Indiana Tribüne, Volume 27, Number 291, Indianapolis, Marion County, 30 July 1904 — Page 4
Judiana Tribüne, S0. Juli 19
Indiana 'Tribüne. HerauSgezeitn don der iöutebers Öf. Indianapolis, Ind. Sarry O. Thudinm Präsident. GeschäftSlocal: Nv31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. Er.tered t the Post Office of Indianapolit a second dass matter.
Witte bei Bülow. Von wohlinformirter Seite wird uns aus Berlin geschrieben: Der Besuch, den Herr von Witte dem deutschen Reichskanzler in dem Nordseebade Nor derney abgestattet hat, ist nicht nur sür Teutschland, sondern auch für das Ausland von großem Interesse, weil dieser Besuch der wichtigen internationalen Frage der Handelsverträge galt. Die Absicht zu irgend welchen politi schen Abmachungen lag dem Besuche nicht zu Grunde; dies wäre auch nicht die Sache des Herrn von Witte gewesen. Auch war die Frage der Han delsverträge für sich schon wichtig und schwierig genug, da es an vielerlei Differenzen nicht fehlte, deren befried!digende Lösung indessen nunmehr gewiß erscheint. Wir konnten schon vor Jahresfrist melden, daß Rußland Präferential-Tarife für Weizen gegenüber anderen Ländern, besonders Ar gentinien, wünschte, um dadurch diese Länder von dem Wettbewerbe um die Weizeneinfuhr nach Deutschland auszuschließen. Wir können eS als gewiß bezeichnen, daß Deutschland diese Wer günstigung für diesen Handelsvertrag und einstweilen nicht gewähren , wird; selbstverständlich wird sich Deutschland andererseits nur so lange verpflichtet fühlen, Rußland anderen Ländern ge genüber nicht zu bevorzugen, als. diese Länder auch ihrerseits in ihren Zoll fätzen Deutschland entsprechend dehan dein. Auch ein weiterer Wunsch Ruß lands, der sich auf die Milderung der thierärztlichen Bestimmungen über die Vieheinfuhr richtete, konnte nicht geändert werden, da Deutschland unter allen Umständen die Einschleppung von Viehseuchen verhindern muß. In dieser Hinsicht wird, daS kann schon jetzt ge sagt werden, auch Oesterreich'Ungarn nicht auf ein Entgegenkommen Deutsch landS zu rechnen haben. Endlich wird Rußland sich wohl oder Übel mit den deutschen Minimaltarifen für GetreideEinfuhr absinken müssen. Rußland seinerseits will davon Ab stand nehmen, die Einfuhr auf dem Landwege mit einem höheren Zoll zu belegen, als die Einfuhr auf dem See wege. Durch diese in dem russischen Tarife vorgesehene Differenzirung wäre Deutschland natürlich ganz besonders geschädigt worden, da es als Grenz nachbar Rußlands einen sehr großen Theil seines Exports nach diesem Lande auf dem Landwege befördert. Kommt, wie mit Bestimmtheit zu erwarten ist, durch die Besprechung der beiden leitenden Staatsmänner der deutfch-russische Handelsvertrag in sei nen Grundzügen zustande, so ist damit für Deutschland die Hauptschwierigkeit bei den Handelsverträgen beseitigt. Mit Belgien und Italien sind die neuen Verträge bereits in Ordnung gebracht. der Abschluß der Verträge 'mit der Schweiz und mit Rumänien steht bevor. und wenn nun auch der deutsch-russische Handelsvertrag in Ordnung gebracht sein wird, so kann Oesterreich-Ungarn nicht zu große Schwierigkeiten machen. weil eZ sonst gewissermaßen isolirt sein würde. Angesichts des plötzlichen schnellen Tempos in den deutsch-russischen Ver Handlungen ist vielfach angenommen worden, die neuen Handelsverträge würden schon im April 1905 in Kraft treten. Nach unseren Informationen werden indessen die neuen Verträge nicht vor dem Herbst 1905 oder viel leicht auch dem Januar 1906 in Krast treten. ES soll auf die Industrie bil lige Rücksicht genommen werden, denn wenn die Industrie auch natürlich von den Tarifsätzen Kenntniß hat, so er langt sie Gewißheit doch erst, wenn die Verträge vom Parlament berathen und angenommen sind. Sie muß. dann von diesem Zeitpunkte ab noch einen Zwischenraum haben, um die, noch unter Zugrundelegung der alten Han delsvertragStarife abgeschlossenen Lie ferungen ausführen zu können. Man hat das Entgegenkommen, das in der Reise WltteS nach Nordemey liegt, auf die Absicht Rußlands, in kurzem eine Anleihe in Deutschland aufzunehmen, zurückgeführt. Damit
vermischt man Richtiges und Unrich-
igeS. Mit der deutschen Regierung hat Herr von Witte nur über die Handelsverträge zu berathen, Abmachungen über eine Anleihe aber mit den Jührern der kaut finance. Die deutsche Regierung kann bei einer Anleihe Ruß lands nichts anderes thun, als daß sie Rußland keine Schwierigkeiten darin bereitet. Die haute finance aber wird allerdings, und mit Recht, in ihrer Bereitwilligkeit Rußland Credit zu gewähren, durch das Zustandekommen des Handelsvertrages beeinflußt. Denn erstens nimmt sie naturgemäß Rücksicht auf die Interessen der vielfach von ihr gestützten deutschen Industrie, und zweitens würde ein Zollkrieg, der bei einem Scheitern der HandelsvertragSverhandlungen früher oder später zwischen Deutschland und Rußland einträte, Rußland wirthschaftlich außerordentlich schädigen. Darunter aber würde die Creditmürdigkeit dieses Landes leiden, und damit würde natürlich die Neigung des deutschen Capitals, eine neue russische Anleihe auszunehmen, gemindert werden. Es liegt also in Rußlands eigenem Interesse, falls eS eine Anleihe in Deutschland wünscht. die Handelsvertragsverhandlungen zu schnellem und gutem Ende zu führen, und eS bedarf daher keiner Pression von feiten Deutschlands. Mit ganz besonderem Gusto, wie es scheint, druckt die NewS" die Auslassungen von unzurechnungsfähigen Personen ab, wenn sich dieselben gegen die Deutschen in Amerika richten. In ihrer gestrigen Ausgabe citirt sie den Artikel eines namenlosen Verfassers, der , in einem unbekannten Magazin" in Leipzig erschienen sein soll. Darin wird behauptet, daß die Deutschen in Amerika Trunkenbolde sind. Wenn die Lästerzunge von der Washington Straße sich die Mühe genommen hätte, die Berichte der hiesigen Polizei über wegen Betrunkenheit verhaftete Personeu statistisch zu prüsen, so würde sie gefunden haben, daß selbst im Verhältniß des Deutschen zum Vankee Element der Jankee, was Trunkenheit anbetrifft, dem Deutsch -Amerikaner bedeutend über ist. Mit Port Arthur in den Händen der Japaner und Mukden bedroht, wird den Russen nichts weiter übrig bleiben, als ihren nach der ersten Schlappe verkündeten Kriegsplan, mit strategischen Rückzügen zu kämpfen, weiter auszuführen, bis sie die Grenze des europäischen Rußlands wieder erreicht haben. Die herrschende Währung im russi schen Volke wird durch die Nachricht vom Falle Port Arthurs dermaßen zunehmen, daß die Regierung schwerlich zum Nachschub von Mannschaften auf das .für Rußland so verderbliche KriegStheater sich entschließen wird. Der kindlich fromme Glaube des russi schen Volkes hat durch den unglücklichen Feldzug gegen die gelben Heiden viel an Krast verloren, der Muschik sieht mit erstaunten Augen, daß sogar eine Hand voll gelber Heiden dem Zaren erfolgreich die Stirn bieten kann, und wacht auf. Zur Zeit dieses Er wachen aber müssen ihm recht viele Bajonette klar machen, daß Väterchen daheim immer noch mächtig ist. Wenn Port Arthur wirklich im Besitz der Japaner ist, wird Rußland, nur um den Schein zu wahren, auf schwache Weise den Krieg eine Zeit lang fortsetzen, dann aber bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit einen ehrenbollen" Frieden zu schließen suchen. All zufchwer wird's Japan dem Zaren nicht machen, denn auch das Land des Mikado hat schwer gelitten. Der revolu tionären Bewegung in Rußland wird die Welt nicht in letzter Linie für die Beendlgung des Krieges zu danken haben. i mn WeSley Cox, ein vierschrötiger Neger, der mit seiner besseren Hälfte an Judiana-, nahe BrightStraße wohnt, wurde gegen Mitternacht von seiner Frau durch wuchtige Prügel aus dem ersten Schlummer geweckt. Er . ergriff sein stets bereites Rasirmesser, um sich zur Wehre zu setzen; da bekam sie Angst und sprang durch das Fenster auf die Straße. Er folgte ihr auf demselden Wege und jagte ihr, ebenfalls nur mit dem dürftigsten Nachtgewande bekleidet, nach. Als die Radlerpoliziften zur Stelle kamen, hatte das Dunkel der Nacht die beiden Gestalten verschlungen. Gottlied Leukhardt, .Die gemüthliche Ecke," Ecke Noble und Market Str
Behörde für off. Werke.
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ffürst UchtomSki üver die Lage in
Rußland. In der Berliner Volkszeiwng" ver öffentlicht Dr. Hugo Ganz-Wien, der sich kürzlich zu sozialpolitischen und wissenschaftlichen Studienzwecken in Rußland längere Zeit aufhielt, ein Interview mit einem russischen Fürsten iifor die innerpolitische Lage in Rußland. Der Interviewer hat von der Ermächtigung senes Gewährsmannes, dessen Namen zu nennen, keinen Gebraue) qemacht. Doch geht aus den Andeutungen Ganz' über die Persönlichkeit seines Gewährsmannes hervor, daß dieser der Jugendfreund des Zaren Nikolaus,Furst Uchtomsli, ist. Der Fürst sieht wie alle Kenner der inneren Zustände Rußlands das Unglück und dasHaupthinderniß der kulturellen und politischen Entwickelung des russischen Volkes in der Despotie des Tschin, der Beamtenschaft, der gegenüber der Zar ohnmächtig ist. Und er giebt dieser Ueberzeugung so rückhaltlos und furchtlos Ausdruck, daß seine Darlegungen weit uoer viulanos (srenzPfahle hinaus das größte Aufsehen erregen werden. Wir geben einiges aus dem Interview wieder: .Halten Euer Durchlaucht," fragte Dr. Ganz, die jetzt überall und in allen Geftllschaftsklassen bemerkbare UnZufriedenheit für echt und politisch bemerkenswerth?" .Echt ist sie jedenfalls. Wenn Sie aber fragen, ob ich sie für politisch fruchtbar halte, in dem Sinne, daß wir durch diese Unzufriedenheit zu irgend einer nothwendigen Aenderung des Regimes gelangen könnten, so muß ich sagen: Leider nein. ..Ist diese Unzufriedenheit nur die chronische, an der es auch im Westen nicht fehltoder ist sie jetzt akut?" Sie ist akut. Wie Sie mit Recht sagen, hat auch der Westen seine Unzufriedenen,aber dieseUnzufriedenheit mit allem Menschenwerk läßt sich höchstens mit jener Stimmung vergleichen, die bei uns unter einem normalen, woblgesinniert und nur unzulänglichen Regime krrscht. Die Erregung, die Sie als Fremder jetzt , hier wahrnehmen, ist ganz abnorm und entspricht den ganz besonderen Verfehlungen des jetzigen Systems." .Sie ist also stärker als sonst?" Uvergleichlich. Es giebt keine noch so harmlose Veranstaltung, keinen wissenschaftlichen Kongreß, keine Tagung welcher Körperschaft immer, die nicht in eine politische Demonstration ausmündete: die Kerker füllen sich mit hochgeachteten Personen, die Deportationen und-Verbannungen häufen sich, und doch drängen sich immer neueMänner und Frauen zur Blutzeugenschaft." .Ich bewundere diesen Öpfermuth der intelligenten Kreise Ihres LanbeS." .Das ist der Unterschied von ' heute und noch vor wenigen Jahren. . . Aber täuschen Sie sich nicht. Es giebt keine Revolution bei uns. Unser Land ist zu dünn bevölkert. Sagen Sie zehn, sagen Sie fünfzig, sagen Sie hunderttaufend begeisterte Intellektuelle, die sich gern opfern würden, wenn sie uns jamxt helfen könnten: wieviel Kosaken und Gendarmen kommen auf jeden von ihnen, wo bei uns Milliarden draufgehen zur Erhaltung einer Armee gegen die Nation? Es giebt nur eine Revolution, die furchtbar wäre, und von der will ich nicht behaupten, daß sie bei einem unglücklicken Ausgang des jetzigen Krieges nicht ausbrech'en könnte. Das wäre eine Bauernrevolution, die dann aber nicht gegen das Regime an sich ginge, sondern gegen alle Besitzenden und Gebildeten überhaupt, die damit beginnen würde, uns alle, die wir hier sind, zu erschlagen und ins Wasser zu werfen. Und dann wäre hundert gegen eins zu wetten, daß diePolizei insgeheim nicht gegen dieseRevolution wäre, sondern mit ihr, um sich rasch und sicher ihres eigentlichen Gegners, der gebildeten Klasse, zu entledigen. Der Mob schlägt jeden todt, der ihm im Namen des Zren als vogelfrei deklarirt wird. - Das ist eine Art Jahrmarktsvergnügen." .Wodurch ist aber Ihr jetziges Regime so wesentlich unterschieden von den früheren, daß eine solch: Gährung entstehen konnte?" Es ist ärger geworden denn je. Es giebt vielleicht eine Erklärung dafür. Zot Nikolaus ist von den besten Intentionen beseelt. Er ist der Oberste der Malkontenten. Er würde sein Herzblut dafür hingeben, seinem Volke helftn zu können . . Und was verstehen Sie unter, Kamarilla?" ' . Die Schranzen, die obersten Chargen, vor allem aber das ganze System. Wenn der Zar heute die Wahrheit über die Zustände und Stimmung des Landes hören wollte, er könnte sie nie erfahren, weil in jener Kamorra keiner den anderen preisgiebt, weil es dort nur einen Gott giebt, die Karriere, mit allen ihren Chanen legitimen und illegitimen Gewinns." Durchlaucht, ich möchte mir eine in diskrete Frage erlauben. Man sagt, Sie seien ein Freund des Zaren. Sie stehen doch auch nicht allein. Sind Sie nicht in der Lage, den eisernen Ring der Tschinowniks zu durchbrechen und dem Zaren reinen Wein einzuschenken über die Männer seines Vertrauens?" Was vermögen einzelne gegen hundertjährige Mißstände? Es geschieht manches in der von Ihnen angedeuteten Richtung. Der Zar erhält oft genug ehrliche und rückhaltlose Darlegungen. Aöer eine nachhaltige Wirkung solcher
gelegentlichen rnvulie m ausgeschlos
sen. Der Zar ist eine schüchterne, bescheidene, gütige Natur. Wie rasch ist eine Warnung, eine Anregung paralysirt! Und welche Einflüsse kreuzen sich an einem solchen Hofe?! Und so sehen Durchlaucht gar keine Retwna?" Wenn Gott im Himmel will, sonst nicht." " Und eine Verfassung würde daran nichts ändern?" Die Liberalen und Radikalen glauben es. Ich bin anderer Meinung. Men. not measures" ist meine Anficht, insbesondere in der Autokratie, aber ich glaube daran nicht. Ich sehe keine Hilfe und keine Rettung, um so weniger, als auch die öffentliche Meinung des Auslandes uns im Stiche läßt. Aus politischen oder geschäftlichen Gründen schweifwedelt man vor uns . Wsnn und wie wir erlöst werden sollen, ich gestehe, ich weiß es nicht. Ich fürch'te, wir, werden erst noch schwerere Prüfungen und noch furchtbareres Elend unseres geschundenen, vor Hunger entkräfteten Volkes durchmachen müssen, bevor sich der Himmel unser erbarmt." Eine ricgs.rlttnerung. Einer der Miteroberer des ersten französischen Geschützes im deutschfranzösischen Feldzuge, der frühere Feldwebel im 5. Jägerbataillon, Ober-Telegraphen-Sekretär Meyer, Kano-nen-Meyer" genannt, ist in Görlitz gestorben. In seinen .Erinnerungen von 187071" hat Feldwebel Meyer die Heldenthat am 4. August 1870, dem Tage von Weißenburg, selbst verewigt. Er schrieb darin u. a.: Ich kam mit meinem Zuge an den linken Flügel und gelangte in eine kleine Vertiefung, welche den Geißberg von einer Anhöhe südlich von Weißenburg scheidet. Auf dieser Anhöhe stand ein Geschütz, welches uns lebhaft beschoß. Aus einer Entfernung von 500 Schritt ließ ich einen Theil meiner Leute auf die Bedienung dieses Geschützes feuern, indes wir, förmlich : auf dem Bauche kriechend, uns immer mehr heranpoussirten. Man mochte wohl bis auf 400 Schritt herangekommen sein, als Artilleristen mit .'Pferden heransprengten, um das Gefchütz abzufahren. Indem ich dem Jäger Seller die Büchse aus der Hand nahm und selbst schoß, kommandirte ich: 400 Schiritt Schnellfeuer!", und Roß und Reiter waren verschwunden. Zum Oberjäger Hausknecht bemerkte ich: Hausknecht, das Geschütz müssen wir haben!", worauf der Angeredete lebhaft erwiderte: Ja, ja!" Der Jäger Leuschner mußte von mir zurückgehalten werven, weil er rollkühnerweise von 400 Schritt aus stürmen wollte, was unmöglich hätte ßelingen können, da das Geschütz eine Bedeckung' von 'gut gedeckten Zuaven hatte. Was ich später für unmöglich gehalten hätte, gelang; die viel stärkeren Zuaven rissen aus, und wir waren im Besitz des Geschützes." Der Hauptmann Schwcmler (Chef der 1. Komvagnie) erschien dann rechtzeitig, um die kühnen Eroberer gegen feindliche Uebermacht zu schützen. Meyer erhielt für seine kühneThat das Eiserne Kreuz und das russische St. Georgskreuz. Das erbeutete Geschütz traf am 9. August in Berlin ein. Späterhin erhielt es die Stadt Görlitz vom König geschenkt. Es bildet seitdem die Hauptzierde des Görlitzer Kriegerdenkmals in der Nähe des Kaisertrutzes. Qehtimniß cineö französischen trafen. Eine mysteriöse Selbstmordgeschichte wurde in Paris bekannt. Kürzlich wurde im Walde von Villeneuve L6fang bei Paris die Leiche eines sehr elegant gekleideten Mannes gefunden. Sie trug zwei Schußwunden an der Stirn, in ihrer-Nähe lag ein Revolver. In den Taschen entdeckte man eine goldene Uhr mit eingravirter Grafenkröne, ein Billet erster Klasse nach Havre und 2496 Francs. Alle Bemühungen, den Namen des Selbstm'örders festzustellen, blieben erfolglos. Jetzt erst hat man erfahren, daß der Selbstmörder .Comte Georges de Behagues, der ehemalige Kabinetschef des Präfekten im Departement Haute Vienne, war. Comte Behagues, ein Vierziger, wohnte seit dem 26. Mai in Paris, Rue Victor Massö. Er galt 0? schweigsam und verschlossen, beinahe als Menschenfeind. Er liebte Reifen und war vor kurzem von einer Automobilfahrt rund um Korsika zurückaekehrt. Am 18. Juni hatte er erklärt, wieder verreisen zu wollen. Das Haus hatte er mit einem Koffer verlassen, den er aber zu einem Freunde brachte. Seltsamerweise ist ein Ring mit seinem Wappen von dem er sich nie trennte, nicht bei ihm gefunden worden. Ueber die Grunde des Selbstmordes fehlen alle Anhaltspunkte. Niedriger Fahrpreis nach California via Pennsylvania Linien.' August 15. bis 27. einschließlich, und vom 28. bis 9. September ein schließlich. ExcursionS - Tickets nach San Francisco und Los Angeles, in Anbetracht des dreijährigen ConclaveS der KnightS Templar und Sovereign Großloge I. O. O. F. werden über Pennsylvania Linien verkauft. Für völlige Information bezüglich Fahr preis, Route u.f.w., spreche man bei den Ticket'Agenten dieser Linien vor, oder schreibe an W. W. Richardson, Distrikt Passagier-Agent, Jndianapo. liS, Ind.
Franze
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