Indiana Tribüne, Volume 27, Number 303, Indianapolis, Marion County, 13 August 1904 — Page 6
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Jttdiana Tribüne, 13. STufltifl 1909
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Europäische Nachrichten. Zsreie Städte. Hamburg. S. Benjanvn und Frau, geb. Simon, begingen in voller Rüstigkeit das Fest des SOjährigen Ehejubiläums. Der Schlosser Karl Maresch hat seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau auf dem Treppenflur des Hauses St. Georgiskirchhof 26 aufgelauert und ihr einen Revolverschuß in die rechte Lunge beigebracht, worauf er sich selbst durch einen Schuß in die linke Schläfe tödtete. Die Frau ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Der Klempner Kikseier stürzte beim Legen von Dachpappe in einem Nebau an der Heilwigstraße vom Dacye auf das Straßenpflaster und war in wenigen Augenblicken eine Leiche. Der 18 Jahre alte Kesselreiniger Wilhelm Schmüser glitt im Hansahafen an Bord des Dampfers Siegfried" aus, stürzte über Bord und ertrank. In Raboisen 93 hat ein Unbekannter Nachts das 18jährige Mädchen Gretchen Wriedt erschossen und sich dann selbst getöd tet. Der Getreidemakler Martin Bondheim ist nach Veruntreuung von Konnossementen und mitHinterlassung von 30,000 Mark Schulden flüchtig geworden. Seinen Verletzungen erlegen ist der 54jährige Maschinist Voß aus der Geibelstraße, der vor Kurzem in der Ernst Merckstraße auf einen Straßenbahnwagen sprang, verunglückte und im Allgemeinen Krankenhause Aufnahme fand. Die L8jä'hrige Pauline Rolf, Tochter des Vüdners Paul Rolf in FinTenwärder, fiel beim Wasserholen in einen der am Westerdeiche befindlichen Fluthgräben und ertrank, da Hilfe nicht in der Nahe war. Bremen. In der Bautischlern von Kellermann & Wildhagen brach Feuer aus, das das ganze Edelholzlager vernichtete. Der Schaden ist beträchtlich, da das Lager nicht versichert war. Der Technikumschüler Heinrich Jeß aus Kiel, der mit einem Schulcollegen zusammen in einem kleinen Boot auf der kleinen Weser rüderte, ist dabei verunglückt und ertrunken. Der Arbeiter Jahnle ertrank beim Kentern eines Bootes. Lübeck. Die hiesige Turnerschaft beging die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß waren aus Hamburg, Schleswig - Holstein u. s. w. zahlreiche Abordnungen erschienen, die Glückwünsche und Geschenke überbrachten. Die Veranstaltungen waren sehr stark besucht und nahmen einen schönen Verlauf.
TaS glüölichstr Volk. Das glücklichste Volk unter den modernen Kulturvölkern ist nach Max O'Reill das französische. Hören wir, was er darüber in seinem Buch über die Fröhlichkeit sagt. Obwohl der Franzose auf ein sorgloses Alter hinarbeitet, ist die Jagd nach großem Reichthum, die alle Freude tödtet, ihm gewöhnlich fremd. Der Erwerb ist ihm ein Mittel zum Zweck, aber nicht Selbstzweck, und er weiß das Geschäft vom Privatleben zu trennen. Die Freuden des Lebens bilden stets einen Posten in seinem Budget, und er läßt feine Familie daran theilnehmen. Er steht beständig unter der Herrschaft einer Frau: der Mutte.r, der Gattin, der Tochter, der Geliebten. Aber eben das weibliche Element bringt Anmuth, Heiterkeit und eine gewisse Mäfiigung in's öffentliche Leben. Sieht man das französische Volk bei feinen Lustbarkeiten, so fällt auf, daß es sich sehr fröhlich, aber niemals lärmend benimmt. Trunkenheit, Thätlichkeiten und sonstige Rohheiten kommen selten vor. Naturanlage der Menschen und Klima wirken in Frankreich zusammen, um eine wohlthuend heitere Atmosphäre zu verbreiten. Der künstlerische Sinn im Volke, der durch die Umgebung geweckt und mannigfaltig gefördert wird, trägt da?u bei, daß auch Leute aus den unteren Schichten sür ästhetische Genüsse empfänglich sind, wodurch ihre Daseinsfreudigkeit erhöht wird. Deshalb muß man die Franzosen als die glücklichste Nation unter'den modernen Kulturvölkern bezeichnen, obwohl wie unser Philosoph hinzufügt sie unter ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnissen und... einer schlechten Regierung leiden. Ist es nöthig, hinzuzufügen, daß Max OReill ein Franzose ist? Seine Ausführungen enthalten ja viel Wahres, aber ist Lebensfreudigkeit einfach mit Glück identisch? Und gibt es neben den sanguinischen Franzosen nicht sehr viel melancholische und noch viel, viel mehr cholerische? Wäre in Frankreich, bei so vielen guten Eigenschaften der Nation und ihrer sozialen Entwickelung, der ewige Jammer über schlechte Regierung" möglich, wenn es nicht gerade in Frankreich gar so viel rabiate Leute gäbe, denen nie etwas recht ist und die deshalb auch das Gute immer stürzen? Man muß schon ein Franzose sein, um überhaupt eine Untersuchung darüber anzustellen, welche Nation die glücklichste ist! Reflexion. Aeltliche Jung, frau: Sonst habe ich immer eine glückliche Hand das muß ich sagen wie wunderbar mir zum Beispiel wieder dieser Napfkuchen gerathen ist . . . bloß ich selber bleib' sitzen!"
Der Badeschwamm. Reinlichkeit ist von hoher Vedeutung für unser menschliches Dasein, nicht nur in ästhetischer, sondern auch in hygienischer Beziehung. Außer dem Wasser ist es namentlich der Schwamm, welcher uns bei der Reiniaung und Reinhaltung der verschiedensten Gegenstände und Korper fast unentbehrlich ist. Der Schwamm gehört zu den vielbenutzten Dingen, welche nicht nur in Werkstätten und Fabriken, in Schulzimmern und Schreibstuben anzutreffen sind, son-, dern auch in der Haushaltung und am Krankenbette findet derselbe eine weitverbreitete Verwendung. Die eigenthümliche Beschaffenheit des Schwammes befähigt ihn ganz besonders zu den mannigfaltigsten BeNutzungen im Dienste der Reinlichkeit. Der zum Gebrauch hergerichtete Badeschwamm zeichnet sich nicht nur durch große Elastizität, sondern auch durch bedeutende Widerstandsfähigkeit gegen mechanische und chemische Einwirhingen verschiedenster Art aus. Wir haben es mit einem sehr porösen Körper zu thun, welcher die seltene Fahigkeit besitzt, nach jedem noch so hochgradigin Zusammenpressen sich wieder nahezu bis zu dem ursprünglichen Volumen auszudehnen. Ein solcher Körper muß denn auch infolge seiner Porosität besonders dazu geeignet sein, Flüssigkeiten aller Art in Verhältnißmäßw großer Quantität in sich aufzunecmen und festzunehmen. Hierauf beruht denn auch seine große Verwendbarkeit als Reinigungswerkzeug; der Schwamm wird um so besser hierzu befähigt sein, je elastischer und je gleichmäßiger sein Fasernetz ist. Größere Lücken sind ebensowenig erwünscht, wie' allzu enge Poren; die Brauchbarkeit eines Schwammes hängt denn auch von seiner besonderen Qualität ab. Daß unser Badeschwamm das Skelett eines lebenden Wesens ist. dürfte bekannt fern Seine Heimath ist der Boden des mittelländischen Meeres. Man unterscheidet im Mittelmeergebiet etwa fünfzehn besondere Sorten, welche ausschließlich nach derHerkunft als dalmatinische, griechische u. f. w. bezeichnet werden. Treten wir in ein. Kaufladen, um einen Badeschwamm für den häuslichen Gebrauch zu erstehen, so legt der Händler eine Anzahl verschieden geformter Stücke vor und sortirt dieselben zunächst, ganz abgesehen von der Größe, nach drei Kategorien von ungleichem Werth als feine Badeschwämme", Zimokkaschwämme" und Pferdeschwämme". Die ersteren werden am höchsten geschätzt und übertreffen die Pferdeschwämme, welche die geringste Sorte ausmachen, bei gleicher Größe oft um das Zehnfache des Werthes. Doch auch innerhalb der einzelnen Sorten hängt der Preis keineswegs ausschließlich von Größe oder Gewicht ab, sondern wird außerdem. noch durch die Gestalt, die Farbe und andere spezielle Eigenthümlichkeiten des einzelnen Stückes wesentlich beeinflußt. Bei dem Versuche, in einer größeren SchwammHandlung unter den vor uns aufgeschichteten Schwammhaufen die besonderen Arten herauszufinden, wird uns zunächst der meist schon durch seine Größe sich kennzeichnendePferdeschwamm in die Augen fallen. Er ist leicht erkennbar an seinen großen rundlichen Löchern, welche an der Oberfläche unregelmäßig zerstreut stehen und meist mit einem scharfrandigen Ringwall umgeben sind. Seine Form ist mehr knollig als zipfelig, und infolge der großen Durchlöcherungen Iäfct er sich auf ein erstaunlich geringes Volumen zusammendrücken. Seine Farbe ist nicht immer die gleiche, sie wechselt von strohlb bis in's röthliche bezw. bräunliche. Schwerer zu erkennen als der Pferdeschwamm ist der Zimokkaschwamm; derselbe ist meist flachschüsselförmig, während der feinere Badeschwamm sehr massig, abgerundet erscheint, jedoch auch hier finden Formenverschiedenheiten statt, indem auch letztere flach und der Zimokkaschwamm rundlich vorkommt. Während jedoch die flachen Badeschwämme auf beiden Seiten rundlich erscheinen, sind die Zimokkaschwämme auf einer Seite etwas flach vertieft, entweder schalenförmig oder auch', kelchförmig. In der Größe bleiben beide Sorten weit hinter den Pferdeschwämmen zurück. Während letztere oft eine Ausdehnung von V2 Fuß Durchmesser erreicken, werden die ersteren kaum halb so ?roß. Die Farbe der Zimokkackwämme ist gewöhnlich rothbraun, jedenfalls aber viel dunkler als die der feineren Badeschwämme. Ein bedeutendes Unterschiedsmerkmal aber ist die Festiaikeit. Der Zimokkaschwamm ist viel öerber und fester als der eigentliche Badeschwamm. In Zweifelhaften Fällen kann der größere oder geringere Widerstand, welchen der Schwamm dem Zusammendrücken der Hand entgegensetzt, als bestimmend gelten. Nicht nur nach der Größe, sondern hauptsächlich, nach der Qualität richtet sich der Preis, aber auch der Gebrauchswerth. Je weicher der Badeschwamm, je elastischer derselbe, um so meHr erfüllt er seinen Zweck, um so werthvoller wird er. Hier darf aber nicht vergessen werden, daß man bei dem Gebrauch von Schwämmen äußerst vorsichtig' vorgehen muß; namentlichin Bezug auf die. Reinhal-
tung. Bakteriölogische Untersuchüngen haben ergeben, daß sich in alten Schwämmen wahre Kolonien von allen möglichenSorten Bakterien vorfinden, welche leicht "dazu beitragen können, ansteckende Krankheiten auf, zweite und dritte Personen zu übertragen. Deshalb soll man nie alte Schwämme bei offenen Wunden und sonstigen äußeren Hautschäden anwenden, wenn man nicht fahrlässigerweise eine unter Umständen tödtliche Infektion herbeiführen will. Um Wasch- und Badeschwämme, die bei längerem Gebrauch bereits viel Seife angezogen haben, cder sonst verschmutzt sino, wieder zu reinigen und brauchbar zu machen, giebt es einMittel, indem man sie über Nacht in eine starke Auslösung von Pottasche legt. Hierauf werden sie in heißem Wasser tüchtig ausgewaschen, einige Stunden in Spiritus gelegt und noch einmal in heißem Wasser ausgewaschenDann sind sie annähernd wie neu. Derartige Schwämme aber sollte man nur noch für häusliche Zwecke ver-wenden.
Die bewaffnete Krabbe. In einer unlängst erschienenen Arbeit über die Kruster der Malediven und Lakkadiven schildert Borrodaile das merkwürdige Benehmen einer kleinen Krabbe (Melia Tesselata), die zwischen den Zweigen lebender Korallen lebt und fast stets (wie es Richter schon 1886 beobachtet hatte) in jeder ihrer beiden Scheeren eine kleine SeeAnemone trägt. Immer sieht man sie mit ihren beiden Blumenthieren wie mit zwei Sträußen umherspazieren, und wenn man ihr eines oder beide nimmt, sucht sie, wenn irgend möglich, sich ihrer wieder zu bemächtigen. Sie scheint ohne diese nicht leben zu ton nen und nur selten trifft man eines der Thiere ohne seine Anemonen. Der Gedanke läge nahe, daß sie sich dies:r mit Nesselorganen versehenen, von vielen Thieren gefürchteten Blumenthiere nur als Vertheidigungsmitiel bedienen, denn auch mancherlei größere Krabben, namentlich dieMeerspinnen (Maja - Arten) pflanzen solche Blumenthiere auf ihren Rücken, und die Bernhardinerkrebse setzenSeeAnemonen auf die Schneckenschalen, die sie bewohnen. Aber bei der Melia kommt noch ein anderes hinzu: sie b'ält die Seerosen in ihren Scheeren, die, schlank und gebrechlich, zur Vertheidigung wenm geeignet sind, und sie streckt die Scheeren mit den Seerosen jedem Angreifer entgegen. Sie dienen ihr als Waffen. vielleicht auch als Fang- und Angriffsmittel, um Beutethiere zu lahmen? Es wäre dann hier eins der seltenen Beispiele gefunden, in denen Thiere sich eines Werkzeugs, und noch dazu eines lebenden Werk, zeugs, bedienen. Bei Mutter Grün. Bei Mutter Grün schlafen" nennt der Berliner, indem er sich mit Humor über eine oft bedauernswerthe Lage erhebt, den nicht nur im Sommer oft chronischen Zustand der Obdachlosigkeit. Als im Jahre 1845 Friedrich Saß fein Buch über Berlin schrieb, gab es noch kein Asyl für Obdachlose. Saß berichtet aktenmäßiq aus - jener Zeit: Die Zahl der Personen in Berlin, welche keine' bestimmte Wohnung nachweisen können, nimmt man auf 12,000 an; in der Polizeisprache heißen sie latirende Personen. Die Gebüsche der öffentlichen Parke und ihre Bänke können im Sommer zur Noth für ein bequemeres Lager entschädigen, und ein früher Spaziergang läßt wohl hier und da solche elendenSchläfer entdecken. Aber wenn die kalte Jahreszeit mit ihrem Schnee, ihren Stürmen und Regenschauern hereinbricht, was dann? - Viele lassen sich des Abends in den Häusern einschließen und kauern in einem Treppenwinkel oder sonst irgendwo zusammen, auf dieGefahr hin, selbst wenn sie durchaus keine unredliche Absicht hatten, als des Diebstahls verdächtig der Polizei überliefert zu werden. Ueber eine Art humoristischen AusHilfsmittels berichtet Saß, dessen Buch heute selten ist: Auf irgend einem beliebigen Platze der Stadt, im Dunkel des Abends, tritt ein Jemand an eine Droschke heran und steigt in dieselbe. Es ist dunkel, der Kutscher kann den Einsteigenden kaum sehen. Wohin?" Nach dem Molkemnarkt." Der Kutscher fährt. Man erreicht den Molkenmarkt, die Droschke hält, der Gast steigt aus derselben und will sich entfernen, ohne zu zahlen. Halt," ruft der Kutscher, halt, bezahlen Sie erst." Ich habe nichts, ich kann nicht bezahlen!" Nicht! Er Spitzbube! Weiß Er wohl, daß ich ihn arretiren lasse, und daß hier dicht nebenan die Stadtvogtei ist?" Das weiß ich. Um arretirt und auf die Stadtvogtei gebracht zu werden, bin ich hierher gefahren. Ich wollte meine Beine nicht weiter anstrengen, ich habe kein Obdach." K einWiderspruch. Braut: Ich bin doch Deine erste Liebe, Hans? Assessor: Allerdings, mein Herz, obschon Du meine fünfte Braut bitt! E igennützigeAufmerksamkeit. Köchin (zur Madame): Mein Bräutigam ist zu aufmerksam; der kommt keinen Abend, ohne daß er mir ein... Kochrecept mitbringt!
Ein Bierkrieg . ans der LZergans genheit.
Cm W. Keller. ' Ein nicht uninteressanter Beitrag 1 Geschichte der Privilegien im Mittelalter. dürfte eine Thatsache sein, die unter dem Titel Die Bierfehde zwischen den Städten Zittau und Görlitz" in der Chronik einer ganzen Reihe Mittel und norddeutscher Städte einen Platz gefunden hat. Sie gehört jener Zeit an, wo die Ständeprivilegien und der Zunftzwang noch in höchster Blüthe standen, denn schon damals also etwa um den Ausgang des 12. Jahrhunderts war der biedere Deutsche dem schäumenden Gerstentränke mit besonderer Huld zugethan, wodurch viele Städte, welche ein besonders beliebtes Bier brauten, zu großem Reichthum gelangten und deswegen auch sehr bemüht waren, die Ansiedelung anderer Brauer zu hintertreiben. Um. diesen Zweck zu erreichen, dehnten sie das ihnen in ihren Zunftbriefen gewährleistete Recht, daß innerhalb eines gewissen Kreises um die Stadt leine Handwerker sich aufhalten durften, auch auf die Gerechtsame des Bierbrauens auö und führten das sögenannte Meilenrecht oder den Bierbann ein ein Recht, das sie nötigenfalls durch Gewalt aufrechterhielten. Diees im 15. Jahrhundert seinen Ur sprung. nehmende Meilenrecht erhielt ich bls m'i 17. Jahrhundert; ja, man indet sogar noch im 19. Jahrhundert Spuren davon. Die Formel dieses städtischen Bierbannes vergaß natürlich nicht, die strengsten Verbote gegen die Einfuhr fremden Bieres zu erlassen. Nur wenn es einer Stadt, entweder wegen Unzu-. träglichkeiten ihres Wassers oder wegen zu schlechter Keller und dergleichen durchaus nicht gelingen wollte, ein leidliches Bier zustande zu dringen, war es, in Anbetracht dessen, daß die hochweisen Rathsherren selbst gern auf einen guten Trunk hielten, ausnahmsweise erlaubt, fremdes Bier einzuführen, jedoch ausschließlich zu Nutz und Frommen der Stadt selbst. Um in diesem Falle die gehörige Controlle über den Verkauf ausüben zu können, legte der Rath selbst Schankstuben an, welche nachmals die Bezeichnung Rathskeller" führten, die bis in im sere Tage reicht. Unter den Städten, welche schon in den ältesten Zeiten um ihres Bieres willen eines großen Rufes genossen, nimmt vorzugsweise Zittau eine bedeutende Stellung ein. Bereits in der Maßordnung König Ottokars von Böhmen vom Jahre 1270 geschieht desselben Erwähnung, und schcn im 14. Jahrhundert gab es Concessionen, welche der Stadt das Recht zusprachen,' zweierlei Bier zu brauen, nämlich Weizen- oder Tränkebier und Gerstenoder Lagerbier". Die Trefflichkeit dieses Zittauer Bieres war weit und breit anerkannt, der Bierbann" dieser Stadt aber auch auf einen gewaltig ausgedehnten Kreis übertragen, während die guten Zittauer das Meilenrecht anderer Städte nach dieser Richtung hin zu respektiren durchaus nicht gewillt waren, sondern sich eigenmächtig das Recht zusprachen, ihr Vier an jeden beliebigen Ort versenden zu dürfen. Infolge dieser nicht ganz normalen Rechtsbegriffe sollte ,ener merkwürdige Mist empeyen, welchen die Specialgeschichte als die Görlitz-Zittauer Bierfehde" kennt. Die Stadt Görlitz trieb damals nämlich ebenfalls ein recht einträgliches Viergeschäft und sah sich deswegen durch die rücksichtslose und übermüthige Handlungsweise der Zittauer, welche ihr Bier mit der größten Ungeniertheit über die Görlitzer Grenze brachten, während sie selbst die strengsten Maßregeln gegen die Einfuhr fremden Fabrikats handhabten, in erheblicher Weise geschädigt und in ihren communalen Rechten beeinträchtigt. In dem Wunsche, die Sache möglichst friedlich beizulegen, erließ der Rath der Stadt Görlitz bei einer erneuten Gelegenheit einen Warnungsörief an die Zittauer, in welchem er zur Einstellung ihres rücksichtslosen Gebahrens aufforderte. " Man antwortete darauf nur mit Drohungen und der Thatsache, daß man einen noch größeren Transport Zittauer Bieres in das Görlitzer Weichbild einführte. Die Görlitzer wandten sich nun in einem Beschwerdeschreiben an den Kaiser Matthias, worin sie um ernstlich: Abhülfe dieser Ungebühr baten, di: ihnen auch insoweit gewährt wurde, als Kaiser Matthias von seiner Residenz Ofen aus den Befehl erließ, daß hinfüro Niemand das Recht fremdes Bier zu schänken, anderthalb Meilen ringsum Görlitz zu rechnen, führen solle, widrigenfalls die Görlitzer die DawiErhandelnden als Verbrecher ansehen, nach Gelegenheit der Sachen strafen und das Bier wegnehmen möchten". Diesem kaiserlichen Befehl zum Trotz sandten die Zittauer sofort nach Erlaß desselben eine neue Ladung in daS Görlitzer Land und ingm in ihrem Uebermuth sogar so weit, allen den Schankwirthen, welche die Abnähme des ungesetzlichen Gebräues verweigerten, sämmtliche Gefäße zu zerschlagen. Nunmehr rüsteten sich die Görlitzer, diesem Hohn aller Rechte mit den Waffen gegenüberzutreten. Wider alles Völkerrecht zogen die Zittauer jedoch, ehe sie noch den Fehdebrief der Feinde erhalten, in kriegerischen Rot-
ten in das Görlitzer Gebiet, so daß der Schaden, den sie dem feindlichen Gebiete zugefügt, auf die für die damalige Zeit sehr bedeutende Summe von 670 Thaler festgesetzt wurde. Nun riß endlichden Görlitzern die Geduld. Unter dem Läuten der Sturmalocke wurde die "anze krieasfähige Mannschaft bewaffnet und in'S Feld geführt. Leider kam man aber zu spät, die Zittauer waren längst über alle Berge und ließen den Görlitzcrn nur höhnisch mittheilen, daß sie das, was ihnen noch fehlen möchte, es wären 25 Stück Pferde, 3 Schock und 1 Groschen Rinder und 6 Schock Schweine, auch manch Geld- und Schmuckstücklein". " von dem Zittauer Marktplatz zurückholen möchten. Nun wurde von dem Landvogt der Ober-Lausitz Sigismund von Wartemberg ein Richterspruch erlassen, des Inhalts: Daß die Görlitzer zwar den Zittauern nicht wehren sollten, ihr Bier an ihre frühere Kundschaft zu Versen den, daß die letzteren sich aber fürderhin jeder Feindseligkeit enthalten, allen verursachten Schaden ersetzen und die Gefangenen ohne Lösegeld freilassen sollten. Im Weigerungsfalle würde ihnen eine Geldbuße von 6000 ungarischen Gulden auferlegt werden." Die Zittauer widersetzten sich jedoch auch diesem Richterspruche, so daß ein weitläufiger Proceß daraus entstand de? erst im Jahre 1497 dahin entschieden wurde, daß die Stadt Zittau zur sofortigen Zahlung einer bedeutenden Geldsumme verurtheilt und die gerade in Prag anwesenden Abgesandten des Zittauer Rathes als Bürgen für die s??fi;ff,rnrt Stir N,?nflickittN -sänn
uHUMiitj w. r I 7 O 3 13 V ti ji s im; emgezvgell iuuiucii. Eine ganze Reihe von Städten hat in ihren Chroniken ebenfalls Nachweise über Bierfehden mit den Zittauischen", die bis in das 17. Jahrhundert hinein verfolgt werden können, bis im Laufe der Zeit das Monopol- und Zunftwesen immer größere Beschränkungen erlitt und der Bierbann oder das Meilenrecht aufgehoben wurden. 0 'm m J Geschmacklose Kindermasren. i f Auf derPetersburger Kinderwelt"Ausstellung fand auch ein KinderMaskenball statt. Welcher Art die Masken waren, die dort zur Schau gestellt wurden, zeigt ein Ballbericht eines Petersburger Blattes, in dem es heißt: Peinliches Aufsehen erregte ein vierjähriger Boßjak" im blutbespritzten Hemde, mit einer schmutzigen, in Fetzen hängenden Binde über derStirn und einer Mütze, auf der Gorli's Vagabundenwort stand: Ich will und wünsche nichts auf dieser Welt!" Aus der Tasche des durchlöcherten Mantels schaute der Hals einer Schnapsflasche hervor und die Füße steckten in etwas, das mit Stiefeln nur eine entfernte Aehnlichkeit hatte. Die glückstrahlende Mama des kleinen Nachtasyl - Gastes führte ihren Jungen stolz durch den Saal. Ebenso geschmacklos war ein anderer Knabe gekleidet: der Dreikäsehoch erschien als Nowoje Wremja"!" Es muß hervorgehoben werden, daß die Ausstellung Kinderwelt" erzieherisch wirken will. Galanterie. Warum küßt Du mich denn so selten auf den Mund, Heinrich?" Ach, da müßte ich doch erst immer so lange suchen!" Erhaben. Commercienrath (in seiner Villa in Nizza zu feinen Gästen): Nu, meine Herrschaften, wie bekommt Ihnen mein Klima?" Die Pantoffelheldin. Bekannter: Wie, Sie bleiben Abends zu Haus, und Ihre' Frau geht kneipen?" Hausherr: Ja, das hat sie noch so aus ihrer Studienzeit her; (stolz) aber den Hausschlüssel kriegt sie nicht!" Letztes Mittel. Erste Sitzengebliebene: Nun, ist Dir noch nie Einer nachgesprungen in's Wasser?" Zweite: Nie! Aber jetzt lern' ich schwimmen, vielleicht kann ich mi gelegentlich selbst Einen herausfischen!" Postscriptum eines R e i s e b r i e f e s. Verzeihe die orthographischen Fehler, die sich vielleicht eingeschlichen haben aber das Schiff schaukelt so furchtbar, während ich Dir schreibe!" DieEinfaltvomLande. Bekommen wir denn'Besuch, gnädiae Frau?" Nein!" Aber der gnädige Herr hat doch gestern gesagt: der Ultimo kommt!" DieGattindesWetterPropheten. Ach, mein Männchen liebt mich nicht mehr!. . . Für die Zeit meiner Badereise hat er schlechtes Wetter prophezeit. . JmBade. Dame: Ich bin über die Talentlosigkeit meiner Tochter Malwine ganz verzweifelt, Herr Doktor, können Sie ihr nicht ein bischen Klavier beibringen? Doktor: Klavier spiele ich selber nicht. Dame: Oder singen? Doktor: Ich bin ganz unmusikalisch. Dame: Oder Aquarellmalen? Doktor: Bedaure, ich bin überhaupt schon verlobt! Schlimme Lage. Herr: Nun, Maxl, wie geht's Dir denn in Deiner neuen Lehrstelle? Maxl: O, miserabel! Der Meister will immer Schnaps -trinken, und die Meisterin duldet's nicht. Hol'.ich keinen Schnaps, haut e r mich, hol ich welchen, giebt's von ihr Prügel! Ich sag' Ihnen, wenn er mich um Schnaps schickt, stehen schon Beide mit dem Stecken da. ,
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