schlafzimmer neben seinem Studirzimmer im ersten Stock geblieben, während, sich Frau Maxi fortan im ziemlich geraumigen Boudoir neben dem Speisesaal im Erdgeschoß am nächtlichenSchlummer erquicken wollte. Sehr glücklich war gerade diese letztere Verfügung über die Räume, die auch gar nicht so überreich zur Verfügung standen, wie Maxi gesagt batte, eben nicht, aber was thut man schließlich nicht alles, um modern zu sein, der Menschen wegen. Trotzdem der Professor' sich vorgenommen hatte, den völlig Zufriedenen und Einverstandenen zu spielen, konnte er doch einen leichten Unmuth nicht verbergen, als seine Frau kurz nach sieben Uhr. von einem Thee, den sie allein besucht hatte, heimkehrte. Ziemlich schweigsam wurde das Abendbrot verzehrt, nach dem sich der Professor bald in sein Studirzimmer verfügte. Anfänglich spürte er keine rechte Lust zum Arbeiten, aber er zwang sich, seine Gedanken zusammenzuhalten und sich in den Inhalt der alten fchweinsledernen Folianten zu versenken, die in stattlicher Höhe auf seinem Schreibtisch thronten. Und als seine Frau ihm gegen 11 Uhr leise hereinschlüpfend mit einem flüchtigen Kusse gute Nacht wünschte, war er so in die alte Hansa vertieft, daß er nur gedankenlos erwiderte und ihm das Schließen der Thür und das leichte Knacken der Stufen, als Maxi die Treppe hinunterstieg, gar nicht mehr zum klaren Bewußtsem kamen. Die tiefe ihn dann umgebende Stille und das Gefühl, seiner Zeit sei beute keine Grenze gesteckt, förderten ihn in seiner Thätigkeit aufs beste. Tik tak ging die Wanduhr, tik tak aber er hörte sie nicht und hatte auch auf den Lauf ihrer Zeiger -keine Acht. Doch plötzlich fuhr er auf. stützte die Hand gegen die Lehne seines Armsessels und wandte den Kopf mit kurzem Ruck nach der Thür, die zum Wohnzimmer nebenan führte. Deutlich hatte er ein Geräusch vernommen, wie wenn jemand gegen einen Stuhl stieße. Es war unverkennbar gewesen, undenkbar, daß er sich getäuscht habe. Einbrecher Diebe. Niemand hatte doch im Wohnzimmer noch etwas zu suchen, um zehn Uhr gingen die Mädchen zu Bett, Stunden mußten auch seit Maxi's Gutenachtwunsch verstrichen fein ja gleich zwei Uhr und jetzt war alles wieder todtenstill. Aber ihm ward es nun auch, als wenn er schon vorher ein paarmal Geräusch gehört habe, wie -einen schleichenden Schritt, ein kurzes Knacken. Er hatte nicht weiter darauf geachtet, denn er war nicht furchtsam und die Arbeit hatte ihn sofort wieder völlig gefangen genommen. Doch eben das Geräusch war zu deutlich gewesen, da mußte er nachseben. Er erhob sich, zündete das Licht im Leuchter der Schreibtischgarnitur an und nahm zur Sicherheit ein altes BootsmannsbeU vr Wand, das
dort mit anderen mittelalterlichen Waffen zu einer Gruppe zusammengestellt war. Er ging an die Thür zum Wohnzimmer und stieß sie auf. .Ist jemand da?" Kein Laut, tiefste Stille. Er leuchtete hinein, aber nichts bemerkte er, soweit das gelblich flackernde Licht der Kerze drang. Behutsam trat er ein und leuchtete spähend umher. Und plötzlich stutzte er und er schrak zusammen, fester umspannte seine umspannte seine Faust den Griff des Beiles. In einem der großen Fauteuils lag etwas, das nicht dahin gehörte weiß, zusammengedrückt ein Mensch aber wie was Entschlossen ging er darauf zu und Maxi" rief er mit einem Male im höchsten Erstaunen. Aber teme Antwort erfolgte, der Körper regte stch nicht. Und er konnte sich nicht täufchen, das war Maxi in ihrem lanqen weißen Nachthemde, unter dem die nackten Füßchen hervorsahen. Ein weißes Chenilletuch hatte ste um die Schultern geschlagen, die aufgelösten Haare waren zum Theil daruntergerafft. Sie hatte das Gesicht in die Polsterlehne gedrückt. Was sollte das? Verschiedene Gedanken kreuzten blitzschnell sein Hirn. Maxi." rief er noch einmal, weicher. Abc? keine Antwort erfolgte, der Kopf preßte sich nur fester in die Lehne ein. Unbegreiflich. Er stellte den Leuchter auf den Tisch und ließ das Beil auf den Teppich gleiten, während er zu ihr trat. Leicht berührte er ihre Schulter. Maxi was soll das, was willst du? Maxi, was hast du du bist doch nicht krank? du zitterst ja hast du Fieber? Aber es ist ja so kalt und so bist du heraufgekommen in bloßen Füßen sprich doch" Doch sie antwortete mit keinem Laute, sie entzog ihm sogar mit einem nachhaltigen, widerstrebendenDrängen die Schulter und versteckte das Gesicht, so tief sie nur konnte, in den Stuhl. In ihm stieg der Aerger auf. Was sollte die Komödie? Was steckte nun wieder dahinter?
Vor allen Dingen komm' mal in's warme Zimmer, Kino hier mußt du dich ja auf den Tod erkälten." Er umfaßte sie sanft und richtete die sich nur noch leicht Sträubende auf. Tief hielt sie die Lider gesenkt. Thränenspuren waren auf ihren Wangen sichtbar, sie bebte vor Frost, und gebrochen. wie ein zum Schaffst geführter Delinquent folgte sie ihrem Manne, dessen Hand auf ihrer Schulter lag, in's Studirzimmer. . Um Himmelswillen, Kind, diese Unvernunft! Da leg dich gleich auf das Sopha, nimm die Decke über oder nein, besser, du gehst gleich in mein Bett, damit du dich erst wieder gründlich durchwärmst du schlägst ja nur so oder soll ich dich in die Decke packen und wieder in dein Zimmer " Nein, nein stieß sie da heftig hervor, angstvoll e. waren die ersten Laute, die sie von sich gab Und nun ließ sie sich willig in's Zimmer nebenan führen und rasch kroch sie in die wärmenden Kissen, sich sofort ernhüllend, daß kaum noch dasNasenspitzchen sichtbar blieb. Schnell ließ nun das Zittern nach und es dauerte auch nicht lange, da streckte ste die Hand unter der Decke heraus. Tu bist mir doch nicht böse, Albrecht?" Böse, Maxi nein aber ich verstehe nicht und solche Unvernunft bei der Kälte " Albrecht, ich" sie unterbrach ihn ich bin ja geflohen aus meinem Bett in Todesangst, es raschelte und knackte überall, als ich das Licht ausgeblasen hatte, und ich horte sauet chende Schritte und ein Knicken am Thürgriff und plötzlich war mir's, als taste eine Hand über meine Bettdecke, und da schrie ich und sprang auf und rannte wie wahnsinnig hinaus, und als ich oben war vor dem Wohnzimmer, da erst ward mir die Brust wieder leicht, da.hatte ich keine Anan mehr ich wußte dich ja so nahe dabei, ich brauchte nur zu schreien, wenn ein Morder kam, und du wurdest da sein und da Und wie lange bist du schon nebenan gewesen?" fragte der Professor, ein Lächeln unterdruckend. Ich war kaum eine halbe Stunde unten allein, Albrecht Also über zwei Stunden." Ja ich hörte deine Uhr halb schlagen und dann zwölf und immer wieder. Das ist unverantwortlich geradezu den Tod kannst du dir geholt haben in der Kälte Maxi, Maxi, wie konntest du das nur thun! Du mußtest doch sofort zu mir kommen. Ich schämte mich so furchtbar, weil ich so bange gewesen war Und deshalb opferst du deine Gesundheit? Und du hättest diesen Leichtsinn gewiß noch fortgesetzt, wenn ich nicht zufallig ein Geräusch geHort hätte." Ich wollte oben bleiben, bis es hell würde, und mich dann wieder hmunterschleichen. Ich sah durch den Spalt in der Thür, daß du noch Licht hattest. Wenn du zu Bett gegangen wärest. wäre uö in's 5ttt" nrner aekom-
men va war es doch nocy warmer
und auch die Reisedecke liegt ja immer da" Mari, liebe Mari, siehst du nun, wohin es führt doch nein, das ist ja jetzt Nebensache wie fühlst du dich denn?" O ganz warm nur die Fuße sind noch kalt." . Gieb sie her, ich will sie dir warm reiben, und dann koche ich dir geschwind noch' einen Thee und dann kannst du was hast du Maxi, warum versteckst du den Kopf?" Ich kann mcht wieder hinunter. Abrecht ich fürchte mich so allein." Ja so. Tann werde ich unten schlafen aber ein. das wäre ja dasselbe, nur umgekehrt. Also dann bleibst du in meinem Bett und ich mache es mir auf dem Sopha oeauem, und morgen" Ja, Abrech!, morgen räume ich wieder um. mag es auch ganz altväterisch sein." Das meinte ich eben Nicht, sondern. daß du morgen, so Gott will, ganz gefund bist, meine Maxi" er rieb noch immer ibre weiften München. Als die kleine Frau dann ihren Thee! getrunken und der Professor sich auf dem Sopha im Studirzimmer gebettet hatte, nahm ein sanfter Schlummer beide bald in feine Arme. Es war schon hell, als Frau Max!, die mannigfache Gedanken bereits im ersten Dämmern geweckt hatten, ihren Gatten sich im Nebenzimmer regen hörte. ' Guten Morgen," rief sie hinüber und dann: Albrecht, komm' geschwind einmal her." Und als er an ihrem Bette stand, nahm sie mit beiden Armen seinen Kopf herunter, küßte ihn auf den Mund und flüsterte ihm in's Ohr: Das garstige Wort, modern", maa ich aar nicht mehr leiden du hast es eben von mir zum letzten Mal gehört." Eine blutige Sceneauf einer Polizeiwache spielte sich unlängst in Antwerpen ab. Zwei' Einbrecher waren in die Villa eines Herrn Janssens in der Rue Saint-Jean eingedrungen und hatten die Frau, während der Ehemann abwesend war, unter Vorhaltung eines geladenen Revolvers gezwungen, alle Schmuösachen und das baare Geld auszuliefern. Einer der Attentäter konnte festgenommen werden, und bei seiner Vernehmung auf der Polizeiwache war auch der bestohlene Janssens anwesend. Als der Verhaftete aussagte, daß er und sein Complice den Einbruch auf Betreiben des Besiohlenen selbst unternommen, stürzte der so schwer Beschuldigte mit einem Messer auf seinen Ankläger los und brachte ihm am Hals und an der Brust so schwere Verletzungen bei, daß er nach wenigen Stunden seinen Geist aufgab. Janssens, der von dem Getödteten zu unrecht bezichtigt und deshalb so in Wuth gerathen war, wurde in Haft behalten. In dem Hospital von Aubervillers in Frankreich ereignete sich in diesen Tagen das vielleicht noch nie Dagewesene, daß der Direktor der Anstalt das Gebäude in Brand steckte und zwar in Gegenwart des Polizeipräfektcn und der Feuerwehr. Man hatte nämlich beschlossen, das alte, baufällige, winkelige Gebäude, das während einer Choleraepidemie errichtet worden war und das man dann später aus Bequemlichkeit hatte stehen lassen, zu zerstören und um jede Weiterverbreitung der ansteckenden Krankheiten, die sich darin eingenistet hatten, zu vermeiden, entschloß man sich, es von den Flammen verzehren zulassen. Die Bewohner des Viertels sind wie von einer schweren Last befreit, nun das Hospital vom Erdboden verschwunden ist und sich an seiner Stelle ein neues, luftiges Gebäude erheben soll. Der alte Bau trug durch seine winkelige Bauart und durch den Schmutz, 'der sich im Laufe der Jahrzehnte dort angesammelt hatte, im Viertel nur zur Verbreitung von allerlei Krankheiten bei. Zur Rettung einer in Lebensgefahr gerathenen Schwalbe wurde kürzlich in Berlin die Feuerwehr nach, dem Hause Kl. Markrsstr. 21 gerufen. Dort hatte sich oben unter dem Dach an der Gossenanlage ein solches .Thierchen mit einem Fuße verfangen und alle seine Bemühungen, sich wieder zu befreien, waren vergeblich. Als die Schwalbe in ihrer verzweifelten Lage bemerkt worden war, sammelte sich vor dem Hause bald ein zahlreiches Publikum, das voll Mitleid und Neugierde den verzweifelten Anstrengungen des ängstlich schreienden und wild flatternden Vogels zuschaute. Es fehlte auch nicht an Versuchen, das Thierchen zu retten, aber vom Dache aus war es nicht zu erreichen und herbeigeführte Leitern erwiesen sich als unzureichend. Da erinnerte man sich der Feuerwehr, der wackeren Helferin in mancherlei Nothlagen. Sie kam mit einer mechanischen Leiter herbei. Höher und höher wurde diese emporgeschraubt. Jetzt stand sie mit dem Dachfirst und der Stelle gleich, an der die Schwalbe saß. Em Wehrmann kletterte empor und mit schneller Hand befreite er das Thierchen aus seiner Falle, während das Publikum in fröhliche Hurrahrufe ausbrach. Ein Süßholzraspler. Fräulein Bertha, Sie werden jeden Tag jünger und schöner!" O, . Sie übertreiben!" Nun, gewiß aber jeden zweiten. Tag!"
Feuer Signale
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Washington SU 1 No. 10 Svritzenbau Jllinoi u Mernll il Jllinoiz u Louisiana 5 We und South ii West und McCarty 6 Senate Tve u Henry 57 Meridian und gkay S!o. 4 Spritznchau Vadifon Av. WorriS öS Madiion Zlv.uDunlop No Haken Leiterbaut South nahe Delawari i Penn, u Merrill Telawa? u. McCartS M afi und VrSary U Ne Jersey u.KrM 7 Lirg. Av. u radshat, VS Gast und Prospekt e Bicking und High n No. ii EpritzcnhauS Lir Tve. nahe Huroa n Est und Seorgia 7S Tedar und Giro ii Davidson u Seorgia 75 English Av. u Pine 76 Chelby und Bäte 3 No. 8 Spritzenhaus Prospekt nahe Ehelby Fletchcr Av. u Chelly Jl Market u. ew Jersey H Delaware und Wash. Z3 Eaft u Washwgton il New York u. DavidsTaubswmmen Ansialt 15 55er. Staaten Arsenal 57 Orinital und Wash. 39 Frauen-Reformat, n No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe 5le?. ii -Kcricisirt a. 9corqia. Dmdian und South 4 Pennsyl) u. Louisiana 45 NirMi Ave u. Alad. ;k Haupt?uartier. 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