Indiana Tribüne, Volume 27, Number 287, Indianapolis, Marion County, 26 July 1904 — Page 5
Jndittna Tribüne, 2. Juli ISOU.
Die sichere Hand. Ekizze von Nanny Lambrecht. ' In das morsche Mühlrad springt der Bach mit Zischen und Schäumön. Große schaumige, klatschende Wassertropfen prallen wider die alte, rissige Lehmwand der Mühle und saugen sich in das staubtrockene Fachwerk und die wurmstichigen Balken ein. Drinnen in der niederen Mahlstube knirscht und rattert das Mühlenwerk und zerreibt die grobkörnige Porzellanerde. Um die Mühle ein verwilderter
Grasgarten und weiter nichts. Staub und Spinngewebe auf den Gemüsestrünken, an den zerbröckelten Lehmwanden und über den niederen Fenstein. An einem hängt ein geblümter Vorhang. Da wohnt der Müller. Ein paar Schritte weiter in den Grasgarten hinein liegt die ummauerte'Grube, der Trichter mit der Porzellanmischung. Da steht der Müller. In die vorhandene Masse rührt er die feine Meißener Erde und schaut bedächtig zu, wie sich das Feine mit dem Groben mischt, wie sich die schlohweißen Kreise in die grauen fchlängeln und zuletzt die breiigeMasse jenen eigenthümlichen Farbton erhält, den nur er, der Fred Hook, mit einer Art zünftigen Meisterschaft zuwege bringt. Das ist sein Geheimniß, und er verweigert zähe jede Auskunft darüber. Er thut's nicht aus Standesstolz oder Eigensinn, sondern aus Klugheit oder Berechnung. Dies Geheimniß ist sein Unterkommen und seine Lebensberechtigung. Er kann damit drohen und einschüchtern, es ist die Geißel, die er über dem schachernden Geschäftsgeist sckwingt. Dreimal hat die Porzellanfabrik ihre Besitzer gewechselt, der Müller ist derselbe geblieben. Was konnten sie ohne den Porzellanmüller beginnen, der ihnen eine Mischung zurechtmachte, daß kein Sprenkelchen, nicht einmal eine Windblase in's Material kam. So dachten sie alle. Dann kam ein Junger, ein Reformer, der den Einfluß des Müllers von sich abschüttelte. Der sah überall nach, wollte alles wissen und wollte gar mit der alten zurückgebliebenen Fabrik an den neueren Betrieb heranrücken. Dem Müller ging dann allemal ein Reißen und Zucken über's Gesicht. Es war ein blitzartig wechselnder Ausdruck von höhnischem Grinsen und versteckter Drohung. Wenn er allein war, lachte er dabei kurz und trocken, nun aber war er nicht-allein, und darum fuhr er sich mit der braunen, schwieligen Hand über das mit Bartstoppeln über und Über bedeckte Kinn, bis ihm der junge Fabrikhcrr, der unverhofft neben ihn trat, durch ein ärgerliches Aufblitzen seiner Augen zu verstehen gab, daß ihm dieses Schaben und Kratzen statt einer Antwort unangenehm fei. Was soll ich Ihnen denn sagen?" stieß da Fred Hook zwischen Aerger und Lachen heraus. Sie konsumiren gut, Sie verkaufen gut was kümmert Sie das Weitere?" Ich möchte mit dem alten System gründlich aufräumen, Maschinen an die Stelle der umständlichen Handarbeit fetzen lassen " Er kam nicht weiter; klatschend fuhr der Rührschwengel in die breiige Masse, daß rte wider dieTrichterwand anplumpste. Der Müller hatte sich auf den Rand des Trichters gesetzt, die Arme auf der Brust gekreuzt und stach mit seinen stahlharten Augen förmlich in den Fabrikanten hinein. Er ächzte und lachte dazwischen. Die Maschine soll diese Hand meine Hand! ersetzen. Zwanzig Jahre hat ste gebraucht, um sicher zu werden; nun kommt tion eute auf morgen eine Maschine, ein todtes Ding, ein Stück Stahl und ein paar Räder, die der Dampf treibt das soll meine Hand ersetzen?" Er sprang auf. Eure Vorgänger waren nur Schwächlinge, aber Ihr Herr, Ihr seid verrückt!" Damit ging er, fetzte sich in seine Stube und wartete, bis er er, der Herr kam und Abbitte leistete bei ihm, dem Knecht. Abbitte muß er leisten! Es war ja Wahnsinn, die Maschine sollte seine Hand entbehrlich machen! Er hätte heulen mögen vor Scham und ' Zorn. Der Müllerbursche kam herein und drückte ihm einen Zettel in die Hand, der wäre vom Herrn. Fred. Hook las ihn, und dann meinte er, er hätte das Lesen verlernt und rief dem Müllerburschen nach. Der las ihn erst leise für sich, dann laut, dann dröhnend und zuletzt sagte er, daß er nicht die Verantwortung für die Nichtigkeit dessen, was er .gelesen, übernehmen wolle. Da ginq der Müller zu dem Herrn selber, reichte ihm den Zettel und sagte: Lest mir's vor, keiner kann's verstehen, und die es verstehen, glauben es nicht." Der Fabrikant gab ihm den Vescheid, noch kürzer, als er auf dem Zettel stand. Ihr seid entlassen sofort entlassen! Der volle Wochenlohn wird Euch auf meinem Bureau ausgezahlt." Der Müller - Hook sagte nichts, dachte nichts und fühlte auch nichts, sondern ging in die Mühle zurück. Wenn, man an einen alten Stamm die Axt setzt, und in das Mark einhaut. fühlt der auch nichts, aber schließlich wußte der Müller doch, daß er ein
Mensch war und den Schlag in'sMark hinein spürte. Das war, als er an dem Räderwerk vorbei kam und dachte, das müsse er zertrümmern, ehe er gehe. Er stand auch lange vor dem Schuppen mit den weißen Bergen von Porzellanerde und meinte, da müsse er Kalk zuwerfen, um alles in Gluth und Asche aufgehen zu sehen. Dann wurde er ruhiger und alles Gewaltsame wich aus ilp; er lächelte sogar. Er schaute in den Bach hinein und erschrak vor seinem eigenen Lächeln. Mit dem Kleiderbündel unter dem
Arm kam er an dem Trichter vorbei und fuhr in grimmer Wuth mit dem Rührschwengel einige Mal durch den Brei. Er rief den Müllerburschen herzu und gab ihm die weitere Ordre. So wird's gemacht, daß die Masse rein und nicht splitterig in die Formen schießt. Hernach kann's der anterc machen der aus Stahl und Dampf!" Er brach ab: nun kochte es aus ihm heraus, die Wuth und der Aerger und der Zorn und der Haß. Er schnob durch dre zusammengebissenen Zähne, er ächzte laut auf, und dann warf er sich auf den niedergetretenen Grasboden, biß in den staubigen Rasen, damit keiner es hören solle, wie das Schluchzen aus ihm herausstieß, wie es ihn schüttelte und umherwarf. Dem Müllerburschen überkam ein Grauen; er wollte davon, aber Fred Hook war wie der Blitz emporgeschossen und faßte ihn und hob ihn über den Trichter, über den brodelnden Brei. Dort hinein stoße ich Dich, wenn Du's erzählst, wie Du den MüllerHook gesehen hast!" Und dann ließ er thn zu Boden plumpsen und floh und lief und wunte. daß er zum Verbrecher werden könnte. Den Wochenlohn holte er nicht, er brauchte kein Essen und Trinken, er nährte sich von seinen Rachegedanken. Die Kinder im Dorfe liefen hinter dem Wagen her, der die große Maschine fuhr. Im Chausseegraben duckte sich ein Mann und schwur hinter dem Ungethum her, als sei es ein Mensch mit einer konkurrenzneidischen Geschäftsseele. Und als in der Ferne der Staub hinter dem Frachtfuhrwerk und den Kindern aufwirbelte, hob er die Hand auf die sichere Hand die das Geheimniß kannte und die jetzt Rache üben würde, und that einen fürchterlichen Schwur. Am Tage saß von nun ab der Müller - Hook im Dorfkrug, trank für fünf Reichspfennige seinen Fusel und schlief dafür bei dem Wirthe bis zum Nachmittag in der Ofenecke. Am Abend umschlich er wie ein Schakal die alte Mühle, und in der Nacht geschah es dann. Er schlich bis zum Trichter: sein Nachfolger, das große unförmliche, schweigsame Ding mit so und so viel Pferdekraften ragte in der Dunkelheit vor ihm auf und in der Mühlstube drinnen schlief der Müllerbursche, der nun zur Maschine geworden war. Die Maschine ward Zlum Menschen, sie dachte für ihn, der Bursche drehte die Kurbel und glotzte vor sich mn. Die Maschine kannte das Geheimniß, das zwanzigjährige Geheimniß, sie hatte die geschickte Hand, seine sichere Hand! O, wie er sie haßte! Er hatte sie zertrümmern mögen; aber das brauchte er nickt einmal. Warum hatte er denn die sichere, die glückliche Hand? Hastig nestelte er unter ' seinem Kittel etwas heraus ein kreideweißes Stück loar's, in der Dunkelheit sah es wie ein Todtenschädel aus, aber es war nur ein Stück Gips, nur eine kleineBeimischung zu der reinenMasse, sowie das Giftpulver für den gesunden Menschen. Mit einem Aufkluksen fiel das Gipsstück in den Trichter. In der weißen Breimasse brodelte und gurgelte es, dann zogen sich ein paar weite Kreise um die durchbrochene zähe Oberhaut, und still und weiß und glänzend lag die Masse wieder in dem Trichter. Lautlos glitt er von dem Rande herab und verschwand in der Nacht. In den nachfolgenden Tag?n sing man in der Porzellanfabrik eine geschlagene Stunde früher mit der Arbeit an. Man war begierig, zu wissen, wie sich s mit der Maschinenmasse arbeiten ließ und jeder wollte sie unter den Fingern haben. Die Brenner schalten auf die Former wegen ihrer Langsamkeit, und in der Trockenstube lehnten ungeduldig die Laufburschen und Aufsetzer an den langen Gestellen. Keiner verdachte es dem MüllerHook, daß ihn die Neugierde hertrieb und er sich des so lange gelassenen Wochenlohnes erinnerte. Als er seinen Weg durch die Fabrikräume zurücknahm und auck in die Trockenstube kam, warf er einen eigenthümlichen Blick auf die langen Holzgestelle, auf denen in schier endlosen Reihen die weißen Teller und Schüsseln standen. Dieser eine prüfende Blick sagte ihm, daß sein Werk gelungen war und da rief schon der Werkführer, es war ein unterdrückter Fluch, und dann flog der schadhaste Teller zu! Boden. Einen zweiten zog er zwischen den hölzernen Stanzen hervor und der slog wieder; dann 'einen dritten vierten, und immer lauter klirrten die Scherben. Fred Hook blieb weit hinten am Ausgange stehen und horchte mit glühendem Gesichte und weitaufgerissenen Augen. Um den Werkführer sammelte sich das Personal und mitten in die Gruppe hinein stob der Fabrikant
und riß das Porzellan zwischen den Hölzern heraus und starrte voll Entsetzen auf die Risse und Splitter und Blasen darin. Es war werthlos, völlig werthlos, nicht einmal alsAus schuß verkäuflich. Nein, er wollte fein Renommee nicht schädigen; nicht einmal der Ausschuß dürfte als solcher Schund unter seinem Namen in die Vazare wandern. Man belud den Karren damit, einmal, zweimal und noch ein drittes Mal und schüttete das schadhafte Material am Bachufer zu einem Scherbenhaufen zusammen. Aus ihm heraus wühlten die Frauen und Kinder des Dorfes das Brauchbare und wanderten johlend damit urch die Dorfgasse.' Am Abend, als alle weg waren, kam der Müller-Hook und spürte in stch eine wahnsinnige Freude. Er sprang in den ScherbenHaufen und stampfte darin umher, und wenn es so recht betäubend um ihn klirrte, knarrte und splitterte, sprang er wie ein Toller umher unb heulte vor Vergnügen und erfüllter Rache. Mit zerschundenen Schuhen und keuchendem Athem lag er danach am Bache und spähte nach der alten, stillen, 'verfallenen Mühle hinüber. Er stellte sich vor, wie jetzt auch noch ein anderer keine Nachtruhe fand, über den Geschäftsbüchern faß und das Manko nun zu verrechnen suchte. Solche Nächte gab es nun bisweilen, und dann öfters, und dann so oft, daß dem jungen Fabrikanten dieHaare an den Schläfen zu ergrauen anfingen. Er berief die Schlosser der weitesten Umgegend an die Maschine, er stellte einen erfahrenen Mann an den Trichter und ließ die Mischung herstellen, und dann wußte erkeinenRath mehr und gab sich der Schwermuth hin. Man stellte den Müllerburschen die Nacht über an den Trichter zur Mache; aber der hatte einmal über dem weißen Brei geschwebt und schwieg. Da wurde der Konsum aus der Porzellanfabrik immer kleiner, aber der Scherbenhaufen am Bache immer größer. Die Burschen imDorfe schrieben an das Fabriksthor: Scherbenfabrik von Heimanns, & Co.", und die Porzellanorbeiter drückten sich an den Dörflern vorüber, als- wären sie Verbrecher, Es war wieder ein Geheimniß in der Mühle, aber kein Geschäftsgeheim-
niß, sondern ein furchtbares, drohendes, vernichtendes, unlösbares Räthsel. Dann kam die Lösung einmal in der Morgenfrühe, als der Müllerbursche die Leute zusammenkreischte! ' In dem Trichter stak ein Mensch kopfüber in der breiigen, tiefen, zähen Masse erstickt todt! Das wr Fred Hook! Beim Aufklettern auf den Trichter war er ausgeglitten und hinabgestürzt. . In seinen todtstarren Händen hielt er ein Stück Gips. Nun wußten sie's alle: die Maschine hat mit dem verborgenen Feind zu kämpfen gehabt mit der sicheren Hand! . Tie Uhr des PostbureauS. Aus Paris wird geschrieben: Die Chronik der bureaukratischen Verschobenheit ist so reich, daß man sich beinahe schämt,' noch neue, Geschichten hinzuzufügen. Doch scheint mir der Fall, den ich in einem hiesigen Postamt erlebte, zu -reizend, um ihn zu verschweigen. Ich komme fast' täglich in die Lage, Briefe aufzugeben, die mit einem besonderen Zuge in geschlossenem Postfack befördert werden. Diese Briefe müssen zu einer bestimmten Mittagsstunde sagen, wir 1 Uhr im Kasten sein, und der Kasten wird auf den Schlag der Stunde geleert, da in der That keine Minute verloren werden darf. Seit langem hatte ich mich in keiner Weise über di; Zuverlässigkeit des Dienstes zu beklagen, obwohl ich häufig genug meinen Brief erst in der letzten Minute aufgeben konnte. Vor einiger Zeit kam ich genau 1 Minute vor Schluß an, warf meinen Brief in den Kasten wie immer,, fragte aber doch vorsorglich, da es sich um eine wichtige Angelegenheit hanoelt'', ob der Postsack für den Zug nach X schon geschlossen fei. Selbstverständlich", antwortete mir der Beamte. Aber die Uhr da oben zeigt ja noch eine volle Minute vor 1 Uhr". erwiderte ich, den Ton sofort etwas erhebend, da ich mich so absolut im Rechte fühlte. Nein, (3 ist schon zwei Minuten nach 1 Uhr , gibt der . Beamte ebenso sieqesbewußt zurück. Dabei zeigt er mit dem Finger aus eine Schiefertafel an der. Wand, auf der geschrieben stand: Retxad 3 minutes. Was soll daZ heißen?" fragte ich. Daß die Uhr heute dreiMinuten nachgeht, die Schiefertafel ist eigens dazu da, um etwaige Verspätungen der Uhr anzuzeigen!" kam es immer stegesbewußter von den Lippen d3 Beamten. . ' . Da man in Paris eine schöne Frau sein muß. um Prozesse zu gewinnen, und da ich es nicht bin, so entschlug ich mich sofort des aufsteigenden Gedankens, eine Beschwerde zu formuliren, und gab mich rückhaltlos meinem Staunen über den wunderbaren Einfall hin, eine Uhr falsch gehen zu lassen und daneben die Verspätung anzuschreiben. Der Einfall ist auch zu schön, als daß ich ihm durch irgend eine Erklärung seinen Reiz abschwächen möchte.
- Die andere. Von 21. Gab er. Es war also beschlossene. Sache: gereist wurde in diesem Jahre nicht. Vor Papas kategorischem Nein" kam selbst Erna's Widerspruchsgeist zum Schweigen. Mama war ganz zufrieden damit. Auf dem weinlaubumrankten Balkon saß es sich so herrlich, und man hatte dort einen wunderschönen Ausblick über den Lützowplatz; von fern sah man sogar die Wipfel des Tyiergartens. Aber Erna schmollte. Alles reiste; alle ihre Freundinnen rüsteten bereits ihre Kosfer und stellten sich in den neuen Sommertoiletten vor. Sogar das Fräulein im Kontor hatte Urlaub bekommen und wollte an die Ostsee. Das hatte Erna am meisten geäroert. Fräulein Schmidt hat die Erholung redlich verdient!" sagte Papa auf den Einwand der Tochter. Wer so arbeitet Tag für Tag, von früh bis spät, der braucht eine Ausspannung von Zeit zu Zeit. Bei euch ist's was anderes ihr thut ja nichts!" Oho! Erna warf die silbernen Kaffcelöffel auf den Tisch, daß sie leise klirrten. Roch jetzt kam der Aerger yt ihr hoch, in der Erinnerung an des Vaters Worte. Dann lächelte sie resignirt. Es war ja eine bekannte Thatsache, daß die Frauenarbeit, die wirkliche Thätigkeit der Frau im Hause, von den Männern nicht anerkannt, ja nicht einmal erkannt wurde. Das machte sich alles von selbst in deren Augen. Aber so den lieben langenTag an der Schreibmaschine sitzen, hübsch angezogen und kühn frisirt, und auf den Tasten herumklopfen wie blödsinnig das war Arbeit, das nannte der Papa fleißig sein! Was sie daheim, unter der Leitung der feinsinnig gebildeten Mutter, täglich ihrem Verstände sür Aufgaben stellte, was sie besprachen, lasen und lernten zusammen, das galt alles nichts. Erna nahm die frisch geschnittenen, langgestielten Rosen aus dem Wasser und legte sie in willkürlicher Anordnung auf den weißgedeckten- Kaffeetisch. So machte sie es stets amSonntagsmorgen. , Das sah dann so recht 'änmuthend aus und entsprach ihrer frohen Herzensstimmung an solchen Tagen, wo Vater sich ein längeres Frühstücksstündchen im Kreise der Seinen gönnte. Sie öffnete die Fenster imNebenzimmer, so daß die frische Morgenluft hereinströmte, deckte den gestickten Wärmer über die heiße Kaffeekanne und legte die Hostsachen, welche der Lehrling aus der Fabrik soeben gebracht hatte, neben die Tasse des Vaters. Ein Brief wär dabei mit dem Poststempel der VereinigtenStaaten, den legte sie obenauf. Da traten auch die Eltern ein. Papa klopfte seinem Mädel schmunzelnd die Wangen. Morgen! Na, ausgeschlafen?, Kaffee parat? Fein sieht's aus hier, wirklich! - Ah!" Mit lautem Knistern nahm der grüngebeute Korbstuhl die mächtige Gestalt auf" ' " Frau Jäger griff nach den Rosen und, sog den süßen Duft in vollen Zügen ein. Erna füllte die Tassen. Ihr blüthenweißes Morgenkleid flatterte im Luftzuge, der vom Nebengemach herüberströmte. Donnerwetter!" Und Herr Jäger, der die Briefe inzwischen geöffnet hatte, schlug mit der flachen Hand auf's Knie. Da schreibt mir ein amerikanischer Nabob, daß er auf der Ausstellung in St. Louis meine Maschinen gesehen habe und nun seinen Oberingenieur hersendet, um über einen Ankauf mit mir zu verhandeln, die Konstruktion hier in meiner Werkstatt zu studiren und so weiter. Der Herr Frank heißt er kann übermorgen schon hier sein. Und nun ist Fräulein gestern auf Urlaub gegangen!" So laß sie doch zurückkommen!" sagte Frau Jäger müde und gleichgiltig. Nein, nein. Ich weiß auch ihre Adresse nicht. Und das arme Mädel mußte mal heraus! Werde eine Vertretung für sie haben müssen. Schlechte Geschichte das!" Erna sah einen Moment still vor sich hin. . Laß mich 'doch das Fräulein vertreten!" sagte sie dann. Du? Aber wie willst Du denn? Na, schließlich,, so schlimm ist's ja nicht, 'n bißchen Grips und 'Interesse, das ist die Hauptsache. Aber Maschinenschreiben Du kannst doch nichts!" ' Muß denn das sein? Ich schreibe sehr flott mit der Hand und ftenographiren kann ich auch gut. Wenn man so viel Vorträge mitschreibt, wie ich, übt man sich schon. Und mein Englisch ist sehr gut. Besser als Fräuleins au jeden Fall. Also'"
Herr Jäger blinzelte vergnügt zwischen den zusammengekniffenen Lidern seine Tochter an. Aber um achte anfangen Punkt acht! Und nicht, mucksen oder trödeln etwa arbeiten heißt's bei mir! Und wenn Du Dich nicht zurechtfindest, dann frag nur einen der Herren im Kontor. Na. die werden gucken!" . Sie lachten beide. Aber Papa, versprich mir eins: sag dem Fremden nicht, wer ich bin. Ich bin eben das Fräulein"." -Am andern Morgen saß Erna am Schreibpult von Fräulein Schmidt im Privatkontor des Vaters. - Es war der einzige Posten im ganzen Hause,
der von einer Dame besetzt war. Herr Jäger behauptete, nur mit einem weiblichen Wesen zusammen arbeiten zu können. Er hatte es zuerst mit jungen Herren versucht, aber die besaßen längst nicht das Anpassungsvermögen und die Geduld, deren es bei seinem
nervösen Temperament bedürfte. Uno alle klopften ihm die Schreibmaschine entzwei. Erna ließ sich von dem alten Herrn Schütz alles zeigen. Jhrerasche Auf fassungsgabe und einiges Nachdenken bei wirklich gediegenem Wissen machte ihr den Anfang leicht. Sie folgte gewissenhaft dem Diktat des Vaters, schrieb mit ihrer eleganten, flotten Handschrift alles schön und richtig ab und erwies sich auch sonst als durchaus anstellig und brauchbar. Als am nächsten Tage der Amerikaner eintraf, hatte sie sich schon ganz nett eingerichtet. Jetzt gab es viel zu thun für sie. Theils hatte sie für den Vater, theils für Mr. Frank zu arbeiten. Der Fremde stellte hohe Anforderungen an ihre Leistungsfähigkeit, und ihre schönen Sprachkenntnisse, ihre ganze umfassende Schulbildung kamen ihr sehr zustatten. Aber müde, herzlich müde machte sie sich Abends auf den Heimweg. Dann fuhr sie mit der Hochbahn nach Hause, ganz so wie die anderen Geschlechtsge-. nossinnen, die im Frohndienst der Arbeit standen; und jetzt verachtete sie keine mehr von ihnen. Sie wußte ja selbst nun, was es heißt: ein solches Arbeiten, Schulter an Schulter mit den männlichen Kollegen. Aber wenn sie dann sich dem Nollendorfplah naherte und zu beiden Seiten die belaubten Wipfel zu ihr hereingrüßten, athmete sie tief auf. Dann kam so die rechte Feierabendstimmung über sie. Und sie schloß für einen Moment die Augen und horte die Stimme des Amerikaners, wie er sie fragte: Fräulein, macht es Ihnen Freude, zu arbeiten?" Gestern hatte sie sich eine Rose mit in's Kontor genommen. Sie hatte ein richtiges Verlangen danach, wenigstens ein kleines Zeichen der Erinnerung vor sich zu haben an 'den Sommer, der da draußen blühte. )a hatte Mr. Frank sie mit semen-dunk-len Augen so eigen bittend angeblickt. Fräulein, schenken Sie mir die Rose, zum Andenken oder haben Sie sie selbst erst erhalten von " Nein, nein!" hatte sie lachend gewehrt. Nehmen Sie sie nur. In unfeiern Garten blühen mehr!" In Ihrem Garten? Ihr Vater ist Gärtner?" Ja, ja!" hatte sie eilig erwidert und war über und über erröthet dabei. Es war das erste Mal, daß ihrHerz klopfte, wenn sie fühlte, wie des Mannes Blick auf ihr ruhte. Und klar kam es ihr zum Bewußtsein, daß sie Frank, den einfachen Ingenieur Frank mit den derbenHänden und der blauen Arbeitsbluse von Herzen lieb hatte, so lieb, wie sie noch keinen Menschen gehabt. Und die laue, kosende Sommerluft mit ihrer sehnendenGluth spannte eineBrücke zu lichten Zukunftsbildern, deren Erfüllung der Herbst bringen sollte, wie sie hoffte! Fräulein Schmidt war wieder da. Verwundert hatte Mr. Frank die neue Erscheinung gemustert, war dann aber gleichmüthig zur Tagesordnung übergegangen. Am nächsten Morgen, aber fragte er kurz: Wo ist die andere?" Fräulein Schmidt, die man eingeweiht hatte, sagte nur, daß das Fräulein nicht mehr käme. Damit gab sich Mr. Frank aber nicht zufrieden; er wollte ihre Adresse wissen. Das Fräulein verweigerte ihm die Auskunft. Da ging er kurz entschlossen auf den eintretenden Chef zu. Wo ist Ihr Fräulein, die andere? Geben Sie mir ihre Adresse ich will sie heirathen!" So heirathen wollen Sie das Fräulein! Ja, bester Mr. Frank, da kommt es doch vor Allem darauf an, ob Sie ihr als Freier angenehm sind!" Warum nicht? Sie kann doch nur froh sein darüber!" fterx!" brauste Jäger jetzt auf. Sie sprechen von meiner Tochter verstanden? Also mäßigen Sie sich, bitte!" Der Amerikaner aber reckte sich in seiner ganzen stattlichen Höhe empor. Ein warmes Leuchten ging von den dunklen Augen aus, und die Lippen theilten sich über zwei Reihen schöner Zähne. Er hielt dem Chef die Hand entgegen. So ein arbeitsames, fleistiges Töchterchen haben Sie? Well, da brauche ich ja nicht erst weiter zu gehen da können wir die Sache ja gleich fest machen!" Herr!" und Jäger wurde dunkelroth vor Zorn. Glauben Sie, ich gebe meine Tochter jedem ersten besten hergelaufenen Schlingel? Jh.e Tüchtigkeit in Ehren aber meine Tochter wird nicht Ihre Frau!" Mr. Frank schlug dem Erzürnten lachend auf die Schulter. Was wollen Sie denn sonst für einen Schwiegersohn, wenn Ihnen Frank Sheffield, der Sohn des Millionärs,, noch nicht gut genug ist?" Da ward HerrJäger ganz still und sagte: Ja!Am anderen Tage wurde die Verlobung gefeiert. Erna ist glückselig; nur hin und wieder kommt ihr der Gedanke, ob Frank sich .wohl, wenn Fräulein Schmidt nicht gereist Ware, ebensogut in dieses Fräulein verliebt haben würde? Aber er beruhigt sie dann lächelnd mit einem herzlichen ctufc. Und diele Antwort aenüat ihr.
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Illinois u Louisuma 15 West und South et West nd McCarty M Senate Lve. u Henry il Meridian und Rat) No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.u MorrtS 55 Madion Sv.uDunlop a No Haken LetterhauS South nah Delavar Prn.u Merrill 13 Delavare u. McCartd M aft nnd VrSarH U New Jersey u. MerriÄ 7 Birg. Lv. u radsha Caft und Prospekt 8 Bicking und High fl No. 11 Spritzenhaus vk Ave. nahe Hur, M Czst und Seorgia n Ced und Qlm 74 Davidson u Eeorgia n Snglish Av. u Pine l Shelö und Bat 'S No. 5 Spritzenhaus Prospekt nahe Ehelby Fletcher Lv. u Lhelby Market u. New Jersey 33 Delaware und Wash. Z8 East u Washington H New York .Davids 5 iu$ftumnten Anstalt :5 Ver. Etaatm Arsenal 7 Orient! und Wash. Frauen-Neformat. 1 No. IS Spritzenhaus Maryland nahe Ver. Meridian u. yeorzia. Meridian und South' U yenntzl) u. Louiftana !5 Virgini Ave u. Llab. 4Q Hauptquartier. a Grand Hotel. 18 Capital Ave und 1:1 i3 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. Alabama und 16. 25 Central Ave und 15. 2 IndeS und 15. 7 Brcokfide und Juptta 29 Central Ave und 17 29 Delaware und 13. al Alabama und 11. zi Bellesontawe und 5. 34 College Ave und i. 36 Delaware und 13. s Alabama und North 37 Newmann und 18. 38 Collrge Ave und 14. 19 Cornell Ave und 15. 41 AandeS un! 19. Highland Ave und l, 43 Tecumseh und 10. 45 Ne Jersey üitf 22. 13 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hikside Ave und 16. 4 College Ave und il. o College Ave und 7. 52 Park Lve und 12. 5? L C u. W Bahn u. 2. 54 Ramsey Ave und 10, 56 Ttoughtonu Nevman 67 AtlaS und Pike. 65 Blohd und Pawpav. 59 No. il Spritzenhaus Srightwsod . Arden und Depot 6Z Brigytwood und LS, M Rural und Bloyd .ss St. Clair u. Keystone 67 Arsenal Ave n U. 8 ellefontaine und . es ark kzS, in tll Capital Svk und t 213 Pnmshk. u. Lkchtasz, 414 JllinriS und 20. 215 Senate Ave und 21. 21 Pennsylvania und 22. 17 Meridian und l. 218 Camtal Ao und 24 21 Brcadwso und 10. 231 Utooi urd MeCetrx 23 Wo. 14 Spri;enhallS ßf:taccd und 30 255 JllinoiS und 33 25 Annetta und 50 227 No. 9. S'rttzeny Udell und Raoer 223 Ädeil Ladder Ser 239 Jsabel und 27. 241 Meridian und 24, Ul JCiitDiS tt Et. CLcx. 243 Eldridge und 23. 51 West uud Walnut 313 West und 12. 514 Howard und ib. 515 Torbet und Paca 516 Capital Ave und 517 Northwestern Ave tt3j 518 Gent und 18. 519 Canal und 10. 524 Cerealine WorkS 524 Vermont und Lyn 325 BiSmarck u Srandmer 526 No. 29 SprttzenhauS Haughville. 527 Michigan tt. Holmes, 528 Michigan tt. Concm 541 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und k?hio 415 Capital Ave Seorgia 416 Migourtu entucky A. 417 SenatAve u Wash. 421 P und Q 5Umdau W. Washington. 425 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D s 425 Wash. and Harr 426 No. 18 Epritzenuch 23. Washington 427 Olwer und Birch 423 Oliver und Otgood 429 Nordhke und Z?ort 421 Hadley Ave u. MorrVl 452 River Ave u. MnrS 454 Rider Ave und 9fc$ 435 Harbins tt.vig4R? 43S Harding und Oliv 437 No. 19 SprtHenhqI Morriö und axttna4a$a5cacs 4 etotkyartft 461 eiSna und JR2tf 45 Howard und See 455 MorriS und S2MS öS Lambert und BtlcNtf 457 Nordyke Tüt u. iuo ton WorkS klZ West und Siay 613 6mtuH Avu.Ver?v 614 Meridian und Starrt 51 JllinoiS Kt JLrnVH 617 MorriS und Dakta 513 MorriS und Church 519 Capital A. u McCar 521 Meridian und Paln 525 Pine und Lord -624 Madisor. Ave u ttnu! 42 Meridian und Veit SW 27 Carlo und Siatz B28 Veridian und Achnu 2 Meridian u, Stayinond 531 Meridian u. Ttffc&.i 632 No. 17 Spritzent-S MorriS nahe RZeft 615 McKeracm und Douah, 13 East u. Lincoln Irrn 614 East und Lcecha li Wright uns Sanderl 17 McCarty ud Beaiy 18 New Jersey vic Av, 71 Spruce uns Proftxd ns Cnglish Ave. tt. Lau! ,14 State Lvu.Belt R S 7X6 Shelby und Bch n State Ave unv OranS 718 Orange und Launl 719 Shelby u. A? 71 Lerington Ä. Äautj 755 Flttcher Aveu.Spr, 724 State Ave u. Pleasan( 7 Prospekt und Ueasant 758 Orange und Harlar 723 Liberty und Me 729 Noble und South No. 15 Spritzenhaus Ost Washington 815 Market und Noble ?14 Ohio u. Highland Av 815 Michigan u. Highlanr 81 Market u Arsenal Ad 817 Ost 6 Clair und Union Bahn Scleise. 821 Pan Handle ShopS 25 Berm,nl uns WaKotZ 824 Wash. und State Atz. 65 Madden'SLoungeFab 82 Tuckerund Dorsey 817 Wesh.und BeviZe Ad 829 o. 1 Spritzenhaus LeviUe nahe 5w?iz 851 Eeutheaftern Av 5 Woodstde. 855 Wa?h. und Dearbo 854 Southeastern txä Arsenal AveS. 855 New Fork ttd Xa$U 515 JllinoiS und Mary!. 15 JllinoiS und Markt. 14 Penn, nd SO 15 Dekwave nn Väg Spezial-Siznale. krsten Schläge, zweiter Alarm, ' Zweiten Schlage, dritter Alarm, Dritten Schläge, vierter Alarm. t l, Feuer aus und Schlauch ausgeroQ. t Schläge, Wasserdruck ad. 1 Schläge, 1 Uhr Mittags. 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