Indiana Tribüne, Volume 27, Number 306, Indianapolis, Marion County, 17 August 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, 17. August
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Von Zweien geliebt
8.
Nomsn von SUfxxi QaTscit
I
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(Fortsetzung.) Aber vorher der seltsame Austritt mit Charlotte was hatte der zu bedeuten gehabt? Wenn Tori sich daran zurückerinnerte, wie die Beiden sich gegenüber gestanden, so wollte es sich wie ein grauer, erstickender Nebel auf den kaum erschlossenen Blüthenreichthum ihrer Seele niedersenken. Ein Zittern und Beben überlief sie da wohl. Die Frage ließ sich nicht abweisen: Gab es geheime Beziehungen zwischen Walter und Charlotte? Allein Tori beeilte sich dann, den Kopf zu schütteln und sich damit zu trösten, daß wahrhaftig nicht der verklärende Schein einer stillen und großen Liebe auf Walters Gesicht gelegen, als er mit der ganzen Beredtsamkeit stummer, aber um so tiefer wirkender, zorniger Erbitterung die junge Frau aufgefordert hatte, das Zimmer zu verlassen. Aus welchem Grunde jedoch? Da war etwas Dunkles, Räthselhaftes, das Tori wider ihren Willen in banger Scheu immer wieder von Neuem umkreisen mußte. Aber sie schalt sich dann auch stets aus, und während ihr Antlitz wieder in die ganze, kindlich reine, glückselige Heiterkeit ihrer jungen, gläubigen Seele getaucht erschien, sagte sie sich die innigen Worte Walters vor, in denen so viel Verheißung für sie gelegen. Daran wollte sie festhalten, an dem Klaren, hoffnungsvoll Beseligendem, wollte sich nicht martern lassen von dunklen Bildern und Ahnungen. Plötzlich fuhr Tori tieferfchrocken aus ihrem schweifenden Sinnen und ErÜbeln auf. Großer Gott, sie hatten schon den Hain durchschritten, kaum zweihundert Schritte entfernt lagen dort die ersten Häuser des Städtchens. Hatte sie von diesem Heimgang durch den stillen Winternachmittag an Waliers Seite nicht etwas Großes, Unnennbares erwartet? Und nun noch wenige Schritte, dann reichte er ihrdie Hand zum Abschied, und nichts war geWesen, nichts Großes und unnennbar Schönes! Ihr Herz wollte still stehen, unwillkürlich stockte auch ihr Fuß, und sie schaute hilflos und verängstigt wie ein Kind zu Walter empor. Der war gleichfalls wie in tiefen
Träumereien dahin geschritten. Auch
m seiner Seele hatten verwandte Sai-
ten geklungen. Ein paar Mal wollten
sich Worte auf ferne Llppen drangen.
die dem schönen Mädchen gesagt hätten.
wre gut er ihr in diesen trüben, schmerzlichen Tagen geworden sei. Gut, ja. Aber war dies nicht ein zu ärmliches
Geschenk für die schlanken, lieben
Hände Toris? Sie konnte eine unend-
lich reichere Gabe beanspruchen. Und
hatte er die in seinem Besitz? Er wußte es nicht. Gerade in diesen Tagen, in denen so viel auf ihn eingestürmt war, Tiefschmerzliches und Tiefbeglückendes, war ein so rasch wechselndes Steigen
und Sinken der Empfindungen in seinem Innern, daß er zu keinem überzeugenden Ruhepunkte, von dem aus er mit klarem, sicheren Blick gesehen hätte.
gelangen konnte. Und vor allem bezog
sich augenblicklich alles Höchste und
alles Tiefste in seiner Seele auf seine
geliebte Kunst, zu deren Tempeln ihm nun die Pforten weit offen standen.
Dieser einen Gottm hatte er sich zuge lobt, ganz und voll.
Durste er noch ein anderes Gelöb-
niß aussprechen, da er ja doch zu dessen
Erfüllung nicht die besten Kräfte sei
nes Seins einzusetzen vermochte? Er wußte wohl, die schöne, sanfte Tori hätte in jeder Weise Geduld mit ihm
gehabt. Allein wenn er sich im Ernst mit dem Gedanken vertraut machen
wollte, ihr zu sägen, daß er sich ein glänzendes Gemach des stolzen Gebäu-
des, das er m die Zukunft hmem zu
bauen gedachte, nicht ohne ihre fuße Ge
genwart vorstellen könne, dann em-
Pfand er s plötzlich wie einen harten,
schmerzhaften Schlag auf fern Herz.
Charlotte stand vor ihm mit all
den Räthseln ihres seltsam schönen Gesichts, ihrer wundertiefen Augen! Also er hatte sein Herz noch nicht von ihr zu lösen vermocht, wie er manchmal seufzend gedacht, namentlich wenn Tori Hennigs stiller Zauber ihn umwob. Nein, die Fesseln waren noch nicht zerrissen! An dem Aufruhr, der in solchen Augenblicken durch seinen Blick jagte, emdfand er's. Da wäre es Frevel gewesen," eine Entscheidung zu treffen! Die Zukunft hätte sie gewiß zunichte gemacht und seine Hände und sein Gewissen mit einer neuen Schuld befleckt! Nein, nein, fort, fort! Hinstürmen und nied'erknieen in den Spuren seiner schwer errungenen Kunst! Die mochte ihn frei und stark machen! Wahrhaft frei und wahrhaft stark! . Dann erst war es Zeit, dem duftenden und leuchtenden Rosenregen der Liebe die Arme entgegenzubreiten! Als Walter jetzt in der Minute des Abschieds freilich ' Toris Augen mit solch flehendem und erschrocken beweglichem Ausdruck auf sich gerichtet fah, wollte wieder ein Schwanken, das Süfiigkeit und Bitterkeit zugleich war, eine Seele beschleichen. Er biß jedoch die Zähne zusammen und blieb stark. Gleichsam als suche er nach einem Schutzwall, heftete er seine eigenen Au-
gen dort auf das erste Haus unv rief
dann hastig, aber entschlossen:
Lassen .Sie uns hier auseinander
gehen, liebe Tori! Ich will Ihnen nicht
immer und immer wieder danken, od-
wohl ich Ihnen nie genug danken
konnte. Die besten, die allerbesten
Wünsche für Sie! Und nun wollen wir
uns ehrlich und treu die Hände schut-
teln und sagen: Auf Wiedersehen, aus
fröhliches Wiedersehen im Fruhnng!
Im Frühling." wiederholte Tori
leise, willenlos gemacht durch feine
rasche, entschlossene Art, wie unter einer bangen Verzauberung stehend.
Plötzlich war ihr das Gesicht deS
jungen Mannes ganz nahe. Er küßte
ihre Stirn. Dann wandte er sich
stumm wieder der einsamen Landstraße
zu.
Auch Tori Hennig ging davon vor
wärts, in das verschneite Städtchen
hinein.
Als sie zwischen den ersten Hausern
hinschritt, traten ihr heiße, große Thränen in die Augen. Sie zog den Schleier
herab. Aber noch hatte sie die Hand nicht wieder sinken lassen, da huschte
ein ganz, ganz leises Lächeln, mit dem
sie sich selbst Muth machen wollte, um den schmerzverzogenen Mund, und sie
sagte aufathmend zwei-, dreimal vor
sich, hin:
Im Frühling!Und der süße Trost, der in dem ein-
zig holden Wort liegt, kam warm und
belebend über sie.
Drei Tage spater war s. Auch am Nachmittag. Und wieder kam Tori
Hennig diesmal freilich allein aus dem stillen Haus an der einsamen
Landstraße, von emem Plauderstundchen mit dem alten Lehrer, und schritt dem Städtchen zu. Die Wangen des schönen Mädchens waren lebhaft geröthet. In ihren Augen lag ein tiefer, inniger Glanz. . Es war in der traulichen Stube des alten Mannes so viel von Walter die Rede gewesen, von der bedeutsamen Wendung in seinem Lebensgang, von seinen Plänen und Aussichten, von seinem Besuch des Elternhauses im kommenden Frühling! , Auf Wiederfehen im Frühling!" Wie eine leise, unendlich süße Melodie tönten und klangen die wenigen
Worte unablässig in Toris Seele
wider. Sie waren starker als der Win-
ter, der ihren verheißungsvollen Wohllaut nicht mit seinen grimmigsten
Athemstoßen fortzumeben vermochte.
Auch Zetzt truaen und Y " mim sie
das langsam dahinschreiten'ce Mädchcn
gleichsam, so daß sie es nicht einmal für nöthig hielt, ihre Handschuhe an-
zuziehen und die Knöpfe ihrer pelzver-
bramten Jacke zu schließen.
Ist denn bei Dir schon Frühling." tönte da eine wohlbekannte spöttische
Stimme an ihr Ohr, dan Du so sorg
los gekleidet auf der verschneiten Land-
straße herumläufst.
An einer jähen Biegung, die der Weg inmitten des kleinen Hains machte, war
Charlotte der jungen Schwägerin ent gegen getreten.
Sie ließ dem Winter jedenfalls ganz
und voll sein Recht. Sie war vom Kopf bis zu den Füßen dicht eingemummt in
schutzende und warmende Hüllen. Ter Schleier, den sie vorgebunden hatte,
war so engmaschig, daß man auch nicht einen Zug ihres Gesichts darunter zu
unterscheiden vermochte.
Was hast Du da vom Frühling gesagt?" fragte die aus ihren köstlichen Träumereien aufgesiörie Tori betrof-
fen. Sie mochte fühlen, daß Charlotte
sie bei diesen unsicheren Worten forfchend ansah, und instinktiv suchte sie
das Gespräch abzulenken von ihrem süßen Frühlingsgeheimniß. Ja," stieß sie hastig hervor, Du hast Recht, es ist
kalt, und ich will"
Charlotte kam ihr zuvor. Mit ihren kleinen, schwarzbehandschuhten Händen
schloß sie rasch und geschickt die Knöpfe
an Toris Jacke.
Das sah so gemüthlich und fürsorg-
uch aus.
In der gleichen Weise schob sie dann ihren Arm in den des jungen Mädchens
und fragte:
Hast Du Zeit? Ja? Dann laß
uns hier m dem geschützten Harn em paar Mal auf- und abgehen und ein
wenig plaudern.
Wie Du willst."
Es entstand eine kurze, drückende Pause, dann warf Charlotte scheinbar
ganz ruhig hm:
Du kommst von einem Deiner Sa-
mantergange aus Bohmes Hause? D hat sich ja mancherlei Interessantes er
eignet, wie man in der Stadt wissen will. Der alte, verzwickte Onkel Peters, der zum Begräbniß da war, soll
vlöklick Vernunft angenommen und sick
ganz menschlich gezeigt yaoen. lir will an dem armen Walter nicht mehr als Kunstmörder handeln, sondern im Ge-
gentheil semen Goldregen dazu verwen
den. daß der Herr Neffe hübsch gemäch-
lich und sorglos dem so heißersehnten
Ziel seiner Träume von Ruhm und
Glück entgegenwandern kann. Er soll
sogar schon unterwegs sem. Ist dem
wirklich so?" Tori Henniq sagte sich, daß wahr
scheinlich die. Wirthschaften dies und
das von den Vorgangen m dem stillen
Haus ausgeplaudert hatte. Vielleich
war sie auch nur in die Falle neugierig
und geschickt gestellter Fragen gegangen
Da es sich übrigens nicht um Dinge
bandelte, die absolut Geheimmß bleiben
sollten, sah das junge Mädchen keine
Veranlassung, sich Charlottens Erkun
digungen gegenüber ablehnend zu ver-
halten.
Ihr Gesicht wurde warm und son-
mg,.als j:e in gehooenem Ton lagte:
Ja. Walter ist auf Itm Weg zum
Glück! ' Lange genug hat er den Zwang freudloser Verhältnisse, die ihn wie harte Fesseln drückten, ertragen müssen. Nun ist er nach München gegangen, ein
allererster Meister will ihn unter leine Schüler aufnehmen "
Sie hielt inne. weil sie suhlte, wie
Charlottens Finger krampfhaft ihren
Arm umspannten.
Fragend und mit emem erwachenden Gefühl jenes Unbehagens, von dem sie sich in Bezug auf Charlotte noch immer
nicht hatte freimacyen können, sah xt auf die junge Frau, die langsam ihre Hand sinken ließ. Es war, als ob sie in sich hineinfröstelte. ' Also er ist wirklich abgereist?" sagte sie langsam und ohne sich Mühe zu geben, ihrer Stimme den rauhen Beiklang
zu nehmen. Wie höflich, daß er nicht einmal seinen Freunden in der Stadt Adieu gesagt hat!"
Das darf man ihm nicht übel ney-
men," rief Tori eifrig. Denl' nur. wie plötzlich diese frohe Wendung seines Geschicks über ihn gekommen ist! Das hat ihn, wie in einen Wirbel von
glücklicher Erregung vorwärts gerissen! Vorläufig bleibt er in München, im Frühjahr geht er dann mit seinem Mei-
ster wahrscheinlich nach Italien.
Charlotte war bis letzt lassig dahm
geschlendert. Jetzt blieb sie mit einem
Ruck stehen. Das schwarzverzchleierte Gesicht befand sich dicht vor dem Toris. ..Und Dir." fragte die junge Frau
mit spöttischem Nachdruck in der Stimme, Dir-ist da nicht ein wenig weh und
bang um's Herzchen geworden? Italien ist ein Rattenfängerland zu feinen
Wundern gehören auch seme schonen Frauen hast Du nicht daran ge-
dacht?"
Tori Hennig richtete sich trotzig und kampfbereit auf. O, Charlotte sollte
heute nicht, wie früher schon einmal.
mit spitzdorniaen Worten in ihr Inne-
res eindringen, nur um die unbegreif-
liche Genugthuung zu haben, rothe
Blut rieseln zu sehen! Kalt versetzte
das junge Madchen:
Ich verstehe Dich Nicht! Von gan-
zem Herzen freut es mich, daß Walters
Glucksstern aufgegangen ist. Hast Du
eine andere Empfindung?
Die iunge Frau machte eine unge-
dr ldige Bewegung.
Wie sollte ich Mich Nicht freuen!
Schon als gute Lokalpatriotin muß ich das. Es wäre ganz hübsch, warn sich aus unserem armseligen Nest einmal ein Aar mit stolzem Flügelfchlag er-
hooe! Hab' ich Dir diese schonen Worte
aus der Seele gesprochen? Also gut.
dann sieh mich nicht mehr so finster an.
Und laß Dich bald einmal ber uns blicken. Tante Johanne hat schon öfters ihre Verwunderung darüber ge-
äußert, daß Du Dich so selten machst. Nun ja, ich weiß, Du hast Besseres zu
thun. Der alte Mann dort drüben in
dem stillen Haus ist so allein und es
plaudert sich so hübsch mit ihm von
dem genialen Sohn. Nein, nein,
mache nicht wieder zornige Augen! Auch ich glaube an sein Genie und wünsche sehr, daß es sich Bahn brechen möge. Und noch einen zweiten Wunsch füge ich dem ersten hinzu. Daß Dir Dein Name Wort halten möge. Viktoria haben sie Dich genannt. Heißt das nicht die Siegreiche? So geh' denn hin und
siege!"
Obwohl sie bis zuletzt in ihrer spöttisch lässigen Art gesprochen, hatte sich doch ihre Stimme fast drohend ver-
schärft. Nun lachte sie kurz und hart auf und kehrte der jungen Schwägerin, ;c c ä c e t
oyne iyr oie ano zum Avichieo zu reichen, mit einer brüsken Bewegung den Rücken. Rasch schritt sie in entgegen-
gehetzter Richtung von der Stadt vor-wärts.
Wohin gehst Du? Es wird Abend,"
rief ihr Tor: Henmg nach.
Laufen will ich. laufen." klana es
in schneidender Lustigkeit zu dem schönen Mädchen zurück. Laufen durch Dick und Dünn, über Stein und Dorn damit ich's kann, werni's das Leben
einmal von mir verlangt. GutenAbend,
mem Schatz! Wie eine kleine, schwarze Wolke, davongeweht vom Sturmathem, ver-
schwand ihre Gestalt zwischen den Bau men des Hains.
Fröstelnd und mit einem dumpfen Druck auf dem Herzen wandte sich Tori 1- I c 1 V
Mennig oem slaoicyen zu.
13. Kapitel. war in der zehnten Abendstunde, da erst kehrte Charlotte von ihrem wilden Spaziergang
durch Dick und Dunn, über Stein und Dorn, zu Tode erschöpft in das Stadtgut zurück. Als die Hausthürglocke ertönte und die junge Frau über die hohe, ausgetretene Sandsteinschwelle in den matterleuchteten Flur wankte, riß Ferdinand Rebwaldt die Thür seines Arbeitszimmers auf und rief in sichtlicher Erleichterung lebhaft aus: Da bist Du ja, Gott sei Dank! Wir wußten gar nicht, was wir denken sollten: Tante Johanne sagte. Du seiest zu Deinem gewohnten Nachmittagsspaziergang fortgegangen. Allein die Theesiunde kam, und Du bliebst aus. Wir nahmen an. Du befändest Dich bei Hennigs. Aber zufällig sah ich den kleinen Ernst vorübergehen und hörte von ihm, daß Du nicht bei seiner Schwester seiest, sie wäre allein zu Hause. Wahrhaftig, wir konnten uns DeineAbwesenheit nicht erklären. Wußten wir doch, daß Du sonst eigentlich zu Niemand im Städtchen gehst, wenigstens nicht zu solch ungewohnter Abendstunde. Trotzdem, ist Tante Johanne
fortgelaufen, um bei einigen Bekannten
nach Dir zu fragen.
Er hatte wahrend des Sprechens die
junge Frau an sich vorüber in das hell-
erleuchtete, warmeZimmer treten lassen
Sie that von der Schwelle aus kaum
noch zwei Schritte vorwärts, dann sank
ihr der Mantel, den sie nur mühsam
und ganz mechanisch mit den zitternden Händen gehalten, in schwerfaltigem Aufschlagen von den Schultern auf die
Dielen herab. Sie tastete nach dem nächsten Stuhl und ließ sich darauf nie-
verfallen. Das Haupt sank ihr an die Wand zurück, so daß sich das Pelzbarett, von dem der Schleier verloren ge-
gangen war. nach der linken Seite hm verschob und einzelne wirre Strähnen
des reichen aschblonden Haars in das
Gesicht mit dem fahlen Aiqeunertelnr
hereinfielen. Die wundervollen Augen hielt sie geschlossen. Hinter den halbge-
öffneten, fast weißen Lippen schlugen
die Zähne leise zusanimcn.
Ferdinand Rebwaldt erkannte erst in
diesem Augenblick, in welchem Zustand
tiefer, beängstigender Erschöpfung sich fein Kind befand. Erschrocken sichrer zurück, um dann abr sofort dicht an die Hingesunken? heranzutreten, nach einer ihre? kalten Hände zu fassen und bestürzt zu sragen: Charlotte um Gottes willen was ist geschehen?" Hast Du nicht einen Schluck Wein da?" kam es tonlos von den Lippen der jungen Frau. Er eilte zu einem Wandschränkchen, nahm eine Flasche heraus und füllte von dem ruöinroth auffunkelnden Inhalt in ein Glas, mit dem er zu der Erschöpften zurückkehrte. Sie hatte sich inzwischen nicht gerührt, aber mit den Augen war sie der noch immer aristokratisch schlanken, wohlerhaltenen Gestalt des Vaters gefolgt. Und unwillkürlich mußte sie an einen Tag denken, da sie auch mit dem Vater allein in seinem Arbeitszimmer geweilt. Als ein ruinirter Mann, verstört nach Hilfe .ausspähend, hatte damals vor ihr gestanden.
Sie hatte Selbstüberwindung genug
besessen, ihm zu helfen. Freilich war
es seit jener Zeit, daß sie immer einen bitteren Geschmack auf der Zunge zu spüren vermeinte, daß sie ein Frösteln
im Korper und namentlich die kalten Hände nicht los werden konnte.
An ihren verstorbenen Gatten durfte sie schon gar' nicht denken da legten
sich böse Falten um ihren Mund, und
die Lippen krümmten sich m bitterer
Welt- und Selbstverachtung!
Allerdings war ja das Opfer nicht umsonst gebracht worden. Ueber dem
Stadtgut stand die Sonne wieder in
hellem, warmem Glanz, Und Ferdi
nand Rebwaldt-selbst hatte sich in jeder Weise der Aufopferung seiner Tochter
würdig gezeigt. Der befreiende Um
schwung der Verhältnisse fand einen
tadellosenVerwalter auf seinem Posten. Die noblen Kavalierpassionen von ehemals waren lächelnd abgethan, eine
frische, fröhliche Arbeitskraft, der da
Alter wenig anzuhaben ' vermochte, durchleuchtete belebend das schöne An-
Wesen.
Daran mußte Charlotte denken, wie
der Vater so mit jugendlich elastischen
Bewegungen nach dem Schrankchen
eilte und ihr mit der schönen, kräftigen Hand, an deren kleinem Finger sich kreuzendes Brillantgefunkel sprühte.
em Glas Wem einschenkte.
Ihm war geholfen, er stand für den Rest seines Lebens auf ruhiger, gesicher-
ter Hohe. Wie aber war es um sie bestellt?
Heute war sie in diesem Raum die
vom Schicksal Gedemüthigte, heute
hatte sie die gerungenen Hände hüfefle hend emporheben mögen.
Allein der Vater konnte ihr wohl ein
Glas Wem reichen, damit sich in ihrem
erstarrten Körper die Lebensgeister wieder regten ein Elixir jedoch, um der
nagenden, jammervollen Noth ihres Herzens Einhalt zu thu?l, besaß er
nicht.
Sie kam deshalb auch, nachdem sie das Glas mit dem feurigen Wein nahe-
zu auf einen Zug geleert, feinen weite-
ren Fragen zuvor und warf, sich schein-
bar behaglich im Stuhl streckend, mit
kurzem, dankenden Kopfnicken hm:
So. Nun geht's wieder. Was mit mir geschehen, willst Du wissen?
Gar nichts. Ich bin nur wie eine Tolle
draußen vor der Stadt fünf oder sechs
Stunden im Schnee umhergelaufen.
Naturlich mochtest Du nun weiter wis
fen, warum ich mich so toll geöerdet? Ja, mein verehrter Papa, das sind
Dinge Dinge Dinge "
Beinahe trällernd hatte sie die lekten
Worte aesvrochen. Dabei war sie auf
gestanden und irrte nun mit ungleichen
Schritten durch das Zimmer.
Der Vater erwiderte nicht gleich et-
was. Aber er fah mit tiefem Mitleid ihren Wanderungen zu. Endlich stellte
er sich ihr zögernd m den' Weg Ano
fraate in weichem Ton:
Was für Dinge, Charlotte? Darf Dein alter Vater nicht darum wissen? Vielleicht kann er einen guten Rath
geben " (Fortsetzung folgt.) Sallgesprarlx.
Fräulein, haben Sie einmal etwas
frisch gewagt und dann yalo gewonnen?" ' &djlcdjtc Sekandlung. Nu, Salo, wie is der's bei der Mu sierung gegange? Was hat der Her'
Offizier gesagt?" Nach der Religion
hat er mer gefragt, der Antisemit!"
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