Indiana Tribüne, Volume 27, Number 304, Indianapolis, Marion County, 15 August 1904 — Page 4

Judlana Tribüne, 15. August WOU.

Zndiana Tribüne. HnauSgegeben von der Sutenberg So. Indianapolis, Ind.

garry O. Thndium Präsident. Geschäfts loeal! 5fa), 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. K-te.eJ at the Post Office of Indianapolis as second class matter. Ursache und Wirkung Der Raubmord war zu allen Zeiten und ist heute noch eines der schwersten Verbrechen, das Jeden mit Abscheu erfüllt. Wenn man trotzdem in manchen Staaten auch dieses Verbrechen nicht raw mii m üoe prayi, 10 ciiiaii sich das daraus, daß man heutzutage nicht mehr rn erster Reihe den Verbrecher strafen, sondern ihn nur unschädlich machen wlll und man nicht mehr so fest wie früher glaubt, daß die über ihn verhängte Todesstrafe auf iw i ti . v r v -M w ? noere nau ,,rem wmt. nazu am noch die Annahme, daß Irren immer menschlich und eS selbst hierzu. lnde. wo der Verbrecher so sehr viel Rech' St, möglich ist. daß ein Unschul,ger oerurioeu. weroe. ,nen .ien kann man mcht .n S Leben Zurückm e au, oem Juq,au,e ,e uaieyr ,n 3 LebenZimmer möglich deshalb rweisen ,e eieve mwuntr www til TnSoSRrnF nrttii imh Ynrhtt nitrfi . k ... i r . r . i. . x. . I tl . Wi V 7 . oft Staaten, ldle sie noch kennen, ra..t. ...e o.t...:i o..xi Muvmmmz uu cunicu rno' M 1 hau geschickt. Das wenigstens war in früheren Jahren, al? der Raubmörder noch mehr hrn Wfh tfnffhrrtrf hrt2 fipi T?rmnnrt -,vi, i.iv v.des Wortes Raubmörder" vor dem gelingen Auge ausmeg, der Beweg; gründ für solche Mllde. In der Neu. zeit und in unfererZneuen Stadt ist es t. i. ! . .. eftr I anoers geworoen. ner zeilgenoinicye typische Chicagoer Raubmörder ist nicht der voll erwachsene Mann mit struppi.

gem Barte und dem döjen unjteten Zgen Ernte, die wir jetzt schon einheimBlick unter buschigen Brauen, sondern unb bie immer gßer werden der bartlose halberwachsene Bursche mit wenn die Jugend nicht etwas

glatter tlrn und hellem heraussor. dernden Blicke, der sich in seinsm Aeußeren kaum oder gar nicht von dem jungen Hoch, oder Sonntazöschule j. tt w rr. , I löjuier uno TiBiflen yijunÖen um. 'Leidet. Er ist ein ganz harmlos aussehender junger Bursche, der kaum in oa- eoen emirai uno m oenen ÄNblick man sich unwillkürlich sagen muß, daß er daS LebenZja noch gar nicht ken. nen kann. Dieser Gedanke, die damit kommende Erinnerung an das Zedet: Serr, vergieb ihnen, denn sie wiffen Nicht. WaS sie thun", und das UNbestimmte Gefühl, daß doch am Ende die Gesellschaft die Schuld daran trägt, daß lyrem lchootze solche Giftpflanzen entsprießen konnten, bildet die Quelle der heutigen Raubmördern auch da so oft gezeigten Milde, wo auch nicht der geringste Zweifel an ihrer Schuld cb walten kann und die Scheußlichkeit des Verbrechens die allerschwerste Strafe verlangt. Die Behauptung der Gegner der Todesstrafe, daß dieselbe nicht abschreckend wirkte, scheint unterstützt zu werden durch die Erfahrung, die Chi cnnn irr her ilinnffen ?it mac5?n muble. Die berühmten Straßenbahn, rx. ei. t vi u . v t i schuppenbanditen" wurden gehängt, aber an Nachahmern hat's ihnen nicht gefehlt. Es bildeten sich verschiedene Trios" und Quartette" von halb. wüchsigen Burschen, die in Van Dine ut Lih,n tZn h nn usw. Helden sahen und ihnen n Stra. - u A W M VI II Jm. mW a, LauI m. - m A a

wniwj Ullv viviu nuujcijciun, nui kenläutens einen Spaziergang, ergelang es glücklicherweise, ihrer habhaft scheint die ganze Stadt wie durch ei- ... V .u . O. .: t - riiif!X.. M 0i&a rn r ?i ViTtrvr 5TT?t'

Q www I f I W W W V ?,is. rnnrhifirttrn fiorrpfim fnnfpn 2:1 invinru . rnr iir nur I II iiiiiinmc '.v. wmvmv.. v...fc.., ;if,r rnrtrf,tfh.r Mh mrtM wie ihre Vorbilder, und man hängt , sie nicht mehr; man schickt sie jetzt auf Lebznözeit in'S Zuchthaus und grübelt dann darüber nach, wodurch wohl der &nrrrr stpsprtt rnnrhr k bhhr fAr. tmmmtw jj " D n" lichen Ernte jugendlichen Verbrechens, neuern wuroen vuv vor vlerzeyn xagen (von demselben Richter) drel des Raubmordes überführte junge Bur schen im Alter von 17 bis 20 Jahren CrT7Z J l rr. Jollet geschickt, wo sie nicht wenige 0si-ÄiJ yK. Oit Jf4?t gleichaltrige Kameraden treffen werden, und ein paar Dutzend junge Burschen gleichen Kalibers, die raubten wie jene Htm TOnrh tnnM 2f m 7 l a r ntZHiinZ i die passende Gelegenheit fehlte, wurden auf längere oder kürzere Zeit zu sckwe. rer Arbeit in da Arbeitshaus geschickt. . r .rx ltf.-w Die Hauptschuld wird bekanntlich der Verherrlichung gegeben, welche demVerbrechen durch gewisse Zeitungen Und anderen Publikationen, Deiective No.

vellen" usw. wird, und eS unterliegt gar keinem Zweifel, daß diese in der That viel Schuld haben, aber c muß da noch anderes mitwirken und die eigentliche Wurzel muß tiefer liegen. DaS erkennt auch Richter Chitraus und t t t m l

er memt, ote ungluanazen netts uno Arbeiterfchwierigkeiten Hütten damit zu thun; eS seien nicht weniger als 3 Fälle vor ihn gekommen, wo der Einleger" ffreßfeeder Streik mittelbar die Urfache war, daß ganz junge Burschen zu Verbrechern wurden. Leider sagt er nicht inwiefern, und das mag zu dem Glauben verleiten, dak etwa die iunaen fflutMen blll Verlust ikrer Ar. heitSgelegenheit dem Verbrechen-etwa flU Notb-in die Arme trieben wur. ben man batf doch. auch ohne die m mamx gu Unmrtf gtweg be hupten, daß das nicht der Fall war. . streik mittelbar iene drei verursachte, so ist das nur den Truhen und Gewaltthätigkeiten zu danken, die er im Gefolge hatte, bezm. der roken Rückkickt, die man mit den Ruhestörern faiH , und in erger Reihe ' w fletabe mi, b(rf 3ungen unt) jQnfleten Burschen, die sich, wie in Chicago, hei a.n 8Rtntri4m Nnruben. aam be. fonletä hvorlhun. 65 in .uriges. aber typisches grawallbild, halbwüchsige Burschen im übertreffen, sozusagen, und FrechWte Schändlichkeiten begehen zu ,... . hmftt h. ßtmflfm(n h,t u " I ft m fc fürchten, zur Ver1 ' i i - r a antwortung gezogen zu werden; den st fi m Hingehen und m up ""ö" k.n OTnTt'iri hnA PinrnnT in hftftr 1 W IM WV k. 2 rtrtr ,,, 4rtTT ortnt. I vib V V UUV flfc V ttiiviii vviiii otuiiia!en adi zst bie weinerliche Senti. Mentalität schnell aur Sand, sür die .. rr v ? . ' , , . utiiajuiotgen moer , oie ia nicyi! 8 wollten und sich nichts Schlim eS dabei dachten" einzutreten und der rücksichtsvolle Volneirichter läßt sie lau f. Und damit wird auf die Haupt. 1 Wurzel des Uebels hingewiesen: Die jämmerliche Schwäche in unserer Kmdererziehung legt den Keim zu der trau. rznaer in die 5Zuöt aenommen wird. b Kindern auf allen Seiten eiaende Beisviel der Gesetzesverachtuna. b Mmmen Keim zur üppigen v " entfaltunst f0mmen unb bje den mm Kleinen" in ihrer frühen ?lu gnd geradezu anerzogene Genußsucht und Bequemlichkeit thun das Uebrige. t wertbvoller ein junger Hund. bep0 strenger halten wir ihn, damit er gedeihe. Das ist einsichtig. Dem Kinde lassen wir jeden Willen, weil xvx e ßar f0 fehr lieben und vielleicht QU& rfl Uhr beauem sind. Und da n man verbrecherisch nennen. Es gt Verbrechen. Der Deutsche Tag" ist vorüber, die Erinnerung daran wird wach bleiben. Eongrebabgeordueter Bartholdt sollte hier bleiben, wir haben ihn alle liebgewonnen. Die Anrichcr Brautpfade. Qn hübscher Himmelfahrtsbrauch hat sich in der ostfriesischen Hauptstadt Aurick erhalten und ist auch heuer wieder g. dm. Frühzeitig Ulll Jjiuirnci uunaiiw.ütu vw. uu stm enb vorher werden auf den uüsteiaen vor den Thüren sogenannte Brautpfade angelegt. Aus weißem Sande und niedlichen, abgepflückten lumn l werden kleine Gärtchen in den verschiedensten Mustern Hergestellt, ham 3ei M Glo- ' - i ilcil auuuii 111 tuaii uivuhwu jjwI J niaturaarten verwandelt. Diese Sit 1 - . , rfl rrw" y geht auf den alten Blücher zurück, . . rriÄ halh, S4lin, en 'ernten Schlosse Sandhorst seine Sommerrestdenz hatte. Als sich die Tochter des Marschalls Vorwärts an einem Himmelfahrtstage der1 n 1 r t (W , f Ä. g Auricher Kirche Blumen, und diese festliche Veranstaltung wurde dann zu eurer Volkssitte. Thüringer Fleischklöd1 Pfund Rindfleisch, welches sorgfältig von Knochen und Sehnen befreit wurde, und y2 Pfund Schweinefleisch ist grob zu hacken. Dann gibt man 1 Eßlöffe. voll Salz, 1 Theelofftl Kochkümmel, cine Messerspitze voll Pfeffer und zuletzt 6 Löffel ne saure Sahne dazu, vermischt das Ganze gut und aroeitet es mit einem Löffel durch, bis es ganz geschmeidig ist. Von . dieser Masse werden kleine Klößen abgestochen und diese in brauner Butter, iu der Zwiebelstückchen leicht gebräunt wurden, auf jeder Seite ! ewige Minuten gebraten

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6.

Ein Triumph des Deutschthums von Indianapolis. 12,500 Personen verlebten im Germania-Plirk genußreiche Stunden und lauschten mit Interesse der Rede des Dr. Bartholdt von Missouri.

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Du bögst mi stiwe Nack so licht, As Moder mit ern Arm, Du sichelst mi umt Angesicht, .. Un still is alle Larm. Jk söhl mi as en lüttjet Kind, De ganze Welt is weg. Du pust mi as en Voerjahrsmind De kranke Boß torecht. Min Olle folt mi noch de Hann' Und seggt to mi: Nu bee! Un Vaderunser" fang ik an, As ik wul früher dee.

ES war ein Sonntag, hell und klar ! j Solch' ein idealer Sonntag Nachmittag, wie wir in unseren Breitegraden ihn selten zu verzeichnen haben. Freundlich 'bot am frühen Morgen mit rosigem Antlitz Frau Sonne der Bevölkerung von Indianapolis : im Allgemeinen und den Freunden des Deutschen TageS im ganz Besonderen ihren Gruß dar und um die Nachmit tagsstunden sorgte sie mit ihren lichten Strahlen dafür, daß sie, und nicht der launische himmlische Wasser - Dircctor einmal wieder das strahlende Scepter führte. ES war ein idealer SommerSonntagnachmittag ! Von Nah und Fern strömten die Besucher herbei und bereits am frühen Nachmittag wies der Park eine statt liche Zahl derselben auf. Hierauf aber begann die Völker Wanderung Wer zählt die Städte, nennt die Namen, Die gastlich hier zusammen kamen." Der weite Platz vor dem Weißen Röss'l" war um 4 Uhr von einer nach vielen Tausenden zählenden Menschen' menge gefüllt, welche geduldig der Dinge harrte, die da kommen sollten. Da ertönten Böllerschüsse, weit hin aus verkündend, daß die Feier ihren ofsiziellen Anfang genommen. Diese vom Fest'Kanonier Hans Trümper abgefeuerten Schüsse waren sehr wirkungSvoll; der populäre Präsident eines der angesehensten deutschen Ver eine der Stadt weiß ein Lied davon zu singen. Um 4 Uhr endlich nahm das ossizielle Programm seinen Anfang. Dasselbe spielte sich vor dem Weißen Rög'l" ab. ' Auf derselben hatten sich die Delega ten zur StaatS-Convention, die neuerwählten Beamten desselben und eiylge Ehrengäste, nter ihnen Rev. Eisenlohr von Clncinnati, Platz genommen, m derselbe war velannulo) vor zwei Jahren der Festredner des Deutschen Tages. Die ofstctelle Feier. In wirkungsvoller Weise wurde die ossicielle Feier durch ein Potpourrie eingeleitet, welches Herr Reinhold Miller, der tüchtige Dirigent der City BandVfür diese Feier ausgewählt hatte.

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Festredner Dr. Richard Bartholdt.

Min Modersprak, wat klingst du schön! Wo feilst du mi vertrut! Weer ok min Hart as Stahl un Steen, Du drevst den Stolt herut..

Un fohl so deeo: dat ward verstan So sprickt dat Hart sik ut, Un Rau vunHimmel weiht mi an Un Allns is wedder gut! Min Modersprak, so flicht und recht, Du ole frame Red! Wenn blot en Mund min Vader" seggt. So klingt mi't as en Bed. So herrlig klingt mi keen Musik Un singt keen Nachtigall; Mi lopt jo glik in Ogenblick De hellen Thän hendal.

ES war die Composition Sänger! aus dem Vaterland". Wirksamer konnte eine Fest.Stimmung nicht hervorgerufen werden. Dieselbe wurde aber noch wesentlich erhöht durch den Vortrag der Vereinigten Sängerv on Indianapolis. Zahlreich hatten die Activen des Liederkranz, Musikverein und Männer chor sich eingefunden und unter der Leitung des Herrn Carl Riegner ertönten bald darauf die herrlichen Weisen des stimmungsvollen Liedes Frühling am Rhein". Die wackeren Sänger brach ten unter dem blauen 'Himmelsdome, der selbst nach Frühling athmete, den Wipfeln der ehrwürdigen Baumriesen, die durch ihr frisches Grün dem Som mer schmeichelten, das Lied in wirkungsvoller Weise vor. Herr Fritz F r a n ck e der Präsident des Verbandes Deutscher Vereine von Indianapolis, hielt hierauf eine kurze Ansprache, in welcher er sodann den Festredner des Tages, Herrn Dr. Barthold, Congreß-Repräsentant von Missouri vorstellte. Der Festredner und seine .Rede. Herr Bartholdt wurde, als er vor der nach Tausenden zählenden Men schenmenge erschien, mit einem herzlichen Beifall begrüßt. Nur etwa, weil erder Festredner war? O nein weil die Mehrzahl der Anwesenden wußte, daß vor ihnen ein Mann stand. der seit mlhc als 12 Jahren in seiner Eigenschaft als Congretz-Repräsentant, stets in energischer Weise für die Bestrebungcn des Deutfchthums in diesem weiten Adoptiv'Vaterlande eingetreten war. Mit weithin vernehmlicher Sprache verkündigte der Festredner das Evangelium des Deutschen TageS wie folgt : Verehrte Landsleute und Freunde! Vorerst meinen aufrichtigen Dank für Ihren freundlichen Empfang und die ehrenvolle Einladung, den Deutschen Tag mit Ihnen zu feiern. Die mir gestellte Aufgabe, der Bedeutung dieses TageS gerecht zu werden, ist keine leichte, und ich bitte ob meines fchwa chen Versuches im Voraus um gütige Nachsicht. Gestatten Sie mir, ehe ich an meine Aufgabe gehe, dem Deutfchthum von Indianapolis und des ganzen Staates

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Jndiana meinen Glückwunsch darzu dringen ob des offenbar glänzenden Erfolges dieser Feier, eines Erfolges, der nur da möglich ist, wo die Deutschen sich ihrer Heimath nicht nur nicht schämen, sondern mit gerechtem Stolze ihrer Abstammung eingedenk sind. Und wenn ich sage mit gerechtem Stolze", so beziehe ich mich nicht auf die Geschichte des alten Vaterlandes, sondern ich Wunsche und bestehe darauf, daß un sere Gefühle und Gesinnungen mit amerikanischem Maßstab gemessen und vor dem Forum amerikanischer Gerech tigkeit beurtheilt werden mögen.- Mit anderen Worten, wir wollen nicht, wie der Mond, in dem von der VaterlandsSonne geborgten Lichte erscheinen, sondern wir wollen nur nach dem beur theilt sein, was wir aus eigener Kraft sind und was die Deutschen auf amerikanifchem Boden geleistet und vollbracht haben. Ein unparteiischer Richter,' glaube ich, wird die Berechtigung der Gefühle, die uns am Deutschen Tage beseelen, voll und ganz anerkennen. Mehr als sieben Generationen haben auf amerikanischem Boden gelebt, gewirkt und gekämpft, seit die ersteColonie deutscher Einwanderer in Germantown gegründet wurde. Di: Geschichte dieser Zeit ist die Geschichte der neuen Welt. Und was in diesen 221 Jahren auf den mannigfaltigen Gebieten menschlichen Wirkens geschaffen, vollbracht und errungen wurde, daran haben die Deutschen, oder sagen wir die amerika nischen Bürger deutschen Stammes, ihren reichlichen Antheil. Sie haben nicht die Befehlshaber, und Führerrollen gespielt, aber sie haben die Würde der Arbeit getragen und im Schweiße ihres Angesichts das Erbe des heutigen amerikanschen Geschlechts ehrlich mit verdienen und bereichern helfen. Wir sinden sie vereinzelt in den Hallender Gesetzgebung und in den Salons der hohen Gesellschaft, aber ihre eigentliche Domaine, ihr eigentliches Daheim ist doch sas Feld der Arbeit, und wenn die herrlichen Erzeugnisse amerikani schen GewerbfleißeS und amerikanischer Kunst, welche gegenwärtig in St. Louis anSgegellt sind, die Sprache ihrer Schöpfer sprechen könnten, so würde so mancher traute deutsche Laut unser Ohr erfreuen. Sie, die Deutschen, haben aber auch, mit dem Schwerte in der Hand, das Land freimachen und

die Republik . erhalten helfen. Sie haben ferner daS amerikanische Leben zu vertiefen verstanden, indem sie eS mit ihrer Gesellig und Gemüthlichkeit gewürzt, und sie sind aus biederen Deutschen gute amerikanische Bürger geworden, die ihr Adoptiv-Vaterland innig lieben und doch weder der Sprache noch den Sitten der alten Hei math untreu geworden sind. Das ist in schlichten Worten die Geschichte der Deutschen in Amerika. Und sie find wahrlich nicht mit leeren Händen in's Land gekommen. Wenn Manche auch nur einen Wanderstab und ein Bündel trugen, hatte ihnen die gute deutsche Mutter doch ein reiches Gemüth und der Vater ein Herz voll Freiheitsliebe mitgegeben, und sie kamen mit gesundem Sinn und starkem Arm und beseelt von demZStreben, ihr LebenSlooS zu verbessern und wacker mitzuarbeiten an dem Auf und Ausbau der großen Republik, deren loyale

Bürger sie geworden sind. Und sie brachten noch mehr. Sie brachten den Lein, den Wein und den Webefchrein und viele andere werthvolle Güter einer älteren Civilisation, und wenn in der kaltenWinternachtdie Lichter deö Christ, baumes erstrahlen, so erinnere man sich daran, daß auch der Weihnacht?baum eines der sinnigen Angebinde ist, die die alte Mutter Germania ihrem Sohne zu seiner Hochzeit mit Columbia mitgegeben hat. ES liegt nicht in meiner Absicht, dem Deutsch-Amerikaner ein Loblied zu singen oder ihn auf Kosten anderer Ele mente oder gar auf Kosten der Wahrheit herauszustreichen, aber wahr ist eS unzweifelhaft, daß er seitseiner Lan dung ein Anderer geworden, daß er gewachsen ist. Und daS gilt von aller Einwanderung, dank der amerikanischen Freiheit. Der Einwanderer wird häusig uugerecht beurtheilt, weil unsere amerikanischen Freunde die Schwierigketten unterschätzen, mit denen derselbe zu kämfen hat. Wer es nicht selbst durchgemacht, weiß es kaum zu wür digen, wie schwer der Anfang hier für einen Einwanderer ist wegen seiner Un kenntniß der Sprache und der Ver Hältnisse und wegen deS Mangels an Bekanntschaften und an Verwandtschaftlichem Schutz, und wie ungeheuer ungleich, aus den nämlichen Gründen, sein Wettbewerb mit dem Eingeborenen ist, der sich, abgesehen von seiner eigenen Sprach und Sachkenntniß, der Für sorge von Eltern, Verwandten und Freunden erfreut. Gerade diese Lehrzeit und Schule aber kommt . dem erstigen Fremdling später reichlich zu Staaten und trägt viel zu seiner Vervollkommnung und Entfaltung bei. Plötzlich von dem Gängelbande befreit, an dem er im al ten Vaterlande von Kindheit angeleitet wurde, ist er hier erst eine Zeit lang ungelenk und unsicher, aber sobald e5 ihm klar geworden ist, daß er auf eige nen Füßen stehen kann und muß, so ent wickelt sich in ihm das Selbstbewußtsein, in Muth hebt sich, seine Kräfte steigen, er bettet sich, daß er besser und besser zu liegen kommt, und so reift er zum ganzen Manne, mit dessen körperlicher Entwicklung die Erweiterung des geistigen Gesichtskreises gleichen Schritt gehalten hat. , Dazu kommt beim Deutschen, daß die ihm angeborene Freiheitsliebe in prächtigem Einklang mit den amerikanischen Einrichtungen steht, und daß sein Drang zum Fortkommen, sein Fleiß und seine Sparsamkeit hier ein so reiches Feld zur Bethätigung haben. Wer wollte leugnen, daß er mit seinen nationalen Vorzügen auch seine nationalen Fehler mitbringt, Fehler, die den Verhältnissen und dem Boden anhaften, denen er entstammt ? Aber wer wollte es auf der anderen Seite abstreiten, daß er die schlimmsten dieser Fehler durch den Umgang mit dem duldsamen und großmüthigen Amerikaner allmählich ablegt? So geht aus dem amerikanischen Hexenkessel, dessen Grenzen die Oceane, dessen Deckel das Himmelreich sind und unter welchem die ewige Flamme der VoUsfreihcit brennt der germanische Geist als pures Gold hervor, geläutert und befreit von den Schlacken der Unfreiheit und klein licher Denkweise und geweiht in ser Luft und Sonne Columbia's! Wir sprechen heute nicht blos uns zu Gefallen, sondern wünschen, daß das ganze' amerikanische Volk uns hör:. So möchte ich e5 denn hier erklären, was dieser germanische Geist, der sich das amerikanische Bürgerrecht erworben und einen wesentlichen Einfluß auf unsere Verhältnisse gewonnen hat, eigentlich bedeutet. Ich möchte eine Art deutschamerikanischen' Glaubens-

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