Indiana Tribüne, Volume 27, Number 297, Indianapolis, Marion County, 6 August 1904 — Page 7
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8 Uoman von
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(Fortsetzung.) Sie bot dem Vater die Hand und saate fast weick:
Ich will mich bemühen, von dieser
stunde an txn oejjerer F. tiao zu sein. Einer, der wirklich i;tlft, aber nicht in den Wunden des anderen
wühlt Leb' wohl, Papa, und lasse den Muth nicht sinken." Langsam wandte sie sich ab und ging
hmaus. Draußen in dem weiten, mit hallen-
den Stemsuetzen belegten Flur stand sie still. Mechanisch glitten ihre Augen über die in der Runde aufgestellten uralten, prachtvollen Schränke, dann
blieben sie an den dunkel gewordenen
Oelvlldern hasten, d:e dazwischen an den Wänden hingen. Es waren die Bilder derer, die vordem hier gelebt und geschritten. Und nun sah es aus, als bewachten sie eifersüchtig mit ihren starren Augen die Thüren ringsum, daß ja nichts Unwürdiges die Schwellen überschreite. Charlottens Antlitz, das eben noch einen rührenden Zug von Weichheit gezeigt, bekam langsam einen spitzbübisch lustigen Ausdruck. Wie sie so die Hände auf den Rücken legte, sah sie aus, als werde sie jetzt den Herrschaften auf den Bildern eine Rede halten, daß sie es gefälligst unterlassen möchten, Kopf zu stehen, wenn sich früher oder später allerlei Ungehörigkeiten auf dem Gutshof ereignen würden. Sie öffnete auch wirklich schon die frischen, fast stets von einem seltsam heißen und doch auch wieder spöttischen tfauch umzitterten Lippen da that sich ir gegenüber eine Thür auf. Tante Johanne kam aus der Wäschekammer. Es war, als ob bei ihrem Anblick über die Ahnenbilder in der Runde ein zufriedener Schein husche. Da stand eine ecyte Tochter des Hauses! Fraulein Johanne war in ihrer ganzen Erscheinung die Verkörperung selbstbewußter Arbeit. Ihre festgebaute, breitgefügte Gestalt, über die schon siebenundfünfzig Jahre hingegangen, ohne sie im Geringsten beugen zu können, paßte vortrefflich zu dem runden, gefund gefärbten Gesicht, dessen Stirn glattgescheiteltes, von nur wenigen silbernen Fäden durchzogenes Haar umrahmte. Ihre Augen blickten hell und scharf, aber es war doch eine Trübung von stiller Sorge darin, die mit dem Schicksal des Gutes zusammenhing. Um den derben Mund lag eine kindliche Gutmüthigkeit. Jetzt, beim Anblick Charlottens, lächelte die alte Jungfer, die sich aus Pflichtgefühl nie Zeit genommen hatte, für sich selbst glücklich zu sein, weich
und herzlich. Ihre ganze starke Liebe-
fahlgkeit, die sich in diesem Lachein kundgab, galt ausschließlich ihrem
Bruder und dessen einzigen Kind, also
zwei Menschen, die so gar nicht von
ihrer Art waren. Sie war den Schwä-
chen des Bruders gegenüber fast stets urtheilslos blind gewesen und noch
heute geneigt, die Ursachen, die den Rückgang des Gutes herbeigeführt, in allerlei äußerlichen Zufallswidrigkeiten
zu suchen.
Und Charlotte vollends war für die
derbe, resolute Tante, die, wo sie liebte,
nicht klar sehen wollte oder konnte, ein Gegenstand anbetender Bewunderung.
Die hohe, geistige Ueberlegenheit des
jungen Mädchens und ihr sprunghaftes
Temperament übten auf sie eme ge
heimnißvolle Wirkung aus, die sich zur
Verzauberung steigern konnte.
Sie sah in Charlotte diejenige, die dem Gut einmal zu einem neuen Glanz verhelfen würde. Tante Johanne
machte sich darunter gar kerne bestimm
ten Vorstellungen, sie hütete sich auch
in einer Art abergläubischer Scheu, nur
mit emem Wort daran zu rühren. Aber sie war überzeugt, jene guten Zukunfts-
tage müßten kommen. Darum ertrug sie auch die jetzigen, ihren ererbten
Rebwaldtstolz nur zu oft demuthi
genden Verhältnisse mit leidlicher Fas-
sung.
Charlotte ihrerseits liebte den guten, pflichtgetreuen, alten Hausgeist wohl mehr als den Vater. . Jedenfalls war
Tante Johanne die einzige, die manchmal von dem jungen Mädchen mit wirklicher, rückhaltloser Zärtlichkeit ausgezeichnet wurde. Und in Charlottens Zärtlichkeit war etwas unend-
llch Siegreiches, Hinreißendes.
Auch jetzt schlang sie in raschem
Stimmunqsumschlag den unken Arm
um ben Hals der Alten, und schritt
plaudernd mit ihr hinaus auf den Wirthschaftshof. Tante Johanne wollte
:n die Milchkammer. Charlotte kam
mit. Ihre zierliche Gestalt kauerte sich auf einen blankgescheuerten Holzsche-
mel nieder, und dann redete sie in scheinbar bester Stimmung auf die
' Tante ein.
Bunt durcheinander flössen ihr die
Worte von den Lippen, so daß die schwerfällige Zuhörerin, die möglichst behutsam und geräuschlos mit den Milchschüffeln hantirte, 'kaum 'die Hälfte davon verstand. Aber trotzdem
schwellte ihr altes Herz wieder einmal
die fröhliche, unumstößliche Zuversicht,
der plaudernde rothe Mund werde bald schon für das Gut eine Zeit voll hell-
sten Sonnenscheins herbeirufen.
A
4. K a p i t e l.
m Abend desselben Tages ver-
ließ Charlotte Rebwaldt das Haus. Sie trug ein schwarzes Kleid, und auch das
Spitzentuch, das sie über das Haar geworfen hatte, war dunkel. , Sie wollte den trauernden Geschwistern Hennig einen B.such machen, zwanglos, wie
man in foich kleinen Städten :n der Dämmerungsstunde aus einem Haus in das andere huscht, um mit dem
Nachbar ein wenig zu plaudern.
Das iunge Mädchen wollte eben in
die enge Gasse einbiegen, die nach dem Markte führte, da schweiften ihre Augen noch einmal seitwärts den breiten,
ungepflasterten Weg hinunter, an dem
das Stadtgut lag. Dieser Weg führte
m das Freie, m einen hübschen Ham, der fast unmittelbar an die Stadt stieß.
Charlotte sah eine kleine Frau lang-
sam, sichtlich schwer auf einen Regen-
schirm gestutzt, dem Ham zuschreiten.
Das junge Mädchen überlegte einen Augenblick, während ein eigenthllm-
liches Glimmen in ihre Augen trat, dann eilte sie rasch hinter der kleinen Frau her. Sie hatte sie bald eingeholt und trat grüßend an ihre Seite.
Guten Abend, Frau Böhme, sagte
sie liebenswürdig. Sie waren also
heute in der Stadt und sind an unserem Hause vorüber gegangen, ohne einzu-
treten? Das ist nicht recht. Tante Johanne hatte sich so sehr gefreut
und auch ick."
Frau Böhme hatte dem jungen Mad-
chen ein blasses, kränkliches Antlitz zu-
gewandt, um dessen welke Lippen em schlechtverhehltcr Zug von Verbitterung zuckte.
Sie wissen a, ich gehe nur aus,
wenn es einmal eine Besorgung qH, die ich der Aufwartefrau nicht anver-
trauen kann," versetzte sie mit leiser
Stimme in schleppendem Tonfall. Gewiß hätte ich im Vorübergehen ein paar Minuten bei Ihnen eintreten können, aber Sie hätten dann gefragt, wie es uns geht, und ich hätt? antworten müs-
sen: Danke, recht schlecht. So ist es wirklich. Meinem Mann sowohl, wie
mir geht's recht schlecht."
Wie mir das leid thut," rief Char-
lotte und in ihrem rauhen Organ zit-
terte ein Ton echten Mitgefühls. Aber
Sie müssen nicht so muthlos sein. Der Winler war diesmal uifgewöhnlich
streng. Wenn wir erst den rechten, war-
menden Frühlingssonnenschein haben,
wird es ichon besser werden.
,Honen wlr's Wollen Sie emen
Spaziergang durch den Hain machen?"
brach die kleine, blasse Frau ab.
Ja," erwiderte Charlotte mit ruhi-
ger Liebenswürdigkeit, und wenn Sie
gestatten, begleite ich Sie bis zu Ihrer
Thür."
Bitte, sagte die kleine Dame hol
lich, aber etwas einsilbig.
Die Beiden waren aus dem Bereich
der letzten Häuser in den Harn ein
getreten. Man befand sich in der zwei:
ten Hälfte des April, und da war oft
schon in dem lieblichen Thas der Frühling eingezogen mit seiner vollen ersten
Leuchtkraft. Aber diesmal hatte em
selten hartnackiger Winter iedes schuch:
lerne Knospen und Drängen ferngehal-
ten. Die Baume standen noch aram-
lich mit fchwarzbraunen Aesten, kaum daß da und dort am Boden ein paar
lichtgrüne Grasspitzen hervorlugten.
Gestern und heute zedoch waren milde Lüfte über das Thal hingezogen und
in ihrem Athem schwamm etwas wie
em ganz, ganz leiser Veilchenhauch.
Der kleine Ham hatte einen Ruf als
Fundort der ersten Veilchen, und un-
willkürlich ließen jetzt die beiden Da-
men ihre Augen wie suchend über den
Boden hmschweifen.
Nach emem kurzen Schweigen be-
gann Charlotie plötzlich:
Sie haben mir über sich selbst lei-
der nichts Gutes sagen können, verehrte Frau Böhme, aber vielleicht haben
Sie um so bessere Nachrichten von
Ihrem Herrn Sohn?"
Ganz ruhig hatte die Frage geklun-
gen, und ganz ruhig war auch das Ge-
sicht des jungen Mädchens. Nur die
Spitzenenden des Tuches, das sie um
den Kopf geschlungen, zitterten lebhaft
auf ihrer Brust da mußten erregte.
nur mühsam gebändigte Athemzüge
aus- und eingehen.
Die kleme, blasse Frau antwortete
nicht gleich. Der Zug von Verbitterung
auf ihrem Gesicht prägte sich ruxh deutlicher aus.
Der arme Junge," kam es endlich schwerfällig von ibren Lippen. Er
bringt ein seltenes Opfer, und ich weiß
nicht, ob Menschen, die solche Opfer
bringen, zu den glücklichen zu zählen sind. Ich kann Ihnen keine guten
Nachrichten geben. Er selbst allerdings
schreibt, daß er sich mit dem Beruf eines Landwirthes schon ganz vortreff-
lich angefreundet habe. Mag s der
Himmel geben! Sein Onkel, dem er seine ganze Erziehung dankt. und auch seine Zukunft zu danken haben wird, will ihn nun einmal auf diesem Wege
sehen. Und seine Eltern haben ja nicht
die Macht, ihm auf den Weg seme?
Sehnsucht zu verhelfen.
Charlotte sagte scheinbar ruhig und gleichmüthig, aber mit ausfallend Heller
Stimme:
Um Walters Zukunft ich darf den
Jugendfreund wohl so nennen sollten Sie sich keine Sorgen machen, verehrte Frau Böhme. Er ist ja noch so jung. Wenn ich nicht irre, gehören wir demselben Jahrgang an. Er wird mit seinen vierundzwanzig Jahren schon noch Mittel und Wege finden, dem Talent, das stark und echt in ihm lebt, zu seinem Recht zu verhelfen. AieFeicht ist
Ungunst der' Verhältnisse noch nicht das
Schlimmste, was sich einem Kunstler entgegenstellen . kann. Es läßt die
Energie m ihm erstarken, es verleiht
gesammelte und gereifte Kraft, mit der er dann im rechten Augenblick hervortritt und den Sieg an sich fesselt. Ick'
bin überzeugt, wir hören noch einmal viel und Großes von dem Bildhauer
Walter Böhme." -
Em zartes, schönes Roth trat m das
Gesicht der kleinen Frau. Ihr mageres, in einem schwarzen Halbhandschuh steckendes Händchen griff nach der Rech-
ten Charlottens und druckte sie warm
und dankbar. Einen Dank in Worten
hielt die Mutter zurück. '
Die beiden Damen waren inzwischen
auf der anderen Seite aus dem Ham
herausqetreten. Da lag ein paar
Schritte st-twärts von der Landstraße.
die nach dem nächsten Torfe lief, m
emem, zierliche Beetreihen aufweisen-
den Gartchen ein kleines Haus. Es
hatte nur ein Stockwerk, dessen vier
Fenster aus dem noch vollständig dürren Rebengewirr eines Weinspaliers
bervorlugten. Sobald dort alles erst grün war, mußte das Häuschen einen
überaus anheimelnden Eindruck ma-
cyen, jetzt aber sah man, daß die
Mauern doch schon recht alt und baufällig waren. Allein in den verhüllen-
den und arsgleichenden Dämmerungsschatten konnte man immerhin meinen.
es sei eine Statte des Friedens, das
Häuschen dort, in dem in Wirklichkeit
zwei kranke, einsame und verbitterte
Menschen wohnten.
In dem ungewissen Licht hob sich an
dem einen Eckfenster der magere, in
einen Schlafrock gewickelte Oberkörper
eines alteren Mannes ab. Es war
Herr Böhme, der sich seit Jahren schon
mit einem schleichenden Lungenleiden
herumquälte, das ihn verhältnißm'aßi?
früh gezwungen hatte, seinen Beruf als
Volksschullehrer aufzugeben. Als er
seine Frau in Gesellschaft des jungen
Madchens gewahrte, das sich eben am
Garteneingang verabschiedete, öffnete
er zuvorkommend das Fenster und rief
einen Gruß hinunter, den Charlotte
freundlich erwiderte.
Dann eilte sie leichten Fußes wieder
dem kleinen Hain zu. Zwischen ven
Bäumen verdoppelte ne ihre Schritte. Sie wollte nicht allzu spät zu den Geschwistern Hennig kommen. Es gins
doch rncat gut, daß sie mit ihrem Be-
such in den Abendthee hineingerieth.
Sie traf Viktoria Henmg allem m
dem Wohnzimmer, m dem schon Licht
brannte. Anton, der Gelehrte, machte.
nachdem er den ganzen Tag über sei-
nen Buchern gesenen, emen Erholungs-
spaziergang, und der kleine Ernst be-
fand, sich im Laden, wo er beim Ver-
kauf all der hundert Dinge, die m Ka
sten und Fässern rings aufgestapelt
waren, seinen melancholischen Trau
men nachhing.
Viktoria Henmg freute sich aufrichtig
über den Besuch. Die etwa um sechs
Jahre ältere Charlotte Rebwaldt war für sie immer ein Gegenstand geheimer Bewunderung gewesen, weil sie so ganz
anders war, wie die jungen Madchen des Städtchens, so selbstsicher, so klug, in jeder Weise überragend. Viktoria
hatte nie aewagt, ihr jene Madchen-
freundschaft anzubieten, die sonst so
rasch geknüpft ist. Durch ihre beider-
seitigen Penstonsjahre, die in verschiedene Zeiten fielen, waren sie übrigens
auch äußerlich von einander fern ge-
halten worden.
Aber schon neulich beim Begrabmß
war Charlotte Rebwaldt von der herz-
gewinnendsten Theilnahme zu Tori ge
Wesen. Und heute vollends, gleich nach
ihrem Eintritt, zeigte sie sich so voll
wärmster, unwiderstehlicher Liebens-
Würdigkeit, daß die schöne, große Tori nicht anders konnte sie mußte plötz
lich die Arme um die zierliche Charlotte
schlingen und sie auf beide Wangen
küssen. Zugleich bat sie, Charlotte möge
ihr ein wenig gut sein.
Charlotte streckte ihr sofort kamerad-
schastlich die Hand hin und sagte:
Schlag ein. liebes Herz. Wir wollen getreulich zusammenhalten. Du
kehrst also nicht in die Pension zurück.
bleibst nun hier bei uns, wie Du mir
neulich schon sagtest?"
Natürlich bleibe ich hier," versetzte
Tori eifrig. Ich werde doch meinen
armen, kleinen Ernst nicht allein lassen in dem großen Haus und mit feinen Geschäftssorgen. Bruder Anton wird
es rn doch nicht lange bei uns aushal
ten. Er hat große Studienreisen
vor." Die beiden Mädchen saßen zusam
men auf dem mächtigen, altvaterisch gemüthlichen Sopha. Ein röthlicher, in
Fransen mederhangender Schirm be
deckte die Lampe, so daß die jungen, so sehr verschiedenen Gesichter sich im
Halbdunkel befanden. Charlotte lehnte sich überdies plötzlich ganz in die eine
Ecke zurück. Aus tiefem Schatten her aus erklang nun ihre Stimme:
So? Dein gelehrter Herr Bruder will bald wieder fort? Auf eine Stu-
dienreise, wie Du sagst? Also er hat sich
ganz und gar den Wissenschaften ver schrieben?"
Ganz und 'gar," wiederholte Tori mit ihrer weichen, süßen Stimme, die seltsam abstach von dem rauhen Ton
Charlottens, der aber trotzdem für ein
feines Ohr so unendlich wandlunas-
fähig war. Seine Versunkenheit ist
manchmal ganz drollig. Er gibt dann
die verkehrtesten Antworten und muß wie aus einem Traum in die Wirklichkeit zurückgeführt werden. Er wird
unseren bescheidenen Namen wohl noch zu hohem Ansehen in der Welt bringe.
I Den Ansang dazu,yat.ex jcbpjt gnach
Aber bei alledem thut er mir oft recht herzlich leid. Die kleinen Freuden der Welt sind gar nicht für ihn da. Und er arbeitet so angestrengt, daß feine Gesundheit, die ohnehin nicht die beste ist,
darunter leidet. Das bereitet Mir Sorge." '
Charlotte machte in ihrer Ecke eine
Bewegung, die beinahe wie ein Aizucken war. Groß, wie mit heißem Blick in die Zukunft sehend, brannten ihre Augen in dem Schatten.
So?" warf sie nach kurzem Schwei-
gen hin. Seine Gesundheit ist nicht zufriedenstellend? Ist das nur Deine
eigene Ansicht? Oder hat der Arzt?"
(sewiN. der Arzt hat ihm gesagt, er
müsse einmal auf länaere Aeit aus-
spannen. Aber Anton will nichts ds
von wissen und behauptet, er fühle sich ganz wohl. Da treib' ich ihn nun im Einverständniß mit dem Doktor mögn.ri n - c ,
oi aus oem Zimmer, oanill er spazieren gehen muß. Allein er iri hartnäckig, manchmal schließt er fa, sogar ein. Nun, jedenfalls werde ich alles aufbieten, daß er nicht so bald
seine geplante große Reise antritt. T
wurde er wieder ganz in seine schadlichen Gewohnheiten verfallen. Der
Arzt meint. das auch."
Charlotte lachte: Da thäte ich ja ein gutes Werk,
wenn ich Dich ein wenig in Deinen Be-
muhungen unterstutzte. Wie ist's, wol-
len wir eine kleine Verschworung an-
zetteln und den gelehrten Traumer dann und wann ein wenia am Obr
zupfen, damit er sieht, was es für an-
genehme Dmge auf der Welt gibt?
Sonnenschein Blumen schöne Mäd-
chen!"
Sie lachte abermals, so herzlich und
unbefangen, daß Tori mit einstimmen mußte.
In aufrichtiger Bewunderunq saate
sie:
Ich glaube wirklich, daß Du es
fertig bekämst, ihm die Augen zu öff-
nen sur andere Dinge, als seme Bü-
cher."
Charlotte richtete sich lebbaft auf. Soll ich's versuchen?' Gibst Du mir
Vollmacht?" fragte sie in dem vorigen burschikosen Ton.
Schon deshalb geb' ich Tn gern
diese Vollmacht," rief Viktoria strah-
lend, weil Du dann recht oft zu uns
kommen mußtest. Ach ja, thue das, komm' recht oft! Ich meine, es wird
dann Heller in unserem finsteren Haus
werden und auch fröhlicher. Davon
könnte auch der arme kleine Ernst pro-
fltiren, den der plötzliche Tod des Va ters wohl am tiefsten getroffen hat."
Ich werde dann einmal m den La-
den gehen und das liebe Kerlchen be-
grüßen," sagte Charlotte, um aber so-
fort wieder auf den ursprünglichen Gesprächsgegenstand überzulenken. Aber
schade ist es, daß Herr Anton gerade
jetzt ausgegangen fein muß. Ich hätte
gleich heute Abend meine Macht an ihm
erproben können.
So bleibe doch zum Thee hier," tvf
Tori voll herzlichster Ueberredung.
Ach a, bleib', bitte, bitte!"
Man wird mich zu Hause erwar-
ten," meinte Charlotte zögernd. Tante
Jobanne weiß nicht einmal, wo ich
ÜtätT
Jcy iHiae unsere alle arvara zu Euch. Sie soll Dich entschuldigen.
Ist's, so recht?"
Charlotte Nickte. Die purpurnen
Blutwellen flutheten emen Augenblick
durch ihr Gesicht. Es sah aus, als
lächle sie.
Eme halbe Stunde spater saß um
den Abendbrodtisch in der alten, düsteren Wohnstube eine kleine Gesellschaft,
die so angeregt war, wie es der Druck,
der über dem Trauerhause lag, nur irgend zuließ. Außer den beiden Mäd-
chen faßen in der Runde der gelehrte Anton, Herr Teichert, der Buchhalter
und erste Verkäufer des Geschäfts, und der unmündige Prinzipal desselben, der
kleine, verkrüppelte Ernst. Herr Teichert, der schon in den Vier
zigern stand, war viel in der Welt umhergekommen, besaß einen gewissen gesellschaftlichen Schliff und Sinn für Humor. Mit ihm ließ sich Charlotte Rebwaldt, die bei bester Laune war.
ohne daß sie dadurch m dem Trauer
kreise aufdringlich wirkte, zuerst in ein lebhaft geführtes Gespräch ein. Der
junge Gelehrte, der Charlotte gegen
über saß, thaute erst ganz allmälig auf. Aber plötzlich wußte das junge Mäd-
chen durch eme hingeworfene Bemer
kung, die seine wissenschaftlichen For-
schungsgebiete streifte, sein Interesse zu
erwecken. Und als Charlotte ihn nun
gar bat, von den Studienreisen zu sprechen, die er, wie sie von Tori wisse, vorhabe, erging er sich in begeisterten Schilderungen der sonnendurchglühten, vom Wüstensand halb und halb verschütteten Wunderwelt, die er ja nur erst aus den Berichten Anderer kenne, aus der er aber bald durch eigene Anschauung das Tiefste und Beste für seine Werke auszuschöpfen hoffe. Als er, Augen und Wangen in einen fieberischen Glanz getaucht, endlich erschöpft schwieg, rief Charlotte mit seltsam vibrirender Stimme leise aber eindringlich in das Schweigen hinein: Brauchen Sie keinen Famulus, Herr Doktor? Nehmen Sie mich mit. Dorthin muß. ich auch einmal, um das Größte und Erhabensie zu empfinden." Sie stand rasch auf. Und nun gute Nacht, meine Herrschaften! Ich möchte mich heute nicht durch ein Gespräch über nebensächliche Dinge wieder aus der ahnungsvoll geschauten Wunderwelt verbannen hoffentlich ist es mir vergönnt, sie mit in meine Träume hinüberzunehmen." (Fortsetzung folgt.)
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Chicago, Indianapolis & lomsville R'?. (Monon Route.) Abgang Ankuust Chie Night Expreß täglich 8.'.12 5595m Cincinnati Veft täglich 8. 3 35V FaS Mail täglich 8 7 OOVm gaft Mail täglich 8 7 50V Ch: Expreß, nur Sonn pd. .11 50Vm Monon Ace, tägl auög Sonn.Z0 OOVk Chi & Mich City Ve? d p.. 3 35Nm Cincinnati Veft täglich d p.. 4 52N Mono Ace, 4 OONm lake Lrie s weftern R. R. ' Y- Abgang Ankvas Mail und Expreß ...7 1593m Indianapolis Expreß . .10 2593 T Det M C Ex täglich.. 12 20Nm Indianaplö Spcl., SonntagslO 30Nm Mich City Spcl., Sonntags. 4 30Nm Mail so Expreß ..3 25R Chicago Expreß . . ....... 7 20Nm Toledo Expreß. ...10 255 Cincinnati, Harnilton & Daston R. R. Oft. Abgang Ankunft Cincinnati Veft täglich 8 4 0033m Cincinnati Vestibüle täglich 8 12 45B gaft Mail täglich 8 ...... 8 05Vm Faß Mail täglich 8 6 35V Cincinnati & Der Expr p. .10 40Vm Ein Chi & St 3 Ex tgl p..ll 45V Ein . k Dayton Veft. Exp p 3 OONm Cincinnati Veft d&p.... 3 25N Cincinnati Veft täglich d p 6 00N Cine & 3nl Accom p 7 24N Cin & Detroit Expreß täglich 7 02N Cin Znd St &fc Peo Ex tg 8&,cl0 k OR
