Indiana Tribüne, Volume 27, Number 296, Indianapolis, Marion County, 5 August 1904 — Page 6
Jndiana Tribune, 5. August 1904.
6
Q$G$oty$&$&s)o?o$osy$oso
ZDierrstkIlluminntton s g Geschichtliche Erzählung g Von -cli2S illst 00 0OSOS m Jahre 1777 reiste Kaiser Joseph II. inkognito als Öraj von Fattenstein" nach Frankreich, um seine Schwester, dit Königin Marie Antoinette, und deren Gemahl, König Ludwig XVI., zu besuchen. Dem hohen Gaste zu Ehren, dessen Inkognito nicht sonderlich beachtet wurde, veranstaltete Ludwig mancherlei Festlichkeiten, so auch eines Abends ein überaus prächtiges Feuerwerk auf einem freien Platze im Schloßpark zu Versailles. Tausende von neugierigen Zuschauern standen außerhalb des Gitters, um dort wenigstens etwas von der feurigen Pracht zu erschauen, und um der vortrefflichen Musik der Hofkapelle zu lauschen. Nur wenigen, die nichl zu der auserwählten Schaar der Hoffähigen gehörten, war es mit vieler Mühe gelungen, in den Park selbst zu gelangen. Zu diesen Glücklichen gehörte der angesehene Wachskcrzenfabrikant Matihieu Lefebre, Bürger und Hausbesitzer in der Stadt Versailles, mit seiner Familie, nämlich seiner Gattin und einer reizenden siebzehnjährigen Tochter, Namens Adrienne, die seine jüngste war. eine andere, um vier Jahre ältere, war bereits verheirathet. Ein junge? hubscher Mann mit intelligentem Gesicht begleitete die drei, Jules Baudin, bet Werkführer des Fabrikanten. Lefebre hatte geschäftliche Verbindungen mit der königlichen Hofhaltung, die bereitwillige Dienstfertigeit eines Hofbeamten, mit dem er sehr befreundet war. hatte es ihm auch ermöglicht, Zutritt zu diesem Parkfest zu erlangen. Natürlich hielt er sich mit den Seinen in respektvoller Entfernung von dem Festplatze. ' Doch mancher aufmerksame Blick wurde der lieblichen Adrienne gezollt, so daß Jules Baudin darüber fast in eine gewisse eifersüchtige Erregung gerieth. - Es waren da auch zwei zierliche Pavillons, beide innen durch vielarmige Kandelaber voller Wachskerzen erleuchtet. Darin standen auf Büffets Erfrischungen der verschiedensten Art für die Majestäten, für die Prinzen und Prinzessinnen, die Herzöge und Herzoginnen und die zahlreichen anderei Vornehmen. Die Fenster hatten keine Vorhänge; die Thüren standen zudem weit geöffnet; man konnte von allen Seiten hineinschauen. Sitte, beachten Sie doch einmal aufmerksam die merkwürdige Verschiedenheit, Herr Lesebre," sagte Baudin. 2he Kerzen in dem Pavillon links leuchten zweifellos erheblich besser, mit hellerem und sanfterem Lichte, als die in dem Pavillon rechts." Wahrhaftig," flüsterte der Fabrikant, anscheinend unangenehm überrascht. Woran mag das liegen?" Es müssen wohl die neuen englischen Kerzen fein, die in dem Pavillon links brennen." Dann hätte man also auch bereits am Hofe zu Versailles solche Londoner Kerzen im Gebrauch?" Es scheint dies allerdings leider kti Fall zu fein," antwortete seufzend Lefebre. Wenn es mir nicht gelino. Einhalt zu thun, dann, so befürchte ich. wird meine Lieölingshoffnung zu Schanden wnden." Aergerlich und beschämend wär'S, wenn die englische Kerzenindustr? wirklich über die franzosische den Sie erringen würde," sagte der junbc Mann. Sie müssen mir helfen, das zu verhindern. In diesem Augenblick wurden die Majestäten sichtbar, König Ludwig und dessen Zemahlm, und Kaiser Joseph, alle strahlend von Heiterkeit. Das ist also der deutsche oder der römische Kaiser, wie man ihn auch nennt," sagte leise Frau Lesebre. Jcl finde, er sieht wirklich recht nett uxi: vernünftig aus. Das finde ich 'auch, Mama," flü sterte ihre Tochter. Er soll auch wirklich ein guter Monarch sein oder noch werden," bemerkte Lefebre. Wie behauptet wird, beao sichtiat er vlele wichtige Reformen mr. Heile seiner Unterthanen. Ob er solch: Neuerungen wird durchsetzen können, ist freilich eine andere Frage. Dergleichen ist manchmal leicht, manchmal schwer, ähnlich wie beiden Wachskerzen, wenn da etwas zu ändern nothwendig oder wünschenswerth ist. An Sorgen und Verdrießlichkeiten wird's ihm auch nicht fehlen, ebensowenig wie mir. Jetzt begann man mit dem Abbren nen des großartigen Feuerwerks. Es kostete sechsunddreißigtausend Livres So vici Geld wurde im Verlaufe von etwa zwei Stunden in die Luft verpufft in Gestalt von feurigen Raktten Schlangen, Schwärmern, Feuerrädern Girandolen, Flamboyants, Leucht kugeln, Vombenschlägen, rotirenden Sonnen und Sternen, Funkenkaskadi und Fontänen, sowie noch manchen anderen feuersprühenden Meisterleistuneen der Pyrotechnik. Als alles vorbei war, machte sich Lefebre mit den Seinen auf den Heim weg durch den Park. Sie schntter einen Fußpfad entlang. Hie und da waren rechts oder links an den Sau inen Oellämpchen aus farbigem Glas
07
befestigt, was nicht gerade viel Effekt machte. j Das hätte man lieber anders einrichten sollen," sagte Baudin. i Wie denn?" fragte Adrienne. Man hätte chinesische Papierlaternen mit Wachskerzen darin als Lampions an die Bäume hängen sollen " Ich glaube auch, das. würde viel hübscher sein!" Gewiß," meinte zustimmend ihr Vater. Und hm! die Kerzenindustrie würde dann ja auch Nutzen davon haben." Sie gelangten an ein Parkthor und dann in eine dunkle Allee. Adrienne und Baudin gingen einige Schritte vor dem Elternpaar. So düster war's hier, daß Herr und Frau Lefebre nicht sehen konnten, was plötzlich vor ihnen sich ereignete. Und zum Glück hörten sie auch nicht das verdächtige leise Cerausch eines Kusses. Aus der Allee gelangten sie in die Stadt. Hier ließ die Straßenbeleuchtung zu so später Stunde recht viel zu wünschen übrig. Manche der Oellaternen flackerten nur noch kläglich und schienen dem Erlöschen nahe. Wie schlecht ist es doch mit der Beleuchtung unserer Stadt, der königlichen Residenz von Frankreich, bestellt!" rief unwillig Lefebre. In der Hinsicht sollte doch hier am Orte nicht gespart werden, und der Magistrat sollte das Beste wählen für den Zweck, nämlich meine Kerzen und neue dazu geeignete Laternen."
Im Allgemeinen wurde die Straßenbeleucht?:ng einer Stadt durch Wachskerzen doch wohl gar zu ungewohnlich und auch zu theuer sein," meinte Baudin. Aber thun könnte man es, wie mir scheint, bei besonderen festlichen Gelegenheiten, also auch eben jetzt, da der Kaiser Joseph hier verweilt bei seinem königlichen Schwager. Ber besonderen festlichen Gclegenheiten! Ganz unabsichtlich hatte der junge Werkführer diefe Worte so betont. Vielleicht entstand, indem er sie sprach, in seinem erfinderischen Geiste der erste Keim zu der guten Idee, welche bald für ihn selbst und für die Kerzenindustne so wichtig und bedeutungsvoll werden sollte. Einige Tage darauf wurde Herr Matthieu Lefebre in lebhafte Besorgniß versetzt. Er empfing nämlich von dem königlichen Hostntendanten Herrn v. Duras ein Schreiben,, in welchem ihm amtlich mitgetheilt wurde, daß man mit seiner letzten. Lieferung nicht zufrieden sei, also könne ihm auch der Hoflieferantentitel, um den er mehrmals gebeten habe, vorläufig noch nicht verliehen werden, da es möglich erscheine, daß die Geschäftsverbindung mit ihm aufhören müsse, denn man wisse, daß in England jetzt erheblich bessere Wachskerzen zu erlangen seien, von welchen man bereits eine Probesendung bezogen habe. Lefebre hatte seit etlichen Jahren die prunkvolle Hofhaltung zu Versailles mit Wachskerzen versorgt, eine ausgezeichnete Kundschaft, die beste wohl jedenfalls, welche es damals überhaupt gab, denn man kann sich leicht denken, in welcher ungeheuer großen Anzahl jahraus jahrein dort solche Kerzen verbraucht wurden. Bis vor etwa einem Vierteljahre hatte er geglaubt, daß er in Europa die besten Wachskerzen liefere, und das mochte auch vielleicht bis dahin der Fall gewesen sein. Vor reichlich drei Monaten aber hatte ein Konkurrent in England eme Verbesserung der Dochte ersonnen, w.vo ihm behauptet wurde, was man ihnen jedoch gar nicht ansehen konnte. Seine schönen und theuren Kerzen brannten jedenfalls mit einer besseren Flamme und leuchteten mit hellerem und sanfte rem Lichte als die des Herrn Lefebre. Gelang es diesem nicht, dem Geheimniß des Engländers auf den Grund zu kommen, dann sah er sich schwer bedroht in seinem Ehrgeiz und in seinem Erwerb, weil zu befürchten stand, daß er mit der Kundschaft des Hofes auch die des gesammten Hochadels einbüßen wurde. Natürlich hatte er Proben der Londone? Kerzen sich verschafft und deren Dochte auf's Sorgfältigste untersucht, aber durchaus keinen Unterschied zw schm ihnen und seinen eigenen Kerzen dochten zu entdecken vermocht. Eine Seitenthür wurde geöffnet, und Adrienne kam in's Zimmer. Es war schon Abend geworden. Nun, lieber Papa, noch immer so mißvergnügt?" fragte sie theilnehmend. mdem sie sich zu ihm setzte. Ja, mein Kind, dazu habe ich leider nur allzuviele Ursache," antwortete er seufzend. Immer wegen der englischen Dochte?" Ja, gerade deswegen." Nun, so tröste Dich!" rief sie fr'öh lich. Das Geheimniß des Engländers ist ergrundet." Woher weißt Tu das?" rief ausge regt Lefebre. Baudin hat mir's ja selbst gesagt," versicherte Adrienne lächelnd. Sollte es wirklich möglich sein? Wie könnte er das Räthsel gelöst haben?" Mit seiner Nase." Machst Du Dich lustig über meine Ceschäftssoraen. Adrienne?" Nein, nein, Papa, ganz gewiß nicht! Wie dürfte ich mir das wohl er lauoen? Es ist wirklich genau so, wie ich sagte: mt seiner Nase hat er es herausgebracht. . Auf dem Tische lagen einiae von den
Londoner Kerzen. Der - Fabrikant nahm eine davon und hielt sie feiner Tochter unter die Nase. Rieche doch
mal!" ruf er halb scherzend, halb im Ernste. Rieche das Geheimniß her-' raus! Vielleicht hast Du auch die richtige Nase dazu." Adrienne roch mit allem löblichen Eifer, dann aber meinte sie: Ach nein. Papa, meine Nase ist nicht d-e richtige." Höchst überraschend ist Deine Mittheilung. Aber warum kommt Baudin denn nicht sofort mit der frohen Botfchaft hierher zu mir?" O, er kommt so rasch wie möglich. Er wollte sich nur zuerst in seinen besten Anzug werfen und weiße Handschuhe anziehen." Das Ware doch wahrhaftig nickt nöthig." Es ist doch besser so, Papa. Der üblichen Form wegen. Und das ist sehr wichtig Du. mußt auf alle seine Bedingungen eingehen, so erheischt es Dein Geschäftsinteresse." Ihr Vater sah sie etwas Mißtrauisoan. Du scheinst mir auch ein Interesse dabei zu haben," meinte er. Ich höre ihn. Er kommt! Er ist schon auf der Treppe. Adieu, Papa! Sei klug! Gehe auf seine Bedingungen ein, dann wirst Du sicher Hoflieferant des Königs." Das bin ich ja schon. Ich meine, dann bekommst Du den langersehnten Titel und schwebst nicht mehr in der Gefahr, die Kundschaft der allerhöchsten Herrschaften zu verlieren." Sie schlüpfte aus dem Zimmer. Es wurde angeklopft, und Jules Baudin trat ein. Alle Wetter, wie fein haben Sie sich gemacht!" rief sein Prinzipal mit einem Anfluge von leisem Spott. Wozu denn diese Eleganz am Samstag Abend?" Ich hielt es für eine unabweisbare Pflicht," antwortete etwas befangen der junge Mann. Es ist eme besondere Gunst des Schicksals, die mir erlaubt, daß ich es wagen darf, mit ganz besonderer Absicht so vor Ihnen zu erscheinen ich, der Werksührer, vor dem Chef." Sie haben mir eine Mittheilung zu machen?" Sogar zwei Mittheilungen, und beide sehr wichtig." Bitte nehmen Sie Platz!" Jules setzte sich dem Fabrikanten gegenüber an den Tisch. Ich habe Ihren Wunsch erfüllt und die Londoner Kerzen genau untersucht," sagte er. das wohl gesagt?" Selbstverständlich! Damit ganz be sonders. Fräulein Adrienne hat Ihnen das wohl gesagt?" Ja, und zwar vor kaum zehn Minuten." Hat das Fräulein Ihnen noch sonst etwas angedeutet?" Nur angedeutet, unbestimmt und räthselvoll." Nun wohl, wir kommen jedenfalls sogleich darauf zu reden. Also meine erste Mittheilung: ich habe das Geheimniß des englischen Fabrikanten ergründet." Sind Sie ganz sicher davon überzeugt?" i Unbedingt können Sie sich darauf verlassen, daß ich im Stande bin, die Richtigkeit meiner Behauptung jederzeit durch praktische Ausführung derselben zu beweisen." Was fordern Sie für die Mittheilung?" Was bieten Sie dafür?" Hundert Louisdor baar und eine Erhöhung Ihres Gehalts um fünfundzwanzig Prozent." Das ist mir nicht ganz genügend." Nicht? So stellen Sie , gefälligst Ihre Bedingungen." Vernehmen Sie, bitte, zuerst meine zweite wichtige Mittheilung: ich liebe Ihre Tochter Adrienne, die auch mir zugeneigt ist. Daraus ergeben sich von selbst meine Bedingungen: ich wünsche Ihr Kompagnon und Schwiegersohn zu werden, halte also geziemend hiermit um die Hand Ihrer liebenswürdigen Tochter an." Mit gefalteter Stirn stand Matthieu Lefebre auf und auch Jules Baudin erhob sich, letzterer mit der Miene herbster Enttäuschung, zugleich aber auch mit einer gewissen Entschlossenheit im Gesichtsausdruck. Vedaure sehr, darauf kann ich mich nicht einlassen," sagte kühl der Fabrikant. Ihre Bedingungen gefallen mir nicht.Es schmerzt mich tief, daß ich bei Ihnen kein freundliches Entgegenkommen finde," sprach gefaßt der junae Mann. Aber ich glaube, Sie werden bald anderen Sinnes werden und dann Ihre jetzige Handlungsweise bereuen. Hoffen Sie das lieber nicht."'. Dann habe ich Ihnen nur noch dies zu sagen: ich mochte wohl Ihr Kom pagnon und Schwiegersohn sein, werde aber unter den obwaltenden Umständen nicht länger als Werkführer bei Jhn:n st.. Ww m r r -f tu vieiven. nvieu, Herr eseore: . Adieu!" Baudin ging, und sein bisheriger Prinzipal stand in tiefen Gedanken. Dann lachte er plötzlich kurz auf und rief: Der eigensinnige Narr! Hat u wirklich das Gehelmnm des Englan ders enträthselt, so werde ich es wohl auch können. Adrienne war wieder in's Zimmer getreten. Sle hatte wahrscheinlich vor hin, mit dem Ohr am Schlüsselloch der Seitenthür, der Verhandlung gelauschi, ? 's r . i .er ... i r p i. rne ja iur ne 10 iniereani jem munie. Daß dieselbe nicht nach ihren Wun schen ausgefallen war, darüber schien
ne sich übrigens gar nicht lonverlicy zu grämen, denn ganz unverzagt rief die junge Dame: Nein, Papa, Du bringst.es nicht heraus, weil Du nicht die richtige Nase dazu hast. Das wirst Du auch bald mit Betrübniß einsehen. Deshalb hat es für mich und Jules noch gar keine Noth. Kommt Zeit, kommt Rath für mich und ihn." Versailles war damals, nach Verlauf von kaum hundert Jahren seit der Erbauung des großartigen Residenzschlosses, zu einer sehr blühenden und verkehrreichen Stadt geworden, welche über hunderttaufend Einwohner zählte. Viele Vornehme und sonstiqe Perso-
nen, die zum Hofe in irgend welchen Beziehungen standen, wohnten da in den neuen stattlichen Häusern der sch'önen breiten Avenuen und der anderen Straßen, in denen es auch viele Läden gab, die ausgestattet waren mit allem. was zum modischen Luxus und allen Annehmlichkeiten des Wohllebens gehörte. Einen solchen Laden, reichlich versehen mit Porzellan-, Glas-, Kristall-, Bronze und anderen schönen Sachen, besaß der Kaufmann Etlenne Girardet in der Prinzenstraße. Er war ein junger Anfänger und ein guter Freund Jules Vaudins. Eines Abends besuchte ihn dieser. Etienne, ich habe eme Bitte an Dich," sagte er. Sprich, lieber Freund!" rief Girardet. Steht es in meiner Macht, bin ich Dir gern gefallig, das weißt Du. Morgen ist des Königs Geburtstag." Ganz richtig." Dekorirst Du Dein Schaufenster?" Ein wenig. Ich stelle die Gipsbüste Seiner Majestät hinein und arrangire dahinter eine hübsche Draperie. Dazu Blumen in Vasen und Blattpflanzen." Gestatte mir, daß ich Dir auf meine Kosten die Beleuchtung liefere. Ich bin auf den Gedanken gerathen, meine nach englischer Weise verbesserten Wachskerzen, wovon ich einen kleinen Vorrath bereits angefertigt habe, auf solche Art dem hiesigen Publikum bekannt zu machen. Zwanzig wundervoll leuchtende neue Kerzen kommen in Dein Schaufenster, und dann möchte ich auch noch Kerzen in die sämmtlichen anderen Fenster Deines Hauses stellen, oben und unten, sechs oder acht in jedes." Ei, das wäre eine herrliche und effektvolle Illumination!" Etwas ganz Neues und eine wirksame Reklame!" Sowohl für Dich wie für mich. Ganz famos, lieber Freund!" Beide beschäftigten sich am folgenden Tage eifrig mit der Sache. Als es zu dunkeln begann, erstrahlte plötzlich das Girardet'sche Haus in der Prinzenstraße im magischen Schimmer vieler brennender Wachskerzen, die passend gruppirt und hingestellt waren, besonders zierlich auch in dem prächtig dekorirten Schaufenster, in dessen Mitte die Büste Ludwigs XVI. prangte. Das Wetter war schön. Zu Hunderten blieben die erstaunten und überraschten Passanten stehen und schauten diese neue Illumination an, denn es war wirklich die erste derartige Freu-den-und Ehrenkundgebung. Wohl kannte man schon längst prachtvolle Feuerwerke, die abgebrannt wurden zur Feier großer Siege oder bei Gelegenheit von Vermählungen gekrönte? Häupter und bei allerlei anderen außerordentlichen' Veranlassungen, an Fensierilluminationen aber hattendie patriotisch gesinnten Bürger bei solchen Gelegenheiten bis dahin noch nicht gedacht.' Nun denn, diese erste Illumination, welche Baudin und Girardet veranstalteten, erregte allgemeines Aufsehen und erntete größten Beifall. Noch am felben Abend fand sie Nachahmer. Die Sache ließ sich ja auch schnell machen und einrichten. Da gab es viele Hausbesitze?, sowie zahlreiche strebsame Geschäftsleute, welche meinten, sie würden auf solche Art sich dem Hofe angenehm machen die veranstalteten schnell ebenfalls Illuminationen. Kaum eine Stunde nachher strahlten schon tausend andere Fenster im Lichtglanze brennender Wachskerzen. Wohl die allermeisten dieser Kerzen stammten aus Lefebres Fabrik, und Adriennes Vater hatte auch, erfreut über solche, für ihn so vorteilhaft erscheinende Neuerung, in aller Schleunigkeit selbst sein Haus illuminirt, und war dann mit Adrienne und seiner Frau ausgegangen, um die , LichterPracht in der Stadt anzuschauen. Da hörte er das Urtheil der Menge, und er mußte es auch selbst einsehen, als e: in der .Prinzenstraße die Girardet'sche Illumination betrachte!?. Dessen Kerzen, verfertigt von Jules Baudin, leuchteten mit weit' helleren, sanfteren und schöneren Flammen als die Wachskerzen in den Fenstern der anderen Häuser, darüber konnte gar kein Zweifel sein. Durch diefe Erfahrung wurde dem reichen Fabrikanten d:r schöne Abend etwas verbittert, denn er konnte sich's nicht verhehlen, daß unangenehme und sein Geschäft arg schädigende Folgen für ihn daraus entstehen würden. Als er zu Hause wieder angelangt war. sprach er darüber etwas erregt einige Besorgnisse aus.. Da rief Adrienne: , Jch habe Dich ja rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, Dich wohlmeinend gewarnt. Aber Du hörtest nicht. Nun hast Du die Bescherung. Und das komm! nur daher, weil Jules die richtige Nase be-sidt."
und weil er Dich liebt.Ja, und wenn er das mit Deiner Erlaubniß dürfte, dann könnte die schlimme Angelegenheit schnell auf's Allerschönste erledigt werden." Hm das muß ich mir doch erst noch reiflich überlegen." Thu das, Papa. Schlafe wohl, und ein vernünftiger Traumgott möge Dir Huten Rath ertheilen." Auch bei Hofe war die hübsche Neuerung angenehm bemerkt worden. Ludwig XVI. hatte davon gehört und dann von einem Saalfenster im Schlosse aus vielr der illuminirten Häuser sehen
können, ebenso seine Gemahlin und deren Hofdamen. Es wurde bald in Hofkreisen bekannt, daß der eigentliche Urheber der neuen Idee, auf solche Art eine patriotische Gesinnung im schönsten und hellsten Lichte zu offenbaren, der junge Wachskerzenfabrikant Jules Baudin sei. Schon wurde 'in der Stadt davon gesprochen, daß Geldleute ihm Kapital behufs Gründung einer großen Fabrik zur Verfügung zu stellen die Absicht hätten, daß' er auch wahrscheinlich Hoflieferant werden würde erstens wegen feiner patriotischen. Jlluminationsidee und zweitens wegen der Vorzüalichkeit feiner Kerzen, als Matthieu Lefebre, der sich die Sache gründlich überlegt hatte, der Angelegenheit eine andere Wendung gab, da er ja allerdings in der glücklichen Lage war, dies thun zu können. Er schrieb an Baudin und bat ihn um einen Besuch, weil er sich mit ihm zu verständigen wünsche. Freudevoll steckte der junge Mann ein Packet feiner verbesserten Kerzen in die Rocktasche und eilte zu seinem früheren Prinzipal, bei dem er Adrienne antraf, deren rosiges Antlitz vor Vergnügen strahlte. Ich habe mich besonnen," sagte freundlich der Fabrikant, ihm die Hände entgegenstreckend. Sie sollen mein Kompagnon und Schwiegersohn werden. Hier ist Adrienne. Kinder, so nehmt, umarmt und küßt Euch nun nach Herzenslust!" Das wurde jubelnd besorgt. Dann sagte Lefebre schmunzelnd: Genug von der Liebe jetzt. Sprechen wir nunmehr ein wenig von den Geschäften. Also wie ist es eigentlich mit den englischen Dochten?" Die englischen Dochte sind gar nicht anders, als unsere französischen," versetzte lächelnd der glückliche Bräutigam. Der pfiffige Engländer, welcher eine Verbesserung in solcher Hinsicht gemacht haben will, hat die Dochte nur als Vorwand gebraucht, um dahinter sein eigentliches Geheimniß zu verbergen." Aber wie ist es denn?" Es liegt am Wachs." Wie denn das?" Das werden Sie, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, auch wohl durch den Geruchssinn ermitteln können," meinte Baudin, aus der Rocktasche das Packet ziehend und diesem eine Kerze entnehmend, die er dem Fabrikanten überreichte: Bitte, riechen Sie!" . Dies ist eine von Ihren neuen Kerzen?" Ja." Das Wachs dazu haben Sie also genau so wie der Engländer präparirt?" Ich glaube sogar, daß ich es noch etwas besser verstanden habe als er." Lefebre roch angestrengt mit allen erdenklichen Kräften seiner Nase. Nun, es riecht, , wie bestes raffinirtes weißes Jungfernwachs riechen muß und soll," sagte er kopfschüttelnd nach einer kleinen Pause. Nicht anders." Bitte, lasse mich riechen, Papa!" rief Adrienne. Sie hob die Kerze an ihr Näschcn und gab sich wirklich redlich alle Mühe, das Geheimniß zu erriechen. Nun?" fragte ihr Bräutigam. Es riecht wie" Verspürst Du nicht einen ganz leichten und recht angenehmen Veilchengeruch?" ' O ja!" rief sie fröhlich, jetzt da ich es weiß, glaube ich wirklich einen ganz leichten Veilchenduft zu bemerken." Das ist das ganze Geheimniß des Engländers." Er hat also Veilchenessenz seinem' Wachs beigemischt?" fragte Lefebre mit Interesse. Baudin schüttelte den Kopf. Nein, es ist Palmöl." sagte er. Dies afrikanische, dickflüssige, leicht gerinnende Oel, welches feit einigen Jahren erst in den Handel gebracht wird und das von der Guineaküste kommt, wo es große Oelpalmenwälder geben soll, hat einen angenehmen veilchenähnlichen Geruch. Ich lernte es vor einigen Monaten in Paris zuerst kennen, wo einer meine? Bekannten, der eine kleine Luxus seifenfabrik besitzt, dies vortreffliche Oel benutzt. Aber 'nicht nur als Bestandtheil der Seife ist es zu verwenden, auch zur Kerzenverbesserung. Dabei braucht der Zusatz zum Wachs nur ein ganz geringer zu sein; das richtige Verhältniß glaube ich noch besser als der englische Fabrikant ermittelt zu haben." Komm an mein Herz. Jules!" rief entzückt sein Schwiegervater. Welch ein Glück für die französische KerzenIndustrie, daß Deine feine Nase dies zu erforschen vermochte! Jetzt, mit Dir verbunden, ist mir der Hoflieferantentitel sicher!" , . Nun wurden die Illuminationen allgemein gebräuchlich. Die zweite in Versailles war schon viel großartiger.
Es folgten dann solche in Paris und .in anderen französischen Städten, bald auch im Auslande. Besonders in England wurden sie rasch beliebt. Der theure Preis der schönen Wckslichter mußte aber natürlich ärmcre Leute veranlassen, fu? solche patriotisch? Zwecke die billigeren Ta:g!ich!er verwenden, welche leider den Uebelsiand boten, daß sie häufig qualmten. Sehr erfreut war man daher, a.'s im Jahre 1819 zuerst die S!earin!erzen auftamen, die nun seitdem aI3 durchaus passende, billige und gute Lichter für Jlluminationszwccke allgemein braucht. Da die Kerzenfabrikanten durch viele andere neuere B:!euch:ungsmittel manche schwere Einbuße haben erleiden müssen, so ist cs ihnen cewiß gern zu gönnen, daß sie bei solchen besonderen feierlichen Gelegenheiten noch heu!e gute Geschäfte machen.
'euer - Signale. i Pmshid 2kcxtti 5 Eng:ish'Opn-Hatt 5 Sast und 9?" Fort 7 Noble und Michigan 8 N. Jerjeh u. SJiaff Ave Pine und Nortd 10 Market und Pine '1 Vermont nahe Saft 2 N?. 8 Spritzenhaus Mail. Ave nahe Noii. 13 Deiwan und Walnut 11 Jersey u Centra! A. 16 Mais, und Eornell Ave : AN, lu d 11. Gtraße 17 Park Lve und 1, Str .8 Columbia undHillsid 19 Highland Ave u. PraU tl Jllinoii und St. Jo ti Pennshk. und Pratt li Meridian und 11. Ct? 15 9o. 6 Spritzenhaus 16, nahe JUinrti !6 Senate Ave u. StSia 7 Jllino und ZMchigan is Pe tshl'. 'mia und 14. 29 Senate Ave. und 1. Zl No. l Spritzenhaus In Zlve naheMichiga S2 Meridian und LZalnut 4 California u Vermont 5b Blake und Nett gort 5 Jud. Av. u. et eiatr 57 City Hospital Z3 Blake und North Z9 Mich igan und LgneS 41 Ro. Spritzenhaus ' Washington nahe West li Ssendorf u Wash. ts Missouri n New Kork 55 Meridian u Waff JllinoiZ und Ohio 7 Capitol v. u Wash 4 mgan'S Porkhaus 4 Straßenbahn StäU W. Washington SU No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill S JllinoiS u Lvuisiana West und South S4 West und Mckartt) 65 Senate Lve. u Henry S7 Meridian und Ray S!o. 4 Spritzexhaut Madison Av. Morris 9 69 Madison Lv. u Dunlop NoHakm LeiterhauS South nah DeQware Penn. Merrill Delavan u. MrTartt XI Casl ttnfc vc5arty Ne Jersey u. VerriÄ 17 Lirg.Sw.radlysS 88 Saft und Prospeet Bicking und High tl ll Spritzenhaus Lir Ave. nahe Huroa 71 Gast und Georgia 7S Gebar und Giro 74 Davidson u Eeorgia n English Av. Pine 7 Shelöy und Bäte Ü No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby Fletcher Av. u Shelby ZI Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 93 East u Washington 34 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt er. Staaten Arsenal i7 Orients! und Waff. 29 Frauen-Reform at. n No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Wer. 2 Meridian u. Seorqia. Z3 Meridian und Louth 4 PennfylÄ u. Louisiana ?S Wirgwi Ave u. ZUab. 96 Hauptquartier37 Grand Hotel. öS Capital Ave und C6U. 23 No. IS Spritzenhaus 1. und Lsh. 124 Alabama und 16, 125 Central Ave und 16. 126 7jndeS und 15. ,27 Vrookside und Jupit .28 Centra! Ave und 17, i29 Delaware uns 19. Ll Alabama und 11. ?2 Vellefontaive und. 134 College Ave und 29. .55 Delaware und n. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. (58 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 FandeS un! 19. U2 Highland Ave und ID. 43 Tecumseh und 10. , (45 New Jersey aitd 22. 45 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und 26. ,43 College Ave und tl, 149 College Ave und 27. 152 Park Av und 22. 46S 2 G u. 3 Bahn u, 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newma 167 AtlaS und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. (59 No. 1 Spritzenhaus Brightwood tli Arden und Depot 165 Brigytwood und 25. 164 Rural und Bloyd 1 St. Clair u. eyston 167 Arsenal Ave un 2Z. 163 eUefentatne unt 6. 16 9 Park Ae ksX U iU Capital Lve und iv, 213 Pennsylv. . Sich 14 Jlsmoil und zo. 215 Senate Ave und Sl. 21 Pennsvlvania und 2S. tt? Meridian und 15. 21 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McL 34 No. 14 Spritzei,hau Äenwood unt, 30. 25 JllinoiS und 83. L-28 Annctta iml 30 237 No. 9. Ep,itzenhO, Udell und Mao 8 Udell Ladd ors 239 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242J2inciS u Et.Cloc 43 Eldridge und 23. 312 West uud Walmn ' L13 West und 12. L14 Howard und 1. 315 Torbet und Pacu 316 Capital Lve und 317 Northwestern Ave u 318 Gent und is. 319 Canal und 10. 324 Serealine WorkS 324 Vermont und Lyi 325 BiSmareiu Srandviee 326 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 327 Michigan u. oimeS. 328 Michigan u. Concert 341 West und McJntpre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Dl)io 415 Capital Ave.'öeora 416 Migourt u Kentucky?. 417 Senate Ave u. Wasy. 421 P und E ftandKatf W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Avu.JDuQ 425 Wash and Harr 428 No. 18 Spritzen?! 28. Washirlgto 427 Ollver und irch 428 Oliver und OSgood 429 Nordyke und York 431 Hadley Av u. WorrU 48 Rwer Ave u. Morr 434 Rtver Ave und Ray 435 Hardmg u. Big 4 R ? 436 Harding und OUvei 457 No. 19 Sprttztlh?? MorriS und Cardin 4a&eK8eAC2s 43 tosyaett 451 ReiSn und S? 45, Howard und 2 ' 455 Storni und 43x4 456 Lambert und VUÄ 7 Nordete tät . kW o WorkZ 81 West und Ray 813 Aentucky Av u. 014 Meridian und Morr kl JllinoiS und äinsäi 817 Morns und Dakots 18 MorriS und Church 19 Capital Zl. u SfcCan, 21 Meridian und $a!o; 523 Pine und Lord 24 Madisor.Avu Lm H2S Meridian und It5V 27 Carlo und Rah 23 Meridian und Sn?aw 529 ilridian tt. Ray'nond 31 Meridian u. M.-Cat. 632 No. 17 öpritzenbK MorriS nahe West 61 McKerncund Zcut, 13 East u. Lincoln Lx 614 East und Seecher li Wnght uno Sarbett 417 McCarty und Learz 18 New Jersey u B'zk SUx ?l Spruce uno ProsxTU english Are. tt Üaucv 714 EtaiAveu.5eZt P5 716 Shelby und Beecha ?l State Ave wtu Dtarc 718 Orange und Laurel 719 Shelby u. Zi,ua?t 721 ieringtonA.u m Fletcher Aveu. Cprv 724 Stote Lve u. $leaim 76 Prospekt und lealo? 726 Orange und Har'tN 728 Liberty und Iee. 729 Nolö und South 81 No. 15 SpritzenyaÄ Ost Washwzton v 315 Market und Noble 4 Ohio u. Highland 615 Mickizan u. HlgStarr 816 Market Arsenal Ab 817 Ost S', Clair un Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shop L25 Lerntont uno SSalcct? 824 Wash. und State A 65 Maddtn'SLoungttzsp 826 Duck und Dorfes 827 Wash. und BeviS v 829 No.1 Spritzenhaus Bevi2 nahe Michig 851 Southeaster Woodsid. 65 ZkZaJ. und Dearön, 854 Southeastern tx Arsenal Avet. 855 Ne jjort und 5CcnU 11 JZinoiS nd Mary! 15 JZWoiS und XZlXtti. 14 Penn, d Dc& 15 Delaware nnt vpezialOlznsle. krstea Schläge, zweiter Warm, Sweibm Schläge, dritter Alarm, Dritten Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und schlauch augenÄ. Schlag, Sasserdruck ab. I, Schläge, II Uhr Mitlas. Die Zo bezeichnet Signale tverben xtr: do Dhana Wächter mzezebm da an den detnJend Ctrca, keuKmz UZxt TSe crrct
y
