Indiana Tribüne, Volume 27, Number 296, Indianapolis, Marion County, 5 August 1904 — Page 5

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Jnditma Tribüne, 3 August 19041 F

Grundeigenthums - Uebertragungen.

George Merritt an William Hay. ward, Lots 46 und 48 in Blake'S Subd. der Aubenlot 170, Capital Ave. und 10. Str. $8700. Eli H. Cook an Charles W. Con. ger. Lot 4. Milligan'S Cottage Place Add. östlich vom Mass. Ave. Depot. $2000. Louisa M. FieldS an Melissa Dalton, Theil Lot 15, West's Add., nahe West und 10. Str. $1509. Margaret B. Snow u. A. an Harry R. Libeau, Theil Squ. 19, Mass. Ave., nahe New Jersey Str. $4250. Frank M. Baldwin an Frederick W. Wetter, Lot 53, McCarty'S Westseite Add., West JndplS. $2000. Alva L. May an Merle Sidener, Lot 65 in Buller Grove Add., nahe dem WaiseN'Heim. $3,000. Joseph H. Pattison an Benjamin E. Clayson, Theil von Lots 423 und 424 in McCarthy'S 11. Westside Add. in West Indianapolis. $3,000. Matilde M. Topp an Elden D. Cloud U.A., Lot 10 in Block 2 in Topp'S Garden Place Add., östlich von Crown Hill. $2,800. Elden D. Cloud an JameS D. Pat terson, nämliche Lot. $2,800. Benjamin Riller an Sophia Rickes, Theil vom südöstlichen Viertel, Section 3, Township 16, Ranges 3, Center Township, $2300 George F. Lutz an Caroline L. Hauk, Theil von Lot 60, Bruce Place Add.. nahe College Ave. und 24. Str., $1800. Barbara A. Foreman u. A. an John A. Heck, Lot 21, HubbardS S. Meridian Str. Add., nahe der Belt Bahn, $800. Mary M. JoneS an John F. Craw. ford, LStS 15 und 16, Block 5, Lin. coln Park. Ecke New Jersey und 23. Straße. $7000. , . .AntonSchildmeier an Murry E. Bo ring, ein Theil der südölichen Viertel Section 2, Township 15, Range 4, Warren Township. 81300. Derselbe an John Kitley sen, ein Theil von demselben Eigenzhum. $1300. . . MorriZ Wohlfeld an William A. Miller :c, Lot 19, Coe's Suödivision. Outlot 12, nahe Missouri und SouthStraße, $2500. Carlton .C... Wjtt an Bertha W. Coughlen, Theil von Lot 189' John son & Hoghshire'S Ost WashingtonStraßen Addition, nördlich von den Pennsylvania - Bahn. Werftätten, $4500. William Ward an Ernst Kühn :c, Lot 25 und Teil von 26, Ost Wood, lawn Addition, nördlich von Madden's Fabrik, $1900. Emma ChilderS an Wm. Spielhoff, Lot 8 in Moore's Subd. eines Theils von Barth's Erben Add., westlich von Shelby Straße und südlich von Pros pect Str. 81000. Edwin Ritchie an Wilhelmina Metz, ger. Lot 30 in Bruce's Add., östlich von Central Ave. $2550. Clara Zimmermann an Otto R. Striebeck, Lot 39 in Allen's 2. Nord Add., westlich von Nordwestern Ave., nördlich von Creek.. $1200. George Knarzer an Frank Seiden fiicker, Trustee. Theil des nordöstlichen Viertel Sec. 14, Township 15, Range 3, Center Township. $7,000. Frank Seidensticker, Trustee, an Geo. Knarzer, dasselbe. $7,000. a John B. Gohmann an James Wade, Theil von Lot 123. Fletcher u. A. Sub., Außenlot 94, östlich von Noble, nördlich von Virginia Ave. $3,800. Jsaac N. Richie an Edward G, Goth. Lot .196, Morton Place, New Jersey Str., nahe 21. Straße, $1.900. Fred Cline an Clhde I. Roach. Lots 21 und 22, Bruces Sub.', Bruce Add., Central Avenue nahe 23. Straße. $3,200. Louisa C. Hoffmann an Harry H. Beck. Lot 10, Ray'S Subdivision, Outlot 150, nahe New Bork und Blake Str., $1500. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow". Äon Schweinen aetrei s e n. Die Bäuerin Antonia Sorko in Ober-Vreitenbach, Steiermark, ließ neulich ihre vier Monate alten, in einer Wiege liegenden Zwillinge allein' m entern Zimmer und begab sich zur Ar beit in den Garten. 5ln ibrer Ab Wesenheit drangen mehrere Schweine in oas Zimmer ein, warfen die Wiege um und fraßen emem der Kmder den hal ben Kcvf wea. Als die Mutter infola des Geschreis der Zwillinge in das Zimmer zurückkam, fand sie eines der Kinder todt. Das zweite Kind blieb unverledt. . x -

Vom Abendmahl" Leonardos. . . Man schreibt der Wiener Zeit" aus

Mailand: Endlich wird es mit dem Rettungsversuche, der dem weltberüh.nten Gcmalde Leonardo da VmclS gut, ernst werden. Der Maler und Ncstaurator Luigi Cavenaghi hat es unternommen, die kleinen Farbenblättchen, die sich von der Mauer losgelöst haben, mittelst eines d lrchfichtigen Leimes wieder zu beseitigen. Natürlich gehört eine ungeheure Geduld und Ausdauer l r rw y i t- . " 7! m mttx 'roeil. vjs wäre zu roun schen, daß der Plan des kunstliebenden Restaurators, der für seine Mühe jede Belohnung zurückgewiesen hat, gelänge. c" . r m w t. irT-j ueoer oie uriacye oes ÄeioeroniLs des da Vincinischen Gemäldes ist viel gesprochen worden. An der Feuchtigkeit der Mauer kann es nicht liegen, da ja die Kreuzigunq des Montorfano, die sich auf der anderen Seite des Refektoriums befindet und aus derselben Zeit herrührt, ausgezeichnet erhalten ist. Jedenfalls hat Leonardo selbst die hauptsächlichste Schuld daran. Er wollte eine Mischung zwischen der Oelmalern und der Malerei al fresw schaffen, ohne aber dieses Ziel erreichen zu können. Als das Abendmahl im Jahre 1497 vollendet war, konnten Lodovico il Moro und sein Hofstaat die ganze Prachi der Farben bewundern, und auch noch im Anfang des 16. Jahrhunderts war der Eindruck des Wandgemäldes so gewaltig, daß König Franz 'I. von Frankreich die ganze Mauer nach Frankreich schaffen lassen wollte, um semen Unterthanen dieses herrliche Werk als Kriegsbeute heimzubringen. Bekannt ist es wohl auch, daß die Mönche des Klosters Delle Grazie in rücksichtslosester Weise eine Thür in die Mauer brechen ließen, wodurch die Beine Christi und der benachbarten Apostel abgeschnitten wurden, um den Weg zwischen Küche und Refektorium abzukürzen. Im Jahre 1566 besucht der berühmte Kunstgelehrte Vasan den klosterlichen Speisesaal und findet das Gemälde dem Verall nahe..' Im Jahre 1726 hat Belloto, m Jahre 1770 .Mazza eine Erneuerunq des Bildes versucht. Zur Zeit der französischen Invasion hatten Dragoner ihren Stall m dem Refektorium aufgeschlagen und benützten die Köpfe der Apostel als Zielscheiben für ihre Schießübungen. Stendyall will deutlich die Spuren von Pistolenschüssen gesehen haben. Es wird genug geleistet sein, wenn es Cavenaghi gelingt, das Gemälde, ohne es zu schädigen, in seinem heutigen Zustande zu erhalten. Dir Schlange im Sticscl. Ein junger englischer Offizier war in ein indisches Regiment versetzt worden. Während des ersten Abends seines Aufenthalts in -der neuen Garnison, als die Mehrzahl der Offiziere des Regiments im Kasino versammelt war. wurden zu Ehren des Neuangekommenen auch die üblichen Jagd- und Jägergeschichten zum Besten gegeben und man lachte manchmal recht herzlich über das Jägerlatein einiger alter Graubärte, die sich schon ein Menschenalter und mehr in Indien aufhielten. Schließlich kam auch das Gespräch auf Giftschlangen, und hierbei nahm der Oberst des Regiments selbst das Wort und erzählte ein eigenes Erlebniß." Jdj hatte mich eines Morgens verschlafen,"' erzählte er, und mein Diener kam zum zweiten Male, mich zu wecken. Jetzt sprang ich natürlich schnell, auf und kleidete mich in aller Eile an. In wenigen Minuten war ich fertig bis auf die Stiefel. Ich fahre hastig mit dem Fuß hinein, als ich plötzlich auf ein sich bewegendes Hinderniß stoße. Sofort fährt mir durch den Kopf, daß es eine Schlange sein könne, die sich während, der Nacht den Stiefel zum Quartier ausersehen hatte. Den Fuß zurückzuziehen, wäre sicherer Tod gewesen, denn die Schlange würde mich in den Fuß gebissen haben. Ich preßte also mit aller Kraft den Fuß in den Stiefel und stampfte dann aus, so fest ich konnte. Als ich endlich den Stiefel auszog, schüttelte ich eine todte Brillenschlange von etwa zwei Fuß Lange aus meinem Stiefel! Diese Erzählung hatte auf den jungen Offizier einen tiefen Eindruck gemacht, und als er am anderen Morgen seinen Fuß in den Stiefelschaft steckte, um ihn anzuziehen, verspürte er plötzlich einen scharfen Stich in der Fußfohle. Kein Zweifel, eine Schlange hatte sich in seinem Stiefel verkrochen. Mit aller Kraft zwängt: er den heftig schmerzenden Fuß in den Stiefel, fing dann wie wahnsinnig herumzustampfen an, stieg auf einen Stuhl und sprang mit voller Wucht hinunter, dabei fortwährend vor Schmerz und Schreck aus vollem Halse schreiend: Kobra! Kobra!" wie die Engländer die Brillenschlange nennen. Auf den Lärm eilten einige Diener dem jetzt ohnmächtig zusammenbrechenden junges Mann zu Hilfe. Auch andere Offiziere und ein Arzt waren schnell zur Stelle. Man entkleidete ihn hastig, aber erst als man ihm den Stiefel auszog, entdeckte der Arzt die Urfache des ganzen Lärms: ein Nagel war durch die Sohle gedrungen. Deplazirte Redonsart. Herr (auf einer Tour zwei Herren vorstellend): Hier, Herr GerichtsVollzieher Wapplinger hier Herr Stud. med.. Radier, die Herren kennen sich vielleicht von München her!" Student: Bedauce, habe noch nie das Vergnügen gehabt."

Ein Ilmggescsse. i NovcUcttc von K. jföalmquifl. Der Bankkassirer Apel in X köping war nun schon volle zehn Jahre im Amte gewesen, und doch war man aus ihm noch nicht klug geworden. Als er seiner Zeit aus der Hauptstadt in. X köping eintraf und, seine gut besoldete Stellung antrat, schätzte man ihn aufz ungefähr fünfunddreißig Jahre. Man hielt ihn für eine gute Partie, und die jungen Schönheiten der Stadt waren sich mit ihren Mamas darüber einig, daß er einer der stattlichsten jungen Herren des Ortes sei. Indessen zeigte sich Herr Apel allen Einladungen gegenüber durchaus gefühllos. Ein Ball, ein Mittagessen oder eine Tasse Thee in aller Besehe!denheit," wie es in manchen Einladungen hieß, ließen ihn gänzlich unberührt. Er war artig und verbindlich, ein völliger Gentleman aber auch nichts weiter. Keine einzige bevorzugte er. Trotz seinen feinen Manieren und seiser großen Höflichkeit war Herr Apel Weiberfeind ein richtig eingefleischter Junggeselle, der die Ehe verabscheute und feine schöne Einnahme, wer weiß

wie, verschwendete und vergeudete. Das ' muthmaßte man. ,Merkwürdigerweise konnte man ihm aber nichts beweisen. Wahr war es allerdings, daß Herr Apel gelegentlich das eine oder andere Herrenessen mitmachte. Erkündigte man sich dann näher ncch ihm, so erfuhr man, daß er sich äußerst korrekt und solide benommen hatte. - Ein anderes Gerücht wollte wissen, daß er noch alte Schulden aus seiner Studentenzeit abzuzahlen habe, und daß er aus diesem Grunde so äußerst zurückgezogen lebe. Dagegen behaupteten einige seiner .Kollegen ' auf der Bank, daß er monatlich Geld zurücklege und mit der Zeit noch ein wohlhabender Mann, würde. Es blieb schließlich nichts weiter übrig: man hielt den Kassirer Apel für einen Geizhals, der alles zusammenscharrte, was sich zusammenscharren ließ. Aber auch dieser Schluß zeigte sich schließlich als unrichtig. Denn die Armen der Stadt hatten von ihm zu viele Beweise der Mildthätigkeit gehabt, und die Leute, denen er geholfen hatte, glaubten ihrem Wohlthäter einen Gefallen damit zu erweisen, daß sie sein Lob sangen. Kurz gesagt: der Kassirer war ein Räthsel, das sich nicht so eins, zwei, drei lösen ließ. Schließlich war es langweilig geworden, sich mit ihm zu beschäftigen. Er war und blieb ein Original, aus dem man nicht klug wurde. Ein dunkles Gerücht war allerdings bis in das entlegene X köping gedrungen, nämlich, daß Herr Apel vor vielen Jahren mit einer "5feierten Schönheit verlobt gewesen war, die schließlich dem armen Student'n einen Laufpaß gegeben und sich einem reichen Fabrikbesitzer in die Arme et worfen hatte. (Aber auch dieses Gerücht war nicht beglaubigt. Jedenfalls hät'e eine Bestätigung desselben ' manches Räthselhafte im Wesen des Kassirers erklärt. Die zehn Jahre, die Herr Apel in X köping zugebracht hatte, waren aber keineswegs spurlos an ihm vorübergegangen. Die Gestalt war zwar noch ebenso schlank und geschmeidig,, .wie früher, aber auch im dunklen Vollbart entdeckte man den einen oder anderen Silberstreif. Er fing an, alt zu werden. Das ließ sich nicht leugnen. ' Inzwischen erhielt das Gerede, das den Kassirer jetzt Jahre lang zufrieden gelassen hatte, plötzlich neue Nahrung. Er hatte fein Mittagessen seit Monaten bei einem feiner verheirateten Kollegen eingenommen. Sein stets ernstes Gesicht und sein zurückgezogenes Wesen bewirkten, daß er dort wie überall für älter gehalten wurde, als er wirklich war, und daß man ihn wie eine Art Onkel behandelte. Er hatte sich eben daran gewöhnt und würde siügewundert haben, wenn dies anders gewesen wäre. Als der Kassirer eines schönen Tages sich am Mittagstische niederließ, sah er sich ganz unerwartet einer rcizenden jungen Dame gegenüber. Es war eine Verwandte der Hausfrau, die id) ZU? Erlernung der Haushaltung dort aufhielt. Sie war eine kleine graziöse Erscheinung ein entzückendes Kind, trotz ihrer achtzehn Jahre. Der Kassirer fühlte sich ein wenig verwirrt, wie sie ihn mit ihren großen, blauen Augen so neugierig musterte, aus denen Schalk und eine übermüthige Lebens lust hervorleuchtete. Es war, als fei ein Sonnenstrahl in me schwere und spießbürgerliche Atmosphäre gedrungen, seitdem Klara Mitglied der kleinen Familie geworden war. Sie steckte ihre ganze Umgebung mit iyren taufend kleinen Einfällen und ihrer sprudelnden Lebenslust an. Den Kassirer betrachtete sie als guten Kamerad, fragte ihn wegen ihrer Toileite um Rath und veranlaßte ihn. mit ihr .lange Spaziergänge zu machen, Bootssahr:en zu unternehmen. Lawr.tennis zu spielen und so weiter. Seme ernste Onkelmiene imponnte der kleinen Hexe in keiner Beziehung. Der Kassirer mußte sich in ihre Vorschläge finden, und zu seinem eigenen Erstaunen that er es auch sehr leicht. Singen Sie uns etwas vor," bat Klara ganz Plötzlich, als sie eines Sonntags Nachmittags am Klavier faß und über einige Schumann'sche err . i , ' ' Hieiornen pyamainte. Allgemeine Munterkeit entstand in

dem kleinen Salon, in dem sich außer der Familie noch einige Freunde eingefunden hatten. So etwas war noch nicht dagewesen! Der Kassirer, dieser trockene, ernste Mann sollte singen! Der Kassirer war gleichfalls ganz erstaunt, dabei blickte ?r dock verlegen drein. Nur keine Umstände," sagte sie. Ich 'weiß, daß Sie eine sehr schöne Stimme haben. Als ich vor Kurzem Abends vor Ihrem Hause vorüberging, habe itf, Sie spielen und singen hören."' Das Erstaunen fand aber keine Grenzen, als der Kassirer nach einigem Zögern mit einem prächtigen, volltönenden Bariton eine der Schumann'schen Romanzen vortrug, während Klara ihn begleitete. . Kein Mensch hatte eine Ahnung davon gehabt, daß der Herr Apel Sänger war. Er besuchte ja weder Gesellschaften noch Konzerte. Damit erhielt das Gerede aber die nöthige Nahrung. Der Kassirer und Klara mußten ein Paar werden. - Das war sicher. Man wollte wissen, daß ihre Verlobung in allerkürzester Zeit veröffentlicht würde. Den Damen fiel es plötzlich ein, daß der Kassirer im Grunde noch ein stattlicher Mann war.

wenn seine schlanke, hochausgerichtete Gestalt sich an der Seite der kleinen blondlockigen Schönen auf der StrandPromenade zeigte. Es war an einem Septemberabend, kurz vor Sonnenuntergang. Klara und der Kassirer hatten ihren gewöhnlichen Nachmittagsspaziergang am Strande entlang gemacht um Abschied von dem Sommer zu nehmen" wie Klara sich ausdrückte. Sie wollte nämlich am folgenden Tage in die Hauptstadt zurückkehren. Wir haben einen entzückenden Sommer gehabt, nicht wahr?" sagte sie munter und ohne weitere Umstände. Es wird mir ordentlich schwer, von hier Abschied zu nehmen, obgleich ich mich andererseits wieder auf . Stockholm freue. Hier muß es im Winter sehr traurig sein. Aber, was ist Ihnen? Sie sagen'ja gar nichts?" Der Kassirer war heute wirklich ganz verändert. Er war noch ernster und einsilbiger, als er in der letzten Zeit gewesen war. Sehen Sie. Ich bin heute so frei), daß ich mich Ihnen anvertrauen muß. Ich habe mich hier absichtlich nicht ausgesprochen, um den lästigen Beglückwünschungen aus dem Wege zu gehen. Ihnen kann ich es ja aber sagen. Ich habe eine große Freude gehabt. Gestern empfing ich einen Brief von meinem Verlobten. Er hat eine vorzügliche Anftellung als erster Ingenieur eines großen Elektrizitätswertes angenommen, und dadurch sind wir in den Stand gesetzt, schon zu Neujahr zu heirathen." - Der Kassirer hatte sprachlos dagestanden und das junge Mädchen ganz verwirrt angestarrt. .Jhr-Jhr?' Ja, ja mein, mein Verlobter! Verwundert Sie das so sehr. Unsere Verlobung ist allerdings noch nicht veröffentlicht. Ludwig wünschte, daß wir so lange damit warteten, bis er eine feste Stellung habe. Aber, Sie werden ja ganz blaß. Min Gott, was ist Ihnen? Sie sind doch nicht krank?" Der Kassirer war wirklich ganz blaß geworden. Erst lief es ihm eiskalt den Rücken herunter, dann wurde er glühend heiß. Ach nein," stotterte er, es ist nichts. Ich habe mich ' wohl nur etwas erkältet." Ja. ja, es wird schon etwas kühl. Der Sommer ist vorbei, man fühlt es. Doch ich muß jetzt nach Hause und einige Briefe schreiben, die noch mit dem Nachtzug fort müssen Sie sind wohl morgen frrh am Bahnhof. Dann also auf Wiedersehen bis morgen." Und tänzelnd eilte sie ihrem Heim zu. Und wie der letzte Schimmer dieses jungen, frischen Geschöpfes sich den Augen des Kassirers entzog, fuhr ein herbstlicher Wind durch die Kronen' der Bäume er klang düster in einem Herzen wider, das allein zurückölieb. Der verlorene Thaler. Beim lebten Hansarcnnen in Hamburg war es aufgefallen, daß der Kaiser die Hofwagen. die -ihn und seine Familie zur Stadt zurückbringen sollten, noch einmal fort schickte, weil er, dem Programm entgegen, auch dem Potrimpos-Rennen'öei-zuwohnen wünschte. Dies geschah, wie man sich erzählt, auf besonderen Wunsch seines jünqsten Sohnes, des kleinen Prinzen Joachim. Kaum hatte ihm nämlich feine Mutter das Wesen 'eines Rennens erklärt, als er schon den Wunsch aussprach, an den Wetten, die seine älteren Brüder untereinander veranstalteten, theilzunehmen. Er setzte also wohlgemuth auf einen Gaul, zu dem er besonderes Vertrauen verspürte, einen Thaler, hm geschah, was auch anderen Sterblichen schon zugestoßen ist: er verlor. An's Verlieren nicht g:wöhnt. fühlte er sich durch sein Mißgeschick schmerzlich berührt, und deshalb ließ sich sein Papa bestimmen, noch über ein ' Rennen zu bleiben, weil er dem Söhnchen Gelegenheit geben wollteden Thaler wiederzugewinnen. . Ob sich diese Absicht verwirklicht hat, ist nicht bekanntgeworden. Werei)to Gntriistung. Herr (der sich im Auskunftsbureau über sich selbst erkundigt hat): So eine Gemeinheit! Bis zu dreihundert Mark soll ich gut sein, und kein Mensch pumpt mir was!" '

Der Hungrige jvird gespeist. Ekizze aus New York von R. H. DaviZ. Der junge Van Ribber machte eines Tages ganz gegen seine Grundsätze eine Fahrt down town, und zwar nur auf die energische Aufforderung seines RechtsanwalteS hin, der seine. Unterschrift für wichtige Papiere benöthigte. Seit fünf Jahren war Van Ribber nicht mehr südlich vom Washington Square gewesen, außer im Vorüberfliegen auf der Hochbahn, und als er nun den City Hall Square durchschritt, betrachtete er die Wolkenkratzer über sich und das verwirrende Hasten und Treiben um sich mit dem unverhohlenen Interesse eines eben angekommenen Einwanderers. Die Reuheit der Situation amüsirte ihn, und nachdem er seine Geschäfte erledigt hatte, beschloß er, am Broadway zu promeniren, wie er es sonst auf der Fifth Avenue that. Aber fortwährend stießen Passanten ihn an, und wenn er eine Straße kreuzte, lief er jedesmal Gefahr, von irgend einem Gefährt überrannt zu werden. Endlich wurde es ihm zu toll, und er entschloß sich, so rasch wie möglich in feinen Club up town zu flüchten. Hello, Van Ribber," rief ihn da ein Bekannter im Vorübereilen an. Was bringt' Sie hierher? Haben Sie sich verirrt?" Fast kommt mir's selbst so vor," entaeanete Van Ribber. wäre lbnen

wirklich dankbar, wenn Sie mir sagen wollten, wie ich am schnellsten wieder zur Civilisation zurückkäme!" Nehmen Sie die Hochbahn am Park Place!" rief der eilige Freund über die Schulter zurück und stürzte sich in die Menge. Der Fremdling von up town war sich zwar nicht ganz klar, wo Park Place zu finden fei, doch bog er, einem dunklen Instinkt folgend, in' eine Nebengasse ein. Da trat ihm an der Straßenecke ein verwahrlost aussehendes, schmutziges, rothäugiges Jndividuum entgegen und bettelte ihn um ein paar Cents für ein Frühstück an: Den ganzen Weg von Chicago bin ich zu Fuß gekommen," klagte der Bettler, und seit,24 Stunden habe ich nichts gegessen!" Van Ribber zog sich unwillkürlich etwas zurück, als trüge das Jndividuum eine ansteckende Krankheit in seinen Lumpen, reichte ihm rasch einen Quarter und ging weiter, ohne den Segenswunsch des Mannes abzuwarten. Armer Teufel!" dachte Van Ribder. Ganzen Tag ohne Mahlzeit! Kaum auszudenken!" Er konnte es sich wirklich nicht vorstellen, so sehr er sich auch bemühte, und diese Thatsache machte ihm einen solchen Eindruck, daß er in seiner Gutmuthigkeü zurückging, um dem Individuum noch ein Geldstück zu geben. Van Ribbers Vorstellung von einem Diner war allerdings etwas exaltirt. Er wußte nicht, daß es Plätze gab, wo man eine reguläre Mahlzeit, bestehend aus einerFleischspeise, drei Gemüsen und Pie" für einen Quarter bekommen konnte. In seinen Augen war ein Quarter kaum genügend Trinkgeld für den Kellner, der das Diner servirte, geschweige für das Diner selbst. Van Ribber sah gerade, wie das Individuum drei Herren anhielt, von welchen zwei ihm etwas gaben, dann näherte es sich ihm und wiederholte seine rührende Geschichte in monotonem Gemurmel. Augenscheinlich erkannte er Van Ribber nicht, und dieser gab ihm einen halben Dollar und ging befriedigt weiter in dem beruhigenden Gedanken, daß der Mann sich nun etwas kaufen konnte, wenn auch nur ein Luncheon. Ueber die Richtung, die er jetzt einzuschlagen hatte, um an den Park Place zu kommen, war er sich aber völlig im Unklaren, und er umlief das ganze Straßengeviert, ehe es ihm zum Bewußtsein kam, daß er jede Direktion verlo-, .ren hätte. Er befand sich wieder an der nämlichen Stelle, von der er ausgegangen war, und sah sich gerade bilflos um, als das bekannte Organ des Individuums ihn auf's Reue' begrüßte. Doch kaum sah Van Ribber ihn an, so wurde der Bettler unruhig; er war sich scheint's nickt klar, ob er diesen Herrn nicht schon einmal angeganaen hatte, aber Van Ribber wurde im selben Moment von einem schlauen Gedanken erfaßt und täuschte das Individuum, indem er nach der Börse griff. Seit 24 Stunden nichts gegessen? Lieber Gott!" näselte der Clubmann mitleidig, und haben Sie auch kein Geld?" Keinen Cent!" stöhnte das Jndividuum, ich bin halb ohnmächtig, Sir helfen Sie mir es ist mir so schwer, zu betteln ich thue es ja nicht für's Geld nur etwas zu essen will ich haben ich bin am Verhungern!" Run," meinte darauf Van Ribber, wenn Sie nur etwas zu essen haben wollen, kommen Sie mit mir hier herein werde Ihnen, etwas vorsetzen lassen'" Aber der Mann trat zurück und klagte in jammerndem Tone, daß man seinesgleichen gar nicht eintreten lassen würde. O doch, das wird man schon!" sagte Van Ribber und warf einen Blick auf die Speisenauswahl, die vor der Thüre angekündigt war, außerordentlich billig scheint es auch zu sein! Beefsteak zum Beispiel nur 15 Cents! Gehen Sie nur hinein!" fügte er hinzu, und es war ein gewisses Etwas in seinem Ton, wodurch das Jndivi-

duum sich gezwungen lay, wenn aucy widerwillig, die Wirthschaft zu betreten. Van Ribber schien dies vic sonderbarste Umgebung, in ver er sich je befunden, und die Leute starrten ihn so verwundert an, seine Handschuhe, die Gardenia in seinem Knopfloch und den Vagabund, der ihn begleitete. Dieser schien sehr beunruhigt und Van Ribber, der neben seinem Stuhl stand, lächelte triumphirend. Dieser Herr ist am Verhungern," sagte er zu einem der gewöhnlich ausfehenden Kellner. Er hat seit 24 Stunden nichts gegessen. Bringen Sie ihm alles, was er verlangt." Das Individuum sah mißmuthig vor sich nieder und der Kellner grinste hinter seinem blechernen Servirbrett hervor und war sogar so unverschämt. Van Ridber einen vertraulichen Blick zuzuwerfen, wovon dieser sich noch rechtzeitig genug erholte, um dem Mann einen halben Dollar in dieHand zu drücken und ihn dadurch zu einem Freund auf Lebenszeit zu machen. Das , Individuum verlangte Milch, aber Van Ribber protestirte und bestellte statt dessen zwei Beefsteaks mit gebratenen Kartoffeln, heiße Semmeln, zwei Omeletten, Kaffee und Schinken mit Speck. Zum Teufel noch einmal!" schrie das Individuum in heller Verzweiflung, für was halten Sie mich denn?" Für hungrig!" antwortete Van Ribber mit vollendeter Höflichkeit, oder andernfalls für einen Betrüger, und wissen Sie, sollten Sie das letztere sein, so würde ich Sie der Polizei zu überaeben haben." Van Ribber lehnte sich in eleganter Haltung an die Wand, las anscheinend die gedruckten Mittheilungen rings umher, behielt aber dabei stets den Polizisten auf der anderen Seite der Straße im Auge. Das Jndivi-

duum arbeitete und fluchte sich durch sein Frübstück, und so oft es athemschöpfend aussetzte, deutete Van Ribber mit seinem Spazierstock auf eine noch ungeleerte Schüssel, und das Individuum machte sich nach einem ergebnißlosen Protest mit der Miene der Verzweiflung an die Vertilgung. Die Leute im Lokal lachten alle, und der Wirth hinter seinem Pulte grinste vergnügt. Jetzt, zum Henker," sagte das Individuum endlich aufstehend, habe ich für ein Jahr gegessen!" und zu Van Ribber gewandt: Sie halten sick wohl für sehr Uug? Wie? Aber wenn es Ihnen Spaß macht, für Ihre UnterHaltung so viel Geld auszugeben, möaen Sie es meinetwegen thun! Nur hüten Sie., sich, daß ich Ihnen nicht einmal des Nachts begegne dann könnte es Ihnen schlecht ergehen!" Und in ohnmächtiger Wütt; 'seine Faust schüttelnd, schritt das Individuum nach der Thüre. Einen Moment!" rief da Van Ribber. Sie haben Ihr Frühstück noch nicht bezahlt!" Ich habe nicht was?" schrie das Individuum zurück. Gezahlt? Wie käme ich zum Zahlen? Sie haben mich aufgefordert, zum Essen hereinzukommen. Vielleicht nicht? Ich wollte kein Frühstück! Zahlen Sie nur selbst für Ihr Vergnügen, sonst werden Sie herausgeschmissen!" Ich habe Ihnen," entgegnete Van Ribber langsam, 73 Cents gegeben, um sich ein Frühstück zu verschaffen. Die Rechnung hier lautet auf 83. Verschiedene andere Passanten gaben Jhnen auch noch; ie müssen genug bei sich haben, also zahlen Sie sofort, oder ich rufe .den Polizisten dort herüber und lasse Sie dahin bringen, wohin Sie gehören." Erst sollen Sie aber Ihren Lohn haben," 'keuchte das Individuum kampfbereit. Van Ribber wandte sich an den Kellner: Haben Sie die Güte, jenen Polizisten zu rufen." Der Kellner lief nach der Thür, das Individuum lief ebenfalls, der robuste Kellner aber erwischte es beim Kragen und hielt es fest. Lassen Sie mich gehen!" schrie dis Individuum, lassen Sie mich los, und ich will zahlen!" Alle- Gäste waren aufgesprungen, umringten nun die Gruppe und sahen zu. wie das Individuum dem Kellner 83 Cents in die Hand zählte. Darauf blieben ihm selbst gerade noch 10 Cents übrig. Sie haben dem Kellner noch kein Trinkgeld gegeben," sagte Van Ribber streng und deutete mit seinem Stock auf das einsame 10 Cents - Stück.,. Nimmermehr!" ächzte das Jndividuum. O doch!" entgegnete Van Ribber, thun Sie jetzt sofort, was sich gehört sonst !" Das Individuum ließ das Geldstück in die Hand des Kellners gleiten und Van Ribber wandte sich lächelnd und schritt durch die bewundernde Menge auf die Straße. Ich vermuthe," sagte Van Ribber später am Nachmittag, als er. einem Freund im Club das- Abenteuer erzählte, das Individuum versuchte nach meinem Fortgehen, dem Kellner das Trinkgeld wieder zu entreißen, denn ich sah ihn äußerst plötzlich das Lokal verlassen und dabei den Erdboden erst wieder berühren, als er mit dem Kopf im Rinnstein landete. Höchst bemerkenswerther Kellner, das!" Ma Z. m Von der Schmiere. Zuschauer (zu seinem Nachbar): Wirf doch auch einmal auf den anderen, sie spielen ja auf Theilung."