Indiana Tribüne, Volume 27, Number 303, Indianapolis, Marion County, 13 August 1904 — Page 5

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Jnditma Tribüne, 13 August 1904;

PapaS, Schulanssatz. Von Anna Wahlenberg. Llnzig autorisierte llebersctzung aus dem Schwedischen von E. Stine. - Es gab verschiedene Schulgegenstände, die Elma Torngren schwer sie len, und dics nicht so sehr, weil sie etwa nicht einen hallen Kopf gehabt hätte, sondern weil dieser so voll Muthwillen war, daß der' Raum zu eng wurde, wenn man noch etwas Anderes hineinzupfropsen versuchte. Die Grammatik ging schlecht, die Mathematik miserabel, die lebenden Sprachen nicht viel besser. Am ärgsten aber stand es um die Muttersprache. Wenn sie schwedische Aussätze schreiben sollte, war ihr zu Muthe, als litte sie unter einer schweren Strafe. In den Mittagsstunden, wenn sie mit dem Aufsatzheft in der Schultasche heimging, war sie nicht einmal gelaunt, Umwege zu machen, um den Jungen vom nächsten Gymnasium zu begegnen. Eines schönen Tages jedoch kamen die schlechtesten Stilistinnen der Klasse auf den Einfall, von den besten Hilfe zu begehren. Für einige Bonbons oder ein Zehnöre - Backwerk war ein ganz anständiges Concept zu bekommen, das man bloß in das Heft einzuschreiben hatte. Und das ging nun wie ein Tanz. Elma sparte jeden Tag ein paar Oere an ihrem Frühstücksgeld, so daß sie am Aufsatztage stets über zehn Oere verfügen konnte. Und so genoß sie geräume Zeit ein verhältnißmäßig ruhiges und glückliches Dasein. Allein kein Glück ist beständig, und eines schönen Tages entdeckte der Rector, der selbst im Schwedischen unterrichtete, den Betrug. Es kam zu einem großen Auftritt, und dann wurde die Verfügung erlassen, daß, wenn ein ähnlicher Unfug noch einmal entdeckt werden sollte, sowohl diejenige, die den falschen Aufsatz geschrieben, als die, die den Entwurf geliefert, eine Anmerkung wegen Schwindelns erhaltenz solle. Seither waren alle Rettungswege versperrt. Elma sparte nicht mehr an ihrem Frühstücksgeld, und ihre Auf-

ätze hatten den gefestigten Ruf, die Rechtesten in der ganzen Schule zu ein. So kam sie wieder eines Tages heim, das Aufsatzhest in der Schultasche. Auf einem Zettel waren vier Themen aufgeschrieben. Sie konnte darunter nach Belieben wählen, aber eines davon mußte gewählt und bearbeitet werden. Nach beendigtem Mittagsmahl setzte sie sich an den Speisetisch, um in Ruhe ihre vier Themen anstarren zu können. Das erste war: Das Deltaland des Niles". Hiervon wußte sie nur so viel, daß es dort Krokodile gebe. Aber man kann doch nicht drei, vier Seiten in einem Schreibheft bloß mit Krokodilen füllen. Mithin mußte sie den Gedanken hieran aufgeben. Das andere war: Ueber den Streit der Hüte und Mützen unter den schwedischen Königen Friedrich I. und Adolf Friedrich". Hu, dieser Krieg war immer ein Sammelsurium für sie gewesen. Sich für Land und Reich schlagen, das konnte sie noch verstehen. Aberj was für eine Idee war das, sich, wie diese Menschen, um so erbärmliche Dinge die Köpfe zu zerschlagen, daß man gar nicht wußte, um was es sich eigentlich handelte. Nein, das ging ihr nun und nimmer ein. Und da konnte sie sich auch nicht hinsetzen und darüber schreiben. Das dritte war: Des Menschen freier Wille". Solch' ein Hohn! Saß sie nicht da, bedrängt und gezwungen, und da wollte man noch obendrein, daß sie sich darein versetzen sollte, was es hieße, einen freien Willen zu haben? Ja, wenn sie es wagen würde, so recht herauszuschreiben, was sie von dem freien Willen dachte, da hätte sie eine ganze Menge zusammengebracht. Aber das ging wohl nicht an, denn ihre Ansichten über diesen freien Willen des Menschen stimmten eben mit denen des Lehrers und anderer rechtschaffener Leute nicht so ganz überein. Also war es auch mit diesem Thema nichts. Blieb noch das vierte und letzte: Im Frühling". Im Frühling! Sollte sie sich daran versuchen? Es schien ihr, als würde dieses Thema ihr die wenigsten Schwierigkeiten in den Weg legen, und außerdem erforderte es auch die geringste Sachkenntniß. Ja. wie ist es denn eigentlich im Frühling? Sie befeuchtete die Bleistiftspitze und setzte sie an's Papier, um das Concept zu beginnen. Im Frühling? Nun, da sehnt man sich nach dem Sommer, damit die Schule ein Ende hat. Aber das konnte man ja nicht in ein Schulaufsatzheft schreiben. Es war entsetzlich, was man Alles nicht schreiben konnte. Sie mußte etwas Anderes ausfindig machen. Sie sann und sann, daß bei Kopf sie schmerzte, rieb sich die Stirn, wo die Geniebeulen sitzen sollen, und fuhr unaufhörlich mit den Fingern durch das helle Haar, daß es wie eine Glorie um das Gesicht stand; aber trotz alledem wollte ihr nicht die geringste Inspiration kommen. Den Anfang? hatte sie zwar schon. ' Der Frühling ist eine schöne Jahreszeit," stand , oben am Papier. Aber

was half es, wenn man nicht weiter kann? ' Um das Maß des Unglücks voll zu machen, war sie auch noch Tags zuvor auf einem Kinderball gewesen, so daß der Schlaf sich einzustellen begann. Alles war so desperat, so elend. Ms Thränen begannen zu fließen. Sie schluchzte und nickte. Und zuletzt legte sie den Kopf auf's Papier, nur um die Gedanken zu sammeln. Aber das hätte sie nicht thun sollen, denn das war die rechte Art, um zu jenem Stadium zu gelangen, wo man gar nicht denkt. Fünf Minuten später ging ihr Papa durch das Zimmer, und als er sie zufammengesunken in einer so merkwürdigen und unnatürlichen Stellung sah, guckte er ein wenig näher zu, wobei er sein großes vierzehnjähriges Mädchen eingeschlummert fand, den Kopf auf dem Tische und die Thränen auf den Wangen wie ein kleines Baby. Er stemmte die Hände in die Sei ten und lachte, denn er war ein Mann mit der ausgesprochenen Neigung, das Leben von der lustigen Seite zu nehmen. Dann ging er zu seiner Frau und hieß sie hereinkommen. Aber als sie Beide so dastanden und ihr großes kleines Baby betrachteten, das wirklich recht süß aussah, wie es so 'dalag, das reiche helle Haar wie eine Wolke um's Antlitz und die runde rothe Wange feucht von Thränen, da mußten sie ein wenig zu laut gelacht und geplaudert haben, denn das Baby erwachte mit einem hastigen Zucken, sah ängstlich zu den Eltern auf und fing nun erst recht zu weinen an. Ach, dieser entsetzliche, greuliche Aufsatz! Und wenn es das Leben gegolten hätte, sie kam damit nicht weiter. Arme Kleine!" sagte die Mutter und strich ihr über das Haar. Sie ist freilich auch müde. Wenn man vor ein Uhr nicht in's Bett gekommen " Papa aber nahm ganz einfach, das Conceptpapier, den Bleistift und den Zettel mit den Themen an sich, winkte Elma, ihm zu folgen, ging mit ihr in sein Zimmer und setzte sich an den Schreibtisch. Nun also, mein Mädchen," sagte er, nun wollen wir Beide dieses große Werk in Angriff nehmen, und da wäre es wohl des Kuckucks, wenn wir nicht damit fertig würden. Ich habe seinerzeit ja auch mit dergleichen Zeugs zu thun gehabt. Beruhige Dich." Elma's Papa war Gasthauswirth und hatte sich frühzeitig seinem Berufe gewidmet, was zur Folge hatte, daß er seine Studien einigermaßen vernachsässigt hatte. Dies Hinderte jedoch nicht, daß er ein großer Freund von Literatur, Wissenschaft und Kunst war und seine Lyra bei passenden Gelegenheiten zu poetischen Ergüssen besaitete. Er war nämlich eine sehr gefühlvolle

Natur. Nun war es freilich schon lange her, seit er die Feder zu anderem als Geschäftsgebrauch geführt htate. Aber er war nicht derjenige, der an sich selber verzweifelte, und so viel werde er doch wohl noch taugen, dachte,, um seinem kleinen Mädchen bei einem stmpeln Schulaufsatz behilflich zu sein. Na, nun wollen wir sehen, worüber wir zu schreiben haben," sagte er, nahm den Zettel mit den Themen, .um diese durchzusehen, und kam nach einigen Augenblicken zu demselben Resultat wie Elma, nämlich, daß alle unmöglich seien außer dem letzten: Im Frühling". Aber darüber zu schreiben, konnte auch wirklich keine Kunst sein. Der Frühling ist eine schöne Iahreszeit, jawohl," fuhr er beistimmend fort. Das ist richtig. Und dann ist es ja die Jahreszeit, wo Alles, Fische und Vögel und Wald und Wiese und Menschen und Säugethiere, erwacht und die kalte weiße Winterdecke von sich wirft. Nicht wahr?' Ja," erwiderte Elma und ver-' suchte sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. Also schreiben wir das." Er schrieb und strich aus und schrieb und strich aus. Und dann ist es die Zeit, wo die Lerche in, den frühlingsgrünen Wiesen ihre Triller schlägt und ihre Nester in den knospenden Gipfeln der Bäume baut." Er war ein Stadtkind, so daß ihm seine etwas ungenauen Kenntnisse über die speciellen kleinen Gewohnheiten der Lerche zugute gehalten werden mÄssen. Nicht wahr?" Ja a, ja " Elma rieb sich noch immer die Augen. Er schrieb wieder und strich wieder aus. Nun mußt Du aber auch helfen. Du sagst ja nichts als Ja. Und dann haben wir alle diese kleinen Bächlein, die zu fließen anfangen. Nicht?" I, ja, freilich, ja " Nun, und dann? Hilf.doch auch." Elma grübelt scharf. Und dann ja, dann dann H ia " Es wird halt doch nichts Anderes als Ja, ich merke es. Geh' nur und leg' Dich nieder, mein Hühnchen, ich werde das schon besorgen. In einem Nu ist es fertig wirst schon sehen!" Elma sah ihn zweifelnd an. Sie hatte daheim nichts erzählt, wie sie in der Schule mit den Aussätzen geschwindelt hatten und daß die Strafe einer Anmerkung übn ihrem Haupte schwebe, falls es noch einmal vorkäme. Sollte sie es jetzt sagen? Aber drei Gründe hielten sie ab, auf-

richtig zu sein. Erstens war eö unangenehm, vom Schwindeln zu sprechen.

Zweitens war es ja keine Schulcollcgm, die ihr jetzt half, und der Rector konnte diesmal nicht durch die Aehnlichkeit der Stilisirung mit der eines anderen Aufsatzes dem Betrug auf die Spur kommen Und drittens wußte sie sich keinen anderen Rath. Darum ging sie zögernd aus dem Zimmer und setzte sich zu ihren anderen Aufgaben, um darüber zu brüten, bis das Concept zum Einschreiben fertig fein würde. Der Nu", von dem ihr Vater ge-, sprechen, zog sich jedoch fast zwei Stunden hinaus. Papa hätte nie geglaubt, daß es so schwierig sein könnte, einen kleinen Kinderaufsatz zu schreiben. Er schwitzte und schrieb und schwitzte und strich aus. Er vergaß Gäste, Ausschank und Küche. Dafür aber war er auch stolz, als er endlich mit einem ganzen Bogen Papier, mit seiner schönen, deutlichen Handschrift fast voll beschrieben, bei Elma eintrat. Die würden in der Schule ganz erstaunt sein, welch' poetisches Talent seine Tochter hatte. Elma dankte, erhielt einenKlaps auf die Wange und die Ermahnung, den Aufsatz recht nett abzuschreiben, sowie er es verdiente, wollte ihr Papa vermutlich damit sagen. Und dann ging er in dem Bewußtsein, seine Pflichten als guter Vater erfüllt zu haben. , Ganz so zufrieden war Elma wohl nicht insbesondere, da sie während der Reinschrift eine Empfindung hatte, als klängen einige Sätze ein wenig merkwürdig. Aber es war so schön, von der schweren Sorge befreit zu sein, daß sie ohne weitere Grübeleien Alles einschrieb. Mochte es nun gehen, wie es wollte. Als einige Tage danach die Lection sich näherte, wo sie ihre Aufsatzhefte zurückbekommen sollten, fühlte sie sich' jedoch ein wenig unruhig, und mit klopfendem Herzen saß sie zuletzt auf ihrem Platze und sah, wie der Rector das Band löste, das kreuzweise um all' die blauen Schreibhefte gewunden war. Nun begann er sie durchzugehen. Ein Name nach dem anderen wurde aufgerufen, der Aufsatz kritisirt und mit Tadel oder Lobspruch feiner Verfasserin zurückgestellt. Immer noch aber hielt er Elma's Heft zurück. Sie sah, wie nur noch vier Hefte auf dem Katheder lagen. Dann nur drei. Dann zwei. Zuletzt ein einziges, das ihrige. Das Herz in der Brust stand ihr fast still. Der Rector öffnete das letzte Heft, strich mit der Hand über dieSeiten, um sie zu glätten, und blickte Elma an. Elma Torngren, hast Du diesen Aufsatz selbst geschrieben?" fragte er. Sie blickte zur Seite, zögerte ein weniq und antwortete dann mit einem leisen Ja". Da wandte der Rector den Blick wiederum den Seiten zu und begann zu lesen: Im Frühling! Der Frühling ist eine schöne Jahreszeit. Wenn er kommt, lüftet er zärtlich wie ein guter Vater die kalte eisdiamantbestreute Winterdecke von allen sämmtlichen Individuen, die aus der Meisterhand des Schöpfers hervorge gangen, von den Fischen und Vöglein und von den Menschen und von allen Säugethieren. Er knospt in den dürren' nackten grauen Vaumgerippeskeletten der stillen friedlichen Haine und nicht minder in den vor Finsterniß und Kälte, verschrumpften und vertrockneten Gehirnkammern und Herzenswinkeln der Menschenkinder. Ach, du lieblicher, unsäglicher, zauberhaftester Frühling, rufen Wiesen und Bäume und Sträucher, komm und kleide uns in Hochzeitskleider, denn wir wollen unser Hochzeitsfest feiern! Ach. komm' und bekleide uns bald, recht bald, lernt wir lechzen und schmacht ten " Hier blickte der Rector mit einer Miene über seine Brille hinweg, die seinem Auditorium zu verstehen gab, daß es nicht verboten sei, zu kichern. Ringsumher ertönten denn auch glucksende Laute, und jedes Paar Mädchenäugen starrte die arme Elma an, die roth wie eine Mohnblume dasaß und nur zu gut Aller Blicke fühlte, wiewohl sie auf das Pult hinabsah. Der Rector fuhr fort: Ja, von Herzen gerne, erwidert der Frühling. Hieraus beginnt er alle Wiesen mit Tausenden und Abertausenden goldschimmerprangenden und purpurstrahlenden Blumenrankenguirlanden zu bekränzen, und die Lerchen schlagen ihre wunderbaren Trillerarien in den Baümwipfeln. Sie sind die Spielleute auf dem Hachzeitsfeste der Natur. Und fröhlich und aufgeräumt sind sie, ohne vorher ihre kleinen entzückenden Sängerkehlen durch Alkohol stimulirt zu haben " Hier strich der Rector wieder mit der Hand über die Heftseiten, während er aufblickte.' Ich brauche wohl nicht weiter zu lesen," sagte er. Ist noch Jemand hier, der glaubt, daß Elma Torngren diesen Aufsatz selbst geschrieben hat?" Alle Pultreihen Entlang gingen kichernde Laute, sonst - aber kam keine Antwort. . Nun, ich glaube es nicht," fuhr der Rector fort, und ich nehme an, daß Elma's Behauptung, daß sie es geschrieben, bloß der Reinschrift aalt. Nicht wahr, Elma?" Ein längeres Leugnen war sinnlos. .Ja." sagte das kleine Mädchen noch leiser als zuvor.

- .Wer also hat ihn versaßt? Ist es eine der'Colleginnen?" Nein," kam die Antwort immer noch wie ein Geisterhauch. Ist es irgend eine Tante oder Cou, sine?" Nun kam gar keine Antwort. Vielleicht die Hausmamsell?" Absolutes Stillschweigen. Es ist doch wohl nicht das Kinder Mädchen?" Keine Antwort. So, so. Elma hat nicht so viel Vertrauen zu mir, um es mir zu sagen. Nun, streng genommen habe ich ja nichts damit zu thun, wenn es keine der Kameradinnen ist. Aber Betrug ist es ebenso gut, und Du weißt, welche Strafe ich hierfür bestimmte." Sie durste sich ihr Heft holen, und der Rector äußerte kein Wort mehr über die Sache. 3u Hause aber ging ihr Papa voll Spannung über das Schicksal des Aufsatzes umher, und da er wußte, an welchem Tage er zurückgegeben wurde, so war seine erste Frage beim Mittagstisch, was der Rector darüber gesagt habe. Elma blickte auf ihren Teller hinab. O, nichts Besonderes," sagte sie. Sie konnte doch ihrem Papa nicht erzählen, wie blutig man sein Geistesproduct verhöhnt, und daß der Rector sogar vermuthet, das Kindermädchen habe es in's Leben gerufen. Nichts Besonderes," wiederholte Papa ärgerlich. Er hatte so sicher erwartet, daß der Aufsatz Glück machen werde. Hat er wirklich gar nichts Eingehenderes darüber gesagt?" Elma murmelte etwas von orthographischen Fehlern, um das Ganze glaubhafter zu machen, und damit wurde das Thema diesmal fallen gelassen, wiewohl Papa den ganzen .Nachmittag schlechter Laune blieb infolge verletzten Verfasserstolzes. Nach Schluß der Woche kam Elma jedoch mit einem Anmerkungsheft heim, das zu zeigen sie so lange als möglich hinausschob. Am Montag Morgen war dem aber nicht mehr auszuweichen, denn der Vater mußte seinen Namen unterschreiben. . Er stutzte, als.er die Anmerkung sah, die erste im ganzen Buche und die einzige, die fein Mädchen je bekommen. Eine Anmerkung wegen Betrugs! Was sollte das heißen? Elma erröthete und erbleichte. Schon seit dem Aufsatztage hatte ihr vor dieser Stunde gegraut, und sie hatte sich den Kopf zerbrochen, was sie auf ihres Vaters Fragen antworten sollte. Denn zu sagen, daß sie diese Anmerkung seinetwegen bekommen, das brachte sie nicht über sich Sie hatte keinen besonders guten Kopf, aber dafür einen feinen Instinkt, und sie begriff dunkel, daß es ihn in irgend einer Art tief, unheilbar, unauslöschlich verletzen würde, wenn sie es thäte. Lieber also was immer vorbringen. Nun aber hatte sie alle Geschichten vergessen, die sie ausgedacht hatte, und stand da, zitiernd und stumm wie ein richtiger Werbrecher. Das Einzige, was sie zuletzt zu 'thun wußte, war, sich an des Vaters Hals zu werfe:? und in Schluchzen auszubrechen. Er aber schob sie von sich, und das Verhör begann. So gutgelaunt er sonst war, mitunter konnte er sehr ernst werden, und er hatte starke Ambitionsgcfühlc ' sowohl auf eigene Rechnung als auch für seine Kinder. Warum hatte sie die Anmerkung bekommen? Das wollte und mußte er wissen. Elma behauptete, es sei wegen Schwindelei bei einer Schreibaufgabe, aber da sie nicht gewohnt war, zu lügen, so fielen ihre Aussagen so schwankend und widerspruchsvoll aus, daß der Vater einsah, sie wolle mit der Wahrheit nicht heraus. Sag' mir nur ordentlich, wie es zusammenhängt," sagte er streng, sonst gehe ich zur Schule und erkundige mich selbst." Nein, nein, thu' das nicht!" brach sie erschreckt aus. Diese Drohung schien bessere Wirkung zu haben, als alle harten Worte, und plötzlich löste sich ihre Zunge. Eilig und ausführlich berichtete sie, wie sie Selma Lindgren mit Bonbons bestachen habe, damit sie ihr das Concept zu ihrer französischen Uebersetzung unter das Pult stecke, und wie die Lehrerin dazu gekommen sei und es aus Elma's Heft herausgucken gesehen habe. Dies Bekenntniß erschien wirklich ziemlich glaubwürdig und sie durfte endlich gehen. Als sie aber fort war, fühlte sich ihr Vater wiederum von Mißtrauen ergriffen. Besonders ihre Angst, er könnte sich in in der Schule erkundigen, erschien ihm verdächtig, und er beschloß, sobald er eine freie Stunde hätte, einen Besuch beim Rector zu machen, um die Sache in's Klare zu bringen. Er fand sich also richtig zu einer späteren Vormittagsstunde in der Schule ein und traf den Rector auch an, worauf er ihm allsogleich sein Anliegen vorbrachte. Er wollte wissen, wie es sick mit dem Betrug im Französischen verhielte, wofür seine Tochter die Anmerkung bekommen. Im Französischen," wiederholte der Rector. Nein, im Französischen war es nicht." So lügt, sie also," brach der Vater aus, empört über so viel Sittenverderbniß bei seinem Kinde. Der Rector derluchte die Sache etwas zu mildern. ".Vielleicht ein Mißversiandniß,"

lag er. Me Anmerrung gq 090.9 wegen eines schwedischen Aufsatzes, den sie sich von irgend Jemandem hat schreiben lassen." Eines schwedischen Aufsatzes ?" Jawohl. Und der Schwindel war ziemlich leicht entdeckt, durchaus nicht gut ausgeführt," sagte der Rector lächelnd. Sie wollte unter keiner Bedingung gestehen, wer ihr geholfen, aber vermuthlich war es das Kindermädchen oder irgend eine sentimentale alte Jungfer!" Wer? Eine sentimentale alte Jungfer?" Ja, was weiß ich, aber so sah es aus!" Der Rector konnte . nicht begreifen, warum sein Besucher mit einem Male so lammfromm wurde. Keine weiteren Fragen, keine Entrüstung mehr über das schlechte Betragen der Tochter, nur eine linkische Entschuldigung, daß er gestört habe. Er habe nur wissen wollen . . . Und nun danke er ergebenst . . . Und damit ging er. An jenem Tage war Papa bei Tisch sehr still, als aber Elma kam und ihren Dank für das Essen sagte, nahm er ihren Kopf zwischen seine Hände und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn, so rang und so zärtlich, daß Elma verwundert zu ihm aufblickte, und nie zuvor hatte sie ihren Papa so lieb gesehen wie mit dem Blick, den er da in den Augen hatte. Am Abend wurde sie in sein Zimmer gerufen, und ohne ein Wort zu sagen, überreichte er ihr ein viereckiges Etui, das beim Oeffnen eine kleine tickende Golduhr enthüllte. Wofür sie sie bekommen? Eine Ahnung durchfuhr sie, denn sie wußte, daß er Vormittags in der Schule gewefen, und dann dachte sie an seinen Kuß und seinen Blick beim Mittagstisch. Sie schlang die Arme um; ihn und küßte ihn. Aber keine Frage kam über ihre Lippen. Auch Papa sagte kein Wort, warum sie das Geschenk erhalte. Das sollte sie niemals erfahren. Aber während ihres ganzen Lebens verblieb es ihr theuerstes Kleinod. Bcatus ille. A.: Na, rote suhlen Sie sich denn in Ihrer neuen Villa? V.: O, ganz gut. Wissen Sie, bei Tage, ist es freilich ein bischen sonnig draußen und auch ein bischen öde. Aber dann, wenn die Abendstimmung heraufzieht, dann ist es wunderbar, da bin ich in einer halben Stunde mit dem Vorortzug in Berlin. Kleine Schwächen großer Kunst lcrinnen.

Es ist wiederholt vorgekommen, daß eine unbekannte Kunstnovize, eine bisher unbeachtete Anfängerin gewissermaßen über Nacht als ausstchtsvolle Künstlerin entdeckt wurde. Eine plötzliche Unpäßlichkeit" der berühmten Gastin ebnet der Kunstnovize die Wege, sie springt für die Erkrankte ein und löst ihre schwierige Aufgabe mit solchem Erfolg, daß die gefeierte Collegin schon am nächsten Tage wieder gesund ist. In dieser Vertretung durch eine bisher als Concurrentm gar nicht in Frage kommende Collegin liegt von jeher ein mächtiges AllheilMittel für die oft nicht gerade tief sitzenden Unpäßlichkeiten berühmter Künstlerinnen und Künstler. Es ist eine in Theaterkreisen bekannte Thatsache, daß Erkrankungen bei beliebten Schauspielerinnen weit 'eltener auftreten, sobald sich im Peronalbestand Vertreterinnen für sie inden, und die sogenannte erste Beetzung" selten gestört wird,, sobald die zweite fix und fertig vorbereitet ist. Es gehört zu den kleinen Schwächen großer Mcnschendarsteller, stets mit Herz. beklemmungen daran zu denken, daß irgend eine liebe Collegin ihnen durch eine plötzliche große That den Ruhm der Alleinherrschaft auf ihrem Gebiete streitig machen könnte. So wirkt die plötzliche Uebernahme einer tragenden Rolle oft wahre Wunder auf die gesundheitlichen Verhältnisse, ihrer ursprünglichen Darstellerin, und bedenkliche Krankheitssymptome verschwinden mit überraschender Schnelligkeit, sobald die Direktion verlauten läßt, daß eine geeignete Vertreterin zur Stelle ist. Erzählt man doch von der berühmten Josesine Gallmeyer, daß diese eines Tages, da sie sich hatte schwer krank melden lassen, zehn Minuten vor der Vorstellung plötzlich per Droschke vor dem Theater erschien, als sie erfahren hatte, daß ihrer Erkrankung wegen die Vorstellung nicht abgeändert worden sei. Sie meldete sich gesund, stürzte in die Garderobe, machte Toilette, sagte der schon fertig kostümirten Vertreterin eine Fluth von bösen Worten und erzwäng sich dann förmlich ihr Auftreten. Alle Vorfiellungen der Direktion sowie des Theaterarztes, der ihr zu ihrem eigenen Besten den Rath gab, nicht zu spielen, waren vergebens. Sie bestand darauf,, aufzutreten, und setzte schließlich ihren Willen durch. Die Vertreterin mußte von den Kulissen aus unthätig zusehen. Am nächsten Tage lag die Gallmeyer fiebernd im Bett und konnte es einige Wochen nicht verlassen. Sie war nämlich krank gewesen, und die angebliche Genesung vor der Vorstellung war nur der krankhaften Furcht entsprungen, die ihr plötzlich entstandene Nemplacantin könnte an diesem Abend durch ihre Leistung einen ausschlagge binden Erfolg erzielen.

Feuer-Signale

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Washington Ett 1 No. 10 Spritzenhaus Jllinoi u Merrill i Jllinoiö u Louisiana : West und South West und Mcssarty 9 Senate Ave. u Henry il Meridian und Ray S 9io. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMorriZ öS Madion Slv.uDunlop No Hakm Leiterhaui South nahe Delavar 32 Penn, u Merrill 13 Dewwan u. McCartd Yft Tast und VeSarth New Jersey u. MerrtU VT Lirg.Lv.uradsha 68 Gast und Prospekt es Bicking und High n No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huroa n Eäst und Seorgia 75 E-da? und Eln 74 Davidson u Georgia Snglish Av.u Pme 7 Shelby und Bat 3 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Chelky Fletcher Av. u Sbelby öl Market u. New Jersey 32 Delaware und Wash. SS Eaft u Washington H New York u. Davidso? ZK Taubstummen Anstaä LZ er. Staaten Arsenal Z7 Orient! und Wash. ?9 Fraunv-Reformat. n No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 2 Meridian vu Seorqia., 53 Meridian und Couth St Pennsyl) u. Louisiana 5 Birzini Ave u. Alad. 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Die o bezeichnete Signale werden tatx ten Thun Wächter engegeben da an den betreffend Etrcrß, deuzunge kein Zllarmkäkm anaebracht sind. Chicago und der große Nord Westen di iII III III 1 I II. X I i III l i III rM s ' V I l n 77y "--'v ;7uv , t ui uzii-- -a irzssm IMS alatta-Sawait-Pkzttttidine Inseln. Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Ett. Etation, Chlcago. sind nur 5 Minuten mittelst elektrischer dar nach den Union Lieh dösten French Lick Springs, indem Orange Eounty Hochland. Famlllen-Hott! anter neuer GeschäftZleitunz. Pluto, Proservtne ind Bowle Quellen. Bcste Mineralwasser dn Welt. - Zwei Züge täglich via Sree-acaftle. Tlcket-Officea : Union Station, VassechustttZ Kv nd 25 West Washington Straße. R. P. A I g e o. Distrikt Vass. Agent, Indianapolis. Ind. H.McDoel. E.H.Rock well, Präs. und Gen. Mgr. Bettietkleilke Frank I. Reed, en.iks. Agent. Ibicago, Jll.

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