Indiana Tribüne, Volume 27, Number 304, Indianapolis, Marion County, 15 August 1904 — Page 7

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00G00000004000 g Von Zweien geliebt

5 Human ron Ö Alfred gaflm Oi040O0000t0Of0O00 (Fortsetzung.) Und die beiden Frauen vernahmen auch den Hall jagender Schritte, die auf das einsame Häu-chen zuhasteten. Jetzt mußte Walter sein Ziel wohl erreicht haben ein matter Klingelton wurde hörbar und dann der dumpfe Schlag der Thür, die wieder in's Schloß fiel. Darauf breitete sich rings unbeweglich und lautlos die große Stille der Winternacht aber nur einen Augenblick. Da gellte zu den beiden Frauen, die unwillkürlich stehen geblieben waren, wie in ahnungsvoller, lähmender ErWartung eines furchtbaren Ereignisses, ein markerschütternder Schrei herüber, dessen Grausigkeit die Mauern des Hauses, aus dem er hervordrang, und die geschlossenen, verhängten Fenster nur wenig zu dämpfen vermochten. j Die Frauen umfaßten sich krampfhaft, als müßten sie sonst hinstürzen, weil ihnen der Boden unter den Füßen zu wanken schien. Der entsetzliche Schrei hatte namentlich die sonst so nervenstarke, männlich gefaßte Charlotte jäh verwandelt. Ihre Zähne schlugen auf einander. Zu spät," ' klang es erstickt, aber doch in wilder Angst dazwischen hervor und sie barg wie schütz- und Hilfesuchend den Kopf an der Brust ihrer schönen, großen Begleiterin. Der armen Tori stürzten nach dem ersten Entsetzen die Thränen unaufhaltsam aus den Augen. Sie hatte gleichfalls begriffen. Dem unglücklichen Walter war die Gnade versagt geblieben, der lebenden Mutter noch einmal in die geliebten Züge zu blicken. Sie mußte verschieden sein in den wenigen Minuten, die feit Biktorias Fortgang aus dem Hause bis zu diesem schrecklichen Augenblick verstrichen waren. Daß der Himmel so grausam sein kann," schluchzte Tori. Charlotte zuckte in ihren Armen zusammen. Ein Murmeln bitterster Qual klang zu dem großen Mädchen empor: Der Himmel ja Himmel stürzen ja auch ein!" Plötzlich richtete sich die junge Frau auf. Mit ihrer seltenen Willenskraft schien sie die rebellischen Nerven jäh gebändigt zu haben. Sie stand aufrecht und nahm mit der Linken den Mantel über der Brust 'zusammen, während sie mit der Rechten langsam das hereingefallene Haar aus der Stirn strich. Nichts Hilfs- und Schutzbedürftiges war mehr in ihrer Haltung. Komm," sagte sie mit der ganzen ungemilderten Rauhheit ihrer Stimme, in der sogar noch Schwingungen kalten Trotzes mitzitterten, wir wollen dort hineingehen!" Und sie heftete die wundervollen Augen fest auf das Haus und schritt rasch vorwärts. Jetzt war Tor: die Hilfs- und Schutzbedürftige. Recht wie ein banges Kind lief sie der jungen Frau nach und haschte schüchtern nach ihrer Hand. Nimm mich mit," bat sie. Ich fürchte mich so sehr. Es wird den armen Walter zu Boden geworfen haben." Das wird es," war alles, was .Charlotte erwiderte. Sie hatte sich durch Toris Worte nicht aufhalten lassen, hatte auch ihre tastende Hand abgestreift. Mit einer raschen, kurzen Bewegung stieß sie die Stacketthür des Gärtchens . auf und schritt den schneebefreiten Mittelweg entlang. Nur an der Hausthür stockte ihr Fuß einen Augenblick, und fast scheu berührten ihre Finger den Drücker, auf dem vor Kurzem noch die Hand Walters gelegen hatte ehe er eingetreten war, um mit seinen Augen das Bitterste zu schauen, was es an schmerzvollen Schauspielen für ihn auf der ganzen weiten Welt gab! Die Mutter todt, ehe er die Schwelle überschritten! Zu spät gekommen! Vielleicht nur um eine Minute! Und warum? Tori hielt sich immer dicht hinter der so entschlossen voranschreitenden jungen Frau. Im Hausflur flackerte ein mattes Lämpchen, bereit, jeden Augenblick zu erlöschen und zu sterben, wie die heimgegangene Herrin des Hauses. Die . beiden Frauen traten in die dunkle Wohnstube, .in die aus einer Seitenthür ein breiter Lichtstreifen hereinquoll. Dort war es dort hatte das Räthsel des Todes mit seinen nebelhaft schleppenden Gewändern Einkehr gehalten, um einer kranken, müden Frau Frieden zu bringen, die andern aber mit tiefen Herzenswunden in weinende Friedlosigkeit hineinzustoßen! Charlotte hätte das Sterb?zimmer uch ohne das wegweisende Licht aefunden. Es erklangen ja von dorther Tone, so ausgelost m wildem, leidenschaftlichem Schmerz, daß nun die gewaltsame Fassung der jungen Frau doch nicht Stand zu halten vermochte. Sie hätte fliehen und sich in die fernsten, dunkelsten Fernen verbergen mogen, um der furchtbaren 'Anklage zu entgehen, die in Walters lautem, un saglichem Jammer lag. . Mutter Mutter Mutter!"

Und wieder: Mutter Mutter!" Aber diese Töne wären der Unglückseligen, erschauernden Charlotte auch in die fernsten und dunkelsten Fernen gefolgt. So blieb sie und ließ sich von einem dämonischen Anreiz langsam immer näher zu jener Thür ziehen, bis sie in dem breiten Lichtstreifen stand, bis sie schwankend und unsicher, aber oocy ufrecy: uno mit nur leicht vorgeneigten Haupt, über die Schwelle trat. Und nun bot sich ihren Augen, die auf einmal tief ' eingesunken und schwarz umrandet in ihren Höhlen lagen, ein so erschütternder Anblick dar, daß sie für ihr ganze.? ferneres Leben von quälendem Herzklopfen befallen wurde, wenn das grausam ergreifende Nacht- und Todesbild in der Erinnerung vor ihr aufflieg. Eine von grünem Schirm umgebene Lampe ließ das schmale, sehr einfach ausgestattete Schlafzimmer im Halbdunkel. Aber aus dieser unsicheren Dämmerung hob sich um so geisterhaft packender das weiße Bett dort, in dessen zerwühlten Kissen ein wachsbleiches Gesicht lag das Gesicht der todten

Mutter, die so schwer gestorben war, weil sie vorher nicht noch einmal mit segnendem Hauch die Lippen ihres einzigen' Kindes hatte berühren dürfen. In einem bochlehnigen, ledergepolsterten Lehnstuhl saß neben dem Bett der alte, kranke Lehrer, den sein Weib nun hilfloser denn je in der Welt zurückgelassen. Er klagte nicht laut, aber aus seinen grauuberbuschten Augen rannen ihm unaufhörlich schwere, dicke Tropfen über die , welken Backen. Diese überfließenden Augen hafteten jedoch nicht auf dem Gesicht der Todten sie hatten sich mit all ihrem theilnehmenden Jammer dem lebenden Sohn zugewandt, der in so fassungslosem Schmerz vor dem Bett der Verblichenen auf den Knieen lag und mit seinen zuckenden Lippen immer wieder die treueste und gütigste Mutterhand küßte. die nun nie. Nie wieder in weicher, un endlicher Zärtlichkeit seinen Scheitel berühren sollte. Als wolle er versuchen, diesen unersetzlichen Verlust in etwas gut zu machen, lag die zitternde Rechte des alten Volksschullehrers auf dem kurz geschnittenen, leicht gelockten Haar Walters. Ein erqreifender Ausdruck belebte das Gesicht des alten Mannes. Eine an die Todte gerichtete Abbitte, daß er in dieser wehevollen Stunde keine Zeit habe, einzig und allem ihr Hinscheiden zu betrauern, umzuckte den welken Mund. Die Todte war ja zum ewigen Frieden hineingegangen. Aber der Schmerz des armen Walter wollte sich in feiner maßlosen Heftigkeit so gar nicht erschöpfen, daß dem alten Vater der He:zschlag auszusetzen drohte m namenlosem Mitgefühl. Der Alte hatte noch kein linderndes rosteswort an den Sohn gerichtet. lr empfand nur zu deutlich, daß m dem wilden Schmerzssausbruch feine müde Stimme ungehört verhallen mußte. Und in dem ersten Schrei eines großen Leides soll man nicht mit dem Stuckwerk des Wortes eingreifen. Als aber Walter so gar nicht ruhign werden wollte und plötzlich im Ausbruch höchster Verzweiflung mit seiner Stirn auf den Bettrand aufschlug, rief der alte Mann tief erschrocken: Mein liebes Kino es ist m einem solchen Falle Gottes Wille, daß wir uns in stiller Ergebenheit fassen sollen " Walter hob einen Augenblick den Kopf und sah den Vater mit herzzerreißendem Ausdruck an. In Tonen voll unendlicher Qual klang es von seinen Lippen: Ach. Du weißt ja nicht! Du weißt ja nicht!" . Und wieder warf er sich über die Todte hin, und sein junger, kraftvoller Körper erbebte wie ein Baum unter entwurzelnden Sturmesschauern. Jetzt stand der alte Mann wankend und tastend auf. Er neigte sich zu dem Sohn nieder, als wolle er ihm mit seinen schwachen Armen aufhelfen. Ich weiß," sagte er feierlich, was wir an unserer lieben Todten verloren haben ich weiß es so gut wie Du. Aber wir dürfen uns nicht niederwerfen lassen. Sieh, wenn die Erlöste aus den reinen Höhen, zu deren sich ihre Seele ' aufgeschwungen, zu uns sprechen könnte " Schneidend gellte Walters Stimme dazwischen: So würde sie mich einen Elenden nennen! Ja. ja, das würde sie!" Walter, Walterum Gottes willen!" beschwor ihn der alte Mann mit erhobenen Händen. Fasse Dich! Wir sind ja auch nicht allein. Dort ist die gute Viktoria und auch Frau Charlotte ist so spät rndj herausgekommen " Der alte Mann, der sich eben mit ein paar entschuldigenden Worten an die junge Frau wenden wollte, hielt entsetzt inne. Walter war mit einer wilden Bewegung emporgeschnellt und stellte sich nun mit ausgebreiteten Armen vor das Bett hin, als müsse er seinen heiligen Inhalt, die geliebte Todte darai'f, vor der Berührung eines Dämons schützen, der mit schillernden Augen und lechzendem Munde heranschleichen wolle. Dieser Dämon aber lehnte in der Gestalt eines tieferblaßten jungen Weibes fast scheu zusammengeschmiegt an der dem Bett entgegengesetzten Wand. Die Arme Charlottens hingen schlaff an dem Korper herunter, m ihrem un heimlich schönen Zigeunerantlitz war ein. namenlos weher Ausdruck wenn

ihre Augen nicht weinten, so konnten sie das wohl nicht, aber es sah aus. als weinten sie nach innen. Aus diesen Augen sah sie groß und unverwandt den jungen Mann an. Mit einem Gesichtsausdruck, der aus Grauen und Jähzorn seltsam gemischt war, trat Walter zwei, drei Schritte auf die iunqe Frau zu. Seine Stirn yatte licy liesvun:e! aerolyel, txnt Zähne blitzten. Was was wZlls. Du hier?" bildete es sich mühsam auf seinen zuckenden Lippen. Es war kaum ein Ton hörbar, aber sie, der die Frage galt, verstand. Und plötzlich trat Walte? auf die Seite. Und dann wieder in der gleichen, schwer hingehauchten Art, aber jetzt mit einem Beiklang gräßlichen Hohns darin: Geh doch hin zu der Todten sage ihr, wer wir sind Du und ich!" Da hob Charlotte ihm flehend die gefalteten Hände entgegen. Sprechen konnte oder wollte sie nicht. Aber ihre wundersamen Augen waren voll von einer großen, rührenden, hingebungsvollen Bitte wirklicher Seelennoth. Als sich der Ausdruck in Walters Gesicht jedoch nicht veränderte, sank ihr Haupt tief auf die Brust herab und so schritt sie zur Thür, lautlosen, schleppenden Gangs, wie gebrochen, eine Gerichtete. Und so ging sie aus dem Haus. Und so trat sie hinaus in die Winternacht, um nach dem Städtchen zurückzuschreiten. Unterwegs kam Einer an ihr vorüber, der sie gut kannte. Er meinte sie auch jetzt zu erkennen, trotz der tiefdunkel lastenden Winternacht, in der nur dicht über dem Schnee am Voden ein blasser Schein war aber die stumme Frau schritt in einer solchen Wolke voll beklemmender, geheimnißvoller Seltsamkeit dahin, daß sich der kleine, verkrüppelte Mensch bei Seite drückte und dann aufathmend rasch weiterlief. Als die vernichtete Charlotte langsam und gebeugt das Sterbezimmer verlasseil hatte, schien Walter erst Tori Hennig zu bemerken, die vorhin bei seinem krampfhaften Emporschnellen erschrocken ein paar Schritte seitwärts getreten war. Ein dunkel niederwallender Vorhang hatte sie halb verdeckt. Nun schob sie die Falten zurück und wurde ganz sichtbar. Sie stand da, tief betroffen, ver-

ständnißlos für das Vorgefallene, aber vielleicht gerade darum um so ergreifender in ihrer jungen, reinen Scyonheit. Walters Augen trafen ihr Gesicht und da schwand aus dem seinen der furchterregende Ausdruck. Die wilde Spannung in den Zügen gab nach, das drohende Roth verlief sich auf der jungen Stirn, die flackernde Gluth des Hasses aus den Augen. Und diese Augen mußten von Toris Gesicht plötzlich niederwärts gleiten. Wie gebannt hafteten seine Augen auf der hohen, jungfräulichen Gestalt. Auf einmal stand Walter dicht vor dem schönen Mädchen, und seine Lippen bebten: Sen Sie mem guter Engel," und rasch neigte er sich nieder auf ihre Hände und vergrub sein Gesicht darin. Tori Hennm aber empfand heiße Küsse auf ihren verschlungenen Fingern und unnennbare Schauer durchzitter ten ihre hohe Gestalt. Und seine Worte, die sie freilich nur halb ver standen, hatten einen Himmel der lächelndsten Hoffnung über ihr aufgethan. Recht so, mein lieber Walter," ließ sich jetzt vom Bett her .die milde Stimme des alten Lehrers vernehmen, der erschöpft wieder in feinen Lehnstuhl gesunken war, bedanke Dich bei Frau lein Tori, sie hat so viel für die verklärte Todte da gethan. Eine Tochter hatte sie . nicht mit rührenderer Fürsorge umgeben können. Da wandte sich Walter nochmals dem schlanken Mädchen zu und streckte ihr die Hand entgegen: Nie, nie werd' ich Ihnen das ver gessen." Es zog ihn mit der vorigen Macht wilden Schmerzes und bitterster Selbst anklagen wieder zu dem Todtenbett hin, der alte Schrei der Verzweiflung drängte sich schon auf seine Lippen, alles andere wollte versinken in unendlichem Leid aber der junge Mann blieb auf halbem Wege stehen und rang gewaltsam nach Fassung. Es ist schon ') spät," sagte er dann. Ich werde Sie nach Hause geleiten, Fraulein Tori. In ihr wallte bei diesen feinen Wor ten die Glücksempfindung noch machtvoller auf. An seiner Seite dahingehen durch die schweigsame Winternacht, eine Viertelstunde lang meinen können, daß sie nicht nur für heut, fondern für alle kommende Zeit sie mußte unwillkur lich die verschränkten Hände gegen das klopfende Herz pressen, und rasch senkte sie die AUgen, weil sie empfand, welch ein heißer Strahl daraus hervorbrach und solch ein Licht durfte nicht leuchten im Haus des Todes! Ebenso wenig wie sie em Recht hatte, den Vorschlag Walters anzunehmen. Nein, nein, dort am Lager der Verblichenen war sein Platz dort mußte er die Todtenwache halten! Sie entgegnete: Das ist ein großes Opfer, das Sie mir bringen wollen. Allein ich werde nimmermehr gestatten, daß Sie mit mir gehen. Der Weg ist ja nur' kurz und so sicher. Außerdem bin ich fest überzeugt, daß mein Bruder kommt, mich abzuholen. Ich werde mich inzwischen zurecht machen.

Als sei sie hier m Hause, sekte sie

auf einem Seitentischchen einen alten Messingleuchter in Brand und ging damit in die Wohnstube, wo sie in ibr Pelzjacket schlüpfte und das kleine Barett auf dem üppigen Haar befestigte. Dann trat sie an ein Fenster, öffnete es behutsam ein wenig und horchte hinaus. Richtig, die unreaelmäßiaen Schritte. die dort unweit des Hauses erklangen, kannte sie genau. Dort kam ihr armer, klemer, ntterliazer Lleblma. der sie heimholen wollte. Einige Minuten später hatten sich die Geschwister mit einem kurzen, stillen Gebet von der Todten und ein paar einfach innigen Worten von den Hinterbliebenen verabschiedet und verließen erschüttert das Haus des Schmerzes, über d?m die Nachtwolken ruhten wie die riesenhaft hingebrciteten Fittiche des Todesengels. Andere Wolken schienen auf die Erde niedergeschwebt zu fein und sich in eitel Licht und Glanz aufgelost zu haben, denn wie in Licht und Glanz schritt Tori Hennig dahin mit ihren Träumereien von; einem unbestimmten, aber unendlich großen Glück. Der kleine, verkrüppelte Bruder mußte ein paar Mal erstaunt von der Seite zu ihr aufsehen. Was war nu: mit ihr? Leuchtete ihre Stirn so hell durch die Nacht? Oder ging eine leise, unsagbar liebliche Musik von ihr aus? Ernst sprach zu Tori, aber sie hörte nicht i;in, war seinem Geplauder entrückt. Er hatte ihr eine wichtige Nachricht mitzutheilen. Im Laufe des Nachmittags war aus Berlin von dem Privatdetektiv, mit dem man in Verbindung getreten, ein Brief eingelaufen mit der Mittheilung, daß die Spuren des gesuchten ehemaligen Studenten Älexander Erlbeck nach Amerika wiesen. Der Detektiv wollte nun wissen, ob er diesen Spuren auch über das Meer hinüber nachgehen solle. Der kleine Ernst war der Ueberzeugung, daß das selbstverständlich zu gefchehen habe.' Er wollte aber erst die Meinung der Schwester hören, ehe er ein zustimmendes Ja nach Berlin schrieb. Allein Tori antwortete auch jetzt nicht. Zur gleichen Zeit schreckte der Sohn vom Todtenbett der Mutter auf. Ihm war, als dürfe er ihre verklärte Heiligkeit nicht mehr mit seinen Lippen berühren. Denn auf diesen Lippen fühlte er auf einmal wieder die entsetzliche Gluth, die ihn heute hatte vergessen lassen, daß die geliebte Mutter mit dem Tod im Herzen in schmerzlicher Sehnsucht seiner harrte " und vor seinen Augen schwamm alles durcheinander. Wie konnte das geschehen? Hier an dieser Stelle? n solchem Auaenvlick? Er hätte sich zerreißen mögen. Mit einem Schrei taumelte er zurück. Da kam der alte Lehrer und legte beide Arme um den fieberfchauernden Körper des Sohnes und geleitete ihn zu einem alten Sopha, auf dem Walter von frühester Kindheit an unzählige Male geruht und geschlummert hatte. Und er ließ sich von den alten, zitterigen Händen in die Polster niederdrücken, und die alten, zitterigen Hände breiteten eine weiche Decke über ihn und nach emer kurzen Weüe schon schlief er ein. Der alte Mann war in feinen Lehnstuhl zurückgekehrt, um die einsame Todtenwacht zu halten. Aber tödtliche Erschöpfung und die lockende Stille der Nacht nahmen auch ihm bald schon das schwere, traurige Amt ab. Auch seine müden Lider streifte der Gott mit dem Mchnbuschel m der Hand. Und die Todte lächelte. Galt ihr Lächeln einer fernen, vorausgeschauten Zukunft? Die Todte antwortete nicht auf die stumme Frage, die geisterhaft durch das vom Zwielicht des Morgengrauens erfüllte Zimmer klang.' Aber sie lächelte weiter. 11. K a p i t e l. u demBegräbniß der armenFrau Böhme, seiner Stiefschwester, war auchOnkel Peters aus Heiderbacb aekommen. Der alte. eigensinnige Sonderling stand in seiner bäuerlich unansehnlichen Erscheinung ohne jedes Zeichen tieferer Antheilnahme an dem Grab, von dem er -allerdings die Blicke nicht abwandte. Nur zweioder dreimal schweifte unter den weißgelben, buschigen Brauen hervor das kleine, lebhaft funkelnde Auge zu Walter hin, der ihm gegenüber an der offenen Grube stand, aber auch jetzt blieö das rostbraune, eingetrocknete Greisengesicht ruhig und unbeweglich. Und der Seelenzustand Walters, der sich in seinen schönen Zügen erschütternd genug ausprägte, forderte doch wahrlich inniges Mitleid! Wie eine Verwüstung lag es über dem jungen Gesicht jene schlimmste Verwüstung war's, die nicht ein Schicksal von außen her bewirkt, sondern die wir uns selbst angethan in blindem Zuschlagen, und die wir uns dann nicht glauben vergeben zu können! Um eines Kusses willen auf die Lippen eines Weibes hatte er sich um den letzten segnenden Kuß von der sterbenden Mutter gebracht! Dafür keine Gnade, keine Vergebung nein, nein! Und sich nicht zum letzten Male schreiend niederwerfen und den schlichten, braunen Sarg umfassen zu dürfen! .Aufrecht dastehen'und hinter dem vorgehaltenen Hut die Thränen verbergen zu müssen! Ach. die anderen alle, die da das offene Grab umgaben, hatten ihn wahrhaftig nicht abgehalten, dieser letzten, wilden Sehnsucht Genüge

zu thun aber dort drüben stand eine halb hinter einer Cypresse verborgen.' tiefverschleiert und in ihrtn Pelzmantel vermummt, um ihretwillen hielt er sich so starr und aufrecht! Sie sollte ihn mcht in hilflosem Jammer zusammenbrechen seben! uarum nicyiz umen Augenvlicr lang war's ihm, als müsse er zu ihr hineilen, müsse sie schlagen und züchtigen jawohl, schlagen und züchtigen, weil sie auch in dieser tieftraurigen, feierlichen Stunde durch eine enge, schmale Pforte in die Welt seiner Gedanken und Empfindungen, die doch einzig der heißen Trauer hätten gelten sollen, einzuschleichen gewußt! Er biß die Zähne zusammen, daß es ein knirschendes Geräusch gab. Aber wenn er auch nicht mehr zu ihr hinübersah sie blickte ja wohl aus den wundersamen, unergründlichen Augen unablässig zu ihm her und hielt ihn so fest!. Unerträgliche Qual! Noch eine andere blickte aus jungen und schönen Augen unverwandt auf ihn und mit der ganzen Kraft ihres Herzens sandte sie ihm den ganzen Trost ihres Herzens zu und sie hatte seiner armen, todten Mutter einen Kranz aus weißen Rosen geschickt und auch jetzt hielt sie weiße Blumen in der Hand, um sie im letzten Augenblick noch hinunter auf den Sargdeckel zu werfen allein Walter wußte kaum um das Dasein des schönen, schlanken Mädchens! Er konnte ihr, die ihm schon früher die ganze Seele geschenkt, und jetzt noch einmal schenkte, nichts von der seinigen geben! Nach dem Begräbniß faßen der alte Lehrer, Walter und Onkel Peters in dem kleinen Hause außerhalb der Stadt still beisammen. Der alte, kranke Lehrer war tief erschöpft in seinen Lehnstuhl gesunken, der aus dem Sterbezimmer wieder in die Wohnstube gerückt worden war, an seinen alten Platz in der Nähe des Ofens, in dem ein lustiges Feuer sang. Walter hatte sich auf einen Stuhl am Fenster niedergelassen und starrte, den Kopf in die Hand gestützt, regungslos in den sinkenden Wintertag. Das Sopha, in dessen eine Ecke sich Onkel Peters hatte fallen lassen, stand im dunkelsten und von den Fenstern entferntesten Winkel des lang gestreckten Zimmers, und so versank der alte Mann, der so geheimnißvoll wortkarg war, gleichsam in eine tiefe, geheimnißvolle Dämmerung. (Fortsetzung folgt.) Russische Hülfökreuzer. Die in den letzten Monaten im Auslande angekautien Dampfer sind bekanntlich in den Libauer Krieashafen

Kaiser Alexander III." gebracht worden, wo sie für Kriegszwecke Hergerichtet werden. Bon den sechs augenblicklick im Krieasbafen lieaenden Dampfern stammen fünf aus Deutschland (Fürst Bismarck , ftolumvia ", ,Maria Theresia". Auguste Viktoria" und JBtfda" und 1 aus Frankreich (Franche Cont6"), die in der obenstehenden Reihenfolge die russischeniamen Don", Ural". Terek". Kuban", Jrtitsch" und Anadyr" erhalten haben. Die vier erstgenannten Damvfer sollen als Hilfskreuzer VerWendung finden, zu welchem Zwecke die Schiffe eine Armirung von je 13 Geschützen (darunter zwei lentimettr Geschütze als größtesKaliber) erhalten, und der Maschinenraum mit einem 1 Zentimeter starken Panzer und einer 1 Meter starkenKorkschicht genutzt mio Die Koblenvorrätbe. zu deren Aufnah: me dieseKreuzer eingerichtet sind, decken nur den eigenen, zur Fahrt nach Wladiwostok erforderlichen Bedarf (etwa 35004000 Tonnen). Die beiden anderenDamvfer. jrtitsch" undAnadyr", werden als Kohlenschiffe dieFahrt nach dem fernen Osten mitmachen uno sind in der Lage, etwa 13.000 Tonnen mitnehmen zu können. Die Arbeiten an diesen Schiffen werden auf Befehl aus Petersburg mit der größten Elle betrieben. Der Großfürst Alerander Michailowitsck inspizirte bereits dreimal das Fortschreiten der Ausrüstungsarbeiten, und vor 14 Tagen traf Kontre-Admiral Roschdestwenskn. der Kommandeur des 2. Ost seeaeschwaders. in Libau zur Besichtigung der Dampfer ein. - Die Besatzung etwa 500 Mann auf jedemDampfer ist größtenteils schon eingestellt. An Maschinisten macht sich jedoch ein aroner Manael bemerkbar: der Ver such, die mit den Dampfern gleichzeitig eingetroffenen ausländischen Maschinisten auch für die Fahrt in den fernen Osten zu verpflichten, scheiterte trotz alänzender Anerbietunaen seitens des russischen Marineministeriums an dem Veto des Ministeriums des Aeutzern. Am 12. Juli machte der ..Don (ehemals Fürst Bismarck") seine Probefahrt und lief nach Baltischport aus; ihm folat in den nächsten Taaen der ebenfalls fertiggestellte Ural". Die Arbeiten an den ubngenDampfern tonnen nicht vor vier Wochen beendet werden. Die Wirkung eines Schrapnels ist derart, daß das d:e Kuaeln enthaltende Geschoß, das Schrapnel, in der Luft nicht weit vom Ziele platzt und die Kugeln gegen das Ziel schleudert. Die Froschhaut liefert im Verhältniß zu ihrer Dicke das zäheste Leder. Die Stadt Hü ll hat wohl das billigste von allen Krematorien. Eme Feuerbestattung lostet dort nur etwa $5.

Feuer Signale,

I Pennjvlv nd StarieS English'SOpcrn-HauS 5 Erstund 5tt Aork V Noble und Michiga 4 N. Jerjey u. Stoff v Pine und North " Nutet und Pine i Vermont nahe East 31.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe SkfcU 'S Deuiware und Wülnu: 4 'JL Jersey u Central 3U b Mass. und EornellLö 6 Älh m.d 11. Straß 7 Park Ave und 12 Str Eolumbia undHillfid y Highland Ave u. Pratt tt Jllinoij und Et. Jo a Pennsylr. und Pratt . Meridian und 11, Str '-5 ?!v. 5 Spritzenhaus 15 nahe JllinorS :6 Senate Ave u. StSIatr il Jllmoi und Mchtgan Deeshlvania und 14. :s Senate Ave. und U. 1 No. 1 Spritzenhaus Ins Äve naheAichiga ü Mmtia und Walnut 4 California u Vermont tb Blake und ?!ew Fork i Ind. Vv. u. et a 17 City Hospital Blake und Nortk) 38 Michigan und LgneS n S!o. Spritzenhaus Washington nahe LLcft sendorf u Wash. 43 Missouri Ne Fort 15 Meridian u Wash St JllinoiS und Ohw 7 Capitol Skv.u Wasy 48 Kmgan'S PorkhauS Straßenbahn Etäll W. Washington Ett il Ns. 10 Spritzenhaus JllinoiS u WerriU ? JllinoiS n Louisisna II We und South West und clarty 8 Senate Lve. u Henry 7 Meridian und Rah No. 4 Spritzenhaus VadisonAv.uVorrU 69 Madion Sw.uDunloP n No Haken Leiterhaus South nahe Delavar, Pe.u ZerrlII 13 Delawe u. ZOKTartS aftundVcSarch 5S!ewJerse,u.VrÄ 7 virg.5lv.uradsha Eaft und Prospect 9 Btcking und High fl No. il Spritzenhaus ir Ave. nah Huroa it Skst und Georgia 73 Eedar und Qln 74 Davidson u Georgia 7,Snglish Av.Pme f6 Chelbv und BateS "3 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelly 19 Fletcher Lv. u Shelby 31 Market u. New Zersey 82 Delawan und Wasy. SZ East u Washington 44 New York. Davids 36 Taubstummen AnstaU öS er. Staaten Arsenal Z7 Orient! und Waff. 99 Frauen-Reformat. l No. 13 Spritzenhaus Mary land nahe Mer. 12 Meridian u. Seoraia. S3 Meridian und South 14 Pennsvl) u. Louisiana Zö Virgini Ave u. Llab. )6 Hauptquartier. 97 Erand Hotel. 1 Taxital Ave und Ohti 13 3lo. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 44 Alabama und 16. 26 Central Ave und 1&. 28 Dnde und 15. 27 Brookside und Jupit 23 Central Avt rnb 17 .29 Delaware un 19. 31 Alabama und 11. 52 Jcllefontawe und b'. u College Ave und . 35 Delaware und 13. .36 Alabama und North V7 Newmann und 19. ZZ College Ave und 14, 5 Cornell Ave und 13. 41 DandeS urü 19. 42 Hizhland Ave und 1. 45 Decumseh und 10. 45 Nc Jersey and 22. 46 Aloord und 17. 7 No. 2 Spritzenhaus Hilifide Ave und IS. 4U College Ave und 22. i9 College Ave und 7. 52 Park Ave und 22. 55 L E u. W Bahn u. 22 64 Ramsey Ave und 10. 56 Stoughton u Newmen 57 AtlaS und Pik .53 Bloyd und Pawva. b9 No. 21 Spritzenhaus Lrightwood fr Arten und Tevot .63 Brigytwood und 25. 64 Rural und Blohd .65 St. Clair u. Lehstone .67 Arsenal Ave unk z. 68 Bellesontaine unt & IN Park Ad end IC 212 Capital C5tt nd l 213 Pennshlv. tt. 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Gutaa Äff 711 kexinzton A. firn4 783 Fletcher Ave. Cprnrt 724 State Ave u. Pleasan 725 Prospekt und leasant 72 Orange und HrlaV 723 Liberty und Mee, 729 Nole und South öl No. 15 Spritzenhaus Oft Washington 813 Market und Noble k!4 Ohio . Highland 315 Michigan u. High! 616 Market u Arsenal A 817 Ost S Clair und Union Bah Geleise. b21 Pan Handle Shop L23 LennOnt und Walttt! 24 Wash. und State Afc 625 Madden'SLounge Fab 82 Tucker und Dorsey 827 Wash. und VeviS tt 829 9t0.il EvritzenhW! eville nah Mu?ig 831 Southeafiern AX 3 Woodside. 838 Walh. und Dearbor 834 Coutheaster und Arsenal Ade. 885 New Dork nd Zcx$Zi 912 JllinoiS nd Marhl. 13 JQnoiZ und Zlxdci, 14 Penn, nd 9l5cla&sirc mch5 Spezial. Signale. ersten 8 Schlage, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, tatticx Alarm, Dritten t Schlage, vierter Alarm. t-8-i, Feuer aus und Schlau) aufgerollt, i SchlZge, Wasserdruck ab. 18 Schlage, 18 Uhr Mittags. Die so bezeichnete Signal werden nur dv Tdtrm joachter augegrben da an den btrssedk Straß keuzung keine WarrMe rnaeöracht frX Chicago und der große Nordwesten la TÄM, WM ))CCg3telS3feSte( Slatta-Sawatt-VdUUdlne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. t& Sen der SRornrn 47. Str. Etation, Chicago. 8 nur 5 Minuten mittelst elektrischer ar nack ,en XLalm Ltehdöfen French Lick Springs, indem Orange Eounty Hochland. ffamilien-Hotei unter neuer GeschästSleitung. Pluto, Proserxive d BowleS Oellen. Bestes Mineralwasser der Kelt. Zwei Züge täglich via Sreencastle. Ticket-Offtcen : Union Etation, Massachusetts v nd L5 West Washington Strafze. R.P.Algee, DiftNkt Dass. Agent, Indianapolis, Ind. s. H.MeDoel, .H.R o ck well. Präs. und Gen.Mgr. Bettiebkleilt, IrankZ.Reed, . Veo.V,ff. aent. bicaao. 3ll.