Indiana Tribüne, Volume 27, Number 306, Indianapolis, Marion County, 17 August 1904 — Page 5

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All' meine Herzgedanken..." --. Novellette von Laura Nincent. Qx sagt, gnädiges Fräulein möchten verzeihen, aber er hätte selbst diese Woche noch größere Zahlungen, und es wäre ihm daher sehr angenehm, wenn er noch heute oder morgen den Üeinen Nest haben könnte." Und bis dahin will er uns nichts mehr geben. Nicht wahr, Frau Kuliöe, so ist es doch gemeint?" Ja, gnädiges Fräulein, er sagt, er werde es sich zur Ehre rechnen, der Frau Landrath weiter zu liefern, sobald die 45 Mark beglichen seien, aber vorher gnädiges Fräulein würden begreifen " Ja, ich begreife, der Mann soll sein Geld haben. Ich danke Ihnen, Frau Kulicke." Das blasse, ' vornehm aussehende junge Mädchen hat die letzten Worte mit fester Stimme gesprochen, nun blickt , sie hinaus auf den Hof, die einzige Aussicht, die sie von dem Berliner Zimmer des Gartenhauses hat. Tief in Gedanken versunken steht sie so ein paar Augenblicke, da schreckt ein Räuspern sie aus ihrem Sinnen auf. Es ist Frau Kulicke, deren Anwesenheit sie ganz vergessen, die aber immer noch an der Thür steht, die Klinke in der Hand. Als die junge Dame sich zu ihr herumdreht, räuspert sie sich noch einmal verlegen, blickt wie hülfesuchend zur Decke und beginnt dann zögernd: Gnädiges Fräulein werden es mir nicht übel nehmen, aber Kulicke meint, das heißt, er sagte, wenn gnädiges Fräulein es möglich machen könnten dann wäre es ihm auch lieb, wenn wenn er Geld wir müssen doch auch Miethe bezahlen und da sieht noch der vorige Monat, und Kulicke verdient auch im Winter nicht so viel, und da wollten wir bitten " Ada von Osten hat mit fest verschlungenen Händen zugehört, ohne die Frau, der ihre Rede offenbar schwer siel, auch nur mit einem Worte zu unterbrechen, jetzt sagt sie in gedämpf-' tem Ton, als ob sie fürchtete, von Je mand gehört zu werden: Es thut mir furchtbar leid, Frau Kulicke, aber Sie wissen ja, wie krank Mama ist, und der Doktor sagt, wenn sie nicht gute, feine Kost bekommt, so muß sie sterben, und ich " Sie kann nicht weiter sprechen, Thränen erstickten ihre Stimme. Beruhigen Sie sich, gnädiges Fräulein," beschwichtigte die gutmüthige Frau, ich werde dem Kaufmann zureden, daß er noch bis Ende der Woche wartet, und Kulicke wird sich auch noch gedulden. Vielleicht können gnädiges Fräulein bis dahin Rath schafsen. Die Verwandten " Ja, Frau Kulicke, sagen Sie ihm bis Sonnabend. Natürlich will er sein Geld, und Sie auch und ich. ich hoffe, daß ich es bis dahin möglich machen kann." Frau Kulicke läßt jetzt die Thürklinke los und verschwindet lautlos. Ada aber läßt sich auf das Sopha sinken und verfällt in ein unterdrücktes Schluchzen. Es ist in den letzten Monaten zu viel auf sie eingestürmt. Nicht weinen, Ada," tönt da plötzlich eine helle Kinderstimme, das hilft ja nichts. Was ist denn wieder los? Mutti schlimmer?" Ada schüttelt den Kopf. Also Geld!" erklärt die kleine Weisheit. Was anders kann's ja nicht sein." Sie ist ungefähr elf Iahre alt, aber es ist wenig Kindliches in dem altklugen Gesichtchen; offenbar weiß sie schon viel mehr von denSchatienseiten des Lebens, als sie ihrem Alitx nach wissen sollte. Fleischer?" fragt sie, während sie auf die Sophalehne hinaufwippt. Ada schüttelt wieder den Kopf. Kaufmann also. Wieviel?" 45 Mark," entgegnete Ada paihetisch, und ein scharfer Pfiff entschlüpft der Kleinen. O Liddy! Nicht pfeifen! Du wirst Mama wecken! Und außerdem ist es so unfein!" Ach Unsinn! Ich kann viel besser pfeifen als Hans Kulicke, und der ist schon vierzehn. Weißt Du, ich habe gelesen, daß neulich im Wintergarten eine Dame aufgetreten ist, die pfiff zu Klavierbegleitung. Ich glaube, das brächte ich auch fertig, und dann würde ich einen Haufen Geld verdie--nen! Wir könnten dann zusammen auftreten, Du singst und ich pfeife. Fein! Nicht?" Sehr fein, wenn Dein Pfeifen ebenso erfolgreich' ist wie mein Gesang. O Gott, Liddy, das ist das Schlimmste von allem, daß die arme Mama so viel Geld an meine Ausbildung gewendet hat, und alles umsonst 1 Ach, wo denn? Nur Muth! Du singst wunderschön. Frau Kulicke sagt's auch. Uebrigens, ich habe ganz vergessen, Dir zu sagen, ihr Onkel, der neulich da war, hat Dich singen hören und hat gesagt. Du sängest besser als seine Cousine, und die ist Choristin im Apollo - Theater. Du wärst was ganz Feines, hat er gesagt, und der muß es doch wissen, denn er spielt Harmonika, prachtvoll, sag' ich Dir!" Ada muß unwillkürlich lächeln. Dann muß er wohl ein .Kenner sein," meinte sie. t Er versteht es gewiß besser als all' die Leute, die an jenem schrecklichen Abend in der Philharmonie waren, und besser als Herr Wolff und meine Lehrerin. Da kann ich ja noch Hofsen." .

Das kannst Du auch entgegnete

Liddy unbeirrt. An jenem Abend hattest Du eben Angst; Deine Noten wackelten ordentlich hin und her." Das lst's gerade," erwiderte Ada niederaeschlaqen. Und ich fühle, daß ich das nicht überwinden kann, nie niemals! In einer kleinen Gesellschaft kann ich singen, aber wenn ich die vielen Lichter sehe und die unzahligen Augen, die sich alle auf mich richten, dann bleibt mir die Stimme im Halse stecken und ich kriege keinen Ton heraus." Du mußt Dich eben' zwingen, dann geht's," erklärt Liddy kurz und bündig. Aber sag' mal, wie viel Geld hast Du denn eigentlich noch? Vier Mark fünfundsiebzig. Und davon soll ich Sonnabend 45 Mark dem Kaufmann bezahlen und die Miethe für den vorigen Monat mit 40. Gott, was fang' ich nur an?" .Wann kommt denn Muttis Pension?" fragt Liddy. Sie ist viel praktischer als Ada und hat mehr Versiändniß für Geldsachen, als der älteren Schwester lieb ist. Am ersten, Kind, und kein Pfennig davon gehört mehr mir. OLiddy!" Wein' doch nicht," sagt diese ungeduldiz. Ich kann das nicht ausstehen, es ist, so kindisch. Hast Du denn gar keine Broschen und Ringe mehr zu verkaufen? Nichts," sagt Ada .trostlos. Sogar sogar Erwins Ring ist fort," und wieder kommen ihr die Thränen, wie tapser sie diese auch zu unterdrücken sucht. Ich hab's bemerkt. Und an Mutters Sachen dürfen wir nicht rühren. Bezahlt muß der Mensch aber werden, sonst giebt s keine Butter und keine Eier mehr für Mutti und keine Conserven und " Das darf eben Nicht sein, ruft Ada aufspringend, wir müssen zahlen, aber wie? wie? Ach, Liddy, Du bist soviel gescheidter als ich; sage mir doch, was soll'ich thun?" Die Kleine denkt nach. Sag' mal. Ada," beginnt sie nach einer Weile, warum kommt eigentlich Erwin nie mehr zu uns?" Ein tiefschmerzlicher Zug geht über Ada's Gesicht. . Frag' mich das Nicht, Liddy. Ich kann Dir's nicht erklären, Du würdest es nicht verstehen." Ach, ich weiß wohl, er will Dich nicht mehr, weil wir arm sind, seit Papa todt ist!" Sag das mcht, Liddy, es ist nicht wahr! Erwin würde mich heute heirathen, aber ich will nicht." Das verstehe, wer kann, meint Liddy. Sie könnte heute eine reiche Frau werden und will nicht!" Ada seufzt. Die kleine Schwester hat keine Ahnung, wie schwer ihr der Absagebrief an den Bräutigam geworden. Sie wollte erst etwas werden, hatte sie ihm gesagt, 'als es sich nach des Vaters plötzlichem Tode herausgestellt, daß lein Vermögen da war. Mit dem, was aus dem Schiffbruch gereitet worden, war sie mit der Mutter und der kleinen Schwester nach Berlin gezogen, bei einer berühmten Lehrerin war ihr Sopran ausgebildet worden, alles hatte zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, da kam das schreckliche Fiasko bei ihrem ersten Concert, dann die Krankheit der Mutter, die Schulden und jetzt wer weiß, ob sie nachste Woche dies letzte armselige Heim in der möblirten Wohnung noch ihr eigen nennt. Liddy, was soll ich thun?" fragte sie wieder. In diesem Augenblick hört man vom Hof her eine schrille, abgesungene Frauenstimmen Schlösser, die im Monde liegen. Du mein holder Scha a tz," tönt es zu den beiden Mädchen herauf. Liddy eilt an's Fenster und beugt sich hinaus. 's ist scheußlich," ruft sie dann.. Alles gibt ihr Geld, und sie hat doch gar keine Stimme und ist alt und häßlich. Und Du bist jung und schön und singst wie ein Engel und kannst nichts verdienen, arme Ada. Scheußlich ist's." Ja," sagt Ada mit bebenden Lippen, mein Leben ist eben verpfuscht." Liddy schlingt ihre Arme um die Schwester. Plötzlich aber reißt sie sich wieder los. Ada, ich hab's, ich hab's," jubelt sie. Komm, bück' Dich zu mir herunter, ich werde es Dir ganz, ganz leise sagen." Und sie flüstert ihr etwas in's Ohr, das Ada entsetzt auffahren läßt. Nein, nein, nein! Das kann ich nicht, Liddy!" Warum denn nicht? . Du singst herrlich, jeder wird Dich gern hören. Und Du brauchst Dich auch nicht zu genieren, wir können ja immer erst gehen, wenn's dunkel wird. Wir fahren dann im OmnibuS nach einer Stadtgegend, wo uns Niemand ' kennt. Du singst, und ich sammle das Geld ein. Und manchmal, wenn Du müde wirst, darf ich auch pfeifen, nicht?" Ich kann nicht, Liddy! Für Geld auf der Straße singen. O Gott, ich kann es nicht. Lieber sterben!" Na, denn nicht!" sagte Liddy voll Trotz. Ich könnte übrigens für Mutti mehr thun, als ein paar Lieder auf den Höfen singen!" Und in tiefer Entrüstung eilt sie hinaus, um . wenige Minuten später mit Hans Kulicke auf dem Hofe mit solchem Eiser Schlagball zu spielen, 'als ob eö weder kranke Mütter, noch

unbezahlte' Rechnungen, noch Concertoder Ttraßensängerinnen auf der Welt gäbe. Ada ist unterdessen nachdenklich auf dem Sopha sitzen geblieben, bis ein schwacher Ruf aus dem Nebenzimmer sie aus ihren Gedanken aufschreckt. Ada!" Sie wirft einen raschen Blick in den Spiegel, streicht über das etwas in Unordnung gerathene Haar und sucht durch Betupfen mit dem Taschentuch die Thränenspuren zu vertilgen. Unterdessen wird das Rufen ungeduldig wiederholt, und das junge Mädchen eilt hinein. In dem Zimmer, das sie betritt, herrscht eine ganz andere Atmosphäre, als in dem, das sie soeben verlassen. Dort das. kahle, öde Aussehen eines möblirten Zimmers, hierWärme, Blumenduft und eine Menge Kleinigkei ten, die demAuge angenehm sind; denn hierher hat Ada alles gebracht, was noch aus früheren besseren Zeiten gerettet worden. Auf einem kleinen Tisch am Bett stehen zwei Photographien in hübschen Rahmen. Die eine stellt Ada mit runden Wangen in einem duftigen Sommerkostüm dar, die andere einen ritterlich aussehenden

älteren Herrn, ihren verstorbenen Vater. ' Die alte Dame im Bett muß einst eine Schönheit gewesen sein; man sieht es noch, wenn auch Krankheit und Herzeleid nicht viel davon übrig, gelassen haben. Nun, meine kleine Haushälterin sagt sie in liebevollem Ton, was giebt es zum Abendessen?" Ada machte verschiedene Vorschläge, aber der kapriciöse Appetit der Kranken verwirft sie alle. Schließlich setzt das junge Mädchen den Hut auf und begiebt sich auf die Wanderung, um zu sehen, ob sie irgend etwas auftreiben kann, das die Mutter zum Essen veranlassen könnte. Wie sie zurückkommt, hat sie nur noch zwei Mark in der Börse, aber die Mutter ist zufrieden mit dem, was sie gebracht; sie ißt so gut wie lange nicht, und nachdem Ada sie für die Nacht zurechtgemacht und einen herzlichen Kuß und Dank erhalten, wird Liddy hereingerufen, um auch gute Nacht zu sagen. Im anderen Zimmer nehmen die beiden Mädchen ihr frugales Abendbrot ein. Dann schlingt Ada den Arm um die kleine Schwester und sagt zärtlich: Sei mir nicht mehr böse, Liddy, ich habe mich entschlossen, ich will alles thun, alles, verstehst Du, damit die schrecklichen Rechnungen bezahlt werden, ich thue es ja für die Mutter." Liddy umarmt sie leidenschaftlich, ohne ein Wort zu sprechen, und dann gehen beide zu Bett, wo Liddy sofort einschläft, während Ada noch lange, lange wachliegt. Als am nächsten Tage die frühe Winterdämmerung hereingebrochen, machen die Schwestern sich auf den Weg. . Ada hat einen Shawl umgenommen, Liddy trägt einen alten Regenmantel, und beide haben Tücher um den Kopf. Wie Liddy vorgeschlagen, bringt der Omnibus sie in ein entferntes Viertel; hier treten sie in den Hof eines großen Hauses, und Ada beginnt zu singen, erst schüchtern und bebend, aber hier sind ja keine Lichter und keine tausend Augen, und bald wird ihre Stimme fester und klarer. Hell schallt das einfache Volkslied zu den Fenstern empor. Eins nach dem anderen öffnet, sich, Geldstücke fliegen herunter, von der triumphirenden Liddy aufgelesen. Ada aber hat alles um sich vergessen, sie singt und singt, ein Lieblingslied des verstorbenen Vaters nach dem anderen, bis endlich Liddy sie anstößt. Komm, hier, ist's jetzt genug. In einen anderen Hof!" Und so geht's von Grundstück zu Grundstück. Mancher wundert sich über die schöne, geschulte Stimme und giebt mehr als sonst, und Liddy's kleine Ledertasche wird immer schwerer. Sie sind jetzt ganz draußen im äußersten Westen, und da wagen sie es sogar einmal, auf einem kleinen freien Platz stehen zu bleiben. . Bald haben sich Vorübergehende um sie angesammelt, das hübsche, schlanke Mädchen, das kecke und doch wohlgezogene Kind erregen Aufsehen, und immer mehr Spenden fliegen Liddy zu. Freilich werden die beiden auch nicht von Belästigungen verschont; aber Ada ist nun, da sie den Anfang einmal gewagt, so in ihren Gesang vertieft, daß sie kaum etwas merkt, und Liddy, als echtes Großsiadtkind, versteht jedes Zunahetreten abzuwehren. Auch ein Schutzmann hat sich ihnen einmal genähert, aber ein Blick in das feine Gesichtchen Adas und die bittenden Kinderaugen ihrer kleinen Begleiterin hat den Mann des Gesetzes veranlaßt, vorüberzugehen, als ob er nichts gesehen und gehört. Und so kann Liddy ungehindert weiter einsammeln. Trotz ihres Eisers aber merkt sie jetzt, daß Ada müde wird. Sie führt sie daher durch ein paar Straßen bis zu einer Pferdebahnhaltestelle. Jetzt können wir uns sogar Pferdebahn leisten," meint sie lachend, komm. Singvögelchen, sieig ein!" Leise schleichen sie sich dann in die Wohnung, um die Mutter nicht zu stören, und Liddy zählt ihren Schatz. ES ist nicht nur Kupfer; ziemlich viele Fünf- und einige Zehnpfennigstücke sind dabei und sogar ein Fünfziger.

O Ada," ruft Liddy, zehn Mari 54 Pfennige." . St. Um Gotteswillen, daß Mama nichts hört. Ich muß jetzt zu ihr und für ihr Abendessen sorgen, wir foaxeir fast vier Stunden fort. Heute ist das aufgeregte Kind schwer zu Bett zu bringen. Ada bleibt noch ein paar Augenblicke bei ihren schwer verdienten Groschen sitzen. Für die Mutter," sagt sie leise, es ist alles, was ich für sie thun kann." Dann geht auch sie zu Bett. Am Sonnabend wird der Kaufmann bezahlt. Frau Kulicke, dadurch beruhigt, hat erklärt, noch ein paar Tage warten zu wollen., bis das gnädige Fräulein bei den Singstunden, die sie jetzt allabendlich giebt, auch für

sie genug verdient hat. Trod ibres Erfolaes fürckt Ada täglich aufs neue vor diesen Abendstunden, aber das Geld ist so nöthig; die Mutter wird mit jedem Tage schwächer, und nur die auserlesensten Bissen können sie noch, zum Essen reizen, und die sind theuer. So sind ungefähr drei Wochen vergangen. Die Miethe ist bezahlt, die Geldnoth drückt nicht mehr, aber Ada wird täglich blasser und schmäler. Die Stunden strengen gnädiges Fräulein doch recht an," meinte Frau Kulicke. Da eines Abends, die beiden Mädchen sind wieder nach dem Westen hinausgefahren, und Ada hat eben angefangen zu singen, als ein Offizier durch den Hof nach dem ersten Gartenhaus geht. Im Eingang bleibt er stehen und lauscht dem Gesang, er klingt ihm so bekannt, so vertraut. , Er steigt ein paar Stufen hinaus, dann steht er wieder still und horcht. Eben beginnt die junge Sängerin ein neues Lied: All' meine Herzgedanken Sind immerdar bei Dir .... Um Gotteswillen, so kann das Lied nur eine singen! Wie gejagt eilt er die Treppen wieder hinunter. Da plötzlich bricht der Gesang jäh ab und zu gleicher Zeit ruft eine Kinderstimme laut und ängstlich um Hilfe. , Mit einem Blick hat er die Situation überschaut. Ein trunkener Strolch hält die Sängerin um die Taille gefaßt und versucht das heftig sich sträubende Mädchen zu küssen. Im Nu ist der Offizier an ihrer Seite, ein Stoß läßt den Betrunkenen zu? Seite taumeln. Ada, bist Du es wirklich?" Das junge Mädchen blickt beim Klang dieser Stimme erschrocken in sein Gesicht. Erwin!" tönt es schwach von ihren Lippen. Steinberg hat gerade noch Zeit, Ada in seinen Armen aufzufangen. Sie ist ohnmächtig, aber bald hat sie sich soweit erholt, daß Erwin sie mit Liddys Hilfe nach einer Droschke bringen kann. ' 'Mit fliegenden Worten klärte diese den Offizier auf. Ada. Ada, wie konntest Du mir das anthun?" stöhnt er. Du weißt, ich habe genug, mehr als genug für uns, auch für Deine Mutter und Liddy, und Du oh Kind, hast Du denn so wenig Vertrauen zu mir?" Ach Erwin, ich schämte mich so wegen des Concertes. Ich hatte Dir doch gesagt, ich wollte erst etwas werden, und nun war alles aus, und da " Und da schriebst du mir, Da hättest eingesehen, daß wir doch nicht zu einander paßten, und Du bätest mich, Dir DeinWort zurückzugeben. Und ich fühlte mich in meinem dummen Stolz dadurch so verletzt, daß mir gar nicht der Gedanke kam, die Sache könnte anders liegen. Armes, armes Kind, was mußt Du gelitten haben!" Er nimmt einer ihrer kleinen H'ände in die seinen. Ada, trägst Du meinen Ring nicht mehr?" Sie schluchzte leise auf, und Liddy sagte: Der ist auch in Fleisch und Brot umgewechselt worden." Jetzt sind sie vor ihrer Thür angelangt. Erwin begleitet die Mädchen hinauf. Während Ada, die sich ziemlich wieder erholt hat, die Mutter besorgt, erzählt Liddy dem jungen Offizier ausführlich, wie es ihnen ergangen, und wie sie es gewesen, die Ada zum Straßensingen überredet. Du bist doch nicht böse darüber?" sagte sie treuherzig. Da tritt die Schwester wieder ein. Erwin umschlingt sie mit seinen Armen. Meine tapfere, kleine Heldin!" O nein," wehrt Aada ab, Liddy war die Heldin, ich war ganz furchtbar feige." Welch' ein Glück," meinte Erwin, daß ich auf die Kriegsschule commandirt wurde und gerade heute Abend einen Kameraden besuchen wollte. Aber jetzt darfst Du nicht mehr auf der Straße singen. Liebste. Ich könnte ein ander Mal nicht gerade zur rechten Zeit zu Hilfe kommen. Ich schaudere bei dem Gedanken, was hätte geschehen können, wäre ich nicht , gerade in der Nähe gewesen!" Aber wie soll ich für Mutter sorgen," fragt sie, ich kann ja nichts anderes leisten?" Herzenskind, Du mußt mich Dir helfen lassen und dann sobald als möglich meine kleine Frau werden." Willst Du mich denn noch haben, Erwin, nachdem ich " Er verschließt ihr den Mund mit einem Kuß und sagt dann leise: All' meine Herzgedanken sind immerdar bei Dir Da klopft sl an die Thür. Liddy

offne: und Frau Kulicke erschein:. Entschuldigen gnädiges Fräulein, wenn ich störe, aber es ist ein Brief für Sie abgegeben worden, und der Bote wartet auf Antwort." Ada nimmt das Billet entgegen. Von meiner Gesanglehrerin." Sie durchstiegt die paar Zeilen. Es ist gut, Frau Kulicke; sagen Sie, bitte, dem Boten, ich würde heute Abend noch schreiben." Mit einem freudigen Lächeln wendet sie sich dann zu Erwin und der kleinen Schwester. Vielleicht kann also doch noch etwas aus mir werden. Frau Konewka hat noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, ich soll übermorgen in einem Kirchenconcert singen. Sie schreibt sehr liebenswürdig, ich stände oben bei der Orgel, weder Lichter noch Gesichter störten mich, da würde es schon gehen." O, wie ich mich freue, wie ich mich freue," ruft Liddy. siehst Du, nun wirst Du doch noch eine Berühmtheit!" Dazu werde ich ihr gar keine Zeit lassen," meint Erwin. Morgen bitte ich Deine Mutter um Ihren Seaen. und wir veröffentlichen die Verlobung." Mit der Mutter sprechen sollst Du, Liebster, es wird sie beruhigen, denn sie sorgt sich um uns beide. Aber ehe wir unsere Verlobung veröffentlichen, laß mich doch versuchen, ob ich nicht noch etwas werden kann." Du kannst ja Frau werden," bemerkte Liddy trocken, aber Ada läßt sich nicht irre machen, und zögernd giebt Erwin endlich nach. Mit großer Freude hört die Frau Landrath am nächsten Tage von der stattgehabten Versöhnung" Ada's mit Erwin; sie weiß, an seiner Seite ist die Tochter geborgen, und er wird sich auch Liddys treulich annehmen. Auch die Mittheilung von dem Kirchenconcert freut sie sehr, denn sie war noch enttäuschter durch Ada's Mißerfolg als diese selbst. Schade, daß ich nicht zuhören kann," sagte sie bedauernd, ich bin fest überzeugt, diesmal wird es gehen." Und es geht. Ja mehr, es' ist ein voller Erfolg. Und es dauert nicht

lange, da tst das Fiasko in der PhilHarmonie ausgemerzt und der Name Ada von Osten hat einen guten Klang. Vorerst allerdings nur als Kirchensängerin. In den Concertsaal hat sie sich doch nicht wieder gewagt! Da kurz vor Weihnachten erkrankt plötzliche die Sopranistin, die in einem großenOratorium die Haupjpartie singen-sollte. In der Generalprobe hatte sie noch mitgewirkt. Ada, die die Partie mit Frau Konewka studirt hat, wird auf deren Empfehlung gebeten, einzuspringen, und .ihre Leistung wird auch von der strengsten Kriük gelobt. Jetzt ist ihre Scheu überwunden; bald glänzt sie auch im Concertsaal, wo sie .ihre größten Erfolge als Liedersängerrn erntet. Zu einer Berühmtheit hat sie es jedoch trotzdem nicht gebracht, denn Erwin hat seine Drohung wahr gemacht und ihr nicht die Zeit dazu gelassen. Und wie gerne auch die junge Sängerin auf dem Wege des Ruhmes fortgeschritten wäre, sie hat jetzt, nachdem sie bewiesen, daß sie dennoch etwas geworden, dem innigen Werben des geliebten Mannes keinen ernstlichen Widerstand mehr entgegenzusetzen vermöcht. Aber auch in ihrem strahlenden jungen Eheglück ist sie der Kunst nicht ganz untreu geworden, und gar manches Wohlthätigkeitsconcert wird durch die Stimme der jungen Frau Steinberg verschönt. Ihr Lieblingslied bleibt das Bungert'sche All' meine Herzgedanken", welche Rolle aber das Lied in ihrem Leben gespielt, das wissen außer ihr nur noch ihr Gatte und Liddy. Die Höchstzahl der Erbbewohner. Die Frage, wie viel Menschen die Erde ernähren kann, und wann demgemäß der Zeitpunkt , der Uebervölkerung eintritt, hat Gelehrte und Laien schon vielfach beschäftigt und zu manchen Hypothesen Anlaß gegeben. Vor Kurzem hat ein englischer Statistiker, mit Namen Ravenstein, eine Untersuchung über diesen Gegenstand angestellt, worin er mit mathematischer Bestimmtheit die mögliche: Bevölkerungsdichtigkeit unserer Erde und die Frist, innerhalb welcher dies elbe erreicht wird, zu berechnen sucht. Die Methode, die er dabei beobachtet, ist folgende: Die Gesammtoberfläche enthält, abgesehen von den unbewohnbaren Polargegenden, 28,349,200 Quadratmeilen fruchtbares Land, 13,901,000 Quadratmeilen Steppen. 4.180,000 Quadratmeilen Wüste. Die höchste Einwohnerzahl, welche eine Quadratmeile fruchtbares Land im besten Falle ernähren kann, setzt Ravenstein auf 207 an:' auf gleichem Raume können in Steppen und 233ÜV sten nur zehn, resp, zwe: Menschen fortkommen. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß auf der Erde 5967 Millionen Menschen leben können, anstatt der 1467 Millionen, welche gegenwärtig arf ihr; gezählt werden. Um nun festzustellen, wann jenes Maximum erreicht werden wird, sucht der Gelehrte die durchschnittliche Zunahme der Bevölkerung in den fünf Erdtheilen zu bestimmen. Nach dieser Berechnung würde die Erde nach 170 Jahren 5967 Millionen Bewohner haben.

Feuer - Signale.

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Washington SU il No. 10 Spritzenhaus Jllin5iSuWerriU il JllinoiS u Louistana tl West und South ii West und Mc?arty ll Senate Ave. u Henry Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus MadffznAv.u MorriS 59 Madiisn Lv.u Dunlop 41 No 2 Hakm Leiterhaut South nahe Delawsr U Penn. Merrill 13 Delskare u. McTarttz Betet New J?rsq u.MerrÄ 7 virg. Av. u radsha 68 Tast und Prospect SS Licking und High H Ns. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Hurva 7 Gast und Seorgia 75 Eedar und ein 74 Davidson u Georgta 7 English Av.u Pine 76 Chelby und BateS 8 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shclby 7 Fletcher Av. u Shelly 51 Market n. New Zersey 52 Delalvare und Wash. SZ East u Washington il New York .Davids SS Taubstumm Anstalt 5 Ver. Staaten Arsenal Z7 Orient! und Wash. 9? Frauen-Reformat. n No. is Spritzenhaus Maryland nahe Mer. )2 Meridian u. Heoraia. SZ Meridian und South ?4 Pennfyl) u. Louistana 5 Virgini Ave u. 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Schlag, Wasserdruck aö. l Schlägt, U Uhr Mittag. , Die so bezeichneten Signale werden nur den Hur dächte? angegeben da cm den betreffende Streß treuzuns keine AlannköSen anaehracht find. Chicago und der große Nordwestttl via laSka-Sawalil-BHUiPPine Jusel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Von der Monon 47. Str. Station, Chicago, tob nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car vactz den Union Viehdösen French Lick Springs, indem Orange County Hochland. Zamililn-Hotel anter euer Sescdäft4leitunä. Pluto, Prosnpine :nd Bowle Oellen. efte Mineralwaffer der Welt. Zwei Züge täglich via Sreencastle. Til?et-Officrn : Union Station, Massachusett 7lv und Ld West Washington Straße. R. P. A l g e , Distrikt ass. gent, Indianapolis, Jud. .H.McDoel, E.H.Rock well, .Vräs. und Sen. Mgr. BettiedSleiter Frank I. eed. vkn.Pzfs. Agent. Chicago, I2.

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