Indiana Tribüne, Volume 27, Number 294, Indianapolis, Marion County, 3 August 1904 — Page 5
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3roifdjcu Wasser J & r r r - - unö fcucr Erzählung von A. C I; i n c r t 55555 in Jahre 1863 hatte der amerikanische Bürgerkrieg seinen HöhePunkt erreicht, und englisch: Rheder verdienten em Heidengeld mit dem Einschmuggeln von Waaren in die von der Janteeflotte blockirten südstaatlichen Häfen. Als Rückfracht wurde Baumwolle geladen, mit der in Europa glänzende Geschäfte gemacht werden konnten. Fieberhafte ThätigKit herrschte damals auf den SchiffsWerften Liverpools, wo in rascher Folge eine Anzahl Dampfer von Stapel liefen, die an Schnelligkeit alles bisher Dagewesene überboten. , Auf dem Arrow," einem der flottesten dieser für den Blockaldebruch bestimmten Fahrzeuge fand ich, der erst ein paar Jahre auf dem Salzwasser herumgeschwommen war, gestützt auf Jute Zeugnisse und einflußreiche Empfehlungen, Heuer als dritter Steuerinann, und nicht wenig stolz war ich. als mir beim Antreten meiner ersten Wache das Deckkommando für die nachsten vier Stunden überleben wurde. Sobald der letzte Ballen Kontrebände eingehißt und verstaut war, wurden die Trossen gelöst, und durch die irische See und den St. Georgskanal in den offenen Ozean hinausgedampft. Dort legten wir unseren Kurs . nach den Bahamainseln und erreichten am Morgen des elften Tages das zunär.gesteckte Ziel, den Hafen von Nassau auf der Insel New Providence, in jenen bewegten Zeiten die Operationsbasis der Blockadebrecher und ein Eldorado für waghalsige Seeleute, die, abgesehen von Gewinnantheilen nach geglückten Fahrten, das Zehn- bis Zwanzigsache der gewöhnlichen Löhne bezahlt erhielten. Hart gearbeitet wurde tagsüber aus Ladeplätzen und Schiffen, in den Herrlichen Tropennächten aber genoß man das Leben, ein jeder nach seiner Fasson. Kneipen, Tingeltangel, Spielhäuser und andere Vergnügungslokale schössen auf wie Pilze in dein kleinen, durch den Krieg zu ungeahnter Bedeutung gelangten englischen Kolonialstädtchen. Einer der Eigenthümer des Arrow" war mit Ulls herübergekommen und sicherte sich sofort die Diensie des Kapitän Maxwell, des erfahrensten der in Nassau sich aufhaltenden und auf Passendes Engagement wartenden Nunners (Blockadebrecher). Schon am nachsten Tage übernahm dieser Herr, der seinen eigenen Lootsen und eingeschulten Signalmann mitbrachte, das Komrnando des Dampfers. Zuerst ließ er bis auf den Stumpen des Fockmastes, der für. Ausspähzwecke oben eine leichte Plattform erhielt, das Fahrzeug seiner Briggtakelage entkleiden, dann wurden die Schiffsseiten, die Schornsteine, überhaupt alles von außen Sichtbare mit aschgrauer Oelfarbe gestrichen. Anzüge gleicher Frbe wurden an die Mannschaft verheilt und ihr eingeschärft, nichts anderes zu tragen. Während der Fahrt sollte nach SonnenUntergang auf Deck kein Licht gezeigt, nicht geraucht und nicht laut gesprochen werden. In dem besten, freilich immerhin ziemlich primitiven Hotel Nassaus 'wohnten, als ich dort landete, schon seit einigen Wochen zwei junge Damen: eine Frau Ellen Osborne mit ihrer schweizerischen Gesellschafterin. Fräulein Laura Sutter.' Frau Osborne, die ihrem ganzen Auftreten nach sehr reich sein r.ufete, bildete den MittelPunkt der besseren Gesellschaft. Sie war, so hieß es, in einem der amerikanischen Nordstaaten geboren, aber mit einem virginischen Pflanzer verheirathet, der jetzt in der Armee der Sklavenhalter als Offizier diente. Beim Ausbruch des Krieges verweilte sie gerade auf Besuch bei Verwandten in Boston, und als sie zu ihrem Gatten eilen wollte, wurde ihr an maßgebender Stelle ein Passirschein durch die Linien verweigert. -So war sie denn nach Nassau gekommen in der Hoffnung, von dort auf einem Blockadebreche: nach Wilmington 'gelangen zu können. Diese Angaben fanden keinen unbedingten Glauben, man munkelte davon, Frau Osborne sei ein Jankeespion, und da mit solchen verkappten Damen in Nassau schon unliebsame Erfahrungen gemacht worden waren, hatte bisher keiner der in Frage kommenden Schiffssührer es wagen wollen, die Beiden mitzunehmen. Jetzt wurden nun auch der Miteigentümer des Arrow" und Kapitän Maxwell eifrigst von ihnen.bestürmt, aber auch da gab's keine Eryörung' trotzdem Frau Osborne sich bereit erklärte, für sich und Laura Sutter baare fünftausend Dollars für die Ueberfahrt zu zahlen. Die junge Frau wollte schier verzweifeln und erklärte alle Kapitäne, Super kargos und Agenten für undankbare Wichte, zwar gern bereit, ihre Gastfreundschaft zu genießen, mit ihr zu tanzen, ihr den Hof zu machen, aber untereinander verschworen, ihr nicht über den Weg zu trauen und' sie der Doppelzüngigkeit zu beschuldigen. ' Vom Augenblick meines ersten Zuf sammentreffens mit ihr hatte ich mich sterblich m die hübsche Schweizerin ver liebt und nach Seemannsart mit einer rc.ir,: ,...,. v. a Viiwuiuuy mui imiyc bvu.
bekam keinen Korb, und wir Beide aal
ten als verlobt. Wann die Zeit der Vereinigung kommen würde, das ließ sich unter den obwaltenden Umständen freilich nicht voraussehen. , Der Arrow" lag fast drei Wochen im Hafen, und diese Zeit nutzte ich nach Möglichkeit aus, endlich aber mußte halt doch geschieden sein. . Der Abschied wird Dir schwer, Fred," sagte Laura am Abend vor un serer Abreise, und auch mir thut's herzlich weh. Dich ziehen zu lassen j Konntest Du mich und Frau Osborne denn nicht heimlich an Bord bringen und als blinde Passagiere irgendwo verstecken. biS Wilmington erreicht ist? Unmöglich, Laura,", erwiderte ich. Ganz unmöglich!" Ihr seid wirklich schreckliche Tyrannen," schmollte das Mädchen. Ellen ist kein Spion, so wenig wie Du oder ich. Aber wenn Du fort mußt und uns nicht mitnehmen willst, oder n; mitnehmen kannst und darfst, wie Du behauptest, dann lebe wohl und komme heil, und gesund wieder hierher zurück." Am nächsten Morgen dampfte der Arrow" unter englischer Flagge in's Meer hinaus und hielt zwei Tage lang östlichen Kurs, dann wurde in der Nacht gewendet und Wilmington zugesteuert. . Das Glück war uns günstig. wir schlüpften unbemerkt durch die Blockadeflotte und fanden am Orte unserer Bestimmung - einen begeisterten Empfang. In fieberhafter Hast wurde die mitgebrachte Ladung gelöscht, und der leer gewordene Ranm mit Baumwollenballen gefüllt. Beim Auslaufen brauchten wir nicht, wie beim Einlaufen, vorsichtig tastend, die schmale in den sicheren Port führende Fahrstraße zu suchen, und erst einmal im offenen Ozean draußen, durften wir uns auf unsere Schnelligkeit verlassen. Zwei Fankeekreuzer begegneten uns und eröffneten, da wir die Signale zum Stoppen unbeachtet ließen, eine Kanonade, aber die Entfernung war zu groß, die Granaten schlugen harmlos in's Wasser. Vier Wochen nach unserer Abreise vonNassau lagen wir wieder unversehrt in diesem Hafen. Den Nhedern hatten wir mit dieser Doppelfahrt einen Profit von etlichen hunderttausend Dollars in die Taschen gespielt und auch für uns selber, jeder nach seiner Stellung an Bord, ganz nette Summchen eingeheimst. Frau Osborne und Laura saßen natürlich noch fest auf dem Strand und machten alsbald erneute Versuche, unserem Kapitän die Erlaubniß zur Mitfahrt auf der nächsten Fahrt abzuschmeicheln oder abzutrotzen, aber sie muhten sich vergebens. Jetzt fingen aber die beiden Damen an, sich energisch an mich zu wenden. Laura versicherte mir mit den heiligsten Eiden, Ellen Osborne sei keine Spionin, und sie Beide stünden mit ihren Sympathien ganz auf der Seite der Südstaaten. Wie durfte ich die Versicherungen meiner geliebten Braut anzweifeln! Zu einer Unwahrheit jedoch bekannte sich Ellen Osborne une? dem Siegei der Verschwiegenheit: sie war nicht verheirathet und hatte die Rolle einer Frau nur 'angenommen, um ungenirter und sicherer auftreten zu können. Doch der Mann, dem sie ihr Herz geschenkt, war thatsächlich ein Virginier, der gegen die Nankees im Felde stand. Wie leiern konnte eine feindliche Kugel ihn ihr für immer entreißen! D Ehebund ztvifchen ihnen sollte jedenfalls geschlossen sein, falls das Schreckliche früher oder spater wirklich einträte. Als ich bedenklich den Kopf schüttelte, stellte mir Laura ein Ultimatum. ,Jch werde nie Deine Frau, Fred, erklärte sie, wenn Du nicht dafür sorgst, daß Fraulem Osborne und ich nach Wilmmgton kommen! Nach Abgabe dieses Schreckschusses von Seiten meines Schatzes spielte 5llen Osborne noch den Versuazer in ihrer Eigenschaft als Millronarm .Herr Namer." hob sie an. Sie lieben Fräulein Sutter, und ich finde das sehr begreiflich. Laura ist ein herziges Madchen und meine beste Freundin. Sie mochten naturlich so bald wie möglich heirathen, und um Ihnen die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, verspreche ich feierlich, Laura an ihrem Hochzeitstage einen Check über zehntausend Tollars zu überreichen, wenn Sie uns Beide die Gelegenheit verschaffen, nach Wilmington zu kommen." Dann sielen die Madchen noch ver eint über mich her mit Bitten und Bet teln, und für alle Einwendungen hat ten sie taube Ohren. Daß die Sache für sie aefährlich, sehr gefährlich werden könnte, dieser Gedanke beunruhigte sie keinen Augenblick; sie lachten nur. als ich darauf hinwies, der Arrow konnte von den Nankees zusammengeschössen, und alle an Bord vom Meere verschlunqen werden. Ich war jung, ich war waghalsig, ich war verliebt und ich fing an zu schwanken. Was hatte ich im Falle emer Entdeckuna eiaentlich zv fürchten? Ein: gesalzene Strafpredigt, vielleicht meine Entlassung. Was bedeutete das gegen über der Aussicht, meine Laura mit einer Mitgist von zehntausend Dollars heimfuhren zu können! So ließ ich mich denn schließlick verumkrieaen und ver praaz. mein MLalichstes zu thun. Wenige Tage nach der Rückkehr des Arrow" bracyte ein Schiff von Eng land neue Ladung für uns, und durch listiges Diplomatisiren konme ich's durchsetzen, daß die Leitung des Um frachtens ausschließlich mir übertragen
wurde. Damit war die beste Gelegen heit geschaffen, mein Versprechen einzulösen. ' Ich richtete es nun so ein, daß nach Füllung des Laderaumes eine großc Partie Arzneien und Drogen unverstaut blieb; und da diese in den vom Weltverkehr abgeschnittenen Südstaaten sehr begehrten, in Kisten 'und Ballen verpackten, leicht zu beschädigenden Waaren weder zurückgelassen noch offen aus dem Oberdeck verstaut werden durften, schlug ich vor, die Offizierskajüte und die anstoßenden Kabinen für Frachtzwecke zu benutzen. Ich machte aeltend, die Verdeckka'üte, wo die Ma schinisten hausten, sei ja groß genug, um auch uns vier Offizieren noch nothdürftig Unterkunft zu bieten. Jetzt handle es sich in erster Linie darum.
behauptete ich weiter, möglichst viel Geld zu verdienen, und dem Mammon zuliebe dürfe man schon eine Weile auf die gewohnten Bequemlichkeiten verzichten. Die Kameraden waren einverstanden, und ich ging an die Arbeit. Eine der Kabinen hielt ich für meine zu erwartenden blinden Passagiere frei und in das mit dieser Kabine verbundene Badekämmerchen rollte ich Heimlich ein Fäßchen voll Tr.inkwasser. Et. nachdem das geschehen, und die Kabine abgeschlossen wur, ließ ich meine Leute antreten und von ihnen die Kisten und Ballen derart aufstapeln, daß vom Kajüteneingange bis zu der betreffenden Kabinenthür ein schmaler, gewundener Gang frelbheb. Den Matrosen, die einfach meinen Weisungen folgten, kam's nicht in den Sinn, es könne mit diesem Arrangement eine besondere Bewandtniß haben. Selbstverständlich hatte ich die jungen Damen über die getroffenen Vorbereitungen auf dem Lausenden erhalten und sie wahrend ihrer öfteren Besuche an Bord mit den betreffenden Raumverhältnissen genau vertraut 'gemacht. An einem Mittwoch Abend war der Ärrow" zum Auslaufen fertig, und auf dem Verdeck wimmelte es von Leuten, die gekommen waren, Abschied zu nehmen und glückliche Fahrt zu wünschen. Zwei in weißen Leinwandanzügen steckende Negerjungen, deren Gesichter unter Strohhüten mit breiten Krempen nicht zu erkennen waren, drängten sich durch die Menge. Jeder trug einen großen, anscheinend mit Orangen und Bananen gefüllten Korb am Arme. Massa ?red, Bananen kaufen, viel gut, viel billig," wurde ich von entern der Jungen angesprochen. Ich wußte, wer da vor mir stand: meine 'beiden Damen, die nach Verabredung Gesichter und Hände geschwärzt und sich entsprechend kostumirt hatten. Ein Bündel Bananen nehmend, reichte ich mit der Bezahlung Laura den Kajütenschlüssel. Die vermeintlichen Negerzungen entfernten sich und waren bald, in dem herrschenden Wirrwarr, von Niemand weiter beachtet, ver schwunden. Sie wußten Bescheid. Sobald ich abkommen konnte, sah ich mich nach meinen Schutzbefohlener, um und fand sie in dem für sie hergerichteten Schlupfwinkel. . So weit hatte sich alles programmmäßig ohne Storung abgewickelt. Als ich nach flüchtiger Begrüßung fragte, ob sie auch ausreichend verproviantirt seien, wiesen die Mädchen auf die mitgebrachten Korbe. Unter einer flachen Fruchtschicht lagen Konserven genug verpackt, um damit zwei Wochen auszukommen. Es war mir das eine große Beruhigung, da ich während der Fahrt, ohne Verdacht zu ' erregen, schwerlich für die Eingeschmuggelten hatte Sorge tragen können. Habt Ihr etwa Streichhölzer mitgebracht? fragte ich weiter. Nur zwei Schachteln," antwortete Laura zögernd. Was, meinem bestimmten Verbot entgegen!" brauste ich auf. Heraus damit, oder ich mäche dem Kapitän Meldung und lasse Euch sofort wieder an s Land setzen!" Die Schachteln wurden ausgeliefert. Also wohlverstanden," fuhr ich fort, hier unten darf unter keinen Um ständen Licht angezündet werden; der schwächste Schimmer durch die Seitenluke dort könnte uns den Nankees verrathen. Und dann müßt Jht wissen, daß die Kisten in der Kajüte Patronen und Pulver in Beuteln enthalten. Die geringste Unvorsichtigkeit, und wir alle fliegen m die Luft." Die Pulvi'rgeschichte war Flunkerei, aber ich zweifelte nicht daran, daß si? den gewünschten Eindruck . machen wurde. Doch jetzt muß ich fort," schloß ich. Leben Sie wohl, Fräulein Osborne. und richten Sie sich so bequem wie moa lich ein, gar lange wird die Gefangenschast ja nicht dauern, denn in spate stens zehn Tagen sind wir hoffentlich in Wilmington. Adieu, Laura." Ich umarmte meinen niedlichen Negerbur schen. Hallo l" stutzte ich, was ist denn das für em hartes Dma m Der ner Tasche? Wahrhaftig ein Revolver! Was soll's damit?" Achtung, Fred, er ist geladen! Wer weiß, in welche Lage wir kommen können. Ich verstehe mit Schießwaf fen umzugehen, Du brauchst keine Angs zu haben. Dünkt mich aber doch ein bedenkliches Spielzeug. Ueberlaß Du das lieber mir, ich will's aufheben bis Wil mington." Unsinn, Fred, gib mir nur meinen Revolver zurück! Ich bin jetzt ein Mann und ich will für alle Fälle gerüstet sein. ' Wenn auch ungern, that .. ich meiner
Braut den Willen, mahnte noch einmal dringend zur Vorsicht, schied mit einem letzten Kusse, schloß die Kajüienthür ab und stieg an Deck. Eine Stunde später dampfte der Arrow" aus dem Hafen von Nassau hinaus in die offene See. Die Blockade war feit unserer letzten Fahrt verschärft, das nordstaatliche Gefchwader um ein Dutzend Schiffe verstärkt worden. Jetzt hieß es auspassen. An ein direktes Durchbrechen in der Nacht und ein Gewinnen der engen Einfahrt, zu der seit dem Beginn des Krieges keine Leuchtfeuer und Bojen mehr den Weg wiesen, konnte nicht gedacht werden, und unser Kapitän wollte daher über Kap Fear hinaus nach Norden steuern, dann wenden, und mit der
Küste an unserer Steuerbordseite, der Brandung so nahe wie möglich, dem Ziele zuschleichen. Abgesehen von ein paar leichten Kanonenbooten, konnten die tief im Wasser liegenden Kriegsschiffe sich nicht so nahe an den Strand heranwagen wie wir. Alles ging gut, und wir waren nur noch etwa zwanzig Seemeilen von dem mit seinen Kanonen die Barre und den Hafenemaana beherrschenden Fort Fisher entfernt, als an unserer Backbordseite 'aus der Dunkelheit die schattenhaften Umrisse eines Fahrzeuges auftauchten, das, bei einem Abstand von fünf- oder sechshundert Metern, mit uns gleichen Kurs 'hielt. Unfraqlich war s em Jankeekreuzer und ein schneller dazu, denn er blieb nicht zurück. Eine halbe Stunde liefen wir so nebeneinander her. ohne daß unser Nachbar ein Lebenszeichen gab. Sollte er uns nicht bemerkt haben? Da stieaen plötzlich von semem Deck drei Raketen auf, und das Signal wurde m unserer Front von anderen. noch unsichtbaren Schiffen beantwortet. Gleichzeitig ruckte uns der Kreuzer näher auf den Leib und Jemand von drüben rief uns an: Stopp den Dampfer, oder wir bohren Euch in den Grund!" So versuch's!" brüllte Kapitän Maxwell durch's Sprachrohr. Volldampf! Feuert, daß die Funken fliegen!" rief er in den Maschinenraum hinunter. Wir sind entdeckt und brauchen Nicht länger heimlich zu thun!" Bumm!' Vumm! Fhiß! Fbiß!" Kugeln und Granaten umsausten uns. als wir wie toll der nahen Einfahrt zum sicheren Hafen zurasten. Jetzt durften die beiden Mädchen Nicht länger eingeschlossen bleiben; sollten em paar schwere Geschosse den Arrow" an der Wasserlinie treffen, dann war er so gut wie verloren und alles Lebende auf die Boote angewiesen. Ich eilte unter Deck und öffnete die Kajütenthur. hinter der die beiden Negerjungen, durch ' den Lärm und das Schießen nicht wenig beunruhigt, sich eng zusammengekauert hatten. Folgt mir nach oben," rief ich, und dort legt Euch flach hin Gibt's eine Katastrophe, dann springt auf und haltet Euch m meiner Nahe. Keine Minute zu früh hatte ich die Beiden geholt. Eine Vollkugel schlug durch die Schiffswand in die Kajüte und fuhr splitternd und krachend zwi schen die aufgestapelten Waaren. Nur die Schnelligkeit des Arrow konnte uns noch retten, und wäre er mit Volldampf weiter gefahren, dann wurden wir den Kreuzer auch bald hinter uns gelassen haben. Doch da fina die Maschine an, schwächer und schwächer zu arbeiten und schließlich stand sie ganz still. Der Oberingenieur stolperte aus der Tiefe herauf und melbete dem Kapitän, eine Weile müsse gestoppt werden. .Wellen und .colben nahezu rothglühend," keuchte er, Abkühlung durchaus nothwendig. In zehn Minuten, denke ich, können wir wieder losdampfen." Damit war unser Urtheil gesprochen, auch nur fünf Minuten still zu liegen, Ware schon zu lange gewesen. Der Kommandant hielt das Spiel für verloren. So manches ankere hatte er gewonnen; jetzt war's an ihm, den Einsatz zu zahlen, auf die persönliche Freiheit bis zum Ende des Krieges zu verzichten. Die Mannschaft tritt vorn an und bleibt beisammen," befahl er. Aber daß mir keiner eme Hand rührt. Wlder stand zu leisten, wäre Wahnsinn; versuchten wir's, dann kämen die den Kampf Ueberlebenden vor s Kriegsge richt als Piraten und hätten den Gal aen zu atwärtiqen." Der Kreuzer hatte aufgehört zu schießen; wir horten hundertstimmiges Triumphgeschrei und das Rasseln der Blöcke, als drüben ein Boot zu Wasser gelassen wurde. In wenigen Minuten wars an unserer Seite, und ein milchbärtiger Marineleutnant kletterte, gefolgt von zehn Matrosen, an Deck. Ich stand an der Reelmg, die Hände m den Hosentaschen. die brennende Pfeife im Mund, den unatf fUMsi.. m iJJfftar 1 1 r Vi ytuufcutu vuiiu um uuuiiti uw wut der erste- der von dem ungeheuer wichtig thuenden Fankeeosfizier' auf's Korn genommen wurde. Ergebt Euch!" schnauzte er, mir mit dem gezogenen Säbel vor der Nase herumfuchtelnd. Ich lächelte verächtlich und wollte den jungen Helden eben an den auf der Kommandobrücke stehenden Kapitän weisen, als dicht neben mir ein Schuß fiel noch einer und noch einer. Zwei der Kriegssch:ffmatrosen brachen zu sammen, die anderen stürzten wüthend auf mich s. .Rasch bückte ich mich, griff den Säbel eines der Verwundeten aus und wehrte mich nach Kräften meiner Laut. Dabei aewabrte ick mit
mi.eizen, oay es meme Brau: war, me
neben mir stand und ihren Revolver knallen ließ. Das für mich ganz überraschend gekommene Intermezzo hatte , kaum eme Minute gedauert und in der nächsten hätte die Uebermacht mich und den Pseudonegerjungen überwältigt, wäre die Aufmerksamkeit des Feindes nicht durch eine plötzlich aus dem Kajütenoberlicht herausschlagende Flamme abgelenkt worden. Alles stutzte, und als nun gar noch Ellen Osborne, die bisher im Hintergründe sich gehalten, mit dem Alarmruf auf der Szene erschien: Feuer in der Kajüte. Sie ist gefüllt mit Pulverkisten!" da bekamen wir Luft. Hier zeigte sich eme Möglichkeit, dem drohenden Verhängniß zu entrinnen, und ohne Zaudern versuchte ich sie auszunutzen. Ueber Bord mit Euch! schrie ich unseren Leuten zu. Fünfzig Tonnen Pulver lagern m der Kamte. und jeden Augenblick können wir auffliegen! Springt in's Meer und schwimmt für Euer Leben!" Ein wilder, allgemeiner Tumult entstand, und die Aankees mitsammt ihrem Anführer packte panischer Schrecken. Die verwundeten Kameraden ihrem Schicksal überlassend, hasteten sie m ihr Boot zurück und ruderten davon. Vioxt. nur fort von dem, wie sie meinten, unrettbar verlorenen Arrow." Die Prise hätten sie gern genommen, aber mit ihr in Atome zerschmettert zu werden, danach trugen sie kein Verlangen. Unsere Mannschaft wußte gut genug, daß in der Kajüte kein Pulver verstaut war, daß wir überhaupt keine Explosivstoffe mnfuhrten, aber die Leute hatten die rettende Idee erfaßt und sich geberdet, wie wenn auch sie schleunigst fliehen wollten. Alle Mann aus ihre Feuerposten !" kommandirte. sobald die Nankees fort waren, Kapitän Maxwell. Luken und Oberlichter wurden mit ihren dichten Läden geschlossen, die Schläuche im Zwischendeck nach dem Brandherd geleitet und dieser durch die Dampfpumpen mit Wasser überschwemmt. Nach kurzer, zielbewußter Arbeit war das Feuer gelöscht; freilich auch ein Theil der in der Kajüte gelagerten Waaren ruinirt. Inzwischen hatte der Ingenieur wieder volle Herrschaft über die Maschine erlangt, und langsam zuerst, dann ra scher und immer rascher glitten wir Fort Fisher zu. Jetzt war sur uns der Moment gekommen, in triumphirende Hurrahs auszubrechen. Der aefoppte Kreuzer eröffnete eme neue Kanonade, aber nur zwei Schüsse waren Treffer, und ehe die anderen herandampfenden Kriegsschiffe ihn erreichen und ihm den Weg verlegen konn ten, schlupfte der Arrow, von dem er fahrenen Lootsen sicher gesteuert, durch die Hafeneinfahrt und' ankerte hinter den Wällen der Festung, die bisher allen Anstrengungen der Nördlichen, sie zu bezwingen, getrotzt hatte. Außer den beiden von Laura getroffenen nordstaatlichen Matrosen hatten wir nur noch drei . Verwundete an Bord, denn' durch herumfliegende Splitter war ein Mann unserer Besatzung schwer, zwei leicht verletzt worden. : Bei Tagesanbruch wurden wir von jf. Y !7 1 einem cnicrpcr nacu oem ixa üugjin, und alsbald schwärmten aus der Stadt Besucher an Bord: Kaufleute, die der Ladung wegen kamen, Offiziere der in und um Wilmington liegenden. Regimenter und Neugierige aller Art. die hören wollten, wie wir davon gekom men, ohne durch das feindliche Feuer schwer havarrrt worden zu sem. Das Verdeck war noch voll solcher Besucher, als Kapitän Maxwell befahl, ihm die beiden Negerburschen vorzuführen. Hand in Hand traten die blinden Passagiere vor , den streng blickenden Kommandanten der sie mit der Frage anherrschte: Welcher von Euch hat da letzte Nacht geschossen?" Ich!" antwortete einer der Burschen dreist und unbefangen. Die Aankees wollten ja meinen Fred niedersäbeln und keiner von Euch Männern kam ihm zu Hilfe; da mußte ich einspringen. Und wo wäret Ihr wohl alle heute. möchte ich wissen, wenn stc hier," auf den anderen Burschen weisend, nicht Feuer und Pulver geschrieen hatte! Sie? Wer? Was?" fragte der Kapitän erstaunt. Wer? Ellen selbstverständlich! Ellen Osborne, die Ihr durchaus zu emem Spion habt , stempeln wollen. Jet kann sie's Euch beweisen, wie schlecht und ungerecht Ihr gegen sie und mich gewesen seid." Ellen Osborne!" rief Jemand aus. und ein junger Mann in Oberleutnantsumform drängte sich heran. Ellen Osborne! Sollte es möglich sein?" Ein Jubelruf antwortete, und in der nächsten Sekunde lag der zweite Neger junge an der Brust des überraschten Offiziers. Ja. ja, ich bin's, Arthur, ich. Deine Ellen!" schluchzte das Mädchen. End lich. endlich!" Unser gestrenger Kapitän machte ein verdutztes Gesicht. Das geht aber doch uber's Bohnenned!" platzte er heraus. nachdem er scharf in die beiden schwarz beschmierten Gesichter geschaut hatte. Dann verbeugte er sich vor den Negerjungen und begrüßte den eng an den Offizier sich schmiegenden als Frau Osborne. Fräulein, nicht Frau, seit wir glück lich nach Wilmington gekommen sind,' lachte vergnügt die junge Dame. . Frau oder Fräulein," erklärte Max-
well galant, Ihre Schönheit läßt sich unter der dichtesten Maske nicht verbergen. Ich bitte demüthig um Absolution wegen meines unzerechten Verdachtes und bedaure unendlich, daß Sie eine so ungcmüthliche Fahrt in meinem Dampfer gehabt haben. Herr Leutnant," dem Offizier sich zuwendend, ich be-
glückwünsche Sie dazu, der Bräutigam einer Dame zu sein, die ihrer Liebe so schwere Opfer bringen kann. Ich. meme Mannschaft und die Rheder des ,Arrow' bleiben ewig ihre Schuldner; sie hat den Dampfer gerettet und uns vor Gefangenschaft oder noch Schlimmerem bewahrt. Heda, Her? Rainer." rief er, mich heranwinkend, ich vermuthe, daß Sie und unser kleiner Pirat hier, der so fix mit der Zunge und dem Revolver ist, diese Geschichte eingefädelt haben. Eigentlich sollte ich Ihnen gehörig den Kopf waschen, aber Ende gut, alles gut. Im Kriege und in der Liebe gilt ja jede List. Auch Ihnen darf ich also wohl zu einer Braut gratuliren, d:e das Herz auf dem rechten Flecke hat." Bald saßen wir beiden iungenPaare, die Schiffsoffiziere und ein paar andere Gaste, an der Tafel des Kapitäns, wo beim Knallen der Ehampagnerpfropfen, nach allen glücklich überstandenen Fähruchkeiten, die ausgelassenste Fröhlichkeit zum Durchbruch kam. Ehe der Arrow" mit seiner BaumWollenfracht die abermalige Rückfahrt nach Nassau antrat, wurden in Wilmington zwei Hochzeiten gefeiert, bei denen ' es hoch herging. Noch ein halbes Dutzend glückliche Fahrten machte unser famoser Dampfer, dann wurde er aber doch schließlich kurz vor Beendigung des Krieges von den Dankees in den Grund gebohrt. Die Rheder konnten den Verlust verschmerzen, für sie hatte das wackere Fahrzeug Reichthümer verdient. Dem Kapitän Maxwell, uns Offizieren und der ganzen Mannschaft gelang es, beim Eintreten der Katastrophe in den Booten das freundliche Ufer zu er-' reichen. Herzog Karl August und Schiller. Auf einer Spazierfahrt, welche der Herzog Karl August von Weimar mit Schiller unternahm, kamen sie an eine Brücke, wo Brückengeld bezahlt werden mußte. Beide hatten kein Geld bei sich. Der Herzog war in großer Verlegenheit, aber Schiller wies den Brückenmeisier an den Kutscher mit den Worten: Diese? wird für uns bezahlen." Der Herzog wollte für diese glückliche. Aushilfe Schiller eine Verbindlichkeit sagen und äußerte zu dem' neben dem Wagen stehenden Brückenmeisier: Ja, ja, lieber Freund, der Professor da ist nicht so dumm. wie. er aussieht." Schiller vergalt dieses Kompliment, indem er lächelnd zum Herzog sagte: Hoheit, das ist auch der ganze Unterschied zwischen uns Beiden." Forscher Schmiedemetst e r. Der Schmiedemeister August Wiese zu Tegel, Provinz Brandenburg, sandte unlängst folgenden Brief an den Lehrer der von seinem Sohn besuchten Gemeindeschule: Ich theile Ihnen hierdurch mit, daß ich mir ein für allemal verbitte, meinen Sohn nachbleiben zu lassen, oder herrschen bei Ihnen rufsische Zustände?" Das Provinzialschulkollegium erblickte in ' diesem Schreiben eine Beleidigung des betrefsenden Lehrers und stellte gegen Wiese Strafantrag, worauf dieser sich neulich vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Der Gerichtshof nahm zu Gunsten des Angeklagten an, daß dieser seinen ' Sohn zu Unrecht behandelt glaubte, und beließ es deshalb bei einer Geldstrafe von zehn Mark. Vernünftige Entscheid u n g. Der Bezirksausschuß von Wiesbaden, Provinz Hessen-Nassau, hob unlängst eine Anordnung des Frankfurter Polizeipräsidiums auf. das dem Inhaber einer Gasiwirthschaft aufgegeben hatte, seine Geschäftsführerin, eine Ehefrau Euntzi. zu entlassen, weil deren Mann einmal bestrast worden war, und die Frau deshalb zur Wirthschaftsführung nicht geeignet erscheine. Der .Bezirksausschuß war nicht der .Ansicht, daß die Verfehlung des Mannes der Frau angerechnet werden dürfe. Fluchtversuch von Milizgefangenen. Drei Soldaten, die wegen Desertion auf Govcrnors Island, N. ?)., EesänZnßstrafen zu verbüßen hatten, machten dieser Tage einen Versuch, in einem Ruderboote zu entfliehen. Die Gefangenen wurden mit Erdarbeitcn an den Uferbefestigungen beschäftigt und man gab wenig Acht auf sie. Sie benutzten die Gelegenheit, wateten eine Strecke die Bai hinaus und eigneten sich ein Ruderboot an. Sie ruderten nach Brooklyn zu, als eine Schildwache sie bemerkte und ihnen zurief, sie sollten zurückrudern. Da die Ausreißer nicht Folge leisteten, schoß die Schildwache fünfmal nach ihnen. Albert Voswick, der am Steuer des Bootes saß, wurde in's Genick getroffen. Als seine Kameraden sahen, daß er tödtlich verwundet war, stellten sie das Rudern ein. Mittlerweile hatte ein Armeeboot die Entsprungenen eingeholt. Ihr Boot wurde in's Schlepptau genommen und nach der. Insel zurückgebracht. Zn?ecizotlpreeizend. .Nachtwächter (zehn total betrunkene Studenten findend): Na, die schaffe ich jetzt alle in das nächste Haus morgen früh werde ich sie sodann sortiren."
