Indiana Tribüne, Volume 27, Number 296, Indianapolis, Marion County, 5 August 1904 — Page 7

Jndkana Tribüne, 3. August 1904U

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Van Imcicn geliebt I s o ticnan von gUfrct gafsctt CO0K30O00O4y0S (Fortsetzung.) Er schritt in seinem Arbeitszimmer. Zn dem aber der schmale Schreibtisch und ein noch schmaleres Büchergestell von allerlei Jagdtrophäen und bunten Neiseerrungenschaften siegreich in den Hintergrund gedrängt wurden, mit erregten, ungleichen Schritten aus und nieder. Seine linke Hand, an deren kleinem Finger ein auffallend schöner Ring mit Rubinen- und Diamantgefunkel steckte, zerrte -unablässig an dem langausgezogenen, graublonden Schnurrbart. Die hor, aristokratische Gestalt richtete sich im anfeuerndenDrang eines scheinbar glücklichen Gedankens bald straff auf, bald sank sie, wenn aus der Brust ein muthloser Seufzer entflohen, wieder haltlos in sich zusammen. In dem noch immer interessanten Gesicht, dessen seltsam tiefblaue Augen in ungeschwächtem Glanz aus dem umgebenden Faltengewirr leuchteten. Prägte sich eine qualvolle Spannung aus, die sich gewaltsam in eine gemüthlich sachliche Ruhe umzuwandeln suchte, als jetzt draußen auf dem Gang rasche, leichte Schritte hörbar wurden. Ein junges Mädchen trat ein. das einzige Kind des Gutsbesitzers. EharZotte Rebwaldt hätte man auch in einer größeren Gesellschaft als Tochter ihres Waters berausaefunden. Sie hatte die gleichen, so auffallend tiefblauen Augen und überdies noch in ihrer Art, sich zu geben, fast dieselben aristokratisch burschikosen Bewegungen wie der Vater. Nur seine ragende Körperlichkeit besaß sie nicht. Sie war vielmehr eine ausgesprochen zierliche , Erscheinung, hatte aber trotzdem nichts von mädchenhafter Zartheit. Man hätte darauf wetten mögen, daß sie stahlharte Muskeln besitze und eine gute Reiterin " und Schwimmerin sei, auch sonst in jedem Sport bewandert oder doch wenigstens keinem abhold. Ihr Gesicht wies zu vollem, aschblondem Haar einen bräunlichen Zigeunerteint auf, durch den sich ohne jede sichtbare Veranlassung purpurne Blutwellen ergießen konnten, farbensatt wie die tiefblauen Augen. Der Mund war vielleicht etwas zu groß, mit hübschen, gesunden Zähnen, die nur ein wenig mehr hätten zusammengerückt fein können. Das Kinn besaß wohl Rundung, aber keine Weichheit. Zierlich wie die Gestalt war nur die Nase, die dabei aber eine ganz gerade Linie zeigte und sich sehr schön an die niedrige Stirn ansetzte. Ein unregelmäßiges, so gar nicht mädchenhaftes Gesicht, aber eins, das, wenn es wollte, gewiß siegen konnte über alle Anmuth und Lieblichkeit. Guten Morgen," sagte das etwa vierundzwanzigjährige Mädchen bei ihrem Eintreten mit einer etwas dumpf klingenden Stimme und hielt dem Vater wie einem älteren Kameraden vertraulich nachlässig die Hand hin. Er ergriff sie hastig und drückte sie mit ganz ungewohnter Wärme, streichelte sie sogar m seine? Versunkenheit ein wemg. Charlotte wurde aufmerksam und Hickte den Vater forschend an aus den schönen Augen, die sie jedoch gerade in solchen Augenblicken auf ganz eigenthümliche Art zusammenzukneifen verstand, so daß der Blick etwas leicht Jronisches erhielt. Halloh was ist denn los?" fragte sie und ließ sich neben dem Schreibtisch auf einem hochlehnigen Lehnstuhl nieder. Du siehst aus, als ob Du mir eine längere Rede halten wolltest mir oder Dir selbst zu Nutzen und Frommen. Da hast Du wohl nichts dagegen, wenn ich mir's ein wenig bequem mache. Also schieße los. Ferdinand Rebwaldt machte erst Miene, sich an den Schreibtisch zu ihr zu setzen, dann aber zog er es nach kurzem Ueberlegen vor, wie vorher im Zimmer auf und nieder zu gehen. Er war so nicht in die unmittelbare Nähe des klugen, erwartungsvollen Mädchenae ,sichtes gebannt und konnte in unauffälligem Abwenden die Verlegenheit der eigenen Zuge besser verbergen. Also er sollte losschießen, wie die freundliche Einladung seiner Tochter lautete. Aber das war gar nicht so leicht. Charlotte schien übrigens derselben Ansicht zu sein, und als sie eine halbe Minute vergebens auf den Anfang der Eröffnung gewartet hatte, schien es ihr an der Zeit, dem Vater ein wenig zu Hilfe zu kommen. Sie schlug das linke Bein über das. rechte und umspannte mit der kleinen, nervigen Hand den entzückend zarten Knöchel ihres Füßchens. Diese Stellung schien ihr am geeignetsten, m die Tiefen emes ernsten e spräches zu tauchen. Bist Du mal wieder in einer äugen blicklichen Verlegenheit und soll ich bei Tante Johanne vermitteln " fragte sie, setzte aber gleich darauf etwas gedehnt hinzu: Oder ist es so weit, daß Du mit der großen Generalbeichte herausrucken mußt?" Der Vater athmete erleichtert auf, und aus den feurigen Augen traf die Fragende ein dankbarer Seitenblick für ihr Zuhilfekommen. Er gab -seiner hohen, geschmeidigen Gestalt einen Ruck und sagte entschlossen: . Ja, mein Kind, es ist so weit. Ich kann die große Generalbeichte nicht länger hinausschieben. Ich brauche Dir.

wohr nicht erst zu sagen, wie. weh es mir thut, wie wie tief es mich be-

schämt, ja, beschämt. Dir das emgestehen zu müssen. Es handelt sich ja doch in letzter Linie um Dein Erbe, und meine Pflicht wär's gewesen, es Dir so zu erhalten, wie ich es feiner Zeit von 'meinem Vater überkommen " Du hast das Kunststück aber nicht fertig gebracht," fiel Charlotte mit gutmuthigem Lächeln ein. Der liebe Großpapa hatte Dir eben zu diesem Zweck auch seinen regen Ordnungsund Erhaltungstrieb mitgeben müssen. Das hat er nicht gethan und so trägst Du eigentlich keine Schuld. Wenn, es Dir die Peinlichkeit dieser Stunde zu erleichtern vermag, lieber Vater, will ich Dir ehrlich ein Geständniß machen. Wäre ich als Mann zur Welt gekommen, ich verstünde es vielleicht noch besser als Du, ,die Rosen zu pflücken, so lang noch das Lampchen glüht oder heißt es anders? Ich weiß nicht genau. Also" Du, bist mein gutes, vernunftiges Kind," murmelte der Vater halb gepreßt, halb gerührt. Aber das verringert meinen großen Leichtsinn nicht" Gut denn, bleiben wir einen Augenblick bei Deinem Leichtsinn. Aber ich bin wirklich der Meinung, es hat nicht viel' Zweck, über zurückliegende Dinge, an denen nichts mehr zu ändern ist, die Hände zusammenzuschlagen. Du hast Dir, wenn schon von Vergangenem die Rede sein soll, übrigens nicht allein Vorwürfe zu machen. Ich bm. gleich Dir, manchmal recht unvernünftig in der Welt umhergetollt, hab' auch eine Menge Geld zum Fenster yinausgeworfen. Meine Passionen doch Du steckst mich an. Wir wollten ja nicht m biz Vergangenheit hineinleuchten. Die Dunkelheit ist zu groß. Werden wir uns lieber über den augenblicklichen Stand der Dinge klar. Es ist also schlimm ganz schlimm?" -Ganz schlimm." Dann trifft Tante Johanne der Schlag! Wenn wir's auch überstehen. Und Du weißt gar keinen Ausweg?" Doch, den, daß wir das große Loos gewinnen," scherzte der alternde Lebemann mit verzogenem Gesicht. Charlotte blieb ganz ernsthaft. Das große Loos gewinnen," wiederholte sie. Wie macht man das?".. Ihr Ton klang so eigenthümlich, daß der Vater rasch zu ihr hinsah. Und da geschah es, daß er unter ihrem festen Gegenblick urplötzlich roth wurde. Er wunderte sich selbst, daß dies möglich war. Wie wie meinst Du?" stotterte er befangen. Das seltsame junge Mädchen wartete einen Augenblick, dann sagte sie ruhig: Wir haben uns verstanden. Wir gehen von demselben Punkt aus. Es ist ja auch nur natürlich. In unserem Städtchen ist in diesen Tagen eine Goldgrube entdeckt worden. Ihr Glanz zieht die Augen Aller, die nichts haben oder gern mehr haben mochten, unwill kürlich an. Unser Nest hat etwa ein Dutzend heiratsfähiger Töchter. Die machen naturgemäß die längsten Hälse über die Schultern ihrer verehrten Eltern hinweg, die mit bedeutungsvollem Zwinkern die Richtung angeben. Wir betheiligen uns. Aus gutem Grund. Ich bin auch eine sogenannte heirathsfahige Tochter, und Dir käme ein so reicher Schwiegersohn in diesem Augenblick mehr als gelegen. Er wäre das große Loos hab ich recht? Ferdinand Rebwaldt war unwillkürlich bis zu der dem Schreibtisch ent gcgengesttzten Ecke zurückgewichen. Da stand er, an emen Gewehrschrank ge lehnt, und sah mit weitoffenen Augen voll größten Erstaunens auf die Sprecherin. Das ist ja unheimlich," sagte er unsicheren Tones, wie Du in den Menschen hmemschaust. Es ist nicht so schlimm," wehrte sie gleichmuthig ab. Die Annahme lag nahe und vielleicht habe ich mich a"ch schon mehr mit dem Gedanken beschaftigt, als Du denkst." Er schritt rasch zu ihr hin und wollte ihr in einer Art dankbarer Aufwallung die Hand entgegenstrecken. Ein Blick von ihr hielt ihn ab. Sie erhob sich rasch und lachte kurz auf: Wirklich recht erbaulich ist das, worin wir uns da zu vertiefen gesonnen sind! Aber Du meinst ja nun einmal, es fei kein anderer Ausweg.' Wirklich gar keiner? Ferdinand Rebwaldt ließ den Kopf, den er eben so hoffnungsfroh erhoben. wieder sinken. Ich hab' in den letzten Monaten und Wochen genug gegrübelt," sagte er niedergeschlagen. Hin und her hab' ich überlegt und wohl em Dutzend fruchtlose Versuche gemacht, Geld 'aufzutreiben. Nicht einen Heller habe ich bekommen, viel weniger die fünfzigtausend Mark, die mir der Rottmann auf Mollwitz gekündigt hat. Im Juli muß ich das Geld herauszahlen, und da ist dann die Katastrophe unausbleiblich. Sie wäre es übrigens auch so, nur daß sie etwas spater einträte. Die diesjährige Ernte ist schon auf dem Halm verkaust, das Geld zerronnen m allerHand kleine Bäche. Zum ersprießlichen Weiterwirthschaften sind Tausende nothig ' Weiß Tante Johanne, daß es so hoffnungslos steht?" unterbrach ihn Charlotte. Rein." gab der Vater zur Antwort Bis jetzt hab' ich ihr die Kündigung der Hypothek verheimlichen können. Ich I hab' mich davor gefürchtet, daß das

arme Geschöpf zusammenbrechen würde.

Sie wird's, auch, wenn sie davon Hort. Sie ist eine echte Rebwaldt. eine von den früheren. All ihre Wünsche sind Wünsche zum Besten des Gutes, all ihre Hoffnungen beziehen sich auf das Familienheillgthum. Und sie hat sich für das Gut aufgeopfert. Bis auf ein paar hundert Thaler, ihren Rothgroschen. hat sie im Laufe der Jahre ihr ganzes Vermögen hergegeben. Und wie eine Magd hat sie oft genug selon gearbeitet. Und nun soll eine Stunde kommen, da man ihr faen wird: Du mußt von der altehrwürdigen Stätte Deiner Väter fortgehen, mußt sie fremden Menschen überlassen! Ich kann ihr das nicht sagen, ich nicht," brach er vloklich in heißer, aufrichtiger Verzweiflung aus, eher " hier- irrte sein Blick zu dem Gewehrschrank hin. Er vollendete den Satz nicht, sonde'-n warf sich in den Sessel vor dem Schreibtisch, wo er, den Kopf in die verschränkten Arme gedrückt, auf die tuchüberzogene Platte den in leisem Schluchzen bebenden Oberkörper sinken ließ. Es wäre so natürlich gewesen, wenn die Tochter jetzt zu ihm getreten wäre und seinen grauen Kopf gestreichelt hätte. Diese Tochter aber dachte nicht daran. Sie schritt auf ihren Gängen durch das Zimmer ein paar Mal dicht an ihm vorüber, warf ihm aber kaum einen Blick zu. Nun es einen Entschluß gelten sollte, mußte sie, wie sie einmal war. in erster Linie in ihrer eigenen Gefühls- und Gedankenwelt Klarheit zu schaffen suchen. Sie strich sich mit dr kleinen Händen ein paar Mal an beii Schläfen nieder, und ihre blanken Zähne nagten die Lippen. In den tiefblauen Augen war ein fast zorniges Leuchten. Der Vater hatte wohl auf ein Trostwort seiner Tochter gehofft. Als es jedoch ausblieb, nahm er in seiner Zerknirschung die Selbstanklage wieder auf: Schon einmal hab' ich der armen Johanne so bitter weh gethan. Damals, als ich mich nicht zu einer zweiten Heirath entschließen konnte. Mit Bitten, mit Drohen schließlich hat sie einen Erben für das Gut gefordert " Jetzt wandte sich Charlotte dem Vater lebhaft zu. Ja," rief sie, daran hab' ich auch schon manchmal denken müssen. Hast Du es wirklich nicht für Deine Pflicht gehalten, dem Gut einen Erben zugeben? Weshalb hast Du nicht wieder geheirathet? Du hättest doch gewiß Deine Wahl unter Frauen mit allen wünschenswerthen Eigenschaften treffen können." Ferdinand Rebwaldt sah nicht auf. als er höhnisch und bitter vor sich hinsprach: Nimm an, daß schon damals eine Ahnung in mir war, wie es kommen würde. Ich wollte nicht noch andere Kinder, als das eine, dem Daseinskämpf überantworten. Und außerdem hätte der Erbe nicht seinem Herrn Papa nachschlagen können? Das wäre dann wirlich hübsch geworden." Er sprang auf.' Ach, ist das alles ekelhaft und jämmerlich." stieß er ingrimmig hervor. Ich bin schon ein feiner Herr!" Er blieb vor seiner Tochter stehen. Ja, das bin ich! Nun zieh' ich auch noch Dich armes Kind in den dumpfen Dunstkreis erbärmlicher Spekulation hinein " Charlotte hob abwebrend die Hand. Ihr Gesicht, durch das sich im Laufe der Unterhaltung ein paar Mal die purpurnen Blutwellen ergossen hatten, war plötzlich ganz bleich. Um den Mund schwebte ein räthselhaftes Lächeln. Sorg' Dich nicht um mich," sagte sie ruhig. Vielleicht trag' ich's in mir, daß ich ganz gut zu solchen Spekulationen tauge. Ja, Du könntest mir eher einen Vorwurf machen. Ich bin so viel mit Dir und meinen Dresdener Freunden in der Welt herumaereist. Warum habe ich da nicht meine Augen aufgemacht, nicht meine Talente und Talentchen gebraucht, um einen Mann zu kapern wie wir ihn jetzt brauchen konnten? Den Vorwurf durftest Du Deiner Tochter, die Fleisch von Deinem Fleisch, Blut von Deinem Blut ist, wirklich machen!" Der Vater mußte verwirrt die Augen von ihr abwenden. Ihr Aussehen war so merkwürdig. Er wurde nicht klug aus ihr. Um nur etwas zu erwidern, murmelte er: Ja. ich hab' auch ein paar Mal gedacht, Du würdest Ernst machen. Die Chancen waren da gar keine schlechten. Aber ich wollte Dich nicht beeinflussen" Ich hätte mich wohl auch nicht beeinflussen lassen," entgegnete Charlotte in der vorigen ruhigen Sprechweise. Damals trug ich noch ein Ideal in mir, war verliebt bis über beide Ohren. Ich bin es vielleicht auch heute noch. Nur seh' ich ein, daß es nicht geht " Ferdinand Rebwaldt horchte mit allergrößtem Interesse auf. Du verliebt?" wiederholte er. Und ich sollte so gar nichts bemerkt haben?" Nein. Ein himmelnder Backfisch der gewöhnlichen Sorte war ich ja wohl nie. Ich hab' das ganz gut für mich behalten können," versetzte sie trocken. Aber ich kann mir absolut nicht denken, wen Du im Sinn hast! Wo ist denn das pc'ssirt?" Hier in unserem lieben.Nest." Ein Eingeborener?" . Ein Eingeborener, wenn auch kein waschechter." - Nun steh' ich erst recht vor einem , Räthfrf. V !-

Charlotte zuckte etwas ungeduldig

die Achseln. Dem maßloses Erstaunen ist wenig schmeichelhaft für .den Betreffenden. Er derdient es übrigens nicht, wie ich Dir schon angedeutet. Aber ich will Dich nicht länger im Dunkeln tappen lassen. In unseren Gassen ist doch wohl nur Einer herumaelaufen. um den sich's handeln konnte. Ich spreche von Walter Böhme." Walter Böhme.' Der! Allerdinas " Sie lachte ihr kurzes Lachen und ahmte ihm nach: Allerdings! Nicht wahr, nun sindest Du es einigermaßen begreiflich?" Sie wandte sich von ihm ab und trat an ein Fenster. Eine ganze Weile blieb sie stumm. Als das Stillschweigen drückend wurde, ergriff der. Vater, wieder vorsichtig das Wort. Freilich wußte er nicht recht, was er sagen sollte, und räusperte sich darum erst ein paar Mal, ehe er beaann: Armes Kind " Sie schnitt ihm das Wort ab: Armes Kind jawohl!" Ohne sich umzuwenden, als ob sie zum Fenster hinausspreche, fuhr, sie mit einer gewissen Hast fort: Denn es war eine gar großmächtige Liebe. Ich weiß von Stunden draußen in einem grünen, versteckten Winkel, irgendwo außerhalb der Stadt da haben wir uns in die Augen gesehen und Beide heiß und ehrlich geglaubt, daß wir'nie von einander Würden lassen können. Dann sind wir zwei harte Köpfe aber doch in Groll und Verbitterung auseinander gegangen. Und nun ist es wohl ganz gut so. Denn- ich bin jetzt, gleich ihm, ein armer Teufel. Vielleicht der ärmere von Beiden. Er trägt wenigstens das Bewußtsein seines Talentes in sich. Und wenn er augenblicklich auch, seinen armen, kränklichen Eltern zu Liebe, dem Drängen seines Oheims, LandWirth zu werken, nachgegeben hat, so ist doch dieser Erbonkel kein junger Mann mehr, und die Zuk.unft aber was kümmere ich mich um die Zukunft fremder Leute," brach sie hart ab und wandte dem Fenster den Rücken. Die eigene Zukunft macht uns doch wahrhaftig genug zu schaffen." Ferdinand Rebwaldt konnte bei ihrem entschlossenen Ton ein befriedigtes Aufathmen nicht unterdrücken. Dennoch legte er seine Stirn in Väterlich besorgte Falten,. als er sagte:' Liebes Kind, ich weiß doch nicht, ob ich irgend ein Recht habe, mit meinen Wünschen bestimmend auf Dich einzuwirken " Charlotte machte eine ungeduldig: Bewegung. Mit einem rücksichtslosen Griff lockerte sie den Knoten ihres schönen, aschblonden Haares, der sie gedrückt haben mochte. Zugleich erklang ihre ohnehin rauhe Stimme scharf und beißend: Lassen wir jetzt alle Redensarten. Gehen wir zum Thatbestand über. Dr. Anton Hennig ist ein Goldvogel, und Goldvögel läßt man nicht frei herumfliegen, man fängt sie ein. Der Weltfremde Gelehrte denkt offenbar nicht daran, zu heirathen. Also er muß geheirathet werden. Ich will Dir offen gestehen, mein verehrter Papa, daß ich ihn mir schon neulich beim Begräbniß allerdings mehr in einer kuriosen Laune daraufhin angesehen habe. Nun, plausibel könnte man es ihm am Ende schon machen, daß er ganz gut daran thäte, zu heirathen. Er sieht wirklich etwas vernachlässigt aus. Eine Frau könnte da Besserung schaffen. Ob ich gerade die passende Frau sein würde, weiß ich nicht. Aber das ist ja auch ganz Nebensache. Ich soll ich muß sie sein, nicht wahr?" Ferdinand Rebwaldt hielt sich in einer wirklich ehrlichen Regung von Gequältsein die Ohren zu. Schon vorher hatte das Mißbehagen ihn einige Schritte von der Sprecherin zurücktreten lassen. Kind, Kind." bat er nun. nicht so! Mach' es Dir doch nicht so schwer" - Sie lachte. Du hast recht. Es ist ja wahrscheinlich auch leicht genug. Gerade weil es sich um einen weltfremden Gelehrten handelt, kann es für eine Frau, die ein wenig den Teufel im Leibe hat, kein großes 5iunststück sein, ihm das Blut in den verschlafenen Adern wachzurütteln " Ferdinand Rebwaldt richtete sich plötzlich hoch auf. Sein edelgeschnitnes Gesicht mit den leuchtenden Augen nahm einen Ausdruck schöner ZurückWeisung und männlicher Entschlossenheit an. Es ist genug, Charlotte," gebot er. Ich bitte Dich um Verzeihung, daß ich Dir mit meinen aus der Verzweiflung hervorgegangenen Andeutungen eine Beleidigung zugefügt habe. Aber lassen wir nun den häßlichen Gesprächsgegenstand fallen. Er entwürdigt Dich und mich. Willst Du etwas thun, so bemühe Dich schon jetzt, nicht gar zu hart über Deinen leichtsinnigen Vater zu denken, wenn die Katastrophe hereinbrechen sollte. Aber ich werde noch einmal alles. Erdenkliche aufbieten, um eine mögliche Hilfe herbeizurufen." Charlotte war indessen dicht an ihn herangetreien. Ihr bräunliches Antlitz erschien wieder einmal ganz bleich.' Und alle die Räthsel, in denen das Innenleben des. seltsamen Geschöpfes vergraben lag, flimmerten in einem unbestimmten Leuchten über dieses Antlitz hin. (Fortsetzung folgt.) t3 Raucht die Tish I Mingo.

K-M'i : i-H"M i i : i : i-xh-? i Inland t X v i .im ::.,:,? Elektrokutionirt. Der bei der Telephon Co. von Duluth, Minn., angestellte Lineman" Lloyd L. Shipley war neulich auf einem Telephonpfahl, als er zufällig einen geladenen elektrischen Draht berührte. Der gewaltige Schlag von 2300 Volten tödtete ihn auf der Stelle. Der junge Mann war erst 19 Jahre alt. Verkürztes Leiden. In einem großen Faß, worin Regenwasser aufgefangen wurde, fand man unlängst die Leiche der Frau Otto Marr in Delano, Minn. Sie hatte den Tod gesucht und gefunden, um von' einem unheilbaren Krebsleiden erlöst zu werden. Der Sohn fand seine unglückliche Mutter erst, nachdem er sie um das ganze Haus gesucht hatte. Blitzschlag au f der Weltausstellung. Der mexikanische Pavillon auf dem Weltausstellungsplatze in St. Louis wurde neulich von einem Blitzstrahl getroffen, welcher die Flaggenstange und die Kuppel zerschmetterte, das Gebäude jedoch nicht in Brand setzte. Unter den Besuchern in dem Pavillon entstand große - Aufregung, welche sich indessen rasch legte. Politik als WahnsinnsUrsache. M. E. Morely, ein prominenter Kapitalist und Vankpräsident von Lake City, Ja., welcher der demokratischen Nationalkonvention in St. Louis beiwohnte, hat in Folge der Aufregung, die ihm dieselbe verursachte, den Verstand verloren. Er ist ein eifriger Anhänger des Richter Alton V. Parker und wurde aus Freude über dessen Nomination wahnsinnig. Kind mit zwei Köpfen. Eine Farbige in Cairo, Jll., Namens Shane, hat neulich ein Mädchen mit

zwei Köpfen geboren, das Kind starb aber bald nach der Geburt. Die Köpfe waren gut ausgebildet und ruhten in gleichen Winkeln auf den Schultern. Die Gesichtszüge waren perfekt. Der Körper, in dem sich nur eine Lunge befand, war wohlproportionirt. In jedem Hals befand sich eine Luftröhre, die mit einer Lunge in Verbindung stand. Schutz gegen Moskitos. General Davis, der General-Gouver-neur des Panama-Kanalstreifens, hat der Panama-Kommislion mitgetheilt, daß er 100.000 Aards Draht-Moskito-Netze für die Kanalzone wünscht. Es ist dies wohl die größte Bestellung von Moskito-Netzen, die je gemacht wurde. Für die Hospitäler sind 20.000 Yards nöthig und für die Häuser längs der Kanalzone etwa 75.000 Iards; 2000 Fards werden für die Lesseps-Häuser in Cristobal gebraucht. In einen Hinterhalt gelockt.- Der 30 Jähre alte Clemence F. Stemens zu Bloomington, Jll., wurde letzthin zu früher Morgenstunde von einem Manne geweckt, der ihm mittheilte, daß seine Braut im Sterben liege. Als Stemens nach dem Hause der jungen Dame eilte, wurde er jedoch von drei Männern überfallen, mißhandelt, chloroformirt und beraubt. Am Morgen fand man ihn an einem Baume festgebunden und bewußtlos. Von den Räubern fehlt jede Spur. Unglückliche Automobilfahrt. Der reiche Druckereibesitzer Charles D. Rogers aus Chicago fuhr letzthin mit zwei Freunden im Automobil durch Farmington, Conn., als plötzlich die Räder des Automobils sich in die Geleise einer Straßenbahn verwickelten und das Fahrzeug gegen einen Baum rannte, wobei die Insassen hinausgeworfen wurden. Rogers stieß an den Baum und erlitt einen Schädelbruch. der seinen Tod zur Folge hatte. Die anderen Insassen erlitten nur leichte Verletzungen. . D o p p e l t e s Unglück. In Chippewa Falls. Wis., wurde unlängst Frau Chas. Deunow, als sie einen Hund streicheln wollte, von demselben bös gebissen. Das Thier zerfleischte ihr eine Hand und einen Arm. Ihr Geschrei wurde von ihrem Manne gehört, der mit einer Schrotflinte zu Hilfe kam. Gerade als er auf den wüthenden Hund schoß, lief sein Sohn herbei, der der Mutter auch helfen wollte, und dieser erhielt einen Theil der Schrotladung in das Gesicht. Unglücklicherweise wurde die Sehkraft des Knaben theilweise zerstört. Verhängnißvoller Schlag. In St. Joseph, Mich.,' machte jüngst der 35jährige Beamte der Benton Harbor Transit Co.," Burton Griswold, in halb scherzhafter Weise eine beleidigende Bemerkung über einen Agenten von I. A. Cook von Benton Harbor, Mich. Der erzürnte Cook folgte dem Beleidiger in eine Wirthschaft und versetzte ihm einen Schlag in den Nacken. Der Hals wurde gebrochen und Griswold starb beinahe sofort. Cook wurde verhaftet, aber auf dem Wege nach dem Gefängniß sammelte sich eine große Menge von Cooks ! freunden und' verlangte feine Entlasung. Ein Kampf entstand und mehrere Personen wurden leicht verletzt. Es gelang den Beamten, sich mit ihren Revolvern Raum zu schaffen und Cook nach dem Gefängniß zu bringen. Srn Gifer. Siaatsanwalt (inseiner Rede fortfahrend): m ..und mehrere hochachtbare Zeugen und Zeuginnen haben den Angeklagten wiederholten Orten qefehen, wo ein . anständiger Mensch überhaupt nicht hinkommt."

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