Indiana Tribüne, Volume 27, Number 287, Indianapolis, Marion County, 26 July 1904 — Page 7

Jndlana Tribüne, SlZ. Juli 1904.

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Roman von Ludwig Habicht.

ortseZzung Mein Sohn ist jetzt auf der' landttirthschaftlichen Schule; er wollte Jura studiren und hat nun plötzlich umgesattelt, da ich das Gut hier gekauft habe; aUx was lernt man denn auf den Schulen? Die Praxis, die Praxis, das ist die Hauptsache!" und als der Graf zustimmend mit dem Kopfe genickt, hatte Herr von Sollbach, davon ermuthigt, lebhaft fortgefahren: Ich werde deshalb sehr glücklich sein, Herr Graf, wenn Sie meinen Norbert ein wenig unter die Scheere nehmen, sobald er nach Hause kommt, denn so viel sehe ich doch, obwohl ich in all' diesen Dingen ein Laie bin, daß Sie eine Musterwirthschaft eingeführt haben." Wohl schauten die großen grauen Augen des Grafen hinter den starken Brauen nach diesem Herzenserguß des Nachbars ein wenig mißtrauisch auf Herrn von Sollbach; aber das runde, frische Gesicht desselben verrieth so viel ehrliche Ueberzeugung, daß der sonst so scharfblickende, abgeschlossene Mann von dieser Schmeichelred doch ein wenig gefangen wurde, und seitdem waren und blieben die Sollbachs für ihn willkommene Gäste. Als jetzt Norbert aus dem Kriege heimgekehrt war, fand er sich ebenfalls zum Besuch ein, um sich mit wirklicher Bescheidenheit' und ganz ckufrichtig von dem auf seinem Gebiet so außerordentlich tüchtigen Manne belehren zu lassen. Norbert war zu klug, um nicht sofort einzusehen, daß er in Wahrheit erst durch den Grafen ein tüchtiger Landwirth werden könne. Hatte Herr von Sollbach dem stolzen Aristokraten doch ein wenig zu schmeicheln gesucht, so mußte sein Sohn sich' gestehen, daß sein Vater eigentlich nicht zu viel gesagt habe, auf Lindenau war in der That eine Musterwirthschaft vorhanden. Graf Bredow hatte sich mit weitem Blick stets alles sofort zu nutze gemacht, was auf diesem Gebiet neue! und nützliches gefunden worden. ' Norbert, der schon früh eine große Neigung für das Landleben gehabt und sich seinem neuen Berufe mit großer Vorliebe widmete, das trockene jus" hatte ihn niemals recht besriedigen wollen, war nicht wenig von der trefflichen Wirthschaftsfühnmg deö Grafen überrascht. Als ihm der Vater gesagt: bei unserm Nachbar kannst du noch was lernen, obwohl du gewiß denkst, daß du es nicht mehr nöthig hast," da hatte der Sohn über die begeisterten Worte doch ein wenig lächeln müssen. Was verstand der Gute von einer Musterwirthschaft, der sein Leben über nur mit Banknoten und Aktien zu thun gehabt? Und nun mußte Norbert bekennen, daß sein Vater doch viel richtiger geurtheilt, als er vermuthet hatte. Eigentlich war es kein Wunder; er besaß ja so viel Verstand und eine so scharfe Beobachtungsgabe, daß er auch in die ihm fernliegendsten Dinge rasch einen Einblick gewann. Während Norbert hoch erfreut war, hier auf Lindenau schon ausgeführt und in's Werk gesetzt zu sehen, was die Wissenschaft auf diesem Gebiete neues zu Tage gefördert, war auch der Graf davon sehr angenehm berührt, endlich einen Fachgenossen zu finden, der ihm ein volles Verständniß entgegenbrachte und der nicht den Fehler der studirenden Jugend aufwies, schon alles besser zu wissen. Norbert war deshalb für den Grafen rasch eine persona ra tissirna geworden, und der sonst so schroffe, stolze Mann verkehrte bald mit dem jungen Sollbach wie mit einem guten Kameraden. Der kluge Vatter hatte Norbert gesagt: Du mußt sehr vorsichtig sein, Graf Bredow ist als herrschsüchtig bekannt, er duldet neben sich keine andere Meinung, du darfst ihm also niemals widersprechen, selbst wenn du glaubst, manches besser zu wissen;" aber der Sohn erkannte bald, daß er nicht nöthig habe, diese Lehren zu beobachten; der so gefürchtete stolze Aristokrat zeigte sich viel umgänglicher, als er vorausgesetzt hatte. Graf Bredow mochte wohl mit gewohntem Scharfblick die Vorsicht bemerkt haben, die der junge Sollbach in seinem Verkehr mit ihm an den Tag legte, denn er sagte schon nach dem zweiten Zusammentreffen mit seinem eigenthümlichen Lächeln: Ich weiß, ich bin als herrschsüctig und eigensinnig überall verschrieen: aber man thut mir unrecht. Auf Dummköpfe höre ich freilich grundsätzlich nie; aber da S- dazu nicht gehören, dürfen Sie si. nicht gar so bescheidentlich zurückhalten. Mann gegen Mann, da hör ich jed Meinung gern," und im Verkehr mit seinem jungen Freunde blieb er diesem Grundsatz treu. Zu aller Erstaunen durfte Norbert entgegengesetzte Ansichten entwickeln, ohnedaß der Graf t empfindlich wurde; ja, er lockte sehr oft solche Ansichten aus ihm heraus, hörte dann achtsam und nachdenklich zu, um zuletzt ehrlich und of fcn zu bekennen: Sie haben recht." Herr von Sollbach war nicht wenig erfreut, daß sein Sohn mit dem gefürchteten Manne so rasch auf einen wahrhaft freundlichen Fuß kam. Zwischen den beiden Nachbarn hatte sich seitdem ein sehr angenehmes Ver-

chältniß entwickelt. Der Graf, kam zuweilen herübergeritten, um mit seinem jungen Freunde irgend etwas zu berathen; Norbert mußte sehr oft in Lindenau ersche'en. und er konnte gewahren, daß er dort stets ein gern gesehener Gast war. Auch die Gräfin zeigte sich gegen

den Nachbar von der liebenswürdigsten Seite; ihr hätte es schon genügt, daß ihr Gatte an dem Verkehr mit dem jungen Sollbach ein solches Gefallen fand, um demselben ebenfalls das freundlichste Entgegenkommen zu beweisen; aber er war ja noch dazu ein sehr artiger, gebildeter Mensch, der über alles zu plaudern verstand und der ihr und Adelin'': jetzt über manch langweilige Stunde hinweghalf. Wenn die beiden Herren genug im Hof und in den Ställen herumgewandert waren, wurde der Gast zum Thee eingeladen, er mußte auch dann noch bei den Damen bleiben, wenn der Graf in seinem rastlosen Thätigkeitstriebe schon wieder hinwegeilte, und der junge Mann blieb sehr gern. Gewöhnlich war Norbert dann auf die Gesellschaft der Gräfin und ihrer jüngsten Tochter angewiesen. Kurt benutzte selbst in diesen Wintertagen jeden günstigen Augenblick, um sich im Freien aufzuhalten, oder er verweilte an rauhen Tagen im Gewächshäus, da er auch, wie sein Vater, ein großer Blumenfreund war. Waltrud blieb dann stets seine treue Begleiterin. Oft auch fand der junge Sollbach die Geschwister gar nicht daheim; sie hatten einen Ausflug zu den Ehrenfels gemacht; aber Norbert vermißte sie nicht, im Gegentheil, es ließ sich ja viel zwangloser und gemüthlicher plaudern, wenn er mit der Gräfin und Adelinde allein war. Hier fand er für seine Ansichten viel leichter Verständniß. Ueber Kurt und die älteste Comtesse konnte sich der junge Sollbach nicht täuschen: das waren eingefleischte Aristokraten, die noch an veralteten Vorurtheilen festhielten und gewiß auf ihn, den neugebackenen Adligen im Stillen mit Geringschätzung herabblickten; jedenfalls erkannten sie ihn nicht als vollwichtig an, wenn sie es auch keinen Augenblick an der größten Höflichkeit fehlen ließen, an jenerHLflichkeit die zu gleicher Zeit so verletzend wirken kann, weil sie eine unsichtbare aber desto größere Schranke zwischen sich und dem andern zieht. Der junge Graf und seine Schwester glaubten noch an die Verdienste und Vorzüge des Adels und mochten wohl auch in gewissemSinne ein Recht dazu haben; aber Norbert fühlte sich als Sohn seiner Zeit; für ihn waren das veraltete Anschauungen; sein Großcater hatte den Adel erhalten; er selbst legte wenig Werth auf diese Standeserhöhung, für ihn gab es nur einen Unterschied, den der Bildung, und die ganze Menschheit mußte endlich auf eine höhere Stufe gebracht werden ja, er neigte sich schon radikalen. Ansichten zu, wohl weniger aus Ueberzeugung, als von dem Reiz des Neuen angelockt, den diese, Ideen auf den Einzelnen auszuüben vermögen. und zu feinem großen Erstaunen, begegnete er sich mit diesen Ansichten mit Adelinde; ja. diese ging noch viel weiter, sie war eine begeisterte Anh'ängerin der Lehre Tolstois und wollte mit dem Feuer und der Unerfahrenheit ihrer sechzehn Jahre, die ganze so verrottete Welt von Grund, aus umgestaltet wissen. Die Gouvernante hatte ihr heimlich die tollsten Ideen in den Kopf gesetzt und als es die Gräfin endlich entdeckte, war es zu spät. Adeline war und blieb eine leidenschaftliche Schwärmerin: aber bei all ihrem schrankenlosen Sinne war ihr so viel weibliche Schlauheit eigen, daß sie den Bitten und Beschwörungen ihrerMutter Gehör schenkte und wenigstens dem Vater gegenüber mit ihren tief eingesoaenen Ansichten hinter dem Berge hielt. Der Graf war es eigentlich gewesen, der in seiner Tochter den Boden dafür. urbar gemacht. In seiner scharfen, schonungslosen Weise saß er gern über die Schwächen und Fehler seiner Standesgenossen zu Gericht; er hatte so unendlich viel an ihnen auszusetzen und sprach nur zu oft von diefern oder jenem Adligen mit solcher Verachtung, daß in Adelinde die Vorstellung zu keimen begann, der Adel tauge überhaupt nicht mehr. An den jetzigen Zuständen hatte der Vater ohnehin soviel auszusetzen, denn auf politischem Gebiet war Graf Bredow conservativ und deshalb - mit dem Gange der Ereignisse nicht immer sehr zufrieden. Das alles hatte der Strudelkopf vonTochter mißverstanden und so war es der (Souvernawe leicy: ge-

worden, sie für ihre überspannten Ansichten zu gewinnen. Diese Umsturzideen waren ganz nach dem Geschmack der jungen Comtesse, die oamit am besten ihren Zerstörungssinn austummein konnte. Revolutionäre sind immer blutjung gewesen und es geblieben. In der Uebereinstimmung von Ansichten ist der Wea zu einem Herzen und besonders einem jungen Herzen leicht zu finden. Adelinde war keine besondere Schönheit, das sagte sich wohl Norbert selbst, und doch fühlte er sich von ihr sehr angezogen. Die Comteß war eben so ganz anders, als all die jungen Damen ihres Standes; ihr Geist ragte über das Gewöhnliche weit hinaus; sie war so recht die Tochter ihres Vaters und trotz ihrer gro-

ßen Jugend schon ein völlig abgeschlossener Charakter. Norbert dagegen konnte sich dessen -nicht rühmen; er war ein ewig Werdender, die Verhältnisse, seine Umgebung konnten auf ihn wirken und ehe er selbst eine rechte Ahnung davon hatte, ließ er sich von der viel jüngeren Gräfin beeinflussen und zu Ansichten hinüberziehen, die sein klarer, ruhiger Verstand bisher als toll und unsinniq erkannt hatte. Wenn es Adelinde von ihm gefordert hätte, würde Norbert sich öffentlich zu seinen extremen Ansichten bekannt haben: aber die junge Gräfin fand nur ein Vergnügen darin, sich in Ausmalung einer viel besseren, schöneren Weli zu ergehen, nachdem die alte, morsch gewordene Welt zerstört worden. Sobald sie jedoch mit Norbert und der Mutter allein war, wurde mit der alten Welt tabula rasa" gemacht: man ließ nicht einen Stein auf dem andern. Adelinde war dann geradezu groß und hinreißend und ihr unregelmäßiges Gesicht strahlte von einem stolzen Glänze, daß Norbert darin sich nicht genug satt sehen konnte und wie in einen Rausch versetzt, diesen Ausbrüchen eines zügellosen Geistes lauschte. Ankern und besonders ihrem Vater gegenüber hielt Adelinde klüglich den Mund und mit ihrenUmsturzgedanken zurück; sie mochte wohl die dunkle Ahnung haben, daß man sie höchstens verspotten oder der Vater ihr einfach erklären würde: Krame mir nicht noch einmal solche Ansichten aus; ich will ein für allemal davon nichts hören." Um so größer war für Adelinde der Reiz, firt gegen Norbert rückhaltlos auszusprechen; er verstand sie und stimmte ihr fast immer lebhaft zu; sobald er das nicht völlig konnte, schwieg er sich wenigstens aus; das schmeichelte ihrer Eitelkeit, und. zu gleicher Zeit fand sie darin eine männliche Schwäche, eine Unterordnung, die ihr nicht gefiel; er hatte niemals den Muth, ihr zu widersprechen, selbst wenn sie recht gut gewahrte, daß er ihre Ansichten nicht ganz zu theilen vermochte. Nein, der Mann, dem sie einmal angehören sollte, der mußte ein Charakter, aus festerm Holze geschnitzt sein, als dieser gutmüthige, weiche Norbert: das hatte sie ihrer Mutter erklärt, und dabei mußte es ein für allemal bleiben.

19. Der Winter war den hart getroffenen Ehrenfels stiller und freundlicher verflossen, als sie nach den erschütternden Vorgängen erwarten gekonnt, die plötzlich hervorgetretene freundschaft-, liehe Gesinnung des Grafen Bredow half ihnen über manch' trübe und schwere Stunden hinweg. Nur Else war der vergangene Winter schrecklich lang geworden, und sie konnte den Frühling kaum erwarten. Es war nicht allein die Ungeduld eines jungen Herzens nach Erfüllung seines Liebesglückes, sondern auch die Vorstellung, daß ihr theurer, innigstgeliebter Edwin noch immer irgend einen schlauen Anschlag von -der ehemaligen Freundin zu fürchten habe, so lange man noch in ihrer gefährlichen Nähe weilen mußte. Hedwig hatte ihr zwar bei einem gelegentlichen Zusammentreffen kühl und höhnisch erklärt: Jhr braucht nicht länger geheim zu thun mit eurer Verlobung; die Sperlinge zwitschern es ja den Dächern." und als Else kaum ihre Bestürzung verbergen gekonnt, hatte sie hinzugefügt: Du darfst dich um deinen sauberen Bräutigam nicht weiter ängstigen, der erbärmliche Mensch ist längst nicht mehr für mich vorhanden;" nach diesen Worten hatte Hedwig ihr ohne weiteres den Rücken gekehrt und foar nach ihrer Gewohnheit rasch verschwunden. Else hatte früher deshalb ihre Freundin viel bewundert und gesagt: Du tauchst wie eine Indianerin plötzlich auf und im nächsten Augenblick verschlingt dich der Wald! " Ach, jetzt fand sie dies unhörbare Kommen und Gehen, das sie stets an eine Rothhaut erinnert hatte, ganz entsetzlich, wußte sie doch auch, daß Hedwig dieselbe heimtückische Rächsucht gezeigt hatte, wie einer dieser Wilden. Else glaubte deshalb auch nicht an diese Versprechungen und ließ sich davon nicht in Sicherheit wiegen; sie wachte ängstlich über das Leben ihres Bräutigams; er mußte ihr hoch und theuer versprechen, niemals allein das Schloß zu verlassen und auch bei den Ausflügen zu ihr oder nach Lindenau auf seiner Hut zu sein; am liebsten erschien sie selbst mit dem Vzter oder der Mutter zum Besuch, dann wußte sie doch Edwin unter der rechten Obhut, dann konnte ihm nichts Schlimmes begegnen. , Herr vonSollbach hatte den Wunsch seiner Tochter erfüllt und für sie . ein hübsches, kleines Landgut in einer der anmuthigsten Gegenden des Rheins erworben. Bald nach der Hochzeit sollte das junge Paar dahin übersiedeln. Ach, dann war endlich alle Angst vorüber und man war vor dem heimtückisehen Geschöpf, das den armen Edwin zum Krüppel geschossen hatte, auf immer geschützt. O. diese Niederträchtigkeit konnte Else dem hinterlistigen Mädchen nie verzeihen, und sie hatte einst Hedwig ihre Freundin genannt und für sie geschwärmt! Welche Verblendung! 'Jetzt wußte sie, daß Hedwig die Rachsucht und die Bosheit selber war, hatte sie doch der ganzen Familie Ehrenfels Vernichtung ge-

schworen, wie Else zu ihrem Schrecken

woyt erfahren hatte. Wenn auch schon die Trauerin dem freiherrlichen Hause eine große Festlichkeit ausgeschlossen hätte, so würde Else doch darauf bestanden haben, daß die Hochzeit in größter Stille begangen wurde. Nicht einmal die Stunde der Trauung, die schon am Morgen in der Sollbach'schenVilla stattfand, war bekannt gemacht worden; die Braut hätte sonst noch im letzten Augenblick das Schlimmste befürchtet und um die Kleine nur zu beruhigen, mußte ihr in allem willfahrt werden; obwohl Frau von Sollbach so sehr gewünscht hätte, daß die Hochzeit so glänzend wie möglich gefeiert würde. Solche Gelegenheit, seinen Reichthum und auch seinen Geschmack zu zeic.en, kam sobald nicht wieder; aber die Furcht Elsens kannte nun einmal keine Grenzen und so mußte alles nach ihrem Kopfe gehen. Frau von Sollbach, die sich das ganze Leben so bequem wie möglich zu machen suchte, glaubte deshalb auch nicht an einen neuen Anschlag Hedwigs; ein solch' angstvolles Bemühen, einer Gefahr auszuweichen, die gewiß gar nicht bestand, war nicht nach ihrem Geschmack sie konnte die Kleine wirklich nicht begreifen, die sich leider nicht belehren ließ und in all diesen Dingen ihren Willen durchzusetzen wußte. So war denn, alles so geheim wie möglich betrieben worden, und man hatte nur die allernächsten Angehörigen zur Trauung einladen können. Vom Grafen war die Einladung mit den Worten abgelehnt worden: Lieber Norbert. Sie müssen mich entschuldigen; aber die erste große Feier, der ich beiwohnen will, ist die Hoch zeit meines Sohnes, und wir müssen doch schicklicherweise erst das Trauerjähr abwarten. Uebrigens will ich Ihnen ehrlich gestehen, eine Trauung im Hause gefällt mir nicht; sie entbehrt der rechten Weihe, ein solcher Akt, der über das ganze Lebensglück zweier Menschen entscheidet, sollte immer nur in der Kirche stattfinden," hatte Graf Bredow in seiner offenen Weise hinzugefügt und dann noch mit seinem eigenthümlichenLächeln gesagt: Verzeihen Sie mir meine vielleicht schon recht veralteten Anschauungen; aber ich bin nun einmal kein moderner Mensch." Der junge Sollbach fühlte wohl den versteckten Vorwurf, der in den Worten des Grafen lag; aber er wollte und konnte doch nicht die Gründe angeben, die hier vorgewaltet hatten. Auch die Gräfin war, wie immer, dem Beispiel ihres Gatten gefolgt und von der Hochzeitsfeier fern geblieben; dagegen hatte der Graf ohne Zögern gestattet, daß seine Töchter als Brautjungfern erscheinen durften. Waltrud wurde von Arnulf geführt, Adelinde von Norbert. Eine solche Feier bringt junge Leute oft viel näher, als es ein langer Verkehr vermocht hätte, gilt es doch äls ein alter Erfahrungssatz, daß eine Hochzeit gewöhnlich bald eine Verlobung im Gefolge hat. Es überkommt ja alle, die einer solchen Feier beiwohnen, wie ein Rausch; man glaubt, nur Glückliche zu sehen. Die Brautjungfer, die heut der junge Mann am Arme führt, sieht in ihrem festlichen Schmuck reizender denn je aus. und dasBrautpaar, das jetzt mit verschämt seligen Gesichtern in den Hafen der Ehe hineingleitet, weckt unwillkürlich die Vorstellung, dem gegebenen Beispiel zu folgen und mit der heut erhaltenen hübschen Gefährtin denselben Versuch zu wagen. Norbert unterlag auch wirklich dem Zauber, den die Hochzeitsfeier der Schwester auf ihn ausübte. Adelinde, die er heut am Arme zu führen das Glück hatte, erschien ihm heut geradezu von einer entzückenden Schönheit; er sah nicht mehr ein eckiges, unregelmäßiges Gesicht. er bemerkte nur ihre kindliche Befangenheit, die sie diesmal doch nicht unterdrücken konnte, und nun kam sie ihm viel milder, weicher, viel liebenswürdiger vor; alles Eckige und Schroffe, das sie sonst gezeigt, war von ihr abgestreift; , sie erinnerte ihn heut auch gar nicht mehr an einen Backfisch, sie schien plötzlich zur Jungfrau gereift;' selbst ihre Stimme hatte nicht wie sonst den etwas scharfen Klang; genug, seine Begleiterin kam ihm weiblicher, anmuthiger vor denn je, und er träumte bereits davon, bald mit dem geliebten Mädchen an den Altar treten zu können. (Fortsetzung folgt.) -SchöneGegend. Der Förster klagt, daß im Walde viel Holz gestöhlen wird. Fremder: Warum verbieten Sie das denn nicht durch Warnungstafeln? Förster: So! Daß mir die auch noch gestohlen werden! , Ueber die Bestattung eines österreichischen Offiziers nach mohammedanischem Ritus wird berichtet: Unter großer Betheiligung der Garnison und mit allem militärischen Gepränge fand in Brünn die Beerdigung eines Offiziers der dortigen Garnison statt. Der Verstorbene, ein Anhänger Mohammeds, fand feine letzte Ruhestätte auf dem katholischen Friedhof der Stadt, in der Reihe der Gräber der dort ruhenden .Christen. Doch nach den Geboten des Islam war das Grab so angelegt, daß die Füße des Verstorbenen in der Richtung nach Mekka, der heiligen Stadt, liegen. Zu der Ceremonie hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden.

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