Indiana Tribüne, Volume 27, Number 304, Indianapolis, Marion County, 15 August 1904 — Page 6
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Heimgang, Von Hanns von Gumppenberg. Mir leuchten der Kustanicn weiße Kerzen Vlach Hause durch die wunderblaue Nacht Noch glüht die Schläfe mir vom Licbcöscherzen Der trunknen Stunde, die ich dir am Herzen In schwülen, wirren Träumen hingebracht. , Ein leises Wehen wiegt den reichen Flieder, Durch grüne Kronen funkeln bunt hernieder Die Sterne wie ein Edclstcingcschmcid'l Erquickend rinnt mir Ruhe durch die Glieder Und Klarheit, die befriedigt und befreit. Und wie ich einsam durch da? Schweigen scheite. Da fühl' ich so vertraut mich aller Weite, So innig nah, als wär' sie meine Braut: Als hätt' ich hier im stillen Stcrnacleite Mein echtes Lieb zum ersten Mal gcschaut.
Eine Löwenjagd. Von E. Soldau. Im Schatten meines Spizeltes lag ich hingestreckt mit müden wie zerschlagen: Gliedern. Der Eingang war fest zugezogen, denn da draußen brannte die Aequatorsonne fast r U recht auf die glänzenden Kraus, pfe der Nigger, die in denkbar leichtester Bekleidung bereits mit der Nachtarbeit begonnen hatten. Ich war Aufsichtsbeamter in der großen ZuckerPlantage der Hamburger Engros-Fir-mc Schütte u. Comp. und eben in Dar el Bedavi eingetroffen, um meine Arbeiten zu übernehmen. Ich war nicht ganz klar, ob ich sechs Wochen oder sechs Monate unterwegs sei. Die Seereise, das veränderte Klima, die veränderte Lebensweise, all das mußte wohl auf meine Nerven einen eigenthümlichen Einfluß ausgeübt haben, denn ein dumpfer Druck lastete auf meinem Gehirn, auf meiner Brust, auf meinem ganzen Denken und Fühlen. Draußen hörte ich das Antreten der Arbeitertrupps; sonderbare Laute schlugen an mein Ohr: wohl die Landessprache, die ich nun wohl würde lernen müsfen. EigenthümlicheZischlaute, schreiende Stimmen dazwischen, etwa als wenn ein Stotternder oder Taubstummer eine Reihe unartikulirter Laute ausstößt. Plötzlich donnerte eine preußische Unteroffizierstimme dazwischn: Kreuzbombenelement! Ihr verfluchten Kaffern wollt Ihr wohl die Mäuler halten!" Es war mein Unterchef Sachse, früher ehrsamer Bezirksfeldwebel in St. Johann, der, seinem Wandertrieb folgend, die Stellung eines Feldmarschalls unter den Kaffern derjenigen eines Bezirksfeldwebels vorgezogen hatte. Die Trupps entfernten sich, allmählich wurde es still um mein Zelt. Fernher hörte ich hie und da noch einmal einige wohlbekannte Koseworte des tüchtigen Sachse, und dann brüteten wieder die feurigen Strahlen der Sonne über meinem Zelt, deren Arennen ich eine kurze Zeit nicht gefühlt hatte. Im Halbschlaf bemerkte ich eine Bewegung an meiner Zeltthür. Ich spähte in die Dunkelheit, halbaufgerichtet suchte ich die Ursache der Bewegung zu ergründen. In dem einen Augenblick fuhren sämmtliche Jndia-ner-und Lederstrumpferzählungen von Ueberfall, Mord, Marterpfahl, Schlangen, Hyänen und anderen Greueln durch mein erhitztes Gehirn. Am Eingang sah ich ein schmächtiges Kaffernweib stehen. In langen Strähnen hing das wüste Haar auf ihre Schultern. Nase und Ohren zierten große gelbe Ringe, und an dem hänfenen Gürtel, der ihre Hüften umschloß, hingen bunte Fetzen eines ehemals mit einem Kuttunmuster bedruckten Stoffes. Das Weib konnte ebensogut 15 wie 50 Jahre alt sein. Die verarbeiteten Hände hatte es auf der Brust gekreuzt, und als es merkte, daß ich wach sei, begann es in ihrem Kauderwelsch eine von lebhaftem Mienenspiel begleitete zähnefletschende Rede. Ich verstand kein Wort; ich entnahm jedoch aus allem, daß sie mich irgend wohin zu führen wünschte. Ich sprang auf, griff nach meinem Revolver, bewaffnete mich auch sonst noch bis an die Zähne, wie es jeder Tropenheld in der ersten Zeit thut, und trat, dem Kaffernweibe folgend, ins Freie. Der Sonnenball stand , blutroth und greifbar nah am Horizont in eine? Größe, wie wir ihn in meiner kleinen Garnison nie gesehen. Gleichzeitig lief ein Frösteln durch meinen Körper, war das schon das Fie ber? Furcht vor persönlicher Gefahr war mir von jeher fremd, den Gegner packen, mich wehren mit der Waffe oder der Faust, dies ja! Aber nur kein tückisch schleichender Feind, den man nicht fassen, nicht greifen kann, nur nicht das Fieber! Das Kaffernweib sah mich flehend an; dann zeigte es mit einer Hand nach einem entfernten Krale, .einer spitzen Lehmhütte, die in dichtem Geprüpp versteckt lag. Von Zeit zu Zeit eilte das Meld voraus, immer lieg umsehend, ob ich auch folge. Meine Abendteuerlust erwachte; nicht, daß ich in der Aufforderung des Kaffernweibes ein Sirenenlocken sah. Ich mitterte so etwas wie ein ernstes Aben-
teuer, und folgte nun schneller, alle meine Sinne anspannend, in der angegebenen Richtung. Die Sonne war vollkommen untergegangen; bekanntlich gibt es in jenen Gegenden fast gar keine Dämmerung. Ein eigenthümliches Zwielicht übergoß die weiten 5Zuckerplantagen mit einem grünlichen Schimmer; hie und da funkelte auch schon ein Stern am Firmament. In Zelten höchster Spannung, höchsten Schmerzes oder Erwartung gibt man auf die gleichgültigsten Dinge acht, denkt zwischenhinein an ganz alltägliche Dinge; so sprang auch jetzt mein Geist von dem fluchenden Feldwebel in die Heimath; Dinge fielen mir ein, an die ich zu Hause kaum gedacht, Erlebnisse aus meiner Jugendzeit, die zwanzig und mehr Jahre zurücklagen. Ich stand lötzlich wie festgewurzelt. Ein Ton war an mein Ohr gedrungen, wie ich ihn nie gehört. Ein wahnsinniger Schreck war durch meine Glieder gefahren. Ein Ton so furchtbar dröhnend wild, so voll urwüchsiger Kraft und Fülle, so drohender Gewalt, daß ich instinktiv empfand, hier nahte ein Feind, ein unversöhnlicher Feind der Menschen Das Kaffernweib war verschwunden, gleich darauf sah ich es auf dem Boden auf mich zuschleichen. Mit Zeichen wahnsinniger Angst suchte es mich zur Eile zu bewegen; es umklammerte meine Kniee und nach der Hütte zeigend, lief es immer zwanzig Schritte vor, um stehen bleibend sich nach mir umzusehen. Da n?ar es wieder, das Interesse für's Kleinliche, in der Zeit der höchsten Nerveranspannung. Es lief zu komisch, das KaffernWeib; im Laufen wedelten die paar Kattunlumpen der Kleiderfetzen an seinem Gürtel auf und nieder; die ganze Figur zwang mich zum Lachen mitten in der Gefahr und vor dem im ausbleiblichen Kampfe auf Tod und Leben. Ich lachte, lachte aus vollem Halse! Mein Lachen hatte eine sonderbare Wirkung auf die Kafferin; sie sprang in die Höhe, drehte sich um sich selbst und raste auf die Hütte zu; offenbar hatte sie mein Lachen für das Kriegsgeheul der Weißen gehalten! Ich folgte so schnell ich konnte. Da hörte ich wieder das langezogene, nervenerschütternde, dröhnende Geräusch, und auf dem Dache der Hütte sah ich dessen Urheber, den König der Wüste, einen mächtigen Löwen; mit den Pranken zerrte er an den Bändern der Thür, und aus der Hütte erscholl jammerndes Kind:rzeschrer. Da war keine Zeit u verlieren. Instinktiv hatte ich mcire Doppelbüchse heruntergerissen, die Sicherung vorgedrückt ein Knall und mit einem gewaltigen Gebrüll rollte die Bestie vom Dache der Hütte in den Sand. Auch ich war zu Boden gesunken. Ich fühlte, wie zwei Arme mein Haupt emporhoben, ich sah starr in die Augen des Kaffernweibes. Hast Du die Kinder, ist der Löwe todt! So antWorte doch!!!" Aber Herr Leutnant, kennen Sie mich denn nicht ich bin doch der Gustav aus dem Hotel Bristol. Sie wissen doch, die Bowle gestern Abend, und dann haben Sie gewiß unruhig geschlafen beim offenen Fenster!" Ich lag auf dem Boden des Hotelzimmers; wie ich hierhergekommen, wußte ich noch nicht. Allmählich klärten sich meine Gedanken. Ja, ja, gewiß, Sie sind's ja, aber der Löwe, ich fchoß doch, ich sah ihn doch fallen, und das markerschütternde Gebrüll, ich habe es doch mit diesen meinen Ohren " Da dröhnte vom Neumarkt herüber durch das offene Fenster dasselbe Brüllen herein. Derselbe Ton. der mir während meiner wirren Träume eine ganze Löwenjagd vorgezaubert hatte. Gustav, der eM W?nsch, der mich der jammervollsten Situation meines Lebens entrissen, führte mich zum Fenster und da sah ich an dem achtzig Meter langen Zelte die Aufschrift drangen: . Dompteur Charles." Das Gebrüll aber tönte weiter, ohne mich zu schrecken. Es stammte von einem echten König der Wüste; sein Wehgeheul aber galt seiner verloreften Freiheit. Paprikaschnitzel. Zu einem recht guten Paprikaschnitzel schneidet man aus der Kalbskeule eine reichlich fingerdicke Scheibe, die man etwas klopft, salzt, in Mehl umwendet und in heißer Butter brät. Sie muß schön saftig bleiben. Nachdem sie herausgehoben, schüttet man einen Löffel voll kleine Speckwürfel in die Pfanne, gibt ebensoviel gehackte Zwiebel und eine Messerspitze besten Paprika hinzu und schwitzt alles schön durch, bis die Zwiebel gar ist. Nun gießt man einen Lösfel Bratenjus und ebensoviel saure Sahne darüber, läßt dies zur Hälfte einkochen, legt das Schnitzel hinein und läßt es von beiden Seiten wieder gut heiß werden. Bereitungsdauer zehn Minuten. Ueberprotzt. Mein Vater hat einen eigenen Stuhl, in dem er Coupons schneidet!" Das ist noch gar nichts! Der meine hat eine eigene Couponabschneiderei mit Dampsbe-trieb!"
,,Atkleten'Nobert. Als ein wirksames Hilfsmittel gegen die Geisteskrankheit" der gefährlichsten Verbrecher erweist sich schon jetzt die Errichtung fester Abtheilungen in deutschen Irrenhäusern. Die Berliner Kriminalpolizei, die mit den bedeutendsten Rechtslehrern wie v. Liszt u. A. schon längst diese festen Häuser forderte, hat jetzt einen klassischen Fall überraschend schneller Heilung zu verzeichnen. Vor neun Atonalen verhaftete sie einen alten Einbrecher Robert Eckard, den Athleten-Robert". Dieser wurde plötzlich, geisteskrank" und in Herzberge untergebracht. Nach ganz kurzer Zeit entsprang er aus der Anstalt und verübte Einbruch auf Einbruch. Die Kriminalpolizei erkannte seine Arbeit", aber er selbst war nicht zu finden. Vor Kurzem war man nahe daran, ihn am Anhalter Bahnhof dingfest zu machen. Schon hatte man ihn eingekreist, als er die Absicht merkte, einen Beamten über den Haufen rannte und entkam. Erst jetzt gelang es, ihn in einer Kaffeeklappe zu ermitteln und festzunehmen. Athleten-Robert" erklärte sich nun sofort bereit. Alles einzugestehen, aber nr unter der Bedingung, daß er regelrecht seine Strafe erhalte und nicht nach der neuen Anstalt in Buch oder sonst in ein festes Haus komme, aus dem es kein Entkommen gebe. Er sei nie geisteskrank gewesen und habe keine Lust, sich lebenslänglich einsperren zu lassen, ohne Aussicht, entweichen zu können. Der Verbrecher beschrieb nun ganz genau, wie er es gemacht habe, um als geisteskrank zu erscheinen und die Aerzte zu täuschen, wie er sih in die Schleimhäute der Wangen gebissen habe, fodaß Blut aus dem Munde kam, und wie er dann in Krämpfe gefallen sei. Er erbot sich auch, diese und andere Symptome", die er in der Herzberge noch dazu beobachtet habe, jeden Augenblick vor Aerzten .hervorzubringen, um ihnen zu zeigen, wie es gemacht werde. Unter Verzicht auf jene Probe, an dercn Erfolg gar nicht zu zweifeln ist. ließ sich nun die Kriminalpolizei erzählen, was de? Verbrecher neuerdings wieder Alles ausgeführt habe: Einbrüche in Schuhläden und PelzwaarenHandlungen, Plünderung von Schaukästen, besonders der von Zahnkünst lern u. s. w. Hierbei hatte AthletenRobert" zwei Helfershelfer, den Leip-ziger-Willi", einen mehrfach vorae-
straften Einbrecher Willi Wendt, und den Alex", einen gewissen Alexander Thomas. Auch seine Hehler gab der Einbrecher jetzt ohne Weiteres preis. Es sind der Händler Hans Heise, genannt Hns mit dem Glasauge", weil er ein.küpstliches Auge trägt, und ein Handelsmann Jsraelski. Heise wurde erst kürzlich in einer anderen Untersuchungssache verhaftet, aber einstweilen wieder auf freien Fuß geseht. Sobald sein" Einbrecher ihn als Abnehmer bestimmt bezeichnet hatte, beeilte er sich, ein Attest zu bekommen, nach dem er geistig nicht normal ist. Er spielt noch die Rolle des wilden Mannes, die dem Athleten-Robert" jetzt im Hinblick aus die festen Irrenhäuser zu gefährlich ist. Taö cscrnun s; ciiic Äiörrrö. Eine Tragödie, die einem Bourget Stoff zu einer psychologischen Novelle geben könnte, hat sich, wir uns berichtet wird, in London abgespielt. George Breeze, ein bis dahin völlig unbescholtener, in seinem Berufe musterhafter Mann, erdrosselte die Gattin seines besten Freundes Ehisholm. Die Sache schien zunächst unerklärlich, da Niemand, am allerwenigsten Ehisholm, der mit Breeze im gemeinsamen Klub täglich Fußball spielte, etwas Verdächtiges bemerkt hatte. Erst das Bekenntniß, welches Breeze niederschrieb, hellte das Dunkel des tragischen Ereignisses auf. Breeze liebte die schöne, junge Frau Ehisholm leidenschaftlich und wurde wiedergeliebt; der Gedanke, daß Margareth nicht ihm, sondern EhisHolm gehöre, machte ihn rasend. Auch Margareth fühlte sich unglücklich und sprach es öfters vor Breeze aus, daß sie sterben möchte. Soll ich Dich tödten?" fragte Breeze. Ich glaube nicht, daß Du es thun könntest. Du hast nicht den Muth dazu." Daraufhin erdrosselte Dreeze die Geliebte. Ich tödtete sie" bekennt er weil mich -ihr schönes Gesicht zur Verzweiflung trieb. Sie zwang mich zu thun, was Gott zu thun verboten hat." Breeze erklärt, daß er seine That nicht bereue und jederzeit zu sterben bereit sei. f DerVaterdesMördersdes Gouverneurs von Finnland, Eugen Schaumanns, der ehemalige Senator General Schaumann, die beiden Lehrer an der Unievrsität zu Helsingfors, Dr. Estlander und Professor Th. Homen, sowie der Bankbeamte Alfthan und der Bibliotheksassistent Gununerus wurden unter Gendarmenbewachung nach Petersburg gebracht. Der General Schaumann soll dort einem Verhör nuterzogen werden. Vor hundert Jahren entstand der Code Napoleon, das heutige französische Gesetzbuch, das sich durch alle Revolutionen und Umwälzungen im Lande in seiner ursprünglichenVerfassung nur mit kleinen Aenderungen erhalten hat. Man will das Jubiläum am 29. Oktober d. I. begehen. Der Justizminister hat die Leitung der Festlichkeiten übernommen. Jedenfalls wird man eine große Feier veranstalten, an der die ganze wissenschaftliche und regierende Welt Frankreichs theilnehmen wird.
Der Hüter der Gattin. Novellette von.I.'H. NoLny. Als Ferröol nach Egypten reisteerzählte Gabriel, setzte er mich zum Hüter seiner Frau ein. Er wußte, daß er sich, auf mich verlassen konnte. Trotzdem waren wir eigentlich nicht befreundet, was man so unter Freundschaft versteht. Ferr6ol war hinterlistig, egoistisch, brutal. Niemand liebte ihn und auch er liebte Niemand. Doch er hatte mir einmal, als er die Wahrheit einer Behauptung vor mir bestätigte, einen großen Dienst erwiesen und baute feit mehr als zehn Jahren auf meine Dankbarkeit. Hätte er irgend ein bedeutendes materielles Opfer von mir verlangt, so hätte ich mich vielleicht freikaufen können, doch er benutzte mich wohlweislich nur zu tausenderlei kleinen Dienstleistungen, die ihm ebenso nützlich waren wie Geld und wie reine Bagatellen erschienen. Darum blieb ich ihm verpslichtet, wie am ersten Tage, und als er mir die reizende Madame Ferrol anvertraute, durfte er sicher sein, daß ich sie besser hüten würde, als er selbst. Obwohl er feine Frau nickit liebte, und sie mit den erbärmlichsten Geschöpfen hintergangen hatte, war er im höchsten Grade eifersüchtig. Daher erinnerte er mich, bevor er den Schnellzug bestieg, wohl zwanzig Mal an den Dienst, den er mir erwiesen, und schrieb mir von Woche zu Woche, um mich an meine Pflicht zu erinnern. Ein so großer Auswand von Besorgniß war ganz unnöthig. Ich wachte über die junge Frau, wie eine Dogge über den Hühnerhof, und nie thürmte ein Theater - Othello mehr Hindernisse zusammen, als ich, um diese neue Rosine vor den Schlingen der Liebe zu bewahren. Zuerst überließ sie sich meiner Vormundschaft recht gutwillig. Dieses himmlische Geschöpf war von Natur aus ebenso treu und aufrichtig, wie ihr Gatte verlogen und verrätherisch war. Doch sie litt darunter, daß man sie zu jung, gleichsam mit Ueberrumpelung verheirathet hatte, und kam in jenes Alter, wo sich die Frau gegen ein Leben ohne Liebe empört. In ihren Mädchenaugen tauchten vorübergehend wie die Sterne, die an schonen Sommerabenden das Firmament durchfliegen, Zornesblitze auf, die täglich zahlreicher und beunruhigender wurden. Sie wurde blaß, leidenschaftliche und traurige Träume raubten ihren Wangen die Frische; eine herbe Bitterkeit spielte um ihre zarten Lippen. Und ich fürchtete, ich ahnte, die Stunde würde kommen, wo es um meine ganze Wachsamkeit geschehen war. Gleichzeitig empfand ich ein inniges Mitleid. Der Gedanke, daß dieses edle Herz, diese Schönheit dem Tode oder noch Schlimmerem anheim fallen sollte, rührte mich tief. Ach. keine Frau hatte je einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, wie sie. Mit ihr wären die Stunden meiner irdischen Pilgerfahrt süß und herrlich gewesen, stürmisch wie das Meer und dabei doch klar wie ein Gießbach des Berges. Je nervöser sie wurde, um so stärker ward auch meine Unruhe, doch ich wäre lieber auf das Schaffst gestiegen, ehe ich ein einziges Wort der Liebe p ihr gesprochen. Sie empfing mich indessen recht eigenthümlich bald mit scheinbarer Demuth und Unterwürfigkeit, bald mit nervöser, fieberhafter Aufregung und Langeweile. Der Winter verging. Claudine Ferröols äußeres Leben war einfach und monoton. Mühelos übte ich meine Ueberwachung aus. Dann entschlüpfte mir die junge Frau plötzlich gleichsam unter den Händen. Sie ging häufig und unerwartet aus, ein unerklärliches Geheimniß lagerte sich auf ihre Handlungen und auf ihre Person, und ihre Listen und Schliche machten all' meine Taktik zu Schanden. Obwohl mich schließlich nichts hätte veranlassen können, von der Rolle des Aufpassers zu der des Denunzianten überzugehen, wurde die Situation durch Ferröols Schweigen noch verwickelte?. Seit über sechs Wochen hatte er mir nicht mehr geschrieben. Allerdings hatte er eineReise nach den Wasserfällen angetreten, und die Verbindung von dort mochte wohl ihre Schwierigkeiten haben. Eines Nachmittags, zu einer Stunde, da Claudine immer zu Hause war, sagte mir das Mädchen, Madame wäre ausgegangen, doch ich möchte sie erwarten. Ich hatte das Gefühl, als würde mir eine Falle gelegt, und man hätte meinen Besuch nur angenommen, um meine Aufmerksamkeit gründlicher zu täuschen. Was thun? Wohin mich wenden? Keine Spur, die mich leiten konnte. Erregt, gedemüthigt und entsetzlich eifersüchtig verbrachte ich eine schreckliche Viertelstunde. Bald warf ich mich in einen Sessel, bald wanderte ich wie ein gefangenes Thier durch den Salon. Zu meiner fieberhaften Unruhe erregte ein malvenfarbenes Stück Papier, das neben cvm Kamm lag, meine Aufmerksamkeit. Unwillkürlich hob ich es auf. Wäre ich bei Ueberlegung gewesen, so hätte ich es sicherlich nicht gelesen. Ich warf einen sozusagen thierischen Blick darauf, und als ich wieder zu mir selber kam, hatten sich die Worte in mein Gedächtniß eingegraben. Das Papier enthielt nur zwei kurze Zeilen: Um 2 Uhr, Th. Hautier 7." Eine entsetzliche Aufregung packte mich. Ich war wie gelähmt. Dann ward ich das Opfer ei-
nes Impulses, der mich eine halbe Stunde lang in einen regelrechten Irrsinnigen verwandelte. In dieser halben Stunde nahm ich einen Fiaker, kam nach der Rue Thöophile Hautier, stieß das Gitter eines kleinen Gartens auf, trat in ein kleines Qaus. dessen Thür weit geöffnet stand und drang in du? erste Zimmer, das auf meinem Wege lag. Eine Frau richtete sich vor mir auf, deren klare Augen und deren blasses Gesicht meine Aufregung auf , der Stelle dämpften.... Claudine sah mich ernst an und daZ Gefühl einer unerträglichen Scham bemächtigte sich meines ganzen Wesens. Ich erkannte, daß ich mich in ihren Augen entehrt, und rief, von Lebensüberdruß erfaßt: Verzeihen Sie mir nicht! Ich habe eine infame Handlung begangen, die den Tod verdient. Ich werde sterbend Sie schien bewegt und sprach mit leiser Stimme: Warum haben Sie das gethan?" Ich gab keine Antwort. Ich hatte nicht die Kraft, zu lügen, und ich glaubte nicht das Recht zu haben, die Wahrheit zu sagen, während, sie in sanftem Tone fortfuhr: Ich weiß ich habe die Rolle durchschaut, die mein Mann Ihnen mir gegenüber aufgedrängt. Ich weiß, Sie glauben sich ihm zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet und ich habe Ihre Handlungsweise entschuldigt doch es gibt keine Dankbarkeit, die Sie zwingen durfte, mir nachzuspioniren " Mein Herz bebte vor Entsetzen, es war mir unmöglich, zu sterben und den Gedanken in ihr fortwurzeln zu lassen, ich hätte kalten Blutes so handeln können. Darum rief ich: Es ist auch nicht die Dankbarkeit, die mich dazu gezwungen!" Die magischen Augen hefteten sich mit gebieterischem Ausdruck auf die meinen: Dann gibt es nur eine Entschuldigung! ' Eine andere kann keine Frau zulassen!" Ich brauchte nicht erst zu antworten. Meine zitternden Hände, mein Blick sprachen deutlicher, als es Worte vermöcht. Dann sagte sie im Tone innigster Sanftmuth: Ich verzeihe Ihnen und verbiete Ihnen zu sterben. Ihr Leben gehört mir! Und sicherlich werden weder Sie noch ich etwas Böses thun " Sie erröthete leicht und fuhr dann ganz leise fort: Nicht wahr, Sie würden mich heirathen, wenn mein Mann nicht eristirte? Sie sind bereit, mir das zu schwören? Und nichts könnte diesen Schwur lösen?" Ein seltsamer Rausch ließ mein Herz höher schlagen, und ich hauchte leidenschaftlich: Wie können Sie daran zweifeln?" Ein eigenthümliches, gleichzeitig ironisches und zärtliches Lächeln huschte über ihre Lippen, lls sie fortfuhr: Ach, mein armer Hüter, wie blind und taub sind doch oft die schlauesten Männer! Ich hütete Sie, während Sie alle Ihre Listen erschöpften, ich kannte jeden Ihrer Schritte und errieth jedes Ihrer Gefühle. Und ohne mich waren wir verloren!" Verloren?" rief ich bestürzt. Welche Gefahr drohte uns denn?" Die Gefahr, uns hoffnungslos zu lieben," versetzte sie mit erregter Stimme. Der Mann, der Ihre Dankbarkeit sein ganzes Leben lang mißbraucht, wollte auch noch " Sie unterbrach sich, zog ein Telegramm aus ihrer Börse und reichte es mir. Es war aus Kairo und ich las, an ganzen Leibe zitternd, daß Fer- , x6ol todt war. Ich wußte, daß er.dem Tode nahe war," sagte sie. Ich habe da drüben einen treuen Correspondenten, und ich allein erhielt genaue Nachrichten, wah-' rend alle Freunde meines Mar.nes und Sie selbst in Unkenntniß blieben. Sie wissen, daß er mir seit langer Zeit gleichgiltig geworden war. Ich hätte ihn hassen können, denn er hat mir stets nur Böses gethan. Doch ich hege keinen Groll. Wohl aber habe ich das Recht, mein zukünftiges Glück gegen seine noch nach dem Tode rege Eifersucht zu schützen gegen seine Eifersucht und Ihre Ehrenhaftigkeit! Da haben Sie den Schlüssel zu meinem Verhalten! Da ich wußte, daß Ferrol in dem Dokument, das seinen letzten Willen entbält, Sie ersucht, mich nicht zu heirathen, so mußte ich Sie durch die scheinbare Anomalie meines Benehmens aufrütteln und Ihnen schließlich eine Falle legen. Noch einige Tage, und Sie hätten von dem Willen des Todten Kenntniß erhalten. Jetzt habe ich Ihren Schwur und seien Sie überzeugt, ich werde Ihnen Ihr Wort nicht zurückgeben!" Sie reichte mir die Hand. Schluchzend führte ich sie an de Lippen; entzückt und bewundernd betrachtete ich die Frau, die fo meisterhaft um ihre Liebe gekämpft. Angenehme'Sparsamkeit. Heirathsvermittler (einem Kunden eme junge Wittwe anpreisend): Und wirthschaftlich und sparsam ist sie, sage ich Ihnen. . .ihr erster Mann durfte nicht mal rauchen!" Die Gebirgstour. A.: Soeben schreibt meine Tochter aus den Alpen, sie hätte evne herrliche Partie gemacht." B.: Ay, wvhl einen neuen Zaöen bestiegen?" A.: I wo, hat sich mit dem Dr. Ranner der lobt!"
