Indiana Tribüne, Volume 27, Number 293, Indianapolis, Marion County, 2 August 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Westfaren. Münster. Arbeiter Ludwig Hochschulte, welcher am 15. Februar seinem Bruder einen Messerstich in den Arm beigebracht hatte, wurde von der hiesigen Strafkammer zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Sofort nach seiner Abführung brachte sich der Verurtheilie einen tiefen Messerstich in den Hals bei. Man fand ihn blutüberströmt bewußtlos am Boden liegen. Altenderne. Die Dienstmagd Elise Schurholt aus Dorstfeld, welche von dem siebzehnjährigen Burschen Ahlhardt aus Eifersucht angeschossen" wurde, ist im hiesigen Krankenhause gestorben. Ahlhardt erschoß sich nach Begehung des Verbrechens selbst. Bochum. Auf der Zeche Hannover I gerieth der Bergmann Thebasse unter herabfallendes Gestein. Der Tod trat sofort ein. Auf der Zeche Constantin, Schacht II, stürzte der Bergmann Beckmann den Bremsberg hinunter und starb auf der Stelle. Raubmörder Schomburg, der im Februar den Zechenbeamten Schellenberg ermordet hat, wurde hier hingerichtet. Dortmund. Auf dem Eisenwerk Union trug sich ein schwerer Unfall zu. Der Vorarbeiter Fischer,;sowie ein Schmied wurden durch ausströmende Hochofengase verbrannt. Beide wurden ins Hospital geschafft, wo sie hoffnungslos darniederliegen. Gevelsberg. Das kürzlich dermißte Kind Erna Wiggershaus im Alter von 2 Jahren wurde todt aufgefunden, trotzdem die Schule zu Berge, die Nachbarn und viele Leute die Gegend abgesucht hatten. Das arme Kind lag eine halbe Stunde vom Hause entfernt im dichten Gebüsch, und zwar kurz abseits von der nach Volkmarstein führenden Chaussee mit dem Gesichtchen in dem Ginster und hatte die Fingerchen im Munde. Schulkinder fanden das verhungerte Kind auf. Hagen. Der 32jährige Agent W. Reuter hierselbst, der in der Ruhr bei Herdecke ein Bad nehmen wollte, wurde von Krämpfen befallen und versank in den Fluthen. Die Leiche wurde nicht aufgefunden. Rheinprovinz. Aachen. Wegen eines an dem Gendarmen Kalde aus Kohlscheid verübten Mordversuches wurde der 20jährige Tagelöhner Mengers aus Klinkheide in Haft genommen. Mengers hatte dem Gendarmen in der Nähe seiner Wohnung aufgelauert und auf ihn einen Revolverschuß abgefeuert. In dem Revolver befanden sich noch vier nicht abgeschossene Patronen. Barmen. Der 56 Jahre alte Erdarbeiter Carl Pepinghaus, Oberdörner Straße 107 wohnend, ist im St. Petruskrankenhaus gestorben, und zwar infolge eines Rippenbruches. Auf welche Weise er die Verletzung erlitten, ist noch unbekannt. Wie verlautet, soll er in Rittershausen einer Hochzeit beigewohnt haben, und der Unfall soll ihm in der Nacht auf dem Wege nach seiner Wohnung zugestoßen sein. B u r g. Im Familienkreise begingen das Fest der goldenen Hochzeit Albert Mühlhausen und Frau Karoline, geb. Schmitz. Mühlhausen, von Beruf Schuhmacher, ist 77 Jahre, seine Frau 70 Jahre alt. Düsseldorf. Im 74. Lebensjahre ist hier der Landschaftsmaler Nabert gestorben. Sein eigentliches Gebiet war Harzlandschaften. Der Verstorbene war längere Zeit Schriftführer des "Vereins Düsseldorfer Künstler". - Assistenzarzt Nemscheider ist im Krankenhaus des Dr. Mialles infolge Vergiftung bei der Operation eines Patienten gestorben. Hamborn. Der gestorbene Fabrikbesitzer Eduard Morian in Neumühl hat der evangelischen Kirchengemeinde hierselbst 100,000 Mark für den Bau eines Krankenhauses ver macht. Koblenz. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich der Gasthofbesitzer Pies und dessen 19jähriger Sohn zu verantworten wegen fahrlässiger Tödtung. Der junge Pies erschoß am Ostermontag ein Kochfräulein, indem er mit einem Jagdgewehr seines Vaters spielte, das angeblich nicht geladen war. Der Sohn erhielt eine Gefängnßstrafe von 14 Tagen, wäh rend der Vater Pies zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt wurde. Krefeld. Ein halbes Jahr nach seiner Pensionirung verstarb hier Matthias Wollseifen, der langjährige Direktor des hiesiaen Gymnasiums. Mülheim a. d. Ruhr. Bergmann Emil Borgmann wurde in einem Streit durch einen Stich in die Brust getödtet. Der Thäter wurde festgenommen. Ohligs. Von einem bedauerlichen Mißgeschick wurde der Fuhrunternehmer Ernst Steeg von hier in Immigrath betroffen. Durch ein Automobil scheuten sowohl die Pferde eines anderen Gefährts wie auch diejenigen des Steeg. Dieser selbst gerieth hierbei unter seinen eigenen Wagen und trug dabei einen schweren Beinbruch davon. Reden (NeuLkirchen). Auf dem hiesigen Bahnhof wurde der 29 Jahre alte Rangirer Neu von hier von einem durchfahrenden Schnellzug erfaßt und so schwer verletzt, daß er kurz darauf eine Leiche war.

Provinz Hessen-Nassau Kassel. Aus dem Fenster gesprungen ist der Monteur Senger, wohnhaft Kasernen Straße No. 5. Senger war seit länger denn Jahresfrist an einem hartnäckigen inneren Leiden erkrankt. Dadurch war er wirthschaftlich sehr heruntergekommen und aus Verzweiflung darüber begab er sich an das Fenster, schwang sich auf die Brüstung und stürzte sich hinab. Der Todte hinterläßt zwei unmündige Kinder. Frankfurt. Dem Streckenarbeiter Benz wurde auf dem Bebraer Bahnhof Sachsenhausen das rechte Bein abgefahren. Der Verunglückte kam sofort ins städtische Krankenhaus, wo er starb. Eine RevolverAffäre, die sich am 13. Februar Rothkreuzgasse 18 abspielte, führte den Trödler Christian Meißner auf die Anklagebank. Er war mit den dort wohnenden Riesler'schen Eheleuten verfeindet und hat auf zwei Gäste des Ehepaares geschossen. Die Wunden waren schmerzhaft, aber nicht gefährlicher Natur. Meißner ist nach dem Gutachten der Aerzte Dr. Roth und Dr. Laquer zurechnungsfähig, wenn er auch an krankhafter Erregung leidet. Das Gericht erkannte auf acht Monate Gefängniß, wovon zwei Monate durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Hersfeld. Bei dem Versuch, in einen Kahn zu steigen, kippte dieser um und drei junge Leute stürzten in den Fluß. Während es den Gebrüdern Börner gelang, an das Ufer zu schwimmen, ertrank der 24jährige Arbeiter Sauer. Seine Leiche wurde gefunden. Reutershausen. Ein schweres Unglück hat sich in dem hiesigen Spatbergwerke zugetragen. Während der Schicht stürzte plötzlich eine Schachtwand ein und vegrub die Belegschaft unter sich. Von den abstür zenden Felsmassen wurde der Bergmann Weber sofort getödtet, der Bergmann Gerlach tödtlich verletzt, die übrigen kamen mit leichteren Quetschungen davon. Treysa. Auf dem hiesigen Güterschuppen verunglückte der Güterbodenarbeiter Schmidt aus Frankenhain. Beim Ausladen verschiedener Stückgüter aus einem durchgehenden Stückgutwagen im zweiten Geleise erfaßte ihn eine Lokomotive und zerquetschte ihm das rechte Bein. Nach Anlegung eines Notbverbandes wurde Schmidt in die Klinik nach Marburg gebracht. Wablershausen. Dem Zeughauptmann a. D. Scheithauer wurde der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. Mtteldeutsche Staaten. Apolda. Frau Brandes, geb. Kreiter, stiftete 10.000 Mark zur Errichtung einer Kreiter-Stiftung für Arme zum Andenken an ihren Vater, den Commerzienrath Kreiter. Dessau. Ein neues großes Vermächtniß ist der mit Stiftungen schon so reich gesegneten Stadt Dessau zutheil geworden. Der jüngst verstorbene Ingenieur Eugen Rabe, der auch Stadtverordneter war, setzte die Stadt zur Universalerbin seines sich auf 100,000 Mark belaufenden Vermögens ein. Aus demselben soll eine Rabe - Dittmar - Stiftung gebildet werden. Die Zinsen sollen zu Renten von jährlich 360 Mark an alleinstehende bedürftige Einwohner, die mindestens 10 Jahre hier ansässig sein müssen, verwendet werden. Gräfenroda. Das im Geragrunde gelegene Wohn- und Fabrikgebäude des Glasbläsers Schmidt ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Besitzer und seine Ehefrau wurden unter dem Verdachte der Brandstiftung verhaftet. Greiz. Hier verunglückte der 60 Jahre alte Geschirrführer Steudel aus Kurtschau dadurch, daß er zu Falle kam und daß die Räder, des schwer beladenen Wagens ihm beide Beine abfuhren. Jena. Burchdruckerei - Geschäftsführer Teodor Neuenhahn konnte in körperlicher und geistiger Frische sein goldenes Berufsjubiläum begehen. Seit 43 Jahren ist der Jubilar in der hiesigen Universitätsbuchdruckerei G. Neuenhahn thätig. Ohrdruf. Auf ein 350jähriges Bestehen blickte die hiesige Altschützengesellschaft zurück. Diese Jubelfeier beging dieselbe durch ein Fest, an welcher zahlreiche auswärtige Schützen teilnahmen. Mit dem Feste war auch das Jubiläums - Königsschießen verbunden. Remda. Die dem Bürgermeister Chemnitz gehörige ehemalige Papiermühle brannte bis auf den Grund nieder. Salzungen. Der 18jährige Tischler Herrman Rittweger aus Mühlhausen in Thüringen ist hier beim Baden in der Werra ertrunken. Schleiz. Der Fürstliche Rentmeister a. D. Nestmann feierte mit seiner Gattin das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Mehrere seiner Kinder sind in Leipzig ansässig; ein Sohn ist der Besitzer des Hotels Hentschel daselbst. Schmiedehausen. Das stattliche Besitzthum des Schmiedemeisters Albert Ritter wurde durch Schadenfeuer vollständig eingeäschert. Das Vieh ist zum größten Theil mit verbrannt. Der Schaden ist sehr groß, da nur sehr wenig versichert ist.

Junger Frühling. Skizze von Ant. Andrea. Ja, die Trude," sagte Frau Müller sich brüstend zu der Nachbarin, erst neunzehnJahre alt und schon verlobt!" Eine großartige Partie: Vierbauer. Allerdings etwas beleibt und aus der ersten Jugend heraus; aber bei einem Manne wiegen vierzig Jahre nicht schwerer als bei einem Mädchen zwanzig. x Trude hatte es so oft von ihrer Mutter'zu hören bekommen, daß sie eZ schließlich glaubte. Außerdem liß das Leben als Ladenfräulein" manches zu wünschen übrig. Bei ihrer Jugend sah sie zum. Glück darüber hinweg in eine unbegrenzte Ferne; und wo. die sich in's Blaue verlor, erhoben sich die wunderbarsten Träume prächtig die einen, einer Königin würdio, die anderen hingegen recht wie geschaffen für ein junges, sehnsüchtiges Mädchenherz. Da kam der Bierbrauer und machte ein Ende. Er brachte die Verlobungsringe mit, und Trude hielt sie gegen das Licht, ob sie auch echt wären und glänzten. Sie seufzte.' Was sie erwartet hatte, war mehr geWesen. Ueber alle Hindernisse hinweg zog endlich der Frühling in's Land. Trude schaute mit verträumten Augen nach ihm aus. Sie dachte, er müßte ihr wer weiß was mitbringen. Und plötzlich, nach dem kunterbuntesten Aj?rilWetter, kam ein warmer Regen, hinter dem die goldene Sonne sich erhob, um dem Frühling hineinzuleuchten. Run war er da, mit wehenden Locken, in luftigen Gewändern, zart grün, mit Anemonen und Veilchen bestickt und parfümirt mit dem süßen Duft der ersten Ahornblüthen. Trude sagte zu Herrn Ranke, dem Brauer, er sollte ihr was schenken. Er räusperte sich; es ihr aber von vornherein abzuschlagen, brachte er nicht über's Herz. Sie war seit der Verlobung blaß und schmächtig geworden und eigentlich zu schweigsam für ihre jungen Jahre. Nun lachte sie ihn aus. Ja, ich will was geschenkt haben: den ersten Sonntag im Frühling." Weiter nichts?" Herr Ranke fühlte sich erheblich erleichtert. Er bestellte rechtzeitig eine Droschke zweiter Klasse und mit seiner Braut auf dem Vordersitz, während Frau Müller rückwärts saß, fuhren sie die breite Pichelsberger Straße nach dem Kaisergarten. Trude wollte durchaus, daß ihre Mutter sich zuHerrn Ranke fetzte; aber diese wußte besser, was sich schickte: ein Brautpaar gehörte immer, zusammen. So viel Bildung" hätte sie auch schon gelernt. Sie blieb und breitete sich strahlend auf dem Rücksitz aus. An dem verlieÄ schwatzcndenBrauer vorbei schaute Trude in den jungen Frühling, etwas blaß und bang. Ihr war, als hätte sie ein zu enges Kleid an. Sie hätte die Brust dehnen und es sprengen mögen, um all die Schönheit undWonne, die der Mai ihr zeigte, in ich aufzunehmen. Solch ein kräftiges, großes Wachsen und Werden: man horte es förmlich. Die Zeit ist wieder jung geworden," sagte Trude in Gedanken. Sie läßt sich vom Frühling schmücken wie eine Braut." Und ich bin der Bräutigam, was, Trudelchen?" lachte der Brauer behäbig. Er fand es sehr spaßig. , Im Kaisergarten fanden sie noch einen Tisch und ein paar Stühle dicht am Wasser, wo sie sich setzen konnten. Trude kribbelte es in den Füßen: sie hätte fliegen oder bis an's Ende der Welt laufen mögen. Schließlich wäre, sie auch mit einer Bootfahrt zufrieden gewesen. Aber Frau Müller wollte ihre Rolle als Brautmutter unter den Leuten spielen, bei Kaffee und Kuchen, und Ranke sagte: Wasser hat keine Balken und ist keines Brauers Freund." Er konnte auch nicht rudern. Trude fand es schrecklich, den ausgeschlagenen Nachmittag in dem Menschengewühl zu sitzen und ihren Verlobten Bier wie ihre Mutter Kaffee trinken zu sehen. Sie ließ den Kopf hängen. Die ganze Woche habe ich mich auf heute gefreut, und nun möcht' ich, der Tag wär' zu Ende," murrte lk. Da trat ein junger Mann an Frau Müller heran und sagte höflich: Wenn dieHerrschaften mir das Fräulein anvertrauen wollen, fahre ich es gern ein Stündchen auf der. Havel. Ich habe vorhin ein Boot gemiethet; jetzt wäre keines mehr zu haben." - Trude wurde puterroth. Daß sie den jungen, hübschen Menschen nicht früher bemerkt hatte! Er sah so manierlich und vertrauenerweckend aus, wie er dastand, den Hut in der Hand, daß der Wind in seinem dunklen Haar spielte. Er hatte ein kleines, bläßliches Gesicht mit den ersten Trieben eines Schnurrbärtchens, und sehr anständig war er gekleidet. Frau Müller lächelte ihn geschmeichelt an: Ja, wenn es ihm nichts ausmachte sie gönnte es ihrer Tochter gern. Herr Ranke aber räusperte sich. Das dauerte gerade so lange, daß die beiden jungen Leute einander in die Augen saher. verwundert, eine unbewußte Frage im Blick. Na, denn man -zu," sagte der Brauer. Er war zu bequem, um Bedenken zu tragen oder Einwendungen zu machen. Aber lassen Sie mir das Fräulein nicht in's Wasser plumpsen; sie ist meine Braut."

Ein Ausdruck von Enttauscoung zuckte über das Gesicht des jungen Mannes; aber Trude stand schon am Wasser, so froh mit einem Male, als ob sie dem Mai in die leuchtenden Augen geschaut hätte, und er säuselte ihr in'Z Ohr: Rathe, was ich Dir mitgebrackt Kabe!" Sie haben wohl keine Bange vor dem Wasser. Fräulein?" fragte der junae Mann, während er sein Boot flott machte. 1?Ze lachte fröhlich: Meinetwegen könnte es gleich nach Amerika gehen:" Herr Ranke und Frau Müller sahen zu, wie der junge Mann vom Lande abstieß. Rudern kann er," meinten sie. Das dachte auch Trude. Sie war mit ihren Augen schon weit an oen Windungen der Havel, wo das Wasser mit dem Himmel in eins verfloß, und sah nicöt mehr, wie der Brauer seinen Hut schwenkte und ihre Mutter unermüdlich mit dem Tafchentuch winkte. Der Kaisergarten blieb immer weiter hinter ihnen zurück; zuletzt erschien er nur noch als grüner Fleck in dem goldenen Sonnenschein, der die Ufer umfloß. Nun zog der junge Mann die Nuder ein und wischte sich mit seinem Taschentuch über die Stirn. Dann warf er Trude seinen Hut in den Schooß. Wollen Sie ein bißchen auf ihn Acht geben, Fräulein? Er muß den Sommer noch aushalten." Ist ja auch noch wie neu," lobte Trude, während sie fast zärtlich mit der Hand darüber strich. Er ruderte langsam weiter, und wie sie einander so gegenübersaßen, begegneten sich ihre Blicke wieder und wieder. Anfangs nur scheu und verstehlen, dann aber immer länger und glänzender. Sie haben Augen, Fräulein, als ob Sie im Leben nicht geweint hätten," bemerkte er. Doch. Trude wußte nicht mehr wie oft; am bittersten aber, als sie sich verlobt hätte. Da pflegen die Mädchen doch sonst am glücklichsten zu sein." Bei mir war's umgekehrt. Mutter meint, das beste Glück ist das, was nachkommt, 'wenn man erst verheirathet ist." Sie vermied es, ihn dabei anzusehen, und ganz traurig wurde ihr zu Muthe. Sie wußte, wenn sie Herrn Ranke's Frau würde, käme das Glück nie. Ich dachte erst, es wäre Ihr Vater," sagte der junge Mann. Nicht wahr? Ich bleibe dabei, Mutter hatte besser zu ihm gepaßt," versetzte Trude eifrig. Dann lieben Sie ihn wohl nicht sehr?"" Sie hätte beinahe gelacht; aber sie schämte sich ihrer Undankbarkeit gegen die gute Partie". O, gut bin ich ihm feHr. Wenn er nur nicht so viel älter wäre und so dick und so ganz anders wie ich ... In diesem Augenblick schaukelte das Boot so heftig, daß Trude sich mit beiden Händen festhielt. Sie waren in das Fahrwasser eines Vergnügungsdampfers gerathen. Sie sind ja ganz blaß, Fräulein? Ich dachte, Sie hätten keine Furcht. Auf dem Atlantischen Meer giebt's noch größere Wellen." Er wollte sie necken. Aber es gelang ihm schlecht. Sie that ihm leid", und er selbst kam sich unaussprechlich einsam vor. Ja," sagte Trude, ich bekam einen Schreck. Wenn das Boot umgeschlagen und ich ertrunken wäre, dann hätte ich zu guter Letzt gelogen und nie gewußt, wie es thut, wenn man glücklich ist. Nein, ich liebe Ranke nicht ein bißchen. Ich habe mich bloß von Mutter überreden lassen. Jetzt begreife ich nicht, wie ich es tonnte; aber das weiß ich heirathen thue ich ihn nicht. Wenn Sie mich jetzt zurückfahren, gebe ich ihm den Verlobungsring zurück." Ohne daß sie es merkte, war er dem waldigen Ufer zugesteuert. Er ruderte ganz langsam; dennoch hatte sein Geficht sich geröthet. Und nachher?" fragte er. Warte ich, bis einer kommt, den ich lieben kann." Scheu und fragend schlug sie die Augen zu ihm auf. Ein Leuchten, ein Aufflammen begegnete ihnen, und das war das Glück, von dem Trude immer geträumt hatte. Dicht am User, in den Schatten des jungen Waldes, lief das Boot auf. Der junge Mann -legte die Ruder neben sich. Hören ie, Fräulein," sagte er, ich bin einer, dem geht's ähnlich wie Ihnen. Sie wollten, um eine Versorgung zu haben, den Bierbrauer heirathen; ich thue etwas, das ist ebenso schlimm. Ich male Coulissen für Rauch- und Kneipentheater und wollte doch ein Künstler werden. Wenn Sie nun die Courage haben, Herrn Ranke den Abschied zu geben, dann schwinge auch ich mich auf, wieder zu lernen und für die Kunst zu leben, selbst wenn ich entbehren und mal hungern muß. Ich bin meinem Vater davongelaufen, weil ich durchaus ein Künstler werden wollte, und ehe ich nicht einer bin, trete ich ihm nicht vor die Augen. ' Wie ich vorhin mutterseelenallein unter all den Sonntagsleuten saß, fühlte ich mich sehr traurig und vereinsamt. Da sah ich Sie, und ich dachte: Die ist wie der schönste Frühlingstag. Die mußt Du lieben!" Und alle meine Traurigkeit und Einsamkeit zerflatterte. Dann hörte ich, Sie wären verlobt, und es war, uls obJemand zu mir sagte: Du wirst Dein Leben lang Coulissen malen!" Aber zetzt ist ein Leben über

mich gekommen, wie der Mai es in die Natur gebracht hat. Ueberall sehe ich die Sonne scheinen und Blumen blühen, und mitten darin stehen Sie, Trude! Ich weiß nicht, sind Sie die Kunst, der zu folgen ich zu feige war, oder sind Sie die Liebe, aus der ich neue Kraft schöpfe zum Leben und zum Arbeiten."Trude neigte sich weit an's Ufer, um eine Ranunkel zu pflücken, die wie ein goldgelber Stern im Grase wuchs. Oben in den Wipfeln spielten Sonnenlichter; ein Pirol pfiff und ein Holztaubenpaar girrte. Da legte sich ein Arm um ihre Schultern. Trude wandte sich, und zwei glänzende Augenpaare verfingen sich in einem langen' Blick seliger Offenbarung. Die goldene Ranunkel in der Hand, lächelte Trude. Sie dachte, sie träumte. Plötzlich glühte ihr Gesichtchen auf, und sie steckte die leuchtende Blume in sein Knopfloch Nee, Trude will nich," sagte Frau Müller betrübt zu ihrer Nachbarin. Hat Rcmken den Rinq retour gegeben. Es gefällt ihr mit einem Male im Gefchäft. Ich sage: Jugend hat keine Tugend. Und wie das Mädel nu immer vergnügt ist, und wie sie aussieht! Blüht wie 'ne Rose im Wonnemond." Ein blutiges Ehed r a m a hat sich in der Nähe der schwedischen Stadt Jesseim abgespielt. Dort lebte ein junges Ehepaar, Namens Gaarder. Der Mann, Officier in der Artillerie, hatte einen sehr eifersüchtigen und brutalen Charakter, er beschuldigte' oft seine Frau der Untreue, und es kamen bei solchen Gelegenheiten sehr heftige Auftritte vor. Unlängst kam Gaarder in sehr aufgeregier Stimmung nach Hause und fing mit seiner Gattin einen Streit an, der schnell in eine Prügelei ausartete. ' Die Frau flüchtete in einen naheliegenden Wald, Gaarder, der in Wuth gerieth, verfolgte sie, holte sie bald ein, zog seinen Revolver hervor und schoß sie zweimal durch die Brust. Dann richtete er den Revolver gegen sich selbst und jagte sich eine Kugel in die Schläfe. Beide erlagen ihren Wunden. Die Frau starb gleich, der Mann nach einigen Stunden. Er hatte gerade Zeit genug, um einen Geistlichen holen zu lassen und vor ihm auszusprechen, daß er seine schreckfiche That bereue. Die unglückliche junge Frau gehörte einer sehr guten Familie an und hatte ihrem Gatten ein beträchtliches Vermögen gebracht. E i n außergewöhnlicher Fall spiritistischer Betrügerei und erstaunlicher Leichtgläubigkeit bei den Geprellten wird binnen Kurzem vor dem Versailler Gericht zur VerHandlung kommen. Frau Chappuis, eine Damd von 71 Jahren, zog nach dem Tode ihres Gatten, eines Brüsseler Musikers, Ende 1901 nach Marly bei Paris. Sie war eine fanatische Spiritistin und gerieth bald in Verbindung mit einer Frau Martin, die dicht bei der prächtigen Villa ihrer Freundin ein kleines Häuschen gemiethet hatte. Seitdem sie auf dem Scbauplatz erschienen war, hatte sie einen räthselhaften Einfluß auf die alte Dame. So wollte Frau Chappuis einmal das Klavier ihres verstorbenen Gatten einer ihrer Nichten schenken, doch Frau Martin, die als Medium bei einer deswegen veranstalteten Seance den Geist des verstorbenen Herrn Chappuis verkörperte, erklärte, daß der Musiker auch noch in der anderen Welt seine himmlische Kunst ausübe, und daß des Nachts seine Spektralfinger dem geliebten Jnstrumfirrl tt nrf rrrrnnrt trr r4snrr "t?

ItiVI avu V viivutwu J i w Wittwe horchte des Nachts vergeblich auf die Geistermusik, doch von nun an begehrte der Geist des Herrn Chappuis -von seiner Frau Geschenke für das Medium, die. auch stets gegeben wurden. Dann erfolgte schließlich so lautet die Darstellung in der. gerichtlichen Anklage ein letzter Streich , von höchster Frechheit. Tu mußt Dein Haus an Frau Martin als Geschenk geben," erklärte Herr Chappuis durch den Mund des Mediums. Dieser Befehl wurde pflichtgemäß sogleich im Beisein eines Notars vollzogen und folgerichtig ward das Medium auch zur Universalerbin eingesetzt. Seitdem rief der Geist des Herrn Chappuis" bei jeder Sitzung laut seine Frau an, ihm bald nachzufolgen, und das Medium gesteht selbst zu, sie mit den Worten Komm, komm!" am Arm gezogen zu haben. Die arme alte Dame, die tiefen Herzenskummer empfand, wurde immer kränker und schwächer von den Folgen solch' aufregender Scenen und starb schließlich plötzlich eines Morgens im vergangenen Dezember. . Das Geheimnißvollste an der Geschichte ist, daß nicht nur Frau Chappuis an ner plötzlichen inneren Blutung starb, wie das Medium vorausgesagt, sondern daß sie äugenscheinlich den Tag ihres Todes gewußt haben muß, denn alles war bis auf das Kleinste geordnet. Die Anklage, die gegen das Medium erhoben worden ist, lautet auf Erpressung von Geld durch Vorspiegelung falscher Thatsachen. Scherzfrage: Was ist die Ehe? Ein jahrelanger Zweikampf, der mit Ringen seinen Anfang nimmt. Devot. Fürst (auf der Jagd): Daß ich doch immer fehle!" Förster: Durchlaucht sind eben immer auf das Begnadigen bedacht."