Indiana Tribüne, Volume 27, Number 301, Indianapolis, Marion County, 11 August 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 11. August 1904.

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5 Alfred Sassen 00OfO00OOiOCO000 (Fortsetzung.) Und seine erschütternde Frage traf sie. Sie zuckte zusammen. Freilich nur, weil vor ihrem inneren Auge plötzlich, in dämonischer Lebhaftigkeit hervorgewachsen, ein Bild stand, das einen wonnigen Schauer durch ihre Glieder jagte. Wenn es " vorhin ein Anderer gewesen wäre, der sie mit feinen veizehrenden Küssen bedroht hätte jener Andere, an den sie seit Beginn ihrer verlogenen, freudlosen Ehe mehr denn je denken mußte ah. sie hätte sich nicht gewehrt! Ihre Lippen hätten ihm, heißer noch als die seinigen, entgegengebrannt! Und sie haßte den haltlosen, kränklichen Menschen dort doppelt, weil er sich in Wirklichkeit an die Stelle des heimlich Ersehnten gedrängt hatte! 'Der arme Gelehrte mit seinen kurzsichtigen Augen erkannte wohl kaum das immer wildere Haßfunkeln in den ihren, aber da er mit jeder Faser seines Empfindens an das schöne Weib gekettet war, fühlte er instinktiv heraus, wie sie in dieser unglückseligen stunde die nervige, kleine Hand ausstreckte, um das ohnehin schon bis zum Auseinanderfallen gelockerte Band zwischen ihnen jäh und unerbittlich zu durchschneiden! Und in der dumpfen Hoffnungslosigkeit, die sich betäubend auf ihn legte, rang es sich aus seiner schmalen, angegriff enen Brust: Was soll nun werden?" Er aber wartete, sich zu nothdürftigör Sammlung aufraffend, daß sie sprechen werde. . Von ihr mußte er die Antwort hören. Sie nur konnte das furchtbare Räthsel lösen, ob in sein zerstörtes Leben jemals noch ein erträglicher Hoffnungsschein fallen werde. Charlotte schwieg beharrlich. Sie war an ein Fenster getreten, .hatte mit lässiger Hand die Gardine zurückgeschoben und blickte in die sturmzerwühlte, sternenlose Nacht hinaus, den Gatten scheinbar achtlos in seiner noch tieferen. unheimlicheren Nacht hinter sich allein zurücklassend. Da aber empörte sich die niedergetretene Manneswürde in dem ungeschickten, scheuen Gelehrten plötzlich.Mit einer verzweifelten Kraftanstrengüng richtete er sich aus seiner zusammengesunkenen Haltung auf, fast drohend griff seine Rechte in die Luft und ballte sich. Ein tiefer, röchelnder Athemzug, der ihm aber Erleichterung zu bringen schien, hob seine Brust. Ein zweiter, ruhigerer folgte. Dann trat er rasch auf das schöne Weib im schleppenden Gewand zu und faßte nach ihrer Schulter. Ich habe Dich etwas gefragt," rief er rauh. Und ich bin nicht gewillt, Dein verächtliches Schweigen ruhig hinzunehmen " Sie wandte sich langsam. Wer sagt Dir, daß mein Schweigen verächtlich sein soll? Ich meine nur, daß Du Dir Deine Frage ebenso leicht oder ebenso schwer selbst beantWorten kannst, als ich es vermöchte." Gut, dann will ich Dich etwas anderes fragen. Hast Du mich überhaupt je geliebt?" Ein seltsam eherner Klang war in seiner sonst immer krankhaft gedämpften Stimme. Und ein zwingender Klang. Ein so zwingender Klang, daß ihre weggewendeten Augen sich zu den seinen aufhoben. Eine leise Unsicherheit zeigte sich in den wundersamen Sternen. Ein wenig Beklemmung verursachte es ihr doch, daß sie nun ein entscheidungsvolles Wort sprechen sollte. Wenn sie es zurückhielt?. Wenn sie mit einer gleichgiltigen, glatten Phrase über den gefahrdrohenden Augenblick hinwegschlüpfte? Da hatte er schon errathen, was sie dachte. Suche nicht, mir zu entschlüpfen," rief er gebieterisch. Es ist besser, ich gebe meiner Frage eine andere Fassung. Weshalb hast Du mich geheirathet?" Sie wagte mit biaffin Lippen einen verzweifelten Scherz. Das klingt ja beinahe, als hätte ich Dir einen Antrag gemacht." Spiele nicht mit Worten. Gib mir die Klarheit, die ich brauche. Die ich haben muß haben will! Will ja!" Glaubst Du wirklich, ich bin eine Frau, die sich einem Zwange beugt?" fragte, sie kalt und reckte ihre zierliche Erscheinung. Dein Wahrheitsgefühl mag Dich zwingen, ehrlich zu fein. Wenn Du es noch sein kannst wenn unsere Ehe nicht vom ersten Tage an eine Luge war eine Lüge von Deiner Seite! Das will ich wissen!" In trotzigem Spott wiegte sie leicht den Kopf. Kann es nicht möglich sein, daß wir uns Beide in einander getauscht haben? So etwas kommt ja wohl vor Es schien, als habe er ihre 'Worte gar nicht gehört. Das spöttische Wiegen ihres Kopfes war es, das ihn Plötzlich außer sich brachte. Eine dunkle R'öthe schoß ihm in's Gesicht. Seine Lippen verzerrten sich. Wie ein heiserer Schrei sprana es darüber hm: So sage mir doch,, daß Du mich meines Geldes wegen geheirathet hast!" Er hatte ihr mit seinen Worten einen Schlag versetzt, wenn er auch tausendmal Recht hatte, Sie mußte ihn

wieder schlagen. Ihr Blut zwang sie dazu. Höhnisch vusetzte sie: Dein Geld! Hätte .ich gewußt, aus welcher unlauteren Quelle es stammt" sie hielt inne und hätte die Worte gern ungesprochen machen mögen. Anton sah sie starr an. Was-hast Du da gesagt?" Charlotte irrte nervös durch das Zimmer. Ah nichts! Ich habe Dir doch mitgetheilt, daß mich Kopfschmerzen quälen. Du hättest darauf Rücksicht nehmen sollen" es war ihr im Augenblick ganz entfallen, daß sie ihn kurz vorher spöttisch aufgefordert hatte, ungeachtet ihrer Kopfschmerzen sein Anliegen vorZubringen.

Der Gelehrte dachte jedoch nicht daran, ihr diese Inkonsequenz vorzuhalten. In rauhem, hartem Ton rief er: Ich will wissen, was Du mit Deinen Worten gemeint hast! Vaters Geld stamme aus einer unlauteren Quelle, hast Du gesagt. Du wirst mir das beweisen! Auf der Stelle beweisen!" Sie duckte sich im Auf- und Niederschreiten ein wenig, suchte nach einem Ausweg, aber ihrem sonst so erfinderischen Kopfe wollte der rettende Gedanke nicht kommen. Plötzlich fühlte' sie das Gelenk ihrer Rechten in den knochigen Fingern des Gatten wie in einen Schraubstock eingezwängt. Es gelang ihr nicht, sie zu befreien. Sein fahles, von rothen Flecken unheimlich belebtes Gesicht war dicht vor dem ihren, durch die Brillengläser flammten die sonst so matten Augen, deren Farbe sich kaum je recht hatte bestimmen lassen, tiefdunkel auf sie ein. Und er keuchte: Mir thue an, wozu Du Lust hast, aber meinen todten Vater sollst Du nicht beschimpfen! Sage also, was Du meintest! Und wehe Dir, wenn Du leichtfertig und cynisch an den guten Namen des Todten gerührt " Vei dieser Drohung lachte Charlotte kurz auf. ..Laß los Du sollst Deinen Willen haben." Im Grunde genommen was lag daran, wenn sie ihm von ihrer Entdeckung Mittheilung machte? Es hanxt sich um eine seltsame Geschichte, in der Viele vielleicht nicht einmal etwas Strafwürdiges erblickten. Ueberdies lag die Sache um viele Jahre zuruck und konnte m ihren Folgen heute kaum noch die Erben des Verstorbenen besonders emvfinHch treffen, also auch ebenso wenig sie selbst und ihren Vater. die sie zusammen über Antons Geld, ohne dem Gciehrten irgendwelche eingehende Rechenschaft abzulegen, nach Gutdünken verfugt hatten. Charlotte deutete in ihrer gewöhnlichen lässigen Art auf das Tischchen, das am Kopfende des Ruhebettes stand. Schiebe die Bücher da hinweg Du findest darunter ein paar Vriefblätter von der Hand Deines Vaters. Ich wollte vorhin dort m das alte Schreibe pult etwas einräumen und durch Zu fall entdeckte ich die Blatter m einem Geheimfach. Sie enthalten eine Art Belenntniß " Mit unsicherer Bewegung folgte Anton dem Geyeiß ferner Frau. Jetzt hielt er die Blätter in der Hand. Er stand gerade unter der Hängelampe. Aber nur emen einzigen raschen Blick warf er auf die enggekritzelten Zeilen. er überzeugte sich nur, daß sie wirklich von der Hand des todten Vaters herrührten. Dann athmete er tief auf und sagte mühsam: Ich will das das Bekenntniß, wie Du es nennst, in meinem eigenen Zim mer lesen. Wir sprechen dann weiter darüber Er ging langsam nach der Thür. wahrend die iunge Frau nacq einem Flacon griff, um ihrer Stirn, die jetzt wirklich schmerzte, die Wohlthat. eines Eau de Cologne-Vades zu Theil werden zu lassen. 8. Kapitel. nton Hennig hatte nur einen jjfl, engen Flur zu durchschreiten, um in sein Arbeitszimmer zu gelangen, das ganz dunkel und sehr einfach gehalten war. Ein paar Büsten stiller, ernster Denke: zwischen den hohen Bücherschränken bildeten den einzigen Schmuck. Auf den Schreibtisch hatte eben Tante Johanne die brennende Lampe gesetzt. Die alte Dame grüßte den Ein tretenden freundlich und schien nicht übel Lust zu haben, ihn mit einem Plauderstündchen zu beglücken. Allein ein Blick in sein seltsam verändertes Gesicht ließ sie davon abstehen. Fast erschrocken fragte ne: Fehlt Dir etwas, lieber Anton? Soll ich Dir eine Erfrischung besor gen?" Er schüttelte den Kopf. Nein nichts! Ich ich möchte allein sein." Sie wollte noch etwas sagen, besann sich aber und entfernte sich beklommenen Herzens, um hinüber zu Charlotte zu gehen und von ihr zu erfahren, was mit Anton sei. Der näherte sich inzwischen mit schwerfalligen Schritten dem Schreibtisch. Es kam ihm so dunkel im Zim mer vor. Er schraubte den Docht der Lampe ein wenig höher. Es gelang ihm nicht gleich . mit der zitternden and. Nun saß er und legte die Blatter zur?cht, de?en erstes mit einem Datum versehen war. Seltsam! Kaum vier-

zehn Tage vor seinem Tode hatte der Vater die Zeilen geschrieben, als habe er geahnt, daß er. nicht länger mit der Niederschrift eines' Bekenntnisses, von dem er seine Seele entlasten wolle, z'ögern dürfe. Wie die ganze Art des Vaters gewescn war, kurz und knapp, jees überflüssige Wort vermeidend, so gab sich auch diese Niederschrift. " Für meine Kinder! Und möchten sie ihren Vater nicht zu hart beurtheilen, wenn sie dieses Bekenntniß gelesen. Es hätte in meiner Macht gelegen, es zu vermeiden. Ich hätte die Angelegenheit in der Tiefe völligen Bergessens weiter schlummern lassen können. in die sie versenkt war. Aber ich will nicht, daß meine Kinder sich eines Be-

sitzes erfreuen, den sie, wenn sie erst um fein Entstehen und Wachsen wissen werden, gewiß nicht ganz und voll als den ihrigen betrachten können. Warum ich selbst diesen unrechtmäßigen Besitz nicht von mir gewiesen, ihn Nicht ZN die Hände gelegt, die gegründeten Anspruch darauf erheben konnten? Da, handelt es sich eben um den Schatten, in den ich durch das.folqende Bekenntniß für meine Kinder das Bild des Vaters rücken muß. Ich will mich ehrlich emer Charakterschwache zeihen, die mich zu einer That verführte, die, ohne vielleicht gesetzlich strafbar zu fern, doch m den Augen strengdenkender Menschen verdammungswerth ist. Ich habe, stets das Geld geliebt, das Geld um des Geldes willen, nicht nur deshalb, weil es zu Macht und Ansehen und allen Freuden der Welt verhilft. Denn danach habe ich nie gegriffen. Sie waren mir mehr oder weniger gleichgütig, diese Freu den. Aber das Geld ersehnte ich. Sei es ehrlich eingestanden, so verächtlich es auch klingen mag. Möglichst viel von dem blinkenden Metall mem -eigen zu nennen das war von früh auf mein steter Traum. Und als er sich durch ein buntes Zufallsspiel, wie es manchmal in Menschengeschicke eingreift, verwirkllcht hatte, als ich meine leeren Hände gefüllt sah, mit einem Gold freilich, das in andere Hände gehörte, da konnte ich mit Hilfe meiner kaufmännischen Fähigkeiten den gefundenen nein, den geraubten Schatz immer meyr vergrößern uno xq war glucrncy im wachsenden Besitz. Und ich wachte habsuchtig wie em rechter Geizhals darüber. Ich vermochte mich auch spater, als sich jene Summe, die ich mir unrechtmäßig angeeignet, langst verzehnfacht hatte, nicht von dem Gelde zu trennen, nach dem ein anderer vielleicht darbte, und das ich so leicht hätte entbebren können. Das unselige Geld hatte mich ganz und gar in feine Fesseln gescolagen. Ich konnte mich nicht davon loslösen, und im tiefsten Grunde meines Herzens emPfand ich eine unlautere Genugthuung darüber, daß es so war. Um dieser niedrigen Empfindung willen haben meine Kinder das Recht. ihren Vater zu verurtheilen. Aber vielleicht finden sie auch eine Entschuldigung für ihn, weil er den größten und besten Theil seines Lebens für sie gearbeitet, weil sie nach seinem Tode von der Sorge um die Bitternisse des Lebens befreit sein werden. Und nun will ich erzählen. Nicht von meiner Jugend, die hart und armselig genug war, und rn der sich vielleicht die Keime zu jener Charakterschwäche ausbildeten, deren ich mich anklagen mußte. Ich will gleich Mit jener Zeit beginnen, in dex sich jene dunkle Angelegenheit ereignete, die meine Kinder zum Austrag bringen mögen, um so das Unrecht des Vaters wieder einigermaßen gut zu machen. Wenn es sich gut machen läßt, wenn der Mann, von dem ich gleich sprechen werde, noch am Leben ist. Allein er war immer ein Kind des Sonnenscheins und des Glückes, weshalb sollte er sich der freundlichen Strahlen nicht mehr erfreuen? Hätte ihn aber doch da Verhängniß zu früh in das Nichts zurückgefordert, so hat er vielleicht Angehörige, denen meine Kinder das zurückerstatten mögen, was ihr Vater an sich gerissen. Als junger Kaufmann wohnte ich in Berlin Thür an Thür mit einem Studenten. Meine Behausung war eigentlich nicht viel mehr als eine schmale Kammer, während der in guten Verhältnissen lebende Alexander Erlbcck so hieß der Student einen netten kleinen Salon mit daran stoßendem Arbeits- und Schlafzimmer bewohnte. Ich lernte den hübschen, schlanken Burschen dadurch kennen, daß er eines Abends an meine Thür pochte und mich um Feuerzeug bat, das er auf seinem Nachttisch ebenso wenig finden könne, wie in feinen Taschen. Für.die kleine Gefälligkeit, ihm ein Streichholz verabreicht zu haben, zwang er mich, noch an demselben Abend ein Glas Wein in seinem Salon anzunehmen. Seine ganze Art und Weise athmete einen hinreißend ' liebenswürdigen Zwang, dem wirklich nur schwer zu widerstehen war. Ich weiß nicht, was er an mir wortkargen Gesellen fand. Genug, ich mußte auch in der Folge öfters, wenn er einen Abend zu Hause zubrachte, neben ihm auf dem Sopha sitzen, mit ihm rauchen, trinken und plaudern. Schließlich wußte er mich auch zu überreden, mit ihm auszugehen und an seinen fidelen Nachtfahrten theilzunehmen, was ich aber nur in seltenen Fällen that, weil solche Vergnügungen meinem ganzen Naturell widerstrebten. Allein ich hatte ein gewisses oberflächliches Wohlgefallen an dem -fröblicken

Blondkopf gefunden, so daß ich zu seinen Aufforderungen nicht immer Nein

sagen konnte und mochte. Einmal es ging schon bedenklich gegen Morgen hin gesellten sich in einem Nachtkafe mehrere Bekannte Alexanders zu uns, elegante junge Lebemänner.. Gesprächsweise bemerkte der eine: .Hab' heute Geburtstag möchte ihn auch so gern feiern. Aber mein famoser Onkel, der neben feinen Bankgeschäften auch einen Lotterielosvertrieb hat, schickte mir heute statt des erwarteten Geldes zwei Loose ist das nicht ein echter Philisterstreich? Möchte die Vapierchen gern losschlagen aber für ganze öoose findet man aus triftigen Gründen wenig Gegenliebe. Und so ereignet stch die betrübsame Thatsache, daß der Geburtstag eines so glorreichen Menschenkindes ungefeiert bleiben muß!' ,Nein, das soll er nicht!' rief Alexander Erlbeck und griff nach seiner Brieftasche. ,Jst Dein Onkel ein Vhilister', so ist mein Alter. ein Prachtkerl! Er hat mir gestern ein Extraschiff zugehen lassen. Hier ist schnöder Mammon ber mit den zukunftsreich'n Loosen! So! Da. Adolf, das eine für Dich, das andere für mich!' Und nun wollen wir mit dem Geburtstagskind darauf trinken, daß unsere Kapitalanläge eine, glückliche werden möge!' . Alexander hatte mir eins der Loose zugeschoben,' während er das andere nachlässig zusammenknitterte und in seine Westentasche schob. ' ; " Ich wollte ein so reiches Geschenk nicht ohne Weiteres annehmen aber er bestand darauf, die Sache sei aögemacht. Endlich gab ich nach, nahm das Loos, das einige Male auf dem Tisch hin- und hergeschoben worden war, glättete es und legte es m mein Taschenbuch. Zugleich notirte ich mir für den Fall, daß das kostbare Blattchen irgendwie verloren gehen könne die Nummer, den Kollekteur u. f. w. Alexander sah das, lachte und rief: .Da sieht man den bedächtigen Kaufmann! Uebrigens so was kann wirklich nicht schaden! Da,, sei so gut, nagle meine Loosnummer gleichfalls fest.' Damit holte er das Loos aus seiner Westentasche, schob es mir zu und reichte Mir auch seine Brieftasche über dcn Tisch hin, damit ich die betreffende Notiz machen könne. .Es ist am besten,' schloß er, ,Du behältst meine Brieftasche gleich für heute! Bist ja der geborene Bankier! Und ich leichtsinniges Huhn kann, wenn erst einigen Goldköpfen der Hals gebrochen ist, nicht mehr für mich garantiren: i Während er mir sein Loos und die Brieftasche hinschob, durchzuckte mich blitzartig ein Gedanke. ,Du warst von jeher ein Pechvogel raunte mir eine geheimnißvolle Stimme zu, ,er aber ist das echte, sonnigeGlückskind! Vertausche die Loose und Du fesselst so vielleicht das Glück an Deine armselige Existenz!' ;,Und ich vertauschte in einem unbeobachteten Moment wirklich die beiden Loose und notirte in Alexanders Brieflasche die , Nummer desjenigen, das er für mich bestimmt hatte. Einige Wochen später verließ ich Berlin und kam hierher nach Neustadt. Und hier suchte mich das Glück auf. das ich mit dem Loostausch wirklich an meine Spur gefesselt. Das Loos, das ich Alexander unterschlagen, um ihm dafür das andere in die Hände zu spielen, gewann. Ich erhielt fünfzigtausend Mark ausbezahlt. Und das Glück blieb bei mir ein Glück, wie ich es verstand. Mein Besitz vermehrte sich durch erfolgreiche Spekulationen. Ich wurde ein reicher Mann. Das ist mein Bekenntniß. Nun mögen meine Kinder das thun, was sie für das Richtige halten, wenn sie nach meinem Tode diese Papiere finden." Hier brach die Niederschrift ab, mit diesen letzten, nüchternen und ganz sachlichen Worten. Keine Zeile mehr, die eine letzte Bitte um kindliche Nachsicht, um verzeihendes Gedenken ausgefprochen hätte. Anton Hennig blieb noch eine ganze Weile regungslos sitzen, nachdem er zu Ende gelesen. Sein Vater! So also hatte es in seinem Innern ausgesehen! Habgier, so stark, daß sie zur Unredlichkeit führen konnte, hatte darin gewohnt! Er war nicht der strenge, fleckenlose Ehrenmann gewesen, für den ihn feine Kinder und Mitbürger gehalten. Haßliche Schatten verdunkelten nun für alle Zukunft sein Bild! Müde erhob sich endlich der junge Gelehrte. La, er fühlte sich so seltsam müde und zerschlagen, als könne nie, nie wieder frische, fröhliche Kraft seine Adern durchströmen. Aehnliche Anfälle von Mattigkeit und Niedergeschlagenheit hatten ihn wohl schon manchmal in seiner kurzen Ehe heimgesucht, aber es waren dann immer wieder die Stunden des Aufschwungs gekommen, hoffnungsfrohe Regungen. Heute aber fühlte er, daß er in der grauen Tiefe, in die er sich geschleudert fühlte, bleiben müsse, daß nirgendher eine Hand sich ausstrecken weide, um ihn an das goldene Licht emporzuziehen! X. (Fortsetzung folgt.) B o l b a o " heißt die Einheitsmünze, welche mit der, Goldwährung in Vanama einacfübrt wird und im Werthe dem amerikanischen Dollar oder zwei Silber-Pesos gleich ist. Sie soll 900 Feingehalt haben und 25 Gramm schwer sein.

Eine Königin über die Manner. In einer deutschländischen Wochenschrift erschien unlängst ein sehr interessanter Artikel, in dem Carmen Sylva sich über die bösen Ehemänner ausspricht. Carmen Sylva ist bekanntlich das Dichter - Pseudonym der Königin von Rumänien, und diese Aeußerungen einer gekrönten - Frau über die so delikaten Themen des ehelichen Friedens, der Herrschaft und der rechten Kräfteverteilung in der Ehe sind um so beachtenswerter, als die in dem Artikel dargelegten Gedanken alle aus unmittelbarer Beobachtung des Lebens geschöpft zu sein scheinen. Wir lassen hier die markantesten Stellen des Artikels folgen: Also die- Frauen sind allesammi Märtyrinnen, die Männer sind brutal. tyrannisch, selbstsüchtig und' im

besten Fall eisersüchtig, wenn nicht auf die Liebe, so doch auf die Begabung und Fähigkeiten ihrer und anderer Frauen. Wir haben festgestellt, daß man nicht mehr mit ihnen leben kann, da sie schon in der Wiege zu ihrer Mutter sagen: Und Du bist doch nur eine Frau!" Ja, m der Wiege sagen sie's wohl; aber was thun sie später? Ich nehme an, daß wir .Frauen auch nicht ausnahmslos reine Engel, Hau ge und Ideale sind wir haben doch immerhin einzelne menschliche Seiten und muß dann zu unserer Schande gestehen, daß die Männer sehr selten über ihre Frauen klagen, nie über Mutter oder Tochter, über keine Frau, die sie beschützen können. Sie sind da rin anständiger als wir, die über die' Manner im allgemeinen uns ja sattschimpfen konnten, ohne intimere Vor gänge anzuführen oder gar von eigenen Erfahrungen zu sprechen. Ich habe es immer sehr anständig von den Männern gefunden, daß sie ihr Hauskreuz schweigend tragen, und ich kannte manche, deren Hauskreuz schon beinahe 'ein Hausdrache zu nennen war und von deren Lippen dennoch nie mals ein Wort der Klage kam. Selbst jetzt, wo die Frauen so heftig über sie herfallen, sagen sie nichts; was ich wiederum anständig finde ... Ich habe kluge Frauen gesehen, die sich tv nen weniger klugen Mann immer als Schild vorhielten, ihn sich zur Stütze, zum Schutze ausbildeten, sogar die Welt überzeugten, wie klug er sei, und wie viel sie an ihm hatten. Sie lehr ten die Kinder am Vater emporsehen, mahnten sie, seine Wünsche heilig zu halten und machten dadurch ihren Mann besser. Wenn die Frauen nie mehr Launen, nie mehr Kopsweh haben und auf der Nase liegen werden, dann sollen sie meinetwegen in Paletot und Kanonen stiefeln einhergehen, rauchen und flu chen. Bis dahin aber sollten sie versu chen, die bösen Männer ebenso gedub dig zu ertragen, wie die bösen Männer ihre Engel von Frauen nicht nur er tragen, sondern sogar beschützen. Ein ganz idiotischer Mann kann em großer Schutz sein, wenn man ihn nur lieb hat und hütet und pflegt. Wissen wir denn so genau, wozu die Ehe etnge richtet ist und was wir damit sollen? So ein armes kleines Hauskreuz merkt oft nicht einmal, daß es den Kürzeren zieht und daß der böse Mann feine Ueberlegenhett in Lang muth, Geduld und 'Nachsicht beweist und lieber den Hut nimmt und weggeht, nur um das Einzige, wozu er Lust hätte, nicht zu thun: mit einer Tracht Prügel aller Thorheit ein.Ende zu machen. Kluge Frauen suchen sich für die kleinen Freuden ihres Mannes zu n teressiren, wenn sie schon nicht im Stande sind, ihm bei schwerer Arbeit gu helfen. Diese Frauen "sind die glücklichsten. Aber fühlen die anderen denn nicht, wie wohl es dem müden Manne thut, den Tisch gedeckt und xtv ne, duftende sauber geflickte Wäsche zu finden? Ein guter Teller Suppe, der mit Verständniß bereitet ist, hat seinen Werth. Und mit welcher Freude sieht man den abgearbeiteten Mann essen, sich erwärmen und die eine kurze Stunde Behagen gemeßen! Die dosen Männer sind nämlich sehr hungrig. wenn man ihnen den Appetit nicht fortärgert. Wehe der Frau, die das thut! Sie legt oft den Grund zu schwerer Krankheit, über die sie später die Hände ringt. Gerade darin zeigl sich unsere Schwäche, daß wir klagen und bedauert sein wollen, ohne zu merken, daß die Frau, die uns bedauert, gern unseren Mann, und der Mann, der uns bedauert, gern uns selbst ttq len möchte. Das ist das berühmte Verstehen", nach dem wir lechzen. Und wenn man dann den anderen dosen Mann hat, für den man sich schein den ließ, so ist der neue Herrlichste ebenso mit Fehlern und Gebrechen ausgestattet wie der erste Herlichste; und manchmal noch mehr. Wenn doch die Romane nnht sämmtlich mit der Heirath endeten! Wenn doch die Ehebruchsstucke nicht künstlerisch abgerun det würden! Dann wären die Frauen besser vorbereitet für das, was sie sinden sollen. Ich habe Frauen gesehen, die nur aus Treue gegen sich selbst et hielten und weitcrliebten: Ich habe den Mann einmal uev gehabt und ich kann's nicht vergessen!" Ich denke, wir wollen es mit den bösen Männern noch eine Weile versuchen. Sonder bar, daß man doch wenigstens für seinen Vater schwärmt! Der war natürlich kein böser Mann ... Und die Mutter fragt man danach tue

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G3 ellefontaine und 6, Spezial-Signüle. , ersten Schläge, zweiter Alarm, l Zweiten I Schläge, dritter Alarm, dritten t Schlage, vierkk Alarm. l-2-i, Feuer caii und Schlauch aufgercZi. Schlage, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichnete Signale werden nur de ?ur ächter angegeben da an dm betreffend Straße Kreuzung keine LIarmZZltm angebracht find. Chicago und der große Nordwesten via tarvr.r.?rj! iteau (fo alaSk-Sawaii-BlziltpPtneJuseln. Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago. t2T ttnn fcrr TOnnnn 17. tr. Stativ. (XblCftao. Und nur 5 Minuten mittelst elektrischer nach den Union Liehdösen French Lick Springs, In dem Orange County Hochland. ffamilien-Holtl unter neuer eiozaslölenung. vmiv, Prvierpine ,nd Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via GreeacaSle. Ticket-Osftcen : Union Station, Massachusetts v und Lö XBe Washington Etraße. R. P. A 1 g e . Tlstnlt Dass. Agent, Jndianavolii, Ind. 'S. H.McDoel, C.H.Rock well. Präs. und Gen. 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