Indiana Tribüne, Volume 27, Number 305, Indianapolis, Marion County, 16 August 1904 — Page 5
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Meeresgrund
Von Maurice v. Stern. Der Mittag brütet. Goldncs Sonnenglimmern Ceht, tastend durch des Waldes grünen Tust. Die ausgestreuten Buchcnblättcr schwimmen Wie Seetang in der wasscrklarcn Luft. So reglos ruht der Wald im lichten Dämmern, Geheimnißhauchcnd mit verstummtem Mund, Und nur des Spechtes fernverhall'ndcS Hämmern Wird wie ein Klang aus Mcercstiefen kund. r Mit Tauchcrschritten gleit' ich in den schatten. Das grüne Wasser lockt mir Herz und femn. Ich wandre träumend auf den moos'gen Matten Versunken wie auf Meeresgrund dahin. Kein Glockenklingen der vcrschollnen Städte Dringt klagend an das taub gcwordne Ohr. Nur leise schwankt der hin und her gc- ' wehte, Scegrüne, schwimmend zarte Buchcnflor. In dieses Meer von Ruhe will ich sinken. Schiffbrüchig, ohne Sebnsucht nach dem Strand, Im goldnen Schweigen, lautlos selbst. ertrinken. Glückselig, daß mir Kiel und Steuer schwand. Ein schwimmend Laub, ein dunkler Schwingenschatten, Und Stille. Stille meercstiese Ruh Ich sinke nieder auf die arunen Matten Des Traums und schließ die müden Äugen zu. ' " Ein moderner Abenteurer. Von Constantin v. Zedlitz. In Regent Street, -zwischen Pall Mall und Piccadilly Circus, steht der Naleigh - Klub. Ein Abenteurer, freilich der ritterlichste, den die Weltgeschichte nennt, lieh ihm den .Namen. Es ist deshalb vielleicht ein bischen inkonsequent, daß er keine Abenteurer zu Mitgliedern mag nicht mal als Gäste. 'Unlängst wurde einer der bekanntesten Sportsmänner Englands, Amerikas und Australiens, Mr. Richard Standish Sievier, durch den Major Sellar in die Klubräume eingeführt. , Einige Herren, vermerkten das sehr übel. Der zum Vorstande gehörende Sir James Duke fragte den Major, wie er dazu lame, ihnen die Gesellschaft eines Abenteurers der schlimmsten Sorte, ja, eines Diebes, Falschspielers und Mörders aufzudrängen. Sellar betheuerte, es sei ihm unbekannt, dah Sievier in einem solchen Rufe stehe, und erzählte die belastenden Aeußerungen weiter. Das Ergebniß war eine Verleumdungsklage Sievier contra Duke. Nun hat der Kläger den Prozeß verloren. Geschmäht und geschändet floh er aus dem Gerichtssaal.' Soweit die englifche Zunge klingt, von Glasgow bis nach Adelaide, von Bombay bis nach Montreal, steht sein Name heute am Zeitungspranger. Man wundert sich fast, daß die Sonne einen mit so viel Druckerschwärze Gebrandmarkten weiier bescheint. Allein die knifflichen Unterscheidungs - Merkmale menschlicher Ehrencodexe verwischen sich wohl nicht erst in einer Entfernung von zwanzig Millionen Meilen. Wer die englische Hautevolee auch nur einigermaßen kennt, weiß, wie wenig Ursache zu sittlicher Entrüstung übe? eine Laufbahn k la Sievier sie im Grunde hat. Außerdem hat man ja heutzutage so viel Sinn für die Macht der Umgebung. . Vielleicht bestimmten wirklich nur äußere Zufälligkeiten es anders, sonst endete Richard Sieviers anstatt im tiefsten Abgrunde allgemeiner Verachtung glorienumstrahlt auf dem Gipfel spezifisch modernen Abenteurerruhmes. Das Zeug dazu hatte er. Der romantische Zug, der zu dem überlieferten Bild des fahrenden Ritters gehört wie das Wunder zum Märchen, ist bei ihm fast ganz verblaßt. Angedeutet ist er etwa noch in der erdumspannenden Weitläufigkeit einer Karriere, die sich in allen fünf Welttheilen abspielte. Im Uebrmen ist sie recht prosaisch Richard Sievier stammt aus einer geachteten Londoner Familie und empfing eine für englische Ansprüche vortreffliche Erziehung. Früh schon litt es ihn nicht daheim. Als blutmnaer Mensch ging er zu Ende der siebziger Jahre nach Südafrika und nahm mit Auszeichnung an dem Feldzuge gegen die Zulus theil. Dann wurde er Schauspieler und war vier Jahre lang abwechselnd an englischen und angloindischen Bühnen enaagirt. Ebenso lange lebte er alsdann unter dem Namen Sutton als Buchmacher in australischen Großstädten. In Mel bourne verabfolgte er eines Tages dem Adjutanten des Gouverneurs, einem hochnäsigen jungen Lord, der ihm auf einen bösuchen Mahnbrief beleidiaend geantwortet hatte, eine Tracht Prügel. Dafür sollte er vierzehn Tage erngesperrt werden. Das Urtheil wurde jedoch in der Berufsinstanz kassirt. Nicht lange danach kehrte er nachEngland zurück und ließ sich be: Hofe vor stellen, eine bekanntlich hier .für Jemand, der gesellschaftlich vollwerthig sein will, unerläßlich soziale Abstempelung. Nachträglich zedoch kam der Lordkammerer dahinter, daß dcrBuch macher Robert Sutton und der Privatmann Richard Sievier eine und dieselbe Person seien; konnte deshalb auch die Stempelung selbst nicht un geschehen gemacht werden: der Stcmpel wurde ihm wieder entzogen. Das heißt, eines Morgens las man imHof-
Bericht sämmtlicher englischer Zeitun
gen, die Vorstellung des Mr. Richard Sievier werde im Vuckingham Palace als rnll und nichtig betrachtet. Vergegenwärtigen Sie sich die Tragweite einer solchen Notiz! Bisher hatte Sievier, soweit ersichtlich, sich nicht das mindeste zuschulden kommen iaj sen. Denn mögen Buchmacher als hoffähig gelten oder nicht, es ist doch absolut nicht einzusehen,, warum ihr Geichaftsbetrieb. sofern er ehrlich geführt wird, verächtlicher sein soll, als z. B. der von aewerbsmaßigen Borsenspielern, für die kein höfischer AusschlieMngsparagraph besteht, bei oeren Ausmerzung die Reihen der englischen Hofgesellschaft sich denn auch merklich lichten wurden. Die lakomsche Bekanntmachung der Lordkämmerei jedoch genügte dazu, Sievier in anstandiger Gejellschaft ein für allemal unmöglich zu machen. Wenigftens mußte er jedenAugenblick darauf aefaßt sein, daß ihm die Thür gewiesen wurde. Konnte doch mit dem fatalen Zeitungsausschnitt, der sich oequem in der Brieftasche herumtragen ließ, in der Hand, jeder gemeinste, als solcher noch nicht erkannte Halunke den pp. Sievier bis auf die Knochen bloßstellen! Dergestalt in soziale Acht gethan, mit einsiedlerischen Neigungen nicht behaftet, verfuhr Sievier nach dem mephistophelischenWorte: Die schlechteste Gesellschaft läßt Dich fühlen, daß Du ein Mensch mit Menschen bist." War er den Pharisäern nicht gut genug, so nahm er mit Zollnern vorlud, Spieler vom grünen Rasen und vom arunen Tisch wurden fern fast ausschließlicher Umgang. Je nachdem die Pserde liefen und die Karten fielen, bald im Golde schwimmend, bald außer Stande, seine Mahlzeiten zu bezahlen, war er heute Versicherungsagent, morgen Rennstallbesitzer. Mit der weltberühmten Stute Sceptre" gewann er -Unsummen. Trotzdem mußte er binnen wenigen Jahren dreimal den Offenbarungseid leisten. Am Spieltisch gelten übrigens keinerlei Standesunterschiede. In einem Hotel in Monte Carlo verlor einmal ein Herzog von Geblüt $25,000 an Siedler. Als es an's Bezahlen ging, erinnerte ein beflissenes Gemüth in der herzoglichen Umgebung an Sievier's zweifelhaften Ruf. : Hätte er verloren. so wäre diese Erinnerung vermuthlich unterblieben. So -aber, wurden Plötzlich Andeutungen, von..falschem Spiel laut. Richard 'war indessen löwenherzig genug, Ich nicht in's Bockshorn zagen zu lassen, und die geknickte Hoheit mußte blechen. Zuweilen wurde nach durHschwärmter Nacht der Drang nach Höherem in dem Entgleisten lebendig. Bühnenreminiscenzen überwältigten ihn.. Dann raffte er sich vorübergehend auf und schrieb Stuae, die gern aufgeführt und gut honorirt wurden. Im Wirbel solchen Fahrwassers war das Lebensschisf Sieviers dennoch schon zu leck geworden, als daß selbst hingebende Frauenlieve ihm zum Rettungsanker zu werden, es vor innerem und äußerem Scheitern zu bewahren vermocht hätte. Die Geschichte seiner Verheirathung mit einer der vornehmsten Frauen des Landes wäre höchst romantisch, entspräche sie nicht, genau genommen, alltäglicher Erfahrung.' Bon Alters her haben Durchgänger beim schönen Geschlecht mehr Gluck aehaot, als Duckmäuser. In Rom kapitulirte einst selbst die amtliche Keuschheit der Vestalinnen geleqentlich gerade vor den heillosesten Schwerenöthern, vor einem Claudius, einem Euno. Die Damen des englischen Highlife aber hegen so wie so keinen vestalischen Tugendehrgeiz. Immerhin durfte Richard Sievier sich in seiner Männlichkeit geschmeichelt fühlen, als Lady Mabel Bruce, die jugendschöne Schwester des Marquis of Aylesbury, Herrm über eine Million in baarem Gelde, Mit ihm auf und davon ging, achtunvierzig Stunden ehe ihre bis in's kleinste Detail vorbereitete Hochzeit mit einem anderen stattfinden sollte, den sie sitzen ließ. Die Million feiner jungen Frau zerrann in ton Händen des Unverbesserlichen binnen zwei Jahren. Lady Mabels zahlreiche Standesgenossinnen, die der langen Gerichtsverhandlung beiwohnten, schienen ihre Wahl trotzdem zu billigen. Das ist ganz begreiflich. Sievier machte einen entschieden sympathischen Eindruck. Er ist eine schmucke Erscheinung und ein gescheiter Kopf sozusagen das Darwinsche Glied zwischen Dickens' James Steerforth und Thackeray's Rawdon Crawley. Mit beneidenswerther Nervenkraft hielt er dem mörderischen Kreuzfeuer des Jnquisitoriums durch drei gegnerische Anwälte, lauter forensische Berühmtheiten, tagelang stand und fertigte allzu dreiste Anzapfungen -mit überlegener Ironie ao. Er beschönigte semen LebensWandel mit keiner Silbe, bestritt aber. daß Jemand das Recht habe, ihn Räu ber und Mörder zu heißen. Dem Schlußvortrag seines Advokaten folgte donnernder Applaus von den Tribünen. Aber es half alles nichts. Er war verloren, auch wenn der Berklagte zwar nicht den Wahrheitsbeweis führen, wohl aber nachweisen konnte. daß der Ruf des Klägers schon zu brüchig sei, um durch die inkriminirten Aeußerungen noch erheblich geschädigt werden zu können. Dieser NMweis ist in den Auaen des Gerichtes aelungen, obwohl der , Aufwand eines un-
freuten. BeziGNaunaSapvarakes 10
gut wie gar nichts für die Reputation des Klägers unbedingt Vernichtendes ergab. Allerdings stand, wo abenteuernder Leichtsinn gegen menschlichunerbittliche Respektabilität aufbegehrte, die schnelle Vertauschung der Rollen von Beklagtem und Kläger und somit die Entscheidung von vornherein fest. Die Urtheilsbegründungen englischer Richter sind lewer nicht ganz selten Musterbeispiele von Taktlostgkeit und Brutalität. So ausgiebigen Webrauch aber wie im Falle sievier der Richter Grantban bat wohl von dem altverbrieften Spießbürgerrecht, gesittet Pfui" zu sagen, noch keiner seiner Collegen Gebrauch gemacht. 12 konnte aar kein Ende finden in der Verdammung. Sievier, dem die Nerven scklieklich versaaten. war lang 1 am Anwaltstisch zusammengebrochen. Es war. als sausten Knutenhiebe aus einen schon entseelten Leib. Als einst in Paris der Attentäter Damiens geviertheilt wurde, hieben die Henkersknechte tüchtig aus die Gäule ein. Die armen Pferde!" riefen die Damen der schaulustigen Aristokratie. Heute wird Slr James Duke m allen Tonarten wegen der Schererei bedauert, die ihm durch diesen Prozeß erwachsen fei. Es ist etwas Schönes um men chuches VJiiu gefühl! Mnttergedanken. In der ganzen Familie wurde er Warum" genannt,denn wo immer der kleine Kerl mit uns Großen zusammen war, da dauerte es nicht lange, und sein kleiner Mund sprach die Frage aus, die in den lebhaften Blau-Au-gen stand: Warum ist das so", oder warum thut man das so? Wer seinen Wissensdurst für Neugierde hielt, weil er sich nicht die Mühe gab, Kindergedanken zu verstehen, der redete ihm fein warum" spöttiscy nach, aber ist das nicht eben so falsch, als der oft gehörte Verweis frag nicht so viel", unter dem sich in den meisten Fällen die Unfähigkeit und Unwissenheit versteckt? Und diese Antwort geben nicht nur ungebildete Kindermädchen! Unser Warum wurde oft angestaunt, weil er mit seinen fünf Jahren mehr wußte, als seine viel älterenSpielgenossen, und dabei war er nicht etwa bedeutend begabter als jene, fein Verstand war nicht' unterdrückt worden. Er hatte bei allem, was fern" Interesse erregte, ruhig fragen dürfen, und weder der Mutter, die doch durch ihre acht Kinder gewiß viel m Anspruch genommen war, noch dem Vater fiel es je ein, ihn deshalb emen lastigen Störenfried zu nennen. Sie waren stets auf seme kleme GedankenWelt eingegangen und hatten ihm seine Fragen ernsthaft beantwortet. Denn ernsthaft muß die Antwort gegeben werden, wenn das Kind selbst ernst und wahr bleiben soll, sonst artet seme Wißbegierde in gedankenlose Fragerei aus. Wer sich selten mit Kindern beschäftigt, oder wer den sich in ihnen entwickelnden Verstand übersieht, der ahnt gar nicht, ' welch em Reiz in der Unterhaltung in der ernsten Unterhaltung mit einem Kinde liegt. Wenn man versteht, das Kind nur em wenig zu fesseln,-so zeigt es nicht nur Interesse, sondern auch Verständniß .für ' unsere Antworten und zwingt uns durch seine logische Denkweise oft, mehr über solch ein Gespräch nachzudenken, als über so viele oberflächliche Unterhaltungen, die wir sonst im Laufe des Tages zu führen gezwungen sind. Es ist ja nicht immer leicht, eine dem Kind verständliche Antwort zu geben; weil des Kindes Wortschatz beschränkt ist und sein gesunder, aber .ungeschulter Menschenverstand die größte Einfachheit des Ausdrucks verlangt, und es ist jedenfalls sehr viel bequemer, einfach zu sagen: das verstehst du doch nicht." Ein geistig gesundes Kind begreift aber sehr viel mehr, als ihm meistens zugetraut wird, wenn es nur die richtige Erklärung erhält. Diese Erklärung kann ihm allerdings weder die beste Kinderfrau, noch die zuverlässigste Bonne geben; um Herz und Verstand sich frei entwickeln zu lassen, dazu bedarf es des liebevollen Verständnisses gebildeter Eltern, die ihr Kind zu einem denkenden . Menschen erziehen. Wir alle aber sollten uns nicht zu groß und klug dünken, um da, wo kindliches Vertrauen mit einer Frage zu uns kommt, uns dem Gedankenkreis eines Kindes anzupassen und ihm sein warum? nach bestem Wissen zu beantworten. II. Ich wollte, ich hätte einen kleinen Jungen ! Ein gesunder, strammer Bursche müßte es sein dem dieLebensfreude aus dem ganzen rosigen Gesicht strahlt. Sollte der Junge aber .'mal spielen dürfen! Mir thun die kleinen Wichte in der Seele leid, die den ganzen Tag artig fein müssen, die ängstlich von Mutter und Bonne bewacht werden, damit nur ja der gute Anzug nicht beschmutzt wird, die Hände sauber bleiben und das theure Spielzeug nicht verdirbt. Ich möchte wohl einmal wissen, wie viel Thränen dies theure Spielzeug" schon gekostet hat. Mein Junge bekäme kein einziges von all den kostbaren Sachen, was sollte das lebhafte Kind auch wohl mit so einer Eisenbahn anfangen, die man nur aufdrehen und immer auf denselben Geleisen durchs
Zimmer laufen lassen kann? Nichts
Theures und nichts Zerbrechliches würde ich ihm kaufen, denn wenn mein Junge spielt, wenn er zauchzend im tollen Ritt auf seinem wilden StrePferd durchs Zimmer tobt, dann will ich mich freuen können über seine gefünde Kraft und nicht in tausend Aengsten schweben, ob die energischen, kleinen Bemchen auch nicht im Elfer des Vergnügens seine Spielsachen zertreten. Emen Anzug wurde ich ihm nähen aus haltbarem Stoff, und dann dürste er auf der Erde herumrutschen, so viel er wollte, dürfte seine kleine Nase in alle Winkel des Hauses stecken, durfte auf dem Boden herumstöbern und im Keller die dunklen Ecken untersuchen. Wenn er dann heiß und athemlos von seiner Entdeckungsreise zu mir käme, dann würde ich Nicht schelten über die Schrammen, die er sich geholt und über den Ritz in seinem Kittelchen, denn ich wüßte, daß das, was er unterwegs gesehen und gelernt, von größerem Werth ist als dieZeit, die ich zumFlicken gebrauche. Ich nähme ihn mit in mein Zimmer, und während ich den Schaden ausbesserte, erzählte ich ihm von den Kohlen und den Kartoffeln im Keller, oder ein Märchen aus alter Zeit von den verstaubten Schätzen, die er auf dem Boden gesehen. In meiner freien Zeit und ich hätte viel Zeit frei für meinen Jungen gingen wir zusam men spazieren, aber er brauchte nie ruhig neben mir herzulaufen, mit dem Hunde dürfte er um die Wette laufen, be: zeder Blume, die sein Interesse erregt, stehen bleiben, selbst wenn er darüber einmal vergäße, eine bekannte Dame zu grüßen. Ich würde ihm nicht verwehren, unterwegs Pferd oder Hund zu spielen und dabei nach Herzenslust zu bellen, er käme ja mit rothen Backen und blitzenden Augen nach Hause, und daran wäre mir mehr gelegen, als an der Meinung der Fremden, die über feine laute Fröhlichkeit die Nase rümpfen. Mein Junge sollte in erster Linie Kind sein dürfen und frei fein, wie ich es in meiner glücklichen Jugend gewesen bin. Er würde mir nicht dafür danken, weil es für ihn etwas ganz Selbstverständliches wäre, aber lieb haben würde er mich, sehr lieb. Ach ja, wenn ich doch einen Jungen hätte! ' Sarah Bernhardt als Schriftstcllerin. Eine deutsche Halbmonatsschrift schreibt unter diesem Titel: , Kaum eine Tragödin hat ein wechselvolleres Leben gehabt, als Sarah Bernhardts darum sah man schon lange mit'Span-' nung den Memoiren entgegen, an denen die große Künstlerin schreibt, und für die ihr bereits von Verlegern des Goldlandes Amerika Unsummen geboten worden sein sollen. Das kürzlich in einer englischen Zeitschrift erschienene erste Kapitel, in dem ste von ihrer Kindheit erzählt, rechtfertigt die hochgespannten Erwartungen allerdings noch nicht; doch in ihrem weiteren Verlaufe dürfte die Schilderung dieses abwechslungsreichen Lebens viel Interessantes bieten. Sarah Bernhardt verfügt über eine äußerst gewandte Feder und beobachtet außerordentlich scharf. Ihrem nervösen Temperament zufolge ist ste durchaus Jmpresstonistin. Zwischen zwei Proben wirft sie irgend eine lebensvolle Porträtskizze hin, so das ausgezeichnete Bild Sardou's, der kürzlich die Einstudirung seines jüngsten Werkes La Sorcire" leitete: Die Arbeit Sardou's so heißt es da, hat mich durch ihren ganzen persönlichen Charakter frappirt und in Bann geschlagen. Nie verliert man das Interesse dabei. Zuerst geht er an die kleinen Rollen; je weiter i)as Einstudiren fortschreitet, desto weittragender wird sein Vorgehen; der Horizont vergrößert sich, so daß der Rahmen, in dem er sich bewegt, fast zu klein erscheint und man die Mauern fortrücken, die Möbel umstellen möchte, um der in's Große strebenden Handlung mehr Luft, mehr Raum zu verschaffen. Man hatte ihn mir als sehr absolut geschildert. Ich finde ihn sehr vermittelnd und sehr leicht geneigt, sich demEindruck, den seine Umgebung auf ihn macht, hinzugeben und sich dieser anzupassen. Die Feuerwehrleute, die Maschinisten, die Figuranten, alles ist Publikum für ihn.... Er hat das Auge überall. Keine Einzelheit, auch die geringfügigste, erscheint ihm gleichgiltig. Er. setzt, sich auf die Möbel, läßt die Thüren spielen, wählt Stoffe aus oder studirt vom Zuschauerraum aus die Perspektive, begiebt sich auf die obersten Gallenen, um zu untersuchen, ob man auch da noch hören kann, weint, lacht, empfindet alle Rollen, durchlebt sie, stirbt sie und in einer einzigen Probe spielt er so drei-, viermal sein eigenes Stück." Wir glauben, daß 'die Memoiren Sarah Bernhardt's, soweit , sie ein Stück moderner Theatergeschichte, enthalten, in der That interessant sein 1 " fl k . l , L.!. on . oursien, oan hingegen oa, wo oic Verfasserin sich eigenem Philosophiren hingeben würde, ein bedenklicher Dilettantismus sich bttit machen wird, ein Dilettantismus, den sie schon bewährte, als sie Novellen und Dramen schrieb und in Stein meißelte. Auch dürften gerade diese Memoiren von dem Fehler aller Schauspielermemoi ren, sich allzu sehr als Mittelpunkt des Weltalls zu betrachten, am allerwe-
nigsten frct sein.
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